Das war 2014

Puh, das war ein langes Jahr. Was gut ist, wenn sich die Jahre noch lang anfühlen, ist das ein gutes zeichen, dass ich noch lange nicht dement werde ;-)
Ich war richtiggehend erstaunt, dass einige Ereignisse vom Januar noch in diesem Jahr waren. In ein paar Stunden ist es also vorbei und einiges ist geschehen.

Schreiben

Ich stelle das Schreiben und die Schriftstellerei voran, weil ich dies 2015 zu meinem absoluten Arbeitsschwerpunkt machen will. Aber dazu morgen im Ausblick auf 2015 mehr.
2014 war ein gutes Jahr fürs Schreiben. Nach meinem Ausscheiden aus der ersten Reihe der Kommunalpolitik steckte ich meine Energie zunehmend in das Fertigstellen von Schreibprojekten. In der zweiten Jahreshälfte konnte ich mein Schreibziel von 500 Wörtern pro Tag problemlos erreichen und halten. Damit schaffte ich es 2014, fünf neue eBooks rauszubringen, darunter mit Unter Wittgensteins Löwen ein besonders persönliches Projekt.
Ja, meine Bücher sind kurz, aber es bleibt dabei, ich habe mehr Projekte abgeschlossen als in den drei Jahren zuvor. Genau so viele, wenn ich die extrem kurzen Geschichten Khamel und Introduction nicht mitzähle.
Das hat sich übrigens auch gelohnt: Meine Verkäufe steigen seit dem Start der neuen Produktivität wieder. Inzwischen bin ich bei 1.000 Wörtern pro Tag und habe viele Projekte kurz vor der Fertigstellung. Was ich dieses Jahr geschafft habe, ist die perfekte Grundlage für die weiteren Bücher, die ich schreiben möchte. Meine drei großen Interessengebiete Sachbücher, Science Fiction und Fantasy sind nun alle präsent und darauf kann ich aufbauen.

Politik

Im Mai endete erwarteterweise fürs erste meine Beteiligung in der ersten Reihe der Gladbacher Politik. Ich würde lügen, würde ich sagen, darüber gäbe es nicht viel zu sagen. Aber es gibt in der Tat nicht viel dazu zu sagen, was hier hin gehören würde.
Da ich das schon erwartet hatte, habe ich nicht viel Neues mehr gestartet. Allerdings war ich dieses Jahr in halb NRW auf Demos und Veranstaltungen unterwegs, zu Fracking, gegen die Rechten, für den Radverkehr, zu TTIP/CETA… ich muss nächstes Mal eine Liste machen, es war eine Menge.
Später im Jahr bin ich dann bei der Wahl des offenen Platzes der Vorstandssprecher der Grünen Mönchengladbach um – wenn ich mich richtig erinnere – nur zwei Stimmen unterlegen. Zuvor bin ich – ohne auch nur vorgehabt zu haben, dafür zu kandidieren – Landesdeligierter für die Gladbacher Grünen geworden. Ich habe dort Rückhalt und Unterstützung und da ich letztlich kein Mensch dafür bin, politisch inaktiv zu bleiben, werde ich dort weiter präsent und aktiv sein.

Sonstiges

Ich glaube, ich bin seit 2001 (Tour nach Paris) nicht mehr so viele große Strecken mit dem Rad gefahren wie 2014. Mehrmals nach Düsseldorf und Heinsberg/Oberbruch, ein Mal nach Brüggen und ein paar Mal ins Braunkohlerevier. Vielleicht werde ich ja doch nochmal sportlich.
Ich habe ein paar gute alte Freunde nach langer Zeit an verschiedenen Orten wiedergetroffen. An dieser Stelle ein lieber Gruß an Sabine, Caro, John, Michael, André, Norbert, Rocky und Peter. Und an alle Freunde, die ähnlich weit in der Welt verstreut sind und die ich dieses Jahr nicht sehen konnte. Und an alle anderen natürlich auch.

