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Es ist der 31. Dezember und damit Zeit für einen Jahresrückblick. Damit dabei alle Sinne bedient werden (naja, alle internetal erreichbaren Sinne), einer der überall auftauchenden Jahresmixes der Charthits 2015. Es gibt davon eine Menge, das hier ist der meiner Meinung nach beste, wenn auch etwas mainstreamig. Aber er fasst das Musikjahr gut zusammen.

Nota bene: Das ist eine Auswahl der öffentlichkeitstauglichen Highlights. Ich neige nicht dazu, online all zu persönlich zu werden. Sowas gehört für mich bei den Leuten, die man kennt, so von Freundeskreis aufwärts. Sagen wir zu diesem Teil einfach, es war ein sehr bewegtes Jahr. Und ein persönlich aller Voraussicht nach sehr wichtiges. Andere Dinge sind ganz einfach vertraulich oder strategisch so zu behandeln, das ist einfach so, wenn man politisch aktiv ist.
Noch ein technischer Hinweis. Im Laufe des Jahres haben sich ein paar technische Aspekte im Blog geändert. Das betrifft vor allem die Art, wie ich Bilder einbinde. Diese stelle ich seit einigen Monaten in speziell angepasster Größe direkt in den Beitrag, vorher tat ich dies mit einem Vorschaubild, welches auf die eigentliche Datei verlinkte. Aus technischen Gründen (und weil ich zu faull bin die Dateien neu zu bearbeiten) werden alle Bilder entsprechenden Alters in diesem Beitrag auf die alte Weise eingebunden. Seht es als Nostalgiebonus.

Soziale Medien gehen nach vorn

Das Jahr begann mit einem kleinen Knall im Twitterversum, mit diesem Wortspiel zu den Vollidioten oder wie sie sich selber nennen, Pegida:

Ich setzte diesen als eine meiner üblich-schnippischen Bemerkungen, die mir spontan einfielen ins Netz. Und dann begann mein Telefon zu vibrieren und mein Postfach dezent überzuquellen.

Beinahe 500 Likes und 400 Retweets sollten es werden. Nicht mitgezählt jene, die den Tweet per Kopieren-Einfügen übernahmen oder per Zitat in eigenen Tweets. Es gab einen ersten Sturm der Meldungen. Und als der grade ausklang übernahm die Taz den Tweet und es gab einen zweiten Sturm.
Das war einfach nur wow.
Sicher, es war letztlich nur ein kleiner Scherz und hat nichts großes bewirkt, aber es war einfach ein einmaliges Erlebnis, plötzlich so weit zu wirken.

Ein Freund von Aprilscherzen bin ich ja eigentlich nicht, aber mich griff zum 30. März die Inspiration und so sabotierte ich ein wenig die Onlinepräsenzen des Grünen Kreisverbandes MG mit einere 24 Stunden anhaltenden kurzen Umbenennung mit kleinen organisatorischen Schwierigkeiten:

Liebe GefallerInnen, die Umsetzung der auf der letzten Jahreshauptversammlung (künftig: erweiterte Krabbelgruppe) beschlossenen Umbenennung in Brüder_Innenschaft St. Florian Mönchengladbach kann sich aus administrativen Gründen bis heute Abend ziehen

Naherholung in MG. Für die Autos

Naherholung in MG. Für die Autos

Ein paar Tage später durfte Facebook wirken. Auf dem Weg aus der Innenstadt traf ich am 4. April auf einen aufgeregten Karl Sasserath, der mich bat sich ein Mal den Hans-Jonas-Park anzusehen. Was ich vorfand, war eine von Autos zugestellte und zerfurchte Wiese an einer Ecke der Stadt, die in den nächsten Jahren zu einem der Vorzeigeparks werden soll. Ich nahm einige Fotos auf und stellte sie auf Twitter udn Facebook ein, wo sie schnell die Runde machten. Die Reaktion war allgemeines Erschrecken, das bald auch den Oberbürgermeister erreichte, der Besserung versprach.
Diese lieferte OB Reiners dann auch innerhalb einer Woche, indem die Wiese durch Baumstämme schwer befahrbar gemacht wurde. Seitdem konnte sich der Rasen erholen und sieht nun wieder aus, wie ein Rasen in der Innenstadt aussehen sollte.
Eine Shiitake-Farm, äh ich meine, kostengünstige Parkhindernisse

