Blau, Blau, Blau

Blau blau blau sind alle meine Routen, blau blau blau ist alles, was ich fahr. Darum lieb ich alles was so blau ist, denn ich bin mit-m Ra-del da

Musik ist immer ein guter Start

Okay, nicht alles (siehe den vorgestrigen Beitrag), aber die Blaue Route MG halte ich eigentlich für eine sehr gute Idee: Eine Fahrradstraße zur Verbindung der beiden großen Stadtzentren von Mönchengladbach, endend jeweils halbwegs in der Nähe der Hauptbahnhöfe Gladbach und Rheydt. Mit dem Hintergedanken, diese irgendwann bis direkt zu den Bahnhöfen weiterzuführen. Wobei ich auch sagen muss, in der ursprünglich präsentierten Planung war das keine Fahrradstraße, sondern nur eine blaue Orientierungslinie auf dem Boden, in deren Verlauf die Wege dann für den Radverkehr optimiert werden sollte.
Nun hat die Route nach ihrer Umsetzung allerdings noch ein paar „Kinderkrankheiten“, an denen man noch etwas feilen muss. Eben weil ich die Route grundsätzlich erhalten will, habe ich nach meiner bisherigen Nutzungserfahrung noch einiges an Änderungsvorschlägen. Das hat gestern in den sozialen Netzwerken einige Leute aufgeschreckt, aber ich bin halt jemand, der Missstände auch dann (insbesondere dann) anspricht, wenn sie Dinge betreffen, die ich unterstütze. Denn ich möchte, dass Dinge, die ich unterstütze, auch ihr maximales positives Potenzial entfalten.
Natürlich war ich gestern auch noch ziemlich sauer. Immerhin bin ich gestern vormittag aufgrund der spezifischen Bedingungen auf genau dieser Strecke fast angefahren worden. Aber deshalb will ich die Strecke ja verbessern. Ich will sie auch aktiv als Keimzelle eines Radwegenetzes nutzen, das den Namen verdient hat und dafür in nächster Zeit in den städtischen Gremien Anträge für die direkte Umgebung der Route stellen. Ein solcher Antrag zur Dessauer Straße ist aktuell bei den Grünen im Umlauf, ein weiterer zur kreuzenden Hofstraße folgt zum nächsten Ratszug im Januar.

Fahrradstraße

Jetz stelle mer uns ma janz dumm: Wat is dat eijentlich, so en Fahrradstraaß?
Sorry, altes rheinisches Mem, da komm ich manchmal nicht rum. Aber um die Frage zu beantworten: Eine Fahrradstraße ist eine Straße, in der Fahrräder besonderen Vorrang genießen. Autos kann dort die Nutzung erlaubt werden, aber sie haben zum Beispiel keinen Anspruch, ein Fahrrad zu überholen. Ausserdem herrscht auf Fahrradstraßen grundsätzlich Tempo 30. Fahrräder dürfen dort auch in beide Richtungen fahren, aber das ignorieren wir mal großzügig, weil es im Gladbacher Fall dank der zwei direkt nebeneinander liegenden, durch einen Mittelstreifen getrennten Trassen nicht nötig ist und de facto auch nicht gemacht wird (wäre allerdings sehr amüsant). Nebeneinander fahren dürfen sie allerdings auch. Dass Fahrradstraßen eigentlich keine Vorfahrtsstraßen wie in Gladbach sein können, sondern dort grundsätzlich „Rechts vor Links“ herrscht, ignoriere ich an dieser Stelle ganz gerne ebenfalls, ohne es zu verschweigen. Es ist, auch wenn es zum Vorteil der Radfahrenden gereicht, symptomatisch für den dezent ahnungslosen Umgang der lokalen Verwaltung mit dem Radverkehr.
Fahrradstraßen verfolgen natürlich einen Zweck und dieser ist auch mein Anspruch an sie: Die Erleichterung, verbesserte Sicherheit und Beschleunigung des Radverkehrs in ihrem Verlauf. ich nehme damit im Übrigen auch Planungsdezernent Dr. Gregor Bonins Aussage zum ADFC beim Wort: „[…] auf der „Blauen Route“ hat der Radverkehr Vorfahrt, ob bequem nebeneinander her radeln oder schnell von einem der beiden Hauptbahnhöfe zur Hochschule oder zur Arbeit kommen, ist kein Problem mehr.“ Und genau hier gibt es nach den Erfahrungen aus meiner eigenen Benutzung der Route noch Knackpunkte. Die lassen sich alle entschärfen, aber noch sind sie da.
Ich gehe die einfach mal die Strecke entlang von Gladbach bis Rheydt durch.

1: Viktoriastraße beim Gymnasium

Da isser ja wieder, mein alter Dauerbrenner.
Im Bereich der Ausfahrt des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasiums (und einiger Wohnhäuser) ist die Viktoriastraße deutlich verengt. Das führte in der Vergangenheit zu Problemen mit dem Parken, mit deren Beseitigung ich ein paar Jahre politisch Spass hatte, bevor sie zufriedenstellend beseitigt waren.
Jetzt ist da eine blaue Linie auf der Fahrbahn und siehe da, es gibt neue Probleme. Hurra!
Konkret ist es so, dass der blaue Streifen die Fahrbahn leicht verengt. Das ist nicht viel, aber es reicht, damit die Begegnung von entgegenkommendem Verkehr sehr eng wird. Bisher gab es zwischen einem Auto und einem Fahrrad etwas unter 20 Zentimeter Abstand beim Entgegenkommen. Die blaue Linie führt dazu, dass Fahrer auf jeder Seite etwa 10 cm mehr Abstand vom Fahrbahnrand halten und das Ergebnis kann sich jeder ausrechnen. Das ist eine dieser Auswirkungen, die man den Planenden nicht vorwerfen kann, da sie mehr durch die Reaktion der Verkehrsteilnehmer als durch die Regelung selbst verursacht worden ist.
Priorität: Gering (Nur leichte Verzögerung)
Lösungsvorschlag: Parkende Autos entfernen
Umsetzung: Wünschenswert und einfach

2: Dessauer Straße

Nach ein paar hundert Metern unterquert die Fahrradstraßenführung die Eisenbahn. Dazu führt sie nach links unter der Bahntrasse durch, gradeaus über die Dessauer Straße und dann wieder rechts auf die Buscherstraße. Das ist für Ortsunkundige schon eine leichte Herausforderung, aber dagegen hilft eine bessere Bodenaufzeichnung und Beschilderung.
Dass diese Kurve ein Problem werden würde, war von Anfang an klar, das will ich jetzt gar nicht kritisieren. Da sind einfach die Straßenführungen im Hermges Schrott. Ich habe für den nächsten ratszug eine Vorlag vorbereitet, die Treppen am Ende der Dessauer Straße durch eine Rampe zu ersetzen, damit könnte das Problem bei einer Verlegung des nördlichen Endpunktes der Blauen Route gelöst werden.
Nein, ich möchte einfach nochmal kurz auf den Zustand hinweisen, in dem die Deutsche Bahn AG (oder deren Beauftragte) die Kreuzung nach ihrem Brückenneubau hinterlassen hat.

