Sieben am Sonntag 12.08.2018

Der wöchentliche Rückblick in sieben Kategorien. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag hier im Blog, mehr oder weniger. Weitgehend plastikfrei.

Musik der Woche

Bad Lip Reading ist ein Youtube-Kanal, der genau das macht: Filmausschnitte mit falsch von den Lippen der Figuren abgelesenen Dialogen nachzusynchronisieren. Manchmal kommt dabei auch Musik raus, so wie hier bei Bushes of Love. Und die ist in der Regel alles andere als schlecht, nur halt sehr bizarr. Vor allem Star Wars ist da ein beliebtes Ziel und ich hatte es nicht leicht, zwischen der textlichen Absurdität von Bushes of Love und der völlig unpassend fröhlichen Stimmung von Not a Moon zu entscheiden.

Nachrichten der Woche

Wie kommen die „Klimaskeptiker“ eigentlich an ihre schrägen Daten? Nun, wie man aus einem ziemlich eindeutigen Erwärmungstrend mit statistischen Tricks eine Abkühlung macht, zeigt das Blog Open Mind mit den Messdaten der USA. Das Ergebnis: Kompletter Quatsch, der aber mit korrekten Zahlen operiert. Nur halt mit einem schwer fehlerhaften Datensatz.
Unterdessen kommen zwei neue Quellen für die Luftverschmutzung, einschließlich der Treibhausgase,ans Tageslicht. Zum einen gibt es da die Erkenntnis, dass das eh schon katastrophale Fracking auch eine deutliche Luftverschmutzung mit sich bringt. Und weil das noch nicht reicht, stellt sich auch Plastik (insbesondere Mikroplastik) als Methanquelle heraus.
Wie ein wärmeres Deutschland aussehen wird, erleben wir ja grade: In großen Teilen trocken und verbrannt. Aber es gibt auch Tiere, denen das warme Wetter sehr zu Gute kommt. Der eigentlich sehr seltenen Süßwasserqualle etwa, von der ich durchaus ein Fan bin, die aber eigentlich andere Gewässer gewohnt ist. Sie benötigt tiefe Seen, die sich im Sommer schnell aufwärmen. Und diese Kriterien erfüllen diesen Sommer deutlich mehr Seen deutlich besser als früher.
Es ist dennoch gut, wenn etwa Edeka ein plastikfreies Pfandsystem in der Fleischteke anbietet. Ob das ausgerechnet im Fleischverkauf viel Sinn hat, kann man natürlich debattieren, aber es gibt halt in NRW gar keine militanten Veganer, nur ganz normale, die hin und wieder mal einen Sticker an eine Metzgerei kleben. Aber gut, dass wir das endlich mal geklärt haben!

Gefährlicher sind da schon einige Tendenzen der Digitalisierung. So gab es etwa in Venezuela einen Anschlag mit einer Drohne, an der ein Sprengsatz befestigt war.
Im US-Staat Georgia sind es eher die passiv-aggressiven Wahlmaschinen, die Mist bauen und so eine immer wieder wichtige Warnung liefern, solche Sachen einfach nicht elektronisch durchzuführen. Zettel kann man später nachzählen, elektronische Stimmabgaben sind schlichtweg nicht kontrollierbar.

Und zu guter letzt dieser Comic leider unbekannter Herkunft.

Geniestreich der Woche

Bälle!

Bälle!

Es gibt auf der Welt ein paar gemischte Sportarten, allen voran natürlich Mixed Martial Arts. Aber, so habe ich mich diese Woche gefragt, was wäre eigentlich, wenn man auch Ballsportarten mischen würde?
Das Ergebnis ist Ballball. Ein Spiel, in dem auf einem Feld zwei Mannschaften antreten, die beide unterschiedliche Ballsportarten spielen. Jede Begegnung ist anders und spannend, die Anforderungen an die Spieler sind enorm. Natürlich ist nicht jede Ballsportart mit gemischtem Ballsport kompatibel und es muss spezielle Regeln für die Ballübernahme geben, aber ich denke, Ballball könnte ein sehr spaßiger Sport werden.
Nun bin ich jemand, der Zuschauersport allgemein eher langweilig findet. Fußball und seine direkten Verwandten ganz besonders. Und das wäre bei Ballball wohl auch nicht groß anders, aber da könnte ich wenigstens nachvollziehen, was da an Strategien und wöchentlichen Begegnungen spannend und abwechslungsreich genug ist, um sich darüber ständig zu unterhalten.
Los, mach das jemand! Und wenn auch nur als Videospiel.

