VelotÀre Weltrettung

Ich sage ja immer wieder, alle Menschen (die können), sollten Fahrrad fahren, das Fahrrad sollte (neben der Fortbewegung zu Fuß) das primĂ€re Fortbewegungsmittel in den InnenstĂ€dten sein. Wenn es allein darum ginge, hier gĂ€be es heute nichts interessantes zu lesen.
Nein, es geht hier darum, dass Fahrradfahren die Welt noch viel weitreichender zu retten hilft, als selbst die meisten Radfahrer glauben. Aber erst mal ein Bildchen meines vollen Transportgespanns, damit die Linkvorschau in den sozialen Netzwerken was zu kucken hat, danach dann Butter bei die Fische.

Denkt euch am Fahrer noch einen Rucksack dazu. Sollte reichen. (Nein, der AutoanhÀnger hinter dem Rad gehört nicht dazu)

Denkt euch am Fahrer noch einen Rucksack dazu. Sollte reichen. (Nein, der AutoanhÀnger hinter dem Rad gehört nicht dazu)


So, zur Butter: Offensichtlich ist, dass jeder den Kraftfahrzeugen abgeluchster Fahrtenkilometer dabei hilft, weniger Treibstoff zu verbrauchen. Der Fokus hierbei ist Erdöl, da seine Verbrennung die ErdatmosphÀre mit zusÀtzlichem CO2 und weiteren Gasen anreichert, die aus fossilen Lagern stammen. Das auch im Unterschied zu Atmung und der Verbrennung von Treibstoffen aus organischer Quelle, die nur CO2 entlassen, das seinerseits aus der gegenwÀrtigen AtmosphÀre stammt und somit das Gleichgewicht der Gase nicht verÀndern. Etwas, was auch viele nicht verstehen und dann meinen, Radfahrer erzeugten ebenfalls zusÀtzliches CO2, aber das ist hier nicht der Punkt.
Der Punkt ist das politische Gewicht von Öl.

Shell, Arabien und der Klimawandel

Der Klimawandel ist eine praktisch unbestrittene Tatsache. Die menschliche Verantwortung fĂŒr den Klimawandel ist eine sehr gut belegte und von einer großen Mehrheit der Forscher bestĂ€tigte Beobachtung. Der Hauptbeleg dafĂŒr ist, dass die natĂŒrlichen Ursachen von Klimaschwankungen diese zwar sehr gut erklĂ€ren können — aber plötzlich ab etwa 1950 versagen.
Das eine Problem ist, dass die wenigen „skeptischen Forscher“ in ihrer LautstĂ€rke erheblich aufgedreht werden, da der Klimawandel fĂŒr jene, die ihn verursachen, natĂŒrlich ein gutes GeschĂ€ft ist. So fallen sie etwa regelmĂ€ĂŸig dadurch auf, mit MillionenbetrĂ€gen von diversen Ölkonzernen „gefördert“ zu werden, was fĂŒr eine Bewegung wie die Klimawandelskeptiker, die der Gegenseite regelmĂ€ĂŸig Manipulation und wirtschaftliche Interessen vorwerfen, eigentlich bis hin zu Selbstauflösung peinlich sein mĂŒsste, von diesen aber regelmĂ€ĂŸig ignoriert wird, weil es ihnen nicht in den Kram passt.
Das andere ist, darauf weist zur Zeit etwa Hermann Ott hin, der politische Einfluss der Erdöl exportierenden Staaten. Er nennt vor allem Saudi-Arabien, aber auch die Macht der USA basiert auf dem Öl, jene der Sowjetunion stand im engen Zusammenhang mit den lĂ€ngst versiegten Ölquellen in ihrem SĂŒden und auch das heutige Russland lebt von seinen mit den einstigen Ölvorkommen geologisch zusammenhĂ€ngenden Gasexporten.
Das bedeutet, dass die Erdölwirtschaft neben ihren direkten Folgen fĂŒr das Klima auch erhebliche Folgen fĂŒr den Kampf gegen den Klimawandel hat. Jedes wirksame Vorgehen gegen die Emission klimawirksamer Gase wird vom Zweiklang aus Ölkonzernen und Ölstaaten massiv wirtschaftlich wie politisch behindert. Und das macht das Problem natĂŒrlich nur noch schlimmer. So wird es kein wirksames internationales Abkommen zur Reduktion des Ausstoßes von Klimagasen geben, denn selbst wenn die „Dealer&ldequo; nicht mit am Tisch sĂ€ĂŸen, wĂ€re ihr politischer Einfluss auf den Rest der Welt doch so groß, dass sie alles blockieren können.

Und deshalb ist das Fahrrad wichtig: Es lĂ€uft ohne Öl. Ein großer gesellschaftlicher Umstieg auf das Rad entzieht den Konzernen und Scheichs Geld. Jeder Cent zĂ€hlt, denn letztlich besteht jedes noch so große Vermögen nur aus einer großen Menge Cents. Es geht nicht darum, ob einer etwas bewirken kann. Es geht darum, wie viele mitmachen.

ISIS, Al Qaida und der Petrodollar

Wenn es um den internationalen Terror geht, insbesondere den islamistischen, fallen weltweit zwei Staaten als große Geldgeber des Terrors auf. Da sind zum einen, in Eurasien vor allem als Erbe des Kalten Krieges, die USA, zum anderen die ebenso wirtschaftlich wie religiös motivierte saudische Königsfamilie und ihre GĂŒnstlinge.
Da hĂ€tten wir die Taliban und al Qaida, die zeitweise von beiden finanziert wurden, Boko Haram als Freunde der Saudis und ganz eklatant und aktuell ISIS/ISIL, die sowohl auf arabisches Geld als auch auf eigene Ölexporte setzen können. Der Independent geht durchaus begrĂŒndet davon aus, dass Saudi-Arabien der „eigentliche Feind des Westens sei.

