Freitägliche Fünf 10.06.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal blicken wir viermal in die Zukunft – und einmal in meinen Musikgeschmack.

1.Bürgergarten Nummer 4

Eine Nachricht, mit der ich kaum noch gerechnet hatte, erreichte mich am letzten Samstag: Ein neues Bürgergartenprojekt in Mönchengladbach rückt in greifbare Nähe.
Es wird ein Projekt mit starkem Inklusionseinschlag auf einem Gelände mit einigen alten Obstbäumen (die natürlich erhalten werden). Ein starker Fokus soll bei dem Projekt auch die Permakultur werden, allein schon wegen der Größe des Geländes. Ich bin sehr gespannt auf das Projekt.
Wo es genau ist sage ich dann, wenn die Tinte unter dem jetzt konkret auszuhandelnden Vertrag getrocknet ist. Momentan sieht es so aus:

Obstwiese an einem Hang

Ackerdistel Hugo und seine Freunde – Bild: eigen

2. Modulare Handys

Die Idee modularer Technologie ist gemeinsam mit dem IBM-kompatiblen PC etwas in Vergessenheit geraten. Nun, sie ist zurück, diesmal für Handys.
Was wie eine Spilerei aussieht hilft unter anderem, die Lebenszeit von Mobiltelefonen zu verlängern (defekte Komponenten lassen sich leichter austauschen) und auch, Geld zu sparen (Komponenten dürften günstiger sein als alle paar Jahre ein komplett neues Handy zu kaufen). Ich bin da sehr für.

3. Stammzellen gegen Schlaganfall

Es wird zunehmend klarer, dass Stammzellen für die Behandlung der Folgeschäden von Schlaganfällen eingesetzt werden können.
Wie das genau funktioniert, ist noch ebenso rätselhaft wie vieles anderes über die Funktion von Stammzellen im menschlichen (vor allem im erwachsenen) Körper. Aber es funktioniert offenbar und verspricht, die wohl häufigste Gruppe erworbener Behinderungen erfolgreich behandeln zu können.

4. Die Zukunft von Vorgestern

Eine der faszinierenderen Tätigkeiten in Zeitschriftenarchiven ist es, Zukunftsvisionen vergangener Jahrzehnte durchzugehen. Ich habe selbst einige Bücher über die Zukunft aus den 70ern und 80ern, aber die bei Google Books neben vielen anderen Ausgaben einsehbare Popular Science von März 1934 übertrifft das nochmal deutlich.
Wir haben einen Vorläufer des heute alltäglichen Blinkers am Auto (ein Licht, das einen Text auf die Straße projiziert, der vor dem Abbiegen warnt), eine Ampelanlage mit einer zusätzlichen Phase, in der alle Fußgänger gleichzeitig grün kriegen (wo ist dieses Konzept eigentlich hinverschwunden?), ein Flughafen mitten auf der Themse und ein Auto mit ausziehbarem Schlafbereich im Kofferraum. Und was ist von all den faszinierenden Erfindungen von März 1934 geblieben? Die Astschere aus Kanada, der Teleprompter aus Deutschland und der Gummistöpsel aus Amerika.

Ein als Brücke angelegter Flughafen über der Themse im Zentrum von London

Die schlechteste großartige Idee aller Zeiten! – Bild: Scan aus Popular Science 03/1934

5. Und ein paar Wochen zurück

Vor ein paar Wochen war der Grand Prix Eurovision de la Chanson, den ich in der Tat immer noch so nenne. Ich habe inzwischen praktisch alle Titel vergessen, bis auf den aus Belgien. Funk it Away, Laura Tesoro!


Zweiwöchige Zehn 03.06.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal in einer Doppelausgabe für zwei Wochen, da mich letzte Woche einfach der Brückentag durcheinandergebracht hat. Das kommt davon, wenn man das Konzept von Wochentagen wieder in sein Leben lässt. Wie dem auch sei, los geht’s:

1. Dritte Mönchengladbacher Sternfahrt

Chillig bis smooth - Bild: ADFC MG

Chillig bis smooth – Bild: ADFC MG

Überraschendes Velomobil-Aufgebot in MG - Bild: ADFC MG

Überraschendes Velomobil-Aufgebot in MG – Bild: ADFC MG

Letzte Woche Samstag rief der ADFC wieder zur jährlichen Sternfahrt in MG. Da sich einfach nur in MG rumzufahren nicht so recht lohnend anhörte, startete ich mit einem Freund (Moin Stefan!) in Erkelenz.
Es war angenehm, verlief ohne Pannen, Halte oder Abbrüche wie zuvor in Düsseldorf.
Überraschend war für mich der Auftritt von insgesamt sechs Velomobilen, die den Abschluss der Gruppe bildeten. Sechs ist eine ordentliche Zahl, wenn man weiss, wie selten die Dinger sind.
Eine Sternfahrt in der Umgebung gibt es dieses Jahr noch: Wenn das Wetter mitspielt geht es am 19. Juni nach Köln. Es ist ein paar Jahre her, dass ich zuletzt mit dem Fahrrad in Köln war.

2. Rewe ohne Plastiktüten

Die Supermarktkette Rewe verzichtet zukünftig auf Einkaufstüten aus Plastik. Die Plastiktüten im Obst- und Gemüsebereich bleiben zwar, aber das finde ich verständlich, sie sind einfach aussergewöhnlich gut für diese Waren.
Der wichtige Punkt ist: Wieder ein Schritt voran!

3. Glühbirne 2.0

Ein Glühdraht zwischen zwei Glasplatten

Prototyp der supereffizienten Glühbirne im MIT – BIld: MIT

Hier ist eine Nachricht, die ich an meinem Geburtstag übersehen habe: Offenbar haben Forscher am MIT supereffiziente Glühbirnen erfunden. Der Trick ist, die normalerweise als Wärme verschwendete Energie zurück auf den Glühdraht zu reflektieren, wodurch dieser bei minimalem Strombedarf weiterbeheizt wird. Damit erreichen sie einen Wirkungsgrad von beachtlichen 40%.
Natürlich bleiben noch einige Fragen, insbesondere was die Lebenszeit dieser Birnen angeht. Dass Glühbirnen ein dem Tageslicht gleiches Licht ausstrahlen, wie der Guardian behauptet, halte ich auch für zweifelhaft, sie kommen mir doch immer etwas sehr gelblich vor.

