Velotäre Weltrettung

Ich sage ja immer wieder, alle Menschen (die können), sollten Fahrrad fahren, das Fahrrad sollte (neben der Fortbewegung zu Fuß) das primäre Fortbewegungsmittel in den Innenstädten sein. Wenn es allein darum ginge, hier gäbe es heute nichts interessantes zu lesen.
Nein, es geht hier darum, dass Fahrradfahren die Welt noch viel weitreichender zu retten hilft, als selbst die meisten Radfahrer glauben. Aber erst mal ein Bildchen meines vollen Transportgespanns, damit die Linkvorschau in den sozialen Netzwerken was zu kucken hat, danach dann Butter bei die Fische.

Denkt euch am Fahrer noch einen Rucksack dazu. Sollte reichen. (Nein, der Autoanhänger hinter dem Rad gehört nicht dazu)

Denkt euch am Fahrer noch einen Rucksack dazu. Sollte reichen. (Nein, der Autoanhänger hinter dem Rad gehört nicht dazu)


So, zur Butter: Offensichtlich ist, dass jeder den Kraftfahrzeugen abgeluchster Fahrtenkilometer dabei hilft, weniger Treibstoff zu verbrauchen. Der Fokus hierbei ist Erdöl, da seine Verbrennung die Erdatmosphäre mit zusätzlichem CO2 und weiteren Gasen anreichert, die aus fossilen Lagern stammen. Das auch im Unterschied zu Atmung und der Verbrennung von Treibstoffen aus organischer Quelle, die nur CO2 entlassen, das seinerseits aus der gegenwärtigen Atmosphäre stammt und somit das Gleichgewicht der Gase nicht verändern. Etwas, was auch viele nicht verstehen und dann meinen, Radfahrer erzeugten ebenfalls zusätzliches CO2, aber das ist hier nicht der Punkt.
Der Punkt ist das politische Gewicht von Öl.

Shell, Arabien und der Klimawandel

Der Klimawandel ist eine praktisch unbestrittene Tatsache. Die menschliche Verantwortung für den Klimawandel ist eine sehr gut belegte und von einer großen Mehrheit der Forscher bestätigte Beobachtung. Der Hauptbeleg dafür ist, dass die natürlichen Ursachen von Klimaschwankungen diese zwar sehr gut erklären können — aber plötzlich ab etwa 1950 versagen.
Das eine Problem ist, dass die wenigen „skeptischen Forscher“ in ihrer Lautstärke erheblich aufgedreht werden, da der Klimawandel für jene, die ihn verursachen, natürlich ein gutes Geschäft ist. So fallen sie etwa regelmäßig dadurch auf, mit Millionenbeträgen von diversen Ölkonzernen „gefördert“ zu werden, was für eine Bewegung wie die Klimawandelskeptiker, die der Gegenseite regelmäßig Manipulation und wirtschaftliche Interessen vorwerfen, eigentlich bis hin zu Selbstauflösung peinlich sein müsste, von diesen aber regelmäßig ignoriert wird, weil es ihnen nicht in den Kram passt.
Das andere ist, darauf weist zur Zeit etwa Hermann Ott hin, der politische Einfluss der Erdöl exportierenden Staaten. Er nennt vor allem Saudi-Arabien, aber auch die Macht der USA basiert auf dem Öl, jene der Sowjetunion stand im engen Zusammenhang mit den längst versiegten Ölquellen in ihrem Süden und auch das heutige Russland lebt von seinen mit den einstigen Ölvorkommen geologisch zusammenhängenden Gasexporten.
Das bedeutet, dass die Erdölwirtschaft neben ihren direkten Folgen für das Klima auch erhebliche Folgen für den Kampf gegen den Klimawandel hat. Jedes wirksame Vorgehen gegen die Emission klimawirksamer Gase wird vom Zweiklang aus Ölkonzernen und Ölstaaten massiv wirtschaftlich wie politisch behindert. Und das macht das Problem natürlich nur noch schlimmer. So wird es kein wirksames internationales Abkommen zur Reduktion des Ausstoßes von Klimagasen geben, denn selbst wenn die „Dealer&ldequo; nicht mit am Tisch säßen, wäre ihr politischer Einfluss auf den Rest der Welt doch so groß, dass sie alles blockieren können.

Und deshalb ist das Fahrrad wichtig: Es läuft ohne Öl. Ein großer gesellschaftlicher Umstieg auf das Rad entzieht den Konzernen und Scheichs Geld. Jeder Cent zählt, denn letztlich besteht jedes noch so große Vermögen nur aus einer großen Menge Cents. Es geht nicht darum, ob einer etwas bewirken kann. Es geht darum, wie viele mitmachen.

ISIS, Al Qaida und der Petrodollar

Wenn es um den internationalen Terror geht, insbesondere den islamistischen, fallen weltweit zwei Staaten als große Geldgeber des Terrors auf. Da sind zum einen, in Eurasien vor allem als Erbe des Kalten Krieges, die USA, zum anderen die ebenso wirtschaftlich wie religiös motivierte saudische Königsfamilie und ihre Günstlinge.
Da hätten wir die Taliban und al Qaida, die zeitweise von beiden finanziert wurden, Boko Haram als Freunde der Saudis und ganz eklatant und aktuell ISIS/ISIL, die sowohl auf arabisches Geld als auch auf eigene Ölexporte setzen können. Der Independent geht durchaus begründet davon aus, dass Saudi-Arabien der „eigentliche Feind des Westens sei.