They pour money into Islamist organisations and operations, promote punishing doctrines that subjugate women and children, and damn liberal values and democracy. They are pursuing a cruel bombing campaign in Yemen that has left thousands of civilians dead and many more in dire straits.

Und auch dieses Geld stammt im Falle Arabiens aus dem Öl.
Deshalb kann man durchaus zugespitzt sagen, wie ich es gestern als Teaser fĂŒr diesen Text auf Twitter tat:

Unsere beste Waffe gegen ISIS ist ĂŒbrigens das Fahrrad, weil man damit den Geldgebern des Terrors EinkĂŒnfte aus dem Ölexport verweigern kann

Denn, ganz ehrlich, eine andere Antwort auf den Terror haben wir nicht. Krieg ist ein sehr unprĂ€zises Mittel, auch wenn ich ihn gegen ISIS durchaus als gerechtfertigt sĂ€he. Er brĂ€chte aber nur eine vorĂŒbergehende Lösung, da er den Terror nicht in seiner Existenz als Struktur angreift. Das ist ein wichtiger Unterschied etwa zur Entnazifizierung, da die Macht der Nazis an die militĂ€rische und polizeiliche Macht des Deutschen Reiches als Staat gekoppelt war. ISIS hingegen ist nicht gewĂ€hlt, nicht heimisch, sie treten auch in den kontrollierten Gebieten als Besatzungsmacht ohne Heimatland auf, ihre Machtbasis liegt bei ihnen selbst, ganz gleich, wie kaputt der Staat um sie herum ist. Identisch ist aber immer noch folgendes: Den Terror stoppen kann nur der Machtentzug. Und die Macht von ISIS speist sich aus den Mitteln, fĂŒr die sie ihr Geld einsetzen.
Das ist somit unsere grĂ¶ĂŸte Waffe gegen ISIS und Konsorten: Ihnen und ihren UnterstĂŒtzern die wirtschaftliche Existenzgrundlage entziehen. Und das geht am besten mit dem Fahrrad. Mit einem Westen, noch ĂŒber seine Autos Hauptgeldgeber des Terrors, in dem eine Milliarde FahrrĂ€der den tĂ€glichen Nahverkehr erledigen und in dem Kraftfahrzeuge nur noch fĂŒr Transporte und Fernverkehr eingesetzt werden. Genug, dass die Menschen in Arabien leben können aber nicht genug, um tĂ€glich Milliarden in den Terror pumpen zu können.
Es ist das einzige, was mir gegen den Terror einfÀllt, was wirkt.
Europa hat eine halbe Milliarde Einwohner. Einwohner mit einem absolut ĂŒberdurchschnittlichen Verbrauch an Erdölprodukten. Das sollten genug sein, um einen solchen Erdölausstieg zu einem empfindlichen Schlag zu machen.

Bei-Spiel: ElektromobilitÀt

ErwĂ€hnt werden sollte noch die Rolle der ElektromobilitĂ€t in dieser ganzen Geschichte. Ich bin selber nicht unbedingt ein Freund undurchdachter Umsetzung der Elektromobilisierung des Kraftverkehrs. Man kann den Ressourcenverbrauch fĂŒr die Batterien ebenso kritisieren wie die bloße Verlagerung des Klimaproblems vom Fahrzeug selbst zu den Kraftwerken, die den Strom fĂŒr ihren Betrieb erzeugen. Man muss sogar kritisieren, dass sie neben dem Treibstoffproblem keines der durch Automobile verursachten Probleme (etwa gestiegene GefĂ€hrlichkeit des Straßenverkehrs, Platzverbrauch und Bewegungsmangel fĂŒr die Nutzer) zu lösen im Stande sind.
Aber: In gewissem Umfang sind Kraftfahrzeuge einfach notwendig, um unseren Lebensstil halbwegs so zu halten, wie er ist. Und das mĂŒssen wir, denn alles andere ist schlicht und ergreifend nicht durchsetzbar.
Kein anderer alltagstauglicher Antrieb ist so neutral der Herkunft der Energie gegenĂŒber wie der Elektromotor, gleich welcher Bauart. Wollen wir die Wirtschaft auf erneuerbare Energien umstellen, geht das nur mit Elektromotoren in vernĂŒnftigem Maße, denn die anderen Optionen (also hauptsĂ€chlich Treibstoffe vom Feld) sidn alle weder praktisch noch in irgendeiner Weise umweltvertrĂ€glich, wenn man sie im nötigen Umfang umsetzt.
Und deshalb ist die ElektromobilitĂ€t notwendig: Nicht als Teil der Abkunft von fossiler Energie, sondern als alternativlose Vorbedingung dieser. Ohne Elektromotoren keine vollstĂ€ndige Energiewende mit allen Folgen nicht nur fĂŒr das Klima, sondern eben auch fĂŒr die globalen Machtstrukturen.


FreitĂ€gliche FĂŒnf 27.11.2015

Die wöchentlichen fĂŒnf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen AlltĂ€glichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfĂ€llt.
Diese Woche die volle Technikrevolution.

1. Doppelrollenhalter

Es gibt Klopapierhalter fĂŒr zwei Rollen. Ich wusste das nicht. Warum gibt es ĂŒberhaupt noch Halter fĂŒr eine einzelne Rolle? Ich meine, wisst ihr, wie viele Leben Klobesuche so ein Ding retten kann? Mindestens zwei!

