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Zeit für ein Experiment: Schon länger will ich in den eBook-Markt einsteigen. Ich halte diesen für die Zukunft und Print-Bücher für die nächsten Opfer der Digitalisierung nach Schreibmaschine, Videokassette und MC (usw. usf.).
Jetzt endlich erreicht der Markt einen Punkt, an dem er interessant wird: eReader haben keine Bildschirme mehr, sondern wesentlich angenehmer lesbare eInk-Displays, die wie Papier aussehen und sich auch so lesen (was wesentlich angenehmer und besser für die Augen ist).

Mit dem Kindle und Smashwords sind Plattformen aufgetaucht, die es erlauben, den Markt zentral zu bedienen und nicht für jedes einzelne Lesegerät eine eigene Distribution verwalten zu müssen.
Nachdem ich mich nun seit eingen Wochen gezielt mit diesen im deutschen Markt noch sehr neuen Systemen auseinandergesetzt habe, wage ich also den Sprung. Hier ist mein Plan, vom Erfolg oder Misserfolg jeder Phase werde ich dann berichten.
Bitte entschuldigt, dass ich keine Titel preisgebe, ich möchte halt verhindern, dass mir wer zuvorkommt, speziell bei den beiden gemeinfreien Werken und den Sachbüchern, wo die Titel sehr eindeutig gewählt sind (der Leser soll’s ja finden).

Phase 1: Gemeinfreies
Angefangen wird mit etwas sicherem: Gemeinfreien (auch unter dem juristen-englischen Fachbegriff „Public Domain“ bekannt) Werken auf englisch.
In den USA nimmt der eBook-Markt inzwischen um die 10% des gesamten Buchmarktes ein, daher ist hier leichter einzusteigen. Zudem sehe ich im Angebot gemeinfreier Werke immer noch erhebliche Lücken, von denen ich zwei (Frühwerke der Science-Fiction) schließen will.
Das eine ist ein relativ unbekannter Roman von 1817, der noch gar nicht als eBook bei Amazon erhältlich ist (ebensowenig bei praktisch allen Sammlungen gemeinfreier Werke im Netz), absurderweise aber gleich mehrfach als teurere Print-Ausgabe (ab 20 €) da er literaturgeschichtlich durchaus von Interesse ist. Diesen werde ich ordentlich formatieren, mit einem Nachwort zu Werk und Autor ergänzen (ich wusste, englische Literatur als Nebenfach würde sich mal lohnen!) und ein Inhaltsverzeichnis beigeben. Ich halte diesen Roman für einen wertvollen Beitrag in der Geschichte des Genres und habe ihn daher ausgewählt. Ich will ihn ganz einfach selbst als eBook haben und wo ich schonmal dabei bin, ihn zu konvertieren, kann ich das Ergebnis auch gleich verkaufen.
Das andere ist ein Roman von 1897, der zwar bei Amazon kostenlos fürs Kindle erhältlich ist, aber in einer dermaßen miserablen Qualität, dass er praktisch unlesbar ist. Hier will ich das Original – ein wunderschön bebilderter Roman mit für seine Zeit innovativer Formatierung – in eBook-Form umsetzen und das Ganze ebenfalls mit Inhaltsverzeichnis und Anmerkungen zum Werk ergänzen.
Beide werden, da das Ursprungsmaterial gemeinfrei ist, für 0,99 $ bzw. 0,99 € verkauft werden. Einerseits will ich für Werke, die man auch kostenlos haben kann, in eBook-Form nicht mehr als 0,99-1,99 € verlangen, andererseits kann ich so mit dem niedrigsten möglichen Preis Erfahrungen sammeln.
Der Preis ist für solche Werke auch durchaus üblich geworden und wie beispielsweise der neusser eBook-Verleger Jürgen Schulze (Null Papier Verlag) in Amazons Foren berichtet, der Grimms Märchen aufwendig bearbeitet für diesen Preis verkauft, lohnt sich die Mühe durchaus auch für 99 Cent, weil entsprechend mehr verkauft wird und eBooks nach der Erstellung praktisch keine Kosten mehr verursachen. Wohlgemerkt ist Schulzes aufwendig bearbeitete Märchensammlung eine Art ewiger Bestseller auf dem Kindle und dürfte um die 100 Stück am Tag umsetzen.
Das ist übrigens keine irgendwie neue Masche aus der eBook-Welt, wie viele Kritiker elektronischer Bücher meinen: Es ist das altbekannte Reclam-Prinzip.

