Freitägliche Fünf 25.09.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche wird Rad gefahren und ausgekohlt.

1. Das <3-Tandem

Teamarbeit: Der blinde Mann tritt, die gehunfähige Frau steuert

Teamarbeit: Der blinde Mann tritt, die gehunfähige Frau steuert


via Oliver Dittrich

2. Garzweiler II schrumpft

RWE hat nun die neue Endlinie für Garzweiler II erhalten. Damit schrumpft der Braunkohlentagebau deutlich und endet 2040 vor Holzweiler. Natürlich ist das immer noch zu viel, aber es ist ein weiterer Schritt auf einem Weg, der in den letzten Jahren zunehmend weiter gegangen wird.
Ja an Wanlo geht es immer noch auf 100 Meter ran und die Stadt protestiert da natürlich, aber mal ganz ehrlich: Hat irgendwer erwartet, dass ein bereits im Aufbau befindlicher Randbereich jetzt noch verändert wird?

3. Borschemich

Das ist so ein merkwürdiger Punkt. Einerseits wird Borschemich bald platt gemacht, der letzte Bewohner ist vor kurzem umgesiedelt, das Dorf steht nun komplett leer. Aber es ist auch so, dass leere Orte, Lost Places, auf mich eine große Faszination ausüben.
So nutzte ich am letzten Wochenende die Gelegenheit, Bilder von diesem Ort zu machen, von seinem Verfall, von den Spuren des einstigen Lebens hier, von der in Abwesenheit von Menschen zu einem letzten Herbst aufblühenden Natur, von dem, was verloren geht.
Von den bisher 186 Bildern habe ich drei als Beispiele ausgewählt: Die wunderschön gestaltete Seitentür der örtlichen Kirche, ein einsam vergessener Grabstein in einem Hintergarten und die Überreste eines Traktors in einem verfallenen Hof. Es sind nur Beispiele, es gab noch so viel mehr und ich werde das sicherlich auch mal gebündelt und sortiert präsentieren, wenn ich fertig bin. Vom Lavendelbusch voller Tagpfauenaugen und Apfelbäumen, an denen rote Äpfel in Massen hängen wie sonst Weintrauben über vergessene Spielzeuge in der Wildnis und immer wieder Besen, die am Ende ihres letzten Einsatzes mitsamt des Kehrichts stehen gelassen wurden, bis hin zu Ruinen und der Leiche eines kleinen Hundes, die vertrocknet in einem offenen Schuppen lag.

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Schön ist es nicht, einen Ort auf diese Art sterben zu sehen, aber ich freue mich doch, die Gelegenheit wahrgenommen zu haben, das anzuschauen und zu dokumentieren.

4. Blitzsäule an der Korschenbroicher Straße

An der Korschenbroicher Straße steht nun eine neue Blitzsäule zum Festhalten von Geschwindigkeitsüberschreitungen und Rotüberfahrten. Das ärgert viele Autofahrer, die es nicht so mögen, sich an Gesetze halten zu müssen. Ich hingegen freue mich über einen Blitzer, den man nicht schon von weitem als solchen erkennt. Führt vielleicht dazu, dass einige Fahrer in Zukunft etwas vorsichtiger sind, weil man ja nie wissen kann, wo so ein Ding lauert.

5. Entkochtes Ei

Der Ig Nobel Preis ging dieses Jahr an Forscher die einen Weg gefunden haben, gekochtes Eiweiss wieder roh zu machen. Das klingt zunächst ziemlich bescheuert, aber die potenziellen Einsatzmöglichkeiten in der Medizin sind gewaltig. Beispielsweise kann diese Fähigkeit, geschädigte Proteine in ihren Urzustand zurückzuversetzen, Blutwäschen einfacher und effektiver machen, vielleicht sogar gegen bestimmte Formen von Krebs und manche Virenerkrankungen eingesetzt werden.


Freitägliche Fünf 18.09.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Jetzt zurück im wöchentlichen Rytmus.