Okay, der Preis von 195 USD wÀre eine ErklÀrung, aber das kann man in jeder Garage nachbauen - Bild: retro.net

Okay, der Preis von 250 USD wĂ€re eine ErklĂ€rung, aber das kann man in jeder Garage nachbauen – Bild: retro.net

2. Solarschindeln

Dachschindeln mit Solarenergiegewinnung sind kein so wahnsinnig neues Konzept. Was an diesen hier interessant ist, ist der einfache Aufbau der es erlaubt, die Schindeln noch beim Bau mit den neuesten Modulen auszurĂŒsten ohne das komplette Teil neu machen zu mĂŒssen. Theoretisch sollte es auch möglich sein, in diesen Schindeln Photovoltaik und Solarthermie zu kombinieren.
solarschindeln

3. Sususudio

Jetzt habe ich mic tatsÀchlich zu einer Phil-Collins-Referenz hinreissen lassen. Naja, ein-zwei Tage mehr in der Hölle machen jetzt auch nichts mehr.
Jedenfalls habe ich jetzt die nötige AusrĂŒstung, um meine Kurzgeschichten auch als Audiostories (Audiobooks wĂ€re angesichts der KĂŒrze ĂŒbertrieben) aufzunehmen. Der Plan ist, diese dann auf Youtube (werbefinanziert) sowie zum Kauf bei Plattformen wie Audible und iTunes anzubieten. Ich experimentiere grade etwas mit meiner Stimme, hoffe nebenbei darauf, dass meine leichte ErkĂ€ltung bald weg ist, ĂŒberlege, was ich bei Youtube als Bild zum Ton liefern soll und bereite ansonsten die Veröffentlichung vor. Idealerweise wöchentlich, immer abwechselnd in Deutsch und Englisch (jeweils die selbe Geschichte), wobei ich mehrere Wochen im Voraus produziere, einfach um zeitlich enge Wochen oder die Stimme betreffende Erkrankungen ausgleichen zu können. Den (leeren) Youtube-Kanal fĂŒr die Aufnahmen gibt es ja schon.
Und so sieht mein Arbeitsplatz somit derzeit aus:

Bling, Baby, bling!

Bling, Baby, bling!


Ach ja, das goldene Mikro: Ganz ehrlich, als ich sah, dass Schwarz/Gold genau so viel kostete wie rein Schwarz (aktuell sogar 5 € weniger), gab es da keine Frage mehr, es wurde das goldene. Und ja, ich habe es von oben auf den Arbeitsplatz runterhĂ€ngen, mir gefĂ€llt das einfach so. Der Arm ist dafĂŒr nicht ausgelegt, aber es geht.
Ja, ich habe auch einen Pop-Schutz, will aber zunĂ€chst versuchen, ohne diesen zu arbeiten, um die Stimme möglichst unverfĂ€lscht zu halten. Das geht theoretisch, wenn man mehr oder weniger am Mikro vorbei spricht, in gewissem Maße selbst bei einem Nierenmikro.

4. Coolar

Video wird erst beim Draufklicken geladen. Beim Laden werden Daten an youtube.com ĂŒbermittelt

Gut, wer weiss, wie KĂŒhlschrĂ€nke funktionieren, fĂŒr den klingt es auf den ersten Blick nicht weiter spektakulĂ€r, einen KĂŒhlschrank mit Hitze aus beliebiger Quelle anzutreiben. Nur hat es offenbar noch nie jemand gebaut.
Hier haben wir also den ersten KĂŒhlschrank, der keinen Strom braucht.

5. BĂŒndnis 90/Die GrĂ¶ĂŸten

Ja doch, der Versprecher gefÀllt mir immer noch. Dinge, die so auf Fraktionssitzungen passieren.


SamstÀgliche Sechs 21.11.2015

Die wöchentlichen fĂŒnf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen AlltĂ€glichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfĂ€llt.
Diese Woche sammeln wir einen Haushalt zusammen. Da ich den Freitag nicht geschafft habe, zur Buße der Samstag mit einem Eintrag mehr.

1. Waschmaschine

Wir haben wieder eine fußbetriebene Waschmaschine. Die GiraDora ist ja irgendwie verschwunden, nun folgt also Drumi, die per Crowdfunding zum Serienprodukt werden soll. Und das Projekt sieht sehr aussichtsreich aus.

Vermutlich auch der Name des Schlagzeugers bei den Sieben Zwergen - Bild: Indiegogo

Vermutlich auch der Name des Schlagzeugers bei den Sieben Zwergen – Bild: Indiegogo

2. Fernsehen

Ich schockiere jetzt wahrscheinlich niemanden, wenn ich zugebe, dass ich Xavier Naidoo nicht mag. FrĂŒher hielt ich ihn nur fĂŒr einen unertrĂ€glichen Schmalzbarden, dann hat er Falcos Jeannie, Part 1 erschreckend schlecht gecovert und das war’s fĂŒr Naidoo. Ach ja, ausserdem schwalbadert er immer gerne was von der angeblich nicht vorhandenen SouverĂ€nitĂ€t Deutschlands, was immer das ĂŒberhaupt heissen soll. Antisemitismus wird ihm auch vorgeworfen, aber ganz ehrlich, nur weil man eine zufĂ€llig jĂŒdische BĂ€nkerdynastie fĂŒr kriminell hĂ€lt, ist man in meinen Augen noch kein Antisemit.
Entsprechend all dem freue ich mich auch nicht, dass die ARD Naidoo nun zum Grand Prix Eurovision de la Chanson schicken will, den ich immer noch so nenne. Ohne Auswahlverfahren, nur der Song kann noch ausgewĂ€hlt werden. Was nichts hilft, denn genau der war ja auch 2015 das Problem, als wir mit einer unĂŒbersehbaren Kopie des Vorjahressiegers angetreten sind und dann mit 0 Punkten auf dem letzten Platz gelandet sind.
Aber, ABER, es hat doch ein Gutes: In einer Woche voller Mist, mit Attentaten und dem ganzen Drumherum, gab es endlich mal wieder Gelegenheit, sich ĂŒber etwas richtig belangloses und dummes aufzuregen. Und das hat gut getan.

