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Donnerstag: Sonnenhausplatz
Am Donnerstag fand im Jugendzentrum Step eine von viel Presse begleitete Bürgerversammlung zum (meines Wissens namenlosen) Platz vor dem Sonnenhaus statt. Beim Namen wäre ich ja als Kontrast zum Konsumtempel für Thorstein-Veblen-Platz, in Bezug auf seine Begriffsprägung des Geltungskonsums, eines sinnlosen Konsums aus Habenwollen zur Prestigesteigerung in der Oberschicht. Allerdings kann den Mann in Deutschland wahrscheinlich niemand aussprechen. Aber zurück zum Thema.
Das Step war gut gefüllt und wie von mir schon vor zwei Wochen erhofft waren auch zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene dabei.
Die Veranstaltung hatte ihre Probleme. Den Einstieg machten mehrere Redner, die alle in feinstem und möglichst unverständlichen Planer- und Architektendeutsch leere Wortblasen von sich gaben. Ganz offensichtlich mangelte es an einer Idee, was man mit dem Platz machen wollte. Solche Ideen muss man nicht haben, es ist sogar ganz gut, wenn man mal ohne vorgefertigte Vorstellungen in eine Bürgerbeteiligung geht und somit noch vor der Planung den Bürgern ein offenes Ohr bietet. Nur, dann macht man eine ganz andere Veranstaltung.
Hätten die Verantwortlichen (zu denen zu diesem Zeitpunkt übrigens noch nicht die Politik gehörte) ein Veranstaltungskonzept umgesetzt, dass diese Offenheit als Stärke genutzt hätte, hätte die Veranstaltung Vorbildcharakter haben können, wie die Anwohner selbst ihren Platz gestalten. Hätte, hätte Fahrradkette (komisches Sprichwort übrigens).
Haben sie aber nicht. Stattdessen haben sie auf Biegen und Brechen eine Art Konzept zusammen- und schließlich vorgestellt. Was dann in den genannten Nullphrasen endete, aber auch in Widersprüchen: Ist es nun zum Beispiel relevant, ob der Hans-Jonas-Park offen bleibt oder dort ein Gebäude vor kommt, oder nicht? Die Bürger bejahten dies zum Glück und lehnten den Bau recht deutlich ab. Gar nicht nachvollziehbar war das Wehklagen einiger Architekten ausserhalb der Veranstaltung, die Wettbewerbsausschreibung für die Platzgestaltung mache zu viele die Kreativität einschränkende Vorgaben.
Nach dem Trauerspiel der Vorträge und dazugehöriger Fragerunde kam es dann doch noch zu echter Bürgerbeteiligung: Die Bürger durften ihre Wünsche und Vorstellungen an Pinnwände pappen, wo sie dann gesammelt und später ausgewertet werden sollten. Auch sollten die Ergebnisse online präsentiert werden und ich hoffe sehr, dass dies vollständig geschieht und nicht wieder von der Verwaltung vorgefiltert, wie wir es zuletzt zu meiner Verärgerung bei den Bürgervorschlägen zum Haushalt erleben durften, die ich deswegen bis heute nicht kenne.
Jedenfalls war das Ergebnis der Wandbestückung ganz nach meinem Geschmack: Öfter fiel das Wort Konsumkritik, was neben der hier starken alternativen Szene wohl auch den ständigen Belästigungen durch den Bau des mfi-Konsumtempels auf der Gegenseite der Hindenburgstraße zu verdanken ist. Wichtiger war die recht große Einigkeit in der Platznutzung: Ein Platz zum Ausruhen, Hinsetzen und abhängen sollte es sein, ein offener Platz, der die Funktion der verlorenen Theatertreppen übernimmt. Als amüsante Randnotiz möchte ich noch vermerken, dass es gleich einen ganzen Stapel Zettel gab, in denen eine Skateboardanlage gefordert wurde. Bei der Hanglage des Platzes gar keine schlechte Idee, aber dann bleibt wohl nicht viel Platz zum Ruhen übrig. Ich wusste gar nicht, dass Skateboards zur Zeit ein Revival haben.

PS: Gleichzeitig fanden auch ein Treffen des Aktionsbündnisses Verkehrswende und eine Vorbereitung des Bündnisses „Aufstehen – Bündnis für Menschenwürde gegen Rechtsextremismus“ für die Gegengegendemonstration zum gleichzeitigen Auftreten von Salafisten und Rechtsextremen auf dem Alten Markt am Samstag, 8. Februar, statt. Beides ist sehr schade, aber manchmal ist es halt leider einfach so.

Freitag: Neujahrsempfänge
Gleich zwei Neujahrsempfänge haben sich am Freitag, den 31. Januar, mit Ach und Krach noch in den ersten Monat des Jahres gequetscht. Und damit auf den Geburtstag meines Vaters, wodurch mir eine spendierte Pizza entgangen ist. Gegen sowas muss es doch Gesetze geben.
Nun gut. Die Neujahrsempfänge waren (in chronologischer Reihenfolge) bei den Linken und den Grünen. Das sind üblicherweise eher Präsenztermien mit wenig Inhalt, aber dennoch fand ich dort bemerkenswertes, insbesondere den Kontrast der großen Reden.
Bei den Grünen gab es das übliche „Wir sind toll“ gepaart mit „Und das war 2013“. Kann man machen, nur wenn das gleich zwei Redner hintereinander machen, wird das unglaublich langweilig. Nun kommt für mich natürlich erschwerend hinzu, dass mir das alles bekannt war, ich war ja dabei und die Reden somit ohnehin nicht für mich gedacht.
Möglicherweise waren sie auch einfach nur zu lang, eine Gefahr, in die wörtlich ausgeschriebene Reden häufig tappen, einfach weil sie auf Papier wesentlich kürzer aussehen als sie sind, wenn man sie dann vorliest.

Mir wäre das wahrscheinlich nicht so stark aufgestoßen, wäre ich nicht vorher bei der Linken gewesen, bei der die Rede ganz anders aufgebaut war.
Obwohl man thematisch ebenso altbekanntes abspulte – in diesem Fall „Situation X und Entwicklung Y sind scheiss“, wurde es dort vermieden, dass einer allein die ganze Zeit durchredete und statt dessen waren immer wieder Vorträge von Gästen aus Gruppen, Initiativen und Vereinen eingebunden.
Das brach jegliche Monotonie auf und sollte doch mal ein Teil langweilig werden, war er relativ schnell vorbei. Wäre mal ein gutes Konzept auch für uns Grüne. Auch wenn bei uns etwa dreimal so viele Leute waren wie bei den Linken, so schlimm wird es also nicht gewesen sein.

Termine, zu denen es nix zu erzählen gibt:
Montag Fraktionssitzung