They pour money into Islamist organisations and operations, promote punishing doctrines that subjugate women and children, and damn liberal values and democracy. They are pursuing a cruel bombing campaign in Yemen that has left thousands of civilians dead and many more in dire straits.

Und auch dieses Geld stammt im Falle Arabiens aus dem Öl.
Deshalb kann man durchaus zugespitzt sagen, wie ich es gestern als Teaser für diesen Text auf Twitter tat:

Unsere beste Waffe gegen ISIS ist übrigens das Fahrrad, weil man damit den Geldgebern des Terrors Einkünfte aus dem Ölexport verweigern kann

Denn, ganz ehrlich, eine andere Antwort auf den Terror haben wir nicht. Krieg ist ein sehr unpräzises Mittel, auch wenn ich ihn gegen ISIS durchaus als gerechtfertigt sähe. Er brächte aber nur eine vorübergehende Lösung, da er den Terror nicht in seiner Existenz als Struktur angreift. Das ist ein wichtiger Unterschied etwa zur Entnazifizierung, da die Macht der Nazis an die militärische und polizeiliche Macht des Deutschen Reiches als Staat gekoppelt war. ISIS hingegen ist nicht gewählt, nicht heimisch, sie treten auch in den kontrollierten Gebieten als Besatzungsmacht ohne Heimatland auf, ihre Machtbasis liegt bei ihnen selbst, ganz gleich, wie kaputt der Staat um sie herum ist. Identisch ist aber immer noch folgendes: Den Terror stoppen kann nur der Machtentzug. Und die Macht von ISIS speist sich aus den Mitteln, für die sie ihr Geld einsetzen.
Das ist somit unsere größte Waffe gegen ISIS und Konsorten: Ihnen und ihren Unterstützern die wirtschaftliche Existenzgrundlage entziehen. Und das geht am besten mit dem Fahrrad. Mit einem Westen, noch über seine Autos Hauptgeldgeber des Terrors, in dem eine Milliarde Fahrräder den täglichen Nahverkehr erledigen und in dem Kraftfahrzeuge nur noch für Transporte und Fernverkehr eingesetzt werden. Genug, dass die Menschen in Arabien leben können aber nicht genug, um täglich Milliarden in den Terror pumpen zu können.
Es ist das einzige, was mir gegen den Terror einfällt, was wirkt.
Europa hat eine halbe Milliarde Einwohner. Einwohner mit einem absolut überdurchschnittlichen Verbrauch an Erdölprodukten. Das sollten genug sein, um einen solchen Erdölausstieg zu einem empfindlichen Schlag zu machen.

Bei-Spiel: Elektromobilität

Erwähnt werden sollte noch die Rolle der Elektromobilität in dieser ganzen Geschichte. Ich bin selber nicht unbedingt ein Freund undurchdachter Umsetzung der Elektromobilisierung des Kraftverkehrs. Man kann den Ressourcenverbrauch für die Batterien ebenso kritisieren wie die bloße Verlagerung des Klimaproblems vom Fahrzeug selbst zu den Kraftwerken, die den Strom für ihren Betrieb erzeugen. Man muss sogar kritisieren, dass sie neben dem Treibstoffproblem keines der durch Automobile verursachten Probleme (etwa gestiegene Gefährlichkeit des Straßenverkehrs, Platzverbrauch und Bewegungsmangel für die Nutzer) zu lösen im Stande sind.
Aber: In gewissem Umfang sind Kraftfahrzeuge einfach notwendig, um unseren Lebensstil halbwegs so zu halten, wie er ist. Und das müssen wir, denn alles andere ist schlicht und ergreifend nicht durchsetzbar.
Kein anderer alltagstauglicher Antrieb ist so neutral der Herkunft der Energie gegenüber wie der Elektromotor, gleich welcher Bauart. Wollen wir die Wirtschaft auf erneuerbare Energien umstellen, geht das nur mit Elektromotoren in vernünftigem Maße, denn die anderen Optionen (also hauptsächlich Treibstoffe vom Feld) sidn alle weder praktisch noch in irgendeiner Weise umweltverträglich, wenn man sie im nötigen Umfang umsetzt.
Und deshalb ist die Elektromobilität notwendig: Nicht als Teil der Abkunft von fossiler Energie, sondern als alternativlose Vorbedingung dieser. Ohne Elektromotoren keine vollständige Energiewende mit allen Folgen nicht nur für das Klima, sondern eben auch für die globalen Machtstrukturen.


Freitägliche Fünf 27.11.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche die volle Technikrevolution.

1. Doppelrollenhalter

Es gibt Klopapierhalter für zwei Rollen. Ich wusste das nicht. Warum gibt es überhaupt noch Halter für eine einzelne Rolle? Ich meine, wisst ihr, wie viele Leben Klobesuche so ein Ding retten kann? Mindestens zwei!