1. Bump!

Bild von hier

Bild von hier

2. Brustkorb aus dem 3D-Drucker

Ein Krebspatient hat in Spanien als Ersatz für seine befallenen Rippenstücke teilweise einen künstlichen Brustkorb erhalten, der mit individuell angepassten Maßen auf einem 3D-Drucker erstellt wurde.

3. eInk-Tastatur

Ich dachte schon, das Thema sei irgendwann in den 2000ern untergegangen, aber hier ist ein neues Projekt für situationsabhängig wechselnde Tastaturen. Das ist natürlich nett für Gamer, aber ich finde es viel interessanter, komfortabel in nicht-lateinischen Schriften schreiben zu können oder im Deutschen unübliche Sonderzeichen hinzuzufügen.
Nun sind 350 Dollar nicht wenig, aber es ist halt ausserhalb der Welt der Touchscreens immer noch eine schwierig umzusetzende Idee.

4. Archivreaktion

Ich bekam heute eine eMail als Reaktion auf meinen Zombie-Artikel von 2014. Sehr interessante Gedanken im Kontext der inzwischen ja deutlich verschärften Vertriebenen-Situation. Mal sehen, ob es in nächster Zeit für einen weiteren Artikel reicht, bis dahin der Verweis auf vor einem Jahr.
Mein damaliger Kontext war übrigens eine eigene Zombiegeschichte, die inzwischen ihrer Überarbeitung harrt und die einen ganz anderen Hintergrund für die Verwendung der Zombies hat. Ich hoffe, die noch vor Halloween (also im Oktober) bereit zu haben. Es hat sich an dem Jurassic-World-Projekt herausgestellt, dass Bezug zu aktuellen Ereignissen als Veröffentlichungsstrategie extrem erfolgreich sein kann.

5. Kanalisierung

Manchmal ist schlechte Laune genau das, was man braucht. Mir ging diese Woche jemand extrem auf die Nerven, der beständig mit zwei Maßstäben misst. Davon gibt es ja allgemein viel zu viele. Ich bin dem dann irgendwann explodiert. Das tue ich extrem selten.
Ich kann daran auch im Nachhinein nicht den geringsten Fehler erkennen. Manchmal ist es einfach richtig. Ich bin ziemlich froh, nicht die Klappe gehalten zu haben. Wir werden sehen, was kommt.


Freitägliche Fünf+ 11.09.2015

Die (normalerweise) wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Die letzten drei Wochen waren voll und seltsam und achterbahnig und überhaupt. Privat, politisch, arbeitsmäßig. Ich werde daher die beiden verpassten Fünfer nicht ausgleichen, sondern einfach meine Notizen abarbeiten.

1. Urbaner Schredder

Ich bin ein großer Fan weniger von Elektromobilität als von den Kleinstfahrzeugen, die damit möglich sind. Der Urban Shredder von Hot Wheels ist natürlich mehr als Spielzeug oder Sportgerät gedacht, aber der Gedanke geht ja durchaus in die richtige Richtung: Fortbewegungsmittel so klein und leicht wie möglich, damit man nicht viel mehr auf Geschwindigkeit bringen muss als den Fahrer selbst. Klar, auf die selbe Straße wie ein Lkw oder auch nur ein Kleinwagen kann sowas nicht und unsere Verkehrsinfrastruktur ist dafür letztlich nicht geeignet aber ich würde eine Welt mögen, in der dem nicht so wäre.
Via Fancy.

Normalerweise steht hier ein Flachwitz, aber, nunja...

Normalerweise steht hier ein Flachwitz, aber, nunja…

2. Apropos Fortbewegung

Apropos Fortbewegungsmittel und ich. Es gibt Teile eines Schuhs, die ich weniger verachte als die Schnürsenkel. Was ich dagegen immer mag ist, wenn alte Ideen auf komplett neue Weise gedacht werden. Hier ist ein Schuh, der um den Fuß gewickelt wird und trotzdem nicht aussieht wie ein Handtuch am Fuß.
Nur über den Preis müsste man halt noch mal sprechen.
Vibram Furoshiki Wrap-Around Shoes

3. Diese Bank

Das Bild lässt sich irgendwie nicht einbetten, aber es lohnt sich, kurz den Link zu klicken. Absolut beeindruckende Schnitzarbeit: https://instagram.com/p/6okOhdg7R_/.