Ich möchte ein paar meiner Blogbeiträge noch ein Mal hervorheben, weil ich sie für meine besten des Jahres halte (ohne bestimmte Reihenfolge):
Heimatliebe – meine Erklärung, warum ich mit diesem begriff wenig anfangen kann und wieso ich mich dennoch dafür engagiere, Mönchengladbach zu einem besseren Ort zu machen.
Postsedative Wohnwelten – Der Gameboy, das revolutionäre Potenzial neuer Lebensweisen und die engen Horizonte derer, die uns ihre Zukunftsvisionen vorstellen.
Architektur ist alles – zur Oberflächlichkeit und mangelnden Konsequenz in der Erinnerung an Werk und Denken Hans Holleins in der ihm gerne gedenkenden Stadt Mönchengladbach
Die zwei Arten schlurfender Horden – Versuch einer Erklärung der Popularität von Zombie-Medien aus der zunehmenden Allgegenwart der Flüchtlingsdebatte

Das war mein 2014. Mit dem der Welt bin ich nicht zufrieden, aber meines war interessant. Viele Menschen, viele Themen, viele Orte.
Morgen folgt dann meine Vorschau auf 2015 – Vorsätze udn Vorhersagen. Wobei, einen Vorsatz mache ich schon jetzt: Für diesen Beitrag früher Notizen anfertigen, damit er in einem Jahr tatsächlich widerspiegelt, wie viel alles in diesem Jahr war. Und wenn alles nach Plan läuft (ha! Das passiert nie!), wird das so einiges sein.
Auf ein weiteres Jahr!


Freitägliche Fünf 26.12.2014

Und auch heute wieder: 5 Dinge aus dieser Woche, die mir gefallen haben.

1. Aus irgendeinem Grund gab es diese Woche viel Kuchen. Und Schokolade. So vom 24. bis 26. Dezember. Frag mich keiner, warum.

2. Dieses Haus in Oregon, gebaut aus gefundenen und geschenkten Materialien für nur 11.000 $. Ein schönes kleines Haus mit vielen kreativen Ideen aus dem Material, das grade zur Verfügung stand.
In Deutschland wäre es nahezu unmöglich, so etwas legal zu bauen, da für alles Vorplanung und Genehmigung erforderlich ist. Aber an anderen Orten geht es halt und das gefällt mir sehr. Die Treppen aus einem Baumstamm und Brettern gefällt mir besonders, auch wenn ich architektonisch eigentlich Rampen gegenüber Treppen bevorzuge (letztere brauchen aber deutlich weniger Platz).

3. Überhaupt, Pinterest ist eine großartige Seite für Ideen, insbesondere Rezepte und was auch immer das deutsche Wort für „Home Improvement“ ist. Ich war am 23. und den halben 24. Dezember tief in seinen Abhängen verloren.

4. Ich weiss nicht, ob Egloo an irgendeinem Ort funktioniert, der im Winter kühler ist als Italien. Ich weiss auch nicht, ob es im Vergleich zur Heizung wirklich besser ist, übers Jahr etliche Teelichter abzubrennen, die aus Werweisswas hergestellt sind.
Aber es ist eine interessante Idee und ich weiss das zu schätzen.

5. eBooks für lau ist heute 3 geworden. Yay!


Freitägliche Fünf 12.12.2014 und 19.12.2014

So, weil ich letzte Woche den Freitag verpasst habe nun die doppelte Ladung aus meiner Sicht erfreulicher Dinge aus den letzten Wochen, entsprechend diesmal zehn statt fünf.

1. OMG, das ist so süß!!!!11elf! Eine Schildkröte mit missgebildeten Beinen bekommt vom Tierarzt Lego-Räder verpasst.

2. Shakespeare im Globe, aufgeführt in der Aussprache des Dichters selber. Das klingt mehr nach einem betrunkenen Iren als nach dem, was wir in der Schule als Englisch lernen. Ich liebe es!Ich weiss, wo ich hin muss, wenn ich das nächste Mal in London bin. Wann immer das sein wird.