Politik der Woche

Eine ruhige Sommerwoche ist für mich Grund genug, statt der üblichen Politik etwas praktisches hier reinzusetzen: Wir machen vom Verein Transition Town MG (oder offiziell „Mönchengladbach im Wandel e.V.“) ein VHS-Seminar zum Thema Upcycling mit diversen Praxisbeispielen.

Wortgeschmeide der Woche

Ich habe keine Ahnung, warum ausgerechnet das Jahr 2030 als Symbol für Die ZukunftTM gilt, aber es ist offenbar die Role, die diese Jahreszahl jetzt hat. Früher war das ja 2000, aber das funktioniert aus offensichtlichen Gründen nicht mehr.
Zu großen Teilen sind die garndiosen Bücher über Die Welt Der ZukunftTM verschwunden. Bücher, die die ständige Verwendung alberner TMs rechtfertigen, voll mit Visionen einer Welt, die offensichtlich nie kommen wird. Die waren großartig.
Der Brockhaus-Verlag hat sich nun daran versucht. Das Ergebnis reicht nicht an die Titel der 70er und 80er heran, aber es ist ein ganz guter Versuch, die (hauptsächlich politische) Zukunft vorherzusagen. Ein bisschen mehr technische Abgefahrenheit hätte allerdings nicht geschadet. Aber dafür braucht man wohl Michio Kaku und Elon Musk. Wobei Elon Musk eigentlich nur die Titel aus den 70ern umzusetzen versucht. nein, Hyperloop und autonome Autos sind keine neuen Ideen. s ist wirklich alte Science-Fiction.
Wo war ich? Ach ja, Brockhaus 2030. Ist gut.

Fotos der Woche

Diesen Mittwoch im Bahnhofskiosk

Diesen Mittwoch im Bahnhofskiosk

Zu meinem Beitrag über das erste Jubiläum von Extra Extra nahm ich dieses Foto vom Kinderheftregal im Bahnhofskiosk auf. Ich denke, das Foto ist eien Wiederholung wert, es ist ein so perfekter Ausschnitt unserer gegenwärtigen Plastikkultur. Endlos Plastiktüten, die allein zum Wegschmeissen gedacht sind, um ein nicht verrottendes Objekt (ein Heft), wo ein einfacher Klebestreifen oder -tropfen reichen würde, um die jeweiligen Beilagen auf den Heften zu befestigen. Und alles in knallbunt.

Die heutige Ankunft in der Dahler Oase brachte eine Überraschung mit sich: Mitten auf dem Weg lag ein etwa vier Meter langer Ast der in sechs Metern Höhe aus dem großen Birnbaum ausgebrochen war. Das muss bei den Sturmböen am Mittwoch oder Donnerstag geschehen sein, als es auch zum ersten Mal seit Wochen endlich wieder regnete.
Den Ast haben wir dann heute auseinandergenommen und die Birnen „notgeerntet“ – über 20 kg waren mit dem Ast runtergekommen. Die müssen nun nachreifen, denn diese Birnensorte wird erst im September reif.

Videos der Woche

Die LegoMagazine brachten diese Woche zwei Minifiguren mit sich: Zunächst Owen Grady in Lego Jurassic World 2 mit einem Aussichtsstand dabei und dann, etwas puristischer, Obi-Wan Kenobi in der Version aus Episode II in Lego Star Wars 39. Zwecks Abwechslung habe ich dazwischen noch ein herrlich beklopptes Modell von Best Lock vorgestellt, das angeblich einen Raptor darstellen soll. Na, wenn sie meinen…

Für Fiction Science habe ich mich inzwischen für einen Rytmus entschieden. Es wird künftig immer Sonntag abend neue Videos dort geben. Für die nächste Zeit immer zwei. So werde ich nach dem Schreiben dieses Blogbeitrags die Videos zu Stygimoloch und den Sauropoden in Jurassic World fertigschneiden und hochladen.
Die Woche drauf geht es dann um Haie, dann Star Wars und dann geht es für zwei weitere Folgen zurück nach Jurassic Park/World.


Extra Extra wird 1!

Am 9. August 2017 ging das erste Video meines Kanals Extra Extra online. Seitdem hat sich dort viel getan und verändert, es gab ein langes Auf und Ab und heute sieht der Kanal völlig anders aus, als ich noch vor einem Jahr erwartet habe. Also, gehen wir zum Jubiläum auf die Reise!