4. EU kämpft für Open Access in der Forschung

Die für Wissenschaft und Forschung zuständigen Minister der EU trafen sich Ende Mai in Brüssel und kamen zu einer überraschend positiven Forderung: Bis 2020 sollen alle wissenschaftlichen Arbeiten sofort per Open Access zugänglich sein. Das wäre ein großer Fortschritt für die Forschung, wenn in Zukunft alles an Forschung frei zugänglich ist.
Ja, wahrscheinlich werden die Lobbyisten der Konzerne sich hier Sonderrechte erkämpfen, aber sie stehen damit immerhin auf zunehmend dünnerem Eis.

5. Amazon Video Direct

Amazon ergänzt sein Selbstverlegerprogramm um eine Plattform für Videos.
Videos sind natürlich technisch nicht so einfach wie Bücher, weshalb ich eine weniger große Verbreitung und auch weniger Qualitätsprodukte erwarte, aber es ist dennoch ein interessanter Versuch, Amateurfilmern eine kommerzielle Plattform zu bieten.

6.Van der Bellen gewinnt in Österreich

Alexander van der Bellen

Pressebild

Mit Alexander van der Bellen ist ein Grüner neuer Bundespräsident von Österreich. Damit ist uns auch ein erschreckender Rechtsaussen in diesem Amt verhindert worden, wenn auch nur um Haaresbreite.
Hoffen wir, dass van der Bellen das ganz offensichtlich tief gespaltene Österreich wieder einen kann.

7. Kampfradler

Ein pinker Panzer aus Holz

A-Team-Fans, Zeit für die Taschentücher! – Bild: Popular Science

Richtig, hier noch ein Fahrrad. Ja, ein Fahrrad!
Die Hauptkanone schießt Hotdogwürstchen.

8. Food Systems Challenge

Ursprünglich wollte ich hier etwas über einen stromfreien Kühlschrank aus Kanada schreiben, aber das wäre nur ein zu kleines Beispiel gewesen: Offenbar gibt es eine jährliche Food Systems Challenge, bei der Lösungen für die Lagerung von Lebensmitteln auf westlichem Niveau für Gegenden ohne Stromversorgung gesammelt udn prämiert werden. Nicht schlecht.

9. Kirchen müssen vor den EuGH

Und noch eine positive Nachricht aus Europa nach der Open-Access-Forschung und den Plastiktüten (ja, auch deren Bekämpfung hat die EU mit angestoßen): Das in Deutschland geltende Sonderrecht für die Kirchen als Arbeitgeber muss vor dem Europäischen Gerichtshof ausgehandelt werden. Der hat normalerweise wenig für nationale Sonderregeln übrig, womit die Schlechterstellung kirchlicher gegenüber freier Arbeitnehmer möglicherweise bald besser wird.

10. Soziales Netzwerk für MG

Also, ein Netzwerk der sozialen Verbände und Initiativen. Nicht sowas wie Facebook.
Sowas gibt es dann jetzt.


Auf in die Butterberge!

oder: Von Milchpreis, Schweinezyklus, Propaganda, Grenzen des Wachstums, Butterbergen und dem Niedergang der Mutanten mit Superkräften. Aber das wäre definitiv ein zu langer Titel gewesen.

Die Milch macht schlapp

Statistik der Milchproduktion, die seit 2005 schneler steigt als die Weltbevölkerung

Zwie Striche und ein Mutant – mein erster Webcomic? – Bild: Zentrale Milch Berichterstattung GmbH (nein, wirklich!)

Kuhmilch ist praktisch in allem und allgegenwärtig. Frischmilch, Käse, Jogurt, Quark, Buttermilch, Kefir, Sahne, Baileys (bäh!), Schokolade, Fertigsuppen, Brot und Brötchen… ich könnte die Liste ewig weiterführen. Es ist gar nicht so einfach, im Supermarkt ein Produkt zu finden, dass nicht in irgendeiner Form Milch, Milcherzeugnis, Molke oder dergleichen enthält.
Angesichts dessen muten zwei Dinge wie ein Wunder an: Zum einen, dass der Milchverbrauch in Deutschland immer noch steigt, zum anderen dass es dennoch eine Milchkrise gibt. Ja, der Wachstumswahn hat es geschafft, bei einem seit Jahrhunderten in fast beliebiger Menge absetzbares Produkt eine Überproduktion hervorzubringen, durch die Ängste vor einem Zusammenbruch des Wirtschaftszweiges aufkommen. Glückwunsch!

Milchschaumschläger

Milch ist ein seltsames Nahrungsmittel. Zum einen natürlich von der Idee, Sekret aus fremden Brüsten zu sich zu nehmen. Aber auch, weil es so widerprüchlich ist: Zugleich nährstoffreich und (für Erwachsene) schädlich, da es für das Wachstum von Babys geschaffen ist und Erwachsene es nur dank eines Gendefekts zu sich nehmen können, der aber nur einen Teil der gesundheitlichen Probleme aufhält.
Europäern wurde Milch so lange schmackhaft gemacht, bis sie ernsthaft glaubten, sie sei für ein gesundes Wachstum unverzichtbar — eine Behauptung, welche den 70% der Weltbevölkerung, welche Milch nicht verdauen können, gradezu absurd erscheinen muss.
Aber es hat funktioniert: Die Milchwirtschaft hat sich ihre eigenen Absätze über Propaganda aufgebläht. Und ja, egal, wie man zur Milch steht, die massive Werbung für Milch nicht nur direkt als Werbung sondern auch im Mantel von Aufklärungs- und Förderkampagnen kann nicht anders denn als Propaganda bezeichnet werden. Das Ergebnis ist eine in ihrem Ausmaß absolut wahnwitzige Milchwirtschaft, eine marktwirtschaftliche Blase. Dass die Milchwirtschaft irgendwann zusammenbrechen würde, war seit Jahrzehnten eben aufgrund dieser Blase offensichtlich.
Aber hier ist das Absurde: Der Markt bricht zusammen, ohne dass die Blase geplatzt wäre. Mit anderen Worten: Es hat noch gar nicht angefangen, eine richtige Krise zu werden. Es ist nicht mehr als ein Schluckauf im Vergleich zum Ausmaß der Milchmarktblase.
Aber Milch ist in Kritik geraten. Die demografische Entwicklung des Planeten bewegt sich zu Gunsten von Völkern, bei denen nur Minderheiten Milch verdauen können. Die Blase spannt heftig. Das wird noch schlimmer.