4. Energie-Innovation in MG

Die NEW will an zwei Standorten in Mönchengladbach die Praxistauglichkeit verschiedener Kleinwindräder in großindustriellen Anlagen testen.
Was wenige wissen: Die Kläranlage in MG-Neuwerk stammt aus einer Zeit, in der in der Stadt viel Bewegung auf dem Energiesektor war. So nutzte sie als eine der ersten Anlagen (manche Quellen sagen die erste Kläranlage überhaupt) die Gase aus dem Klärschlamm zur eigenen Stromversorgung. Es ist gut, wenn heutige Entwicklungen an die technologische Aufbruchszeit anknüpfen, die in dieser Stadt in den 80ern präsent war.

5. Itsy Bitsy Spider

In England tauchen in rauen Mengen riesige Spinnen in den Häusern auf <3. Okay, das ist wegen des folgenden Zitates hier:

Männchen verlassen ihre Netze auf der Suche nach einer weiblichen Spinne. Also gehen sie auf eine kleine Reise, um Liebe zu finden„, sagte der Spinnenexperte Stuart Hine vom Natural History Museum in London

Awwwwwww…

6. Rügenwalder, trotz der Werbung

Die Geschichte,, wie Rüggenwalder zur vegetarischen Wurst kam finde ich absolut interessant, vor allem wegen der Frage der Widerstände. Bisher habe ich sie noch nicht probiert (diese komischen Ersatzprodukte sind nicht so meins), aber es kann nicht schlimmer sein als normale Rügenwalder.
Ich finde es durchaus schön, dass solche Dinge so ein großer Erfolg sind.

7. Mekkes und seine Eier

McDonald’s will künftig nur noch Eier aus Freilandhaltung einsetzen. Das ist schon deswegen eine gute Meldung, weil McDonald’s so eine riesige Kette ist.
Mekkes spielt für die Umwelt-, Natur- und Tierschutzbewegung eine überraschend wichtige Rolle. Als wichtiger Gegner. Wir dürfen nie vergessen, wie uns solche Konzerne einen Punkt bieten, an dem sich Veränderungen anbringen lassen. Die wollen Marktführer bleiben, also müssen sie auf große gesellschaftliche Strömungen reagieren um ihre Position zu halten. Deswegen hat McDonald’s damals als erste Kette Styropor-Verpackungen für die Burger abgeschafft. Deswegen packen die manchmal Bücher in die Kindermenüs. Deswegen haben die vegetarische Burger. Und deswegen steigen die nun auf bessere Eier um.
Wir brauchen Mekkes, um einen Gegner zu haben, gegen den wir Siege auf eine Art einfahren können, dass sie etwas bewirken.

8. Wespen helfen

Ein Mittel gegen Krebs, um genau zu sein. Das sagen zumindest Forschungen aus Brasilien. Ich bin gespannt, ob aus den ersten Ergebnissen weitere positive Meldungen folgen.

9. Fußballgolf

Man nehme Fußball und Golf, zwei Sportarten, von denen ich nichts verstehe, nehme alles raus, was ich daran nicht verstehe, verschmelze es und übrig bleibt Fußballgolf. Das sieht gut aus. Das sieht nach richtig Spass aus. Und das will jemand hinter dem Nordpark in dieser Stadt bauen.

Das ist bescheuert. Das ist perfekt.

Das ist bescheuert. Das ist perfekt. – Bild: Tourismus Pullbach

10. Freie Fahrt für freie Fahrradler

Paris erlaubt Radlern in Zukunft wenigstens testweise, rote Ampeln zu ignorieren, wenn sie rechts abbiegen wollen. Das macht durchaus Sinn, da man beim Abbiegen nach rechts ja nicht die kreuzende Straße queren muss. Für Autos kennen wir das in Deutschland ja fallweise mit Abbiegespuren und grünen Pfeilen.

