Dino-Dienstag 33

Nachrichten aus der Welt der PalÀontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diesmal ist ein wenig mehr Zeit ins Land gegangen, die ich dann rauszuholen versuche. Also dann!

Nestbau liefert weitere Hinweise auf gefiederte Dinosaurier

Erneut liefert eine Untersuchung der Nester von Dinosauriern wichtige Hinweise auf die Entwicklung der Vögel und die NĂ€he der Dinosaurier zu diesen. Nachdem zuletzt anhand der Eierschalen die Körpertemperatur der Muttertiere gemessen werden konnte, geht es diesmal um unterschiedliche Arten, Nester zu bauen. Innerhalb der Archosaurier als ĂŒbergeordneter Gruppe gibt es zwei hauptsĂ€chliche Arten des Nesterbaus: Die ErdhĂŒgel der Krokodile und die bebrĂŒteten offenen Nester der Vögel.
Der Aufbau der Eierschalen zeigt, dass bei den Dinosauriern beides vorkam. Dabei gibt es offene Nester genau bei den Dinosauriern, die nĂ€her mit den Vögeln verwandt sind und ĂŒber ein Gefieder verfĂŒgen, mit dessen Hilfe sie die Nester bebrĂŒten können.

Parasaurolophus mit HĂŒgelnest, Oviraptor beim BrĂŒten - Bild: Julius T. Czotonyi

Parasaurolophus mit HĂŒgelnest, Oviraptor beim BrĂŒten – Bild: Julius T. Czotonyi

Untersucht wurde dabei, ob der Aufbau der Schale eher auf Eier hindeutete, die fĂŒr das Verscharren oder fĂŒr den Aufenthalt an offener Luft geeignet waren. Beides erfordert unterschiedliche Anpassungen etwa wegen der unterschiedlich hohen Gefahr auszutrocknen.

Dimetrodon droht zu verschwinden

Vor einigen Jahren ging das GerĂŒcht, der Name Triceratops mĂŒsste abgeschafft werden, weil neue Erkenntnisse zeigen wĂŒrden, dass dieser Dinosaurier mit Torosaurus identisch sei. Der Grund dafĂŒr ist, dass in einem solchen Fall der neuere Name fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt und der Name der frĂŒher entdeckten Exemplare verwendet wird. Damals war das doppelt falsch: Zum einen galten die Untersuchungen dazu als zweifelhaft, zum anderen war Triceratops der Ă€ltere Name, wenn ĂŒberhaupt wĂ€re also Torosaurus verschwunden.
Nun aber kommt eine Ă€hnliche Geschichte wieder. In Kanada wurden Fossilien eines Tieres neu untersucht, welches dort ursprĂŒnglich 1845 entdeckt und als Bathygnathus benannt wurde. Damals wurden die KieferstĂŒcke fĂŒr die eines Dinosaurier gehalten, doch jetzt schaute sich die PalĂ€ontologin Kirstin Brink die ZĂ€hne genauer an und es stellt sich heraus, dass Bathygnathus wahrscheinlich mit Dimetrodon identisch war, jenem nachtaktiven Reptil mit einem riesigen Segel auf dem RĂŒcken, welches gerne zu den Dinosauriern gezĂ€hlt wird, obwohl es vor den Dinosauriern lebte und nĂ€her mit den SĂ€ugetieren verwandt war. Dieses hier:

Dimetrodon auf Nachtjagd, ein Edaphosaurus als Beute im Hintergrund - Illustration by Marlene Hill Donnelly

Dimetrodon auf Nachtjagd, ein Edaphosaurus als Beute im Hintergrund – Illustration by Marlene Hill Donnelly

Das Problem: Der Name Dimetrodon wurde erst 1878 vergeben, somit mĂŒsste er weichen. Die fĂŒr StreitfĂ€lle bei der Benennung zustĂ€ndige internationale Kommission fĂŒr biologische Nomenklatur kann allerdings eine Ausnahme machen, wie sie es auch schon bei Tyrannosaurus rex getan hatte, der sonst heute als Manospondylus gigas Touristen auf Pazifikinseln fressen mĂŒsste.

Ein paar kleinere Nachrichten

SĂŒĂŸ, oder? (Bild: Forscherteam Selden et al.)

SĂŒĂŸ, oder? (Bild: Forscherteam Selden et al.)

China gibt uns die grĂ¶ĂŸte jemals gefundene Versteinerung einer Spinne, die so fein ist, dass man eindeutig die Zugehörigkeit zur heute noch lebenden Gattung der Seidenspinnen nachweisen konnte. Sie erreichte die beeindruckende Beinspanne von 15 Zentimetern. Nephila jurassica ist ein Weibchen, wie auch bei den heute noch lebenden Seidenspinnen die Weibchen zu den grĂ¶ĂŸten aller Spinnen zĂ€hlen (und gelegentlich sogar kleine Vögel erbeuten), wĂ€hrend die MĂ€nnchen vergleichsweise winzig sind.
Schottland hat einen neuen Fundplatz fĂŒr Fußspuren von Sauropoden, die dort vor 151 Millionen Jahre an der KĂŒste entlanggewandert sein mĂŒssen.
Im Reich der Pflanzen finden sich ein paar Entdeckungen zur Entwicklung der BlĂŒtenpflanzen. Zum einen gibt es aus China den Fund eines versteinerten Pfirsichkerns, womit sich der Verdacht erhĂ€rtet, dass diese Pflanze unklaren Ursprungs ursprĂŒnglich von dort stammt. ZurĂŒck in der Zeit der Dinosaurier finden sich Teile von BlĂŒtenpflanzen in Dinosaurierkot, womit zunehmend deutlicher wird, dass diese durchaus von Dinosauriern gegessen wurden — lange Zeit galt es als eine Theorie zum Aussterben der Dinosaurier, dass die BlĂŒtenpflanzen jene Ă€lteren Pflanzen verdrĂ€ngt hĂ€tten, von denen sich die Pflanzenfresser unter den Dinosauriern ernĂ€hrten.
Wo wir schon beim Aussterben der Dinosaurier sind: Simulationen amerikanischer Forscher weisen darauf hin, dass der Einschlag des Meteoriten vor circa 65 Millionen Jahren eine bisher unbeachtete Folge hatte: Das ĂŒber den Erdball verteilte material von der Einschlagstelle nĂ€hrte eine gewaltige globale AlgenblĂŒte, die zum Umkippen zahlreicher Ökosysteme in den Meeren fĂŒhrte. Das passt damit zusammen, dass in den Ozeanen mit Ausnahme der Meeresschildkröten alle Meeresreptilien verschwanden, wĂ€hrend Fische und KopffĂŒĂŸer erheblich reduziert wurden.

Und zu guter Letzt

Hier ist eine eiförmige Kerze, aus der beim Abbrennen ein Dinosaurier schlĂŒpft.

Wer mag, kann sich ĂŒber die fehlenden Federn beschweren (Bilder: Firebox.com)

Wer mag, kann sich ĂŒber die fehlenden Federn beschweren (Bilder: Firebox.com)