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Einer der großen Vorteile des eBooks ist, dass sich auch geringste Auflagen noch lohnen, insbesondere für Selbstverleger. Und selbst, wenn es sich nicht lohnt, lockt der aktuelle Hype genug Autoren, um es zu versuchen. Das bedeutet, dass auch kleinste Nischen bedient werden können, was dann sowohl Kunden als auch Autoren freut. Doch wie extrem kann das werden?
Um das zu sehen nehme ich einfach die größte aller Industrien dazu, das Geschäft mit dem Sex. Liebesromane haben ja bereits einige wirklich absurde Subgenres (Zeitreise- und Vampirromanzen sind eigenständige Kategorien mit Kinoverfilmungen und allem), aber was passiert, wenn wir uns ein Genre ansehen, das jetzt schon alle nur erdenklichen Nischen bedient? Was passiert, wenn wir den nischenreichsten Markt der Welt noch nischenreicher machen?
Ganz einfach: eBook-Erotika! In einer Welt, in der Hentai allgemein bekannt ist und Rule 34 eines der Grundprinzipien des Internet ist, wie viel seltsamer kann es noch werden?
Sex mit Monstern und Dinosauriern ist ja grade etwas in die Schlagzeilen gekommen, dabei ist das wirklich vergleichsweise harmlos und vor allem normal. Vergleichsweise.
Da ich täglich für eBooksfuerlau die Listen durchstöbere stoße ich da natürlich auf so einiges. Ich muss nicht einmal suchen. Hier sind die abgefahrensten Beispiele, die ich bisher finden konnte.

Eine Regel: Keine Fanfiction. Ich weiss, es gibt explizite Fanfiction von so ziemlich allem. Von Twilight-BDSM in Millionenauflage zu der ich bereits etwas geschrieben habe bis zu Human Centipede mit Erdbeersperma. Wenn ich damit anfange, wird dieser Artikel nie fertig.

Vielleicht liegt es an der geringeren Größe des deutschsprachigen Marktes oder daran, dass dieser relativ neu ist, aber die deutschsprachigen Werke in dieser Kategorie waren alle relativ zahm. Ab und an mal etwas BDSM oder Vampire und Werwölfe, aber alles im Rahmen entweder üblicher literarischer Erotik oder mehr oder weniger bekannter sexueller Vorlieben.
So fällt Scharfe Schnitte denn auch weniger durch ungewöhnliche Vorlieben als durch eine aussergewöhnliche Story auf: Eine Prostituierte hilft einem Ermittler bei der Suche nach einem Mörder, dessen einziges bekanntes Erkennungsmerkmal ein auffälliges Intimpiercing ist.
Seltsam, aber nicht wirklich etwas, was man nicht in einem x-beliebigen Sexshop finden kann, wenn man nur lang genug sucht. Der Rest der Liste kann das problemlos steigern.
Nur für Kindle

Zum letzten Eintrag in dieser Liste, der dramaturgisch Sinn macht. Elmore DeVille hat sich dem Genre erotische Fantasy verschrieben, also im Grunde richtige Fantasy, in der Sex halt eine besonders prominente Rolle spielt.
Herausragendes Beispiel dieses Stils ist Nymph Mania. Der Punkt ist der, dass in der Welt Eletain Magie eine Art Nebenwirkung von Sex ist. Beim Sex wird die Magie der Partner entfesselt und zu mächtigen Zaubern kombiniert. Und selbstverständlich gibt es in dieser Welt andauernd magische Duelle.
Das ist offengestanden ein ziemlich gutes Beispiel für das Potenzial, das wirklich kreativ eingesetzter Sex in fiktionalen Welten hat. Es ist auch das einzige Werk in dieser Liste, für das ich ohne Zögern Geld ausgeben würde.
Kindle-Version bei Amazon
Diverse Formate bei Smashwords

Okay, einen Titel aus der Sparte Dinosaurier-Erotika hab ich dann doch in dieser Liste. Der Punkt hier ist Balaur: Ein obskurer Cousin des Velociraptor aus Rumänien mit zwei der berühmten Sichelklauen der Raptoren an jedem Fuß. Einen ausserhalb von Fachkreisen fast völlig unbekannten Dromaeosaurier zum Titelstar eines eBooks zu machen ist einfach eine so seltsame Entscheidung.
Andererseits war Velociraptor vor Jurassic Park auch bestenfalls als der kleine Bruder von Deinonychus bekannt.
Ein praktisches Problem bei der ganzen Sache ist, dass Dinosaurier wahrscheinlich überhaupt keine zur Penetration irgendwelcher Körperöffnungen geeigneten Körperteile hatten. Andererseits ist der Dino auf dem Titelbild definitiv ein Mann in einem Dinosaurierkostüm – man beachte die zusätzlichen Beine, die da aus den Knien ragen. Aber ”Sex mit einem Mann in einem Dinosaurierkostüm“ klingt irgendwie langweilig. Vergleichsweise.