3. Heulboje fĂŒr das maritime Ambiente

Ach ja, inzwischen hat der Naidoo auch zurĂŒckgezogen.

4. Was zum Essen

Schwarzkohl heisst auf Englisch dinosaur kale. Ich find das großartig.

5. JĂ€teroboter

Nein, ich weiss auch nicht, wozu der vorne zwei Augen hat statt untendrunter, um die Pflanzen zu sehen - Bild: Amazone.de

Nein, ich weiss auch nicht, wozu der vorne zwei Augen hat statt untendrunter, um die Pflanzen zu sehen – Bild: Amazone.de


Das ist Bonibot, ein Spezialroboter des AgrargerĂ€teherstellers Amazone. Er fĂ€hrt vollautonom ĂŒber die Felder und pickt „UnkrĂ€uter“ raus, lĂ€sst die angebauten Pflanzen aber stehen. Was so lange praktisch ist, bis man Löwenzahn oder Brennnessel anbauen will.
Das PR-Versprechen hier ist, dass man mit Bonibot auf Pestizide verzichten kann. Wenn man bedenkt, wie schwer es ist, ungewollte Pflanzen aus den Feldern zu halten, verbleibe ich skeptisch. Trotzdem, nette Idee.

6. Apfelbaum

Nach ein wenig Zeit in der Regentonne sind der Apfelbaum sowie der meines Nachbarn endlich am Ort der Bestimmung, eine Hundewiese (und nun Obstwiese) zwischen Ohler, Holt und Pongs. Wie die meisten BĂ€ume der Aktion eine alte Sorte vom Niederrhein, eine Schafsnase. Nein, er ist nicht sonderlich haarig und die Äpfel hoffentlich auch nicht.
Er ist nicht so schief wie das Foto glauben macht. Okay, nicht ganz so schief.

Das war ein seltsames Schaf - Bild: eigen

Das war ein seltsames Schaf – Bild: eigen


In dunklen Tagen

Achso, ISIS=Islam.
Deshalb sind die im Krieg mit den anderen Muslimen.
Deswegen sind Millionen Muslime auf der Flucht aus den von ISIS kontrollierten Gebieten.
Deshalb gab es vorgestern ein Attentat auf Beirut.
Das ist alles soooo logisch!

Rassistische DummschwÀtzer!

Terrorist sein ist keine Religion, Terrorist sein ist eine Geisteskrankheit. Religion erleichtert lediglich den ÜbertrĂ€gern die Infektion und ja, manche Religion ist anfĂ€lliger als andere. Man muss sie dafĂŒr kritisieren, aber man muss doch auch immer diesen wichtigen Unterschied im Auge behalten. Wer ihn vergisst, droht seinerseits, sich anzustecken.

Dass solche Dinge ausdrĂŒcklich gesagt werden mĂŒssen, das sind die Folgen des Terrorismus vor denen ich mehr Angst habe, als ich vor dem Terrorismus jemals haben können werde. Die Ausbreitung von Rassismus, die Spaltung der Gesellschaft, der Eintritt in eine sich bestĂ€ndig gegenseitig befeuernde RĂŒckkopplung aus Angst, Gewalt und UnterdrĂŒckung.

Mag sich mancher ĂŒber die Bezeichnung als „rassistischer DummschwĂ€tzer“ beschweren, ich halte nichts anderes als diesen Anwurf fĂŒr angebracht. In schweren Zeiten ist nichts wichtiger als Klarheit.
Dies sind dunkle Tage. Wie dunkel wir sie werden lassen, dafĂŒr sind allerdings wir selbst verantwortlich. Und dafĂŒr ist notwendig klar zu benennen, in welcher Gestalt uns das Dunkel heimsucht.

Nous sommes unis. Nous sommes forts. Nous sommes la lumiÚre face à la marée des ténÚbres.


FreitĂ€gliche FĂŒnf 13.11.2015

Die wöchentlichen fĂŒnf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen AlltĂ€glichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfĂ€llt.
Diese Woche wird weggeworfen, umgeworfen, entworfen, sich weggeschmissen und wieder weggeworfen.

1. Der Gartenkompostblumenturm

Endlich mal wieder Gelegenheit fĂŒr ein schönes Kompositum: Gartenkompostblumensteckturmeinrichtung.

Werft mehr Lebensmittel weg, dann kriegt ihr auch Blumen. Oder so. - Bild: Garden Tower Project

Werft mehr Lebensmittel weg, dann kriegt ihr auch Blumen. Oder so. – Bild: Garden Tower Project


Das Konzept ist im Grunde simpel: In der Mitte ist Raum fĂŒr Garten- und KĂŒchenabfĂ€lle, die kompostiert werden sollen, drumherum wachsen die Pflanzen, die der Kompost dann direkt nĂ€hrt.
Das Projekt aus Indiana will ein solches System kommerziell anbieten und das sieht schon ganz gut aus, mit modular aufgebautem Turm und so weiter. Eine interessante Möglichkeit zur Verwertung von GrĂŒnabfĂ€llen in Haushalten ohne Zugriff auf einen Garten. Gedacht ist das Ganze fĂŒr die Kompostierung mit WĂŒrmern, da diese vergleichsweise schnell und fast völlig geruchlos verlĂ€uft, was in Wohngegenden klar von Vorteil ist.

2. EuGH schwÀcht Verlage

Der EuropĂ€ische Gerichthof hat in einem Urteil gegen die VG Wort die Verlage gegenĂŒber den Autoren deutlich geschwĂ€cht. Bislang erhielten die Verlage Anteile aus den Einnahmen, die der VG Wort als Verwertungsgesellschaft von Bibliotheken und Herstellern von z.B. Kopierern zukommen. Dies haben nun praktisch alle Instanzen als rechtswidrig eingestuft: Einnahmen aus der Wahrnehmung von Urheberrechten stehen einzig den Urhebern zu.
Damit setzt sich der Trend fort, dass in den Kreativbranchen die Rolle der Kreativen immer grĂ¶ĂŸer wird, wĂ€hrend die nach und nach ĂŒberflĂŒssig werdenden Verwerter (Verlage, Musiklabell usw.) immer mehr auf verlorenem Posten stehen.

