Scheiss auf die Mitte

Siehe oben. Und nun siehe unten.

Bild: Google

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Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Es gibt keinen anderen Satz, mit dem man diesen Beitrag einleiten kann. Einzig totale Sachlichkeit fängt das Entsetzen ein, das diese Tatsache mit sich bringt. Donald Trump wird der 45. Präsident der USA.
Ich erwarte, dass dies den Niedergang der USA in der Weltpolitik einleitet. Die Welt wird sich auf eine Zukunft einstellen müssen, in der die USA keine auch nur annähernd so ausgeprägte internationale Rolle spielen werden, wie es derzeit der Fall ist. Das kann gut finden, wer mag und ich kenne genug, die es tun werden. Es hat ja auch potenziell durchaus positive Auswirkungen, wenn die USA sich weniger in die Angelegenheiten des Rests der Welt einmischen. Aber es sind halt auch Zeiten, in denen eingesessene Strukturen verschwinden werden, in der die ganze Welt sich neu ordnen, Staaten ein neues Verhältnis untereinander finden müssen. Das kann ungemütlich werden, insbesondere, weil etliche der anderen Staaten ebenfalls populistische bis rechte Staats-Chefs haben.
Wir werden sehen, was genau kommt und was es für Europa bedeutet. Mir geht es jetzt um die Lehren, die für die vielen progressiven Wahlverlierer zu ziehen sind, welche die letzten Jahre hervorgebracht haben.

Die Personalisierung als Problem

Ich mag das, was als Wahlkampfstrategie präsentiert wird, nicht mehr als solchen bezeichnen. Wahlkampf hat was politisches. Was Parteien heute führen, ist nicht mehr politisch. Es ist Kandidaten-Marketing, mit Zuspitzung auf die Spitzenkandidaten. Das ist etwas, was im föderalistischen System der Bundesrepublik eigentlich aus gutem Grund (*hust*1933*hust*)nicht möglich sein sollte.
Es ist ja nicht nur bei uns bereits schiefgegangen. Auch die USA hatten ein paar charismatische, aber katastrophale Präsidenten, wenn auch nicht annähernd so furchtbar wie in Deutschland. Auch Trump ist definitiv kein Hitler. Er ist ein Vollidiot, aber kein Wahnsinniger.
Nun, eben jenes sehr problematische System wollen die diversen Wahlkampfmanager auch in Deutschland einsetzen, wo sie es nicht bereits tun. Eine Person spricht die Menschen an, sie ist einfach zu verkaufen. Politik? Wen interessiert schon, welche Politik man da wählt? Seriöser Wahlkampf, seriöse Politik würden versuchen, den Leuten zu erklären, worum es geht. Das ist anstrengend, also macht es keiner.
Die absurden Folgen im US-Wahlkampf waren Diskussionen, ob Hillary Clinton grade eine Grippe habe. Was auch immer das mit ihrer Eignung für die Präsidentschaft zu tun haben soll. Es erinnert an die Frage, ob Gerhard Schröder sich die Haare färbt — nur dass die Amis diese Fragen tatsächlich ernstzunehmen scheinen. Das ist es, worauf wir hinsteuern.

Das Geseier von der Mitte

Hillary Clinton war eine Kandidatin aus Angst. Aus Angst der Demokraten, man könne mit dem zur Nominierung aktiv bekämpften demokratischen Gegenkandidaten Bernie Sanders Wähler verschrecken. Also hat man eine Kandidatin bekommen, die genau nichts Mutiges zu sagen wagt.
Das kennen wir in Deutschland als „die Mitte ansprechen.“ Es hat sich soweit ausgebreitet, dass nur noch die Rechten es wagen, mit Positionen vorzupreschen, die kontrovers sein könnten. Und das wird ihnen honoriert, weil die Menschen danach dürsten, dass endlich mal wieder jemand etwas anderes sagt als das immergleiche Geseier aus der Mitte.
Symptomatisch dafür ist bei mir Sarah Wagenknecht, wie sie vor einigen Jahren bei Richard David Precht saß und sich auf mehrmaliges Nachfragen ausdrücklich weigerte, eine Utopie oder auch nur irgendeine nennenswerte Zukunftsvision aufzustellen. Und wenn die Leute keine Utopie kriegen, keine mutig vorspreschenden Ideen, dann nehmen sie halt die Dystopie, die rückschreitenden Anti-Ideen. Hauptsache, Vision. Hauptsache, Bewegung.
Man darf dumme Ideen haben, man darf spinnen. Das erzeugt Diskussion, das erzeugt Aufmerksamkeit, das erzeugt unter den ähnlich Denkenden Achtung und unter den anders Denkenden meist nichts, wovor man sich fürchten muss. Versucht nicht ständig, die anderen anzusprechen, sprecht die an, die eurer Meinung sind und zeigt ihnen, dass es jemanden gibt, der sie vertritt. Gebt euch und ihnen Visionen, die man vertreten, für die man einstehen, die man präsentieren kann.
Traut euch was oder ihr überlasst das Feld jenen, die sich was trauen. So einfach ist das.


