Politische KW 22/2015

Hallo und willkommen zurück zur Politischen KW. Nach langer Zeit bin ich wieder stärker in der politischen Arbeit involviert. Zudem denke ich inzwischen, dass es doch einfach effizienter ist, ein Mal in der Woche gebündelt zu berichten.
Was die Politische KW ist? Ein wöchentlicher Bericht darüber, was ich in der vergangenen Woche politisch so getan habe.
Neu übrigens die unterstrichelten Wörter. Die sind ab sofort dazu da, Abkürzungen, Fach- und Insiderbegriffe zu erklären. Einfach Maus auf einen dieser Begriffe halten, eine kurze Erläuterung sollte erscheinen. Denn Politiker neigen ja leider sehr oft zu einer eigenen Sprache, die sich durch den täglichen Umgang mit verschiedenen Begriffen mit der Zeit einfach einschleicht.

Mittwoch traf sich der Umweltausschuss an der abgeschlossenen Regenabflussausbesserungsmaßnahme Bungtbach (die NEW spricht gerne von Renaturierung, weil das in vielerlei Hinsicht besser klingt). Wie ich aus der Presse erfuhr, fanden wir das alle ganz toll. Nun, sagen wir mal so, es ist ein positives Ergebnis, da geht aber noch was. Zum Beispiel eine Lösung für die unterirdisch durch Kanäle laufenden letzten 200 Meter die verhindern, dass sich jemals Leben von weiter unten im Flusssystem den Bach hoch ausbreitet. Das Wasser soll vorbildlich sauber sein. ich überlege, diese These zu testen, indem ich Brunnenkresse pflanze und schaue, wie sie dort gedeiht. Gut aussehen tut es auf jeden Fall.
In der eigentlichen Sitzung im Volksbad nach der Exkursion (nein, nicht badend, es gibt einen Veranstaltungsraum dort, wobei ein Umweltausschuss im Freibadbecken mal was anderes wäre) gab es dann Themen wie die Umstrukturierung der GEM, den Stand des Katastrophenschutzes (beides mit umfangreichen Diskussionen, beispielsweise interessierten mich die Möglichkeiten des Katastrophenschutzes, bei Stromausfall zu agieren), den Stand der Luftqualität und die Abfallstatistik anzuhören. Beschlossen wurde die Teilnahme der Stadt am Stadtradeln sowie unser Antrag, Möglichkeiten zu untersuchen, Müllbehälter auf Spielplätzen besser zu sichern, damit der Müll nicht über die Spielplätze verteilt wird.

Donnerstag galt es, die LDK in Bielefeld mit den Mönchengladbacher Grünen vorzubereiten.
Zu den restlichen Punkten und warum ich sie hier nicht weiter anspreche mehr unter dem Punkt Samstag/Sonntag, hier nur zu den zwei Themen, die ich als kontrovers betrachtete und daher dort gezielter vorstellte.
Da war zum einen der Antrag mit dem klaren Titel „Keine religiösen Symbole an und in Gebäuden des Landes“:

Der Staat – und damit auch das Land NRW – sind säkulare Angelegenheiten. Religiöse Symbole haben – von Regelungen des Denkmalschutzes abgesehen – an und in Gebäuden des Landes nichts verloren.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich dafür ein, dass alle staatlichen und kommunalen Stellen angewiesen werden, ggf. noch vorhandene Symbole abzuhängen.

Wer meine Position zu Religion kennt wird nicht überrascht sein, dass ich den voll unterstütze. Mir war aber auch klar, dass er kontrovers sein würde und so stellte ich ihn vor, um darüber zu debattieren. Ich hatte mir eine interessante Debatte erhofft und die gab es auch. Was ich nicht unbedingt erwartet hatte war, dass die Anwesenden in der Vorbereitung mit deutlicher Mehrheit für den Antrag stimmten. Immer schön, wenn man positiv überrascht wird.

Zum anderen gab es einen Antrag zu Ausschlusskriterien bei der Parteimitgliedschaft, ich habe den sich im Vergleich zur alten Fassung veränderten Passus unterstrichelt (für die alte Version die Maus auf den unterstrichelten Text halten):

Die Mitgliedschaft oder Mitarbeit in nationalistischen, rassistischen, antisemitischen, antifeministischen und/oder homophoben Organisationen ist mit einer Mitgliedschaft im Landesverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN nicht vereinbar

Die alte Fassung nutzt mit „neo-faschistisch“ einen schwierig abzugrenzenden Begriff. Die neue Fassung ersetzt ihn mit fünf noch schwieriger abzugrenzenden Begriffen. Okay, drei, auf den Inhalt von „homophob“ und „rassistisch“ können wir uns wahrscheinlich recht schnell einigen, auch wenn es da schwierige Grenzfälle gibt. Aber der Rest — ohje.
Antisemitisch — wir hatten vor drei Jahren eine Debatte zur Legalität der Beschneidung. Da fiel der Begriff des Antisemitismus recht häufig. Meine Position in der Debatte war recht eindeutig — und wurde teils klar als antisemitisch eingeordnet. In Amerika ist die Debatte so weit, dass israelkritische Juden (aus verschiedenen Gründen ein durchaus großer Teil des Judentums) als jüdische Antisemiten bezeichnet werden (Noam Chomsky ist ein prominentes Beispiel).
Nationalistisch — klar, niemand will eindeutige Pegida-Anhänger bei den Grünen, aber Nationalismus hört nicht an den deutschen Grenzen auf. Was ist mit den Nationalbewegungen in Schottland, Baskenland, Katalonien, Kurdistan? Oder der Nepalhilfe? Diese Gruppen sind alle in gewisser Weise nationalistisch. Wo ist die Grenze? Oder sind nur jene Nationalisten Nationalisten, denen wir keine Sympathie entgegenbringen? Nur jene, die wir nicht (nationalistisch) romantisieren können? Ich bin gar nicht gegen die Unabhängigkeit von Schotten, Basken, Katalonen oder Kurden. Aber wir sollten aufpassen, was die Begriffe, die wir so benutzen eigentlich bedeuten. Nationalismus etwa, (kurz gefasst) die Überzeugung, dass ein Volk mit dem es beherbergenden Staat möglichst deckungsgleich sein sollte.
Antifeministisch — das werfen sich verschiedene feministische Bewegungen ja gegenseitig an den Kopf. Weitgehend unbrauchbare Vokabel. Besonders eklatant, dass sich aktuell zunehmend Gruppen formen, die Feminismus durch Gleichberechtigung ersetzen wollen, welche dann als antifeministisch bezeichnet werden. Einige wollten zusätzlich oder statt dessen „sexistisch“ in der Liste haben — was zu bestimmten Formen des Feminismus in Widerspruch stünde. Alice Schwarzers Emma beispielsweise ist offen sexistisch, wenn sie Männer als die grundsätzlich schlechteren Menschen darstellt.
Es gibt noch ein paar formaljuristische Details, die in der alten Version aber identisch waren.

Freitag abend hätte ich eigentlich in Titz sein sollen, hätte ich mir den Termin nicht eine Stunde später notiert als er war. Damit habe ich meine Abfahrt in Wanlo verpasst. Sehr unangenehm, aber passiert. Habe mich mit Pizza und Freunden getröstet. Muss auch mal sein.

Samstag und Sonntag folgte die uninteressanteste LDK, die ich je erleben durfte. Die haben wir vermutlich gemacht, damit wir dieses Jahr eine gemacht haben (und um ein paar Gremien wie den Landesfinanzrat und den Landesfrauenrat zu besetzen, was halt auch nötig ist). Im Grunde haben wir in den Anträgen zu den politischen Inhalten der Partei das grüne Parteiprogramm noch einmal bestätigt. Jedenfalls bin ich ziemlich sicher, dass es wenige überraschen wird, dass Grüne für Naturschutz, Klimaschutz, kulturelle Pluralität, Nachhaltigkeit in jeder Hinsicht, Hilfe für Flüchtlinge, freies Internet und so weiter einstehen. Egal, was Kretschmann unten in Stuttgart erzählt, Kretschmann ist nicht die Partei.
Bis auf einen kleinen Einwurf zum Elektrosmog beim Thema Freifunk, der dennoch mit höchstens zehn Gegenstimmen angenommen wurde, lief praktisch alles einstimmig. Die Debatten bestanden dann auch aus Ausführungen, warum der Antrag zu unterstützen sei (bis auf das Freifunk-Thema eben). Fad. Mein größtes Amüsement war es, im Foyer den Stand von Gelsenwasser auszulachen, weil Gelse in österreichisch Stechmücke heisst und Gelsenwasser somit Mückenbrühe.
Übrigens hatten wir für den Freifunk einen Bonusgladbacher aus einer anderen Partei dabei: Reiner Gutowski von der Piratenpartei durfte uns danken, dass wir sein Projekt unterstützen.