3. Zeppeline! :-) Ich mag Luftschiffe und hoffe schon seit längerem, dass ihnen mit neuer Technologie eine neue Blütezeit bevorsteht. Und man kann nicht sagen, daran würde nicht gearbeitet. Das Luftschiff als klimaneutrales Transportmittel der Zukunft ist eine großartige Sache, der ich schon lange fürspreche.

4. Auch wenn das Weihnachtsgeschäft bei meinen Affiliate-Programmen dieses Jahr absolut schleppend verläuft, der Verkauf von eigenen Büchern pendelt sich gut ein: Der Dezember hat den November am Mittwoch, dem 10. 12., übertroffen. Sehr gut, so kann es ins Jahr 2015 weitergehen. Aber zum Jahr 2015 gibt es am 1. Januar mehr.

5. Irgendwie habe ich die letzten zwei Wochen eine Menge Zeug gratis aus dem Playstation Network bekommen, was gut übeer regnerische Tage mit langen Nächten hilft. Jetpack Joyride Deluxe gab es gratis, weil ich vor einem Jahr das original Jetpack Joyride gekauft hatte – und es macht immer noch Spass ohne Ende. Von Resogun gab es eine PS3-Version, was sehr gut ist, da ich Shmups liebe und ich für die aus PS+ erhaltene PS4-Version keine PS4 habe.
Und dann hat EA auch noch zum 20. Geburtstag der Playstation beglückwünscht und dazu an alle Playstation-Network-Mitglieder Plants vs. Zombies – Garden Warfare (PS4), Need for Speed: Most Wanted (Vita) und Mirror’s Edge (PS3) verschenkt. Beim letzteren Spiel bin ich schon lange auf der Kippe, ob ich es mir irgendwann hole oder doch nicht. Mal ab von dem, was sich gleich spielen lässt, wenn ich denn eine PS4 kaufen werde wird diese vom ersten Tag an gut mit Spielen betankt sein ^^

6. Bleiben wir kurz in der Welt der Videospiele. Denn nach drei Jahren seit dem RROD meiner alten 360 habe ich endlich wieder eine funktionierende Xbox 360. Eine schöne alte, noch ohne HDMI-Anschluss und in weiss, quasi ein antiquarisches Schmuckstück von einer 360. Was heisst, dass ich endlich lange im Regal liegen gebliebene Sachen wie das erste Bioshock nachholen kann (und ja, Kung-Fu Panda). Wobei ich im direkten Vergleich der aktuellen Betriebssysteme der Konsolen schon sagen muss: Menü und Online-Shop sind bei der PS3 doch um Längen besser.
Und Mushihimesama Futari kann ich im Xbox Store gar nicht erst kaufen, weil es zwar erhältlich ist, aber der Titel in Kanji geschrieben ist, nach denen ich auf der Xbox nicht suchen kann. Mal ganz im Ernst: m(

7. Kommen wir zu den lokalen Nachrichten. Ich hatte bei der Klage gegen den Tierpark wegen Lärms einiges befürchtet, aber glücklicherweise scheint dies nicht nur unbegründet, das ganze wird eine Posse eerster Güte. Losgegangen ist es dann mal mit einer Zeugin, die der Tierpark gar nicht stört und die das Schreiben gegen diesen mehr aus nachbarschaftlicher Solidarität unterschrieben hat. Kannse dir nicht ausdenken!

8. So kann es gehen mit der Inspiration: Die letzten Wochen wollte ich mit Desert King eigentlich nur eine englischsprachige Zombie-Kurzgeschichte schreiben. Die Kurzgeschichte wuchs dann zu einer Novelle heran. Und aus der Novelle wurde schließlich eine Reihe von vier Novellen. Die Reihe All Hail the King werde ich nun 2015 mit allen vier Bänden plus Sammelband gleichzeitig veröffentlichen und damit ich bloß nicht auf dumme Gedanken komme, ist die Serie damit komplett in sich geschlossen. Die Bände: Desert King, Carnival King, Swamp King und Long Live the King.

