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Das Profilbild von eBooks für lau, 4 Jahre bewährt

Viereinhalb Jahre lang habe ich auf Twitter das Profil von eBooksfuerlau/eBooks für lau betrieben. Dies endet mit dem heutigen letzten Tag. Ein Rückblick, ein Nachruf, ein Abschiedsgeschenk

Rückblick

Ende 2011: Ich stand am Anfang meiner eBook-„Karriere“ und suchte für eine geplante Kostenlos-Aktion für mein eBook Feuchten Fußes eine Plattform, die dies ankündigte. Ich fand damals im deutschen Sprachraum keine brauchbare Plattform, also begann ich, selbst eine zu bauen. Ich entschied mich für ein Twitter-Profil als Mittel, um Nachrichten schnell zu verbreiten. Das brachte ein 140-Zeichen-Limit mit sich, aber das war eher ein Vorteil: Die meisten Bücher lassen sich in diesem Raum perfekt anteasern, wenn man die Inhalte auf einen Satz reduziert. Und dabei werden sie klarer, verständlicher und, ja, aufmerksamkeitserregender.
So war es dann. eBooks für lau war geboren und wuchs stetig, mit ein paar Sprüngen durch Retweets und Empfehlungen populärer Twitterer. Es geschah sogar, dass ich in Sitzungen den Menschen vor mir auf seinem Smartphone das Twitterprofil zugreifen sah, ohne dass er wusste, dass es von mir stammte. eBooks für lau wurde mein wirtschaftlich erfolgreichstes Internetprojekt.
Mit der Zeit verbesserte ich das Angebot zunehmend: Die Zeit der Tweets ging von 17:00 Uhr auf 18:00 Uhr, wiel da mehr Leute lesen. Der Amazon-Fokus ging zu Gunsten anderer Plattformen zurück, um auch anderen Lesern mehr Wert zu bieten. Mit der Nachtschicht um 22:00 kam ein Angebot für erotische Inhalte hinzu.
Es sollten viereinhalb Jahre werden.

Nachruf

Was also ist nun geschehen?
Zum einen ist festzuhalten, dass es vor allem Amazon über die Jahre immer schwieriger machte, Geld mit Links auf kostenlose eBooks zu verdienen. Es ist da etwas schizophren: Einerseits ist dies ganz klar möglich, denn Käufe nach Links auf kostenlose Inhalte werden von Amazon anstandslos vergütet. Andererseits schränkt es inzwischen das Ausmaß der Verlinkungen empfindlich ein.
Die erste solche Einschränkung geschah 2013, als Amazon beschloss, Anbieter nicht mehr auszuzahlen, wenn sie im betreffenden Monat mehr als 10.000 Downloads kostenloser eBooks erzeugt haben. eBooks für lau war damals weit davon entfernt, doch seit Ende 2015 kratzt es beständig nahe an dieser Marke. Gefährlich nahe.
Aber: Das ist gar nicht so schlimm. Weil es noch viel schlimmer ist. eBooks für lau hat im Laufe des Jahres 2015 praktisch aufgehört, nennenswerte Einkünfte zu generieren. Und ich meine wirklich aufgehört. Wir sprechen von Monaten einstelliger Beträge. Nicht pro Tag, für den ganzen Monat. Die zudem ständig an der Grenze dazu kratzen, am Monatsende für ungültig erklärt zu werden.
An dieser Stelle muss ich auf den Arbeitsaufwand eingehen: Jeden Abend geht etwas über eine Stunde Arbeit in den Service, davon zwei Drittel in die Suche nach kostenlosen eBooks und der Rest in die eigentlichen Tweets (einschließlich Erstellung der Links). Dies grundsätzlich im Zeitraum zwischen 17:00 Uhr und 18:30 Uhr, ein Zeitraum, der für mich sowohl privat als auch bedingt durch mein politisches Engagement zunehmend ungünstiger wird. In letzter Zeit nutzte ich für Tage, an denen ich um diese Zeit Termine habe einen Dienst, der Tweets speichert und später verschickt – der von mir genutzte hat vor etwa einer Woche aufgehört zu funktionieren, ein lästiges Ärgernis in einer Reihe solcher Ärgernisse. Ausserdem musste ich stets aufpassen, dass meine Tweets nicht als Spam von Twitter abgelehnt wurden, was bei manuell eingegebenen Tweets nie passiert.
Ein Vorschlag des Bundesrates, Affiliate-Marketing für Bücher zu verbieten (ernsthaft, haben die sie noch alle?), wurde vom Bundestag zwar abgeblockt, aber dennoch gibt es zum 1. Mai einen weiteren Schlag mit Amazons deutlicher Reduzierung der Vergütung auf eBooks von 10% auf 7% bei meinen ohnehin schon am Boden liegenden Amazon-Einnahmen.