3. Harmonie 20 in der zeitung

Die MÀdels von der Harmonie 20 haben es mit ihrem verlÀngerten temporÀren LÀdchen nochmal in die Zeitung geschafft. Sogar mit Teaser auf der Titelseite der RP. Sehr schön.
Der Laden war in der Schauzeit belegt worden, als in Rheydt LeerstĂ€nde von KĂŒnstlern belegt wurden. Dieser Laden (sowie Engel & Helden in der Hauptstraße) sind geblieben.

4. Dieses herrliche Satirevideo

Video wird erst beim Draufklicken geladen. Beim Laden werden Daten an youtube.com ĂŒbermittelt

Ich bin jedenfalls ziemlich sicher, dass das Satire ist. Abgehackte Aussprache, die jede Silbe ĂŒberbetont, extrem aufgesetztes Grinsen und Bewegungsmuster eines Roboters. Die kann das nicht ernst meinen, so auch noch Tipps und Coachings anzubieten.
„Wirkungsexpertin“ – das ist so herrlich absurd.

5. Neue Haustiere

Als kleine Nachwirkung der Apfelbaumaktion habe ich jetzt WĂŒrmer.
Nein, nicht, orrrr… KompostwĂŒrmer! Etwa ein Dutzend als Start fĂŒr einen Wurmkomposter. Momentan leben die noch in einem Plastikbeutel, weil ich keinen fĂŒr einen Wurmkomposter geeigneten Eimer habe (mit Deckel und Ablaufhahn), aber zu fressen haben die schon und fĂŒr die ersten ein-zwei Wochen geht das auch so. NĂ€chste Woche kriegen die aber ein vernĂŒnftiges Zuhause.


Dino-Dienstag 32

Nachrichten aus der Welt der PalÀontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diesmal einigermaßen theropodenlastig, dafĂŒr aber wieder wirklich am Dienstag.

Ornithomimus‘ Federkleid

Dass es ein LĂ€ufer ist erkennt man an den rasierten beinen fĂŒr die Aerodynamik - Bild: Julius Csotonyi

Dass es ein LĂ€ufer ist erkennt man an den rasierten Beinen fĂŒr die Aerodynamik – Bild: Julius Csotonyi


Dass Ornithomimus ein Gefieder besitzt, ist schon seit 2014 bekannt, aber die Details kommen nur langsam zusammen. Diese Details sind wichtig um herauszufinden, wie sich die Federn bei den Dinosauriern entwickelt und ausgebreitet haben und welche Funktion sie erfĂŒllten. Ein neuer Fund aus den USA zeigt nun das Gefieder des Hinterkörpers. Demnach war der Schwanz gefiedert, aber die Hinterbeine nicht. Damit steht Ornithomimus auch im Kontrast zu den ersten Vögeln, die mit Federn an den Hinterbeinen ein zweites paar FlĂŒgel bildeten, das erst spĂ€ter verschwand. Die nicht isolierten Beine halfen dem Tier wahrscheinlich Ă€hnlich wie heutigen Straussen, nicht zu ĂŒberhitzen.
Möglicherweise gab es also beim Gefieder der Dinosaurier, Ă€hnlich wie beim Fell der SĂ€ugetiere, einen Trend zu weniger Gefieder je grĂ¶ĂŸer das Tier insgesamt war, mit Ausnahmen vor allem in kalten Regionen.

In den Kiefern des Tyrannosaurus

Aaaaaa-llosaurus - Bild: Wikimedia Commons

Aaaaaa-llosaurus – Bild: Wikimedia Commons


Fleisch fressende Dinosaurier teilten eine FÀhigkeit mit ihren Kollegen unter den SÀugetieren: Sie konnten ihre MÀuler deutlich weiter aufreissen als Pflanzenfresser, selbst wenn diese nahe mit den Fleisch fressenden Arten verwandt waren. Bisher war nur vermutet worden, dass Dinosaurier wie Allosaurus (siehe Bild oben) und Tyrannosaurus ihre Kiefer bis zu 90° weit öffnen konnten, das wurde nun nachgewiesen.
Schon Erlikosaurus, ein Pflanzen fressender Dinosaurier aus der nahen Verwandtschaft der Fleischfresser konnte seine Kiefer lediglich um 45° öffnen — etwa so weit wie ein Mensch.
Nur, was befand sich beim Zubeissen zwischen den Kiefern? Laut einer anderen Untersuchung aus den USA wenigstens bei tyrannosaurus rex hin und wieder auch mal ein Artgenosse. Ob T. rex allerdings regelmĂ€ĂŸig andere seiner Art als Nahrung angriff oder sie nur nutzte, wenn er ein bereits totes Tier fand, kann die Untersuchung nicht beantworten.

Dino-Media

Nach dem Karbon soll nun auch das Trias-Zeitalter eine virtuelle Umgebung fĂŒr den Einsatz im Unterricht bekommen. Derzeit ist das Projekt in der Testphase. Es wird mehrere LebensrĂ€ume aus aller Welt samt ihrer Bewohner zeigen. Die Trias war jene Zeit, in der die ersten Dinosaurier auf der Erde auftauchten. Die Welt erholte sich damals langsam vom grĂ¶ĂŸten Massensterben in ihrer Geschichte, bei dem unter anderem die Trilobiten verschwanden.
Die Hollywood-Seite Tracking Board meldet unterdessen, Mattel sei an einer Verfilmung der Zeichentrickserie Dino-Riders aus den 80ern interessiert. Die zu einer gleichnamigen Spielzeugserie gehörende Trickfilmreihe handelte von einem Kampf auf der Erde gestrandeter Ausserirdischer mit Hilfe von Dinosauriern.