Die Nordkette in Österreich

Symbolbild, kaum vom Realzustand unterscheidbar – Bild: Ron Porter


Priorität: Mittel (schwere Fahrbahnschäden, aber keine Verkehrsbehinderung)
Lösungsvorschlag: Neuer Deckenüberzug
Umsetzung: Notwendig

3: Richard-Wagner-Straße

Hier kommen wir zum häufigsten Problem der Strecke: Es stehen Autos im Weg. Und hier ist die derzeitige Umsetzung nicht nur verbesserungswürdig, sondern ein Rückschritt gegenüber der bisherigen Situation. Hier ist die Stelle, die mich sagen lässt, dass die Blaue Route in ihrer gegnwärtigen Form genau den gegenteiligen Effekt hat, den eine Fahrradstraße haben sollte.
Wenn eine Fahrradstraße zur Ausbremsung des Radverkehres gegnüber der vorherigen Situation auf der selben Route führt, dann liegt eine Fehlplanung vor.
Und ich kann diese auch konkret benennen. Vorher war es so: Die Richard-Wagner-Straße war eine großzügig angelegte Allee mit zwei Bürgersteigen, zwei Fahrbahnen und in der Mitte einem Fußweg, der auch mit Fahrrädern benutzt werden konnte, aber nicht musste. Das kam sehr nah an eine perfekte Situation für alle Beteiligten. Manchmal spannte eine Hundeleine über den Mittelweg, aber damit muss man eh umgehen können, das passiert ja auch auf Feldwegen regelmäßig. Wenn tatsächlich mal ein Fußgänger auf so einer Strecke ist, nimmt man halt etwas Geschwindigkeit raus, rollt an ihm vorbei und beschleunigt dann wieder. Alles kein Problem. Noch besser wäre nur ein reiner Radweg in der Mitte gewesen, immerhin sind ja auch große Bürgersteige vorhanden.
Mit der Umsetzung der Blauen Route als Fahrradstraße wurde dieser Mittelstreifen zu einem reinen Fußweg. Das bedeutet ein Fahrverbot für Fahrräder sie sind jetzt also gezwungen, auf der Fahrbahn zu fahren. Und genau hier liegt das Problem: Die Fahrbahn ist für ein Überholmanöver zwischen einem Fahrrad und einem Auto nicht breit genug. Ist auch nur ein einziges Auto in der Straße, müssen sich alle hier fahrenden nach dem langsamsten Verkehrsteilnehmer richten, denn das Auto kann weder überholen noch überholt werden.
Das langsamste ist nicht immer ein Fahrrad, meine erste solche Begegnung hatte ich mit einer Kehrmaschine. Ich weiss, Kehrmaschinen in engen Straßen sind allgemein Ärgernisse, aber der Punkt ist: Vor der Änderung konnte ich sie problemlos über den Mittelstreifen umfahren. Das ist mir jetzt verboten. Die Neuregelung stellt hier eine klare Verschlechterung dar. Für meine zweite solche Begegnung, einen Lieferwagen beim Beladen, gilt das Selbe.
Und dann war da die Situation gestern morgen auf dem Arbeitsweg. Ich fahre, wenn ich eigene freie Wege zur Verfügung habe, recht schnell, in der Regel knapp unter 30, mit dem Liegerad auch schonmal ein paar Stundenkilometer drüber. Und so kam ich dann hinter ein Auto, welches mangels Platz gezwungen war, hinter einem deutlich langsameren Radfahrer (ich schätze etwa 12 km/h) herzuschleichen. Der Radler wäre nicht das Problem gewesen, den kann ich ja einfach überholen. Er darf ja auch gerne langsamer fahren als ich, alles kein Problem. Aber neben dem Auto war einfach nicht genug Platz zum Überholen.
Auch das allein war nicht das Problem, sowas kann ja mal passieren. Aber, auch hier muss ich nochmal betonen: Die vorherige Regelung war in dieser Situation deutlich besser. Und das ist mein Maßstab hier: Hat die Fahrradstraße die Situation für den Radverkehr verbessert? Das muss ich hier ganz einfach verneinen, sie hat sie sogar verschlechtert. Vorher konnte ich in dieser Situation auf den Mittelweg schwenken, dort überholen (eine angemessene Geschwindigkeit auf dem Fußweg war immer noch schneller als diese Straßensituation) und dann auf die Straße zurückkehren.
Im Übrigen war auch dem langsameren Radfahrer die Lage sichtlich unangenehm: Er fuhr so weit rechts, wie es irgendwie ging, um den Autofahrer passieren zu lassen, aber was er auch tat: Der Raum reichte nicht aus. Und auf einer Fahrradstraße dafür abzusteigen, kann man auch nicht verlangen. Das würde dem Sinn dieser Anlage ja ebenfalls widersprechen.
Priorität: Mittel (regelmäßiges Einzelfallproblem mit punktuell mäßiger Verkehrsbehinderung)
Lösungsvorschlag: (Wieder-)Freigabe des Mittelstreifens für Fahrräder
Umsetzung: Einfach, aber nicht so wichtig

4: Parkbuchten Brucknerallee

Kommen wir von „lästig“ zu „lebensgefährlich“.
An der Brucknerallee endet der Mittelstraße mit der Querung der Nordstraße und es folgt ein konventioneller Straßenschnitt. Das war nicht immer so (deshalb heisst die ja Brucknerallee), aber in meiner Lebenszeit halt schon. Sprich, es gibt eine Fahrbahn mit Bürgersteigen und auf diesen Bürgersteigen liefen bis zur Umstufung zur Fahrradstraße Radwege.
Eine Besonderheit an der Brucknerallee sind die Parkbuchten, die teilweise quer zur Fahrbahn gebaut sind. Sowas wird heutzutage aus gutem Grund nicht mehr gebaut, bestenfalls noch in Parkhäusern, in denen ja auch entsprechend anders gefahren wird. Für den Radweg bedeutet das: Manchmal ragt da eine Motorhaube zu weit über den Parkplatz hinaus, da muss man halt schauen.
Die Radwege sind mit der Umwidmung weggefallen. Das ist rechtlich auch richtig, eine Fahrradstraße kann keine benutzungspflichtigen Radwege haben, das wäre ja auch widersinnig. Nun ist es mir gestern passiert, dass ein Golf rückwärts in genau dem Moment ausparkte, in dem ich hinter ihm vorbeikam. Hätte ich in diesem Moment vor Schreck gebremst statt durchzuziehen, hätte er mich umgeworfen.
Der Fahrer konnte mich nicht gesehen haben, da ist ihm kein Vorwurf zu machen. Ich meine, ich sah von ihm ja auch nicht mehr zwischen den anderen Parkbuchten herausragen als seine hintere Stoßstange. Aber ich kann auch nicht vor jeder Parkbucht halten um zu schauen, ob da nicht grade jemand im Rückwärtsgang aufs Gaspedal tritt.
Glücklicherweise kann man das relativ einfach lösen, indem man die Autos nur noch so einparken lässt, dass sie beim Ausparken vorwärts fahren, die Fahrbahn also im Sichtfeld haben wie an einer Kreuzung. Auch hier gilt: Vorher war es besser. Aber es wäre auch keine gute Lösung, die alte Situation wiederherzustellen, nur stellen die anderen Lösungen eine Verbesserung dar, während ein Zurück nur den Status Quo erhalten würde.

Reihe quer parkender Autos mit dem Heck zur Straße

Und so sehen Autos von hinten aus. Bis auf den schwarzen Wagen in der Mitte, der parkt mit Hirn


Priorität: Hoch (Unfallrisiko ist allein wegen des geringen Verkehrsaufkommen gering)
Lösungsvorschläge (geordnet nach Präferenz): Entweder Abschaffung des Querparkens oder Pflicht zum rückwärtigen Ein- und vorwärtigen Ausparken oder Reaktivierung der Radwege auf dem Bürgersteig
Umsetzung: Reicht von „einfach“ (Alternative 1) über „schwierig und teuer“ (Alternative 2) zurück zu „einfach, aber nicht sonderlich gut“ (Alternative 3). Es ist aber zu betonen, dass nur eine dieser Alternativen umgesetzt werden muss.