Eine Shiitake-Farm, äh ich meine, kostengünstige Parkhindernisse

Zum 1. Mai wurde ich für den OB zu einem kleinen Ärgernis. Ein Tweet ließ darauf schließen, dass er während eines fremdenfeindlichen Aufmarsches in Mönchengladbach, dem sich ein breites Bürgerbündnis entgegenstellte, eine Fahrradtour gemacht hatte. Nun muss man sagen, dass das Twitterkonto des OB zu diesem Zeitpunkt praktisch nur aus Runtastic-Mitteilungen und Links auf die Pressemitteilungen der CDU bestand, aber dennoch auf privat gestellt war, also nur von Nutzern eingesehen werden konnte, denen dies ausdrücklich gestattet wurde.
Ich war stinksauer über den Tweet, Reiners war sauer, dass ich ein Bild davon veröffentlicht hatte. Ich habe ja meinerseits Erfahrungen mit sowas und kann daher ganz klar sagen: Twitter ist öffentlicher, als so mancher glauben mag. Und meist merkt man das erst, wenn es ein mal wirklich unangenehm wird.
In diesem fall waren die Folgen allerdings durchaus positiv: Am nächsten Tag startete ein neues, öffentliches Twitter-Konto des OB und ich muss ehrlich sagen, das ist deutlich besser als das alte, nicht-öffentliche, welches nur CDU-Pressemitteilungen und Runtastic-Touren listete. Ist doch auch mal ein Effekt.

Schreiben und Machen

Mit meiner Schreibleistung war ich dieses Jahr nicht ganz zufrieden. Zu sehr habe ich mich in vielen halbfertig gewordenen Projekten verzettelt. Aber eines sticht doch heraus, der Beweis, dass ich ein Projekt in kürzester Zeit fertigstellen kann, wenn ich mich einige Tage nur darauf konzentriere.
cover-jpThe Dinosaurs of Jurassic Park and Jurassic World war ein Projekt, das mir sehr viel Spass gemacht hat. Es nimmt die offiziellen Veröffentlichungen der Jurassic-Park-Reihe (vier Filme, zwei Romane und ein Videospiel) und nutzt deren Darstellungen von Dinosauriern, um den Lesern etwas über die wirklichen Dinosaurier zu vermitteln. Darüber, wo die populäre Reihe in ihren Darstellungen falsch liegt und warum. Und somit auch darüber, wie sich unser Wissen über diese Tiere seit 1993 verändert hat und wie dies geschehen ist. Dazu hatte ich die Gelegenheit, Jurassic World zur Premiere am 11. Juni in Deutschland im Kino zu sehen, während er in den USA erst am 12. Juni startete. Die unterschiedlichen Termien plus der Abstand der Zeitzonen ermöglichten es mir, das Buch pünktlich zum US-Filmstart auf dem Markt zu haben. Das Ergebnis war der bis dato erfolgreichste Verkaufsstart eines meiner Bücher überhaupt. Ein Buch ohne allgemeine Gratis-Aktion und in Englisch. Und die Verkäufe halten auf niedrigerem Niveau durchaus an — das Buch ist im Alleingang dafür verantwortlich, dass mein Hauptabsatzmarkt in den letzten drei Monaten des Jahres Australien war. Es sorgte dafür, dass der Juni allein fast die Hälfte meiner diesjährigen eBook-Einnahmen erbrachte. Ja, ich darf von einem Erfolg sprechen.

Anfang Oktober nahm ich erstmals an der Indies Unlimited Flash Fiction Challenge teil. Bei dieser gilt es, innerhalb von vier Tagen aus einer Anregung eine Geschichte von maximal 250 Wörter zu stricken. Die besten Geschichten werden von einer Jury ausgewählt, aus der dann per Publikumsabstimmung der Sieger ermittelt wird. Gleich mein erster Anlauf schaffte es in die Endrunde, wurde dort aber nur Dritter.

Finalist ist übrigens nicht der Titel, der Beitrag ist nur ein Finalist in der Abstimmung. Wäre aber ein guter Titel

Finalist ist übrigens nicht der Titel, der Beitrag ist nur ein Finalist in der Abstimmung. Wäre aber ein guter Titel

Doch zum Ende des selben Monats gelang es dann mit dem vierten Versuch und meine Geschichte wurde Sieger in der Publikumsabstimmung. Das bedeutet, dass die Geschichte 2016 in einer Anthologie aufgenommen wird. Mein erster Beitrag zu einer Anthologie und dann noch per Publikumsentscheid. Ja, ich bin stolz auf mein „Baby“, übrigens einer meiner ganz wenigen fiktionalen Texte, die der Belletristik im engeren Sinne zugeordnet werden können. Ich schreibe eigentlich so gut wie keine kontemporär angesiedelten Geschichten, muss aber konstatieren, dass das mit meinem Schreibstil unerwartet gut funktioniert.recollections