Und nun willkommen im Reich jener Dinge, die sich niemand traut, ohne Synonym zu veröffentlichen. Und die ich auch nicht ernsthaft empfehlen kann. Wem das gefällt, okay. Mir selbst wird’s hier zu abgefahren.

Es ist nicht die Tatsache, dass es hier um Sex mit Monstern geht, die mich verstört. Vampire, Satyrn, Incubi und Succubi hatten immer schon eine starke sexuelle Komponente, soweit sie nicht sogar Personifizierungen der menschlichen Sexualität waren und Tentakelmonster sind dank der skurrilen Auswirkungen des japanischen Jugendschutzes ebenfalls nichts ungewöhnliches mehr. Auch dass sich solche Ansätze mit der Zeit auf den gesamten Katalog an Monstern und Fabelwesen ausdehnen, dürfte niemanden wirklich überraschen.
Nein, was mich hier verstört ist die Nummer im Titel: 14! Es gibt eine Serie um Sex mit Bigfoots (Bigfeet?), die 14 Bände erreicht hat. Seit Dezember 2011 sind in dieser Reihe 14 Bände erschienen, jeder um die 50 Seiten lang. Und das ist nur eine Serie.
Bigfoot-Sex hat es zum eigenen Subgenre innerhalb der Erotik-eBooks gebracht. Und offenbar ein recht erfolgreiches, wofür nicht nur die vielen Titel, sondern auch die Existenz von deutschen Übersetzungen sprechen. Ein Bigfoot-Sexbuch, okay, sowas kommt bei der Größe des Marktes halt vor. Aber ein komplettes kleines Genre? Wtf?
Serie Cum for Bigfoot für Kindle
Der 1. Band in diversen Formaten bei Smashwords

Werwölfe an sich sind jetzt nicht soooo ungewöhnlich. Twilight hat einen Werwolf als Teil der zentralen Dreiecksgeschichte und war gerüchteweise kein völlig desaströser Ladenhüter.
Nein, hier geht es um einen lesbischen Werwolf. Einen lesbischen männlichen Werwolf, der in Menschengestalt nicht ganz so männlich, aber immer noch lesbisch ist. Oder etwas verständlicher ausgedrückt eine Lesbe, die bei Vollmond zum männlichen Werwolf wird. Und natürlich hat sie als Werwolf ein Verlangen nach ihrer Freundin. Wird sie es unterdrücken können? Ich weiss es nicht, aber es würde mich wundern.
Die Autorin hat Geschichten, die ich definitiv nicht verlinken werde. Etwa jene, in der sie laut Werbetext per Seelentausch im Körper eines Hundes landet und Lust auf ihren eigenen, grade verlassenen Körper entwickelt.
Nur für Kindle

In vollem Bewusstsein, das, was ich grade nicht verlinkt habe und auch weigere, mich in diese Liste aufzunehmen, niemals übertreffen zu können präsentiere ich euch einfach ein paar Gartenzwerge. Harmlose kleine Gartenzwerge, die einfach nur im Garten rumstehen. Mit niedlichen roten Zipfelmützen, die manchmal gewisse Ähnlichkeit mit einem… nein. Nein, nein, nein, nein.
„Doch,“ lässt uns Fannie Tucker wissen. Und sie lässt uns noch viel mehr wissen. Dinge, die niemand jemals wissen wollte. Oder sollte. Etwa, dass Gartenzwergsperma nach Bonbons schmeckt. Ihr wolltet das zwar nicht wissen, aber ich auch nicht und mich hat ja auch keiner gefragt, als das plötzlich in einer Goodreads-Bewertung zitiert wurde. Apropos: Die Geschichte hat auf Amazon eine Bewertung von fünf Sternen und auf Goodreads immerhin noch drei, wobei auch da ein paar Fünf-Sterne-Bewertungen auftauchen.
Wir sind bei fickenden Gartenzwergen angekommen und diese Liste ist noch nicht am Ende. Was kann da noch kommen? Ernsthaft, was kann da noch kommen? Sex mit dem Gemüsegarten?
Garden Gnome Gangbang
Diverse Formate bei Smashwords