Fazit

Die Fahradstraße ist ein typisches Beispiel für ein Projekt, in dem Theorie und Praxis ordentlich auseinanderdriften. Das aber sollte niemanden davon abhalten, dazuzulernen und Fehler zu korrigieren.
Im Grunde war die Richard-Wagner-Straße/Brucknerallee eine denkbar ungeeignete erste Fahrradstraße, einfach weil dort der Autoverkehr nicht herausgenommen werden kann. Aber sie jetzt wieder zurückzunehmen, ist auch keine gangbare Alternative. Also müssen wir das jetzt konsequent durchziehen. Direkt benachbart oder auf die Route zuführend sind Wege, die tatsächlich extrem schlecht sind und die es viel nötiger hätten, verbessert zu werden — da muss man jetzt ran.
Wenn wir es vermeiden können, in der Diskussion Schwarzweissbilder mit Routenfreunden und Routengegnern zu malen, und statt dessen die Anlage auf Grundlage der Praxiserfahrungen verbessern, kann da eine richtig gute Anlage mit positiven Effekten für den gesamten Radverkehr draus werden.


Wie man Monster anfüttert

Ich halte nicht viel von Spontanreaktionen, insbesondere nicht in der Politik. Es gehört zu den wesentlichen Aufgaben in der Politik, in größeren Zeiträumen und Zusammenhängen zu denken. Entsprechend gab es hier keinen Beitrag zum Wahlergebnis am Sonntag und auch sonst keinen sonntäglichen Beitrag wie sonst üblich.
Das Ergebnis vom Sonntag ist keine Überraschung, aber doch ein Schock. Manche Schläge tun auch dann noch weh, wenn man sie erwartet. Dieser Schlag war ein Volltreffer, der sich lange angekündigt hat.
Ergebnis der Bundestagswahl 2017

Die Mast

Dass ich gar nicht mehr erwähnen muss, dass ich vom Wahlerfolg der AfD rede, ist Teil des Problems. Wie oft hat diese Partei in den Medien eine Bühne erhalten? Wie oft wurde uns erzählt, wie schlimm die AfD ist? Wie sehr hat sie das für die Protestwählerschaft nur immer attraktiver gemacht?
Ich meine, es hat einen Grund, warum die Medien über Selbstmorde nur sehr eingeschränkt berichten. Wann haben die das eigentlich vergessen? Und ja, die AfD ist eine Selbstmordmethode der Demokratie, anders kann man das nicht sagen. Wenn die Demokratie ihre Feinde wählt, ist ds die ihr eigene Form des Suizids. Und ja, eine Partei, die unter dem Deckmäntelchen der Meinungsfreiheit die Meinung verbreitet, alle ihr nicht konformen Meinungen müssten verboten werden, ist schlicht und ergreifend ein Feind der Demokratie.
So füttert man eine solche Partei mit Aufmerksamkeit. Das ist nichts neues, es ist das Selbe wie damals bei den Piraten, nur in scheisse und mit Nazis.

Das Fefephänomen

Eine Entwicklung, die für mich etwas erschreckend verlief war die von Felix von Leitner alias Fefe. Fefe ist ein scharfer Beobachter der Entwicklungen insbesondere in Politik und Informatik, wobei ich seine Beiträge in letzterem Bereich regelmäßig nicht verstehe, weil die Fachkenntnisse erfordern, die ich so nicht habe. Fefe ist für manches ein gutes Beispiel, eben auch für das mangelnde Gespür von Fachleuten, welches Wissen sie Nicht-Fachleuten zutrauen können oder eben nicht, aber heute soll es um die politische Seite seines Blogs Newsstreams gehen.
Fefe ist ein intensiver, skeptischer und auch sehr intelligenter Beobachter politischer Entwicklungen auf einem globalen Level. Zu seinen gesetzten Missionen gehört das gezielte (Zer-)Stören von Filterblasen durch bewusste Provokation und absichtliche Einnahme der Gegenposition. Das macht es etwas schwierig herauszufiltern, was er selbst eigentlich für eine Meinung vertritt, abe rmit der Zeit zeichnen sich Muster und Entwicklungen ab.
Ohne das jetzt lange durch Satistiken zu schicken (was interessant wäre, aber erstens schreibe ich meine Beiträge zur Zeit mangels WLAN im Ladenlokal offline und zweitens ist das einfach zuviel Aufwand für diesen Beitrag), bemerke ich doch eine wachsende antiparlamentarische Einstellung in Fefes Beiträgen. Ich behaupte, Fefe hat sich an seinem eigenen Zynismus verschluckt. Das kann ich als Mit-Zyniker ganz gut nachvollziehen.
Es ist aber auch frustrierend: Politische Mitteilungen auf seiner Seite sind immer negative Highlights, Lob gibt es eigentlich immer nur, wenn jemand „die da entlarvt hat.“ Und da es unmöglich ist, dass eine Partei negative Schlagzeilen vermeidet, weil sie aus sehr vielen Einzelpersonen besteht, die halt hin und wieder auch mal was Dummes sagen oder fordern, steht nach ausreichender Zeit jede Partei entsprechend schlecht da. Es entsteht der Eindruck, jede Partei sei Mist. Da geht es dann nicht mehr um die Partei, sondern um die Anhäufung einzelner Misstöne. Die SPD fällt um, die Linke lügt, die CDU bereichert sich, die FDP biedert sich den Lobbyisten an, die Grünen bevormunden und die Piraten stümpern. Einzig Die Partei, die ich selbst zunehmend für unabsichtliche Steigbügelhalter der Rechten halte, steht als zuverlässiges Entlarvungskommando da. Für eine solche Betrachtungsweise der Welt gibt es ein Wort: Filterblase. Sogar eine ziemlich starke Filterblase, gekräftigt durch die NLP-artig wirkende Benennung der Parteien in entsprechender Weise (Paradebeispiel „Umfallerpartei“).
Und von da ab wird es plötzlich logisch, Parteien zu wählen, die aus mangelnder Kenntnis (Piraten) oder offener Ablehnung (AfD) der Funktionsweise von Politik und ihren Entscheidungsprozessen heraus versuchen, diese radikal abzuschaffen. Fefe selbst ist geistesgegenwärtig genug, vor der AfD zu warnen und wird sicher einen Teufel tun, sie zu unterstützen. Aber jene, die so wahrnehmen und dann auch denken wie er und die eben keine entsprechenden roten Linien gezogen haben, die sprechen solche Parteien ganz gezielt auf Grundlage ihrer Frust an – der Begriff „Alternative“ ist (wie schon einst bei den „Grünen Alternativen Listen“) kein Zufall.
Fefe ist hier nur ein Beispiel, an dem man den Prozess recht gut nachverfolgen kann (und das eine ziemlich geile Überschrift ergibt). Wie gesagt, er selbst weiss offensichtlich, dass diese Alternative nicht wählbar ist. Aber jene, die auf die selbe Weise frustriert worden sind, haben nicht unbedingt die selben gesunden mentalen Immunsysteme gegen Rechts. Wobei Fefe mit seinem wirkmächtigen Blog schon sehr viel dagegen tun könnte, wenn er eine positive Idee gegensetzt. Ich glaube nämlich, dass viele AfD-Wähler auch solche sind, die von Fefes Blog erstmal grundfrustriert wurden und dann leichte Beute waren.