Schlaglöcher der Marktwirtschaft

Hatten wir das nicht alles schonmal? Den Älteren müsste das alles bekannt vorkommen, Stichworte „Butterberge“ und „Milchseen“.
Bevor ich dazu komme kurz eine Erklärung zum Schweinezyklus: In der Landwirtschaft ist es normal, dass Angebot und Nachfrage ständig um einander schwanken. Steigt die Nachfrage über das Angebot, steigen die Preise. Daraufhin setzen mehr Bauern auf die stark nachgefragte und daher besonders lohnende Ware (zum Beispiel Schweinefleisch, deshalb Schweinezyklus). Irgendwann ist das Angebot dann höher als die Nachfrage, die Preise sinken rapide und die Bauern wechseln auf andere lohnende Waren, bis die Nachfrage das Angebot erneut übersteigt und der Zyklus von vorne beginnt.
Und jetzt zurück zur Milch: In den 50ern war die Milch grade in einer Phase, in der die Preise zu niedrig waren. Zum einen war Europa grade in einer Phase des Wiederaufbaus nach einem großen Krieg, in dem man eine Krise nicht brauchen konnte; zum anderen war die Wirtschaft inzwischen stark industrialisiert, viele Landwirte waren dazu übergegangen, nichts mehr ausser Milch herzustellen und konnten nun auf kein anderes Produkt ausweichen. Die junge EWG baute ein System zur Subvention von Milch auf, die Bauern erhielten garantierte Abnahmepreise.
Damit wurde die EWG zum neuen Großkunden für Milch, der Schweinezyklus war geschlossen. Doch nun gab es erstmals keinen realen Abnehmer mehr für die Milch, es kam zu einer gewaltigen Überproduktion, mit der niemand etwas anfangen konnte — der „Butterberg“.
In den 70ern wurde das Problem schlimm genug, dass die EG als Nachfolgerin der EWG die Milchquote einführte, eine Beschränkung der Produktion von Milch in der EU. Erst 2007 waren die Butterberge endlich abgebaut. Preise stiegen wieder und 2015 ließ die inzwischen zur EU gewordene EG die Milchquote auslaufen, nachdem die Mengen vorher nach und nach angehoben worden waren.
Nun, nur ein Jahr später, ist der Milchmarkt im Zusammenbruch begriffen. Es gibt wieder zuviel Milch. Der für solche Situationen in der Landwirtschaft gerne genutzte Exportmarkt fehlt, denn im gerne als Agrarmüllkippe Europas genutzten Afrika will ebenso wie in China und Japan kaum jemand Kuhmilch und gegen Russland hat die EU Handelsbeschränkungen erlassen.
Das allein kann es aber nicht sein: Der Milchkonsum in Europa stagniert, was auch bedeutet, er sinkt nicht.

Nein, ich mache das moderne Wirtschaftsdenken verantwortlich. Was sich zwischen den 70ern und den 2010ern verändert hat, ist unsere Einstellung zum Wachstum. Früher war Wachstum ein Nebeneffekt von Erfolg. Heute ist Wachstum so sehr die Definition von Erfolg, dass er gegen jegliche Vernunft zum alleinigen Ziel der Wirtschaft geworden ist. Aber es gab keinen raum mehr, in den man hätte hineinwachsen können.
Der berühmte Bericht des Club of Rome sprach 1972 bei den Grenzen des Wachstums von Grenzen, die sich aus den begrenzten Ressourcen ergaben. Aber es gibt noch eine andere Form von Grenze des Wachstums: Den Punkt, an dem der Markt vollständig gesättigt ist und eine weitere Nachfrage nur sehr eingeschränkt wenn überhaupt erzeugt werden kann. Und das hat bei der Milch auch konkrete medizinische Gründe.

Wir Mutanten: Eine kleine Evolutionsgeschichte des Milchkonsums

Dass der Mensch ein Säugetier ist, ist für die Milchwirtschaft Fluch und Segen zugleich. Einerseits heisst diese Verwandschaft, dass Menschen über ein Gen für die Verdauung von Laktose verfügen, ihr Körper kann Laktase herstellen. Andererseits hören Menschen, wie alle Säugetiere, nach dem Säuglingsalter in der Regel auf, Laktase zu produzieren und werden laktoseintolerant.
Aber: Gut 30% der Menschheit sind Mutanten. X-Men-Style. Laktophagen; sie haben die Superkraft, einen Stoff zu verdauen, den normale Menschen nicht verdauen können — Milch eben.
Den Ursprung dieser Mutation vermuten die Forscher etwa 10.000 Jahre in der Vergangenheit im Nahen Osten, als erstmals Rinder domestiziert wurden. Die folgende Geschichte liegt etwas im Dunkeln. Bekannt ist, dass Rinder zuvor vor allem gehalten wurden, um das Land zu bearbeiten und fruchtbar zu machen, vermutlich auch als Fleischlieferanten. Milchprodukte (Käse, Milch) tauchen in der Archäologie vor etwa 5000 Jahren auf. Da Milch wahrscheinlich vor den von ihr abstammenden Produkten genutzt wurde, muss das also irgendwann in der Zeit dazwischen geschehen sein. Jedenfalls war die Milch für Mensch und Rind praktisch: Die Menschen erhielten eine zusätzliches Lebensmittel, über das sie noch mehr Nährstoffe aus dem Land holen konnten, die Rinder wurden von den Menschen noch stärker gefördert und traten endgültig ihren Weg zu einer weltweit verbreiteten Spezies neben dem Homo sapiens an.
Die Laktophagen breiteten sich im Nahen Osten und Europa aus. Die Europäer (überhaupt ein seltsames Mutantenvolk, diese hellhäutigen Multi-Immunen Keimschleudern) verbreiteten sich schließlich in der Welt und brachten die milchhaltige Ernährung mit sich. Europa, Australien, Amerika und Australien wurden von diesen Mutanten erobert. Praktischerweise war die Mutation dominant, sprich die Eroberer brachten ihre Mutantengene gleich mit in die lokale Bevölkerung ein. Weshalb zum Beispiel viele schwarzafrikanischstämmige Amerikaner Milch zu sich nehmen können, Afrikaner aber nur sehr selten.
Damit springen wir in die Gegenwart und hier sehen wir ein globales Problem: Es schwinden genau jene Bevölkerungsgruppen, bei denen wir Mutanten in so aussergewöhnlicher Zahl vorkommen. Indien ist noch eine Ausnahme, aber in den übrigen Regionen großen Bevölkerungswachstums sind Laktophagen entweder eine Minderheit (Asien) oder gar eine Rarität (Afrika). Auch wenn manche Milchprodukte bei ihrer Verarbeitung soweit verändert werden, dass sie kaum noch Laktose enthalten, ist absehbar, dass die weltweite Nachfrage nach Milch nicht auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben dürfte. Und da dominante Gene sich nur sehr schwer durchsetzen können (klingt paradox, aber dominante Gene erhalten ihr Gegenstück quasi in abgeschalteter Form, weshalb es von der weiteren Evolution praktisch nicht aussortiert wird), ist da die Hoffnung auf eine schnelle Globalisierung des menschlichen Genpools vergebens.