9. Die rechte Demo Dügida wird zum Reinfall, in Düsseldorf bleibt als Islamkritik getarnte Fremdenfeindlichkeit ein Randphänomen. Das gibt Hoffnung.

10. Wo ich vorhin schon beim Schreiben war: Ich weiss jetzt klar, dass deutlich über 1.000 Wörter am Tag für mich gut möglich sind und habe damit mein Ziel für 2015 gesetzt: 500.000 Wörter im kommenden Jahr. Das entspricht ca. 45 mal meinen aktuell längsten veröffentlichten Werken. Dass ein solches Volumen ohne Qualitätsverlust realistisch ist, ist für mich ermutigend.


In eigener Sache: Umbauarbeiten im Blog

Dieses Blog ist jetzt schon ein paar Jahre in dieser Form online. Es waren genug Jahre, denn inzwischen stoßen einige Elemente seines Designs an die Grenzen eines im freien Markt für eine breite Nutzergruppe verfügbaren Themes. Meine Nutzung des Blogs hat sich verändert, meine Ziele mit ihm haben sich teils verändert, teils konkretisiert. Daher werde ich das Blog in nächster Zeit so umfassend umstellen wie seit Bezug der aktuellen URL nicht mehr.

Ich werde das nicht auf einen Schlag tun, wie so viele Seiten, die über Nacht ein vollkommen neues Erscheinungsbild erhalten. ich mag diese Art der Veränderung nicht, weil sie alte Nutzer vor den Kopf stoßen kann. Vielmehr werde ich nach und nach Elemente anpassen, auch ein wenig mit technischen Möglichkeiten rumprobieren, die ich bisher noch nicht genutzt hatte.

Dreh- und Angelpunkt der meisten Änderungen wird die Seite mit den Links zu meinen Büchern sein. Aktuell ist die Situation die, dass die schiere Anzahl an Links zu den verschiedenen Verkaufsstellen beginnt, das Layout der Seite zu sprengen. Die Einträge für die Bände der Meilensteine der Evolution sind komplett durcheinandergewirbelt, der Eintrag für Science-Fiction schwebt mitten in der Luft, es ist alles ziemlich suboptimal. Davon ab wird die Seite auch länger als sie sein sollte. Ich will möglichst viel Inhalt möglichst schnell zugänglich halten und das ist etwas, was in den nächsten Monaten immer wichtiger wird, während sich mein Angebot an Titeln vergrößert.
Ich habe dafür eine Lösung im Kopf, aber diese erfordert die Einführung neuer technischer Möglichkeiten, die ich zum Teil erst noch ausprobieren muss. Und wenn ich da schon bei bin, kann ich halt auch gleich das Design des Blogs etwas aufräumen, es haben sich mit der Zeit sehr viele raumgreifende Elemente angesammelt, was die Navigation nicht einfacher macht.

Insgesamt strebe ich ein Design an, das deutlich mehr Fokus auf die Inhalte und weniger auf Navigation und sonstige Seitenfunktionen setzt.
Das Ergebnis sollte technisch moderner, schneller, übersichtlicher und einfacher zu nutzen sein als die jetzige Seite. Ein paar neue Funktionen und Inhalte gehen damit natürlich auch gleich einher.

Bis zum Jahreswechsel sollten alle Veränderungen durch sein. Dann gibt es neue Navigation, eine erneuerte Präsentation der Bücher, ein paar damit verbundene neue Inhalte und neue Funktionen. Macht Erinnerungs-Screenshots, so lange es noch geht! Ich bin dann mal mit On-Mouse-Over-Effekten, Pop-Ins (nicht für Werbung oder Umfragen!) und dynamischen Header-Designs experimentieren. Das wird lustig
Und wenn ich dazu noch komme, räum ich auch gleich das Blogdesign für Smartphones auf, das ist durch die Seitenleiste ein wenig überfrachtet.