Okay, der Preis von 195 USD wäre eine Erklärung, aber das kann man in jeder Garage nachbauen - Bild: retro.net

Okay, der Preis von 250 USD wäre eine Erklärung, aber das kann man in jeder Garage nachbauen – Bild: retro.net

2. Solarschindeln

Dachschindeln mit Solarenergiegewinnung sind kein so wahnsinnig neues Konzept. Was an diesen hier interessant ist, ist der einfache Aufbau der es erlaubt, die Schindeln noch beim Bau mit den neuesten Modulen auszurüsten ohne das komplette Teil neu machen zu müssen. Theoretisch sollte es auch möglich sein, in diesen Schindeln Photovoltaik und Solarthermie zu kombinieren.
solarschindeln

3. Sususudio

Jetzt habe ich mic tatsächlich zu einer Phil-Collins-Referenz hinreissen lassen. Naja, ein-zwei Tage mehr in der Hölle machen jetzt auch nichts mehr.
Jedenfalls habe ich jetzt die nötige Ausrüstung, um meine Kurzgeschichten auch als Audiostories (Audiobooks wäre angesichts der Kürze übertrieben) aufzunehmen. Der Plan ist, diese dann auf Youtube (werbefinanziert) sowie zum Kauf bei Plattformen wie Audible und iTunes anzubieten. Ich experimentiere grade etwas mit meiner Stimme, hoffe nebenbei darauf, dass meine leichte Erkältung bald weg ist, überlege, was ich bei Youtube als Bild zum Ton liefern soll und bereite ansonsten die Veröffentlichung vor. Idealerweise wöchentlich, immer abwechselnd in Deutsch und Englisch (jeweils die selbe Geschichte), wobei ich mehrere Wochen im Voraus produziere, einfach um zeitlich enge Wochen oder die Stimme betreffende Erkrankungen ausgleichen zu können. Den (leeren) Youtube-Kanal für die Aufnahmen gibt es ja schon.
Und so sieht mein Arbeitsplatz somit derzeit aus:

Bling, Baby, bling!

Bling, Baby, bling!


Ach ja, das goldene Mikro: Ganz ehrlich, als ich sah, dass Schwarz/Gold genau so viel kostete wie rein Schwarz (aktuell sogar 5 € weniger), gab es da keine Frage mehr, es wurde das goldene. Und ja, ich habe es von oben auf den Arbeitsplatz runterhängen, mir gefällt das einfach so. Der Arm ist dafür nicht ausgelegt, aber es geht.
Ja, ich habe auch einen Pop-Schutz, will aber zunächst versuchen, ohne diesen zu arbeiten, um die Stimme möglichst unverfälscht zu halten. Das geht theoretisch, wenn man mehr oder weniger am Mikro vorbei spricht, in gewissem Maße selbst bei einem Nierenmikro.

4. Coolar


Gut, wer weiss, wie Kühlschränke funktionieren, für den klingt es auf den ersten Blick nicht weiter spektakulär, einen Kühlschrank mit Hitze aus beliebiger Quelle anzutreiben. Nur hat es offenbar noch nie jemand gebaut.
Hier haben wir also den ersten Kühlschrank, der keinen Strom braucht.

5. Bündnis 90/Die Größten

Ja doch, der Versprecher gefällt mir immer noch. Dinge, die so auf Fraktionssitzungen passieren.


Samstägliche Sechs 21.11.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche sammeln wir einen Haushalt zusammen. Da ich den Freitag nicht geschafft habe, zur Buße der Samstag mit einem Eintrag mehr.

1. Waschmaschine

Wir haben wieder eine fußbetriebene Waschmaschine. Die GiraDora ist ja irgendwie verschwunden, nun folgt also Drumi, die per Crowdfunding zum Serienprodukt werden soll. Und das Projekt sieht sehr aussichtsreich aus.

Vermutlich auch der Name des Schlagzeugers bei den Sieben Zwergen - Bild: Indiegogo

Vermutlich auch der Name des Schlagzeugers bei den Sieben Zwergen – Bild: Indiegogo

2. Fernsehen

Ich schockiere jetzt wahrscheinlich niemanden, wenn ich zugebe, dass ich Xavier Naidoo nicht mag. Früher hielt ich ihn nur für einen unerträglichen Schmalzbarden, dann hat er Falcos Jeannie, Part 1 erschreckend schlecht gecovert und das war’s für Naidoo. Ach ja, ausserdem schwalbadert er immer gerne was von der angeblich nicht vorhandenen Souveränität Deutschlands, was immer das überhaupt heissen soll. Antisemitismus wird ihm auch vorgeworfen, aber ganz ehrlich, nur weil man eine zufällig jüdische Bänkerdynastie für kriminell hält, ist man in meinen Augen noch kein Antisemit.
Entsprechend all dem freue ich mich auch nicht, dass die ARD Naidoo nun zum Grand Prix Eurovision de la Chanson schicken will, den ich immer noch so nenne. Ohne Auswahlverfahren, nur der Song kann noch ausgewählt werden. Was nichts hilft, denn genau der war ja auch 2015 das Problem, als wir mit einer unübersehbaren Kopie des Vorjahressiegers angetreten sind und dann mit 0 Punkten auf dem letzten Platz gelandet sind.
Aber, ABER, es hat doch ein Gutes: In einer Woche voller Mist, mit Attentaten und dem ganzen Drumherum, gab es endlich mal wieder Gelegenheit, sich über etwas richtig belangloses und dummes aufzuregen. Und das hat gut getan.