Die Lösung

Das zwanzigste Jahrhundert hält eine gern übersehene Erkenntnis bereit: Planwirtschaft funktioniert. Oder genauer: Es gibt bestimmte Waren, darunter Milch, bei denen Planwirtschaft funktioniert.
Das erscheint auch logisch. Die Nachfrage nach Milch ist konstant, die Produktionsmenge ist verlässlich genug steuerbar, beim Produkt selbst gibt es praktisch keine Innovationen — Kuhmilch bleibt Kuhmilch, auch wenn ab und an neue Milcherzeugnisse erfunden werden. Der Milchmarkt in Europa ist praktisch ohne Verzögerung in dem Moment zusammengebrochen, als er der Marktwirtschaft überlassen wurde.
Es ist dies eine Erkenntnis, die heutigen Marktliberalen unbegreiflich zu sein scheint: Unterschiedliche Angebots-Nachfrage-Strukturen führen zu einem unterschiedlichen Verhalten am Markt. Deshalb ist es nicht sinnvoll, alle Arten von Produkten am Markt identisch zu behandeln. Für manche Waren ist der freie Markt die richtige Struktur, für andere die Planwirtschaft und für wieder andere sind es monopolistische (im Falle der Existenz sichernden Grundversorgung vorzugsweise nicht-profitorientierte) Strukturen.
Darüber wird es vielleicht eine Debatte geben, ganz sicher wird es große Aufregung bei den überall eingenisteten Vulgärliberalen geben, aber in einer solch profunden Krise siegen die Praktiker immer gegen die Theoretiker.


Jahr 10 ohne Altmedien

Es ist jetzt zehn Jahren her, dass ich den Fernseher rausgeschmissen habe. Die Zeitungen folgten mit kurzer Unterbrechung. Wann ich das letzte Mal ein Radio eingeschaltet habe, weiss ich noch nicht einmal mehr. Es folgt eine Bilanz.

Freie Zeit

Ob man nun mehr freie Zeit hat, liegt letztlich an einem selbst, das hat mit der Wahl der konsumierten Medien überraschend wenig zu tun. Nein, es geht um eine ganz andere Sache. Ich denke, es ist dies das Grundbedürfnis der so unverstandenen generation Y/Millennials/Weiterenunfughiereinfügen: Nicht freie Zeit, freie Zeiteinteilung.
Fernseher und Radio sind Diktatoren. Sie wollen uns vorschreiben, wann wir Nachrichten zu konsumieren haben, wann einen Spielfilm und wann wir uns bei GZSZ die Hirne weichsitzen. Ich verstehe nicht (mehr?), wie eine solche Struktur auch nur die Erfindung der Videokassette überleben konnte. Es gibt Menschen, die ihren ganzen Tagesablauf um irgendeinen Scheiss gestalten, der zu einer vom Sender vorgeschriebenen Zeit im Fernsehen läuft. Warum? Youtube existiert, Netflix existiert. Das Fernsehprogramm steht hier auf einer Ebene mit tatsächlich wichtigen Terminen und Verabredungen — diesen Status hat es schlichtweg nicht verdient.

Nachrichten

Jede Form von Nachrichtenkonsum verzerrt die Wirklichkeit.
Es ist interessant, wie viel momentan bei Facebook und Co von Filterblasen geredet wird. Dabei ist die Filterblase nichts Neues, jeglicher Medienkonsum stellt eine Filterblase dar. Nur: Bei den Altmedien merkt man das nicht, weil alle in der selben Blase, hinter dem selben Filter, sitzen.
Bei den Altmedien sind wir davon abhängig, was der Chefredakteur für berichtenswert, oft auch für politisch opportun erachtet. Das wird berichtet, so wird der Berichterstattung ihr Drall verpasst. Solange ein System keine ausreichend starke Alternative anbieten kann, ist dieses Problem unsichtbar — man weiss ja oft gar nicht, dass andere Nachrichten, andere Positionen und Meinungen existieren, wie soll man sie also vermissen?
Das Internet bricht diesen Konsens aus Unwissenheit auf. Natürlich ist es nun schwierig zu beurteilen, welche Informatonen korrekt, welche Meinungen legitim sind. Das ist aber nicht die Schuld des Internets. Wir kommen aus einer Welt, in der Unmündigkeit fest verankert war, weil wir die Fähigkeit, Informationen einschätzen zu können nie nutzen mussten. Die Medien hielten einen Mythos von Neutralität aufrecht, als wäre Neutralität in der Berichterstattung überhaupt möglich. Die Wut der Erkenntnis, dass diese Neutralität nicht existiert, ist es, die Tausende in die absurdesten Sphären des Online-Schwachsinns treibt.
Aber das Internet ist hier eben auch die Lösung: Nie zuvor hatten wir Zugriff auf so viel Wissen aus so vielen Blickwinkeln. Es ist nur schwer zu erlernen, damit umzugehen.

Die Altmedien kapseln sich unterdessen in einer albernen Selbstbezüglichkeit ein. Das fängt an mit irgendwelchen stundenlang live übertragenen Hochzeiten von Adelsgezücht in den Öffentlich-Rechtlichen, die ihre Bedeutung allein aus dieser absurden Berichterstattung beziehen, welche wiederum die Berichterstattung rechtfertigt. Das endet dann bei Erscheinungen wie Bernd Wollersheim, dessen Namen ich nur kenne, weil er regelmäßig auf den Titelseiten der Bild-für-Leute-die-die-Bild-nicht-lesen-wollen (kurz: Express) auftaucht — irgendein strunzdummer Proll aus einem Puff in Düsseldorf oder so.

Andere Nachrichten dagegen finden in den Altmedien gar nicht erst statt. Wichtige Dinge. Zu den Großdemos gegen Braunkohle im Rheinland und zuletzt der Lausitz musste man lange suchen, um dann etwas in den regionalen Minisendern zu finden. Üblicherweise erfolgt so etwas, wenn das Thema im Internet bereits unübersehbar geworden ist und der Gesichtsverlust, nicht zu berichten, zu groß wäre.

Vermisse ich nichts?