Nachtrag, 7.12.2014
Okay, vielleicht wird sich doch etwas mehr ändern, als angedacht. Mir sind im Laufe des Tages einige Ideen gekommen, die ich noch nirgends für ein WordPress-Blog umgesetzt gesehen habe, die zugleich aber sehr attraktiv sind. Ja, ich habe momentan Spass mit dem Experimentieren. Die ersten Neuerungen kommen in den nächsten Tagen im Blog an.


Freitägliche Fünf 5.12.2014

Fünf positive Dinge aus den vergangenen sieben Tagen, jeden Freitag. Jetzt schon zum dritten Mal zu füllen geschafft. Yay!

1. Es ist nicht einfach, in der gegenwärtigen Zeitungslandschaft guten Wirtschaftsjournalismus zu finden und im Wirtschaftsteil kann man die Suche gleich ganz aufgeben. In der FAZ gab es diese Woche mal eine Perle klugen Wirtschaftsjournalismus. Im Feuilleton in einer TV-Kritik, denn fast nur noch dort kann man heute noch Kluges über die Wirtschaft sagen, aber immerhin. Unbedingt lesenswert.

2. Hier mal eine kleine Doku. Für am Thema Nachhaltigkeit interessierte nicht viel neues, aber dennoch ist es eine guter Rundumschlag zur Einführung ins Thema.

3. Ich habe einen hübschen Schrank vom Sperrmüll gezogen. Mehr oder weniger Sperrmüll, er stand vor einem leergezogenen Haus mit allerlei Brettern und einem Schild „zu verschenken“. Ein Regal, das sehr schön zu meinem Plan passt, den Schreibschrank durch ein Stehpult zu ersetzen — bis jetzt fehlte es mir dazu an Stauraum für die bisher im Schreibschrank aufbewahrten Bücher und Utensilien.
Nachdem ich ihn etwas über einen Kilometer durch die Nacht geschleppt habe kann ich auch klar bezeugen, dass das Regal stabil und schwer ist. Das sollte ein wenig halten.
Ein sehr schöner Zufallsfund auf dem Weg zur Fraktionssitzung und somit das wahrscheinlich beste, was eine Fraktionssitzung mir in den letzten Monaten gebracht hat.

4. Ich mag es, wenn Menschen große Probleme mit simplen Ideen angehen, die einen Tick ausserhalb der „normalen“ Denkweisen liegen. Der Gedanke hinter der Grazing Revolution ist ein solcher: Wir haben wachsende Wüsten? Dann gehen wir doch hin und machen aus der Bekämpfung des Wüstenwachstums ein Geschäft. Gezielte Viehwirtschaft soll die alten Tiergemeinschaften der Steppen simulieren. Sie weiden auf spärlich bewachsenem Boden, kacken dort, wodurch der Boden gedüngt und fruchtbarer wird, was stärkeres Wachstum von Pflanzen mit sich bringt.
Das Buch ist mehr eine Autobiografie mit Fokus darauf, wie der Autor den Plan auf seiner eigenen Farm in Simbabwe umgesetzt hat, aber es ist schon allein interessant, diesen Ansatz anzustoßen.

5. Die Uni von Bristol bringt uns einen Schritt näher an Formenergie. Mit gezielt projizierten Schallwellen erzeugen sie bei Hologrammen die Illusion, diese böten beim Berühren Widerstand. Ganz im Ernst, die Hologrammtechnologie ist fortgeschrittener, als ich gedacht hätte, bleibt aber bisher abgesehen von Gorillaz-Konzerten in den Laboren versteckt. Wobei, Gorillaz-Konzerte gibt es auch nicht mehr, oder?

Runner-Up
Heute hatten wir bei Grünens das inzwischen zur Tradition herangewachsene Packen von Präsenttüten zu Nikolaus, welche dann am 6. Dezember in den Flüchtlingsunterkünften der Stadt an die Kinder verteilt werden. Hat wie immer Spass gemacht, in der kleinen Gruppe zu packen und die Schenkaktion vorzubereiten.