Ich habe schon länger mit der Fortsetzung des Dienstes gehadert. Die Überlegung, das Ganze per Patreon zu finanzieren, verlief aus verschiedenen Gründen im Sande (gehäufte Ausfalltage, schlecht geeignetes Angebot u.ä.). Als im März mein Computer kaputt ging, dachte ich ernsthaft daran, das damit ausfallende eBooks für lau nicht mehr wiederzubeleben, kam dann aber zurück, weil es ausdrückliche Nachfragen gab.
Die Entscheidung, nun endgültig abzuschließen, fiel mir nicht leicht, aber sie fiel.

Tatsache ist, das Projekt macht inzwischen zu viel Ärger und bringt zu wenig ein, als dass ich es weiter tragen könnte. Dieser Beitrag ist mein Schlussstrich. Es gibt andere Projekte, die meine Aufmerksamkeit erfordern — weitere eigene eBooks etwa oder der bald startende Youtube-Kanal mit meinen Kurzgeschichten sowie ein völlig anderes Youtube-Projekt im weiteren Verlauf dieses Jahres.
Doch eines lasse ich noch da:

Abschiedsgeschenk

eBooks für lau zu befüllen war ein täglicher Aufwand. Was ich den treuen Fans zum Abschied mitgeben möchte ist eine Liste der Quellen, aus denen sich die kostenlosen Angebote speisten. Wie das vor sich ging, habe ich weiter oben erklärt.
Die Liste startet mit dem lesen.net Buchempfehlungen Newsletter als einzigem eMail-Newsletter, den ich hierbei nutzte. Der große Vorteil dabei ist, dass er Bücher, die auf vielen Plattformen verfügbar sind, auch auf mehrere dieser Plattformen verlinkt.
Das genaue Gegenteil liegt bei Gratizone vor, die nur auf Amazon verlinken. Gratizone ist ein weitgehend ungefilterter Bot, die alles listet, was er bei seinem morgendlichen Lauf findet. Die diversen XTME-Seiten (XTME, XTME Phantastik, XTME adult, XTME Englisch) verlinken zwar theoretisch auch auf andere Anbieter, dies aber so unterschwellig und selten, dass es nicht wirklich gilt.
Einmal auf Amazon, gehörte immer auch ein Blick in die dortigen Diskussionsforen zum Programm. Im Amazon Kundendiskussionsforum gibt es mehrere Gesprächsfäden, in denen ständig kostenlose eBooks angekündigt werden, mit Abstand der längste und umfassendste ist Aktuell kostenlose deutsche Kindlebücher.
Letzter in der Liste ist die Kostenlos-Liste von Beam eBooks. Diese gilt zwar nur für Beam, aber ich hatte damit eine ständig wachsende Lise von Nicht-Amazon-Angeboten.
Über die Jahre gab es noch andere Plattformen, die dazukamen oder verschwanden, ich kann schon deshalb nicht alle listen, weil ich nicht mehr alle kenne und auch nicht mehr alle existieren.

Was dann noch folgte, war Recherchearbeit: Alle Bücher, die nicht per Kindle Unlimited exklusiv an Amazon gebunden waren suchte ich auf anderen Plattformen heraus. Priorität hatten dabei buecher.de, iTunes und Thalia. Der Grund dafür ist einfach: Bei diesen drei Plattformen (und bei Amazon) habe ich Affiliate-Marketing-Verträge, werde ich also bei aus den Verlinkungen resultierenden Verkäufen bezahlter Inhalte (neben den direkt verlinkten kostenlosen) bezahlt.
Kleines Detail hierbei: Alle Links zu buecher.de und Thalia wurden erzeugt, indem ich die entsprechenden Links zu meinem Buch Unter Wittgensteins Löwen nahm und den relevanten Teil durch die Kennung des statt dessen zu verlinkenden Buches ersetzte. Vielleicht kommt das noch mal bei Wer wird Millionär auf, also: Merken!

Was mir nun noch bleibt ist der zentrale Teil am Ende des Auftritts:

Ein Knicks und ein Dankeschön.

Ihr wart ein tolles Publikum. Ich hoffe, man sieht sich andernorts wieder!