Diese Frage höre ich oft, meist in Bezug auf den Fernseher. Und meine Antwort fällt knapp aus: Ich wüsste nicht, was. Im Ernst, mehr kann ich dazu nicht sagen, ich vermag kaum, die Frage zu verstehen.
Keine Sorge, ich schaffe es auch ohne stundenlange Berieselung, meinen Tag zu füllen. Problemlos auch mit sinnlosem Scheiss – aber eben mit selbstgewähltem sinnlosen Scheiss.

Fazit

Ich kann keinen Grund mehr erkennen, die Altmedien zu konsumieren. Sie nehmen uns aus nicht gerechtfertigten Gründen die Autonomie über unsere Zeit (und im Gegensatz zur Arbeit bezahlen sie uns nicht einmal dafür). Sie berichten unvollständig und nach Gutdünken. Sie leben in einer Welt, die zunehmend aus ihren eigenen Inhalten besteht, welche für die reale Welt bedeutungslos sind.
TV, Radio und Zeitung sind die übelste aller Zeitverschwendungen.


Freitägliche Fünf 20.05.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche bringen wir Farbflecken aller Art in die Welt.

1. Babelfisch

Frau mit einem roten Gerät im Ohr

Die Zukunft ist ein Knopf im Ohr – Bild: Waverly Labs

Waverly Labs hat ein Gerät vorgestellt, mit dem man im Ohr einen automatischen Übersetzer trägt. Der Waverly Labs Pilot erscheint in einer Zeit, in der dieses Ziel erstmals ernsthaft möglich scheint. Maschinen wie Watson (die ich eigentlich für alles andere ziemlich nutzlos finde) zeigen, dass die Fähigkeiten von Computern langsam groß genug werden, um Sprachen zu verstehen und zu übersetzen.
Mal sehen, wie gut das wirklich funktioniert. Und welche Auswirkungen ein solches Gerät auf seine Nutzer hat.

2. Lego

Beschädigte Mauern, in denen die Lücken mit Lego-Steinen gefüllt wurden

Lücken füllen als Lückenfüller – Bild: Jan Vormann

Ja, auch so kann man Löcher in Mauern füllen. Hübsch.

3. S’Cool Bus

Pedalgetriebenes Gruppenfahrzeug in Form eines Busses mit einem Fahrer und zahlreichen Kindern

Dafür überwinden Franzosen sogar die Sache mit den Anglizismen – Bild: Projekt S’Cool Bus

Der S’Cool Bus ist ein französisches Projekt für einen gesunden und abgasfreien Transport zur Schule.
Ich finde interessant, dass im Moment mehrere Konzepte für Mehrpersonenfahrräder im Umlauf sind – der Fahrradbus war ja letzte Woche dabei, während auf der Spezialradmesse in Gemersheim ein Tandem-Velomobil aufgetaucht ist.

4.Dinorad

Ein Dreirad in Form eines Tyrannosaurus-Skelettes, die Räder an den Beinen und am Schwanz

Ich glaub, ich bin verliebt – Bild: Makezine

Wenn das Ding nicht schon von Craigslist verschwunden wäre, es wäre mein perfektes Freizeitobjekt. Es ist ein Dinosaurierskelet! Und ein Fahrrad!
Gut, etwas hoch und bestimmt nicht grade stabil, aber es ist ein Dinosaurierfahrrad!
Entdeckt beim Durchforsten des Archivs im Makezine.

5. Literaturbeitrag

Indies Unlimited's 2015 Flash Fiction Anthology

Indies Unlimited’s 2015 Flash Fiction Anthology

Mit der 2015er Ausgabe der Indies Unlimited Flash Fiction Anthology ist meine erste nicht von mir selbst veröffentlichte Kurzgeschichte nun erschienen. Zwischen 51 anderen Wochengewinnern des letzten Jahres eingebettet findet sich dort Vengeance Delayed. Durch die Vorgabe der betreffenden Woche ist es eine der wenigen Geschichten von mir, die nicht der klassischen Genreliteratur angehören.
Die englischsprachige Sammlung ist aktuell für die ersten Tage kostenlos zu haben, danach wird der Preis auf 1,99 festgesetzt. Eine Printausgabe soll folgen. eBook nur für Kindle (was ich etwas bedauere), aber dafür können Nutzer von Kindle Unlimited es dauerhaft gratis ausleihen.
Mein Plan ist auch, den geplanten Youtube-Kanal mit dieser Geschichte zu starten.


Freitägliche Fünf 13.05.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche retten wir mal wieder die Welt.

1. Sternfahrt

Die erste rheinische Sternfahrt der Saison 2016 war jene nach Düsseldorf am vergangenen Sonntag. Die war zwar wegen einer kreuzenden Demo nur halb so lang und auch von den Teilnehmerzahlen deutlich kleiner als noch im Vorjahr, aber wenigstens war das Wetter super. Und es gab auf der Rückfahrt nach Gladbach Eis. Aus Gladbach war das Engagement nicht kleiner geworden – wie letztes Jahr etwa 40 Teilnehmer zuzüglich jener, die unterwegs bis Korschenbroich dazustießen.
Dank des ADFC NRW weiss ich nun auch, wie ich auf meinem Rad eigentlich aussehe denen bin ich ohne es mitzubekommen auch vor die Linse gefahren.

Ausschnitt aus der Fahrraddemo Sternfahrt Düsseldorf 2016 mit verschiedenen Rädern und Fahrern, im Vordergrund der Autor des Blogs

Dabei hab ich mich extra unter einer Kappe versteckt – Bild: Zoe Duisberg/ADFC NRW

Erfreulich fand ich auch die Liegeradquote: Ein Zehntel der Räder auf der Route aus Gladbach waren Liegeräder, darunter zwei Selbstbau-Unikate (neben meinem noch ein deutlich kompakter gebauter roter Stahlflitzer).

2. Unterdessen in MG

Dem ADFC reicht es endlich mit der Radpolitik in Mönchengladbach. Allein davon, dass der Oberbürgermeister sich gern auf dem Rad ablichten lässt, wird die Situation halt nicht besser.

3. Und ein letztes Mal Fahrrad für heute

Auch eine Möglichkeit, sich ein Fahrrad zu bauen: Man nehme einen Rollstuhl, die hintere Hälfte eines Fahrrades, einen Lenker und drehe die Antriebseinrichtung um, fertig ist das Sessel-Dreirad. Gefunden bei ebay.

Dreirad aus einem Rollstuhl und Fahrradteilen

Jetzt fällt mir auch nichts mehr ein – Bild: ebay

4. Frischer geht nicht

Bei Metro testet man im Moment den Verkauf von Kräutern (und ich glaube, ich habe auch Salat gesehen), die direkt im Laden gewachsen sind. Ein paar Leuten ist das nicht puristisch-ökologisch genug. Die paar Leute können mich mal gern haben.