11. Weltuntergang!

Endlich mal wieder ein vernünftiger Weltuntergang. Am 28. September ist es so weit, die nächste Mondfinsternis bringt das Ende des Planeten oder wenigstens der menschlichen Zivilisation mit sich. Bringt Popcorn.


Die Verrohung der Mitte (Nachtrag)

Es ist dank der Flüchtlingsdebatte mal wieder in Mode, seinen Gegnern ein saftiges „Nazi“ an den Kopf zu werfen. Gemeint ist in der Regel ein Rassist. Aber in der Form, wie das gegenwärtig geschieht, ist es so ziemlich das Dümmste, was wir machen können. Zur Einleitung in das eigentliche Thema zitiere ich mich mal selbst mit einem zentralen Punkt aus Unter Wittgensteins Löwen, der zentral für mein Menschenbild ist und den ich für einen der besten Absätze halte, die ich je geschrieben habe:

Es ist eine der meistvergessenen Tatsachen im zwischenmenschlichen Umgang, dass sich niemand für einen Extremisten, Fanatiker oder gar böse hält. Das ist eine Grundkonstante menschlichen Denkens: So gut wie jeder Mensch ist davon überzeugt, dass seine Position die richtige, wenigstens aber die bestmögliche oder logischste ist. Sind wir davon nicht überzeugt, begeben wir uns auf die Suche nach Positionen, von denen wir dies besser glauben können – oder aber auf jene nach Begründungen dafür, warum die eigene Position doch die beste ist. Wir alle suchen ständig nach jenen Überzeugungen, die uns aus unserer Vorprägung und Bildung am besten erscheinen.

Dort ging es um Religion, aber Religion und Fremdenhass haben die Gemeinsamkeit, dass beides für mich völlig unbegreifliche Denkweisen sind, denen ich mich nur mit Mühe von aussen nähern kann. Was mir aber auffällt sind zwei Entwicklungen hin zu problematischen Einstellungen, die sich teilweise gegenseitig verstärken: Rassismisierung des Alltags und Menschenfeindlichkeit der Mitte.

Rassismisierung des Alltags

Vorgestern bezeichnete Joachim Hermann Roberto Blanco als wunderbaren Neger. Was Blanco gestern mit dem Satz quittierte: „Ich bedanke mich bei ihm dafür, dass er das Wort ‚wunderbar‘ gesagt hat“ (mehr hier).
Nun hat Hermann dummerweise ein verpöntes Wort benutzt und in manchen Sphären gibt sowas gleich einen Aufstand. Dass dieser wahrscheinlich nichts weiter bewirken wird, als Hermann von den aufschreienden Gruppen abzuschrecken und so dem Ansehen antirassistischer Anliegen unter Konservativen zu schaden, fällt dabei unter den Tisch. Der Ruf nach Zensur macht das Gegenüber niemals zum besseren Menschen. Die Antifa, das muss man leider immer wieder konstatieren, beschäftigt sich selten mit Inhalten, sie reagiert auf Schlüsselreize und reisst halt den Schnabel auf, sobald ihr jemand einen Wurm vorhält.

Überhaupt wird viel zu selten darauf eingegangen, wo Rassismus eigentlich beginnt. Ja, es gibt Rassismus unter dem Tarnmäntelchen der Islamkritik. Und es gibt ebenso legitime Islamkritik, denn der Islam ist, ähnlich wie im Übrigen das Christentum, eine offenbar zu autoritären Systemen neigende Religion. Und ja, es gibt antisemitische Israelkritiker, ebenso allerdings sogar jüdische.
Was wir mit Beiträgen wie diesem tun ist letztlich, sich als normal empfindende Menschen zu Rechtsextremen zu erklären. Sie werden ihre Position deswegen aber in der Regel nicht ändern, sondern sie erleben Ausgrenzung von links, welche durch Verständnis von rechts ausgeglichen wird. Der vermeintliche Rassist findet bei den echten Rassisten Bestätigung und beginnt so seinen Weg an den Rand.
Auf diese Weise ist letztlich auch eine Intoleranz von links mit für die Ausbreitung von Rassismus verantwortlich. Statt Aufklärung kommt Ausgrenzung, bei den Trägern der Vorurteile erfolgt statt Überwindung der Schranken eine Verhärmung.
Ich nenne das eine Rassismisierung: Aktuell oder in der Vergangenheit als normal empfundene Gedanken und auch legitime Gedanken kritischer Geister werden einem Problem zugeschlagen, zu dem sie wenigstens ursprünglich nicht gehören. Und die Rechten freuen sich, eine weitere gesellschaftliche Gruppe in ihre Reihen aufnehmen und sich so auch ihrerseits legitimieren zu können.

