Sieben am Sonntag 11.06.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Kein Grund zur Eile beim Lesen der Sieben am Sonntag diese Woche, es gibt eine komplette kurze Oper als Hintergrundmusik. The Dolls of New Albion ist der anderthalbstündige erste Teil der New-Albion-Trilogie von Paul Shapera. Die Trilogie dekliniert die zentralen historisch-literarischen Punk-Genres durch: Steampunk, Dieselpunk und Atompunk.
Dieser erste Teil erzählt die Geschichte von vier Generationen der McAlistairs im fiktiven New Albion ab Annebelle McAlistairs Erfindung von mechanischen Menschen, die mit den Seelen Verstorbener ausgestattet werden.
Die Oper gibt es als MP3-Album bei Amazon und iTunes:

Einbruch der Woche


Okay, vielleicht war es eine recht unspannende Woche, wenn ich ein Video von einem Bären übernehme, der bei einem Klavier nicht mal mit der Lefze zuckt. Oer eine mit sehr ausgefüllten Tagen, sodass ich recht wenig von den Nachrichten mitbekommen habe. Egal, hier ist ein Bär, der recht gut darin ist, ein plötzlich klingendes Klavier zu ignorieren — oder der hier nicht sein erstes Klavier sieht und Spass daran hat.
Aber was soll hier eigentlich „discordant“ heissen, liebe Washington Post? So klingt ein Klavier nunmal.

Erleuchtung der Woche

Der Velomojeep (Bild: ebay-Nutzer Bovimame)

Der Velomojeep ist jetzt endlich auch lichttechnisch legal (Bild: ebay-Nutzer Bovimame)


Bei den Lichtanlagen für Fahrrädern gab es bislang einige ungeklärte Fragen. Ob Bremslichter legal sind, war nie auch nur angesprochen worden. Ob Blinker am fahrrad legal sind, war eine Grauzone, die durch die unklare Verwendung des Begriffs „Fahrtrichtungsanzeiger“ in der Straßenverkehrsordnung geschaffen wurde.
Zum 1. Juni ist endlich eine Gesetzesänderung in Kraft, die den ganzen Bereich deutlich klarer regelt. Bremslicht ist jetzt ausdrücklich erlaubt. Blinker sind jetzt erlaubt, aber leider nur bei mehrspurigen oder verkleideten Rädern (warum auch immer) und an Anhängern. Und weil man jetzt an alles denkt, gibt es sogar Vorschriften für Fahrräder mit einer Breite von mehr als 1,80 Metern. Solche gibt es tatsächlich, zumal die Definition von „Fahrrad“ durchaus auch Kettcars und Tretautos erfasst, die als vierrädrige Fahrzeuge problemlos auch größere Maße erreichen können.
Auch ein zweiter Frontscheinwerfer ist jetzt erlaubt. Ein solcher ist zum Beispiel bei meinem Liegerad auf dem Ausleger vor dem Tretlager vorgesehen, um die komplette Länge des Fahrzeugs im Dunkeln erkennbar zu machen.
Leider gilt immer noch, dass Pedale gelbe Reflektoren nach vorne und hinten haben müssen,was bei Liegerädern immer noch bauartbedingt unmöglich ist — denn dort stehen die Pedale im Betrieb senkrecht, nach hinten weist also die Oberseite der Schuhe des Fahrers. Wer sich einem Liegeradler von hinten nähert, sieht schlichtweg nichts von der Pedale, weil da die Füße vor sind. Ebenso sind solche Reflektoren natürlich bei Velomobilen sinnlos, wo die Pedale innerhalb der Karosserie liegen. Naja, immerhin.
Die restlichen Vorschriften beziehen sich vor allem auf Winterbereifung. Davon habe ich keine Ahnung und es interessiert mich auch nicht weiter.

Ermäßigung der Woche

Endlich, nach mindestens 5 Jahren Hickhack, hat die EU den Weg für ermäßigte Mehrwertsteuer auf eBooks freigemacht. Vor allem Frankreich hat in den letzten Jahren wiederholt versucht, die niedrigere Steuer auf Bücher auch für eBooks anzuwenden, ist damit jedoch an EU-Vorschriften gescheitert.
Diese Vorschriften sind nun nicht nur Geschichte, die Senkung des Steuersatzes für eBooks ist jetzt sogar ganz ausdrücklich möglich. Damit dürfte der Unsinn der unterschiedlichen Steuersäze bald Geschichte sein.