5. Genieße die Stille

Mir fällt nichts Fünftes ein, also Musik zur Ablenkung von dieser Tatsache:


Freitägliche Fünf 06.05.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche auch wieder mit einem „Diese-Woche“-Satz, nachdem ich letzte Woche den Platzhalter nicht überschrieben hatte. Upps.

1. Baumhausen auf Ibiza

Baumhaus auf Ibiza

Alles was man dafür braucht: Alte Paletten, etwas Glas und eine mittelgroße Mittelmeerinsel – Bild: Michael Dessel/Facebook

Dieses Baumhaus auf Ibiza ist nicht nur schön und steht auf Ibiza, es ist auch aus dem Material gebaut, welches ich wahrscheinlich auch für ein Haus verwenden würde (allein schon preislich): Alte Paletten mit ein paar Extras wie Fensterscheiben und Steine.
Baumhäuser finde ich klasse, aber eher unpraktisch, weil Bäume sich halt als Pflanzen über die Jahrzehnte verändern. Aber insgesamt eine schöne Kombination aus schönen Ideen.

2. Der Abschied von eBooks für lau

Zum Monatswechsel verkündete ich das Ende von eBooks für lau. Das selbst ist keine positive Nachricht, aber die vielen Danksagungen für den jahrelangen Service, sowohl hier im Blog als auch bei Twiteer waren sehr schön. Danke für die Dankes!

3. TTIP endlich transparent

Glaskasten auf Lkw mit einem Lesesaal zu den TTIP-Dokumenten

Was für ein hübscher Stinkefinger – Bild: Ruben Neugebauer/Greenpeace

TTIP, dieses unsägliche Verhandlungsverfahren, wo selbst maßgebliche Mitglieder der verhandelnden Gremien so gut wie keine Informationen erhalten konnten, ist endlich geleakt. Und Greenpeace setzte diese Leaks optisch um, indem sie einen Lkw mit einem Lesesaal im Glaskasten vor das Brandenburger Tor stellten. Sehr schön! Auch wenn die Polizei das ganze als ungenehmigte Demonstration vorerst beendet hat.
Den Text der gar nicht positiven Dokumente gibt es übrigens hier für alle, die nicht in Berlin sind.

4. Besuch am Loch

Exkursion an den Braunkohlentagebau Garzweiler II

Ausblick auf das Ende der Welt mit einem Bild, das dank falscher Einstellungen viel zu klein ist – Bild: eigen

Am Donnerstag durfte ich zusammen mit Gudrun Zentis (MdL/Grüne Düren) und Reinhold Giesen (Grüne MG) eine Gruppe Interessierter aus Wiesbaden (uhnd,kurzfristig dazugekommen, Köln) um den nördlichen Rand von Garzweiler II führen, vom Aussichtspunkt bei Jüchen über Borschemich zur Aussichtsplattform Skywalk bei Immerath.
Zugleich eine schöne Radtour und meine erste Sommerbräune für 2016.

5. Apropos Fahrrad

Vollbesetzes Fahrradbus-Gespann

Die Karawane zieht weiter, de Sultan hett Doscht… sorry, falsche Jahreszeit – Bild: Fahrradbus

Ja, wir haben wieder ein ungewöhnliches Fahrrad in den Freitäglichen Fünf. Diesmal ist es der Fahrradbus, ein modulares System, das mir auf Videos von der diesjährigen Fahrradmesse Spezi auffiel. Was für ein wunderbares Gefährt für Gruppentouren bis schätzungsweise 10 Personen (danach wird es zu lang zum Kommunizieren).
Das Gefährt ist modular mit einem gelenkten Leitfahrzeug und zwei Waggons, alle Glieder sind dabei von den Insassen angetrieben und das Ding wird mit so vielen Beinen in Videos gut schnell.


Vorhang zu für eBooks für lau

Euro-Münze mit Wertaufprägung 0

Das Profilbild von eBooks für lau, 4 Jahre bewährt

Viereinhalb Jahre lang habe ich auf Twitter das Profil von eBooksfuerlau/eBooks für lau betrieben. Dies endet mit dem heutigen letzten Tag. Ein Rückblick, ein Nachruf, ein Abschiedsgeschenk

Rückblick

Ende 2011: Ich stand am Anfang meiner eBook-„Karriere“ und suchte für eine geplante Kostenlos-Aktion für mein eBook Feuchten Fußes eine Plattform, die dies ankündigte. Ich fand damals im deutschen Sprachraum keine brauchbare Plattform, also begann ich, selbst eine zu bauen. Ich entschied mich für ein Twitter-Profil als Mittel, um Nachrichten schnell zu verbreiten. Das brachte ein 140-Zeichen-Limit mit sich, aber das war eher ein Vorteil: Die meisten Bücher lassen sich in diesem Raum perfekt anteasern, wenn man die Inhalte auf einen Satz reduziert. Und dabei werden sie klarer, verständlicher und, ja, aufmerksamkeitserregender.
So war es dann. eBooks für lau war geboren und wuchs stetig, mit ein paar Sprüngen durch Retweets und Empfehlungen populärer Twitterer. Es geschah sogar, dass ich in Sitzungen den Menschen vor mir auf seinem Smartphone das Twitterprofil zugreifen sah, ohne dass er wusste, dass es von mir stammte. eBooks für lau wurde mein wirtschaftlich erfolgreichstes Internetprojekt.
Mit der Zeit verbesserte ich das Angebot zunehmend: Die Zeit der Tweets ging von 17:00 Uhr auf 18:00 Uhr, wiel da mehr Leute lesen. Der Amazon-Fokus ging zu Gunsten anderer Plattformen zurück, um auch anderen Lesern mehr Wert zu bieten. Mit der Nachtschicht um 22:00 kam ein Angebot für erotische Inhalte hinzu.
Es sollten viereinhalb Jahre werden.