Na, wo ist Walter?

Na, wo ist Walter Reiner?


Zu meiner großen Enttäuschung gab es keine Abstimmung zu den beiden kontroversen Anträgen. Deren Bearbeitung will nun der Landesvorstand übernehmen. Schade ist dies vor allem um den Antrag gegen religiöse Symbole. Der hatte keine ernsthaften Chancen auf eine landesweite Mehrheit, aber das war für mich auch nicht der Punkt: Er hätte eine interessante Debatte ausgelöst. Und so etwas brauchen wir dringend. Wir Grüne. Wir Nordrhein-Westfalen. Wir Deutsche. Wir Bürger der bräsigen Republik Merkel.

Was nicht heissen soll, dass es dort nichts zu tun gab: Wenn es inhaltlich wenig interessant ist, nutzt man die Zeit zwischen den Abstimmungen halt, um sich mit den Kollegen aus den anderen Städten und Kreisen politisch auszutauschen und zu koordinieren.

Ein Highlight war dann aber am frühen Sonntag die Rede von Toni Hofreiter. Ein Rundumschlag der Themen der Partei mit der spürbaren Lust, sie offensiv in die politische Debatte zu bringen und die Regierung herauszufordern. Und mit Zitaten wie diesen:

Na, wer findet meinen Hinterkopf? Bild: dpa/Krato

Na, wer findet meinen Hinterkopf? Bild: dpa/Krato

Auf Twitter habe ich meine Kritik natürlich etwas diplomatischer formuliert, die richtigen werden es verstanden haben:


„Harmonisch“…

Sonstiges: Dienstag gab es eine Fraktionssitzung zur Vorbereitung der Woche, aber die sidn meistens nicht spannend genug, um da etwas zu berichten


Freitägliche Fünf 29.05.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal mit Grün jeglicher Art und einem Bonussaurier.

1. In Frankreich müssen die Dächer von allen neuen Bauten in Gewerbegebieten zukünftig begrünt oder mit erneuerbaren Stromerzeugern ausgestattet werden.

2. Diese freundliche Erdbeere

Diese Erdbeere mag dich

Diese Erdbeere mag dich

3. Hier gibt es eine pedalbetriebene Waschmaschine, gedacht für Entwicklungsländer. Kostenpunkt 40 US$ und läuft halt ganz ohne Strom. Das ist im Grunde für Entwicklungsländer, aber ich finde das durchaus auch interessant, denn die sieht relativ klein aus und eine handelsübliche Waschmaschine ist für mein Wäscheaufkommen absolut überdimensioniert, was mich stört.
Wie wär’s mit einem Querfinanzierungsmodell — für 80$ verkaufen, dann gibt es je eine für den Käufer und eine für (sagen wir mal) den Sudan. So was gab es ja mal mit Laptops.

4. About damn time: EA nimmt in FIFA 16 die Frauennationalmannschaften ins Spiel auf.

5. Es gibt einen Plüschmosasaurier zu Jurassic World. Und der ist sooooooo süß:

Plüsch-Mosasaurier

Vor allem, wenn er versucht, böse zu kucken


Tipps: Produktivität erreichen, Aufschieberei beenden

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Dieses Blog ist Zeugnis für zwei Dinge: Meine Neigung zur Aufschieberei und meinen Weg in eine produktivere Arbeitsweise. Nach langem Dahindümpeln konnte ich es aus der Letargie befreien. Damit spiegelt es auch meine restliche Schreibtätigkeit wider.
Da ich weiss, dass viele damit kämpfen, insbesondere andere Schreiber diverser Zünfte (ob Texter, Autoren, Forscher, Politiker oder Journalisten), dachte ich mir es würde lohnen festzuhalten, mit welchen Ansätzen ich zurück in die Produktivität gefunden habe.
Warnung: Es folgt Text. Eine Menge Text.

Nicht alle Zeit ist gleich

Ich habe lange mit dem Ansatz gearbeitet, ohne Bürozeiten sehr flexibel sein zu können: Arbeiten, wann ich will, wo ich will, solange die Arbeit halt nur erledigt wurde. Das ist, wie ich inzwischen feststellen muss, keine sonderlich gute Idee.
Der Biorytmus ist eine tückische Angelegenheit. Es ist wohl allgemein bekannt, dass wir im Laufe des Tages besser und schlechter für kreative Arbeit geeignete Zeiten haben. Wenn man diese effektiv nutzt, ist das hervorragend. Und da Kreative nach meiner Erfahrung in überwältigender Mehrheit nachts ihre beste Zeit haben ist es dabei auch gut, nicht an die üblichen Bürozeiten gebunden zu sein.
Aber es gibt da auch eine Falle: Die Zeiten, in denen unser Geist am aktivsten ist und uns das Schreiben somit am leichtesten fällt ist auch jene Zeit, in der wir uns am leichtesten ablenken lassen. Eben weil unser Geist am aktivsten ist. Und zumindest bei mir ist es so: Wenn die Zeit nicht klar dem Schreiben gewidmet ist, erliege ich auch den Ablenkungen und verschiebe die Arbeit auf andere Zeiten — die allerdings deutlich weniger dafür geeignet sind. Die Arbeit schleppt sich dann nur noch voran und nur hin und wieder bleibt Zeit, auch bei den eigenen Sachen weiter zu kommen.
Das habe ich überwinden können, indem ich der Schreibarbeit eine klare Uhrzeit zugeordnet habe. Und da ich abends oft weg bin (das kommt davon, wenn man in der Politik aktiv ist) ist das nun doch wieder die Zeit von 13–17 Uhr geworden — Mittagessen als Startpunkt und die Belieferung von eBooks für lau am Abend als Endpunkt.
Das mag sich nicht mit meinen täglichen Hochs decken, aber da ich diese Zeiten in der Woche jeden Tag einhalten kann, sorgt die Reservierung der Zeit und die Regelmäßigkeit für bessere Ergebnisse als die vorherige Verzeitung am Abend, wo ständig Termine, Verabredungen und allgemein die Zeitpläne vieler anderer Menschen mit meiner Arbeit ins Gemenge kommen.
Vor Jahren habe ich den Morgen zum Schreiben genutzt, als ich noch täglich die Videospielseite Sporle & Co. gefüllt habe. Auch das ist eine Zeit, zu der einen so gut wie nichts und niemand stört. Das geht also auch. Nur eines ist klar: So motiviert wir abends auch sein mögen, es ist eine Scheisszeit zu Arbeiten, weil alle anderen abends eben nicht arbeiten. Lasst den Abend von vorneherein für das soziale Leben frei, alles andere gibt nur Kuddelmuddel.
Und was den Biorytmus angeht: Der ist kein Naturgesetz. Euer Verhalten formt euren Rytmus, nicht umgekehrt. Das Umgekehrte ist nur die Trägheit eurer vorherigen Verhaltensweisen. Einzig der Tag-Nacht-Verlauf ist von der Natur vorgegeben, die weiteren Feinheiten liegen bei euch.