Video wird erst beim Draufklicken geladen. Beim Laden werden Daten an youtube.com ĂŒbermittelt

Veganer, Wurst und Weltrettung

Die Überschrift ginge auch als Wurstveganerweltrettung, aber so ist’s auch hĂŒbsch.

Thema hier: Veganer und warum sie so oft zu missionieren scheinen. Und warum alle anderen das auch machen, es nur nicht merken — vielleicht sogar noch mehr. Anlass sind einige BeitrĂ€ge bei Fefe von vorletzter Woche (ja, ich bin spĂ€t dran), in denen er sich ĂŒber missionierende Veganer beschwert. Ich finde das allgemein unfair (und sprachlich unfehr immer attraktiver, aber das geht jetzt vom Thema ab), grade Veganern immer die Mission vorzuwerfen. Ich bin selber kein Veganer, aber an diesen ErnĂ€hrungsweise grundsĂ€tzlich interessierter Nutzer einiger veganer Produkte und habe viel mit Veganern zu tun. Und ganz ehrlich, ich kenne kaum eine Gruppe, die einen besseren Grund zum „Missionieren“ hat als Veganer.
Also: Warum missionieren Veganer eigentlich so oft?

Die einfachen Antworten vorab

Grund fĂŒr Veganismus ist in Mitteleuropa meistens einer der folgenden drei, seltene GrĂŒnde wie jene der Religion (vegane Religionen sind hier sehr selten) mal ignorierend:

  • Ethische GrĂŒnde bedeuten in der Regel, dass man dagegen ist, dass Tiere fĂŒr die BedĂŒrfnisse des Menschen sterben und/oder leiden. Grundlage ist entweder die Ansicht, dass der Mensch kein Recht hat, andere Tiere zu töten (ohne angegriffen worden zu sein) oder dass der Mensch durch seine ungewöhnliche Gabe der Intelligenz die Pflicht erhĂ€lt, diese zur Vermeidung jeglichen Leides einzusetzen, auch fĂŒr Nicht-Menschen.
    Dass diese Gruppe zur „Missionierung“ neigt, ist wenig verwunderlich, schließlich ist ihr Ansinnen der Vermeidung von Leid nicht erreicht, solange nur sie selbst auf den Konsum tierischer Produkte verzichten. Etwa so wie es einem Polizisten bei der Verfolgung eines Verbrechers nicht reichen kann, dass er selber keine Straftaten begeht. Aus der ethischen BegrĂŒndung des Veganismus lĂ€sst sich also eine moralische Pflicht ableiten, die Idee weiterzugeben.
  • Umweltschutz ist ein anderer hĂ€ufiger Grund fĂŒr Veganismus. Viehwirtschaft ist mit enormem Verbrauch natĂŒrlicher Ressourcen verbunden — sowohl direkt bei den Tieren als auch in Form der gewaltigen mengen Nahrung, die durch die Tiere gehen statt wirtschaftlich und ökologisch deutlich gĂŒnstiger direkt auf den Tellern landen zu können. Besonders Rindfleisch und Milchprodukte sind extrem belastend fĂŒr die Umwelt. So sehr, dass ein Normalesser bei Milchverzicht sich klimaschonender verhalten als Vegetarier, die zwar auf Rindfleisch verzichten, dafĂŒr aber meist mehr Milchprodukte zu sich nehmen.
    Diese Gruppe ist schon seltener „missionarisch“ tĂ€tig, da die moralische Pflicht zur Bekehrung weniger akut ist. Zwar ist es natĂŒrlich besser, wenn mehr Menschen dabei helfen, die Umwelt zu schĂŒtzen, aber das GefĂŒhl der Nutzlosigkeiten der eigenen BemĂŒhungen ist weniger stark ausgeprĂ€gt, da man das GefĂŒhl hat, „seinen Anteil“ zu erfĂŒllen.
  • Gesundheitliche GrĂŒnde sind die letzte simple Gruppe, bevor wir zu den komplizierteren kommen. Sie begrĂŒnden die Entscheidung zum Verzicht auf Tierprodukte mit der potenziellen GesundheitsschĂ€dlichkeit vieler tierischer Nahrungsmittel, von Wurst ĂŒber Fleisch bis Milch. In wie weit das den Tatsachen entspricht, ist umstritten, aber hier nicht Thema. Allerdings sind diese Veganer auch oft nicht so strikt und nehmen ab und an Dinge wie Bienenkotze Honig zu sich, was mögliche gesundheitliche Probleme ausgleicht. Zudem ernĂ€hren sie sich noch stĂ€rker als andere Veganer bewusst und wissen daher, die bei schlecht umgesetztem Veganismus möglichen Mangelerscheinungen zu vermeiden.
    Diese Menschen haben eigentlich nur selten Grund zur Weiterverbreitung ihrer Ansichten, es sei denn, sie wollen ihren Mitmenschen etwas Gutes tun. Das zentrale Wort hier ist eigentlich. Denn jetzt kommen wir dazu, wie Veganer jeglicher Couleur zu Missionaren gemacht werden.

