Das Ende der politischen KW

Die politische KW war lange Zeit meine wöchentliche Beitragsreihe zu meiner politischen TĂ€tigkeit. Jeden Montag oder Dienstag gab es einen Bericht, was ich so getan habe. Naja, mehr oder weniger jede Woche, die RegelmĂ€ĂŸigkeit war nicht so wirklich mein Ding. Aber heym Dabeisein ist alles.

Nun gibt es zwei Entwicklungen, wegen derer ich dieses Konzept nun aufgeben will.

Zum einen ist es ganz einfach so, dass ich nach dem 25. Mai wohl deutlich wneiger politisch tĂ€tig sein werde, einfach, weil ich wohl kein Ratsmitglied mehr bin. Ich bin zur Zeit auf Platz 10 der Liste und sofern die GrĂŒnen nicht mit Abstand das beste kommunale Ergebnis ihrer bisherigen Geschichte hinlegen, werden wir keine 10 Leute mehr sein. Ich wĂŒrde damit nur wieder Ratsmitglied werden, wenn ich meinen Wahlkreis (08 – Speick, Westend, Altstadt SĂŒd) gewinne, was in etwa genauso wahrscheinlich sein dĂŒrfte.
NatĂŒrlich bin ich auch danach noch aktiv, nur halt nicht mehr im gegenwĂ€rtigen Umfang. Die Welt verĂ€ndern zu wollen scheint mir eine Art Grundimpuls zu sein und ich werde sicherlich nicht plötzlich damit aufhören. Nun hat sich allerdings klassische Politik zunehmend als ein relativ ineffizienter Weg der Weltverbesserung erwiesen, weshalb ich an anderen Optionen arbeite, die dann aber natĂŒrlich eben keine klassische Politik mehr sind. Schriftstellerei ist eine davon, insbesondere im politischsten aller Literaturgenres, der Science-Fiction. Aber auch der Politik werde ich ganz klar erhalten bleiben.
Es zeichnet sich im Moment einiges an Wegen ab, was ich nach der Ratszeit zwecks WeltverÀnderung mache, sowohl in der Politik als auch ausserhalb.
So oder so, das Material fĂŒr die politische KW wird damit dĂŒnner.

Das andere ist ein Empfinden, das sich in letzter Zeit gestÀrkt hat: Die politische KW kommt zu spÀt.
Sie ist wöchentlich und somit eine lange Zeit nachdem die eigentlichen Entscheidungen gefallen, Diskussionen und Sitzungen gelaufen sind. Sie hinkt damit den Ereignissen und vor allem der AktualitÀt enorm hinterher.
Das war kein Problem, als ich politisch in kleinen Feldern von geringem öffentlichen Interesse gewerkelt habe. Dort gilt es keiner nur auszughaft und oft verfĂ€lschend berichtenden Presse zuvorzukommen oder kurzfristig auf diese zu reagieren. Und es gibt auch keine Ampel mehr, die Entscheidungen erheblich in die LĂ€nge zog, sie quasi aus der Dringlichkeit des sonst so hektischen politischen Betriebs herauslöste und diesen aufhob. Was ĂŒbrigens durchaus nichts negatives sein muss, grade das starke gegenseitige Ausbremsen eines so seltsamen BĂŒndnisses wie grĂŒnlibertĂ€r (die FDP ist meines Erachtens nicht liberal und die SPD lasse ich nur zur Betonung der GegensĂ€tzlichkeit aus) hat oft dazu gefĂŒhrt, Entscheidungen sehr ausgereift zu fĂ€llen. Auch wenn diese Besonnenheit der Ergebnisse angesichts des Stresses und der Verwerfungen vor allem hinter den Kulissen teuer erkauft war, fĂŒr die Stadt war sie nicht schlecht – und fĂŒr die politische KW bot sie die nötige Ruhe, Dinge auch mit Vorlauf und zeitlichem Abstand besprechen zu können.
Nun ist dies vorbei und in letzter Zeit verspĂŒrte ich zunehmend den Drang, Themen zeitnah separat zu besprechen. Bislang hielt ich mich immer zurĂŒck, diese dann doch in die politische KW zu setzen, aber das ist nicht lĂ€nger ein effizientes Vorgehen.

Und somit endet die politische KW als Reihe und als Konzept. An ihre Stelle wird eine zeitnĂ€here Darstellung treten und eine grĂ¶ĂŸere Vielfalt von AnsĂ€tzen, was politische Arbeit eigentlich ist und wie sie funktioniert.
Das Blog bleibt aktiv. Ich hoffe vor allem, so aktiv, wie es seit Dezember wieder geworden ist. Mittwoch fÀngt das an, dann leite ich den Umweltausschuss und ich werde noch am selben Abend davon schreiben. Das ist dann die Art, wie dieses Blog in Zukunft in Bezug auf Politik funktionieren soll.
Ich bin gespannt, wie das in der Praxis angenommen wird. Zwar zÀhle ich meine Besucher nicht (ganz ehrlich: Wozu?), aber ich sehe ja, wie sich Kommentare und Rezeption der Seite entwickeln. Die Inhalte werden sich im Gleichschritt mit meinem (öffentlichem) Leben entwickeln. Was das heisst? Da bin ich selber gespannt.