3. Heulboje für das maritime Ambiente

Ach ja, inzwischen hat der Naidoo auch zurückgezogen.

4. Was zum Essen

Schwarzkohl heisst auf Englisch dinosaur kale. Ich find das großartig.

5. Jäteroboter

Nein, ich weiss auch nicht, wozu der vorne zwei Augen hat statt untendrunter, um die Pflanzen zu sehen - Bild: Amazone.de

Nein, ich weiss auch nicht, wozu der vorne zwei Augen hat statt untendrunter, um die Pflanzen zu sehen – Bild: Amazone.de


Das ist Bonibot, ein Spezialroboter des Agrargeräteherstellers Amazone. Er fährt vollautonom über die Felder und pickt „Unkräuter“ raus, lässt die angebauten Pflanzen aber stehen. Was so lange praktisch ist, bis man Löwenzahn oder Brennnessel anbauen will.
Das PR-Versprechen hier ist, dass man mit Bonibot auf Pestizide verzichten kann. Wenn man bedenkt, wie schwer es ist, ungewollte Pflanzen aus den Feldern zu halten, verbleibe ich skeptisch. Trotzdem, nette Idee.

6. Apfelbaum

Nach ein wenig Zeit in der Regentonne sind der Apfelbaum sowie der meines Nachbarn endlich am Ort der Bestimmung, eine Hundewiese (und nun Obstwiese) zwischen Ohler, Holt und Pongs. Wie die meisten Bäume der Aktion eine alte Sorte vom Niederrhein, eine Schafsnase. Nein, er ist nicht sonderlich haarig und die Äpfel hoffentlich auch nicht.
Er ist nicht so schief wie das Foto glauben macht. Okay, nicht ganz so schief.

Das war ein seltsames Schaf - Bild: eigen

Das war ein seltsames Schaf – Bild: eigen


In dunklen Tagen

Achso, ISIS=Islam.
Deshalb sind die im Krieg mit den anderen Muslimen.
Deswegen sind Millionen Muslime auf der Flucht aus den von ISIS kontrollierten Gebieten.
Deshalb gab es vorgestern ein Attentat auf Beirut.
Das ist alles soooo logisch!

Rassistische Dummschwätzer!

Terrorist sein ist keine Religion, Terrorist sein ist eine Geisteskrankheit. Religion erleichtert lediglich den Überträgern die Infektion und ja, manche Religion ist anfälliger als andere. Man muss sie dafür kritisieren, aber man muss doch auch immer diesen wichtigen Unterschied im Auge behalten. Wer ihn vergisst, droht seinerseits, sich anzustecken.

Dass solche Dinge ausdrücklich gesagt werden müssen, das sind die Folgen des Terrorismus vor denen ich mehr Angst habe, als ich vor dem Terrorismus jemals haben können werde. Die Ausbreitung von Rassismus, die Spaltung der Gesellschaft, der Eintritt in eine sich beständig gegenseitig befeuernde Rückkopplung aus Angst, Gewalt und Unterdrückung.

Mag sich mancher über die Bezeichnung als „rassistischer Dummschwätzer“ beschweren, ich halte nichts anderes als diesen Anwurf für angebracht. In schweren Zeiten ist nichts wichtiger als Klarheit.
Dies sind dunkle Tage. Wie dunkel wir sie werden lassen, dafür sind allerdings wir selbst verantwortlich. Und dafür ist notwendig klar zu benennen, in welcher Gestalt uns das Dunkel heimsucht.

Nous sommes unis. Nous sommes forts. Nous sommes la lumière face à la marée des ténèbres.


Freitägliche Fünf 13.11.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche wird weggeworfen, umgeworfen, entworfen, sich weggeschmissen und wieder weggeworfen.

1. Der Gartenkompostblumenturm

Endlich mal wieder Gelegenheit für ein schönes Kompositum: Gartenkompostblumensteckturmeinrichtung.

Werft mehr Lebensmittel weg, dann kriegt ihr auch Blumen. Oder so. - Bild: Garden Tower Project

Werft mehr Lebensmittel weg, dann kriegt ihr auch Blumen. Oder so. – Bild: Garden Tower Project


Das Konzept ist im Grunde simpel: In der Mitte ist Raum für Garten- und Küchenabfälle, die kompostiert werden sollen, drumherum wachsen die Pflanzen, die der Kompost dann direkt nährt.
Das Projekt aus Indiana will ein solches System kommerziell anbieten und das sieht schon ganz gut aus, mit modular aufgebautem Turm und so weiter. Eine interessante Möglichkeit zur Verwertung von Grünabfällen in Haushalten ohne Zugriff auf einen Garten. Gedacht ist das Ganze für die Kompostierung mit Würmern, da diese vergleichsweise schnell und fast völlig geruchlos verläuft, was in Wohngegenden klar von Vorteil ist.