Nachruf

Was also ist nun geschehen?
Zum einen ist festzuhalten, dass es vor allem Amazon über die Jahre immer schwieriger machte, Geld mit Links auf kostenlose eBooks zu verdienen. Es ist da etwas schizophren: Einerseits ist dies ganz klar möglich, denn Käufe nach Links auf kostenlose Inhalte werden von Amazon anstandslos vergütet. Andererseits schränkt es inzwischen das Ausmaß der Verlinkungen empfindlich ein.
Die erste solche Einschränkung geschah 2013, als Amazon beschloss, Anbieter nicht mehr auszuzahlen, wenn sie im betreffenden Monat mehr als 10.000 Downloads kostenloser eBooks erzeugt haben. eBooks für lau war damals weit davon entfernt, doch seit Ende 2015 kratzt es beständig nahe an dieser Marke. Gefährlich nahe.
Aber: Das ist gar nicht so schlimm. Weil es noch viel schlimmer ist. eBooks für lau hat im Laufe des Jahres 2015 praktisch aufgehört, nennenswerte Einkünfte zu generieren. Und ich meine wirklich aufgehört. Wir sprechen von Monaten einstelliger Beträge. Nicht pro Tag, für den ganzen Monat. Die zudem ständig an der Grenze dazu kratzen, am Monatsende für ungültig erklärt zu werden.
An dieser Stelle muss ich auf den Arbeitsaufwand eingehen: Jeden Abend geht etwas über eine Stunde Arbeit in den Service, davon zwei Drittel in die Suche nach kostenlosen eBooks und der Rest in die eigentlichen Tweets (einschließlich Erstellung der Links). Dies grundsätzlich im Zeitraum zwischen 17:00 Uhr und 18:30 Uhr, ein Zeitraum, der für mich sowohl privat als auch bedingt durch mein politisches Engagement zunehmend ungünstiger wird. In letzter Zeit nutzte ich für Tage, an denen ich um diese Zeit Termine habe einen Dienst, der Tweets speichert und später verschickt – der von mir genutzte hat vor etwa einer Woche aufgehört zu funktionieren, ein lästiges Ärgernis in einer Reihe solcher Ärgernisse. Ausserdem musste ich stets aufpassen, dass meine Tweets nicht als Spam von Twitter abgelehnt wurden, was bei manuell eingegebenen Tweets nie passiert.
Ein Vorschlag des Bundesrates, Affiliate-Marketing für Bücher zu verbieten (ernsthaft, haben die sie noch alle?), wurde vom Bundestag zwar abgeblockt, aber dennoch gibt es zum 1. Mai einen weiteren Schlag mit Amazons deutlicher Reduzierung der Vergütung auf eBooks von 10% auf 7% bei meinen ohnehin schon am Boden liegenden Amazon-Einnahmen.

Ich habe schon länger mit der Fortsetzung des Dienstes gehadert. Die Überlegung, das Ganze per Patreon zu finanzieren, verlief aus verschiedenen Gründen im Sande (gehäufte Ausfalltage, schlecht geeignetes Angebot u.ä.). Als im März mein Computer kaputt ging, dachte ich ernsthaft daran, das damit ausfallende eBooks für lau nicht mehr wiederzubeleben, kam dann aber zurück, weil es ausdrückliche Nachfragen gab.
Die Entscheidung, nun endgültig abzuschließen, fiel mir nicht leicht, aber sie fiel.

Tatsache ist, das Projekt macht inzwischen zu viel Ärger und bringt zu wenig ein, als dass ich es weiter tragen könnte. Dieser Beitrag ist mein Schlussstrich. Es gibt andere Projekte, die meine Aufmerksamkeit erfordern — weitere eigene eBooks etwa oder der bald startende Youtube-Kanal mit meinen Kurzgeschichten sowie ein völlig anderes Youtube-Projekt im weiteren Verlauf dieses Jahres.
Doch eines lasse ich noch da:

Abschiedsgeschenk

eBooks für lau zu befüllen war ein täglicher Aufwand. Was ich den treuen Fans zum Abschied mitgeben möchte ist eine Liste der Quellen, aus denen sich die kostenlosen Angebote speisten. Wie das vor sich ging, habe ich weiter oben erklärt.
Die Liste startet mit dem lesen.net Buchempfehlungen Newsletter als einzigem eMail-Newsletter, den ich hierbei nutzte. Der große Vorteil dabei ist, dass er Bücher, die auf vielen Plattformen verfügbar sind, auch auf mehrere dieser Plattformen verlinkt.
Das genaue Gegenteil liegt bei Gratizone vor, die nur auf Amazon verlinken. Gratizone ist ein weitgehend ungefilterter Bot, die alles listet, was er bei seinem morgendlichen Lauf findet. Die diversen XTME-Seiten (XTME, XTME Phantastik, XTME adult, XTME Englisch) verlinken zwar theoretisch auch auf andere Anbieter, dies aber so unterschwellig und selten, dass es nicht wirklich gilt.
Einmal auf Amazon, gehörte immer auch ein Blick in die dortigen Diskussionsforen zum Programm. Im Amazon Kundendiskussionsforum gibt es mehrere Gesprächsfäden, in denen ständig kostenlose eBooks angekündigt werden, mit Abstand der längste und umfassendste ist Aktuell kostenlose deutsche Kindlebücher.
Letzter in der Liste ist die Kostenlos-Liste von Beam eBooks. Diese gilt zwar nur für Beam, aber ich hatte damit eine ständig wachsende Lise von Nicht-Amazon-Angeboten.
Über die Jahre gab es noch andere Plattformen, die dazukamen oder verschwanden, ich kann schon deshalb nicht alle listen, weil ich nicht mehr alle kenne und auch nicht mehr alle existieren.

Was dann noch folgte, war Recherchearbeit: Alle Bücher, die nicht per Kindle Unlimited exklusiv an Amazon gebunden waren suchte ich auf anderen Plattformen heraus. Priorität hatten dabei buecher.de, iTunes und Thalia. Der Grund dafür ist einfach: Bei diesen drei Plattformen (und bei Amazon) habe ich Affiliate-Marketing-Verträge, werde ich also bei aus den Verlinkungen resultierenden Verkäufen bezahlter Inhalte (neben den direkt verlinkten kostenlosen) bezahlt.
Kleines Detail hierbei: Alle Links zu buecher.de und Thalia wurden erzeugt, indem ich die entsprechenden Links zu meinem Buch Unter Wittgensteins Löwen nahm und den relevanten Teil durch die Kennung des statt dessen zu verlinkenden Buches ersetzte. Vielleicht kommt das noch mal bei Wer wird Millionär auf, also: Merken!

Was mir nun noch bleibt ist der zentrale Teil am Ende des Auftritts:

Ein Knicks und ein Dankeschön.

Ihr wart ein tolles Publikum. Ich hoffe, man sieht sich andernorts wieder!



Freitägliche Fünf 29.04.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche XYZ.

