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Es war ein paar Wochen relativ ruhig in der Paläontologie. Nach einem aufregenden Sommer durchaus verdient, 2014 hat bereits eine beachtliche Anzahl neuer Funde und Erkenntnisse erbracht. Aber jetzt hat sich wieder genug angesammelt, dass sich ein neuer Dino-Dienstag lohnt.
Also dann:

Zaraapelta nomadis, Bild: Danielle Dufault/University of Alberta

Zaraapelta
Dieser auffällig geschmückte junge Herr ist Zaraapelta nomadis, ein neuer Ankylosaurier aus der Mongolei. Das Tier ist selbst für einen Ankylosaurier ungewöhnlich stachelig und hat daher einen Namen, der sich aus dem Mongolischen für „Igel“ und dem bei Ankylosauriern häufig verwendeten „pelta“ (Schild) zusammensetzt.
Und weil es ein schönes Porträt dazu gibt, bekommt er auch einen eigenen Eintrag und nicht nur eine Kurzmeldung weiter unten.

Laurasia und die kambrische Explosion
Vor etwa 530 Millionen Jahren erschienen überraschend plötzlich gewaltige Massen neuer Arten auf der Erde. Wie plötzlich genau der Vorgang war, ist umstritten, Tatsache ist aber, dass in vergleichsweise kurzer Zeit die Weichtierwelt der vendischen Fauna durch Lebewesen mit Panzern und Skeletten ersetzt wurde – Trilobiten, Krebse, Stummelfüßer, kieferlose Fische und völlig fremdartige Lebewesen wie Anomalocaris. In der kambrischen Explosion finden sich die Vorfahren praktisch aller heute lebenden Tiergruppen, von den Ringelwürmern bis zu den Wirbeltieren.
Einen Erklärungsansatz liefert dazu eine Untersuchung der University of Texas, Austin. Demnach lieferte der Aufbruch des Iapetus-Ozeans die nötigen Bedingungen für die kambrische Explosion – plötzlich gab es gewaltige flache Meeresregionen, in denen eine Vielfalt von Lebewesen gedeihen konnte. Flache Meere sind fast immer mit einer größeren Vielfalt an Arten ausgestattet als tiefe Meere, einfach weil sie abwechslungsreichere Lebensräume mit mehr möglichen Nischen für neue Arten darstellen. Tiefe Meere hingegen bestehen nur aus gewaltigen Mengen Wasser mit einem Grund so weit unter der Oberfläche, dass dort kaum noch etwas leben kann – die Anzahl der ökologischen Nischen ist dort deutlich geringer als in den abwechslungsreichen Küsten- und Flachmeeren.
Der Iapetus verschwand später wieder, als die Kontinente sich zu Pangaea zusammensetzten. An seiner Stelle entstand beim erneuten Aufbrechen des Superkontinents der Atlantik.

Kopulierende Microbrachius. Nichts zu danken. Bild: Brian Choo/Flinders University

Etwas Fischporno
Ich erhebe ja inzwischen keine Trafficdaten mehr, weil die mir nutzlos erscheinen, aber von damals, als ich noch welche analysiert habe, weiss ich, dass ich grade ein lang gesuchtes Fetisch bedienen kann: Hier bitte, fickende Fische.
Okay, ja, hier ist eine echte wissenschaftliche Entdeckung hinter. Kurz gesagt sind Penisse und ähnliche Strukturen bei Wirbeltieren deutlich älter als bisher gedacht. Microbrachius, bei denen das Organ gefunden wurde, gehören zu den ältesten Fischen mit Kiefern. Der Fund deutet an, dass Fisch zuerst externe Geschlechtsorgane für die Männchen entwickelten und die bei modernen Fischen häufige Befruchtung ausserhalb des Körpers eine neuere Erfindung ist.
Das bedeutet, dass die interne Befruchtung bei den Wirbeltieren mehrfach entstanden ist und auch mehrfach wieder abgeschafft wurde. Ja, selbst in der Paläontologie ist Sex eine komplizierte Angelegenheit, bei der man das erste Drittel des Lebens damit verbringt herauszufinden, was man eigentlich will.

Weitere neue Arten
Aus China kommt ein weiterer faszinierender Fund aus den so genannten Jehol-Fundstätten, der älteste Ornithuromorph. Die Ornithuromorpha sind jene Grupppe innerhalb der Vögel, denen alle modernen Vögel angehören. Iteravis huchzermeyeri war damit ein weiterer Zeitgenosse des Microraptor in einer Zeit, in der die Wälder Asiens von gefiederten Kreaturen nur so wimmelten.
Ebenfalls aus China kommt der erste Coelophysid aus Asien, von dem mehr bekannt ist als nur ein paar Arm- und Beinknochen. Die Coelophysiden sind relativ kleine Raubsaurier und gehörten zu den ersten Vertretern der Theropoden, jener Gruppe nahezu durchgehend zweibeiniger Dinosaurier, zu denen die Raptoren, Tyrannosaurier und die Vögel gehören. Der Neuling hat noch keinen offiziellen Namen erhalten.
Ein direkter Verwandter dieses Tieres fand sich unterdessen in Venezuela:Tachiraptor gehörte zu den ersten Dinosauriern nach dem Massensterben am Ende des Trias-Zeitalter. Die Trias ist jenes Zeitalter, in dem die Dinosaurier und Flugsaurier entstanden. In dieser Zeit lebten die ersten Dinosaurier, Flugsaurier, verschiedene Gruppen von Krokodilen und anderen Reptilien sowie die ersten Säugetiere relativ bunt gemischt auf der ganzen Welt verteilt. Am Ende der Trias kam es zu einem großen Massensterben, aus dem die Dinosaurier als „Sieger“ hervorgingen, ähnlich wie es am Ende des Zeitalters der Dinosaurier die Säugetiere taten. Der neue Fund hilft die noch immer rätselhaften Startzustände zu klären, unter denen die Dinosaurier in geologisch kürzester Zeit zu den beherrschenden Tieren auf der Erde wurden.

Schamlose Werbung
Die Zeitgenossen von Iteravis sind Thema von Schwarzer Schwinge, erhältlich bei Amazon für Kindle.
Die kambrische Explosion ist Thema des nächsten Bandes dieser Serie, Zackigen Zahnes, der grade in der Endbearbeitung ist.