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Machen wir aus der Literarischen KW mal die mediale KW, womit auch andere Medien zu ihrem guten Recht kommen. Übrigens, wer die Literarische KW letzte Woche vermisst hat: Ich habe vorvergangene Woche schlichtweg keine Bücher zu Ende gelesen. Ich habe Rain durchgespielt, aber das ist ja kein Buch.
Nun denn, lasst uns beginnen:

Stadium 7 – Die Invasion
Buch (Science-Fiction-Novelle); Inge Lembke

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Aliens landen auf der Erde. Sie kommen als Keime an, regnen eher zufällig grade auf die Erde nieder und wachsen dort über die Jahre zu etwas neuem heran. Auf einen Schlag beginnt die Invasion, bevor die Menschen auch nur wissen, was passiert sind schon Millionen tot.
Inge Lembke zeichnet mit Stadium 7 eine andere Art von Invasion, eine Invasion durch Lebewesen, die als Sporen ankommen und die Erde quasi von unten übernehmen. Die Invasion zerstört keine Städte, sie geschieht zunächst wie eine Krankheit und erst später folgt dann die bekannte Form der Invasion gegen die bereits stark geschwächte Menschheit.
Die Idee ist gut ausgearbeitet, leider sagt mir der Schreibstil so gar nicht zu. Zu akademisch-emotionslos liest sich Lembkes Text, zu viel wird geschildert statt es über die Handlungen und Interaktionen der Figuren zu zu implizieren. Zu viel wird an unterschiedlichen Orten der Welt in kleinen Variationen wiederholt.
Letztlich habe ich wegen des interessanten Konzepts weitergelesen, aber nicht wegen des Textes selber. Das ist etwas, was Science-Fiction manchmal kann: Eine gut ausgearbeitete Idee rettet einen mäßigen Text vor dem Nicht-Gelesen-Werden.
Faszinierend ist dieser Novelle eigene Idee eines Lebens nach dem Tod. Was ist „Ich“ und kann es ohne mich weiterleben? Ist das, was andere für mein Ich halten, wirklich mein Ich? Und was genau ist die Erinnerung an „mich“; eigentlich wert? Ich habe das Gefühl, Inge Lembke hat hier unbewusst die Vorgeschichte zu einem wirklich interessanten Roman verfasst, anstatt eben diesen Roman zu schreiben.


Rain
Videospiel (Puzzle-Adventure; Playstation 3); Sony

Sony Store
Ein Junge folgt einem unsichtbaren Mädchen, dessen Umrisse sich im Regen abzeichnen, durch ein seltsames Tor aus Licht und wird selbst unsichtbar. Verfolgt von ebenso unsichtbaren Monstern macht er sich in dieser Regenwelt auf die Suche nach dem Mädchen, wobei er sich durch Unterstände an den Monstern vorbeischleichen muss.
Rain ist in jeglicher Hinsicht simpel. Die Geschichte ist einfach, die Rätsel sind fast ohne Nachdenken lösbar, selbst die Musik besteht in der Regel aus recht einfachen Klavierstücken. Aber es ist in etwa drei Stunden durchgespielt und kann es sich daher erlauben, einfach nur schön zu sein, bevor es damit langweilt.
Es ist, alles in allem, nett. Nicht mehr, nicht weniger.


War of the Worlds: Goliath
Film (Science-Fiction-Trickfilm/Dieselpunk); Tripod Entertainment

Keine Ahnung, wo man den Film kaufen kann, sorry. Wobei, eigentlich nicht, aber dazu gleich.
1914: 15 Jahre nach dem ersten Angriff der Marsianer auf die Erde (siehe H.G. Wells sowie den Vorspann dieses Films) im Jahr 1899 steht Europa am Rande des 1. Weltkriegs. Doch der Krieg der Welten hat die Erde verändert: Es gibt eine internationale Einheit zur Bekämpfung der Marsianer, sollten sie je wiederkommen. Mit eigenen dreibeinigen Kampfmaschinen, Flugzeugen und Luftschiffen nutzen sie von den Invasoren erbeutete Technologie, um gegen diese bestehen zu können.
Und tatsächlich kommen sie zurück.
Der Film beginnt vielversprechend mit einer wunderschönen Zusammenfassung der Ereignisse von 1899 in Sepia-Standbildern (oder genauer „limited animation“). Alltag auf der Erde, Kriegsvorbereitungen auf dem Mars. Die Vocorder-Musik ist nicht jedermanns Fall, aber sonst sehr schön.
Das hält leider nicht lange an. Sobald der eigentliche Film beginnt, beginnen sich Charaktere wie Idioten zu verhalten und hören den ganzen Film durch nicht mehr damit auf. Unser Protagonist hat einen Vater, der als beinahe erste Aktion im Film völlig grundlos unter einer marsianischen Kampfmaschine die Deckung verlässt. Die Dummheit ist offenbar erblich, bleibt unsere Hauptfigur doch mitten auf der Flucht vor besagter Kampfmaschine auf der Straße stehen und stiert sie an, was seine Eltern das Leben kostet.
Mit 25 hat er den Rang eines Captain erreicht und leitet Bodeneinsätze von A.R.E.S., besagter Anti-Marsianer-Truppe. Mitten in einer Übung für einen neuen Typ irdischer Kampfläufer und einen Tag nach dem Attentat auf Franz-Ferdinand beginnt eine neue Invasion mit besseren Kampfmaschinen, Flugmaschinen und jetzt gegen irdische Krankheitserreger immune Ausserirdische. Der neue Krieg der Welten beginnt.
Goliath ist ein absolut überflüssiger Film. Eine Fortsetzung zu Krieg der Welten muss zwangsläufig das Ende der Originalgeschichte umgehen. Leider lag in genau diesem Ende der ganze Sinn von Wells‘ Geschichte und Goliath tut nicht das geringste, um dieses Problem auszugleichen oder der Geschichte einen neuen Sinn zu geben, es ist einfach nur Geballer mit vielen Verlusten auf beiden Seiten.
Die ersten 30 Minuten scheinen zu einem deutlich besseren Film zu gehören als der Rest, aber mit dem Auftauchen der Invasoren bricht jeder Erzählstrang abrupt ab. Die angedeutete Freundschaft zwischen unserem Protagonisten und Manfred von Richthofen? Bleibt nur angedeutet. Der Freiheitskampf der Iren und ihre Einstellung zur Invasion von 1899? Schnell beiseite geschoben, obwohl das der einzige Hinweis darauf war, dass jemand im Filmteam das ursprüngliche Buch verstanden haben könnte. Die Barschlägerei? Ohne jegliche Konsequenz für irgendwen. Der titelgebende Goliath? Schlussendlich nicht mehr als ein Kampfläufer unter vielen auf dem Schlachtfeld.
Es gibt bessere Animationsfilme. Viele.