Dino-Dienstag 34

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Zum Jahresabschluss mit ein paar neuen Spezies, vom Krabbeltier zum, nun, Dinosaurier.

Wie die Skorpione das Land betraten

W√§hrend der Weg der Wirbeltiere an Land recht gut aufgekl√§rt ist, steht es um die Gliederf√ľ√üer weniger gut. Dass diese lange vor den Fischen das Wasser verlassen haben m√ľssen, ist bekannt, aber es fehlen der allerersten Festlandbewohner. Die noch weitgehend unbelebten Landschaften das Silur boten selten die Bedingungen, unter denen Versteinerungen entstehen konnten.
Mit Eramoscorpius brucensis gelang daher in Kanada ein ganz besonderer Fund. Ein Skorpion, der offenbar am Übergang zwischen Seeskorpionen und Landskorpionen stand. Gefunden wurde er in Gestein, das von urzeitlichen Stränden stammte.

Endlich Skorpione f√ľrs Aquarium! Nur noch kurz klonen - Bild: ¬© David Rudkin, Royal Ontario Museum

Endlich Skorpione f√ľrs Aquarium! Nur noch kurz klonen – Bild: ¬© David Rudkin, Royal Ontario Museum

Die eine Besonderheit dieses 430 Millionen Jahre alten Skorpions sind die F√ľ√üe: Er hatte F√ľ√üe! √Ąltere Skorpione liefen wie die meisten Krabben auf den Spitzen ihrer Beine, eine Art der Fortbewegung, die unter Wasser v√∂llig ausreicht, auf dem Land aber eher beschwerlich ist, wo eine gr√∂√üere Trittfl√§che besser in der Lage ist, das K√∂rpergewicht zu tragen. Damit brachte Eramoscorpius eine Anpassung mit, die ihm das Laufen auf dem festen Land deutlich erleichterte.
Die andere Besonderheit ist sein Verdauungssystem. Spinnentiere ern√§hren sich ausschlie√ülich von Fl√ľssigkeiten. Um das tun zu k√∂nnen, haben sie ihre Giftklauen, mit denen sie der Beute ein Gift verabreichen, welches deren Inneres zum Aussaugen verfl√ľssigt. Das ist der Grund, weshalb alle an Land lebenden Spinnentiere einen giftigen Biss haben (wenn auch bei weitem nicht immer f√ľr Menschen giftig). Diese Anpassung fehlte Eramoscorpius und das bedeutet: Dieses Tier musste im Wasser fressen, denn nur dort stand genug Fl√ľssigkeit zur Verf√ľgung, um Nahrung aufsaugen zu k√∂nnen.
Wozu diese Kombination aus Merkmalen? M√∂glich ist vieles. Beispielsweise k√∂nnte der Skorpion zum H√§uten ans sichere Land gegangen sein, wo sein Panzer aush√§rtete und sein t√§gliches Leben im k√ľstennahen Wasser zugebracht haben. Ebenso m√∂glich, dass er mit diesen Beinen bei Ebbe schneller vom trockengefallenen Strand zur√ľck ins Wasser kam, wo er lebte. Obwohl viele Fragen offen bleiben, wissen wir pl√∂tzlich deutlich mehr √ľber den Weg der Skorpione an Land als zuvor.
√úbrigens waren die Tierchen durchaus stattlich: Bis zu 16,5 cm erreichte Eramoscorpius den Funden nach.

Neues aus dem Mesozoikum

Aus dem zeitalter der Dinosaurier gab es in letzter Zeit ein paar Neulinge, die ich hier einfach kurz vorstelle:

Morelladon - Bild: Carlos de Miguel Chaves

Morelladon – Bild: Carlos de Miguel Chaves

Morelladon beltrani erg√§nzt die wachsende Reihe der Dinosaurier mit einer Art Segel auf dem R√ľcken, von denen es vor allem in Europa und Nordafrika viele gab, darunter den bekannten Raubsaurier Spinosaurus. Morelladon ist dagegen ein Pflanzenfresser von der Gr√∂√üe eines Indischen Elefanten, benannt nach seinem Fundort Morella in Spanien. Die sehr √§hnlichen Knochen lassen seine nahe Verwandtschaft zu dem nahezu weltweit verbreiteten Iguanodon erahnen, aber auch zu dem nordafrikanischen Ouranosaurus, der ein √§hnliches Segel trug.
Phosphorosaurus alias Glubschi - Bild: Tatsuya Shinmura / Ashoro Museum of Paleontology / Trustees of the Natural History Museum, London

Phosphorosaurus alias Glubschi – Bild: Tatsuya Shinmura / Ashoro Museum of Paleontology / Trustees of the Natural History Museum, London

Japan bekommt mit Phosphorosaurus ponpetelegans einen interessanten neuen Mosasaurier, jene Gruppe großer Meereswarane, deren größter Vertreter in Jurassic World Haie und unschuldige Babysitter verspeist. Interessant an Phosphorosaurus sind die deutlich nach vorne gerichteten Augen, die dem Tier dreidimensionales Sehen ermöglichten, aber auch seine Fähigkeit verbesserten, im Dunkeln zu sehen. Letzteres scheint auch die hauptsächliche Funktion gewesen zu sein, denn in den selben Gesteinen gibt es auch Fossilien von Tiefseekalmaren und Anglerfischen, die er wohl entweder nachts oder in der Tiefsee gejagt hat. Das ist eine Anpassung, die von keinem anderen Meeresreptil bekannt ist.