2. EuGH schwächt Verlage

Der Europäische Gerichthof hat in einem Urteil gegen die VG Wort die Verlage gegenüber den Autoren deutlich geschwächt. Bislang erhielten die Verlage Anteile aus den Einnahmen, die der VG Wort als Verwertungsgesellschaft von Bibliotheken und Herstellern von z.B. Kopierern zukommen. Dies haben nun praktisch alle Instanzen als rechtswidrig eingestuft: Einnahmen aus der Wahrnehmung von Urheberrechten stehen einzig den Urhebern zu.
Damit setzt sich der Trend fort, dass in den Kreativbranchen die Rolle der Kreativen immer größer wird, während die nach und nach überflüssig werdenden Verwerter (Verlage, Musiklabell usw.) immer mehr auf verlorenem Posten stehen.

3. Harmonie 20 in der zeitung

Die Mädels von der Harmonie 20 haben es mit ihrem verlängerten temporären Lädchen nochmal in die Zeitung geschafft. Sogar mit Teaser auf der Titelseite der RP. Sehr schön.
Der Laden war in der Schauzeit belegt worden, als in Rheydt Leerstände von Künstlern belegt wurden. Dieser Laden (sowie Engel & Helden in der Hauptstraße) sind geblieben.

4. Dieses herrliche Satirevideo


Ich bin jedenfalls ziemlich sicher, dass das Satire ist. Abgehackte Aussprache, die jede Silbe überbetont, extrem aufgesetztes Grinsen und Bewegungsmuster eines Roboters. Die kann das nicht ernst meinen, so auch noch Tipps und Coachings anzubieten.
„Wirkungsexpertin“ – das ist so herrlich absurd.

5. Neue Haustiere

Als kleine Nachwirkung der Apfelbaumaktion habe ich jetzt Würmer.
Nein, nicht, orrrr… Kompostwürmer! Etwa ein Dutzend als Start für einen Wurmkomposter. Momentan leben die noch in einem Plastikbeutel, weil ich keinen für einen Wurmkomposter geeigneten Eimer habe (mit Deckel und Ablaufhahn), aber zu fressen haben die schon und für die ersten ein-zwei Wochen geht das auch so. Nächste Woche kriegen die aber ein vernünftiges Zuhause.


Dino-Dienstag 32

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diesmal einigermaßen theropodenlastig, dafür aber wieder wirklich am Dienstag.

Ornithomimus‘ Federkleid

Dass es ein Läufer ist erkennt man an den rasierten beinen für die Aerodynamik - Bild: Julius Csotonyi

Dass es ein Läufer ist erkennt man an den rasierten Beinen für die Aerodynamik – Bild: Julius Csotonyi


Dass Ornithomimus ein Gefieder besitzt, ist schon seit 2014 bekannt, aber die Details kommen nur langsam zusammen. Diese Details sind wichtig um herauszufinden, wie sich die Federn bei den Dinosauriern entwickelt und ausgebreitet haben und welche Funktion sie erfüllten. Ein neuer Fund aus den USA zeigt nun das Gefieder des Hinterkörpers. Demnach war der Schwanz gefiedert, aber die Hinterbeine nicht. Damit steht Ornithomimus auch im Kontrast zu den ersten Vögeln, die mit Federn an den Hinterbeinen ein zweites paar Flügel bildeten, das erst später verschwand. Die nicht isolierten Beine halfen dem Tier wahrscheinlich ähnlich wie heutigen Straussen, nicht zu überhitzen.
Möglicherweise gab es also beim Gefieder der Dinosaurier, ähnlich wie beim Fell der Säugetiere, einen Trend zu weniger Gefieder je größer das Tier insgesamt war, mit Ausnahmen vor allem in kalten Regionen.

In den Kiefern des Tyrannosaurus

Aaaaaa-llosaurus - Bild: Wikimedia Commons

Aaaaaa-llosaurus – Bild: Wikimedia Commons


Fleisch fressende Dinosaurier teilten eine Fähigkeit mit ihren Kollegen unter den Säugetieren: Sie konnten ihre Mäuler deutlich weiter aufreissen als Pflanzenfresser, selbst wenn diese nahe mit den Fleisch fressenden Arten verwandt waren. Bisher war nur vermutet worden, dass Dinosaurier wie Allosaurus (siehe Bild oben) und Tyrannosaurus ihre Kiefer bis zu 90° weit öffnen konnten, das wurde nun nachgewiesen.
Schon Erlikosaurus, ein Pflanzen fressender Dinosaurier aus der nahen Verwandtschaft der Fleischfresser konnte seine Kiefer lediglich um 45° öffnen — etwa so weit wie ein Mensch.
Nur, was befand sich beim Zubeissen zwischen den Kiefern? Laut einer anderen Untersuchung aus den USA wenigstens bei tyrannosaurus rex hin und wieder auch mal ein Artgenosse. Ob T. rex allerdings regelmäßig andere seiner Art als Nahrung angriff oder sie nur nutzte, wenn er ein bereits totes Tier fand, kann die Untersuchung nicht beantworten.

Dino-Media

Nach dem Karbon soll nun auch das Trias-Zeitalter eine virtuelle Umgebung für den Einsatz im Unterricht bekommen. Derzeit ist das Projekt in der Testphase. Es wird mehrere Lebensräume aus aller Welt samt ihrer Bewohner zeigen. Die Trias war jene Zeit, in der die ersten Dinosaurier auf der Erde auftauchten. Die Welt erholte sich damals langsam vom größten Massensterben in ihrer Geschichte, bei dem unter anderem die Trilobiten verschwanden.
Die Hollywood-Seite Tracking Board meldet unterdessen, Mattel sei an einer Verfilmung der Zeichentrickserie Dino-Riders aus den 80ern interessiert. Die zu einer gleichnamigen Spielzeugserie gehörende Trickfilmreihe handelte von einem Kampf auf der Erde gestrandeter Ausserirdischer mit Hilfe von Dinosauriern.


