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Unter all den persönlichen Entwicklungen des Jahres 2013 staune ich selbst am meisten über diese: Abgesehen von einem Taschenkalender, Sprühschablonen und Bastelbögen habe ich keinerlei Verwendung mehr für Papier. Was ich an Papier besitze, sofern es nicht in Buchform oder als Verpackungsmaterial ist, liegt nutzlos in irgendwelchen Schubladen, auf eine Nutzung wartend, die wohl nie eintreten wird. Jedesmal, wenn ich etwas ausdrucken will (ganze 2x in diesem Jahr) ist das letzte Mal so lange her, dass die Tintenpatronen völlig eingetrocknet sind und nicht mehr funktionieren.
Papier liegt hier rum wie es zuvor diverse Diskettenformate (5¼, 3½ Zip) getan haben, wie es jetzt die durch USB-Sticks ebenso obsolet gewordenen CD- und DVD-Rohlinge tun. Wie diese und wie diverse Videospielmodule, Vinylplatten und Kassetten, ist es für mich zu einem Relikt der Vergangenheit geworden. Und anders als so viele sehe ich die Vergangenheit zwar als interessant und wichtig, aber keineswegs als erhaltenswert an, denn sie ist ihrem Wesen nach vergangen, jeglicher Erhalt von Vergangenem letztlich eine Lüge, denn wer Vergangenes erhält, erhält nicht die Vergangenheit, sondern ein durch seine Anwesenheit in der Gegenwart bzw. die Abwesenheit seines einstigen Kontextes verzerrtes Echo dieser.
Das gilt in ganz besonderem Maße für Medien.

Ich habe keinerlei Nostalgie für Trägermedien.
Ein gutes Medienprodukt (ich nutze den Begriff, um die Frage der Definition von „Kunst“ zu umgehen) ist eines, welches sein Trägermedium irrelevant macht. Nicht seine Medienart: Ein Text bleibt ein Text, ein Spiel bleibt ein Spiel usw.
Wohl aber sein Medium, denn ein gutes Werk steht für sich, bringt den Leser/Zuschauer/Hörer/Spieler/usw. dazu, alle Sinne auf das Mediierte selbst zu konzentrieren. Solaris von Stanisław Lem bleibt das selbe großartige Buch, ob nun in Form eines Codex, einer Schriftrolle oder auf einem eReader. Zu Marshall McLuhans „The medium is the message“ komme ich übrigens auch noch, heute nur so viel: McLuhan widerspricht mir hier nicht (nunja, nicht wirklich), denn McLuhans Blickwinkel ist ein völlig anderer.
Ein Werk, das dies nicht schafft, ist es ohnehin nicht wert, erneut gelesen/gesehen/gehört/gespielt zu werden. Wobei es zugegebenermaßen noch die Option gibt, dass ein Trägermedium eine Fehlkonstruktion für die Wiedergabe einer bestimmten Medienart ist.

Eine viel zu lange Art um zu sagen, dass ich 2013 Bücher auf Papier nur noch antiquarisch gekauft habe, wenn es billig war oder keine andere Option gab. Sie sind schwer, nehmen Platz weg und Umblättern ist so ziemlich die umständlichste Art, eine Seite zu wechseln, die es gibt. Überhaupt, das Umblättern: Wenig stört so sehr den Lesefluss und damit das Eintauchen in die Geschichte eines Texte wie diese vollständige Unterbrechung des Lesens am Ende jeder zweiten Seite.
Eine Tageszeitung nutze ich übrigens schon lange nicht mehr, einfach weil der Anteil der Informationen in einer solchen, die für mich sowohl neu als auch interessant sind so verschwindend gering ist, dass sich die Anschaffung nicht lohnt.

Warum der Medienexkurs?
Nun, weil die Bücher hier nicht alleine stehen. Auch bei Filmen und Videospielen ist mir nach langem Widerstand klar geworden, dass es völlig egal ist, ob das Medium von einem Modul, einer DVD/BD oder von der Festplatte läuft, ich sehe es letzten Endes ja eh auf dem selben Bildschirm und was währenddessen im Abspielgerät vor sich geht, davon bekomme ich so oder so nichts mit.
Dazu, wie sehr das Ins-Regal-Stellen überbewertet ist, habe ich schon vor über einem Jahr etwas geschrieben und daran hat sich bisher nur unwesentlich etwas geändert.

Nachtrag, 29. 12. 2013
Jetzt habe ich mich doch etwas stärker auf Bücher konzentriert, als ich eigentlich wollte.

Aber es ist auch die aktive Nutzung: ich notiere mir nichts mehr auf Papier. Tatsächlich notiere ich gar nichts mehr, ausser Telefonnummern.
Ich bin zu der Überzeugung gelangt dass jenes, was man sich nicht merken kann es auch nicht wert ist, aufgeschrieben zu werden. Einkaufslisten brauche ich nicht un was Ideen angeht, da gilt das ganz besonders: Eine Idee erkenne ich daran als gut, ob ich sie mir merke, ohne sie zu notieren.
Eine Idee, ein Gedanke, der nicht interessant genug ist, dass er sich für ein-zwei Tage im Gedächtnis hält, der ist nicht interessant genug, ihn mit der Welt zu teilen.