Inhalte: Von Experimentierkästen zu Lego

Ich habe offenbar nie die Geschichte hinter der Entstehung des Kanals erzählt. Denn auch wenn er als Kanal für Heftbeilagen gestartet ist, war das nicht die ursprüngliche Idee.
Die ursprüngliche Idee war ein Kanal für Lernspielzeug, sprich Experimentierkästen und ähnliches. Das Konzept lief auf eine Beratung für Eltern hinaus, was die Produkte ihren Kindern beibringen könnten und ob sie dies gut machten. Allerdings sind die erhältlichen Experimentierkästen alle extrem gleich, es gibt nur relativ wenige Formate, die immer wieder neu aufgelegt werden. Das ist schade und macht es nicht einfach, genug Videos zu produzieren.
Und hier kamen die Heftbeilagen ins Spiel. Von denen gibt es gegenwärtig nicht wenige, wie ein Blick in den nächsten Kiosk, vor allem Bahnhofskiosk, beweist. Oder auf ein Foto des Bahnhofskiosk, das an dieser Stelle ohnehin folgt.

Ich bin im Schreiben des Artikels aufgestanden, zum Bahnhof gefahren und habe dieses Foto gemacht. DAS ist journalistische Integrität!

Ja, ich bin im Schreiben des Artikels aufgestanden, zum Bahnhof gefahren und habe dieses Foto gemacht. DAS ist journalistische Integrität!


Der Gedanke war der, dass dies ja relativ nah an den Lernspielzeugen ist und einige der Hefte sicherlich auch solche dabei haben. Nunja. Hin und wieder gibt es zwar auch solche Sachen, aber das meiste ist halt billigster Plastikkram aus China, der schnell mit einem Aufkleber versehen und dann nacheinander verschiedenen Heften beigelegt wird. Jetzt grade liegt eine Ausgabe der Drei ??? an den Kiosken, bei denen auf einem Teil der Hefte das Logo des Magazins zur Sendung mit der Maus auf der Beilage klebt.
Aber immerhin war so Material da, um jede Woche mit 4-6 neu erschienenen Heften zu füllen. Ich startete also damit, wöchentlich ein Video herauszubringen, das die Beilagen der Woche besprach. Auf diese oft „Extras“ genannten Beilagen bezieht sich auch bis heute der Name des Kanals.
Bereits in der dritten Woche war ich so bei Beilage 22 angekommen und die Sachen begannen, sich zu wiederholen. Den Ausschlag gab der vermaledeite Fidget-Spinne,r der zu diesem Zeitpunkt grade aus der Mode kam und in 1-Euro-Shops verramscht wurde. Das und die zunehmende Länge der Videos brachten damals eine Änderung mit sich: Von diesem Moment an würde ich nur noch ausgewählte Extras besprechen, über die es auch genug zu sagen gab, um ein Video zu drehen. Und jedes Extra würde statt der bald halbstündigen Sammelvideos sein eigenes Video bekommen. Damit endete die Dokumentation des Projekts hier im Blog aber die Videos gingen weiter.
Und bald zeichnete sich ab, dass der Inhalt des Kanals in eine klare Richtung lief: Lego.
Der Grund war ein recht einfacher: Die Lego-Hefte waren die einzigen Hefte, die zuverlässig hochwertige Beilagen hatten, über die sich zu sprechen lohnte. Der erneute Tod der Yps und die qualitativ nicht so pralle Entwicklung der Micky Maus zementierten diesen Trend. Die anderen Sachen schrumpften sehr schnell weg und da es praktisch jede Woche ein neues Lego-Heft gibt, musste ich mir um fehlende Inhalte keine Sorgen machen.
Natürlich versuchte ich, den Kanal weiterzuentwickeln. Im Dezember etwa nahm ich eine Reihe von Experimentiersets unter die Lupe. Das kam aber nicht besonders an. Auch die Versuche, wenig besprochene Sets von Lego-Konkurrenten vorzustellen, liefen eher mittelprächtig, das werde ich aber ab und an noch im Kanal einstreuen. Die Schleich-Dinos sind auch kein sonderlich populäres Thema, aber die halte ich aus eigenem Interesse an den Figuren noch im Kanal.