Routine hilft

Nein, das ist nicht das selbe wie der vorherige Punkt. Sicher, tägliche Routine hilft, aber das muss ich nicht weiter betonen, das wird euch jeder sagen, der etwas über Produktivität erzählen möchte.
Routine kann auch höhergeordnet sein: Ebenso wie die tägliche Routine hilft mir auch die wöchentliche Routine. Das klare Wissen, was am jeweils heutigen Tage zu tun ist, ohne lange überlegen oder im Kalender nachschlagen zu müssen, ist eine unglaubliche Hilfe. Ich setze mich an den Schreibtisch und weiss sogleich meine erste Aufgabe und vielleicht auch die zweite und dritte. Sofort stellt sich dieses Gefühl ein, aus einem Sinn hier zu sitzen. Und danach das motivierende Gefühl, etwas geschafft zu haben, was zu mehr geschaffter Arbeit führt. Da ist der menschliche Geist dann wie ein Fahrrad: Ein Mal richtig in die Pedale getreten rollt es auch eine ganze Weile weiter.
Ich habe das erstmals mit den freitäglichen Fünf bemerkt, die ich seit der Einführung zunehmend zuverlässiger fristgerecht einstellen konnte. Die Wiedereinführung des Dino-Dienstag (zugleich eine begleitende Maßnahme zu meinen Sachbüchern zum Thema) sowie die neue Mediale KW verstärkten den Effekt noch und inzwischen habe ich ein klares Muster für Veröffentlichungen hier im Blog:

Wochenplan thomasdiehl.eu
Montag: Mediale KW
Dienstag: Dino-Dienstag
Mittwoch: Sonstiges (wenn etwas vorliegt), neue Veröffentlichungen grundsätzlich mittwochs
Donnerstag: Beiträge zu Bloggen, Schreiben, Selbstverlag
Freitag: Freitägliche Fünf
Samstag: Ruhetag
Sonntag: Politische KW (Neustart ab kommenden Sonntag)

Somit habe ich die Woche im Blog immer gut gefüllt. Zudem erhalte ich etwas, was ich als gutes Verhältnis von persönlichen Beiträgen (Montag, Freitag), begleitenden Beiträgen zu meinen Veröffentlichungen (Dienstag, Donnerstag) und Politik (Sonntag) betrachte, mit dem Mittwoch als Puffer für aktuelle Entwicklungen. Das war so nicht geplant, aber nachdem ich ein Mal die drei Serien auf jeweils einen festen Tag gesetzt habe, hat sich das ergeben und ich glaube, das Blog profitiert erheblich davon.

Portionieren

Diesen Tipp gibt praktisch jeder Ratgeber zu Produktivität, aber es lohnt sich, ihn zu wiederholen: Große Projekte in einem Schwung perfekt abschließen zu wollen bringt nichts ausser Frust.
Dieses Blog ist ein gutes Beispiel: Ewig habe ich an seinem Design gearbeitet, alles auf ein Mal fertigstellen und einsetzen wollen. Und damit blieb ich stecken.
Am Ende habe ich das neue Design in einer imperfekten Form aufgeschaltet, um endlich die grobe Struktur da zu haben und den Rest nach und nach ausbessern zu können. Und das funktioniert: Seit ich auf das neue Design der Seite gewechselt habe, habe ich fast jeden Tag eine Kleinigkeit verändert und es stetig verbessert. Der RSS-BUtton ist neu, der Punkt „…anderswo“ in der Seitenleiste ebenso, die Technik hinter den Tabs habe ich von z-index-Änderung auf display-method-Änderung umgestellt, die Beitragstitel interagieren jetzt mit dem Blogtitel, es gibt jetzt einen Druck- und ePub-Export — allerlei Kleinkram halt.
Der Versuch, all die kleinen Änderungen auf ein Mal umzusetzen hätte darin geändert, dass ich wochenlang nichts getan hätte mit dem Gefühl, für so etwas großes grade keine Zeit zu haben.
Sicher, das führt auch dazu, dass das Blog noch nicht komplett fertig ist, aber wisst ihr was? Zum einen gibt es gar keine „fertigen“ Webauftritte, zum anderen ist es fertiger als es wäre, hätte ich weiter versucht, alles auf ein Mal zu schaffen.

Bloggen

Apropos Blog: Bloggen ist eine perfekte Tätigkeit, um Prokrastination zu überwinden. Am Ende steht ein kompletter kurzer Text da. Man hat etwas geschafft! Da geht doch bestimmt noch mehr. Yay, Motivation!

Freizeit ist wichtig

Bei allem Reden über Produktivität habe ich doch eines festgestellt: Wochenenden sind wichtig. Egal, wie sehr ihr eure Arbeit liebt, irgendwann fängt es an zu schlauchen.
Nehmt euch eine Auszeit am Wochenende. Mit wöchentlicher Routine ist das kein Problem, denn was am Montag zu tun ist, regelt diese ja.

Fuck eMail

eMail. Wir alle nehmen eMail einfach zu verfickt ernst. Also ich zumindest.
Und eMail stört ständig. Da kommt dann mal eben die Mitteilung über ein paar neue Mails und zack, ist man raus aus dem, was man grade getan hat. Ich schaue jetzt nur noch ein Mal morgens und ein Mal abends in die Mails und habe unglaublich viel Zeit gewonnen. Und nicht nur das: Erstmals seit langem schaffe ich es sogar, dass die Zahl meiner ungelesenen und unbearbeiteten eMails sinkt. Im letzten Monat immer in kleinen Schritten, aber immerhin von 2434 auf aktuell 1595 (angesammelt auf meinem Gmail-Konto seit 2011).

Ausprobieren

Und zum Schluss eine ganze wichtige Sache: Probiert es selber aus. Jede Jeck is angesch, wie man im Rheinland sagt.
Manche Tipps werden für euch funktionieren, andere nicht. Im März habe ich im englischen Blog darüber berichtet, wie ein in Amerika extrem beliebter Tipp, Standpulte als Arbeitstische, für mich völlig nach hinten losgegangen ist. Viele andere Autoren haben damit hervorragende Erfahrungen gemacht.
Und das ist okay. Nur wer selber etwas ausprobiert, lernt sich selbst kennen. Und nur wer sich selbst kennt findet am Ende seinen Weg, das Beste aus sich herauszuholen.


Dino-Dienstag 17

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden.

Have Allosaurus, Will Travel – Fossil Tales From the West

Läuft leider nicht mehr lange, aber hier ist ein Kickstarter für ein Buch und eine Tour, die von der Arbeit der Paläontologen im Feld erzählen. Und hier ist ein Interview mit Brian Switek dazu bei meinem Lieblings-Dino-Blog.

Die Urschlange

Nicht immer hat man neue Fossilien vorzuweisen, manchmal gibt es auch andere Methoden, die Gestalt ausgestorbener Tierarten zu ermitteln. Dies hilft dabei zu wissen, wonach man suchen muss. So bei dieser Untersuchung zur Herkunft der Schlangen. Die Forscher haben eine Vielzahl an Schlangen aus der Kreidezeit untersucht, aus den Merkmalen der unterschiedlichen Arten ihre Verwandtschaftsbeziehungen abgeleitet und daraus dann wieder Schlüsse gezogen, wie der gemeinsame Vorfahre aller dieser Tiere, die Urschlange, ausgesehen und wann sie gelebt haben muss.
Das Ergebnis lebte vor etwa 128 Millionen Jahren auf dem Land. Letzteres ist bedeutsam, weil es zur Entstehung der Schlangen immer noch einen großen wissenschaftlichen Streit gibt, ob diese auf dem Land oder im Wasser entstanden sind.
Das Bild zeigt zudem Hinterbeine. Dass die frühen Schlangen Hinterbeine, aber keine Vorderbeine hatten, haben mehrere Schlangenfunde aus der Kreidezeit bewiesen. Hinzu kommt, dass einige heutige Schlangen immer noch Beckenknochen und hin und wieder sogar Reste von Hinterbeinen haben. Es gibt Fossilien von schlangenartigen Tieren, die älter sind als 128 Millionen Jahre, diese haben aber noch vier Beine und ihre Zugehörigkeit zu den Vorfahren der Schlangen ist umstritten.
Schlangen sidn schwierig zu erforschen, weil von ihren kleinen zerbrechlichen Knochen nur selten Fossilien bleiben. Noch seltener bleiben die Fossilien vollständig genug, um Merkmale wie Beine eindeutig zuordnen zu können.