Apnoe-Flachköpper: Rezension zu Free Rainer

Dank Netflix sehe ich in letzter Zeit einige Filme, die ich schon lange schauen wollte. Einer davon war Free Rainer. Es kommt selten vor, dass ich zu einem konsumierten Medium nachher so viel sagen will, dass ich dafür einen Blogbeitrag bemühe. Free Rainer ist ein solcher Fall, einfach, weil er so ein seltsames Erlebnis war, zugleich aber auch unfreiwillig einige Probleme der gegenwärtigen Kulturdiskussion veranschaulicht.

Die Geschichte
Rainer ist der verkokste Produzent von strunzdämlichen Unterhaltungssendungen beim Privatsender TTS, einem hauchdünn verpackten Klon von RTL2. Nachdem er einen Anschlag schwer verletzt überlebt, kommt er als veränderter Mensch zurück – seine Fieberträume und die Geschichte der Attentäterin Pegah bringen ihn zu der Erkenntnis, dass seine Produkte den Menschen und der Gesellschaft insgesamt geschadet haben. Sein Versuch, eine Sendung mit mehr Anspruch ins Programm zu bringen, scheitert kläglich und er kündigt beim Sender, um der Ursache für die Volksverblödung durch das Fernsehen auf den Grund zu gehen: Den Quoten.
Nachdem er herausfindet, dass die Quoten tatsächlich die Sehgewohnheiten einiger weniger gemessener Haushalte darstellen, entwickelt er einen neuen Plan. Mit Hilfe einer kleinen Gruppe Arbeitsloser (und des paranoiden Sozialphobikers Philipp) manipuliert er die Einschaltquoten, um niveauvolle Sendungen plötzlich profitabel erscheinen zu lassen.

Kritik
Free Rainer anzuschauen ist ein seltsames Erlebnis. Man sieht ihn und während der Abspann läuft ist da dieses angenehme, warme Gefühl, etwas gehaltvolles gesehen zu haben. Kulturkritik, die Entwicklung der Vorstellung einer besseren Welt, nah genug an der unseren um wahr zu werden, ein Hoffnungsschimmer der Möglichkeiten, eine Eulenspiegeliade. Die Mischung aus konsensfähigen Überzeugungen (Marke „Reality TV ist scheisse und verblödet“), Humanismus (Der Mensch ist zu besserem fähig, man muss ihn nur anstupsen) und der Regisseur Weingartner eigenen Revolutionsromantik (noch deutlicher im Vorgänger Die fetten Jahre sind vorbei) ist die perfekte Droge für so manchen eher links gesinnten Geist. Dieses warme Gefühl, das da entsteht muss in etwa das sein, was andere beim Betrachten eines Heimatfilms empfinden, nur halt mit Revoluzzer- stat Alpenromantik.
Für einen Moment. Dann kommen die Fragen. Dann kommt die Erkenntnis, dass diese ganze Kulturkritik doch sehr simpel gestrickt ist.
Es sind anfangs nur kleine Misstöne, die man im Film bemerkt, aber als Nebensätze übersprungen hat. Dass der Film ein paar mal Schwarz-Weiss-Bild als visuellen Hinweis auf hohen kulturellen Wert des neuen Fernsehprogramms nutzt — geschenkt. Dass die Mathematik erschreckende Salti schlägt, wenn bei einem Prozentanteil ein Balken schrumpft, ohne dass andere steigen — na gut, das ist halt kein Film über Mathematik. Immerhin wird das Fernsehen ausgewogen dargestellt: Gutes wie schlechtes Programm existieren, das Medium selbst kann auf verschiedene Arten genutzt werden.
Aber schon da ist dieser kleine Moment, den der Film anschließend übergeht. In einer Diskussion, welche Programme gut sind, wirft einer der engagierten Arbeitslosen American Chopper ein. Im Film ist es nicht mehr als ein Gag, aber der wahre Kern geht dabei unter: Qualität ist zu großen Teilen subjektiv. Des einen Prollo-Mist auf Sendern wie DMax ist des anderen Arte-Äquivalent. Und warum eigentlich nicht? Einem Kunstkritiker eine Folge der Chrom anbetenden amerikanischen Motorradfans vorzuführen wäre ein ebenso amüsantes wie potenziell fruchtbares Experiment. Was genau macht einen Picasso (oder wegen der industriellen Reproduzierbarkeit vielleicht passender, einen Warhol) eigentlich wertvoller als eine Harley Davidson? Den Film interessiert die Frage nicht weiter. Aber das ist schon in Ordnung, denn der Film lässt für eine solche Diskussion keine Zeit, sie den Rezensenten zu überlassen ist wahrscheinlich kein Fehler.
Dann jedoch kodiert der Film weiter den Kontrast zwischen guter und schlechter Kultur. Kann man machen, wenn man über Inhalte spricht. Das aber tut Weingartner nicht. Er arbeitet mit Oberfläche. Bücher und die Oper werden als Indikatoren dafür benutzt, dass es der Kultur besser gehe. Videospiele und Musicals sind die Stellvertreter verdummender Unkultur. Während das Fernsehen differenzierte Betrachtung erhält, tauchen am Rande andere Medien als gänzlich gut oder schlecht auf. Sie sind auf Schlüsselreize reduziert, die ebenso unterkomplex die angelernten Reflexe der Zielgruppe auslösen, wie es jenes schlechte Fernsehen tut, dem der Film dies vorwirft. Dass der Großteil aller Bücher (auch aus den Verlagen) nach den meisten Maßstäben Schund ist, dass Videospiele sich mit ihren ganz eigenen narrativen Möglichkeiten zunehmend neben den anderen Kunstformen etablieren, fällt da unter den Tisch. Oper=Gut, Musical=Schlecht ist sogar eine Unterscheidung, die man nur treffen kann, wenn man ordentlich aus Vorurteilen schöpft (mir ist noch nicht mal klar, was genau der Unterschied sein soll).