Die karnate Inquisition

Hier wird es komplizierter, das deutet schon die Fremdwörter in der Überschrift an. „Karnat“: fleischlich, „Inquisition“: Befragung.
Um das nachvollziehen zu können empfehle ich jedem Nicht–Veganer einfach mal, fĂŒr etwa einen Monat Veganer zu spielen. Es ist dazu kein Verzicht nötig, noch nicht ein Mal die Übernahme veganer ErnĂ€hrung. Spielen Sie, wann immer sie öffentlich sind, einfach mal Veganer. ErwĂ€hnen Sie ein oder zwei Mal, dass Sie eine vegane ErnĂ€hrung ausprobieren. Keine Sore, man wird es Ihnen abnehmen, denn wer sich auf ein solches Experiment einlĂ€sst ist offensichtlich offen genug, ab und an etwas Neues auszuprobieren und nicht in den eigenen Vorurteilen zu verharren. Es bedeutet zwar, beim Ausgehen erst spĂ€ter ein Steak essen zu dĂŒrfen, wenn man wieder alleine ist (na gut, doch ein bisschen Verzicht), aber fĂŒr einen Monat sollte das gehen und es bietet erheblichen Erkenntnisgewinn.
Schnell dĂŒrfte Ihnen eines auffallen: Menschen, die Fleisch essen, sind unglaublich vehement in ihrer Überzeugung, dass dies etwas Gutes ist. Sobald ihnen auch nur irgendwie zu Ohren kommt, dass Sie sich vegan ernĂ€hren, werden die Missionierungsversuche beginnen. Niemand missioniert mehr als Normalos, in deren Gegenwart der Begriff „vegan“ fĂ€llt. Sie werden sich ausgiebig und völlig unaufgefordert anhören dĂŒrfen, wie schĂ€dlich vegane ErnĂ€hrung sei, dass sie dem Klima ja gar nichts nĂŒtze, dass Fleisch zu essen doch ganz natĂŒrlich und Fleisch ausserdem doch so lecker sei und so weite rund so fort. Selbst eigentlich gemĂ€ĂŸigte Leute fangen plötzlich an, beinahe Verschwörungstheorien um eine Vegetarierlobby aufzubauen. Und dann kommt quasi aus dem Nichts der Vorwurf der Missionierung, sobald man es wagt, dem Redeschwall der Nicht-Veganer zu trotzen. Die AbsurditĂ€t ist beachtlich.
Man fragt sich unweigerlich, wieso es Allesessern so schwer fĂ€llt, als einschrĂ€nkend wahrgenommene Überzeugungen bezĂŒglich der ErnĂ€hrung anderer zu akzeptieren. Ja, manche sind einfach Besserwisser, die eine willkommene Gelegenheit wittern, ihr Hobby auszuleben. Aber nicht alle FĂ€lle lassen sich so erklĂ€ren, dafĂŒr sind es zu viele.
Die Veganer fĂŒhlen sich da schnell in die Ecke gedrĂ€ngt und wer in die Ecke gedrĂ€ngt wird, wehrt sich halt. Und so werden dann auch viele Veganer, die aus eigenem Antrieb nicht missionieren mĂŒssten zu Missionaren. Bei denen ist es dann weniger ein Angriff als eine Art offensive Verteidigung; der Versuch, einen Schutzraum um sich zu erschaffen, in dem man nicht stĂ€ndig von den missionierenden Steak-Gourmands belĂ€stigt wird, die einen von den VorzĂŒgen des Fleischgenusses zu ĂŒberzeugen suchen.
Das erklĂ€rt dann vielleicht auch, warum Gruppen wie Peta so oft mit Aktionsformaten arbeiten, die genau niemanden ĂŒberzeugen, dafĂŒr aber viele Menschen abschrecken können.

Also, liebe Normalos: Bevor ihr euch wieder ĂŒber missionierende Veganer beschwert, kurz an die eigene Nase packen. NatĂŒrlich, es gibt Veganer, die eine Art Missionierung als moralische Pflicht ansehen und die wird es immer geben. Aber viele Fleisch-Liebhaber tragen ganz klar ihren Teil zur Radikalisierung von Veganern bei, wenn sie diese nicht sogar auslösen. Ich habe in der Regel Verteidiger des Fleisches als deutlich lauter und missionarischer erlebt als die meisten vegetarisch oder vegan lebenden Menschen. Aber das fĂ€llt oft nicht auf, weil sie auf Seiten der gesellschaftlich-mehrheitlichen Norm stehen.

Ersatzprodukte

Kurz noch zu einem Kritikpunkt am Veganismus, den ich nie verstanden habe: Was genau spricht gegen Fleischersatzprodukte?
Das ist relevant, denn ich halte auch das fĂŒr eine Form von Intoleranz durch die Nicht-Veganer: Wer keine tierischen Produkte zu sich nimmt, der soll gefĂ€lligst (unnötigen) Verzicht ĂŒben, denn er verdient Strafe? Vegane ErnĂ€hrung richtet sich ja nicht gegen die Wurst, sondern dagegen, dass fĂŒr die Wurst ein Tier sterben musste. Warum also sollten vegane Wurst oder auch Ersatzprodukte fĂŒr in der hiesigen KĂŒche schlichtweg unverzichtbare Zutaten wie Milch ein Problem darstellen?
Mir ist das unbegreiflich. Das ist fĂŒr mich nichts weiter als ein Ausdruck der UnfĂ€higkeit von Normalos, die aus der Norm fallenden zu verstehen. FĂŒr den Wunsch nach einer Form von Buße fĂŒr die Abweichler.
Ein bisschen so, wie den Homosexuellen das Recht auf Ehe zu verweigern. Es geht nicht um die Sache, denn dafĂŒr gibt es gar keine BegrĂŒndung. Es geht darum, was man als normal zu akzeptieren bereit ist. Und vielleicht um die Angst davor, sich selbst und das eigene Bild von NormalitĂ€t hinterfragen zu mĂŒssen und der Antwort nicht mehr so sicher sein zu können, wie man immer glaubte. Darum, Antworten ernsthaft suchen zu mĂŒssen statt die althergebrachten einfach unhinterfragt ĂŒbernehmen zu können.

