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Das Problem mit den Solarparks

…ist offenbar der Flächenverbrauch. Das Problem hierbei liegt aber tiefer.

nehmen wir das Wort „Solarpark“ mal auseinander.
„Solar“, das lateinische Adjektiv zu „Sonne“, meint hier die Photovoltaik – also Strom aus Licht. Hier liegt das problem mit dem Flächenverbrauch nicht, denn Solarzellen können fast beliebig klein sein.
Nein, das problem liegt im „Park“, hier synonym zu „Kraftwerk“. Der Kraftwerksgedanke ist einer, der sich in den Köpfen der Verantwortlichen festgesetzt hat. Fossile, feststoffliche Energieträger wie Kohle und Öl, aber auch vorher schon Holz, erforderten zur effizienten Stromerzeugung große Kraftwerke, die zentral Strom erzeugten und in ein Netz an angeschlossene Haushalte weitergaben. Dieses System führte dazu, dass Wohnhäuser komplett ohne eigene Energieerzeugung auskamen und sich um dieses Thema baulich nicht mehr kümmern mussten.

Aber auch erneuerbare Energie wurden genutzt – und wenn wir uns ansehen wie, sollte das Problem mit der Parkdenke klar werden: In Wind- und Wassermühlen.
Der architektonisch bedeutendste Faktor beim Bau dieser Gebäude ist die Integration der Energiequelle in den Bau.
Eine der zentralen Eigenschaften von erneuerbaren Energien ist es eben, nicht zentral erzeugt werden zu müssen. Trotzdem baut man ständig sowas:

Solarpark Waldpolenz
Solarpark Waldpolenz bei Leipzig

Okay, zugegeben, der Umschwung auf die Solarkraft geht schneller, wenn man einfach die alten Kraftwerksstrukturen weiternutzt.
Aber damit werden wir viele Probleme eben nicht lösen. Solar- und Windkraft verbrauchen gewaltige Flächen und sehen auch scheisse aus (Stichwort „Verspargelung“). Beides könnte umgangen werden, wenn die Energie direkt beim Verbraucher erzeugt wird – mit einer Solaranlage auf dem Dach und vielleicht einem Mini-Windrad im Garten oder über dem Dach. Und für Ausfallzeiten nutzt man eine Brennstoffzelle (die gibt es auch schon im Heimformat). Oder man baut gleich ein Nullenergiehaus.

Dem stehen momentan folgende Hindernisse entgegen (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

Energieanbieter
Der offensichtlichste Opponent. Die Energieanbieter haben natürlich ein finanzielles Interesse daran, dass möglichst alle Haushalte am Stromnetz hängen und ihren Strom kaufen. Ein System ohne gemeinsames Stromnetz würde nicht nur das Ende der großen Energieanbieter bedeuten, es würde den Strom auch weitgehend aus dem kapitalistischen Wirtschaftssystem auskoppeln – möglicher Ausgangspunkt einer tiefgreifenden veränderung, die ganze Volkswirtschaften umgestalten kann.

Phänomen „Ihr“
Das kennen wir alle: Jeder will, dass sich etwas ändert, aber niemand packt es selber an. Das führt dazu, dass sich Politik und Wirtschaft einschalten – die aber gar nicht in der Lage oder willens sind, die Stromnetze zu dezentralisieren.

Nostalgie
Ein Problem, zu dem auch wir Grüne uns schuldig bekennen müssen. Oft ist man gefangen zwischen dem Denkmalschutz für veraltete, energetisch katastrophale Gebäude und dem Umweltschutz in Form von Energiesparen. Und viel zu oft gewinnen die Gebäude, die ohne echte begründung einfach mal zum „kulturellen Erbe“ gerechnet werden – meist einfach nur, weil sie schon so lange da stehen, wo sie stehen.
Und so können eben keine Gebäude dort gebaut werden, die daraufhin entworfen wurden, ihren Energieverbrauch wenigstens halbwegs selbst zu decken.

Mangelnde Aufklärung
Da können wir aktiv was tun: Die Leute aufklären und ihnen zeigen, dass man mit einem durchdachten Energiekonzept bereits heute weitgehend unabhängig von den Energieerzeugern leben kann, indem man Energie spart und so weit wie möglich selbst erzeugt.

Zeit
Jaja, die alte Konstante.
Millionen Menschen dazu zu bewegen, energetisch unabhängig zu werden dauert natürlich wesentlich länger, als mal eben ein paar tausend Quadratmeter mit Solarzellen zuzupflastern.

Erneuerbar = Grün
Ein seltsames, aber allgegenwärtiges Missverständnis.
Noch längst nicht jede erneuerbare Energie ist automatisch auch umweltfreundlich. Biodiesel braucht Anbaufläche, Stauseen überfluten ganze Täler, Windkraft hat den Begriff „Verspargelung“ geprägt und wie oben schon einmal verlinkt, auch die Solarkraft greift in Kraftwerksform massig Raum.

Das alles geht auch anders – nämlich, wenn man die jeweiligen Energiequellen lokal und sparsam nutzt und Einsatzformen jenseits der aktuellen, immer noch kraftwerksbasierten Energieerzeugung denkt.
Also: Solar – Toll; Kraftwerk – Doof