Veganer, Wurst und Weltrettung

Die Überschrift ginge auch als Wurstveganerweltrettung, aber so ist’s auch hübsch.

Thema hier: Veganer und warum sie so oft zu missionieren scheinen. Und warum alle anderen das auch machen, es nur nicht merken — vielleicht sogar noch mehr. Anlass sind einige Beiträge bei Fefe von vorletzter Woche (ja, ich bin spät dran), in denen er sich über missionierende Veganer beschwert. Ich finde das allgemein unfair (und sprachlich unfehr immer attraktiver, aber das geht jetzt vom Thema ab), grade Veganern immer die Mission vorzuwerfen. Ich bin selber kein Veganer, aber an diesen Ernährungsweise grundsätzlich interessierter Nutzer einiger veganer Produkte und habe viel mit Veganern zu tun. Und ganz ehrlich, ich kenne kaum eine Gruppe, die einen besseren Grund zum „Missionieren“ hat als Veganer.
Also: Warum missionieren Veganer eigentlich so oft?

Die einfachen Antworten vorab

Grund für Veganismus ist in Mitteleuropa meistens einer der folgenden drei, seltene Gründe wie jene der Religion (vegane Religionen sind hier sehr selten) mal ignorierend:

  • Ethische Gründe bedeuten in der Regel, dass man dagegen ist, dass Tiere für die Bedürfnisse des Menschen sterben und/oder leiden. Grundlage ist entweder die Ansicht, dass der Mensch kein Recht hat, andere Tiere zu töten (ohne angegriffen worden zu sein) oder dass der Mensch durch seine ungewöhnliche Gabe der Intelligenz die Pflicht erhält, diese zur Vermeidung jeglichen Leides einzusetzen, auch für Nicht-Menschen.
    Dass diese Gruppe zur „Missionierung“ neigt, ist wenig verwunderlich, schließlich ist ihr Ansinnen der Vermeidung von Leid nicht erreicht, solange nur sie selbst auf den Konsum tierischer Produkte verzichten. Etwa so wie es einem Polizisten bei der Verfolgung eines Verbrechers nicht reichen kann, dass er selber keine Straftaten begeht. Aus der ethischen Begründung des Veganismus lässt sich also eine moralische Pflicht ableiten, die Idee weiterzugeben.
  • Umweltschutz ist ein anderer häufiger Grund für Veganismus. Viehwirtschaft ist mit enormem Verbrauch natürlicher Ressourcen verbunden — sowohl direkt bei den Tieren als auch in Form der gewaltigen mengen Nahrung, die durch die Tiere gehen statt wirtschaftlich und ökologisch deutlich günstiger direkt auf den Tellern landen zu können. Besonders Rindfleisch und Milchprodukte sind extrem belastend für die Umwelt. So sehr, dass ein Normalesser bei Milchverzicht sich klimaschonender verhalten als Vegetarier, die zwar auf Rindfleisch verzichten, dafür aber meist mehr Milchprodukte zu sich nehmen.
    Diese Gruppe ist schon seltener „missionarisch“ tätig, da die moralische Pflicht zur Bekehrung weniger akut ist. Zwar ist es natürlich besser, wenn mehr Menschen dabei helfen, die Umwelt zu schützen, aber das Gefühl der Nutzlosigkeiten der eigenen Bemühungen ist weniger stark ausgeprägt, da man das Gefühl hat, „seinen Anteil“ zu erfüllen.
  • Gesundheitliche Gründe sind die letzte simple Gruppe, bevor wir zu den komplizierteren kommen. Sie begründen die Entscheidung zum Verzicht auf Tierprodukte mit der potenziellen Gesundheitsschädlichkeit vieler tierischer Nahrungsmittel, von Wurst über Fleisch bis Milch. In wie weit das den Tatsachen entspricht, ist umstritten, aber hier nicht Thema. Allerdings sind diese Veganer auch oft nicht so strikt und nehmen ab und an Dinge wie Bienenkotze Honig zu sich, was mögliche gesundheitliche Probleme ausgleicht. Zudem ernähren sie sich noch stärker als andere Veganer bewusst und wissen daher, die bei schlecht umgesetztem Veganismus möglichen Mangelerscheinungen zu vermeiden.
    Diese Menschen haben eigentlich nur selten Grund zur Weiterverbreitung ihrer Ansichten, es sei denn, sie wollen ihren Mitmenschen etwas Gutes tun. Das zentrale Wort hier ist eigentlich. Denn jetzt kommen wir dazu, wie Veganer jeglicher Couleur zu Missionaren gemacht werden.