Zum Abschluss ein Bild vom Ende der Welt: Vegane Bratlinge mit Salat! (Bild: Wikimedia Commons)

Zum Abschluss ein BIld vom Ende der Welt: Vegane Bratlinge mit Salat! (Bild: Wikimedia Commons)

Meine Position

In einem Artikel zu diesem Thema scheint es mir wichtig, die eigene Position darzulegen, daher folgendes: ich bin selbst kein Veganer, verzichte aber aus ethischen GrĂŒnden in allen Bereichen ausser der ErnĂ€hrung auf tierische Produkte (also z.B. auf Leder) und nutze aus einer Mischung aus ethischen und ökologischen GrĂŒnden regelmĂ€ĂŸig vegetarische und vegane Lebensmittel, vor allem Ersatz fĂŒr diverse Milchprodukte.


FreitĂ€gliche FĂŒnf 06.11.2015

Die wöchentlichen fĂŒnf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen AlltĂ€glichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfĂ€llt.
Diese Woche wieder eine selbst fĂŒr diese Reihe ungewöhnlich klimafreundliche Ausgabe plus GebĂ€rdensprachendolmetscher.

1. Fossilfreies MĂŒnster

Kreuzfeier - Bild: Fossil Free Deutschland

Kreuzfeier – Bild: Fossil Free Deutschland


Nein, das Geologisch-PalĂ€ontologische Museum MĂŒnster wird nicht geschlossen, keine Angst. Immerhin liegt da der grĂ¶ĂŸte Ammonit der Welt, sowas macht man nicht zu.
Hier geht es um fossile Brennstoffe: MĂŒnster hat als erste Stadt in Deutschland entschieden, keine weiteren Gelder in Kohle, Öl udn Gas zu investieren und zieht ihre bisherigen Investitionen zurĂŒck beziehungsweise verkauft diese. Diese Investitionen, die in den letzten Jahren als VerlustgeschĂ€fte zunehmend zu einem Problem fĂŒr viele StĂ€dte vor allem im Ruhrgebiet werden, sind eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine fĂŒr den Weiterbetrieb insbesondere von Kohlekraftwerken.

2. Simax

Simax ist ein in der Entwicklung befindlicher virtueller GebĂ€rdesprachenĂŒbersetzer. Die Software wird mit einem Text gefĂŒttert, setzt diesen in die jeweilige GebĂ€rdensprache um und das Ergebnis wird dann noch ein Mal von einem GebĂ€rdendolmetscher geprĂŒft.
Ganz ehrlich: In der aktuellen Phase ist mir der Nutzen noch nicht so wirklich klar. Gehörlose haben ja weniger mit Text als mit Sprechsprache Probleme. Aber vielleicht kommt das in der nĂ€chsten Phase? Das Projekt hat jedenfalls noch einen langen Weg vor sich, MaschinenĂŒbersetzung ist immer eine anspruchsvolle Aufgabe, die noch keine Software gemeistert hat und die auf absehbare Zeit eine KrĂŒcke bleiben wird. Aber besser mit als ohne KrĂŒcke.

3. Radabstellen im Flur

Das ist ja gar kein richtiges Fahrrad, da fehlen ca. 2 kg Dreck! - Bild: Manuel Rossel

Das ist ja gar kein richtiges Fahrrad, da fehlen ca. 2 kg Dreck! – Bild: Manuel Rossel


Aus Chile stammt diese Idee von Fahrradabstellmöbeln fĂŒr kleine (Designer-)Wohnungen. Designer Manuel Rossel hat eine ganze Kollektion dieser Möbel entwickelt, das da oben ist mein LieblingsstĂŒck. Einfach, weil es das alltagstauglichste ist.
NatĂŒrlich sind die alle unrealistisch sauber und rechnen ihre Preise in nahezu astronomischen Einheiten (Das Teil da? US$ 191.000, runtergesetzt von 239.000), aber ich sehe das mehr als Inspiration fĂŒr alle, die selber sowas basteln möchten. Halt in weniger hĂŒbsch und sauber, dafĂŒr mehr praktisch (mein Deutsch war vorhin auch noch irgendwie besser). Die Idee, Schuhregal und FahrradstĂ€nder zu kombinieren ist ja nun nicht grade die schlechteste.

4. Chia und Quinoa aus der Region

Die Tage gab es einen Artikel mit Sarah Wiener, der neben ein paar wahren Worten auch viel Blödsinn ĂŒber vegane ErnĂ€hrung enthielt. Der grĂ¶ĂŸte Quatsch war der Vorwurf, Veganer wĂŒrden durch ihren Konsum von Quinoa und Chia-Samen das Weltklima stĂ€rker belasten als Allesesser, denn diese Pseudogetreide kĂ€men aus SĂŒdamerika. Also anders als das vielgelobte argentinische Rind, das bekanntlich aus Straßburg stammt, welches im Mittelalter den Beinamen Argentina fĂŒhrte. Es wird dort auch nur mit bestem Alpensoja gefĂŒttert. Klar. Nunja, was soll man vom Focus auch erwarten?
So oder so, das Problem könnte sich bald erledigt haben: In Stuttgart ist nun der Anbau von Quinoa gelungen, an Chia wird noch geforscht. Aufmerksamen Lesern wird auffallen, dass das nicht weit von den weltberĂŒhmten straßburger Rinderfarmen ist und somit nicht ganz so im klimatischen Hintertreffen liegen sollte. Der Anbau ist sogar in vielerlei Hinsicht sparsamer fĂŒr Ressourcen wie Wasser und Stickstoff als Weizen.

5. Transparente Solarenergie

Durchsichtige Solarzellen werden ja immer mal wieder erfunden. Hier ist ein neues, recht vielversprechendes Projekt aus Michigan:

Video wird erst beim Draufklicken geladen. Beim Laden werden Daten an youtube.com ĂŒbermittelt