Radanlage der Woche

Pflichtausstattung: Licht, Bremsen, Todesmut

Pflichtausstattung: Licht, Bremsen, Todesmut

Die Gladbacher Straße in Krefeld ist allgemein eine recht kreative Konstruktion. Als ich das letzte Mal vor ihr stand, verhinderte sie meine Einfahrt nach Krefeld, da sie (anders als Google Maps zu glauben scheint) nur für Autos freigegeben ist und weit und breit keine andere Straße in die Stadt führt. Diesmal habe ich es aber geschafft, Krefeld über einen benachbarten Waldweg auch mit dem Fahrrad zu erreichen und traf so auf diese abenteuerliche Konstruktion. Auch, wenn es sich hier um eine (mangelhaft ausgewiesene) Einbahnstraße handelt, ist ein links gegen die Fahrtrichtung führender Radweg auf der Fahrbahn schon eine ganz besondere Konstruktion.

Nagetier der Woche

Genehmigt - Bild: ebay

Genehmigt – Bild: ebay

„Nackenhörnchen“ ist ein doofes Wort. Es leitet sich wohl von der Form eines Hörnchens in der Bedeutung Croissant ab, aber wenn ich das Wort höre, stellt mein Kopf es automatisch in eine Reihe mit Eichhörnchen, Backenhörnchen, Streifenhörnchen, Flughörnchen und so weiter. Mit besonders niedlichen Nagetieren also. Und immer, wenn ich in einem Prospekt ein Angebot für Nackenhörnchen lese, denke ich zuerst an den Zoohandel.
Immerhin gibt es obige Variante, die mit meinem Gehirn einigermaßen klargeht. Eingermaßen.
Und weil das alles natürlich noch schlimmer geht, hier eine Halsgarnele:
Halsgarnele von Latinaric - Bild: Amazon

Halsgarnele von Latinaric – Bild: Amazon

Schnitt der Woche

Hobby: Amoklaufen

Hobby: Amoklaufen

Müham ernährt sich bekanntlich das Nackenhörnchen, doch das Projekt Bürgergarten kommt durchaus geschwind voran. Seit Montag kommt man jetzt sogar ohne den Einsatz von Expeditionswerkzeug (vor allem Macheten) auf das Gelände, denn den von Brombeeren zugewucherten Weg zum Garten habe ich inzwischen freigeschnitten.
Seit dem Foto sind die Reste natürlich auch weggeschafft, da muss niemand über ein Brombeerbuschnadelkissen laufen.


10G30T 1: Invasiv

„10 Geschichten in 30 Tagen“ oder eben kurz: #10G30T ist eine von Annika Bühnemann angestoßene Herausforderung, im Juni eben jene 10 Geschichten zu schreiben. Im Fall von Invasiv schlage ich als zweite Fliege mit dieser Klappe die dieswöchige Flash-Fiction-Challenge von Chuck Wendig, eine Flash Fiction über eine invasive Spezies zu schreiben. Gut, meine Auslegung des Begriffs invasiv war wohl eher nicht,was gemeint war und die hier ist etwas sehr kurz geraten, aber dafür folgt es am Mittwoch auch noch eine englische Version drüben im englischen Blog.
10g30t

