Zum offline lesen runterladen:

Mönchengladbach, unter den Karnevalshochburgen die einzige, die nicht am Rosenmontag, sondern am darauf folgenden Veilchendienstag zieht, wird gerne mal unterschlagen. Hauptsächlich, weil die großen Fernsehsender der region alle in Köln sitzen (RTL, WDR…), wo man noch nie davon gehört hat, dass der Dienstag zwischen Rosenmontag und Aschermittwoch auch einen Namen hat.
Nun leidet der Gladbacher Straßenkarneval aber auch darunter, dass er gewöhnlich wenig interessante Wagen hat. Ich meine, sie sehen hübsch aus, aber anders als etwa in Köln und Düsseldorf ziert sie nur selten eine Aussage – der Gladbacher Karneval ist hübsch, aber unpolitisch. Man findet also im allgemeinen die Namen der Karnevalvereine auf den Wagen und dazwischen den ein oder anderen Fußballwagen.

Doch in einem für die Stadt ungewöhnlichen Fall von „So, jetzt packen wir mal was an“ hat sich das dieses Jahr dann doch leicht geändert. Und prompt gibt es ein paar auch über die Stadtgrenzen hinaus vorstellenswerte Wagen. Oder zumindest mehr Politik als sonst.
Den wagen zur Fußballweltmeisterschaft 2011 habe ich leider nicht scharf drauf bekommen (der Autofokus hat sich auf einen Ast vor mir eingestellt), dafür fange ich mit dem vielleicht kontroversesten wagen des Jahres in der Stadt an:

Ich bin eher unglücklich über den Nahost-Bezug als über das Motiv und den Satz darunter. Aber das ist jetzt nicht der Ort für diese Diskussion.

Die Rheindahlener haben ihr Flughafenthema gleich mehrfach politisiert, nicht schlecht.
Den Anfang macht die voraussichtliche Schließung des „Flughafens“ Verkehrslandeplatz Mönchengladbach (mit diversen ehemaligen Zielen von dort aus mit dem Vermerk „canceled“), die Seite ist dann ein eher normaler Themenwagen und hinten kriegen wir nochmal was zum Nacktscanner geliefert, womit man auch dem diesjährigen Zugmottot („Klamotte maake Lüüt“) genüge getan hat:



Lustigerweise folgte diesem gleich der Wagen der AirBerlin:

Nicht weit dahinter der (erste) Wagen zur Koalition: Die Gladbacher Schildkröte mit abgeschlagenem schwarzen Kopf und einer Ampel als Ersatz. Der Kopf ist neu, der Körper hat immer noch die selben Stummelbeine.

Der Wagen stammt übrigens aus einem Designwettbewerb der Rheinischen Post. Die hat auch selber Koalitionen thematisiert und bringt den wohl selbstironischsten RP-Wagen aller Zeiten (Absicht?). Wobei das bei den Düsseldorfern, von denen der Wagen offenbar stammt (vermute ich mal wegen dem Funkturm), nicht ganz so schlimm ist wie hier in MG.

Etwas weiter hinten findet sich noch ein Ampelwagen: Die Junge Union Mönchengladbach kommt mit einem umgebauten Baucontainer daher, mit der bestenfalls halbwegs originellen Beschriftung „Zu schnell für jede Ampel“. Lustig ist das nur, weil der Wagen sich wie alle anderen mit ca. 5 km/h vorwärts bewegt – und die Ampel 23 Plätze weiter vorne vorwegfährt. Als Schildkröte! Pepp ist was anderes.
Hätte funktioniert, wenn die JU den Wagenplatz direkt vor der Ampelschildkröte bekommen hätte. Aber auch dann nur aus Zufall.

Nächstes mal mehr anstrengen, bitte, ist ja peinlich…

Einfach nur Pech hatte der Guido/Merkel-Wagen.
„Minister für Äusseres“ ist so herrlich subtil und dann sehen wir einen Westerwelle auf merkels Dekolleté fliegen – was funktioniert, bis man merkt, dass der doch schwul war. Naja, dumm gelaufen.

Und noch ein letzter Ampelwagen: Das Ömchen strickt dem Wasserturm Mönchengladbach eine neue Mütze aus rot-grün-gelber Wolle.

Bleibt zu hoffen, dass der Gladbacher Karneval weiter daran arbeitet, mehr als nur eine Wagenparade zu sein und sich öfter mal traut, auch Themen anzupacken. Teils aber auch bitte mit mehr Biss, das ist teils doch noch recht lahm. Wobei, wir haben halt keinen Jacques Tilly hier, der mal eben 5 Themenwagen pro Jahr baut, jeder davon ein Highlight.
Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Die Quantität stimmt schonmal: Geschätzte 5-6 km Zug sind ordentlich. Und auch an Internationalität mangelt es nicht: Neben Musikern aus den Niederlanden fuhr auch ein Wagen des Spreewaldhofs mit, dessen Besatzung mit Gurken um sich warf.