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Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diese Woche vom Jura bis fast in die Gegenwart.

Portugiesisches Vogelsterben

Es gibt manchmal diesen besonders traurigen Moment für Biologen, wenn sie eine neue Spezies entdecken, die in geologischen Maßstäben grade erst ausgestorben ist. So ging es mit den Moas und Riesenadlern auf Neuseeland, den letzten sibirischen mammuts und nun auch mit dem wohl jüngsten solchen Fall, mit fünf neuen teils flugunfähigen Rallenarten, die auf Madeira und den Azoren lebten und deren letzte erst im 16. Jahrhundert ausgestorben sein muss.

Streng genommen nicht PRÄhistorisch, aber nunja… Bild: José Antonio Peñas (Sinc)

Streng genommen nicht PRÄhistorisch, aber nunja… Bild: José Antonio Peñas (Sinc)

Die Rallen verschwanden vermutlich im Zuge der Besiedlung der Inseln durch Europäer, die auf ihren Schiffen Mäuse und Ratten mitbrachten, welche die Eier fraßen sowie Hunde und Katzen als direkte Raubtiere an den Vögeln.
Forscher gehen davon aus, das mit der Ausbreitung des Menschen und seiner Begleiter weltweit tausende solcher Rallenarten, die jeweils nur auf einer einzigen Insel lebten, ausstarben.

Der älteste Stammeskampf

In Kenia sind die Überreste eines großen Kampfes gefunden worden, der dort vor 10.000 Jahren zwischen zwei Gruppen von Menschen, möglicherweise Stämmen, stattgefunden haben muss. Von den zwölf kompletten Skeletten zeigen zehn Spuren eines gewaltsamen Todes mit einer Art Knüppel oder durch Pfeile. Die Leichen umfassen auch Frauen (darunter eine gefesselte hochschwangere) und Kinder.
Dies ist der älteste nachgewiesene Kampf unter Menschen und überrascht insofern, als die Teilnehmer zu nomadischen Kulturen gehörten, die als friedlicher gelten. Viele Anthropologen vermuteten bisher, solche Konflikte seien erst mit der Erfindung von Landwirtschaft und damit einem sesshaften Lebensstil einhergegangen. Dem widersprach allerdings schon länger die Erkenntnis, dass auch Schimpansen gewaltsame Konflikte unter Gruppen kennen.

Glubschi

Ich mag Tiere, die ich „Glubschi“ nennen kann. Ausserdem hören wir hier viel zu selten von neuen Wirbellosen, obwohl grade diese so herrlich bizarr werden können. Hier ist wieder einer:

Jepp, definitiv bizarr - Bild: Vannier, J. et al./Nature

Jepp, definitiv bizarr – Bild: Vannier, J. et al./Nature

Dollocaris war eine bis zu zwanzig Zentimeter lange räuberische Garnele, die zu einem Viertel aus zwei riesigen Augen bestand und die Küsten Südfrankreichs vor 160 Millionen Jahren für kleinere Tiere zu einem gefährlichen Ort machte. Mit 18.000 Einzelaugen konnte Dollocaris es mit modernen Libellen aufnehmen, sein Körperbau deutet aber eher auf einen Lauerjäger hin, dessen verhalten mehr dem einer unter Wasser lebenden Gottesanbeterin vergleichbar war.

Dracoraptor

Noch etwas älter ist ein neuer Dinosaurier aus Großbritannien. Dracoraptor war ein kleiner Fleischfresser, der vor etwa 200 Millionen Jahren im heutigen Wales lebte. Zwar ist das gefundene Tier etwa zwei Meter lang und 70 Zentimeter hoch, das heisst aber wenig, da die Knochen offenbar zu einem noch nicht ausgewachsenen Exemplar gehören.

So fluffig! - Bild: Bob Nicholls

So fluffig! – Bild: Bob Nicholls

Ein paar kleinere Meldungen

Argentinien bringt uns den neuen größten Dinosaurier aller Zeiten. Abgesehen von seiner Größe (Stolze 37 Meter lang) gibt es aber wenig interessantes über Notocolossus zu sagen, ausser dass sein Fund einen eigenen Dokumentarfilm mit Richard Attenborough bekommen hat, der sicherlich auch noch im deutschen Fernsehen auftauchen wird.
6.000 Jahre in der Vergangenheit haben Forscher Hinweise auf Sesshaftigkeit und gemeinsame Gräber gefunden, in denen definitiv miteinander verwandte Personen verschiedener Generationen gezielt begraben wurden.