Phase 2: Ratgeber
Ans andere Ende des Spektrums geht es dann in Phase 2.
Ratgeber sind sowohl im Aufwand als auch im Preis mit im höchsten Bereich bei den Kindle-Büchern. Praktisch im Gegenzug ist der Markt allerdings sehr klein und bietet etliche Nischen, die noch niemand besetzt.
Ich denke zur Zeit an zwei ähnlich aufgemachte Ratgeber (Grundlage für eine Reihe oder vielleicht ein Franchise) für 4,99 €. Das ist der höchste Preis, den ich persönlich für ein eBook ausgeben würde (mit wenigen Ausnahmen) und somit auch der höchste, den ich verlangen werde. Der hohe Preis rechtfertigt sich mE durch den Rechercheaufwand und die Tatsache, dass ich diese Ratgeber nach Veröffentlichung falls nötig aktualisieren werde, man also eine entsprechende Dienstleistung mitkauft.
Die Möglichkeit zur Aktualisierung ist eine technisch interessante Besonderheit von eBooks, von der insbesondere Sachbücher und Ratgeber profitieren, die sonst schnell veralten.
Mit den deutschsprachigen Ratgebern gehe ich in den aktuell am wenigsten entwickelten Markt, der mir rein technisch zugänglich ist, was wenig Konkurrenz, aber auch weniger potenzielle Käufer bedeutet. Zugleich aber auch die Möglichkeit, sich mit einem guten Buch frühzeitig und nachhaltig in den kindle-eigenen Bestsellerlisten einzunisten. Eine Option, die in Phase 1 allein schon wegen der starken Konkurrenz völlig utopisch wäre.
Inhaltlich handelt es sich um zwei Ratgeber für jeweils eine Bevölkerungsgruppe. Beides sind Titel, die ich in der aktuellen Ratgeberlandschaft (einschließlich Print) schwer vermisse und Wissensgebiete mit denen ich durch meine politische Tätigkeit vertraut geworden bin.

Phase 3: Kurzgeschichten
Ich habe eine gut gefüllte Schublade an Kurzgeschichten aller Genres und Spielarten. Daneben eine Reihe Konzepte für Kurzgeschichten, die ich nie geschrieben habe, aber die ich heute noch schreiben könnte.
Meine Kurgeschichten nehmen den Begriff „kurz“ sehr eng, mehr als 5 Seiten gibt es da nicht, daher werde ich für eine einzelne Geschichte kein Geld verlangen. Dafür sind sie definitiv zu kurz. Aber wenn ich einige davon sammel, gibt es einen ganz brauchbaren Sammelband.
Im Printbereich sind Kurzgeschichtensammlungen im Grunde vollkommen unverkaufbar, selbst bei bekannten Schriftstellern. Sie sind mehr Werbe- und Prestigematerial der verlage als ein echtes Geschäft. Die Aussichten auf eine Printveröffentlichung sind daher verschwindend, wenn die Geschichten nicht gezielt von einem Verlag angefragt werden.
Da aber ein eBook wie bereits angemerkt nach der Veröffentlichung praktisch nichts kostet, kann eine solche Sammlung hier dennoch lohnen. Ich würde sie als „loss leader“ positionieren – ein eBook für 0,99 €, dessen Hauptzweck es ist, neugierige Leser auf einen neuen Autoren aufmerksam zu machen. So kann ich den Effekt des Loss-Leader-Konzepts ebenso austesten wie die Annahme des 99-Cent-Preises im deutschsprachigen Bereich und die Chancen für Kurzgeschichtensammlungen auf dem Kindle.

Phase 4: Romane
Romane gelten in der Printwelt mit gutem Grund als brotlose Kunst, wird der Markt doch von Sach- und Kinderbüchern beherrscht. Aber: Der eBook-Markt ist anders, hier beherrscht der Roman das Geschehen.
Ich schreibe seit meiner Gymnasialzeit (seit etwa 16) Romane, habe aber nie versucht, sie zu veröffentlichen, weil ich meine Rechte nicht abtreten möchte und die Bezahlung im Printbereich (maximal 12% des Buchpreises) für eine Unverschämtheit halte. Hinzu kommt auch hier die Kürze: Mit um die 120 Seiten sind die den meisten Verlagen von vorneherein zu kurz. Das halte ich inzwischen für einen Glücksfall, Denn seit meinen Jugend…werken (…sünden?) hab ich mich doch enorm weiterentwickelt. Zwar blieb ich dem fantastischen Genre treu, aber im Gegensatz zu den Space Operas à la Perry Rhodan, die als Genre zwar beliebt, aber zumeist literarisch wertlos sind, schreibe ich inzwischen Geschichten mit so bahnbrechenden Erfindungen wie Aussagen und Konzepten.
Die Wahl des Buches fiel im Gespräch mit einer Freundin, die dieses für das mit Abstand interessanteste Konzept hielt, welches ich ihr vorstellte (sie ist bei sowas angenehm ehrlich, was für solche Fragen nicht zu hoch geschätzt werden kann). Zugleich ist es eine Geschichte, für deren Veröffentlichung ich mich in genau der richtigen Szene für eine Initialzündung mit Wumms bewege (nein, nicht die Grünen, sondern die säkular-atheistische Szene).
Ein dystopischer Roman mit einem in diesem Genre kaum vertretenen Thema. Das ist im Grunde die Phase, auf die ich am gespanntesten bin. Einfach weil das mein persönliches Lieblingsprojekt ist und mein Herz bei der Schreiberei definitiv am Roman hängt.
Als idealer Preis für Romane hat sich bei amazon.com 2,99 $ herausgestellt. Das würde ich 1:1 übertragen, Romane also für 2,99 € rausbringen. Anders als die meisten Autoren habe ich ja bereits einen Loss Leader und muss dafür keinen kompletten Roman auf 0,99 € setzen, was ich persönlich als zu niedrig empfinde.