Theoretische Urschlange - Bild: Julius Csotonyi

Theoretische Urschlange – Bild: Julius Csotonyi

Der Ursprung der Zungenwürmer

Zungenwurm Linguatula - Bild: Dennis Tappe und Dietrich W. Büttner

Zungenwurm Linguatula – Bild: Dennis Tappe und Dietrich W. Büttner


Man kann nicht immer Dinosaurier haben. Dafür habe ich heute eine Gruppe von Tieren, von denen die meisten hier noch nie etwas gehört haben werden: Zungenwürmer.
Zungenwürmer sind, da enttäuscht der Name ein wenig, kleine wurmartige Gliederfüßer, die in den Atemwegen größerer Wirbeltiere leben und sich dort von Blut ernähren. Ihre Münder sind umgeben von Haken als letzte Reste der Beine und von unten sieht das Ganze dann ungefähr so aus wie die Facehugger aus den Alien-Filmen. Nein, wirklich. Es sind seltsame kleine Tiere, deren Herkunft weitgehend unbekannt ist. Zwar gab es bereits Fossilien von Zungenwürmern aus dem Silur, nur gab es da ein Problem: Die heutigen Träger dieser Parasiten existierten damals noch gar nicht.
Ein neues, 425 Millionen Jahre altes, Fossil aus England gibt nun einen Einblick in das leben dieser Zungenwürmer bevor ihr heutiger Lebensraum überhaupt existierte: Das Tier hielt sich zu Lebzeiten an einem Wasserfloh fest und lebte wahrscheinlich von dessen Blut.
Heutige Zungenwürmer geraten meist in ihre Wirte, indem sie sich als Eier fressen lassen und aus dem Darm in den Körper eindringen. Wahrscheinlich wurden sie ursprünglich von Landtieren beim Trinken mit den Wasserflöhen verschluckt und fanden in deren Eingeweide einen geeigneten Lebensraum. Während ihre im Meer lebenden Verwandten im Laufe der Zeit verschwanden, waren die Bewohner der Landtiere in den Körpern ihrer Wirte vor allen Katastrophen geschützt und überlebten bis heute.
Bin ich eigentlich der einzige, der eine verblüffende Ähnlichkeit zu den Anomalocariden sieht?


Mediale KW 21/2015

Videospieligstes Videospiel ever: InFamous

Science-Fiction, USA 2009, Videospiel/PS3

Fahrradkurier Cole McGrath wacht in einem gigantischen Krater auf, nachdem seine Fracht mitten in der Millionenstadt Empire City (lies: New York) explodiert ist. Doch die Explosion brachte nicht nur ungezählte Tote, sondern auch eine Seuche, eine militärisch gesicherte Quarantäne der Stadt und Superkräfte. Die Conduits — der Begriff taucht ohne Erklärung einfach auf — haben durch die Strahlung der Explosion ungewöhnliche Kräfte erhalten und wie sich bald herausstellt, war genau das der Zweck dieser Bombe. Cole selbst erlangte Kontrolle über Elektrizität, vom Verabreichen kleiner Stromschocks bis zum Heraufbeschwören von Blitzgewittern aus heiterem Himmel.
Sein Ziel nach einer gescheiterten Flucht aus der Stadt: Die Macht der von anderen Conduits angeführten Banden brechen und so an der Auflösung der Quarantäne mitwirken. Dem Spieler bleibt überlassen, ob er dabei den Einwohnern gegenüber als Superheld oder kleineres Übel auftritt.
Das Problem mit moralischen Entscheidungen in Videospielen: Die meisten Spiele haben Szenarien, in denen selbst die Guten dazu neigen, Gegner zu töten. Die Guten sind Teil einer moralischen Grauzone, die realistisch ist, aber eben auch problematisch wird, wenn man andere als Böse darstellen will. Und genau das zeigt sich bei InFamous extrem: Im Spiel kann man gute oder böse Entscheidungen treffen. Gute Spieler heilen kranke Passanten, retten andere vor Lynchmobs und versuchen, Gegner lebend zu fangen. Böse Spieler saugen geschlagenen Gegnern die Lebensenergie aus, vergiften die Wasservorräte um sich nicht zu besudeln und zünden in einer Millionenmetropole Bomben, um noch mächtiger zu werden. Kurzum: Die Bösen Optionen sind so offensichtlich und lächerlich böse, niemand wird sie nehmen ausser, um beide Enden im Spiel sehen zu können. Dazu kommt noch die Sonderrolle des Protagonisten: Niemand ausser ihm hat unter den Menschen mit Kräften die Möglichkeit, gut zu sein. Das ist bei vielen Spielen so, aber wenn es sich halt ausdrücklich mit Gut und Böse beschäftigt, fällt es um so mehr auf.
Aber es wirft dabei eben auch ein Schlaglicht auf unsere seltsame Vorstellung von guten Actionhelden. Aber erst die Fortsetzung wird merken, was für ein Potenzial die neue Serie da eigentlich aufgetan hat.

Spacehitler ist wieder da! Elysium

Science-Fiction, USA 2013, Film/BluRay

Mitte des 22. Jahrhunderts ist die Erde weitgehend ruiniert. Die Reichen sind auf eine gewaltige Raumstation geflohen, die wie ein neuer Mond am Himmel steht. Dort, auf Elysium, existiert die Zukunft, wie wir sie aus Star Trek und den Visionen der NASA aus den 80ern kennen: Eine Welt ohne Krankheiten, ohne Not, in ständigem Luxus, Appleweiss und sauber. Die Erde hingegen hat gelitten. Es ist davon auszugehen, dass die Ruinen von Los Angelese, in denen der Film größtenteils spielt, als Teil der USA und Industriestandort noch zu den reicheren Gegenden der Erde gehören. Und schon dieser Ort wirkt ähnlich wie die Welt im Blomkamps Vorgängerfilm District 9.
Der wichtige Punkt ist: Auf der Erde ist das meiste so wie heute. Nur Polizei und Militär haben Zugriff auf einigermaßen moderne Technik, die Normalbevölkerung hat Glück, wenn sie die Maschinen in der Fabrik zusammenschrauben dürfen. Bei einem Arbeitsunfall (um seinem Vorarbeiter gegenüber sehr zuvorkommend zu sein) wird Jack verstrahlt und hat noch fünf Tage zu leben. Zusammengehalten von Pillen und einem Exoskelett vom Schwarzmarkt macht er sich auf den fast unmöglichen Weg nach Elysium, weit draussen im All. Denn dort ist seine Erkrankung heilbar – so wie jede Krankheit.
Wie langsam sich Neill Blomkamp auf seinem Weg aus Afrika von diesem Kontinent gelöst hat, zeigt sich vielleicht am besten in Elysium. Dabei ist Jacks Verfolger, der südafrikanische Söldner Kruger, noch geschenkt. Nein, was wir hier haben ist die Überquerung des Mittelmeers IN SPACE! Das ist nicht die amerikanische Geschichte von den mexikanischen Migranten – um aus Mexiko in die USA zu kommen muss man nicht mehr als einen Zaun überqueren. Nein, das ist die Reise übers Mittelmeer: Beschwerlich, gefährlich, organisiert von Schleusern, die selber (mit dem Geld) zurückbleiben. Das ist wenig überraschend: Die Situation in den USA dürfte Blomkamp nur von der privilegierten Seite aus kennen, aber von der Nordküste Afrikas weiss der ganze Kontinent.
Und das bedeutet auch: Wir sind die Bösen hier. Das Porträt Europas ist nahezu perfekt, nur bereinigt um die föderale Struktur der EU. Einwohner leben in völliger Selbstverständlichkeit mit den technologischen Wundern, die sie umgeben. Der Abschuss von Flüchtlingsschiffen wird pro forma durch den Präsidenten gerügt, um anschließend fortgeführt zu werden. Und sollte der Präsident sich anschicken tatsächlich etwas zu ändern, wird er entsorgt, dafür sorgt die zuständige Ministerin Spacehitler Delacourt (einschließlich Machtergreifung, auch wenn das Parlament erst etwas später brennt). Elysium hätte die Mittel, die Probleme auf der Erde zu lösen, denkt aber gar nicht erst daran. Das sieht unrealistisch aus, ist aber weitgehend die Realität der Festung Europa.
Schade nur, dass der Film weniger lohnt als die Botschaft. Ich meine, wir haben ein Kind mit Leukämie im Film. Und jeder Film über die Suche nach einem einmaligen Heilmittel mit einem kranken Kind im selben Film verläuft exakt gleich. Vor allem endet er exakt gleich.