Besucher und Geld und so

Der Kanal wuchs nach dem Umstieg zunehmend an Abonnenten, Ansichten und Werbeeinnahmen. Als im Dezember mein zu dieser Zeit als Kamera verwendetes Handy kaputtging, hatte er sich auf eine Ausgaben-Einnahmen-Bilanz nahe Null hochgearbeitet. Bei anhaltendem Trend wäre er im April oder Mai profitabel geworden.
Doch dann ging eben mein altes Handy kaputt. Erst drei Wochen später konnte ich ein neues kaufen und dessen Kamera war vollkommen unbrauchbar. Und dann kam eine Mail von Youtube, dass die Bedingungen für die Fähigkeit verändert wurden, mit seinen Videos Geld zu verdienen. Es hieß, man wolle in Zukunft stärker auf die Kanäle schauen, die Werbung schalteten und dafür in Zukunft menschliche Tester die Kanäle überprüfen lassen. Doch dafür sollten die Bedingungen erschwert werden, um die Zahl der zu überprüfenden Kanäle begrenzt zu halten. Nur leider waren davon auch Kanäle betroffen, die bereits für Werbeschaltungen freigegeben worden waren — obwohl diese nach vorherigen Aussagen Youtubes auch schon von Menschen überprüft worden waren. Meiner zum Beispiel.
Plötzlich sollte ich neben den bereits erbrachten 10.000 Videoansichten zusätzlich 1.000 Abonnenten und 4.000 Stunden jährliche Sendezeit zusammenbekommen.
Und die Nachricht kam genau zu dem Zeitpunkt, als ich überlegte, in eine Kamera zu investieren. Denn mein Kanal erfüllte diese Anforderungen nicht, Youtube würde mir also bald mein Einkommen aus den Videos wegnehmen. Das hat mich etwas sehr desillusioniert und enttäuscht. Verstanden habe ich es bis heute nicht, da sich Google als Youtubes Besitzer damit meines Erachtens nur ins eigene Knie schießt, denn die schalten dann ja weniger Werbung.
So kam es also zu einer Unterbrechung des Kanals. Im Laufe der Monate fiel mir aber auf, dass die Abozahlen stabil blieben und immer noch neue Abonnenten hinzukamen. Und so entschied ich mich, dass die Anforderungen von Youtube vielleicht doch noch erreichbar waren. Ich stellte ein Video ein, das die Situation erklärte und begann wieder, Videos aufzunehmen.

Nach diesem Bruch war das Wachstum natürlich deutlich langsamer und ich musste mich wieder auf die vorherigen Zahlen hochkämpfen. Aktuell bin ich bei exakt 63 Videos, 300 Abonnenten, knapp 2 Millionen Videoansichten und 500 Stunden jährlicher Sendezeit. Ich gehe davon aus, dass ich Anfang 2019 wieder Werbung schalten kann, bis dahin ist das ein reines Passionsprojekt.
Ich werde weiterhin versuchen, den Fokus der Videos zu erweitern, aber die Lego-Hefte sind zur Zeit die Hauptattraktion. Was keine Beschwerde ist, Lego ist immer gut. Mal sehen, wo es in Zukunft hingeht.

Videodreh

Am Anfang habe ich recht aufwendige Videos gemacht, mit Schnitten, Einspielern, manchmal sogar Effekten. Es gab ein Intro und ein eigens gestaltetes Vorschaubild.
Inzwischen hat sich das alles deutlich verkürzt: Wenn ich ein Video für Extra Extra drehe, lege ich in der Regel die Requisiten bereit,richte die Kamera aus, schalte die Kamera ein und fange an, zu reden. Das Ergebnis ziehe ich dann in ein Programm zur Videobearbeitung, wo es für Youtube mit einem 20 Sekunden langen statischen Bild am Ende versehen wird, bevor ich das zu diesem Zeitpunkt 1-3 GB große Video mit Hilfe eines Programms namens Handbrake auf eine Größe von 100-200 MB komprimiere. Und dann lade ich das Ergebnis auf Youtube hoch. Als Stativ für die Kamera nutze ich übrigens immer noch einen Selfie-Stick für einen Euro, den ich in einem alten Rucksack fixiert habe. Das funktioniert super.
Alles in allem etwa 20 Minuten Arbeit und eine Stunde warten, während der Computer arbeitet. Ja, Extra Extra ist das mit Abstand am wenigsten aufwendige Format, das ich bediene. Keine Drehbücher, so gut wie keine Nachbearbeitung, einfach nur Kamera an und reden. Deutlich schneller und einfacher als Formate, bei denen ich separat aufgenommenen Ton nachher mit Bildern versehe. Gleichzeitig ist es das erfolgreichste, was übrigens im Videobereich gar nicht mal so selten ist.
Was eine mögliche übergreifende Geschichte angeht, so kommt die hin und wieder auf, aber das entwickelt sich beim Einsprechen spontan und organisch. Mal sehen, wo der Aufbau meiner Roboterspinnenarmee noch hinführt. Momentan denke ich an einen Jubiläums-Brickfilm oder sowas. Nicht dieses Jahr, aber irgendwann.
Ich bin aber auch mit der Zeit deutlich geübter geworden, was die Erstellung und Bearbeitung von Videos sowie das Sprechen bei der Aufnahme angeht. Ich denke, Extra Extra war wichtig, damit ich das flüssige Sprechen für meine Kurzgeschichten und Fiction Science erlernen konnte. Diese wiederum sind deutlich aufwendigere Formate und grade von Fiction Science erhoffe ich mir mittelfristig auch größeren Erfolg.