Der Hunger

Dass die Mast so angeschlagen hat, hat aber noch andere Gründe. Es gab einen Hunger nach einer, ja, Alternative. Nicht unbedingt nach dieser, aber man nimmt, was man kriegen kann.
Der Vorwurf einer „Gleichschaltung der Medien“ hat eine extrem unglückliche Geschichte, aber es kann nicht verleugnet werden, dass der gegenwärtige Journalismus weltanschaulich überaus einheitlich ist. Zentrales Problem hierbei ist eine mangelnde Reflexion von Weltbildern – die meisten halten ihres für so selbstverständlich, dass sie gar nicht in der Lage sind, die Frage zu verstehen, wenn man es nicht teilt. Dass Wirtschaftswachstum notwendig sei, sagen viele; niemand aber sagt, warum und wozu eigentlich. Deutschland ist Exportweltmeister mit super Handelsbilanz; niemand fragt, wer diese Überschüsse eigentlich bezahlt.
Das ist die Filterblase (willkommen zurück in diesem Text) und sie führt dazu, dass Journalisten sich zu einer geschlossenen Gruppe entwickeln, die mit anderen Gruppen nicht mehr im Austausch steht. Das wird gerne dem Internet vorgeworfen, aber da kann man genauso gut dem Mikroskop seine Schnupfenviren vorwerfen. Denn was das Internet tut, ist eigentlich das Gegenteil: Es bringt andere Sichtweisen als die der journalistischen Filterblase ins Blickfeld und stellt diese in Frage. Nur wird man durch die plötzliche Sichtbarkeit der Filterblasen, vor allem der besonders dummen, in denen sich Impfgegner, Kreationisten und anderer Unfug herumtreibt, plötzlich dieses Phänomens gewahr. Und da kommt dann dieser Vorwurf her. Wie gesagt, da verwechselt jemand das Mikroskop mit seinen Erkenntnissen.
Man muss einfach sagen: ja, der Journalismus wurde in den letzten Jahren zunehmend einheitlicher. Nicht wegen irgendeiner Fremdsteuerung, die ist weniger Ursache und viel mehr Wirkung der Filterblase. Sondern wegen zunehmendem Selbstbezug und Vetternwirtschaft sowie mangelnder Reflexion der eigenen Positionen.
Aber auch die Politik hat ihre Fehler gemacht. Politik war einst der Wettbewerb unterschiedlicher Positionen um die Gestaltung der Gesellschaft. Sie wurde aber zunehmend zu einem Wettbewerb unterschiedlicher Personen um die Regierung. Was dazu führte, dass man eigene Positionen zu Gunsten besserer Wahlergebnisse aufgab oder wenigstens abschwächte. Wahlergebnisse wurden zum Selbstzweck, alles Handeln stand unter dem Zeichen wachsender und schrumpfender Diagrammbalken. Und wenn dann mal jemand die Wahl gewann, stand er leicht verzweifelt vor der Frage, was er denn nun eigentlich damit umsetzen wolle.
Denn: Die Parteien unterschieden sich kaum noch, alle waren den selben Mehrheiten nachgerannt. So boten sie keine Argumente mehr, warum man sie eigentlich jeweils wählen sollte. Alles wurde ein Einheitsbrei namens „Mitte“. Die Wahlbeteiligung sank, die Demokratie litt unter dem Mangel an Optionen.
In diesen beiden Lücken entstanden Hunger nach Alternativen. Und bald gab es Alternativen, die diesen Hunger zu bedienen suchten. Der Köder der Rechten war ausgelegt und wurde eifrig gefressen. Nicht, weil er so gut war, sondern weil die anderen alle mit blanken Haken angelten – um ja keinen Fisch zu verpassen, dem der Wurm nicht schmeckte.

Und nun?

Für den Parlamentarismus ist die aktuelle Situation ein Problem. Zuletzt gab es ein konservatives (CDU, CSU) und ein progressives Lager (Grüne, SPD). Die FDP stand ausserhalb dessen und sprang gerne zwischen den beiden hin und her, war aber grundsätzlich diskussionsfähig. Ihr ging es mehr um die Vorgehensweise als um die Inhalte, sie unterschied sich durch ein völlig anders angesetztes Politikverständnis, das aber nicht im Konflikt mit den beiden großen Lagern stand. Sie war allerdings zuletzt deutlich näher an den Konservativen.
Nun haben wir ein regressives Lager, welches aktiv Fortschritte der letzte Jahrzehnte zurückdrehen will. Das ist eine direkte Konkurrenz zu progressiv und konservativ und mit diesen auch nicht vereinbar. Der Keil ist aber groß genug, dass kein anderes Lager mehr eine Mehrheit findet.
Die Große Koalition zwischen den Lagern ist verbrannt, es bleibt die gerne als Jamaika-Koalition bezeichnete Brasilien-Koalition (die einzige Flagge mit schwarz, gelb, grün und dem Blau der CSU). Diese ist für die Grünen ein Problem, weil sie dafür in ein übermächtiges konservatives Lager gehen müssten, dem sie bei allen Unkenrufen doch nicht angehören (wollen).
Mit diesem Keil zwischen den klassischen Lagern können die Regressiven jetzt den Parlamentarismus empfindlich stören. Glücklicherweise bezweifel ich, dass sie dazu gut genug agieren. Allerdings ist das leider in der deutschen Geschichte schon ein Mal gelungen. Damals hatten sie allerdings auch deutlich größere Unterstützung in Bevölkerung und im Parlament.
Ohne diese könnten sie sich auch innerhalb der nächsten vier Jahre schnell selbst zerlegen. Wobei sie das bisher ja auch nicht getan haben.
Aber auch, wenn das gelingt, haben wir ein Problem: Wer bietet sich eigentlich an, nach Merkel Kanzler/-in zu werden? So langsam müssen wir darüber mal reden. Wir haben angesichts der fortschreitenden Depolitisierung jetzt schon keine brauchbaren Bundespräsidenten mehr. Und das hat die selben Ursachen wie der Aufstieg der AfD: Profillose Politdienstleister an Stelle agierender Parteien und eine mitte-mäßige Medien- und Debattenwelt im Einheitsbrei ohne Zukunftsvisionen.


Sieben am Sonntag 17.09.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche


Meine Facebookfreunde wissen, warum, alle anderen: Dancing Queen!
Dank Vera Anders.

Fahrrad der Woche

Fahrrad mit auf dem Kopf stehender Fahrerin und Pedalen oben

pɐɹɹɥɐɟ

Ich habe keine Ahnung, wo dieses Bild herkommt. Die BIldsuche findet es nicht und bei Pinterest liegt kein Link dahinter. Aber es kann kein Zweifel bestehen, dass dieses Fahrrad in diese Liste gehört. So lange ich es nicht fahren muss.
Soviel zu meiner Behauptung: „Wenn es Pedale hat, kann ich es fahren!“

Abschied der Woche


Henryk M. Broder verzieht sich also hinter eine Bezahlschranke. Ich werde ihm keine Träne nachweinen.
Die Sache mit Broder ist, dass mir immer noch nicht klar ist, ob ernun ein Arschloch, ein Trottel oder ein begnadeter Satiriker ist. Doch mit zunehmend verstreichender Zeit und wachsendem Erfahrungsschatz frage ich mich ohnehin, ob letzteres ein Kompliment wäre. Denn während Satire bei gebildetem Publikum ein mächtiges Instrument ist, schreibt Broder in der Welt, die ausser im Kontrast zu den anderen Springer-Blättchen nicht eben als Akademikerzeitung gelten kann.
Und diese Leute nehmen ihn ganz einfach ernst. Und das ist gefährlich. Deshalb ist es goldrichtig, Broders Publikum deutlich zu verengen. Wer für Texte zu zahlen bereit ist hat immerhin eine höhere Wahrscheinlichkeit genügend Textverständnis zu haben, um Broders Überspitzungen als eben solche identifizieren zu können.

Karikatur der Woche

lahlali-cause-effectDas ist eine karikatur mit dem Titel Cause & Effect (Ursache und Wirkung) des Karikaturisten Naoufal Lahlali aus dem Dezember 2016. Klarer kann man das wohl kaum noch ausdrücken. Original hier.

