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Achja, der Goebbels-Vergleich und der nächste Morgen.

Inzwischen habe ich zwei Entschuldigungen geschrieben: Eine in der Bürgerzeitung als Kommentar unter dem entsprechenden Artikel, eine an die CDU sowie Presse und Rundfunk.
Beide Stellungnahmen und mein vorheriger Beitrag decken sich inhaltlich beinahe vollständig, daher verzichte ich hier auf eine raumgreifende Zitierung. Sollte eine solche gewünscht sein, liefer ich natürlich nach.

Wie oben bereits verlinkt, hat die Bürgerzeitung berichtet, daneben die Rheinische Post (übrigens hat jene von mir wohl eine falsche Handynummer, sie hat zwar offenbar angerufen, aber nicht bei mir, keine Ahnung, wessen Mailbox die Redaktion da gefüllt hat), die Westdeutsche Zeitung im überregionalen Teil und im Kontext von Kritik durch Sigmar Gabriel und Claudia Roth (finde ich allerdings nicht online). Vom Express habe ich auch gehört, dass er berichtet hätte.
Heute vormittag hatte ich ein Interview mit Sat.1 (lief mE sehr schlecht), dem WDR und RTL (die beiden waren okay). Nun, mal sehen, was daraus noch wird.
Einen von mir (wahrscheinlich) unabhängigen Goebbels-Vergleich gab es inzwischen in The Independence, das ich mir auch nicht zu eigen mache. Wenn Stephanie zu Guttenberg mit ihrem gatten ins Ausland fliegt, ist das ihre Sache.

Die Frau des Ministers begründet ihre Teilnahme an der Reise: sie wolle „als Gattin und Mutter zu Weihnachten bei den Soldaten“ sein. Ich werde aufmerksam. Diese Klänge kenne ich. Von Goebbels. Was Stephanie zu Guttenberg hier in die Mikrofone säuselt, soll freundlich klingen. So familiär irgendwie. Auch irgendwie harmlos. Nett eben.

Doch ich frage mich: was vollzieht sich da grade im Lande? Was schleicht sich da ein in die Spaßgesellschaft? Was erlaubt sich der junge Minister da eigentlich, der im Moment von den Sympathien des Volkes getragen wird? Abgeordnete, die im Januar zu entscheiden haben, können Kundus nicht besuchen, aber die „Gattin und Mutter“, die über keinerlei Mandat verfügt, darf? Das ist kein Zufall. Hier geht es um die richtigen Bilder. Die einen „jungen aufstrebenden Politiker“ stärken sollen.[…]

Nun verhält es sich allerdings so, dass die Formulierung von der „Gattin und Mutter zu Weihnachten bei den Soldaten“ eine Geschichte hat in Deutschland.

Die Linke hat, sehr zu meiner Überraschung, mit einer sachlichen Mitteilung reagiert:

Der Skandal ist nicht der Vergleich eines örtlichen Ratsherren. Der eigentliche Skandal ist wie Not und Elend benutzt werden, um die Quote zu erhöhen. „Da fliegt jemand auf Kosten der SteuerzahlerInnen in ein Kriegsgebiet und hat im Handgepäck die Zusage auf einen exklusiven Show-Auftritt bei Kerner live aus dem Krisengebiet“, ärgert sich Kreissprecher Torben Schultz.

Für mich ist die Sache erledigt. Ich habe einen Fehler gemacht, mich entschuldigt und dargestellt, was gemeint war. Die CDU Mönchengladbach hat mir zu verstehen gegeben, dass sie das ebenso sieht.
Jetzt arbeiten die Massenmedien mit ihrem üblichen Nachlauf von einigen Stunden. Dann kommt eine Protestwelle. Und Donnerstag kennt hoffentlich wieder niemand mehr meinen Namen.

In Twitter gibt es unterdessen immer noch keine mir bekannten negativen Reaktionen.
Eine Auswahl an Reaktionen, die mir aufgefallen sind:

Teelevision: http://bit.ly/gcVfdY Ich dachte sowas nennt man Satire. Und es ist dann eine „üble Beleidigung“, wenn es ein Politiker sagt? (@shadaik)
[…]
Ich kann mich an „üblere“ Sachen aus den Spitzen anderer, an der Regierung beteiligter Parteien erinnern. Was mit faulen Ausländern und so.

Der Wachsame: Dieser Winter ist wirklich außergewöhnlich hart. Opa erzählt schon wieder von Stalingrad. #Erinnerungen

Und, wahrscheinlich unabhängig von meiner Äusserung:

fernsehkritiktv: Kerner macht Talkshow in Afghanistan! Es ist also wieder soweit: Terror, der von deutschem Boden ausgeht!

peterbreuer_ Deutschland wird am Hindukusch blamiert.

jensbest: Wenn es die Kerner-Show schon 1941 gegeben hätte, hätte er mit „Wüstenfuchs“ Rommel auch eine PR-Talkshow gemacht. #KriegspropagandaTV
[jensbest, der etwa 20-Mal soviele Leser hat wie ich, geht Guttenberg insgesamt übrigens noch deutlich drastischer an]

Der Kontrast zwischen Online- und Offline-Reaktionen ist beachtlich. Die in diesen Tagen gemachten Erfahrungen bedeuten auch neue Informationen für meine Annahme, dass die Gesellschaft durch die netzwerklerische Kraft des Internets an mehreren Schnittlinien zugleich zerreisst. Zugleich ist mir bewusster geworden, was für Unterschiede ein und die selbe Sache in unterschiedlichen Medien und Kontexten in sich birgt. Eine Erfahrung von hohem Wert.
Das ist vielleicht das Positivste an dieser Sache: Soviel in so kurzer Zeit gelernt wie durch diesen Skandal, habe ich wohl noch nie. Und das nach 12 Jahren mit Internet.