Wir basteln einen Radschnellweg Lürrip-Innenstadt

Ich hatte in den letzten Tagen mehrfach angedeutet, dass ich mir einen Radschnellweg südlich des Hauptbahnhofes MG vorstellen könnte, quasi als Ergänzung zum SPD-Vorschlag eines solchen Weges im Norden der Stadt (der in meinen Augen irgendwie kein wirkliches Streckenziel hat, er wäre halt da). Ich will das nun etwas genauer ausführen. Aber zunächst ein paar Karten zum Erschrecken, dann die Erklärung:

Grün: Ebenerdig/vorhandener Bahndamm dunkelblau: Hochtrasse gelb: Rampe hellblau: potenzielle Fahrradverbindung Heinrich-Sturm-Straße Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Grün: Ebenerdig/vorhandener Bahndamm
dunkelblau: Hochtrasse
gelb: Rampe
hellblau: potenzielle Fahrradverbindung Heinrich-Sturm-Straße
Zum Vergrößern aufs Bild klicken
Hinweis: Eine Rampe zur Kranzstraße fehlt hier nur versehentlich

dunkelblau: Hochtrasse gelb: Rampe hellblau:potenzielle Weiterführungen

dunkelblau: Hochtrasse
gelb: Rampe
hellblau:potenzielle Weiterführungen

Ziele

Ein Radschnellweg ist meines Erachtens dann sinnvoll, wenn er vorhandene Strukturen verknüpft oder zusammenfasst oder aber wenn er lohnende Ziele ansteuert.
Also zunächst zu den vorhandenen Strukturen: Es gibt in Mönchengladbach einige gute oder potenziell gute Verbindungen. Der von Wickrath weit in den Niederrhein führende Nierswanderweg sticht hervor, daneben gibt es noch die Richard-Wagner-Straße/Brucknerallee (Hermges-Rheydt), die Landwehr (Dahl-Ohler-Pongs), die Korschenbroicher Straße (Mönchengladbach-Neuss) und einige wenig bis nicht genutzte Straßen im Raum Rheindahlen/Hardt, über die Fahrten in Richtung Süden (Erkelenz, Heinsberg, Aachen) und Niederlande (Roermond) möglich sind. Hinzu kommen Planungen für eine Fahrradstraße in der Heinrich-Sturm-Straße (als auch heute schon nutzbare Unterquerung des Bahndammes) und der genannte Radschnellweg weiter nördlich. Im Bereich der von mir angedachten Strecke gibt es noch ein paar kleinere Verbindungen, die ich nicht alle aufzählen möchte.
Relevante Ziele in Gladbach sind sicherlich die beiden Hauptbahnhöfe mit ihren Radstationen und der jeweiligen Anbindung zur Innenstadt, die größeren Stadtteilzentren (Wickrath, Rheindahlen), das Umland (u.a. Krefeld, Viersen, Neuss/Düsseldorf, Heinsberg, Niederlande) und natürlich die Verknüpfung der Stadtteile untereinander.

Definition Radschnellweg

Okay, das ist für die nächsten Ausführungen wichtig, vorab zu klären: Ich definiere den Radschnellweg im Folgenden als eine zu anderen Verkehrsträgern kreuzungsfreie Verbindung, die rein für die Benutzung durch Fahrräder (der Einfachheit halber einschließlich Pedelecs und Mofas) gedacht ist. Es gibt noch ein paar weitere Bedingungen für die Bezeichnung, die unabhängig vom Konzept leicht umsetzbar sind und daher hier keine Rolle spielen sollen. Also quasi als Fahrradgegenstück zur Autobahn.
Damit lege ich einen höheren Standard an, als der Radschnellweg 1 im Ruhrgebiet. Daraus folgt: Eine Umsetzung mit Abstrichen ist natürlich möglich, das hier ist die Maximalvariante.