Invasiv

„Sagen Sie, Herr Sammer, schlafen Sie zufällig auf der Seite?“
„Ja, aber ich glaube nicht, dass der Arm einfach nur eingeschlafen ist. Dafür geht das jetzt schon zu lange.“
Doktor Gern sah sich erneut intensiv die Unterseite von Georgs Arm an. Sein Blick war vom Unterarm, in dem das Problem lag, zu seiner Achsel gewandert, in der er etwas zu sehen schien.
„Das meine ich auch nicht. Sie haben hier eine auffällige Verletzung. Liegen Sie auf der linken Seite?“
„Ja. Verletzung?“
„Fast kreisrund, sehr frisch. Sie sagten, ihr Arm fühle sich extrem leicht an und die Feinmotorik sei stark eingeschränkt. Ist dort vielleicht Flüssgkeit ausgetreten, hatten Sie irgendwelche Verfärbungen in der Matratze?“
„Nicht, dass ich wüsste. Kommt sowas vor?“
„Bisher nicht, aber in diesem Monat sind Sie schon der Fünfte mit diesen Symptomen. Die Röntgenaufnahme müsste gleich kommen, dann kann ich sicher sein.“
Fast aufs Stichwort kam eine Assistentin in den Raum, eine zusammengerollte Röntgenaufnahme unter dem Arm. Sie hing es an die beleuchtete Wand im Untersuchungszimmer. Eindeutig ein Arm. Einer der Unterarmknochen schien gegenüber dne leuchtend hellen anderen Knochen etwas blass.
„Wie ich es mir dachte“, sagte der Arzt, ging noch einmal zu der Aufnahme herüber, um sie sich näher anzusehen, kam mit sicherem Blick zurück, ergriff Georg Sammers Arm und schlug ihn auf die Tischkante.
Er konnte hören, wie seine Elle zerbarst, aber der Schmerz war nicht mehr als bei einem Schlag mit der flachen Hand auf die Haut.
„Sind Sie bescheuert?! Sie sollen meinen Arm in Ordnung bringen, nicht zerstören!“
„Und genau das habe ich getan. Ist Ihnen nichts aufgefallen? Es hat nicht weh getan, oder?“
„Nicht wirklich“, erwiderte er verdutzt.
„Sehen Sie sich mal die Aufnahme an, fällt Ihnen etwas auf?“
„Einer der Knochen ist sehr blass.“
„Sehen Sie genauer hin!“
„Ich sehe nichts Besonderes.“
„Nicht? Dann ist es vermutlich normal, dass von Ihrer Ulna sechs Strahlen zu den Seiten und zwei in die Hand ausgehen?“
„Sie sind der Arzt. Sagen Sie‘s mir.“
„Nein, es ist nicht normal. Die meisten Knochen haben keine Beine und Fühler.“
„Keine was?“
„Keine Beine und Fühler. Sehen Sie, Sie haben einen parasitären Phasmiden. Hatten, jetzt dürfte er tot sein. Wir holen die Stücke des toten Phasmiden gleich raus.“
„Ich habe einen was?“
„Einen parasitären Phasmiden. Eine Stabheuschrecke, die es sich in den Gliedmaßen gemütlich macht, dort jahrelang vom Blut des Opfers lebt und dafür einen der dortigen Knochen ersetzt. Fiese Sache aus den Tropen, kommt mit dem Klimawandel hier hoch.“
Und das ist die Geschichte, wie Ludwig Sammer seinen Sohn davon überzeugte, doch noch das Familienunternehmen als Kammerjäger zu übernehmen. Mit der Hilfe eines befreundeten Arztes und einiger Gen-Ingenieure. Und wie er einen neuen Schrecken in die Welt brachte, der die Menschen vom Schlafen abhielt. Irgendwas ist ja immer.

ENDE


Sieben am Sonntag 04.06.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Das ist allem Anschein nach das Tihange-Thema. Ich habe keine Ahnung, warum es das Tihange-Thema ist, aber das ist nun so.
Immerhin ist klar, warum das Video ein Video zu einem Tihange-Thema ist, denn das Video sagt einiges über das 1975 in betrieb gegangene und nun dramatisch vor sich hin bröckelnde französische Atomkraftwerk in Belgien unweit von Aachen.

Eröffnung der Woche

Halle der Überflieger - Bild: Rollbrett-Union e.V./Facebook

Halle der Überflieger – Bild: Rollbrett-Union e.V./Facebook

Es ist inzwischen über ein Jahr her, dass ich mich (mal wieder) mit der sterbenden Innenstadt von Rheydt beschäftigt habe. Damals wurde von Zeitungen und lokaler GroKo ein Boom herbeigeredet, der nie statt fand. Mein Schluss damals war klar:

Wollen wir unsere Innenstädte und damit die Siedlungsstrukturen der Großstädte, wie wir sie kennen, erhalten, müssen wir weg von der gegenwärtigen Stadtplanung, die Innenstädte als Orte des überbordenden Kommerzes definiert, plant und fördert. Wir müssen zu einem Verständnis von Innenstädten, das nicht mehr fragt, was es dort zu kaufen gibt, sondern vielmehr, was es dort vorzufinden, zu erleben, gibt. Warum man dort hingehen sollte.

Nun hat letzten Sonntag im ehemaligen Kik auf der Hauptstraße in Rheydt eine Skateboardhalle der Rollbrett-Union aufgemacht. Das ist genau die Art von Einrichtung, an die ich gedacht habe. Das ist genau die Entwicklung, an die ich gedacht habe. Weg mit dem nicht länger konkurrenzfähigen Handel, her mit der Belebung der Innenstädte durch Einrichtungen neuer Art. Durch soziale Netzwerkpunkte, Sport, Kultur und Leben. Wirtschaft wird nicht völlig verschwinden, aber sie wird in Zukunft eine untergeordnete Rolle spielen gegenüber dem Leben in den Innenstädten.
Und bevor sich unser Baudezernent und die GroKo sich auch das wieder an die Brust heften und so tun, als wäre es ihres: Das ist die Frucht jahrelanger Arbeit der Skater in der Stadt.
Vorerst besteht der Rollmarkt bis Jahresende, aber ich hoffe sehr, dass er weit darüber hinaus besteht und einen festen Platz in Rheydt findet.