Politik: Neues und Rückkehrten

Radtour zur Braunkohlekette in Wanlo (Foto: Jürgen Küsener)

Radtour zur Braunkohlekette in Wanlo (Foto: Jürgen Küsener)

Im Laufe der Jahre wurde ich immer mehr zu einem Demogänger; etwas, was ich die Jahre zuvor nur in seltenen Ausnahmefällen war. Sehr schön war es, Ende April eine Gruppe Radfahrer zur Anti-Kohle-Kette von Keyenberg bis Immerath führen. Das erste mal, dass ich eine solche Radtour organisiert habe, vom Hauptbahnhof Mönchengladbach über Rheydt, die Niers entlang durch Wanlo nach Borschemich, wo die Gruppe sich in der Kette verteilt hat.

Der Mai sah meine Rückkehr in den Umweltausschuss und meine Premiere im Bau- und Planungsausschuss. Es tat im Falle des Umweltausschusses gut, in ein Gremium zurückzukehren, in dessen Fachgebiet ich mich fünf Jahre lang eingearbeitet hatte. Da ist einfach dieses Moment, in dem man merkt: „Ja, hier kenn ich mich aus, hier weiss ich genau, was ich tue!“
Der Bauausschuss war schon lange ein Ziel von mir, denn viele Themen, die man intuitiv im Umweltausschuss vermuten würde, sind im Bauausschuss verortet. Dort ist es etwas schwieriger reinzukommen, weil meine Vorstellungen von Planungs- und Baupolitik auch unter Grünen eher unkonventioneller Natur sind.
Das Monatsende brachte mich dann auf einen Landesparteitag (Fachjargon LDK für Landesdelegiertenkonferenz) der Grünen, von der ich nicht so angetan war.

Dazwischen findet sich noch die offizielle Gründung des Vereins Mönchengladbach im Wandel e.V., hinter der sich die hiesige Transition-Town-Initiative vebrirgt. Ich darf mich als Gründungsmitglied bezeichnen und hatte die Ehre, das Pressefoto vom Vorstand zu schießen. Ui! ;-)

Von mir und trotzdem nicht komplett verwackelt, der Transition-Town-Vorstand

Von mir und trotzdem nicht komplett verwackelt, der Transition-Town-Vorstand

Anfang Juni endete mein bis dato längster politischer Kampf mit dem Erfolg der Umsetzung meiner Ansinnen. Die Viktoriastraße wurde umgestaltet: Die Radwege sind nicht mehr verpflichtend, die Autos parken nicht mehr auf dem dafür viel zu schmalen Bürgersteig. Drei verdammte Jahre hat das gebraucht, aber es wurde nun endlich gut. Ja, ich bin schon ein bisschen stolz. Ein bisschen sehr.

Viktoriastraße 2012 und 2015. Der gemeinte Unterschied ist nicht das Herbstlaub

Viktoriastraße 2012 und 2015. Der gemeinte Unterschied ist nicht das Herbstlaub

Am 4. Juli dann die Meldung, dass Investoren aus Dubai eine Freizeitanlage namens Four Seasons im ehemaligen NATO-Hauptquartier für Nordeuropa zwischen Rheindahlen und Hardt bauen wollen.
Das wollen die schon seit einiger Zeit. Ich habe mit diesem Projekt eine lange Geschichte, die ich eines Tages erzählen werde. Momentan, also während ich diese Zeilen schreibe, versuche ich noch, eine Position zu dem Vorhaben zu finden, wie es sich jetzt darstellt. Es stecken große Hoffnungen und große Versprechen dahinteer, aber durchaus auch große Ängste.
Der 11. Juli brachte Mönchengladbachs ersten Christopher Street Day. Eine sehr schöne Veranstaltung, die wieder zeigte, welches Potenzial für eine alternative Kultur in dieser sich immer so schüchtern klein haltenden Stadt steckt.

Der August brachte den Start von MG Nachhaltig mit sich, der Plattform für ökologisch-nachhaltige Projekte in Mönchengladbach. Dieses Herzensprojekt wird 2016 noch einiges erleben dürfen. Schon jetzt sind die Reaktionen durchgehend großartig und ich betrachte es noch längst nicht als fertig. Vieles ist noch auszubauen und ich habe eine Liste von Ideen, die zusätzlich eingebaut werden können (und sollen).