Aber jetzt erstmal: Auf das erste Jahr mit Youtube (auch in Hoffnung auf eine künftige Alternative), auf das erste Jahr Extra Extra und auf viele erfolgreiche weitere Jahre. Prost!


Sieben am Sonntag 05.08.2018

Der wöchentliche Rückblick in sieben Kategorien. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag hier im Blog, mehr oder weniger. Und manchmal haben sie hitzefrei

Musik der Woche

Diesmal ist die Musik der Woche keine musikalische Auswahl, wobei der Song auch nicht schlecht ist.
Dies ist eine Erinnerung an Burkhard Lueneberg, von dessen Tod ich wenige Minuten nach dem letztwöchigen Beitrag erfahren habe. Burkhard war ein Jahr lang mein Bürokollege beim WDR. Ein positiver Mensch mit viel Humor, mit dem es immer sehr kurzweilig war.
ich wünsche seiner Familie und seinen Freunden alles Gute in dieser schweren Zeit.

Nachrichten der Woche

klimaflucht-langFangen wir mit diesem Statement von Ricarda Lang an. Ich finde das sehr gut. Leute, die Migration und Flucht nicht unterscheiden oder die Konsequenzen unserer eigenen Lebensweise nicht sehen wollen können halt nicht.Denn ja, am Ende sind es die westlichen Nationen, die für den Untergang der kleinen Inselstaaten verantwortlich sind. Zunehmend natürlich auch die aufstrebenden Länder Asiens, aber zuallererst Nordamerika und Europa. Wobei ich jetzt auch sagen muss, dass ich Seenomadentum als Konzept gar nicht so schlecht fände. Mich erstaunt es ehrlich gesagt, dass es bis dato keine nennenswerte Zivilisation zur See gab. Aber für die Insulaner gibt es im Moment eben nur zwei Optionen: Migration oder Schwimmen (also, auf Schiffen und Plattformen, nicht wie im Mittelmeer).
Warum es in Europa und insbesondere im zunehmend stur agierenden Deutschland nicht vorankommt mit der Umsetzung neuer Technologien, dafür liefert Andreas Scheuer ein anschauliches Beispiel: Weil es wichtiger ist, die den Fortschritt verschlafende heimische Industrie zu schützen, als endlich voranzukommen. Scheuer scheint die deutschen Ingenieure ja für überaus unfähig zu halten.
Dabei funktioniert das doch anderswo in Deutschland so gut mit der Service-Kultur. Etwa beim Verfassungsschutz, von dem es für die AfD offenbar freundliche Tipps gab, wie man seine Partei aus dem Verfassungsschutzbericht raushalten kann. So nett!

Nicht verwandt, wahrscheinlich nicht verschwägert - Bild: Pedilio

Nicht verwandt, wahrscheinlich nicht verschwägert – Bild: Pedilio


Und fortschrittliche Ideen aus Deutschland gibt es ja auch, man müsste sie nur endlich mal besser unterstützen, statt ständig den in ihrer Kreativität erlahmten Großkonzernen alles Geld in den Rachen zu schütten.
Das da oben zum Beispiel ist Pedilio, eine Mischung aus Velomobil und Solarauto. Es ist zudem eines der wenigen Modelle, bei deren Entwicklung neben Effizienz auch die Alltagstauglichkeit im Vordergrund stand, die also etwas höher sind, einen leichten Einstieg bieten und viel Stauraum vorhalten.
Es hat Ähnlichkeit mit einer Leitra, wenn man sie mit einem Smart kreuzt. Im Velomobilmarkt ist sie ein recht einmaliges Fahrzeug und bereichert den etwas leeren Markt der Alltagsvelomobile für den mit dem Liegerad etwas unübersichtlichen Stadtverkehr.