Sicherheitsmaßnahme der Woche

Dackelsperre

Dackelsperre


Noch so ein Bild, dessen Quelle ich partout nicht finden kann, aber das ist einfach eine extrem praktische Erfindung. Oder etwa nicht?

Urteil der Woche

Das EuGH hat momentan mit einer recht spektakulären Frage zu tun: Ist eine Scheidung nach Sharia-Recht in Deutschland (und da es das EuGH ist, in Europa) rechtsgültig? Nach Darstellung der ARD ist sie das nicht.
Das allerdings wäre spektakulär. Denn wenn eine Scheidung in einem anderen Land nach islamischem Recht in Deutschland nichtig ist, müsste das selbe dann nicht auch für eine Hochzeit gelten? Immerhin sind kirchliche Hochzeiten in Deutschland nicht rechtsgültig und dennoch werden sie akzeptiert, wenn sie in einem Land vollzogen wurden, in dem dies anders ist (beispielsweise die berühmten Blitzhochzeiten in Las Vegas).

Endlich verteidige auch ich mal Donald Drumpf

Endlich verteidige auch ich mal Donald Drumpf

Das ist keine einfache Entscheidung über die Gültigkeit der Scharia, das ist ein richtig großes zivilrechtliches und gar verfassungstheoretisches Fass, was da aufgemacht wird.

Spiel der Woche

Das da links ist Defend Your Trump, ein kleines Onlinespiel, in dem es darum geht, Trumps Geld vor diversen Einbrechenr und stehlenden Roboterklauen zu schützen. Unten steht ein stark idealisierter Donald Trump (vor seiner Präsidentschaft) samt einer Billion Dollar in praktischen Säcken, von oben kommen die Bösewichte und versuchen, ihm sein Vermögen Sack für Sack wegzunehmen. Der Spieler kontrolliert eine Dampframme, mit der die Schurken im wahrsten Sinne des Wortes plattgemacht werden können.
Als kleines Manko scheint der letzte Endgegner nicht besiegbar zu sein. Auf jeden Fall eine interessante Idee für ein Spiel, das trotz Promibezug mehr ist, als nur ein einfacher Klon bekannter Konzepte.
Defend Your Trump ist auf diversen Online-Spieleseiten spielbar, zum Beispiel bei Newgrounds. Es ist allerdings noch ein Flash-Spiel, was bei manchen modernen Browsern erst noch aktiviert werden muss.


Sieben am Sonntag 10.09.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Arpeggio of Blue Steel war eine sehr gute computeranimierte Animeserie über den Widerstand eines U-Bootes gegen eine mysteriöse Flotte, die die Weltmeere kurzerhand zur Sperrzone für alle menschlichen Schiffe erklärt hat, was für Länder wie Japan zu einer wirtschaftlichen Katastrophe wurde.
Eine Besonderheit der Serie war ihr Titelsong, der nicht allein steht, sondern zu dem ein komplettes Lied gehört. Das sprachliche Durcheinander ist dabei für japanische Liedtexte nicht untypisch, hier ist es mal Japanisch und Englisch, die Kombination mit Deutsch ist aber ebenfalls beliebt. Letzteres sieht man auch in der Serie, die hier und da Nietzsche-Zitate in der deutschen Originalfassung einsprengt.
Hier nun das komplette Lied mitsamt dem dazugehörigen Video, welches eine ganz andere Thematik angeht als der Anime, für den es produziert wurde.

Lesung der Woche

Komisch, der Text enthielt doch gar nicht das Wort "Hatschi" - BIld: Thomas Maria Claßen

Komisch, der Text enthielt doch gar nicht das Wort „Hatschi“ – Bild: Thomas Maria Claßen

Im Rahmen der Buchaktiv-Aktion in der Schauzeit gab es heute auch einen Nachmittag mit Lesungen. Neben Inge Jansen, Kirstin Grabowski, Karl-Heinz Thifessen, Thomas Maria Claßen und Arnold Küsters durfte auch ich hier aus meinem Kurzgeschichtenfundus vortragen und wählte dazu drei meiner Kurzgeschichten – zwei sehr kurze und eine etwas längere (Späte Rache, Invasiv und Schicht).
Das war eine sehr schöne Veranstaltung mit gutem Publikum und einer angenehmen Vielfalt an Lesenden. Für Buchaktiv das Highlight der Veranstaltung. Mal schauen, wann wir sowas wiederholen.
Das Buch dazu erscheint dann im Oktober, die Kurzgeschichtensammlung Stückwerk. Stückwerk ist nicht ganz eine direkte Übersetzung von How to Sing Butterflies als vielmehr dessen deutsches Gegenstück, in dem viele Geschichten übersetzt eingeflossen sind, aber auch neue Geschichten dazukommen.

Beleuchtung der Woche

Kerze in Form einer Hand, von der nach dem Abbrennen das Skelett übrig bleibt

Sehr handlich. Und nein, dafür werde ich mich nicht entschuldigen, egal, wie flach der war – Bild: Fancy/

De Vergänglichkeit von Kerzen hat nun ein Ende, denn von dieser Kerze bleibt ein Skelett zurück. Und zwischendurch blutet sie hübsch.
Is doch mal eine nette Idee, was man mit ein wenig rotem Wachs und einem nicht brennbaren Kern so machen kann. Perfekt für die anstehende Halloween-Vorsaison.
Aktuell 35 $ bei Fancy.

Rausschmiss der Woche

Heckler & Koch hat recht plötzlich seinen Vorstandsvorsitzenden gefeuert. Das allein würde es noch nicht in diese Liste bringen, was interessiert mich der Rausschmiss irgendeines Managers bei einem Rüstungskonzern.
Nein, wirklich interessant wird das erst im Kontext, der so richtig tief blicken lässt: Besagter Manager war es, der kurz zuvor öffentlich verkündete, die Firma wolle künftig keine Waffen mehr in Krisengebiete liefern.
Was andere als eine absolute Mindestanforderung an die ethische Verantwortung von Rüstungskonzernen sehen, galt intern wohl als geschäftsschädigendes Verhalten. Denn bei Heckler & Koch sieht man lieber Kinder sterben als Umsätze sinken. Schön, dass die das so deutlich klargestellt haben. Wie im Frmenmotto angedeutet: „Keine Kompromisse!“ Eigentlich schade, dass ich von denen als Nichtkunde nichts boykottieren kann.

Tierchen der Woche

Raupe des Buchen-Streckfußes

Haarige Rettung: Raupe des Buchen-Streckfußes

Schwalbenschwanzraupe

Schwalbenschwanzraupe in Farbe und bunt

Tagpfauenauge

Und mal ein Erwachsener hier: Tagpfauenauge

Irgendwie hatte ich eine kleine Insektenwoche, sepziell eine Schmetterlingswoche. Am Montag begegneten mir unterwegs gleich zwei Raupen in Not. Zunächst eine aus dem Baum gefallene Raupe des Buch-Streckfußes. Ich stellte später fest, dass ich richtig vermutet hatte, als ich sie in die nahe Buche setzte. So, wie sie sich sofort nach den Blättern streckte, als sie in die Nähe der Buche kam, schien mir das aber auch recht eindeutig.
Es folgte ein paar hundert Meter weiter eine sehr bunte Raupe, die auf dem Bürgersteig neben einer Blumenwiese lag. Diese tat ich einfach in die Wiese zurück. Sie stellte sich als schwer angeschlagene Raupe eines Schwalbenschwanzes heraus. So, wie sie aussah, hatte sie irgendetwas gestört, als sie grade dabei war, ihren Kokon zu bauen.
Und heute dann folgte ein wahrer Schwarm an Schmetterlingen. In den Brennnesseln der Dahler Oase waren die dort massenhaft auftretenden Raupen des Tagpfauenauges zu Faltern herangereift und saßen nun überall auf den Wegen herum, um sich zu sonnen.

