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Alle Welt redet von der fehlenden Mehrheit einer Zweierkonstellation mit den Grünen. Dabei ist diese ein Scheinproblem und Deutschland könnte seine erste funktionierende Minderheitenregierung kriegen. Denn unteer dem aktuellen Parteienspektrum wäre eine rot-grüne Minderheit stabiler Politikgestalter.
Die Zweier-Optionen, ihre Vor- und Nachteile im Überblick


Schwarz-Rot
Eine Koalition aus zwei exakt gleichstarken Parteien im Parlament bedeutet zunächst einmal einen wochenlangen Verhandlungsmarathon darum, wer denn nun die Führerschaft übernimmt. Die CDU hat dabei um wenige Stimmen die besseren Karten, die SPD wird aber so einfach von ihrem Anspruch, die Ministerpräsidentin zu stellen nicht lassen.
Und wenn Rüttgers nicht abgesetzt wird, wird das der Basis schwer zu erklären sein. Das Risiko abe,r die Linkspartei weiter zu stärken, will die SPD wahrscheinlich nicht eingehen – und auch der CDU dürfte diese Aussicht nicht sonderlich gut bekommen.

Rot-Grün
Diese Koalition hätte zwar nur 90 Sitze (Mehrheit: 91), aber das macht nichts.
Rot-Grün sind in der Praxis in der Tat Parteien der Mitte, wenn auch mit Tendenz nach links. Vorhaben dieser parteien fallen meist mindestens in die Interessen einer der übrigen Fraktionen. Die Opposition bildet genau die drei großen politischen Richtungen im Land ab: Konservative, neoliberale und linke.
Dass diese sich untereinander einig werden, kann praktisch ausgeschlossen werden, praktisch jedes Vorhaben der Koalition wird mindestens einer der Oppositionsfraktionen zusagen (und mindestens einer nicht). Einzig die Ernennung von Ministerpräsidentin und Ministern wird schwierig, aber das lässt sich sicherlich auch umschiffen – es geht nur um eine Sitzung/Wahl, in der man eine der anderen drei Fraktionen ins Boot holen muss und selbst dann braucht man nur eine Stimme aus diesen.
Es wird dazu kommen, dass Rot-Grün ein-zwei Entscheidungen nicht durchkriegt, aber das ist kein Beinbruch, auch wenn Presse und Politik gerne versuchen, es als solchen dastehen zu lassen. Das ist Demokratie.
Gewinnen würden bei einer solchen Konstellation die Grünen, die weniger Hemmungen haben, mit der Linken zu stimmen. Die SPD muss aufpassne, dass sie vor lauter Abstimmungen mit der CDU nicht nach rechts driftet und dabei den Status einer Volkspartei vollends zu Gunsten von Grünen und Linken verliert, die das so entstehende Vakuum links von der Mitte auszufüllen beginnen werden.

Schwarz-Grün
Zwar sind die Zahlen dieselben wie bei Rot-Grün, die Opposition wird aber stärker: Gegen schwaz-grün würde sich ein großer Block der beiden sozialdemokratischen Parteien bilden, der fast genauso groß ist wie die Koalition.
Jamaika wurde von überall ausgeschlossen, aber die FDP könnte als Tolerierer eine Rolle spielen. Ob da allerdings die Grünen mitmachen, ist mittelfristig zu bezweifeln.
Diese indes haben bessere karten, ihre Vorhaben mit Zustimmung der Opposition durchzusetzen als die CDU, die nicht einmal annähernd auf die Zustimmung des linken Blocks hoffen kann. Gut möglich, dass die Sozialdemokraten und Linken in die Fundamentalopposition gehen. Wenn dann noch uneinheitliches Abstimmungsverhalten bei der FDP dazukommt, wird es wesentlich schwieriger für die Koalition, irgendetwas durchzukriegen.
Weiter kann man in dieser Koalition, die vielen Grünen überhaupt nicht schmecken wird, nicht von einem einheitlichen Abstimmungsverhalten der Grünen ausgehen – was umgekehrt für die CDU genauso gilt.

Alles in allem
Schwarz-Rot ist das stabilste, bringt aber evtl. unangenehme Nebenfolgen mit sich
Rot-Grün ist arbeitsfähig (wenn auch hollprig) und die Wunschkoalition beider Partner
Schwarz-Grün geht, hätte aber bis zur nächsten Wahl erheblich gegen den Strom anzukämpfen.