Bruttonationalfadheit: What Happiness is

Dokumentation, Österreich 2012, Film/Netflix

Ein paar Dokumentarfilmer folgen einer Gruppe von Beamten durch Bhutan. Die Beamten sollen das Bruttonationalglück bestimmen. Doch das geht nicht ganz so einfach wie gedacht: Zahlreiche Lebensmodelle, Ideen von Glück und die grundsätzliche Konzeptlosigkeit bei der Erfindung des Begriffs stehen dem Vorhaben im Weg.
Ich fand das Ganze offen gestanden extrem fad, aber wer mag kann hier sehen, wie wenig wir über Glück wissen, wie komplex diese Idee eigentlich ist und vor allem, dass man Glück eigentlich nicht messen kann. Aber dass es sich durchaus lohnen kann, es zu versuchen. Nur halt nicht für die Zuschauer.


Freitägliche Vier Plus Eins 22.05.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal nur vier erfreuliche Ereignisse. Es widerspricht ein wenig dem Geist dieser Beiträge und dennoch — wie sich einige über die Sache mit dem Westfalen-Blatt freuen, das war mir Anlass, darüber etwas zu schreiben. Hier, weil es eine Sache ist, über die sich viele freuen und einige daher hier ein paar Worte dazu erwarten.

1. Ein trauriger Anlass, aber ein erfreuliches Ereignis: Indie-Autor Kai-Eric Fitzner hatte Anfang Mai einen Schlaganfall. Die durch diese Situation in eine finanzielle Schieflage geratene Familie bat darum, statt Spenden Fitzners Roman Willkommen im Meer zu kaufen.
Das Buch ist momentan das bestverkaufte Papierbuch bei Amazon und steht bei den eBooks auf Rang 5 der Bestsellerliste. Amazon hat erklärt, auf seine Einnahmen daraus zu verzichten.
Hier ist ein Link ohne meine Affiliate-ID, bei dem Widget rechts weiss ich leider nicht, wie man die rückstandslos rausnimmt.

2. Tesla ist wieder dabei. Diesmal setzen sie ein nicht grade neue Idee endlich auf großer Basis um: Direkter Batterieumtausch für Elektroautos. Endlich Tankfüllung in wenigen Minuten.

3. China hat dann mal eben 1.000 Kohlekraftwerke geschlossen. So viel zu „die Chinesen machen ja nichts gegen den Klimawandel“.

4. Eine Frage, die mich bei Superheldencomics, insbesondere beim technischer orientierten Marvel, schon immer umtrieb: Müsste die Welt nicht völlig anders aussehen, wenn Superhelden existierten. Vor allem bei Marvel mit seinen vielen High-Tech-Helden. Bei Tony Stark und Bruce Wayne wird das hin und wieder angesprochen, aber sonst? Technologien, wie sie Spider-Man, die Fantastischen Vier und Iron Man mitbringen, bergen Revolutionen in sich.
Und aus diesem Grunde liebe ich diesen Gillette-Spot zu Avengers: Age of Ultron. Denn wenn es eine Branche gibt, die ständig irgendwelche Bullshit-Innovationen hervorbringt, dann sind es die Rasierapparat-Hersteller. Rasierapparate und Zahnbürsten. Gäbe es überall so viel Innovation wie in der Rasierapparat- und Zahnbürstenwerbung, der Weltfrieden wäre schon längst erreicht.

Nicht wirklich 5.: Ich möchte an dieser Stelle entgegen der Intention dieser Reihe über etwas überaus unerfreuliches schreiben. Etwas, worüber sich aktuell so mancher in den sozialen Medien öffentlich freut, insbesondere viele meiner Parteikollegen.
Es geht um die Sache mit dem Westfalen-Blatt. Ich hatte dazu ja schon was getwittert.


Was hier passiert ist, ist der Verlust jeglichen Maßes. Was in einem solchen Fall angemessen wäre, wäre ein Rüffel, vielleicht, aber auch nur vielleicht, eine Verwarnung seitens der Redaktion. Statt dessen wurde hier jemand dafür gefeuert, dem Verfasser eines Leserbriefs nicht vehement widersprochen, sondern seine Sorgen ernstgenommen zu haben. Sie hat niemanden beschimpft, sie hat nicht von sich aus irgendwen diskriminiert, sie hat die Sorge eines Leserbriefschreibers aufgenommen und eine Antwort auf Grundlage seiner Weltsicht gegeben. Ihr Vergehen war, den Mann nicht zu belehren. Die Ansicht des Mannes ist sicherlich eine dumme, aber keine schädliche. Die Kolumnistin hat ihm geraten, darüber ehrlich mit seinem Bruder (einem der beiden Bräutigame) zu sprechen. Sicherlich hätte die Kolumnistin des Westfalens-Blatt auch anders reagieren können. Das nenne ich eine Dummheit. Keinen empörenden Skandal, eine negativ auffallende Dummheit. Eine jener Art, die man in einem Monat getrost vergessen kann, wenn nicht erneut ähnliches passiert.
Und über diesen Vorgang, dass jemand wegen eines kleinen Fauxpas effektiv fristlos gefeuert wurde, freuen wir uns also? Sobald eine Aussage auch nur eine Iota gegen unsere politischen Überzeugungen steht, befürworten und bejubeln wir plötzlich Zensur und politisch motivierte Stegreif-Kündigungen? Steht uns derartige Maßlosigkeit gut zu Gesicht?
Wenn ihr meint, euch darüber freuen zu müssen, bitte, fahrt fort. Aber habt nachher auch genug Arsch in der Hose, die dessen angemessene Scham anzunehmen und zu tragen.


Wo veröffentliche ich meine eBooks am besten?

Eine der schwierigsten Fragen für jeden, der selbst eBooks rausbringen will, kommt gleich zu Anfang dieser hoffentlich glorreichen Karriere: Wo verkauf ich die überhaupt? Es gibt ja inzwischen viele Optionen und auch wenn Amazon die größte ist, will man doch auch andere Kanäle erreichen. Vor allem in Deutschland, wo Kindle-Konkurrent Tolino inzwischen fest etabliert ist und auch über den Buchhandel versorgt wird.
Die Antwort auf diese Frage zu finden ist eine lange Suche, zumal sie sich auch immer wieder verändert. Neue Plattformen tauchen auf und verschwinden, alte verändern sich auf verschiedenste Weisen. Daher ist keine Antwort endgültig.
Als Hilfe für Neueinsteiger will ich dennoch kurz vorstellen, wie ich nach mittlerweile vier Jahren Suche und Erfahrungen meine eBooks vertreibe und warum ich die Plattformen gewählt habe, die ich gewählt habe.

Der Riese: Amazon

Da besteht gar keine Diskussion, Amazon ist so groß, den kann man nicht auslassen. Sofern man nichts anderes einstellt, vertreibt Amazon alle hochgeladenen eBooks weltweit. Für eBooks mit einem Preis zwischen 2,99 und 9,99 € gibt es 70%, für alle anderen Preise (und einige Länder, in denen die 70% nicht gelten) gibt es 35% vom Preis als Honorar. Die Plattform ist Marktführer und das merke ich bei den Verkäufen auch deutlich.
Amazon zahlt zuverlässig 90 Tage nach Monatsende per Scheck oder Überweisung aufs Girokonto, selbst wenn nur 10 Cent verdient wurden. Absolut vorbildlich.
Ich habe lange fertige Mobi-Dateien bei Amazon hochgeladen, das dazu nötige Programm ist aber inzwischen veraltet und hat Probleme auf Systemen mit Internet Explorer zu laufen, daher lade ich inzwischen Word-Dateien zu Amazon hoch. Auch das funktioniert reibungslos. eBooks von Amazon lassen sich allerdings nur auf Kindle-Geräten sowie per App auf Systemen mit Android, iOS oder Windows lesen. Alternative Lesegeräte wie Tolino erreicht Amazon nicht.
Exklusive Bindung an Amazon („KDP Select“) ist möglich, aber freiwillig.
Amazon direkt zu beliefern ist alternativlos für Bücher im Preissegment 2,99–9,99 €, sollte aber um einen Vertrieb für ePub ergänzt werden, denn warum sollte man Geld liegen lassen?