Foto der Woche

Fotografie von Fotografen, die eine Katze fotografieren

Mau? – Bild: Pictures in History/Facebook via John Osinski

Wer eine historischer Persönlichkeit ist und wer nicht, nimmt manchmal kuriose Züge an. So war etwa Bill Clintons Katze Socks in den 90ern durchaus ein kleiner Medienstar. Was natürlich Aufmerksamkeit bedeutet und die mögen Katzen allgemein nur, wenn sie selbst entscheiden, wann ihnen diese zuteil wird. Entsprechend genervt stelle ich mir ihren Gemütszustand auf diesem Bild vor.

Fahrrad der Woche

Das darkste Einhorn seit langem - Bild: Deviantart/Easterforest92

Das darkste Einhorn seit langem – Bild: Deviantart/Easterforest92

Ich bin nicht sicher, ob Easterforest92 bei Deviantart Deutscher ist, aber das hier ist sein FP (Fahrradpanzer) 9. Die „Kühlerfigur“ ist ja schon so sehr hübsch, aber das kleine Detail mit den am Lenker angebrachten Zügeln ist noch mal eine schöne kleine Detailverliebtheit.


Schauzeit’n mer mal

Seit Samstag gibt es für einen Monat in der Ring-Passage (Friedrich-Ebert-Straße 53-55 in Rheydt) eine kleine Verweilbibliothek, gefüllt mit Werken von Schriftstellern aus ganz Mönchengladbach, betrieben von eben jenen Autoren.
Und hier ist ihre Geschichte.

Getane Arbeit, einladender Raum, unsere kleine Bibliothek

Getane Arbeit, einladender Raum, unsere kleine Bibliothek

Etwas Vorgeschichte

Ich glaube, es ist nun zwei Jahre her, dass sich für einen Monat drei Autoren aus Mönchengladbach in den Bestsellerlisten die Hand gaben. Charlotte Roche, Walter Moers und Rebecca Gablé waren das damals. Dadurch und bei der täglichen Recherche für eBooks für lau fiel mir das Potenzial der hiesigen Schriftstellerszene ins Auge. Und so entstand die Idee, dieses Potenzial in Form einer kleinen Verweilbibliothek zu präsentieren.
Der erste Gedanke lief auf einen großen Pavillon mit Regalen und Sitzgelegenheiten auf dem Eine-Stadt-Fest hinaus. Das sollte neben der Präsentation der Bücher auch dazu dienen, dieser etwas charakterarmen Veranstaltung mehr Besonderheit, mehr Bezug zur Stadt zu geben. Denn ich finde, ein solches Fest mit ausdrücklichem Bezug zu dieser und keiner anderen Stadt sollte mehr sein als ein Doppel aus „Fressmeile“ und Kunstmarkt. Es sollte ein Schaufenster der Stadt sein, auf dem es auch Dinge gab, die es anderswo nicht gab. Dazu sollte die Bibliothek Anstoß geben, zu einer Art Messe, die aber mehr Fest- als klassischen Messecharakter hatte.
2016 verpasste ich den Termin für eine Anmeldung, 2017 dagegen bot sich überraschend eine andere Möglichkeit: Die Schauzeit in Rheydt sollte wiederholt werden. Bei der Schauzeit erhalten Kreative für einen Monat ein leerstehendes Ladenlokal, welches sie dann mit Leben füllen. Das war erstmals 2015 durchgeführt worden und damals ein großer Erfolg. Einige blieben sogar, allen voran das Kollektiv in der Harmonie 20 mit Wohnaccessoires und Schmuck.
Der Vorteil der Schauzeit: Für einen geringen Betrag gab es nicht nur einen Platz und einen Kontext samt Werbung für die Maßnahmen, sondern auch noch ein festes Dach über dem Ganzen statt eines immer sehr wetterabhängigen Pavillons oder ähnlichem.

Fliegt, meine Hübschen, fliegt! - Bild: Schauzeit Rheydt

Fliegt, meine Hübschen, fliegt! – Bild: Schauzeit Rheydt

Das Kollektiv

Im Frühsommer begann ich, mir bekannte lokale Autoren anzuschreiben, ob grundsätzlich Interesse an so einer Aktion bestand. Die Reaktionen waren durchgehend positiv. Ich hatte damit gerechnet, dass viele kein Interesse daran hatten, ihre Werke frei zum Lesen zur Verfügung zu stellen, doch das war kein Problem. Im Gegenteil, das Angebot, hier auch einen Verkauf zu organisieren, ließ ich schnell wieder fallen – zu kompliziert, zu riskant, zu teuer und den regulären Buchhandel wollte auch niemand verärgern.
Auch wenn mir im Juli ein Fahrradunfall ins Konzept schlug, durch den ich zeitweise meine Arme kaum einsetzen konnte, wodurch ich einen Monat der Vorbereitung verlor, lud ich Anfang August zu einem ersten Treffen ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ein Dutzend Autoren kontaktiert, von denen 10 positiv geantwortet hatten. Sechs davon trafen sich am ersten Augustwochenende im Café van Dooren. Es war ein sehr angenehmes Treffen, bei dem wir entschieden, die Idee trotz der etwas knappen Zeit weiter zu verfolgen und weitere Kollegen zu kontaktieren.
Die Bewerbung des Projekts beim Quartiersmanagement Rheydt war da wegen der Fristen bereits rausgegangen. Ich hatte sie persönlich dort vorbeigebracht, wie ich es bei Empfängern im Stadtgebiet eigentlich immer tue. Dabei hatte ich mich auch schon mit der anwesenden Mitarbeiterin (Ich glaube, es war Birte Jürgens) unterhalten und sie war sehr angetan von dem Projekt, da es neben den anderen Schauzeit-Projekten etwas ganz anderes war, was es so noch nicht gab. Das sah die Jury der Schauzeit offenbar genauso und so erhielt das Projekt den Zuschlag und kam in einem Ladenlokal in der Ring-Passage unter, einer Verbindung zwischen der Friedrich-Ebert-Straße und einem Parkhaus an der Wilhelm-Schiffer-Straße.

Das Ladenlokal

30 Quadratmeter Glaskasten in einer Passage waren es, die wir da zugeteilt bekommen hatten. Zwar sind Standorte in Passagen immer schwierig, denn da muss ja überhaupt erstmal jemand reinkommen, aber dafür lag das Ladenlokal genau im Sichtfeld aller, die durch die Passage in Richtung Parkhaus wollten. Die große Glasfront und weite Doppeltür sorgten für eine einladend offene Atmosphäre. Einrichtung gab es nicht, wenn man eine Heizung an der Wand mal ignoriert. Nichtmal eine Tür zum kleinen Lagerraum war vorhanden, da gähnte das Loch eines einsamen Türrahmens.
Bei einem Besuch des Lokals mit Thomas Maria Claßen entstand dann das Konzept für den Raum: Er hatte noch ein paar Stühle da. Die klassisch-hässlichen weissen Plastikgartenstühle sahen zwar für sich nicht aus, aber wenn man sie mit Decken überwarf, wirkte das schon wieder ganz anders. Wegen der knappen Zeit führte das zu…

Tag X

Am 2. September war vieles noch im Fluss. Thomas Maria Claßen hatte Lesezeichen und Plakate entworfen sowie Aushänge für jeden Titel, der in der kleinen Bibliothek vorlag. Das war alles in einheitlichem Design mit der Wortmarke „Buchaktiv“ gestaltet worden. Inzwischen war die Gruppe auf 19 Leute angewachsen, obwohl ich definitiv noch einige anzusprechen vergessen oder verpasst habe, denn es gibt wie angedeutet wirklich viele Schreibende in und aus der Stadt. Eine Besonderheit war noch Günter Seuren, unsere einzige Leiche im Team, da ich in den Vorbereitungen erfuhr, dass eine Freundin von mir seine Nachlassverwalterin war. Ich hatte noch am Donnerstag zuvor eine kleine Tour durch die Buchläden der Stadt gemacht, um dort Werbematerial einzusammeln. Denn wir verkaufen schlussendlich nicht, aber wenn jemand ein Buch kaufen möchte, verweisen wir sie natürlich an den lokalen Buchhandel. Ebenfalls am Donnerstag zuvor trafen sich wiederum sieben Autoren für ein erstes Promofoto für die Schauzeit.