Ja, Sex mit dem Gemüsegarten.
Phytoluminer ist mehr oder weniger nur eine Erwähnung ehrenhalber, denn obwohl es um eine ungewöhnlich intime Beziehung zu (ausserirdischen) Pflanzen geht, ist es nicht scharf genug um als Erotik durchzugehen. Mehr Science Fiction, die das Thema streift.
Dafür lohnt wieder ein kurzer Blick in die englischsprachige Welt. Ja, es gibt eine Menge eBooks über sexuell aktive Pflanzen. Eine kurze Kindle-Suche ergibt: Bred by the Jungle Tentacle Plant: The Complete Trilogy (Monster Sex Bundle), Bred by the Alien Tentacle Plant Bundle (Alien Tentacle Plant Sex and Breeding), Bred by the Space Tentacle Plant (Reluctant Tentacle Monster Sex Breeding Impregnation Erotica), Lust Blooms und Hunting Wood: Alien Plant Sex (Erotic Flights of Fantasy).

Und wider aller Erwartungen kommen wir beim meines Erachtens seltsamsten Sex-eBook in dieser Liste doch wieder zu Sex unter Menschen. Für alle, die grade nach dem Langenscheidt suchen eine kurze Auffrischung in englischsprachiger Anatomie: „Nostril“ bedeutet „Nasenloch“, den Rest könnt ihr euch denken.
Ist… ist das ein Fetisch, der existiert? Nasalsex? Ist die Nasenhöhle eine erogene Zone? Bin ich der einzige der hofft, darauf niemals Antworten zu bekommen? Und nein, ich habe das nicht gelesen. Pflanzen und diverse Sagenfiguren, ja, aber das hier ist so ziemlich jenseits von allem.
Nostril Fucked by the Micropenis ist von Fannie Tucker, die auf dieser Liste auch für Garden Gnome Gangbang verantwortlich zeichnet. Sie hat aktuell 91 Geschichten im Angebot, die von normalem Kram wie Sex mit Ärzten und Feuerwehrmännern über Werwölfe und Oger bis zu, nunja, diesem Teil hier reichen. Darunter eine achtteilige Serie über Sex mit Gespenstern. Irgendwo dazwischen gibt es auch noch Teddybären und Marionetten. Meine Vermutung ist, dass sie (?) jeden Morgen das Wörterbuch aufschlägt, ein zufälliges Wort raussucht und daraus dann einen Porno spinnt. Was zugegebenermaßen gar nicht so einfach ist: Ich habe es grade ausprobiert und bin auf „Existenzialphilosophie“ gelandet.
Ich möchte allerdings nicht ausschließen, dass sie solche Bücher nur schreibt, um Aufmerksamkeit zu erregen und dann ihre normaleren Bücher zu verkaufen.
Kindle-Version bei Amazon
ePub und weitere bei Smashwords

Bonus
Okay, doch, eine Fanfiction muss sein: First Encounter (kostenlos bei fanfiction.net) ist einfach so herrlich bizarr, ich kann es nicht ignorieren. Es ist eine Kurzgeschichte um Sex zwischen zwei Figuren aus Harry Potter: Hogwarts und dem Riesenkraken.
Nicht die Einwohner des Schlosses, Hogwarts selbst hat Sex mit dem Riesenkraken, der vor dem Fenster des Slytherin-Aufenthaltsraumes rumschwimmt. Ich schwöre, ich denk mir das nicht aus. Und ich hab es auch nicht geschrieben. Auch wenn es aus einer literarischen Perspektive ziemlich gut geschrieben ist.

Bonus II
Na gut, wo ich schon bei Fanfiction.net bin, hier noch eine absolute „Perle“: Hitler reist 2024 (!) auf der Flucht vor den Amerikanern durch die Zeit und landet zufällig in Jerusalem direkt vor Jesu Nase. Die beiden verlieben sich und entdecken die Freuden der gegenseitigen Masturbation. Im Gegensatz zu Krake/Hogwarts allerdings wirklich schlecht geschrieben.