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Zahnpasta im Glas im Bad

Auch die Bilder werden hier manchmal recycelt

So, wie heute morgen schon angekündigt geht es nun mit der Zahnpasta los. Die war ja schon im Juli in diesem Blog zu finden, aber diesmal kommen noch ein paar Erfahrungen hinzu. Und sie bekommt ihren ganz eigenen Beitrag mit mehr Informationen und Eyecatcher-Version des Artikelbildes. Ja, das ist eine Miniversion des Blogdesigns, wie es auch im geplanten Youtube-Kanal Verwendung finden wird.
Aber genug davon, zum eigentlichen Sinn des Beitrags: Selbst gemachte Zahnpasta.

Zahnpasta ist ein zentrales Produkt jedes Haushaltes, das recht viel Müll macht. Im Verhältnis zum Inhalt sind die Tuben nicht wenig und wirklich wiederverwertbar sind sie eigentlich auch nicht, weil sie schwer zu reinigen sind. Wahrscheinlich landen Zahnpastatuben trotz des Grünen Punktes nahezu komplett in der Verbrennung. Also die unschönste Variante von Altagsabfall, ausser vielleicht Batterien.
Es gibt verschiedene Ansätze für Ersatz, aber Zahnpulver, Dentaltabs, Salz und das Kauen auf Miswak-Zweigen sind einfach zu unkonventionell, um sie Einsteigern zu empfehlen. Wir wollen ja nah an dem bleiben, was die Leute kennen.
Die Zahnpasta auf Kokosöl-Basis unterscheidet sich auch von herkömmlicher Zahnpasta, aber die Anwendung ist praktisch identisch. Sie schäumt halt nicht, sondern schmilzt im Mund zu einem Öl, das im Geschmack süß (ohne das Xylitol salzig) mit einer Note des eingesetzten ätherischen Öls ist.
Die Zutaten gibt es in Großpackungen in gut sortierten Drogerien. Nur Xylitol muss man möglicherweise etwas länger suchen, einzelne Drogerien haben aber auch diesen erhältlich.

Die Zusammenstellung ist eine Mischung aus unterschiedlichen Rezepten für Kokosöl-Zahnpasta nach ausgiebiger Prüfung der Zutaten und was die Medizin über ihre Wirkung zu sagen hat. Ein paar Zutaten sind dabei rausgeflogen.
Die manchmal empfohlene Mineralerde scheuert zu stark und kann die Zähne schädigen. Das Natron erfüllt ihre Aufgaben weniger aggressiv.
Kalzium-Magnesium-Pulver hat bei mir schlichtweg nicht funktioniert. Zum einen habe ich keines bekommen, sodass ich entsprechende Tabletten im Mörser zerstoßen habe. Das Ergebnis löste sich größtenteils nicht im Kokosöl und machte die ganze Mischung zu fest.

Rezept

Zutaten

  • 3 EL Kokosöl
  • 1½ EL Xylit
  • 1 EL Natron
  • ca. 10 Tropfen ätherisches Öl (eine Minze oder Zitrusfrucht)
  • etwas helles Sesamöl (optional)

Herstellung
Das Kokosöl ist unser Träger. Als erstes müssen wir das bei Zimmertemperatur feste Kokosöl verflüssigen. Das ist recht einfach, da Kokosöl bereits bei 26-29°C schmilzt, es reicht also, das Glas in die Mittagssonne oder warmes Wasser zu stellen.
Die festen Zutaten und das ätherische Öl können dann einfach eingerührt werden.
Sollte das Ergebnis nach dem Abkühlen zu fest erscheinen, kann man helles Sesamöl (kein dunkles, da es einen starken Eigengeschmack hat) zugeben, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Anwendung

Mit einem Löffelchen o.ä. auf die Zahnbürste geben. Diese Paste schäumt nicht wie gekaufte Zahnpasta, daher reicht hier keine erbsengroße Menge, sondern etwa doppelt so viel. Im Gegenzug ist deutlich weniger Ausspülen nach dem Zähneputzen nötig.
Kokosöl schmilzt relativ schnell, bei mir sind im Sommer 2016 sowohl reines Öl als auch die Zahnpasta bei 28°C vollkommen flüssig geworden.

Wirkung

Kokosöl oder Kokosfett ist ein sehr wertvolles Öl, welches in vielen Kosmetika und Lebensmitteln verwendet werden kann. Sein Schmelzpunkt oberhalb der Raum- und unterhalb der Körpertemperatur macht es für unseren Zweck fast ideal. Daneben gibt es auch Studien, die Kokosöl eine positive Wirkung auf Karies bescheinigen. Kokosöl wirkt direkt antibakteriell.
Xylit, auch als Xylitol, Birkenzucker oder unter dem Handelsnamen Xucker bekannt, ist normalerweise eine Süßstoff. Bereits seit den 1970ern wurde wiederholt nachgewiesen, dass Xylit bei der Bekämpfung von Karies helfen kann. Plaque-Bakterien halten ihn für Zucker und nehmen ihn auf, können ihn jedoch anschließend nicht verdauen, wodurch sie ausgehungert werden. Aber Achtung: Hunden kein Xylit geben, für die ist es anders als für Menschen giftig.
Eine wichtige Wirkung von Natron ist das Neutralisieren von Säuren. Im Kern sind es nicht die Bakterien, die unsere Zähne schädigen, sondern die von ihnen ausgeschiedenen Säuren, wenn sie Zucker fressen. Natron hilft, diese Säuren zu bekämpfen. Hinzu kommt, dass es ein leicht scheuert, was das Entfernen von Ablagerungen an den Zähnen erleichtert. Handelsübliche Zahnpasta setzt zu genau diesem Zweck häufig mikroskopische Plastikkügelchen ein, die stark in der Kritik stehen.
Unter den ätherischen Ölen sind es vor allem jene der Minzen und Zitrusfrüchte, die den Speichelfluss fördern. Speichel ist die natürliche Waffe des Körpers gegen Keime und Säuren im Mundraum, ausserdem fördert er die Verdauung.

Müllvermeidung

Alle Bestandteile sind in Großverpackungen erhältlich, wobei das bei ätherischen Ölen Fläschchen von 10 ml sind. Ätherische Öle setzt man allerdings auch nur tröpfchenweise ein.
Damit sind sie nicht müllfrei, aber die Menge an Abfall ist deutlich niedriger als bei gekaufter Zahnpasta. Zudem ist diese Mischung so gesund, man kann sie theoretisch essen. Alle Zutaten sind extrem lange haltbar und lassen sich für verschiedenste Zwecke verwenden — sie werden uns in dieser Serie entsprechend alle wieder begegnen.

Nächste Woche begrünen wir dann unsere Fensterbänke mit einer weiteren überaus gesunden Zutat. Und das sogar komplett ohne Abfall!


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