Ich merke schon, bei dem Wetter ist euch das alles zu trocken. Da muss man quasi ständig duschen. Okay, hier ist für diese Gelegenheit ein Videospiel zum Thema, dessen Beschreibung alles sagt: „Rinse and Repeat is a steamy first person showering game about giving a hunk a helping hand.“ Jepp, ein Einseifsimulator mit diesem sympathischen Herrn:

Und jetzt kann sich bei mir keiner mehr über Sexismus in Videospielen beklagen

Und jetzt kann sich bei mir keiner mehr über Sexismus in Videospielen beklagen, weil das keine Frau ist

Geniestreich der Woche

Ich hätte definitiv ein Bild davon zeichnen sollen,wie ich mir spontan ein Bifidobakterium vorstellte. Die Idee war eine Bakterie (Bakterium),die mit zwei (bi) kleinen Hündchen (Fido) Gassi geht. Leider wurde meine Vorstellugn recht schnell von der Realität eingeholt, dass es sich um eine Gattung von Bakterien handelt, die gespaltene Enden haben. Wobei sie mit diesen lustigerweise doch wieder genau so aussehen, wie ein Kauknochen für Hunde.
Ersatzweise hier ein Welpe,der mit einem Ball spielt:

Bild: Pixabay (Public Domain)

Bild: Pixabay (Public Domain)

Politik der Woche

Im grunde habe ich das politische Vorhaben der Woche hier im Blog ja schon geteilt. Die Überlegungen zum Radschnellweg Mönchengladbach-Roermond finden sich hier.
Übrigens nenne ich das Projekt wegen seiner Stellung im Gesamtnetz und seiner internationalen Natur für mich Het Hartdeel, eine direkte niederländische Übersetzung des deutschen Begriffs „Herzstück“, der so im Niederländischen (meines Wissens) nicht existiert. Quasi eine direkte Symbiose zwischen den Sprachen.

Wortgeschmeide der Woche

Diese Woche begeben wir uns mal in die Welt des Comics, speziell des japanischen Comics oder Manga. Für das volle internationale Flair gibt es das dann noch in einer italienischen Übersetzung, denn die wenigsten meiner Leser können wohl Japanisch.
Thermae Romae erzählt von einem römischen Zeitreisenden, der im heutigen Japan landet und von den technischen Errungenschaften der Gegenwart überwältigt ist. Und dann versucht er, diese Errungenschaften (speziell eine japanische Badeanstalt) an das ihm bekannte Alte Rom anzupassen, also alles mit einfacher Mechanik und Sklaven umzusetzen.
Manche Menschen sagen, die Industrielle Revolution habe im Grunde die Sklaverei ersetzt. Was damit gemeint ist, illustriert Mari Yamazaki sehr schön, indem er es kurzerhand wörtlich nimmt.
Es existiert eine Zeichentrick- und eine Spielfilmadaption. Alle Versionen der Geschichte sind empfehlenswert.

Foto der Woche

In der Dahler Oase hat die Erntesaison begonnen, den Anfang machen Brombeeren und Zuckerbirnen, aber auch die ersten Birnen der Sorte Köstliche von Charneux sind dieses Jahr überraschend früh reif (allerdings nur die Exemplare, die in direkter Sonne hingen). Und da es beim gegenwärtigen Wetter nichts zu pflanzen gibt, bestehen die Tage in der Oase zur Zeit nur aus Wässern und Ernten.
Das im Bild ist nur meine Ernte, die etwa ein Viertel der Gesamtmenge ausmacht.

Videos der Woche

Das war nicht ganz der Plan, aber diese Woche beschränkt sich das Youtube-Angebot aufein neues Lego-Video zur Minifigur Jet Jack im letzten Ninjago-Magazin.

Nein, ich funktioniere bei dem aktuellen Wetter absolut nicht gut. Aber die weiteren geplanten Videos kommen noch, keine Hoffnung Sorge.


Radschnellweg Niederrhein

Seit ein paar Wochen bin ich an der konkreten Planung eines Radschnellweges zwischen Mönchengladbach und Roermond. Die Pläne habe ich schon länger im Kopf, aber momentan kommt Bewegung in das Thema und so habe ich mich entschieden, das endlich anzugehen. Und jetzt ist so viel Bewegung drin, dass ich dies schneller tun muss, als ich gedacht hatte. Denn die Presse berichtet über die Vorhaben, mischt dabei hin und wieder verschiedene Überlegungen zusammen und bringt dadurch eine starke Eigendynamik rein, die zu ganz anderen Ergebnissen führen kann.

Karte modifiziert vom KSTA

Karte modifiziert vom KSTA

Die Karte des Kölner Stadtanzeigers ist die mit Abstand beste, die ich gefunden habe, daher habe ich diese als Grundlage für diese Weiterantwicklung genommen. Sie stammt aus diesem Artikel, weshalb die Wege um Köln besonder betont sind. Ignoriert das, es ist der Preis für meine Notlösung. Ich bin selbst einfach nicht sonderlich gut mit Grafik.
Jedenfalls habe ich dort die Projekte aus Mönchengladbach (einschließlich MG-Roermond) in grün eingetragen und sinnvolle Fortführungen dieser Projekte ausserdem in blau ergänzt. Alles nur grob, nehmt das nicht zu genau. Wie gesagt, nicht so gut mit Grafiken.