Ergänzung fürs Deutsche: Xinxii

Neben Amazons Kindle gibt es noch eine Reihe anderer eBook-Lesegeräte und um diese zu beliefern, muss man andere Händler neben Amazon erreichen. Der bekannteste Konkurrent des Kindle dürfte der Tolino sein, aber auch Kobo, Oyo und einige andere Geräte existieren. Und was vielen nicht bewusst ist: Auch Apple verkauft in seinem iBooks Store eBooks für seine Geräte. All diese Kanäle verkaufen eBooks im Format ePub, der großen Alternative zu Amazons Mobi/AWZ-Format. Für die Leser macht das keinen Unterschied und auch für die Autoren nur einen geringen, denn auch ePub lassen sich einfach aus Word-Dateien erzeugen. Ich selber nutze dazu das Programm Calibre.
Xinxii hatte es in der deutschen Anbieterlandschaft einfach, mich zu überzeugen. Es liefert an eine gute Auswahl von Händlern, bietet mir die Möglichkeit, Amazon separat zu beliefern (was sich lohnt, da man so aus seinen Amazon-Verkäufen mehr Geld bekommt) und erlaubt es, die ePub-Datei so an die Händler auszuliefern, wie man sie selbst erstellt hat.
Letzteres ist für mich sehr wichtig. Die meisten Anbieter in Deutschland haben einen Online-Editor, mit dem man seine eBooks online bearbeiten kann. Das klingt auf den ersten Blick komfortabel, bringt aber Probleme mit sich, wenn man komplexere Layouts hat. Ein Beispiel: Alle Bände meiner Reihe sowie mein Buch Unter Wittgensteins Löwen enthalten Seitenumbrüche innerhalb von Kapiteln. Bei den Meilensteinen etwa sind die Listen der Tierarten jeweils ein Kapitel, jeder einzelne Eintrag in den Listen endet aber mit einem Seitenwechsel ohne ein neues Kapitel zu beginnen. Eigentlich kein Problem für ePub. Die Editoren bei den von mir vorher ausprobierten Anbietern BookRix und Neobooks kamen damit aber nicht klar — alles zwischen dem ersten Seitenumbruch und dem Anfang des nächsten Kapitels verschwand kurzerhand aus dem jeweiligen Buch. Neobooks hat inzwischen einen neuen Editor vorgestellt, aber für mich zu spät, ich werde es gar nicht erst ausprobieren. Der momentan in vieler Munde präsente Neuling Tolino Media nutzt den Editor von Neobooks, daher gilt für diesen neuen Dienst das selbe. Bei Xinxii weiss ich, dass es funktioniert und das reicht mir.
Somit gilt für mich: Xinxii erhält meine klare Empfehlung für ePub im deutschsprachigen Raum, kombiniert mit direkter Lieferung an Amazon.

Beispiel für einen Seitenwechsel ohne ein neues Kapitel zu starten, hier im Buch Schwarzer Schwinge in der Kindle App für Windows bei Doppelseitenansicht

Beispiel für einen Seitenwechsel ohne ein neues Kapitel zu starten, hier im Buch Schwarzer Schwinge in der Kindle App für Windows bei Doppelseitenansicht

Sondereinlage: BoD

Eine Sonderrolle spielt für mich im deutschen Markt BoD, einer der ältesten Online-Anbieter für Selbstverlag im deutschsprachigen Raum. Normalerweise nutze ich BoD nicht, da es wie viele deutsche Anbieter in meine Dateien hineinfuscht und damit für viele meiner Bücher ungeeignet ist (siehe Ausführungen zu Neobooks/Tolino weiter oben). BoD geht sogar so weit, mein Impressum durch ein eigenes von BoD zu ersetzen. Das mag zwar ganz nett gemeint sein, da BoD den Autoren damit auch die rechtliche Verantwortung für die Inhalte abnimmt, wenn das Impressum allerdings neben den Kontaktdaten zusätzliche Angaben wie zum Beispiel erforderliche Bildnachweise enthält, wird das unter Umständen zu einem ernsthaften Problem. Meine Bände der Reihe Meilensteine der Evolution etwa enthalten regelmäßig recht umfangreiche Bildnachweise, da sie eben auch relativ viele Bilder aus unterschiedlichen Quellen enthalten.
Ausserdem verlangt BoD Exklusivrecht zur Veröffentlichung und hat eine Frist, wenn man Bücher dort wieder löschen will. Und dennoch habe ich die Fantasy-Kurzgeschichte Khamel über BoD veröffentlicht und werde wahrscheinlich weitere Kurzgeschichten über diese Plattform rausbringen. Warum?
Die Antwort liegt im Preis des eBooks: BoD eröffnet mir die Möglichkeit, einen Preis von 0,49 € einzustellen. Für Kurzgeschichten wie Khamel scheint mir das ein fairer Preis zu sein, den ich (soweit mir bekannt) nirgendwo sonst einstellen kann. Auch sind die Einkünfte für Bücher unter 2,99 € besser als bei Amazon, da BoD bei Amazon offenbar andere Konditionen bekommt als Selbstverleger und somit auch mehr an die Autoren weitergeben kann. Daneben liefert BoD als einziger von mir ausprobierter Distributor an den kostenlosen Verleihservice readfy für Android- und iOS-Geräte.
Es wird allerdings interessant zu beobachten, ob der in der Betaphase befindliche Neuling Pocketstory in Zukunft Angebote in dieser Richtung ergänzt.
Bis dahin: Bod empfohlen für eBooks unter 2,99 €, wenn diese keine aufwendigen Layouts haben und wenn es kein Problem ist, dass BoD das Impressum durch ein eigenes ersetzt. Dafür kommen die Bücher über BoD an nahezu alle Händler. Aber Achtung: Ein über BoD verbreitetes eBook darf wegen des Vertrages von BoD über keinen anderen Kanal vertrieben werden.

Fürs Englische: Draft2Digital

Da ich auch englische eBooks verkaufe, brauche ich natürlich auch dort einen Vertrieb für die anderen Händler eben Amazon. Überraschenderweise ist das dortige Angebot an alternativen Vertrieben nicht ganz so bunt wie im deutschsprachigen Bereich.
Die beiden großen Anbieter sind Smashwords und Draft2Digital. Smashwords ist für seinen Meatgrinder gefürchtet: Mna lädt dort eine Word-Datei hoch, die dann in diverse Formate konvertiert wird. Das ist theoretisch super, der Meatgrinder gilt aber als extrem fehleranfällig und man kann mehrere Anläufe brauchen, bis ein Dokument so perfekt ist, dass es als fehlerfreies Ergebnis aus dem Meatgrinder heraus kommt.
Ein für mich deutlich größeres Problem ist, dass man in Smashwords für jeden Namen ein eigenes Nutzerkonto braucht – Veröffentlichung unter Pseudonym oder von Werken anderer Autoren sowie Kollaborationen sind so schlichtweg nicht ohne erheblichen Aufwand möglich. Das hat Smashwords in meinen Augen das Genick gebrochen.
Draft2Digital ist da bedeutend besser und beliefert eine lange Liste von Händlern. Es bietet die Möglichkeit, seine Dateien direkt in der endgültigen Form hochzuladen und als kleiner Bonus liefert Draft2Digital die Bücher auch an die Tolino-Händler. Damit ist es der einzige Anbieter, der englischsprachige Werke auch an alle wichtigen deutschen Händler (Amazon, Tolino, iTunes, Kobo) ausliefert. Es ist möglich, Händler herauszunehmen, um niemanden doppelt zu beliefern.
Draft2Digital ist meine Empfehlung für englischsprachige eBooks in Kombination mit Amazon. Wer einfache eBooks ohne komplexe Layouts unter einem einzigen Namen vertreibt, für den lohnt es sich allerdings, sich auch Smashwords mal anzuschauen.

