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Heute/gestern abend (je nachdem, wann dieser Beitrag fertig sein wird, ich fange grade um 23:15 damit an) haben Bündnis 90/Die Grünen in Wanlo eine Mitgliederversammlung zum Bau einer dortigen Agro-/Bio-/Methangasanlage (Bezeichnung je nachdem,w en man fragt) abgehalten.
Nachdem ich vor der Veranstaltung darauf angesprochen wurde, habe ich überlegt, einen Redebeitrag einzubringen, der sich darauf bezieht. Ich entschied mich dagegen, um den beiden Interessengruppen (Bürgerinitiative Wanlo und Kreisbauernschaft) die Bühne zu überlassen.

Hier nun eine Nachbereitung wie der Beitrag ausgesehen hätte, damit man meine Position (Ich habe wie die meisten Parteimitglieder gegen die Anlage gestimmt, war aber anfangs einer ihrer größten Verfechter bei den Grünen) nachvollziehen kann. Soviel Transparenz muss sein.

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Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Gäste,

als ich heute abend diese Halle [Mehrzweckhalle Wanlo] betrat, da wurde ich direkt etwas gefragt: „Herr Diehl, Sie waren doch anfangs eher für die Anlage, sehen Sie das inzwischen anders?“
Ja, sagte ich und sage ich auch jetzt, ja, das tue ich.
Es ist vielleicht interessant, warum ich meine Meinung zur Agrogasanlage in Wanlo geändert habe. Will heissen die Biogasanlage, aber ich habe Gründe für meine Bezeichnung, die ich jetzt hier nicht ausführen will, weil ich nur drei Minuten habe.*
Zunächst einmal grundsätzlich: Ich halte Gas aus nachwachsenden Rohstoffen in einer grünen Energiezukunft für notwendig, weil nur sie die Grundversorgung erzeugen können, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Die Alternative ohne dieses Gas wäre beim aktuellen Stand der Technik entweder ein Atomreaktor oder Braunkohle. Ich will Wanlo aber weder verstrahlen noch abbaggern lassen.

Trotzdem gibt es Alternativen. Direkt neben dem geplanten Grundstück für die Anlage der NVV steht eine Kompostanlage. Warum betreiben Sie nicht diese Anlage statt mit Mais, der erst herangekarrt werden muss mit dem Grünschnitt, der an diesem Standort ohnehin schon angeliefert wird?
Kaum zusätzlicher Verkehr und die Anwohner wären auch noch die Gerüche der Kompostanlage los. Übrigens, wenn eine Agrogasanlage stinkt, verliert sie Geld, insofern glaube ich den Beteuerungen der NVV, das vermeiden zu wollen schon aus ihrem eigenen Profitinteresse.
Es wäre so einfach, diese Anlage so zu modifizieren, dass niemand mehr Grund zur Beschwerde hat.

Ich sehe mich davon ab als überzeugten Demokraten. Und das bedeutet, dass ich eine solche Anlage nicht gegen die Bevölkerung durchsetzen werde.

Im Endeffekt hat die NVV diese Chance verspielt: Sie hat die falsche Technologie gewählt, den für diese Technologie falschen Standort und es zudem nicht geschafft, die betroffenen Bürger rechtzeitig zu beteiligen und zu informieren. Statt dessen mussten die Wanloer sich anhören, wie sie aufgrund der bereits vorhandenen Belastungen ein idealer Standort für weitere Belastungen seien – eine Unverschämtheit, die ihr die Bürger zurecht so schnell nicht vergessen werden.
Herzlichen Glückwunsch, diese Sache haben Sie, liebe NVV, selbst in den Sand gesetzt.
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* „Biogas“ enthält eine starke positive Wertung, die ich mir in meiner Suche nach einem neutralen Urteil aber nicht zu eigen machen will. „Methangas“, wie es die Bürgerinitiative nutzt ist letztlich aussagelos, weil auch Erdgas Methan ist.
„Agrogas“ hingegen bezeichnet klar die Herkunft des Gases (von „Agrar“, also Landwirtschaft) und macht keine (scheinbare) Aussage über die ökologische Qualität der Herstellungstechnik.