Die GroKo werkelt

Der März brachte mit der Abwahl von Andreas Wurff einen ersten politischen Tiefpunkt für die Stadt. Wurff, der sich als einer der wenigen erwies, die in Mönchengladbach ein modernes Bild von Stadtentwicklung vertreten, wurde von der GroKo kurzerhand abgesetzt. Erschreckenderweise ohne Konzept: Monatelang folge Lavieren um einen Nachfolger, erst spät im Sommer fand der sich dann mit Dr. Bonin, den bisherigen Baudezernenten von Düsseldorf, dessen städtebauliche Vorstellungen aus den 60ern dort ihrerseits gegen eine neue Ampelkoalition standen. Seitdem gilt an allen Ecken die Devise vom hochwertigen bauen, wo Bauen für die anwesende Bevölkerung (die eben nicht dem als Neureichenmettropole geltenden Düsseldorf entspricht) nötig wäre.
Natürlich könnte ich zur Politik der GroKo in Mönchengladbach einen kompletten eigenen beitrag machen. Deshalb habe ich das auch getan und kann es in diesem Jahresrückblick darauf beruhen lassen, darauf zu verweisen.

Sonstiges

Meine Radfahrten brachten mich 2015 fern in alle Himmelsrichtungen. Fahrten nach Düsseldorf sind mittlerweile fast schon Routine, wenn es dort am Wochenende etwas zu besuchen gibt. Das Rad trug mich nach Roermond und von dort aus tief hinunter in Richtung Maastricht, aber auch wieder nach Heinsberg. Die Geisterstadt Borschemich am Braunkohlentagebau wurde im Herbst ein regelmäßiges Ziel, von dem ich gut 200 Fotos mitbrachte, vom Graffiti über leerstehende Gebäude bis zum toten Hund in einer Scheune.
Projekt Rana für den bau eines Liegedreirades kam, versandete in der Geschäftigkeit des Sommers und fand seinen vorläufigen Abschluss Anfang Dezember im Erwerb eines Liegerades, welches es im Januar fahrtauglich zu machen gilt. Seinen vorläufigen, wohlgemerkt.

Finde den Unterschied!

Meins!

Die letzten zwei Monate waren auch vom Vorhaben geprägt, Ordnung in meine Posteingänge, Notizen, Listen und dergleichen zu bringen. So habe ich etliche Notizen verarbeitet, um die 6000 ungelesene eMails in diversen Postfächern gelesen und wenn erledigt gelöscht, mehrere hundert eBooks durchgelesen und in viele Fällen (kurze Ratgeber mit wenig neuen Informationen) gelöscht, alte Fotos und Manuskripte sortiert und noch einiges mehr dergleichen. Das wird auch noch eine Weile laufen.
Und zuletzt udn doch zuvorderst gab es wieder Menschen, die da waren, hinzukamen, wiederkamen oder leider auch verschwanden. Zu viele, sie alle zu nennen, aber doch genug, zu erwähnen, dass sie da waren und ihnen ganz allgemein zu danken. Danke, Leute, ihr seid super.

Fazit

Ein Jahr, in dem viel passiert ist, geht da zu Ende. Dieser Beitrag kann davon nur eine Auswahl darstellen, wie jeder Jahresrückblick nur eine Auswahl sein kann, eingeschränkt sowohl durch die verfügbare Zeit als auch durch redaktionelle Überlegungen, teils auch durch mein Gedächtnis, auch wenn ich dieses Jahr das ganze Jahr hindurch Notizen zu diesem Artikel gemacht habe. ich freue mich auf ein ähnlich bewegtes 2016. Wenn nicht sogar noch bewegter, doch dazu mehr morgen im Jahresausblick.


Bleibt, die Voraussagen vom 1. Januar aufzulösen. Hatte ich dieses Jahr Recht? Mal schauen:

  • Durchbruch für 3D-Drucker: Ja, sie sind 2015 deutlich alltäglicher geworden, aber ob man wirklich von einem Durchbruch sprechen kann, ist Auslegungssache
  • Überall Drohnen: Volltreffer
  • Religiöse Konflikte im Westen: Die Lage spannt sich 2015 weiter an, mit den Anschlägen in Paris als traurigem Höhepunkt
  • Die Ölblase platzt: Nein, der Ölpreis ist so weit gesunken, dass es zu ersten Krisen bei den Exportländenr kommt