Die karnate Inquisition

Hier wird es komplizierter, das deutet schon die Fremdwörter in der Überschrift an. „Karnat“: fleischlich, „Inquisition“: Befragung.
Um das nachvollziehen zu können empfehle ich jedem Nicht–Veganer einfach mal, für etwa einen Monat Veganer zu spielen. Es ist dazu kein Verzicht nötig, noch nicht ein Mal die Übernahme veganer Ernährung. Spielen Sie, wann immer sie öffentlich sind, einfach mal Veganer. Erwähnen Sie ein oder zwei Mal, dass Sie eine vegane Ernährung ausprobieren. Keine Sore, man wird es Ihnen abnehmen, denn wer sich auf ein solches Experiment einlässt ist offensichtlich offen genug, ab und an etwas Neues auszuprobieren und nicht in den eigenen Vorurteilen zu verharren. Es bedeutet zwar, beim Ausgehen erst später ein Steak essen zu dürfen, wenn man wieder alleine ist (na gut, doch ein bisschen Verzicht), aber für einen Monat sollte das gehen und es bietet erheblichen Erkenntnisgewinn.
Schnell dürfte Ihnen eines auffallen: Menschen, die Fleisch essen, sind unglaublich vehement in ihrer Überzeugung, dass dies etwas Gutes ist. Sobald ihnen auch nur irgendwie zu Ohren kommt, dass Sie sich vegan ernähren, werden die Missionierungsversuche beginnen. Niemand missioniert mehr als Normalos, in deren Gegenwart der Begriff „vegan“ fällt. Sie werden sich ausgiebig und völlig unaufgefordert anhören dürfen, wie schädlich vegane Ernährung sei, dass sie dem Klima ja gar nichts nütze, dass Fleisch zu essen doch ganz natürlich und Fleisch ausserdem doch so lecker sei und so weite rund so fort. Selbst eigentlich gemäßigte Leute fangen plötzlich an, beinahe Verschwörungstheorien um eine Vegetarierlobby aufzubauen. Und dann kommt quasi aus dem Nichts der Vorwurf der Missionierung, sobald man es wagt, dem Redeschwall der Nicht-Veganer zu trotzen. Die Absurdität ist beachtlich.
Man fragt sich unweigerlich, wieso es Allesessern so schwer fällt, als einschränkend wahrgenommene Überzeugungen bezüglich der Ernährung anderer zu akzeptieren. Ja, manche sind einfach Besserwisser, die eine willkommene Gelegenheit wittern, ihr Hobby auszuleben. Aber nicht alle Fälle lassen sich so erklären, dafür sind es zu viele.
Die Veganer fühlen sich da schnell in die Ecke gedrängt und wer in die Ecke gedrängt wird, wehrt sich halt. Und so werden dann auch viele Veganer, die aus eigenem Antrieb nicht missionieren müssten zu Missionaren. Bei denen ist es dann weniger ein Angriff als eine Art offensive Verteidigung; der Versuch, einen Schutzraum um sich zu erschaffen, in dem man nicht ständig von den missionierenden Steak-Gourmands belästigt wird, die einen von den Vorzügen des Fleischgenusses zu überzeugen suchen.
Das erklärt dann vielleicht auch, warum Gruppen wie Peta so oft mit Aktionsformaten arbeiten, die genau niemanden überzeugen, dafür aber viele Menschen abschrecken können.

Also, liebe Normalos: Bevor ihr euch wieder über missionierende Veganer beschwert, kurz an die eigene Nase packen. Natürlich, es gibt Veganer, die eine Art Missionierung als moralische Pflicht ansehen und die wird es immer geben. Aber viele Fleisch-Liebhaber tragen ganz klar ihren Teil zur Radikalisierung von Veganern bei, wenn sie diese nicht sogar auslösen. Ich habe in der Regel Verteidiger des Fleisches als deutlich lauter und missionarischer erlebt als die meisten vegetarisch oder vegan lebenden Menschen. Aber das fällt oft nicht auf, weil sie auf Seiten der gesellschaftlich-mehrheitlichen Norm stehen.

Ersatzprodukte

Kurz noch zu einem Kritikpunkt am Veganismus, den ich nie verstanden habe: Was genau spricht gegen Fleischersatzprodukte?
Das ist relevant, denn ich halte auch das für eine Form von Intoleranz durch die Nicht-Veganer: Wer keine tierischen Produkte zu sich nimmt, der soll gefälligst (unnötigen) Verzicht üben, denn er verdient Strafe? Vegane Ernährung richtet sich ja nicht gegen die Wurst, sondern dagegen, dass für die Wurst ein Tier sterben musste. Warum also sollten vegane Wurst oder auch Ersatzprodukte für in der hiesigen Küche schlichtweg unverzichtbare Zutaten wie Milch ein Problem darstellen?
Mir ist das unbegreiflich. Das ist für mich nichts weiter als ein Ausdruck der Unfähigkeit von Normalos, die aus der Norm fallenden zu verstehen. Für den Wunsch nach einer Form von Buße für die Abweichler.
Ein bisschen so, wie den Homosexuellen das Recht auf Ehe zu verweigern. Es geht nicht um die Sache, denn dafür gibt es gar keine Begründung. Es geht darum, was man als normal zu akzeptieren bereit ist. Und vielleicht um die Angst davor, sich selbst und das eigene Bild von Normalität hinterfragen zu müssen und der Antwort nicht mehr so sicher sein zu können, wie man immer glaubte. Darum, Antworten ernsthaft suchen zu müssen statt die althergebrachten einfach unhinterfragt übernehmen zu können.