Der wichtige Punkt ist, dass man die Funktion der Gladbacher Projekte im Gesamtnetz sieht. Hier entsteht potenziell ein zentraler Knotenpunkt, der RS1 (Ruhrgebiet), das Projekt in Düsseldorf und mittelfristig auch das Aachener Netz zusammenführt. Andere Knotenbereiche sind auch sinnvoll (Köln und Aachen scheinen ähnlich zu konzipieren), aber das ist jetzt nicht der Punkt. Hier geht es um den Bereich Mönchengladbach. Ebenso nicht auf der Karte sind diverse auf der Ebene der Städte geplante Vorhaben wie Kleve-Venlo. Ich kenne bei weitem nicht alle davon. Und auch sonst hat niemand eine Gesamtübersicht, was durchaus ein Problem ist. Da komme ich später zu.
Also dann:

RS Niederrhein-West

Radwegenetz MG im Masterplan Nahmobilität der Stadt. Radschnellwege in grün und blau-grün. Etwas unübersichtlich für Rot-Grün-Blinde, ich weiss

Radwegenetz MG im Masterplan Nahmobilität der Stadt. Radschnellwege in grün und blau-grün. Etwas unübersichtlich für Rot-Grün-Blinde, ich weiss


Mönchengladbach plant mit den Verbindungen nach Krefeld und Neuss sowie einer internen Verbindung von der Innenstadt ins vorgelagerte Rheindahlen ein recht gut zusammenhängendes Netz. Das ist ein großer Unterschied zu den oft zusammenhanglosen Planungen des Landes und ein großer Vorteil.
Doch ein attraktives Nahziel fehlt in der Liste der Verbindungen noch: Das niederländische Roermond, Partnerstadt von Mönchengladbach in direkter Grenznähe. Und dazwischen liegt eine Reihe von Orten, die stark an diese beiden Großstädte angebunden sind. Viele Einwohner im deutschen Grenzort Elmpt pendeln täglich in jeweils eine der beiden benachbarten Großstädte und Wegberg ist für viele Mönchengladbacher beliebtes Ausflugsziel.
Damit wird die Streckenführung über Wegberg und Elmpt (plus Niederkrüchten, das einfach davon profitiert, auf dem Weg zu liegen) die sinnvollste für eine solche Westverbindung in die Niederlande.
Dazu kommt das Ausbaupotenzial dieser Strecke. Denn auch für Roermond gibt es hier eine sehr attraktive Aussicht. Und hier kommt dann Brüggen ins Spiel. Wer sich die Karte anscheut, dem fällt vielleicht ein nördlicher Arm des grünen Weges auf. Dieser endet bei Brüggen. Und dann schließt sich ein blaues Stück an. Das blaue Stücke läuft von Brüggen über Nettetal nach Venlo. Dazu muss man wissen, dass die Provinz Limburg noch nicht im niederländischen Netz von Radschnellwegen berücksichtigt ist. Venlo-Maastricht-Aachen gilt als „vielversprechende Route“, aber mehr bisher nicht. Die beiden niederländischen Großstädte und die dazwischen liegenden deutschen Kleinstädte hätten mit einer solchen Verbindung viel zu gewinnen.
Das niederländische Netz ist überraschend zerstückelt. Unten rechts Limburg mit Venlo (V), Roermond (R), Maastricht (Ma) und Aachen (A) - Bild von fietssnelwegen.nl

Das niederländische Netz ist überraschend zerstückelt. Unten rechts Limburg mit u.a. Venlo (V), Roermond (R), Maastricht (Ma) und Aachen (A) – Bild von fietssnelwegen.nl

In älteren Überlegungen hatte ich den Weg noch durch das ehemalige JHQ führen wollen, das seit dem Abzug der NATO leersteht und über große Straßen verfügt, die schnell umzunutzen wären. Die Verbindung wäre auch kürzer gewesen. Aber hier gab es immer das Problem mit dem Durchfahren von Naturschutzgebieten.
Nun gibt es Überlegungen aus Wegberg, sich an den Radschnellweg nach Rheindahlen anzuschließen. Das ist nicht nur politisch günstig. Wegberg stellt zwar einen klaren Schlenker dar, aber es ist für Fahrende in diesem Bereich ein attraktives Ziel, dessen Anbindung lohnt. Zudem kann eine Führung über Wegberg die Naturschutzgebiete umgehen und es gibt eben bereits eine sehr günstig gelegene Planung bis Rheindahlen, an die man das nahtlos anschließen kann.

