Zum offline lesen runterladen:

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diesmal ist ein wenig mehr Zeit ins Land gegangen, die ich dann rauszuholen versuche. Also dann!

Nestbau liefert weitere Hinweise auf gefiederte Dinosaurier

Erneut liefert eine Untersuchung der Nester von Dinosauriern wichtige Hinweise auf die Entwicklung der Vögel und die Nähe der Dinosaurier zu diesen. Nachdem zuletzt anhand der Eierschalen die Körpertemperatur der Muttertiere gemessen werden konnte, geht es diesmal um unterschiedliche Arten, Nester zu bauen. Innerhalb der Archosaurier als übergeordneter Gruppe gibt es zwei hauptsächliche Arten des Nesterbaus: Die Erdhügel der Krokodile und die bebrüteten offenen Nester der Vögel.
Der Aufbau der Eierschalen zeigt, dass bei den Dinosauriern beides vorkam. Dabei gibt es offene Nester genau bei den Dinosauriern, die näher mit den Vögeln verwandt sind und über ein Gefieder verfügen, mit dessen Hilfe sie die Nester bebrüten können.

Parasaurolophus mit Hügelnest, Oviraptor beim Brüten - Bild: Julius T. Czotonyi

Parasaurolophus mit Hügelnest, Oviraptor beim Brüten – Bild: Julius T. Czotonyi

Untersucht wurde dabei, ob der Aufbau der Schale eher auf Eier hindeutete, die für das Verscharren oder für den Aufenthalt an offener Luft geeignet waren. Beides erfordert unterschiedliche Anpassungen etwa wegen der unterschiedlich hohen Gefahr auszutrocknen.

Dimetrodon droht zu verschwinden

Vor einigen Jahren ging das Gerücht, der Name Triceratops müsste abgeschafft werden, weil neue Erkenntnisse zeigen würden, dass dieser Dinosaurier mit Torosaurus identisch sei. Der Grund dafür ist, dass in einem solchen Fall der neuere Name für ungültig erklärt und der Name der früher entdeckten Exemplare verwendet wird. Damals war das doppelt falsch: Zum einen galten die Untersuchungen dazu als zweifelhaft, zum anderen war Triceratops der ältere Name, wenn überhaupt wäre also Torosaurus verschwunden.
Nun aber kommt eine ähnliche Geschichte wieder. In Kanada wurden Fossilien eines Tieres neu untersucht, welches dort ursprünglich 1845 entdeckt und als Bathygnathus benannt wurde. Damals wurden die Kieferstücke für die eines Dinosaurier gehalten, doch jetzt schaute sich die Paläontologin Kirstin Brink die Zähne genauer an und es stellt sich heraus, dass Bathygnathus wahrscheinlich mit Dimetrodon identisch war, jenem nachtaktiven Reptil mit einem riesigen Segel auf dem Rücken, welches gerne zu den Dinosauriern gezählt wird, obwohl es vor den Dinosauriern lebte und näher mit den Säugetieren verwandt war. Dieses hier:

Dimetrodon auf Nachtjagd, ein Edaphosaurus als Beute im Hintergrund - Illustration by Marlene Hill Donnelly

Dimetrodon auf Nachtjagd, ein Edaphosaurus als Beute im Hintergrund – Illustration by Marlene Hill Donnelly

Das Problem: Der Name Dimetrodon wurde erst 1878 vergeben, somit müsste er weichen. Die für Streitfälle bei der Benennung zuständige internationale Kommission für biologische Nomenklatur kann allerdings eine Ausnahme machen, wie sie es auch schon bei Tyrannosaurus rex getan hatte, der sonst heute als Manospondylus gigas Touristen auf Pazifikinseln fressen müsste.

Ein paar kleinere Nachrichten

Süß, oder? (Bild: Forscherteam Selden et al.)

Süß, oder? (Bild: Forscherteam Selden et al.)

China gibt uns die größte jemals gefundene Versteinerung einer Spinne, die so fein ist, dass man eindeutig die Zugehörigkeit zur heute noch lebenden Gattung der Seidenspinnen nachweisen konnte. Sie erreichte die beeindruckende Beinspanne von 15 Zentimetern. Nephila jurassica ist ein Weibchen, wie auch bei den heute noch lebenden Seidenspinnen die Weibchen zu den größten aller Spinnen zählen (und gelegentlich sogar kleine Vögel erbeuten), während die Männchen vergleichsweise winzig sind.
Schottland hat einen neuen Fundplatz für Fußspuren von Sauropoden, die dort vor 151 Millionen Jahre an der Küste entlanggewandert sein müssen.
Im Reich der Pflanzen finden sich ein paar Entdeckungen zur Entwicklung der Blütenpflanzen. Zum einen gibt es aus China den Fund eines versteinerten Pfirsichkerns, womit sich der Verdacht erhärtet, dass diese Pflanze unklaren Ursprungs ursprünglich von dort stammt. Zurück in der Zeit der Dinosaurier finden sich Teile von Blütenpflanzen in Dinosaurierkot, womit zunehmend deutlicher wird, dass diese durchaus von Dinosauriern gegessen wurden — lange Zeit galt es als eine Theorie zum Aussterben der Dinosaurier, dass die Blütenpflanzen jene älteren Pflanzen verdrängt hätten, von denen sich die Pflanzenfresser unter den Dinosauriern ernährten.
Wo wir schon beim Aussterben der Dinosaurier sind: Simulationen amerikanischer Forscher weisen darauf hin, dass der Einschlag des Meteoriten vor circa 65 Millionen Jahren eine bisher unbeachtete Folge hatte: Das über den Erdball verteilte material von der Einschlagstelle nährte eine gewaltige globale Algenblüte, die zum Umkippen zahlreicher Ökosysteme in den Meeren führte. Das passt damit zusammen, dass in den Ozeanen mit Ausnahme der Meeresschildkröten alle Meeresreptilien verschwanden, während Fische und Kopffüßer erheblich reduziert wurden.

Und zu guter Letzt

Hier ist eine eiförmige Kerze, aus der beim Abbrennen ein Dinosaurier schlüpft.

Wer mag, kann sich über die fehlenden Federn beschweren (Bilder: Firebox.com)

Wer mag, kann sich über die fehlenden Federn beschweren (Bilder: Firebox.com)