Andere Optionen

Es gibt natürlich noch mehr als diese paar Möglichkeiten.
Apple erfordert eine amerikanische Steuernummer, daher habe ich mit diesem Unternehmen nie direkt gearbeitet.
Epubli will vorab Geld, daher hab ich es nie ausprobiert, Tredition und Ruckzuckbuch wollen richtig viel Geld, also ditto. Feiyr nimmt meines Wissens Geld bei Löschung eines eBooks, was mich ebenfalls vom Ausprobieren abhält, denn was, wenn mir das Angebot gar nicht zusagt? Dann müsste ich Geld dafür bezahlen, dass es mir nicht gefällt. Absurd.
Mit dem Vertrieb von Papierbüchern im Selbstverlag habe ich bisher ganz allgemein keine Erfahrungen sammeln können, aber das steht an. Nach dem, was ich bisher gesehen habe, dürfte hier aber BoD mit Abstand die beste Möglichkeit sein.


Dino-Dienstag 16

Cretaceous Blue Balls

Bild vielleicht verwandt - Chinese Academy of Science

Bild vielleicht verwandt – Chinese Academy of Science


Berichterstattung zu durchschauen ist auch in der Wissenschaft nicht immer einfach. Diese Woche gab es zwei Meldungen von denen nicht klar ist, ob es unterschiedliche Meldungen sind oder zwei Versionen einer Meldung.
Die eine Meldung ist, dass die oben abgebildeten blauen fossilen Eier Anfang April bei Straßenarbeiten in der chinesischen Stadt Heyuan gefunden wurden. Das ist entweder wahr oder ein Missverständnis basierend auf dieser Mitteilung, dass Forschungen an drei Nestern, die vermutlich zu dem von dort stammenden kleinen Dinosaurier Heyuannia gehören ergeben haben, dass die Eier dieses Dinosauriers eine blau-grüne Farbe hatten.
Da ich nur für letzteres eine seriöse Quelle finde, gehe ich davon aus, dass nur diese Geschichte stimmt und die andere eine locker darauf basierende Ente ist.
Jedenfalls ist dies das erste Mal, dass die Farbe von Dinosauriereiern bestimmt werden konnte und es ist auch gleich eine interessante Erkenntnis: Farbige Eier deuten den Forschern zufolge auf intensive Brutpflege hin. Das passt gut zu dem, was wir schon über die Oviraptoriden, zu denen Heyuannia gehörte, wissen: Sie sind dafür bekannt, dass sie ihre Nester bebrüteten und beschützten, indem sie ihre gefiederten Arme über diesen ausbreiteten.
Zugleich haben wir damit einen weiteren Farbklecks für unser Bild der Kreidezeit — bereits bekannt sind die Farben der Gefieder einiger kleiner Raubsaurier, wie etwa das schillernde Schwarz des Microraptor, nach dem ja auch der Band Schwarzer Schwinge aus den Meilensteinen der Evolution benannt ist.
PS: Sorry für die Überschrift, ich konnte nicht widerstehen ;-)

Fortschritt beim Dino-Huhn

Und wo wir schon beim Übergang zwischen Dinosauriern und Vögeln sind, gibt es auch gleich noch Neuigkeiten zum Dinohuhn. Als Dinohuhn läuft in der Presse eine Reihe von Versuchen, jene genetischen Veränderungen zu finden, wegen denen Vögel und Dinosaurier sich so stark unterscheiden. Interessant sind dabei vor allem die Veränderungen, durch die aus Schuppen Federn und aus Schnauzen Schnäbel wurden.
Bei den Schnäbeln ist man nun in Yale ein ganzes Stück weitergekommen. Demnach reicht die Veränderung eines einzigen Gens, damit ein Vogel statt eines Schnabels wieder eine Schnauze entwickelt.
Ein weiterer Beweis, dass die so groß scheinenden Unterschiede zwischen den Vögeln und ihren direkten Vorfahren in den zu Grunde liegenden Genen viel geringer sind, als es den Anschein hat. In der Vergangenheit haben die Forscher bereits mit geringen Eingriffen in die Reihenfolge, in der einzelne Gene während des Wachstums abgerufen werden, Hühnerembryonen mit Schwänzen und Zähnen hervorgebracht.
Und wenn jetzt jemand wissen will, wie uns Dinosaurierforschung heute nützt: Das Dinohuhn-Projekt bringt viele wertvolle Erkenntnisse darüber, wie Gene arbeiten und wie sich Veränderungen in den Genen auf den gesamten Organismus auswirken.

Jurassic World

Und weil Dinosaurier nicht immer staubige Knochen und Eierschalen waren hier einer der neuen Trailer für die nächsten Monat startenden Jurassic-Park-Fortsetzung Jurassic World.

Und die Lego-Variante

Oh und ja, ich habe zu Jurassic World etwas in der Mache. Aber dazu komme ich nächste Woche.


Mediale KW 20/2015

Diese Woche: Zwei nostalgische Sachbücher und ein Tom Cruise.


Pädagogen-Zeitkapsel: vernünftiger schreiben — reform der rechtschreibung

Sachbuch, Deutschland 1974, Taschenbuch
Das Deutsche ist eine komplexe Sprache mit einer nach vielen Maßstäben völlig vermurksten Rechtschreibung. Der Ansatz, die Schreibung von Wörtern an ihrer Herkunft auszurichten führt zu einem Kuddelmuddel an Möglichkeiten, Ausdrücke in die Schriftform zu übertragen. Da hätten wir das „dass“ mit seinem überflüssigen zweiten s (wir sprechen „das“ und „dass“ gleich ohne, dass dies zu Problemen führen würde, warum schreiben wir sie also unterschiedlich?). Oder die Beibehaltung vermeintlich griechischer Wörter, obwohl diese ohnehin schon durch die Übertragung in das lateinische Alfabet ihrer Historie beraubt und zugleich an die deutsche Aussprache und Grammatik angeglichen wurden — oder spricht etwa irgendwer ein ph als solches aus und nicht als deutsches f? Und ja, da ist ein Unterschied, aber das würde jetzt zu weit führen (kurz: f ist ein labiodentaler Frikativ, ph ein aspirierter Plosiv oder im Neugriechischen durch zwischenzeitlichen Sprachwandel ein bilabialer Frikativ, nachschlagen erlaubt). Ich habe dazu grundsätzlich schon 2013 etwas geschrieben.
Worauf ich hinaus will: Die Idee einer Rechtschreibreform ist in etwa so alt wie jene einer einheitlich geregelten deutschen Rechtschreibung. Und vernünftiger schreiben, nicht zufällig kleingeschrieben, ist ein 41 Jahre altes Beispiel davon. Hinter dem Projekt steckten keine Leichtgewichte der deutschen Sprache – es sind die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), das Deutsche PEN-Zentrum und der Verband Deutscher Schriftsteller.
Viele der Vorschläge sind inzwischen umgesetzt, einige nicht, etwa die konsequente Kleinschreibung. Entsprechend amüsant lesen sich viele Passagen für Eingeweihte. Und hin und wieder findet man Worte der Weisheit, an denen viele heutige Sprachschützer und Pädagogen innehalten können sollten. Etwa diese von Siegfried Jäger (S. 62):

Die geforderte benotung von rechtschreibleistungen ist auf breitester basis zu verweigern, da sie nichts messen kann, weder intelligenz noch fleiß, noch prognosen für die zukunft zulässt. Sie ist völlig willkürlich und zu nichts anderem gut, als die kinder zu disziplinieren, ja letztlich ihre in die schule mitgebrachten fähigkeiten nicht selten zu zerstören. (sic!)

Wertvolle Bücher eröffnen neue Perspektiven. Dieses Buch ist heute wertvoller denn je.


Generationsporträt: Wir sind online — wo seid ihr?