Free Rainer leidet damit an Halbreflektiertheit. Der Film hat das sprichwörtliche Herz am rechten Fleck, trägt aber in sich die Saat dessen, was er kritisiert. Das Ansprechen von Schlüsselreizen in der Zielgruppe, letztlich die Grundlage, auf der das gerne kritisierte Schrottfernsehen es schafft, so viele Zuschauer anzuziehen: Es konzentriert sich auf die Schlüsselreize seiner (allerdings viel größeren) Zielgruppe.
So kann sich der links geneigte Zuschauer dem warmen Gefühl in der Brust hingeben, er habe grade etwas profundes, wahres, revolutionäres gesehen. Und wird damit selbst Opfer der Einlullung in einfache Denkmuster.
Es gibt nichts, was Free Rainer wirklich hinterfragt. Der Film baut Vorurteile des Kultursnobismus zu einer angenehmen Gutenachtgeschichte für die Anhänger eben jener.

Damit illustriert Free Rainer das Hauptproblem der gegenwärtigen Kulturdebatte: Es wird nur noch mit Vorurteilen umhergeschmissen. Diese und jene Medienerscheinung verblödet, jene andere hingegen ist richtige Kultur, was auch immer das eigentlich sein soll. Der gesamte Kulturbetrieb ist zu einem an mangelnder Selbstreflexion leidenden Zirkus geworden, dessen Publikum sich nur zu bereitwillig von einfachen Erzählungen einlullen lässt.

Aber wisst ihr was: Das geht in Ordnung. Das angenehm warme Gefühl in der Brust beim Ansehen einer Schmonzette ist durchaus ein Wert für sich, wenn man ihn zu dosieren weiss. Angenehme Gefühle dieser Art sollen ja sogar das Leben verlängern. Ob dieses Gefühl nun aus der Hochzeit am Ende oder der erfolgreichen Revolution folgt, ist dabei allerdings nur eine Frage von Nuancen. Beides ist in der selben Weise Schmonzette.

Andererseits, wenn ich mir die Verwendung von Musik im Film ansehen, die gerne mal dem Publikum vorschreibt, was es grade zu empfinden hat, kann es durchaus auch sein, dass das Regisseur Weingartner durchaus bewusst ist.