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Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Zum Jahresabschluss mit ein paar neuen Spezies, vom Krabbeltier zum, nun, Dinosaurier.

Wie die Skorpione das Land betraten

Während der Weg der Wirbeltiere an Land recht gut aufgeklärt ist, steht es um die Gliederfüßer weniger gut. Dass diese lange vor den Fischen das Wasser verlassen haben müssen, ist bekannt, aber es fehlen der allerersten Festlandbewohner. Die noch weitgehend unbelebten Landschaften das Silur boten selten die Bedingungen, unter denen Versteinerungen entstehen konnten.
Mit Eramoscorpius brucensis gelang daher in Kanada ein ganz besonderer Fund. Ein Skorpion, der offenbar am Übergang zwischen Seeskorpionen und Landskorpionen stand. Gefunden wurde er in Gestein, das von urzeitlichen Stränden stammte.

Endlich Skorpione fürs Aquarium! Nur noch kurz klonen - Bild: © David Rudkin, Royal Ontario Museum

Endlich Skorpione fürs Aquarium! Nur noch kurz klonen – Bild: © David Rudkin, Royal Ontario Museum

Die eine Besonderheit dieses 430 Millionen Jahre alten Skorpions sind die Füße: Er hatte Füße! Ältere Skorpione liefen wie die meisten Krabben auf den Spitzen ihrer Beine, eine Art der Fortbewegung, die unter Wasser völlig ausreicht, auf dem Land aber eher beschwerlich ist, wo eine größere Trittfläche besser in der Lage ist, das Körpergewicht zu tragen. Damit brachte Eramoscorpius eine Anpassung mit, die ihm das Laufen auf dem festen Land deutlich erleichterte.
Die andere Besonderheit ist sein Verdauungssystem. Spinnentiere ernähren sich ausschließlich von Flüssigkeiten. Um das tun zu können, haben sie ihre Giftklauen, mit denen sie der Beute ein Gift verabreichen, welches deren Inneres zum Aussaugen verflüssigt. Das ist der Grund, weshalb alle an Land lebenden Spinnentiere einen giftigen Biss haben (wenn auch bei weitem nicht immer für Menschen giftig). Diese Anpassung fehlte Eramoscorpius und das bedeutet: Dieses Tier musste im Wasser fressen, denn nur dort stand genug Flüssigkeit zur Verfügung, um Nahrung aufsaugen zu können.
Wozu diese Kombination aus Merkmalen? Möglich ist vieles. Beispielsweise könnte der Skorpion zum Häuten ans sichere Land gegangen sein, wo sein Panzer aushärtete und sein tägliches Leben im küstennahen Wasser zugebracht haben. Ebenso möglich, dass er mit diesen Beinen bei Ebbe schneller vom trockengefallenen Strand zurück ins Wasser kam, wo er lebte. Obwohl viele Fragen offen bleiben, wissen wir plötzlich deutlich mehr über den Weg der Skorpione an Land als zuvor.
Übrigens waren die Tierchen durchaus stattlich: Bis zu 16,5 cm erreichte Eramoscorpius den Funden nach.

Neues aus dem Mesozoikum

Aus dem zeitalter der Dinosaurier gab es in letzter Zeit ein paar Neulinge, die ich hier einfach kurz vorstelle:

Morelladon - Bild: Carlos de Miguel Chaves

Morelladon – Bild: Carlos de Miguel Chaves

Morelladon beltrani ergänzt die wachsende Reihe der Dinosaurier mit einer Art Segel auf dem Rücken, von denen es vor allem in Europa und Nordafrika viele gab, darunter den bekannten Raubsaurier Spinosaurus. Morelladon ist dagegen ein Pflanzenfresser von der Größe eines Indischen Elefanten, benannt nach seinem Fundort Morella in Spanien. Die sehr ähnlichen Knochen lassen seine nahe Verwandtschaft zu dem nahezu weltweit verbreiteten Iguanodon erahnen, aber auch zu dem nordafrikanischen Ouranosaurus, der ein ähnliches Segel trug.
Phosphorosaurus alias Glubschi - Bild: Tatsuya Shinmura / Ashoro Museum of Paleontology / Trustees of the Natural History Museum, London

Phosphorosaurus alias Glubschi – Bild: Tatsuya Shinmura / Ashoro Museum of Paleontology / Trustees of the Natural History Museum, London

Japan bekommt mit Phosphorosaurus ponpetelegans einen interessanten neuen Mosasaurier, jene Gruppe großer Meereswarane, deren größter Vertreter in Jurassic World Haie und unschuldige Babysitter verspeist. Interessant an Phosphorosaurus sind die deutlich nach vorne gerichteten Augen, die dem Tier dreidimensionales Sehen ermöglichten, aber auch seine Fähigkeit verbesserten, im Dunkeln zu sehen. Letzteres scheint auch die hauptsächliche Funktion gewesen zu sein, denn in den selben Gesteinen gibt es auch Fossilien von Tiefseekalmaren und Anglerfischen, die er wohl entweder nachts oder in der Tiefsee gejagt hat. Das ist eine Anpassung, die von keinem anderen Meeresreptil bekannt ist.


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