Abschaffung der Woche

Endlich, endlich, endlich, ist der Straftatsbestand der Verunglimpfung ausländischer Würdenträger (alias „Majestätsbeleidigung“) aus dem deutschen Recht gestrichen.
Was jetzt als nächstes folgen muss, ist natürlich der „Gotteslästerungsparagraph“. Dessen Gegenstück hat diese Woche Dänemark abgeschafft. In Deutschland funktioniert der gar so, dass bei religiös begründeter Gewalt die Opfer belangt werden können, weil sie provoziert hätten. Er kommt hierzulande glücklicherweise selten, aber eben doch so alle ein-zwei Jahre, zur Anwendung.

Gespräch der Woche

Geckos muss ich wohl kaum jemandem nochmal vorstellen, oder? Diese lustigen Echsen, die mangels Augenlidern immer ihre Zunge gegen die Augäpfel klatschen, damit die Augen nicht austrocknen?

Ja, genau, diese hier - Bild: Flickr/GaretTT

Ja, genau, diese hier – Bild: Flickr/GaretTT

Offenbar sind auch Geckos dazu in der Lage, ihre Kommunikation an die Bedingungen der Umgebung anzupassen. Das war bisher nur bei Vögeln und Säugetieren bekannt. Das hat jetzt das Max-Planck-Institut für Ornithologie nachweisen können. Es erweist sich eben zunehmend, dass die Kommunikation im Tierreich deutlich ausgefeilter und vielfältiger ist, als wir uns das lange vorgestellt haben.

Robocop der Woche

Mit eingebautem Tatütata? - Bild: Polizei von Dubai

Mit eingebautem Tatütata? – Bild: Polizei von Dubai

Dubai verfolgt offenbar den Plan, bis zum Start des neuen Blade-Runner-Films noch schnell dessen Zukunftswelt aufzuholen. Die fliegenden Taxis hatten wir ja schon im Januar hier im Blog.
Darauf folgen nun robotische Polizeikräfte. REEM soll die Aufnahme von Amtsvorgängen erledigen.
Für Deutschland wäre das übrigens zumindest zur Zeit keine Option. Genau diese Arbeitsplätze sind für Beamte, die etwa aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt im Aussendienst arbeiten können, lebenswichtig. Aber keine Sorge, früher oder später entmenschlicht der selbst irrationale Rationalisierungszwang auch diese Struktur. Und wir können dann alle mit 40 in Rente gehen.

Schlagzeilen der Woche

Hachja, die Verona und ihre Facebook-Pannen. Nein, ich weiss nicht, worum es da geht. Ich werde auch nicht nachschauen.

Ach ja, die Verona und ihre Facebook-Pannen. Nein, ich weiss nicht, worum es da geht. Ich werde auch nicht nachschauen.

Tja, so unterschiedlich können zwei Zeitungen ein und das selbe Ereignis sehen. Na gut, eine Zeitung und die Bild.
Es ist schon erstaunlich, wie komplett ab von der allgemeinen Wahrnehmung die Papierverschwendung des Springer-Verlages bei dem Vorgang war, bei dem die Polizei sich mit erheblicher Brutalität gegen ein paar Berufsschüler durchsetzt, die einen Mitschüler vor der Abschiebung bewahren wollten.
Immerhin dürfte jetzt vielleicht wenigstens ein wenig das Gerede von der gleichgeschalteten Presse abebben. Natürlich bewegt sich die Presse in einer gewaltigen aus sich selbst bestehenden Filterblase, aber die ist nicht von oben gesteuert, weshalb manchmal auch sowas entstehen kann.

Ticket der Woche

Großartiges System, hin und wieder funktioniert es sogar! - Bild: Die Bahn

Großartiges System, hin und wieder funktioniert es sogar! – Bild: Die Bahn

Schon ein bisschen älter, jetzt aus dem Verlauf nochmal in meine Hände gefallen: Die Bhan denkt mal wieder laut über die Abschaffung des Papiertickets nach. Weil Technik bei der Bahn ja immer so gut funktioniert.
Dass nicht jeder ein Handy, geschweige denn ein Smartphone hat, scheint dabei weniger wichtig. Dass ein Handy auch mal kaputt oder gar verloren geht, selbst wenn man täglich auf die Bahn angewiesen ist, ebenso. Aber man kann ohne Not eine technische Hürde für die Benutzung der Bahn einführen. Und ist es nicht das, was wir alle unbedingt haben wollen?