Phase X: Schau’n mer Mal
Nach diesen 4 Phasen habe ich die wichtigsten Erfahrungen gesammelt und ich schätze, es ist etwa 1 Jahr vergangen. Dann werde ich schauen, wo ich für die weitere Zukunft meinen Schwerpunkt setze oder ob ich es (vorerst) bei diesen 6 Veröffentlichungen belasse, weil das Geschäft den Aufwand nicht wert ist.
Ich kann die Ratgeber um weitere Bände ergänzen. Ich kann die Ratgeber auch als Franchise vermarkten, sprich: Andere Autoren bezahlen für Nutzung des Grunddesigns, werden dafür in meinen Ratgebern mitbeworben und zahlen dafür – sagen wir mal – 10-20 Cent pro verkauftem Buch.
Ich kann meine alten Jugendsünden aus der Schublade holen, überarbeiten und dann zu einem geringerem Preis (1,99 oder 2,49 €) als die neueren Sachen veröffentlichen. Wie gesagt, ich halte sie nicht für literarisch wertvoll, aber gute Unterhaltung sind sie immer noch.
Ich kann weitere gemeinfreie Schätze heben, bearbeiten und für 99 Cent einstellen. Ich habe noch einiges an früher Science-Fiction aus der Kaiserzeit im Schrank und einige Romane aus der Weimarer Republik.
Am liebsten aber wäre mir, wenn ich die vielen, vielen Romankonzepte, die bei mir umherschwirren (sei es als Papiernotiz oder Romanfragment auf dem Rechner) endlich umsetzen könnte, wenn mir die Veröffentlichungstätigkeit endlich die zeitliche und finanzielle Freiheit geben würde, diese Bücher zu schreiben. Es ist eine breite Spanne innerhalb der fantastischen Literatur, vom Wissenschaftsthriller über Science-Fiction bis Fantasy, gewürzt mit ein paar Ausreissenr in ganz andere Genres wie meinem Braunkohle-Roman, einer Art Abenteuerroman für Kinder.
Dann ist da noch der ganze Bereich „normaler“ Sachbücher und akademischer Texte, in dem ich ebenfalls Ideen habe, bei denen ich aber davon ausgehe, dass sie erst im Laufe des Jahres 2012 fertig werden, wenn ich sie jetzt anfange. Speziell der Bereich akademischer Texte ist interessant, aber es gibt bisher noch keine richtig brauchbaren Übereinkunft über Form, Inhalt und Logistik solcher Texte als eBook (Stichworte Zitierbarkeit, Peer Review Process etc.).
Mittelfristig ist bestimmt auch ein weiterer Band mit Kurzgeschichten drin, die schreib ich immer mal wieder zwsichendurch, wenn mich der Schreibdrang und die Muse überfallen.

Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Tätigkeit entwickelt, welche Erfahrungen ich dort mache und welche weiteren Möglichkeiten sich dadurch ergeben.
Ich bin begeistert von der Möglichkeit, Bücher als digitale Waren praktisch ohne direkte Kosten zu veröffentlichen. Mir kommt es bei Büchern auf den Inhalt an, die Erscheinungsform des gebundenen Papierstapels ist letztlich nicht mehr als eine Liefermethode für eben diesen Inhalt. Das Buch hat die Papyrusrolle abgelöst, diese die Schiefertafel und nun wird das eBook das pBuch ablösen.
Nicht von heute auf morgen, aber es wird passieren. Es ist schon von zu vielen toten Datenträgern behauptet worden, dass sie nie verschwinden werden. Ich habe aufgehört, derlei Dinge zu glauben, so sehr ich persönlich pBücher auch mag.
Denn analoge Schreibmaschinen, Videokassetten und den GameBoy mochte ich auch. Das aber interessiert den Lauf der Geschichte nicht sonderlich.

PS: Ja, alle Bücher werden vor Veröffentlichung komplett korrigiert und orthografisch besser aussehen als einer meiner Tweets oder Blogposts.
PPS: Ja, die nötige Gewerbeanmeldung für die Tätigkeit in dieser Branche habe ich.


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