Zum Abschluss ein Bild vom Ende der Welt: Vegane Bratlinge mit Salat! (Bild: Wikimedia Commons)

Zum Abschluss ein BIld vom Ende der Welt: Vegane Bratlinge mit Salat! (Bild: Wikimedia Commons)

Meine Position

In einem Artikel zu diesem Thema scheint es mir wichtig, die eigene Position darzulegen, daher folgendes: ich bin selbst kein Veganer, verzichte aber aus ethischen Gründen in allen Bereichen ausser der Ernährung auf tierische Produkte (also z.B. auf Leder) und nutze aus einer Mischung aus ethischen und ökologischen Gründen regelmäßig vegetarische und vegane Lebensmittel, vor allem Ersatz für diverse Milchprodukte.


Freitägliche Fünf 06.11.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche wieder eine selbst für diese Reihe ungewöhnlich klimafreundliche Ausgabe plus Gebärdensprachendolmetscher.

1. Fossilfreies Münster

Kreuzfeier - Bild: Fossil Free Deutschland

Kreuzfeier – Bild: Fossil Free Deutschland


Nein, das Geologisch-Paläontologische Museum Münster wird nicht geschlossen, keine Angst. Immerhin liegt da der größte Ammonit der Welt, sowas macht man nicht zu.
Hier geht es um fossile Brennstoffe: Münster hat als erste Stadt in Deutschland entschieden, keine weiteren Gelder in Kohle, Öl udn Gas zu investieren und zieht ihre bisherigen Investitionen zurück beziehungsweise verkauft diese. Diese Investitionen, die in den letzten Jahren als Verlustgeschäfte zunehmend zu einem Problem für viele Städte vor allem im Ruhrgebiet werden, sind eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine für den Weiterbetrieb insbesondere von Kohlekraftwerken.

2. Simax

Simax ist ein in der Entwicklung befindlicher virtueller Gebärdesprachenübersetzer. Die Software wird mit einem Text gefüttert, setzt diesen in die jeweilige Gebärdensprache um und das Ergebnis wird dann noch ein Mal von einem Gebärdendolmetscher geprüft.
Ganz ehrlich: In der aktuellen Phase ist mir der Nutzen noch nicht so wirklich klar. Gehörlose haben ja weniger mit Text als mit Sprechsprache Probleme. Aber vielleicht kommt das in der nächsten Phase? Das Projekt hat jedenfalls noch einen langen Weg vor sich, Maschinenübersetzung ist immer eine anspruchsvolle Aufgabe, die noch keine Software gemeistert hat und die auf absehbare Zeit eine Krücke bleiben wird. Aber besser mit als ohne Krücke.

3. Radabstellen im Flur

Das ist ja gar kein richtiges Fahrrad, da fehlen ca. 2 kg Dreck! - Bild: Manuel Rossel

Das ist ja gar kein richtiges Fahrrad, da fehlen ca. 2 kg Dreck! – Bild: Manuel Rossel


Aus Chile stammt diese Idee von Fahrradabstellmöbeln für kleine (Designer-)Wohnungen. Designer Manuel Rossel hat eine ganze Kollektion dieser Möbel entwickelt, das da oben ist mein Lieblingsstück. Einfach, weil es das alltagstauglichste ist.
Natürlich sind die alle unrealistisch sauber und rechnen ihre Preise in nahezu astronomischen Einheiten (Das Teil da? US$ 191.000, runtergesetzt von 239.000), aber ich sehe das mehr als Inspiration für alle, die selber sowas basteln möchten. Halt in weniger hübsch und sauber, dafür mehr praktisch (mein Deutsch war vorhin auch noch irgendwie besser). Die Idee, Schuhregal und Fahrradständer zu kombinieren ist ja nun nicht grade die schlechteste.

4. Chia und Quinoa aus der Region

Die Tage gab es einen Artikel mit Sarah Wiener, der neben ein paar wahren Worten auch viel Blödsinn über vegane Ernährung enthielt. Der größte Quatsch war der Vorwurf, Veganer würden durch ihren Konsum von Quinoa und Chia-Samen das Weltklima stärker belasten als Allesesser, denn diese Pseudogetreide kämen aus Südamerika. Also anders als das vielgelobte argentinische Rind, das bekanntlich aus Straßburg stammt, welches im Mittelalter den Beinamen Argentina führte. Es wird dort auch nur mit bestem Alpensoja gefüttert. Klar. Nunja, was soll man vom Focus auch erwarten?
So oder so, das Problem könnte sich bald erledigt haben: In Stuttgart ist nun der Anbau von Quinoa gelungen, an Chia wird noch geforscht. Aufmerksamen Lesern wird auffallen, dass das nicht weit von den weltberühmten straßburger Rinderfarmen ist und somit nicht ganz so im klimatischen Hintertreffen liegen sollte. Der Anbau ist sogar in vielerlei Hinsicht sparsamer für Ressourcen wie Wasser und Stickstoff als Weizen.

5. Transparente Solarenergie

Durchsichtige Solarzellen werden ja immer mal wieder erfunden. Hier ist ein neues, recht vielversprechendes Projekt aus Michigan: