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Beim Schreiben längerer Geschichten holt mich gerne ein recht nerviges Problem ein: Während ich schreibe, kommen mir bereits Ideen für spätere Szenen. Das ist mit der Zeit häufiger geworden.
Früher habe ich in einem solchen fall einfach ein neues Kapitel angefangen, das zu dieser Szene umblendete und ließ die diversen Szenen von jeweils eigenen Figuren leben, deren weitere Geschichte dann auf das Ende hinauslief. Wobei sihc die Personen der unterschiedlichen Szenen am Ende nicht unbedingt treffen oder kennen mussten – schließlich läuft das in der Wirklichkeit ja auch nicht so.
Das Ergebnis war, dass ich zwar fertig wurde, der Roman aber recht chaotisch war und zu viele Hauptfiguren und Sprünge hatte. Wirklich funktioniert hat das nur bei meiner nie veröffentlichten Schubladenarbeit Siliziumdioxid, später hat es nur noch aufgehalten.

Im Grunde müsste ich einen Plot, also eine Vorabplanung der groben Geschichte, erstellen. Doch dazu müsste ich die Geschichte bereits vorher kennen – meist kenne ich aber nur Anfang und Ende.
Biem genannten Siliziumdioxid etwa wusste ich bereits vorher, dass es um Silizium fressende Mikroben geht und dass am Ende Digiros, das Silicon Valley des 24. Jahrhunderts, untergegangen wäre. Doch die Verschleppung des Virus auf eine Nachbarwelt, seine Rolle in einer Roboterrevolte dort, seine positiven Auswirkungen auf einer weiteren Nachbarwelt und die Strategien, mit der einige siliziumbasierte Spezies auf sein Aufkommen reagierten, all das kam mir erst wesentlich später in den Sinn, während ich den Roman schrieb.
Und das kann eben sehr behindern, wenn man eine Idee hat, bevor sie in den Roman passt.

Nun hindetr mich das inzwischen beim Schreiben regelmäßig am Weiterkommen. Sünde besteht zur Zeit aus drei Fragmenten: Dem Anfang, einer Szene kurz nach dem Anfang und dem Ende. Immer wieder zwischen den Teilen des zunehmend länger werdenden Textes zu schreiben und den richtigen Ort für eine Szene zu finden, artet erheblich mehr in Arbeit aus, als es sollte.

An dieser Stelle nun kommt der yWriter ins Spiel: yWriter 5 ist ein kostenloses Programm, das speziell für das Schreiben von längeren texten aus dem Bereich der Fiktion gedacht ist.
Man legt eine grobe Struktur (Kapitel, Szenen) an und schreibt dann die einzelnen Szenen. Durch Zusatzinformationen lassen sich Orte, Charaktere und Gegenstände erfassen, weitere Funktionen wie eine Zeitschiene der Geschichte sind ebenfalls verfügbar.
Das wiederum kommt meiner Schreibweise sehr entgegen: Ich kann Szenen in beliebiger Reihenfolge schreiben, ohne den Überblick zu verlieren. Jederzeit kann ich nachsehen, in welchem Kapitel und welcher Szene ich bin, was davor kam und was danach kommt.

Auch vereinfacht das Programm es mir, zwischen verschiedenen Projekten zu springen – ich schreibe im Grunde immer an mehreren Geschichten zugleich, die sich jeweils so weit unterscheiden, dass ich mir tagesformabhängig immer eins rauspicke – Aasgeier an guten Tagen, Sünde an weniger guten und RevJack bietet sich durch seine Form als Briefroman zum zwischendurch weiterschreiben an.
Der yWriter macht es hierbei einfacher, wieder in das Projekt reinzukommen, das man dabei unterbrochen hat.
Ale drei Projekte kommen gut voran, auch wenn ich bei den Aasgeiern wohl demnächst eine Pause einlegen muss. Die Pause dient aber der Recherche und nicht an irgendwelchen Problemen mit dem Roman selber.

Der Erfolg dieser Software ist beachtlich, meine Schreibleistung steigt langsam auf ein gutes Maß, gestern waren es immerhin 440 Wörter am Tag. Mein Ziel sind die fast 2.000 Wörter, die der NaNoWriMo verlangt.

Und damit hat der yWriter sich die Werbung verdient: Er steigert erfolgreich meine Produktivität, was ich zunächst nicht annähernd geglaubt habe. Und für ein kostenloses Programm ist der Umfang beachtlich.
Sicher fehlen einige nützliche Zusatzfunktionen wie Thesaurus, Reimfinder und dergleichen, zum reinen Schreiben und der Organisation des projekts aber ist er hervorragend.

PS: Ja, wenn ich die alte Datei wiederfinde, überflieg ich das Manuskript mal und stell es dann online. Erwartet nicht zu viel – es ist zwar meine beste Schubladenarbeit, aber im Endeffekt immer noch ein Schubladenprojekt. Solide Space Opera ohne Anspruch.


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