Sachbuch, Deutschland 2012, Taschenbuch
Einerseits ist Wir sind online ein amüsantes Buch. Gut geschrieben, gefüllt mit Anekdoten, Wortspielen, Scherzchen in Nebensätzen. Wer dieses Blog kennt, wird den Stil kennen.
Andererseits ist da noch das Amüsement, das sich aus Dingen ergibt, über die Autor Klaus Raab wenigstens dem Anschein nach keine Kontrolle hatte. Etwa die Tatsache, dass ein Buch über das Leben jener, die mit Computern aufgewachsen sind, nur auf Papier erhälltlich ist. Oder jene, dass dieser Buch in seiner Ablehnung des Generationenbegriffes eines der besten Porträts einer Generation geworden ist, die ich bis jetzt gesehen habe.
Jeder von uns kennt Leute, die den sozialen Medien gerne ein a vorsetzen und das dann als einziges Argument einer Feindschaft dagegen anführen. Es ist lästig und albern, aber wenigstens spielen diese Leute nicht mit ihren Rollatoren auf unserem Rasen. Nur sind es auch diese Leute, die allgegenwärtig in den (alten) Medien ihre unsubstanzierte Meinung zu eben diesen Medien breitwälzen, die darüber Gesetze beschließen und über die jungen Leute von heute schimpfen wollen.
Klaus Raab nimmt das als Basis für einen Rundumschlag. Er wirft das Kontrukt der ikonisch definierten Generation (Golf! Pratikum! Doof!) kurzerhand ein, baut aus den geworfenen Steinen seinerseits eine digitale Generation und ordnet diese dann in einen Kontext: Die Geschichte der Jugendkultur, des Begriffs der Jugend an sich und jener ihrer Rezeption. Das Ergebnis ist das Bild einer „Generation“, das vor allem eines leistet: Es trifft. Und noch wichtiger es vermittelt dank der Bezüge auf den Blödsinn, den die heute alten Generationen einst angestellt haben. Dieses Buch sollte lesen, wer jene nicht mehr versteht, die heute ihre Zeit in sozialen Medien und überhaupt dem Internet verbringen.
Meine Empfehlung: Kaufen, um es an genau solche Menschen verschenken zu können. Dafür wiederum ist die Papierausgabe deutlich sinnvoller als eine elektronische. Vielleicht war das Fehlen einer eBook-Version also doch Absicht.

Und deshalb gibt es Spoilerwarnungen: Oblivion

Science-Fiction, USA 2013, Film/BluRay
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Ich habe mit dem neuen Design auch die Möglichkeit eingeführt, Spoiler im Text zu verstecken. So zum Beispiel: Niemand kann mich sehen, hihi! Oy! Zum Lesen muss man den Text markieren. In dieser Besprechung wollte ich das erstmals nutzen, da Oblivion kaum ohne Spoiler zu besprechen ist. Und wisst ihr, was anscheinend auch nicht ohne Spoiler möglich ist? Der verdammte Trailer, der mal eben praktisch alles ausser den letzten fünf Minuten verrät, vermutlich um Morgan Freeman im Trailer haben zu können. Deshalb hier auch nicht eingebunden.
Okay, jetzt aber: 2077. Die Erde ist entvölkert, nachdem ausserirdische Invasoren den Mond gesprengt und den Planeten unbewohnbar gemacht haben. Jack und Victoria sind auf der Erde, um Drohnen zu warten, die gewaltige Anlagen verteidigen, die das Wasser der Erde aufsaugen, um daraus Treibstoff für den Exodus der Menschheit zu gewinnen. Doch Jack wird von seltsamen Träumen geplagt, die mehr wie Erinnerungen anmuten. Was sehr wahrscheinlich ist, da die beiden als Sicherheitsmaßnahme keine Erinnerungen an ihr Leben vor der Mission haben. Als Jack die Frau aus seinen Träumen als Überlebende eines Raumschiffabsturzes rettet, beginnt sein Weltbild, zusammenzubrechen.
Mit Spoilern kann ich die Besprechung jetzt enorm abkürzen: Es ist Moon (großartiger Film, seht Moon!) mit der Action von I am Legend (die Version mit Will Smith, nicht das Buch oder die ältere Verfilmung Der Omega-Mann).
Oblivion ist ein Film, den man schon ein paar Mal gesehen hat, wenn man Science-Fiction kennt. Er sieht verdammt gut aus und unterhält, das war’s aber auch. Die eine große Frage, die er stellt, beantwortet er, indem er sie beiseite schiebt und am Ende mit einem Nebensatz abspeist (Was wäre die Identität eines Klons mit Erinnerungen des Originals?. Und das Ende… ich zitiere kurzerhand die Ärzte: „Männer sind Autos, nur ohne Reserverad.“ Und jetzt habe ich angefangen, über das Ende nachzudenken und es wird mit jedem Gedanken seltsamer. Ist Julia wie ein Kind, dem man einfach ein neues bringen kann, wenn ihr altes Haustier stirbt? Und es hat diese seltsame Filmlogik, dass neun Jahre lang ausser Alterung der Nebenfiguren nichts statt findet, wenn diese Jahre durch einen Schnitt überbrückt werden.
Mehr gibt es über Oblivion eigentlich nicht zu sagen. Aber hey, ich konnte meine Spoiler-Versteckmethode einführen und vernünftig ausprobieren.


Freitägliche Fünf 15.05.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal von Datenarchäologie bis zur Zukunft der Bürgerbeteiligung.

1. Unter den ersten Projekten zum Start von Kickstarter in Deutschland ist das hier:

Das könnte absolut großartig werden. Eine Art Mischung aus einem Syfy Original und dem Frühwerk von Peter Jackson.

2. Es hat eine Weile gedauert, aber Mönchengladbach hat nun ein Open-Data-Portal. Lasst uns hoffen, dass es besser funktioniert als die meisten anderen Bestandteile des Webauftritts der Stadt.
Ich selbst kenne mich mit Open Data nicht aus, daher kann ich nicht bewerten, wie gut die Umsetzung ist, aber wir werden das schon sehen.

3. Neuseeland findet, dass seine Flagge der australischen zu ähnlich sei und bezieht bei der Suche nach einer neuen Flagge die Bevölkerung mit ein. In der Auswahl sind zwar auch einige seltsame Entwürfe, aber auch viele wirklich attraktive. Ab Juli wird eine Jury unter den Entwürfen 15 Gewinner auswählen, die dann öffentlich zur Wahl stehen. Und der Gewinner dieser Runde wiederum stellt sich dann in einer Volksabstimmung der bisherigen neuseeländischen Flagge.
Obwohl ein Laserkiwi zur Auswahl steht, bin ich doch vor allem ein großer Fan dieses Entwurfs mit seiner guten Balance aus traditioneller Flaggengestaltung und neuen Ideen:

Flaggenentwurf Kaponga o Aotearoa von Nathaniel Alcorn

Flaggenentwurf Kaponga o Aotearoa von Nathaniel Alcorn

4. Das niederländische Experiment, Photovoltaik in einen Radweg zu integrieren, ist ein voller Erfolg. Und dabei hat der Versuch bis jetzt noch nicht mal seinen ersten Sommer erreicht.

5. Ich beklage mich über die technischen Details, aber die Erkenntnis, dass meine alten Texte bis zurück nach 1999 noch existieren ist doch eine gute Nachricht.


Das waren meine ersten Gehversuche in der Science-Fiction, darunter immerhin 3 kurze Romane mit je um die 150 Seiten. Die meisten davon sind nach heutigen Maßstäben Mist, wie das bei den ersten Gehversuchen eben so ist. Aber die Grundideen funktionieren noch und einer der drei Titel war auch nie dazu gedacht, in irgendeiner Form ernstgenommen zu werden. Zwei davon werden es in der einen oder anderen Form sicher noch auftauchen, der Dritte allerdings handelt vom Dritten Weltkrieg (2011-2015 nach Manfred Dimdes damaliger Nostradamus-Interpretation) und entspricht in keiner Weise mehr meinen heutigen Qualitätsansprüchen.