Wer halt grade rechtzeitig da war: Jutta profijt, Karl-Heinz Thifessen, Anja Wedershoven, ich selbst, Susanne Goga und Carsten Steenbergen - Bild: Barbara Schwinges/Quartiersmanagement Rheydt

Wer halt grade rechtzeitig da war: Jutta Profijt, Karl-Heinz Thifessen, Anja Wedershoven, ich selbst, Susanne Goga und Carsten Steenbergen – Bild: Barbara Schwinges/Quartiersmanagement Rheydt

Jedenfalls begann der 2. September früh. Um acht Uhr morgens fuhren Thomas und ich zu einer Scheune in Wanlo, um besagte Stühle zu holen. Und so trugen wir 22 alte Plastikstühle aus dem Dachstuhl einer Scheune die Treppen runter, staubten uns dabei gründlichst ein, verteilten sie in einem Pkw-Anhänger und verteilten sie im Ladenlokal. Das war alles erstmal hübsch hässlich, da galt es noch nachzuarbeiten. Es galt, Stühle zu putzen und jene, die gar nicht mehr in so einem Rahmen vorzeigbar waren, auszusortieren und für Notfälle (und Lesungen) in den Lagerraum zu stellen. Da waren dann auch Inge Jansen und Susanne Goga tatkräftig dabei.

Bevor eine Baustelle fertig wird, wird es halt immer erstmal hässlich

Bevor eine Baustelle fertig wird, wird es halt immer erstmal hässlich

Unterdessen machte sich Andrea Rings kurzfristig an einen Ersatz für die nicht ganz gelungene Idee mit den Decken: Sie schnitt aus Stoffen (ja, das sind in der Tat Reste von Vorhängen) Überwürfe für die Stühle und die als Beistelltische verwendeten Hocker zurecht. Das Ergebnis hat auf jeden Fall etwas sehr gemütliches, wohnzimmerhaftes. Was vermutlich auf die Vorhänge zurückgeht.
Regale gibt es keine, die Bücher verteilen sich über Stühle und Tische. Wer lesen möchte, nimmt sich ein Buch, legt die übrigen in den nächsten Stuhl und kann sich dann hinsetzen. Auch das trägt zur offenen Atmosphäre der kleinen Bibliothek bei.

Genug Lesematerial für alle und überraschend gemütliche Stühle, die perfekte Bibliothekseinrichtung

Genug Lesematerial für alle und überraschend gemütliche Stühle, die perfekte Bibliothekseinrichtung

Reaktion

Ich kann die Reaktionen einfach nur super nennen. Alle fanden die Idee gut, auch die Buchhändler. Die Bibliothek hat auf die Aktion verwiesen, ebenso die MGMG, natürlich die Schauzeit und noch einige andere (ich habe ehrlich gesagt irgendwann den Überblick verloren) und wir fanden eigentlich in jedem Artikel zur Eröffnung der Schauzeit noch einmal Erwähnung, eben weil wir herausstachen. Literatur hat als Kunstform das Manko, sich nicht so sehr für die Form der Galerie zu eignen, was einen solchen Ansatz zu einer Besonderheit macht.
So waren denn auch am Montag nach der Eröffnung die Rheinische Post und der WDR vor Ort. Der WDR brachte seine Aufnahmen am Rande eines Kurzberichts über die Gesamtveranstaltung Schauzeit unter (ab 12:50), die Rheinische Post brachte einen großformatigen eigenen Artikel zu der Bibliothek, nachdem sie am Tag zuvor schon über die Eröffnung der Schauzeit berichtet hatte.
Kommenden Sonntag wird es von 13 bis 17 Uhr Lesungen geben, da bin ich mal sehr auf die Resonanz gespannt.
Ich denke, wir Autoren werden nach dieser Aktion auf jeden Fall in Kontakt bleiben und sicherlich wird es in Zukunft auch mal wieder andere Aktionen und Treffen geben. Wie ich den Autoren schon in meinem Anschreiben sagte, was weitere Formate und Ideen innerhalb des Konzepts betraf: „Wir sind schließlich Kreative, uns fällt sicher noch mehr ein.“

Die Bibliothek der Mönchengladbacher ist im September jeden Mittwoch bis Freitag von 11 bis 18 Uhr, jeden Samstag von 11 bis 15 Uhr, am 09.09. (Blumensonntag) von 11 bis 18 Uhr sowie am 17.09. (Tag des offenen Ateliers) von 11 bis 15 Uhr geöffnet.
Die vertretenen Autoren sind Vera Anders (Belletristik), Thomas Maria Claßen (Krimi), Thomas R. Diehl (Science-Fiction und Sachbuch), Ansgar & Nadine Fabri (Krimi), Sabine Fischer (Romantik), Susanne Goga (Krimi), Kirstin Grabowski (Kinderbuch), Nicola Grosch (Kinderbuch), Inge Jansen (Romane zum Thema Sucht), Arnold Küsters (Krimi), Jutta Profijt (Krimi), Andrea Rings (Jugendroman), Günter Seuren (Belletristik), Carsten Steenbergen (Science-Fiction und Thriller), Karl-Heinz Thifessen (Historische Geschichten), Anja Wedershoven (Familienroman) und Moritz Wigand (Kolumnen). Dabei gewesen wären, wenn sie nicht aus verschiedenen Gründen verhindert gewesen wären, Rebecca Gablé, Fee Grupe, Paul Sonn und Karin Welters. Und ja, in Gladbach werden sehr viele Krimis geschrieben. Wobei man bei einigen auch Titel aus anderen Genres findet – Jutta Profijts Möhrchenprinz und Kirstin Grabowskis Grenzsteine einer Liebe etwa.


Sieben am Sonntag 03.09.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Eine französisch-japanische Zeichentrickserie an die ich mich aus meiner Kindheit noch gut erinnere und die aktuell einen Status als Kultklassiker erlangt, ist Ulysses 31. Die Serie verlegt Homers Odyssee in die ferne Zukunft des 32. Jahrhunderts, in der die alten Götter der Griechen über die Milchstraße herrschen.
Die Serie war sehr gut, abgeschlossen und hatte nicht zuletzt auch einen sehr guten Titelsong, dessen Langfassung heute hier Musik der Woche ist.