RS-MG-OS

Der Radschnellweg Mönchengladbach Ost-Süd (hoffentlich offensichtlicher Arbeitstitel) fände seinen Anfangspunkt am S-Bahn-Haltepunkt MG-Lürrip, unweit der Korschenbroicher Straße, die hier ostwärts über den Nierswanderweg und in Richtung Neuss führt. Diese Nähe kann in der weiteren Zukunft als Anknüpfungspunkt für eine Verbindung des Gladbacher OS-Weges mit dem Endstück der bereits geplanten Verbindung Monheim-Düsseldorf-Neuss dienen. In Kombination mit den Überlegungen, den nördlichen Radschnellweg nach Krefeld anzubinden, würde Mönchengladbach dann zu einem zentralen Knotenpunkt des landesweiten Radschnellwegenetzes.
Von hier aus bietet sich zunächst an, den Weg auf dem derzeit noch leeren ehemaligen Bahndamm zu führen, der sich schon jetzt vom Bahnhof Lürrip bis zur Breitenbachstraße befahren lässt, allerdings als abgeräumtes ehemaliges Bahngelände nur mit einem guten Mountainbike. Das ist der einfache Teil, der praktisch sofort umgesetzt werden könnte. In der Karte ist das das große ebenerdig (grün) angelegte Stück.
An der Breitenbachstraße kann man den Weg natürlich in das Straßennetz zurückführen. Für den Namen „Radschnellweg“ wäre dies aber dann doch etwas mickrig. Aber wie kommen wir weiter? Nun, wie wäre es damit:

Also, der radweg, nicht der Hafen natürlich - Bild: Ole Malling für Dissing und Weitling Architektur

Also, der radweg, nicht der Hafen natürlich – Bild: Ole Malling für Dissing und Weitling Architektur

Das ist Cykelslangen, ein auf einer Hochtrasse angelegter Radweg in Kopenhagen. Am oberen Ende auf dem Bild beginnt er mit einer Rampe und steigt auf eine Höhe von 5,50 Metern.
Ich könnte mir vorstellen, mit einer solche Hochbahnführung auf Höhe der Bahntrasse den Radschnellweg weiterzuführen, mit mehreren Rampen an geeigneten Stellen. Wohlgemerkt auf Höhe der Bahntrasse, nicht auf der vorhandenen Bahntrasse. Der Weg würde südlich an die Bahntrasse angeflanscht. Da sich der Weg an der Südseite des Bahndammes befinden würde, gäbe es auch nichts, was durch den Radweg verschattet würde, die Sonne steht ja in unseren Breiten eher selten im Norden. Dieser erhöhte Teil kann dann an unterschiedlichen Stellen in Höhe des Berliner Platzes enden, beispielsweise in Form einer Rampe zur Oststraße, die abzweigende Schienenverbindung ins Rheydter Industriegebiet begleitend oder in die geplante Unterführung zwischen Theodor-Heuss-Straße und Korschenbroicher Straße hinein.
Man muss aber auch ehrlich sein: Das ist ein teures Vorhaben. Ein Brückenbauwerk dieser Länge dürfte über den Daumen gepeilt so etwa 2-3 Millionen Euro kosten. Das kann die Stadt nicht tragen, das müsste ganz klar im Landesprogramm für Radschnellwege getragen werden, wenn man es umsetzen will.

Weiter in die Zukunft

Der südliche Endpunkt kann in der weiteren Entwicklung natürlich noch weiter entwickelt werden. Es könnte sich beispielsweise sehr lohnen, den Weg entlang der abspaltenden Bahntrasse bis zum Geneickener Bahnhof weiterzuführen, wo die Bahntrasse endet und ein bereits vorhandener Radweg anschließt, der bis zur Odenkirchener Straße läuft. Dort endet er zwar recht abrupt, aber immerhin.
Die attraktivere Verbindung wäre eine Lösung, um die Theodor-Heuss-Straße zu überqueren und auf die Dessauer Straße oder die August-Oster-Straße zu kommen, wo eine Verbindung zur Richard-Wagner-Straße und somit zur angedachten Radwegeführung zum Hauptbahnhof Rheydt möglich wäre. Ist die Theodor-Heuss-Straße einmal gequert, kann man den Radverkehr auch zur Landwehr leiten, an der entlang es zum Stadtwald und von da aus ins westliche Umland geht. Hier haben wir dann unsere Verbindung zur Schiene Erkelenz-Aachen und in die Niederlande.
Andernorts im Streckenverlauf ist es dann noch nötig, die Lücke zwischen diesem Radschnellweg und dem im Norden zu schließen.
So oder so wäre Mönchengladbach mit einem solchen Vorhaben ein bedeutender Knotenpunkt für den überörtlichen Radverkehr. Das kann sich für die Stadt enorm lohnen.

Spinne ich?

Vermutlich. Aberich halte spinnen für den wichtigsten Schritt auf dem Weg in die Zukunft. Erstmal spinnen, dann auf das realisierbare runterbrechen und dann machen. Aber man muss auch sagen: Wir haben es geschafft, in relativ wenigen Jahren ein Autobahnnetz durch die gesamte Bundesrepublik zu bauen. Da ist das hier nichts gegen.