1. Wellenkraftwerk

Langsam aber sicher entwickeln sich Wellenkraftwerke zu einer echten Ergänzung im Park der erneuerbaren Energien. An den richtigen Orten platziert können diese Kraftwerke einen recht gleichmäßigen Output erzeugen, eine sehr nützliche Eigenschaft für Kraftwerke, da sie die verfügbare elektrische Energie im Netz berechenbarer machen, was für eine vollständig erneuerbar betriebene Zukunft wichtig ist.

2. Und die Speicher dafür

Forscher der Universität von Kalifornien in Irving haben einen Akku entwickelt, der allem Anschein nach beliebig oft be- und entladen werden kann.

3. Trolling the Hugos

Beim Hogu Gernsback Award, einem der wichtigsten internationalen Preise für Science-Fiction, herrscht seit einigen Jahren eine absolut bescheuerte ideologische Auseinandersetzung. Im Grunde geht es darum, dass eine Bewegung namens Sad Puppies (ja, wirklich, die traurigen Welpen) versucht, Werke allein durch die Masse ihrer Anhänger zur Nominierung zu bringen. Eine erschreckende Form von Anti-Intellektualismus, wie er sich in den USA zunehmend ausbreitet (siehe auch die aktuelen republikanischen Präsidentschaftskandidaten). Das ist alles ziemlich traurig, aber wenigstens gibt es dabei amüsante Ergebnisse.
Und so schaffte es das lunare homosauroerotische Meisterwerk Space Raptor Butt Invasion in die Nominierungsliste. Das einzige, was noch besser ist, ist die Reaktion des so geehrten Autors: Postwendend folgte ein weiteres literarisches Meisterwerk: Slammed in the Butt by my Hugo Award Nomination.

4. Preisspielereien

Der Bundestag ist kurz vor dem Beschluss seiner Reform des Buchpreisbindungsgesetzes. Das ist eine von allen im deutschsprachigen Raum mit Spannung erwartete Reform, denn die Rolle von eBooks in dieser ganzen Geschichte soll endlich eindeutig definiert werden.
Das Ergebnis ist überraschend: eBooks sind zukünftig ausdrücklich Bücher im Sinne der Buchpreisbindung und müssen daher bei allen deutschen Händlern zum selben Preis verkauft werden. Dies gilt aber nicht für selbstverlegte eBooks, bei denen somit in Zukunft unterschiedliche Preise, aber auch neue Bezahlformen wie die Zahlung eines seitens des Kunden beliebigen Preises, erlaubt sind. Damit erhalten die Selbstverleger einen überraschenden Vorteil gegenüber den Verlagshäusern.
Ob das im Sinne der Verleger ist, darf bezweifelt werden. Es sieht so aus, als hätten die Verlage es in Zukunft immer schwerer, sich gegen die Autoren zu behaupten, für die sie ohnehin zunehmend überflüssiger werden.

5. Es grünt

Nur die Kamera hatte etwas mit den Lichtverhältnissen zu kämpfen. Und der Rotkohl unten links ist sehr schüchtern

Nur die Kamera hatte etwas mit den Lichtverhältnissen zu kämpfen. Und der Rotkohl unten links ist sehr schüchtern

Langsam wächst mein kleiner Heimanbau. Nachdem die Pilze bereits kräftig wachsen, habe ich die Palette weiter vergrößert. Ein Ingwer liegt im BLumenkasten und wirkt noch recht ruhig, Ingwer braucht aber auch etwas. Aufgegangen sind dagegen ein paar Anfang letzter Woche gesetzter Samen: Drei Bantam-Mais-Pflänzen wachsen schnell und kräftig heran, während sich ganz schüchtern und ruhig ein einzelner Rotkohl aus dem Boden arbeitet, den ich wohl gezielt für Saatgut ziehe.
Der Mais darf dann morgen an die frische Luft und kommt in die Berggartenoase.


Freitägliche Fünf 22.04.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche wird gefahren und gegärtnert.

1. Fahr, Rad, fahr!

Liegerad im Wald

Zuletzt ausgetauscht: Der Hintergrund. Zorro gefällt das.

Es ist endlich komplett so weit, dass mein Liegerad nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch fahrbereit ist. Das silberne Ding hinter dem Sesselrahmen ist ein Schloss, kein Bauteil. Zuletzt kamen noch sechs Meter Gurt für den Sitz dazu, als vorläufige Maßnahme bis im Herbst ein richtiger Bezug dazukommt, den mir mein Bruder dann näht (ich kann leider nicht nähen).
Damit deutet sich schon an: Ja, das Rad entwickelt sich noch weiter, es ist nicht am Ende angekommen. Die Laufräder müssen in absehbarer Zeit erneuert werden und die Tasche auf dem Gepäckträger wird noch durch einen Koffer ersetzt. An den Hinterradschwingen müssen zwei kleinere Schweissarbeiten durchgeführt werden. Und die Rennhaken an den Pedalen haben sich in der Praxis nicht als so gute Idee erwiesen, wie ich zuvor hoffte.
Aber es fährt und nach einer kleinen Änderung in der Sitzbespannung auch ohne, dass sich mir die Mittelstange heftigst in den Rücken drückt. Nach den ersten etwa 12 Kilometern gibt es auch keine Fehlstarts mehr, so langsam gewöhne ich mich an das Fahren und vor allem eben das Losfahren in dieser neuen Position. Die Federung hinten ist großartig.
Bis jetzt erneuert, ergänzt oder geändert: Die komplette vordere Kurbel samt Pedalen, Tretlagerschlitten (versetzt), Kette (gekürzt), Rückspiegel (neu), Bremshebel (Plastik durch Metall ersetzt), vorderer Bremszug, Sitzbespannung mit Zurrgurt (neu), hinteres Schutzblech, Tasche auf dem Gepäckräger, Beleuchtung.

2. Motor? Okay, Motor!

Ein dampfgetriebenes Motorrad

Macht Dampf, vielleicht fährt es sogar; vielleicht – Bild: Facebook/Fabulous Weird Trotters

3. Platz zum Fahren

Und damit das Ganze auch lohnt, eine gute Nachricht aus der Gladbacher Innenstadt: Die testweise Freigabe des mittleren Teils der Fußgängerzonen-Hindenburgstraße für Radfahrer wird zur Dauerlösung. Fehlt nur noch der obere Teil mit dem Hang. Das kriegen wir auch noch hin!

4. Schiefes Obst für alle!

Mit Penny nimmt erstmals eine größere Supermarktkette krummes Gemüse ins Angebot.

5. Englischere Vorgärten für alle!

Perfektion! - Bild: Fancy

Perfektion! – Bild: Fancy


Fancy findet eure Vorgärten nicht britisch genug. Da haben sie wahrscheinlich Recht.