Samstag der Woche

Ladenlokal mit in Hussen gehüllten Stühlen, auf denen Bücher ausliegenAm gestrigen Samstag war es endlich so weit, die Bibliothek der Gladbacher ist unter dem Namen Buchaktiv – Die Bibliothek der Mönchengladbacher eröffnet. Es handelt sich um eine kleine Präsenzbibliothek, die 19 Autorinnen und Autoren aus dem Stadtgebiet oder mit biografischem Bezug zur Stadt Mönchengladbach präsentiert und von ihnen betrieben wird. Das ganze ist im Rahmen der Schauzeit in Rheydt auf den September beschränkt. Bei der Schauzeit werden Kreativen für einen Monat gegen einen kleinen Unkostenbeitrag vom Quartiersmanagement Rheydt leerstehende Ladenlokale überlassen, um dort ein Projekt umzusetzen.
Nun kann man sich in den Öffnungszeiten (Mi-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-15 Uhr, sowie 10.09. 13-18 Uhr) hinsetzen, in den ausliegenden Büchern schmökern und ein wenig die anwesenden Schriftsteller kennen lernen. Das Ladenlokal ist in der Ring-Passage, Friedrich-Ebert-Straße 53-55, zu finden. Wer aus Richtung Hauptstraße kommt, läuft quasi direkt darauf zu (in der Passage rechts halten).
Das war am Samstag morgen noch ein bisschen Hektik und Stress beim Aufbauen, aber die Reaktionen waren bisher durchgehend super und im Grunde war das Ganze jetzt schon ein riesiger Erfolg. Die Leute sehen einen ziemlich guten Ausschnitt der lokalen Literatur und lernen seine Bandbreite kennen und Schriftsteller aus der Stadt treffen sich zu einem gemeinsamen Projekt.
Ein voller Bericht von der Geschichte dahinter und der Eröffnung folgt noch. Bis dahin kann ich ja schonmal auf die Facebook-Seite des Projekts verweisen. Und natürlich auf das Projekt selbst in der Hoffnung, dort gemeinsam mit den anderen Beteiligten noch viele Interessierte begrüßen zu dürfen.
Konkret dabei sind neben mir selbst (alphabetisch nach Nachnamen): Vera Anders, Thomas Maria Claßen, Nadine & Ansgar Fabri, Sabine Fischer, Susanne Goga, Kirstin Grabowski, Nicola Grosch, Inge Jansen, Arnold Küsters, Vera Nentwich, Jutta Profijt, Andrea Rings, Günter Seuren, Carsten Steenbergen, Karl-Heinz Thifessen, Anja Wedershoven und Moritz Wigand.
Damit ist so ziemlich alles dabei, soweit ich das sehen kann, fehlen nur Erotika und Comic. Altersgruppen, Genres, Formate, Selbst- oder Verlagsverleger (wir brauchen echt ein Wort dafür), Zielgruppen, für alle ist was dabei.

Sonntag der Woche

Besucher pflücken im Garten Äpfel
In der Dahler Oase war heute Herbstauftakt nach dem meteorologischen Herbstanfang am 1. September. Am Tag zuvor war dieser bereits in der verschwisterten BergGartenOase, wo ich jedoch wegen der Bibliothekseröffnung nicht dabei sein konnte.
Es war erstmals eine wirklich gut besuchte Veranstaltung in dem noch in der Entstehung befindlichen Gemeinschaftsgarten. Besucher wurden mit Keksen und Kaffee, aber auch einer reichen Ernte aus den Apfel- und Birnbäumen belohnt, die dieses Jahr früh und stark gereift sind. Manche fotografierten oder lernten den Garten kennen, sprachen darüber, was da in Zukunft noch kommen wird und wie schön das ist, dass dort etwas passiert und die Kinder spielten im zum Garten gehörenden Waldstück. Ein sehr schöner Nachmittag, der das Potenzial dieses Projektes andeutete. Ich denke, da wird bald eine Menge passieren.
Was ich noch vor dem Besuch machen wollte, aber dann erst während der Veranstaltung machen konnte, weil der Besuch früher und zahlreicher erschien, als ich erwartet hatte, war der Zusammenbau einer Bank. Die Paletten lagen schon eine Weile auf dem Gelände rum, geschützt unter einigen Buchen. Heute hatte ich Schrauben, Winkel, Nägel und Werkzeug mitgebracht, um ein wenig zu zimmern.
Herausgekommen ist dabei die erste von voraussichtlich zwei Bänken (genug Holz für eine zweite ist noch da). Die angedeutete Lehne ist etwas zu weit hinten um wirklich zum Anlehnen zu dienen, aber alles in allem ist es als Bank erkennbar und somit besteht jetzt die Möglichkeit, in der Oase auch zu rasten.

Ein Stapel Paletten

Es war einmal ein Stapel alter Paletten…

Aus Paletten gefertigte einfache Sitzbank

… es ward eine Bank

Fahrradzubehör der Woche

Fahrrad als Zeltgerüst

Für Singles mit Schnellspanner – Bild: Topeak

Das ist der Topeak Bikamper in aufgebautem Zustand. Das Einpersonenzelt nutzt das Fahrrad als Ankerpunkt am einen Ende, während das abgeschraubte Vorderrad das andere Ende in Form hält. Dadurch wird Material und Gewicht gespart. Beim Aufbruch kommt das Zelt in einer kleinen Tasche am Lenker unter und das Fahrrad selbst wird wieder zusammengeschraubt. Mit Schnellspanner eine Sache von zwei bis drei Minuten.
Nicht schlecht als Alternative für einen Wohnwagen oder ein richtiges Zelt, aber natürlich nur für eine Person geeignet. Die sich wahrscheinlich auch nicht zu sehr im Schlaf wälzen sollte.
Preis so um die 200 €.

Erkenntnis der Woche

Die immer größere Speicherung von Informationen soll ja angeblich unserer Sicherheit dienen. Big Data und all so ein Unsinn in Zeiten des Algoritmen-Hypes. Nun, Heiko Maas ereilt da inzwischen eine ganz erstaunliche Erkenntnis: Wir wissen gar nicht, wie wir in dem ganzen Datenwust noch die relevanten Inhalte finden sollen!
Na gut, es gibt erstaunlichere Erkenntnisse. Aber immerhin ist der Wortlaut fast perfekt auf den Punkt:

Wenn zuviel gespeichert wird, wird es immer schwere, die wirklich relevante Information zu finden, und daher geht es auch darum, MEHR SICHERHEIT zu bieten, und das ist nicht der Fall, wenn einfach wild drauflos gespeichert wird, schon gar nicht, wenn es rechtswidrig ist.

Grünphase der Woche

In Tilburg im Süden der Niederlande beginnt ein interessantes Experiment: Fußgänger können mit Hilfe einer App die Grünphasen ihrer Ampeln verlängern. En ganz neuer Ansatz, der auch hierzulande willkommen wäre. denn hier werden Fußgänger ja in Form von Bettelampeln „Bedarfsampeln“ zu Bittstellern an den restlichen Verkehr gemacht.
Das gesündeste und sozialste aller Verkehrsmittel wird hier beinahe schon bekämpft.
In den Niederlanden dagegen weiss man: Kommt ein Auto in die Stadt, ist es dort Gast, das Oberhaupt des Ortes sind die Fußläufigen. Und bei aller Gastfreundschaft, als ast hat man klare Grenzen. Man übernimmt nicht das Haus des Gastgebers und drängt ihn in den Keller. Bildlich gesprochen.

Invasion der Woche

Oktopus

Dieser Blick weiss irgendwas – Bild: Sylke Rohrlach

Die Veränderung des Lebens in unseren Meeren hat seltsame Folgen. Während die jahrelange Zunahme der Quallen wohlbekannt und gut dokumentiert ist, breiten sich auch andere Meerestiere mit Tentakeln ungewöhnlich schnell und stark aus.
Es sind die Kopffüßer, die laut einem die Quelle sehr schlecht verweisenden Artikel bei Gizmodo den Weg eingeschlagen haben, die Ozeane zu übernehmen.
Warum, weiss wohl niemand so genau, aber Überfischung, sinkender pH-Wert der Meere in Folge des Klimawandels und weitere Faktoren (die meisten davon menschlich) verändern das Leben in den Meeren zur Zeit in unglaublichem Maße. Und weil wir Landlebewesen sind, bekommen es die wenigstens Menschen überhaupt mit.