Elmpt ist fast schon geborener Übergangspunkt für einen solchen Weg. Die dortige Roermonder Straße führt auf einem graden Stück ohne irgendwelche Anwohner ab Elmpt bis ins zu Roermond gehörende Dorf Swalmen. Sie liegt direkt neben der Autobahn und führt sogar auf den selben Grenzübergang wie diese. Es gibt also schlichtweg für den Großteil dieser Straße keinen Grund, warum sie von Autos befahren werden sollte. Sie kann mit Leichtigkeit in einen Radschnellwegeabschnitt umgewandelt werden.
Geht das nicht,so hat Elmpt dort auch noch einen ehemaligen Militärflughafen, der mehr als genug Platz für ein solches Vorhaben bietet und als Flughafen auch noch absolut eben ist. Elmpt ist als Anschlusspunkt schlichtweg perfekt.

Die Überlegungen bei Dalheim

Wegbergs Bürgermeister Stock kam in den letzten Wochen mit der Überlegung in die Presse, einen Radschnellweg Dalheim-Roermond zu bauen. Das hat einige Hintergründe, etwa die Befürchtung, dass die dortige Bahnverbindung reaktiviert werden könnte und dann bald auch Güterzüge fahren. Tatsächlich will die private Euregiobahn die Strecke für ihre Rurtalbahn (Verbindung Mönchengladbach-Dalheim) reaktivieren. Dann gäbe es eine direkte Bahnverbindung Mönchengladbach-Roermond. Dass das absolut im Interesse Mönchengladbachs liegt, dürfte offensichtlich sein. ich muss um Offensichtliches nicht herumdiplomatieren, es ist so.
Hinzu kommt, dass Dalheim kein attraktives Ziel ist. Sorry, es ist ein recht zufälliges Dorf, in dem der Weg hier enden würde. da hat niemand was von. Auch Dalheim nicht. Wobei ich zugeben muss, Dalheim wäre ein möglicher Brückenkopf für eine Verbindung Roermond-Heinsberg-Aachen.

Aber da sind wir auf ein zentrales Problem der aktuellen Planungen und Überlegungen von Radschnellwegen gestoßen: Viele der Planungen sind relativ sinnlose Kleinstverbindungen von 5-6 Kilometern, die in keiner Weise ein zusammenhängendes Netz ergeben. Roermond-Dalheim wäre dafür exemplarisch.
Das ist meines Erachtens kein durchdachtes Vorgehen. Radschnellwege müssen koordiniert angelegt werden, zum Nutzen aller anliegenden Gemeinden und als Teil eines größeren Netzes. Dann kann man die Verbindung Dalheim möglicherweise sogar sinnvoll einbetten, aber momentan sehe ich darin wenig bis keinen Sinn. Es ist einfach zu klein und zu abseits. Dalheim müsste aufpassen, dass diese Verbindung nicht zu einem Strohhalm wird, aus dem Roermond kräftig Wirtschaftskraft absaugt.
In meiner Karte ganz oben gibt es eine blaue Verbindung nach Süden. Das ist Wegberg-Heinsberg-Aachen, wieder eine Verbindung zentraler und untereinander wettbewerbsfähiger Ortschaften, zwischen denen eine großräumige Verbindung sinnvoll ist und von der alle profitieren.

Weitere sinnvolle Verbindungen

Sieht man sich ganz NRW an, fallen ein paar Verbindungen auf, die nach Fertigstellung der aktuell geplanten Wege zentrale Bedeutung erhalten müssten.
Düsseldorf-Wuppertal-Hagen-Dortmund ergänzt den RS1 und bindet die hervorragenden Einrichtungen in Wuppertal (Nordbahntrasse) ins Netz ein.
Bonn-Köln-Düsseldorf-Duisburg ist eine naheliegende Verbindung der rheinischen Großstädte, die zu großen Teilen in Form des Rheinuferweges vorhanden ist, der nur aufgewertet werden müsste.
Krefeld-Duisburg ist ein relativ kurzes Stück, welches eine durchgehende Verbindung von Hamm bis nach Aachen ermöglichen würde. Die beiden Städte haben auch heftigen Pendelverkehr, den man damit reduzieren könnte.
Dass Bielefeld und vor allem Deutschlands „Fahrradhauptstadt“ Münster nicht in das Netz eingebunden sind, ist mir unerklärlich.
Sieht man sich das alles an, wird klar, wo in Zukunft die zentralen Knotenpunkte im überörtlichen Radverkehr in NRW liegen. Von Westen nach Osten: Aachen, Mönchengladbach, Düsseldorf, Köln, Dortmund. Boom-Regionen der Zukunft.