Menschenfeindlichkeit der Mitte

Es ist mir momentan noch unklar, ob es sich bei der zunehmenden Verrohung der politischen Mitte um ein paralleles Phänomen oder eine Folge des Drängens von Mainstream-Positionen nach rechts handelt. Wahrscheinlich ein bisschen was von beidem.
Wir müssen nicht lang über Günter Krings sprechen, aber er ist ein schön typisches Beispiel. Statt die Entbürokratisierung in der unter der eigenen Bürokratie zusammenbrechenden Asylverwaltung zu sehen, salbadert er mal wieder von irgendwelchen unrichtigen Asylbewerbern. Er könnte wissen, dass die Karte Entlastungen für den Staat bedeutet, wenn er den Artikel lesen würde, den er dort selbst verlinkt hat, wo es vor allem um die Kosten der aktuellen Situation geht. Aber damit lässt sich nicht so schön populistisch nach Zustimmung fischen.
krings-krankenkarte
Wofür das symptomatisch ist, ist die Verrohung der Mitte im Namen des Populismus. Es ist einfacher, Probleme mit der Keule zu erschlagen, als sie wirklich zu betrachten. Stereotype generieren so wunderschön Zustimmung. Dass man damit kurzerhand in eine Entwicklung einsteigt, die nicht mehr anders genannt werden kann als Kriegsführung gegen die Ärmsten der Armen, scheint dabei egal.
Hauptsache, die Wählerschaft ist zufrieden. Nur wird diese dabei auch gleich an solche Maßnahmen gewöhnt. Entmenschlichung der Opfer und zugleich Verrohung der hiesigen Bürger schreiten voran, für je normaler wir solche Dinge halten.

Und manchmal treibt es wirklich bizarre Blüten. Heute nachmittag wird im Umweltausschuss von Mönchengladbach ein Antrag besprochen, der es unerwünschten Menschen verbieten soll, sich auf Spielplätzen und in Bushaltestellen aufzuhalten. Ich will gar nicht wissen, welcher Denkprozess dahinter stand, diesen Antrag in den Umweltausschuss einzubringen, dessen einzige auch nur peripher betroffene Zuständigkeit im Bereich Sauberkeit und Abfall liegt.
Offenbar ist die Verrohung weit genug fortgeschritten, um einen Antrag über eine soziale Situation eher im für Abfall zuständigen Ausschuss einzureichen, als im Sozialausschuss. Sind wir wirklich schon so weit, Probleme mit Menschen in einem Gremium zu besprechen, welches für Dinge zuständig ist?

Nachtrag vom Abend: Der Punkt ist im Umweltausschuss, weil er Teil eines früheren Antrages zur so genannten Sauberkeitsinitiative der GroKo ist. So weit, so okay. Wieso er allerdings den inhaltlich zuständigen Fachausschüssen nicht vorgelegen hat, ist mir weiterhin ein Rätsel.

tl;dr

Um das alles zusammenzufassen:

  1. Normale Menschen zu Rechtsextremen zu erklären stärkt nur die Position der tatsächlich Rechtsextremen und deren Zuspruch
  2. Das Problem kommt nicht von Rechts. Das Problem kommt aus der Verrohung der Mitte.

Natürlich sind die Rechten ein Problem. Aber sie werden nur ein noch größeres Problem, wenn wir ihnen die Menschen, die sich etwa bei Pegida als normale Menschen mit Sorgen empfinden, den Nazis durch reflexhafte Ausgrenzung in die Arme treiben.