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Willkommen zur jährlichen Kritik des Veilchendienstagszugs in Mönchengladbach. Kurz für neu Hinzugekommene: In Mönchengladbach feiert man den Straßenkarneval erst am Dienstag, unter vergleichsweise geringer medialer Aufmerksamkeit. Die Lustigkeit schwankt stark und mein Job hier im Blog ist es, das alles doof zu finden und zu loben, wenn mich mal ein Wagen an meine düsseldorfer Heimat erinnert, wo man Karneval besser kann.

Karnevalswagen zum Vandalismus gegen Karnevalswagen

Sei der Fairnis halber erwähnt

Man muss ohne Frage erwähnen, dass der Karneval in Mönchengladbach 2017 mit einem Vandalismusproblem zu kämpfen hatte. Unbekannte sind in die Halle auf dem aufgegebenen Gelände der britischen Instandhaltungseinheit REME eingedrungen und haben die dort zwischen den Jahren aufbewahrten Wagen teilweise schwer beschädigt. Ich werde dies nicht weiter bewerten, da ich mir selber uneins bin, ob darin nicht auch eine Chance lag, endlich von den jedes Jahr nahezu identischen Prunkwagen wegzukommen, die den hiesigen Karneval beherrschen und ihm seine Langweiligkeit geben. Aber selbstverständlich ist das bei der hiesigen Karnevalsstruktur ein herber Verlust auch an Zeit und Kraft, die in die Reparatur der Wagen fließen musste. Der obige Wagen thematisiert das, auch wenn er mir nicht so aussieht, als wäre er selbst dann sonderlich toll gewesen, wenn er fertig geworden wäre. Wie ein Blick auf das Jahr 2015 beweist. Auch ein Bildwitz braucht Witz.

Das ich überhaupt hier berichte, ist dieses Jahr ein Unfall: Eigentlich wollte ich mit einer Fußgruppe zu Tihange mitlaufen, die musste aber leider wegen einer Grippewelle ausfallen. Sehr schade. Wer meine Zugkritiken kennt weiss, dass ich hohe Ansprüche an die konzeptionelle Qualität der Beiträge stelle. Ich meine, ich bin Düsseldorfer, wir stellen grundsätzlich immer hohe Ansprüche an alles.

Karikatur, in der Angela Merkel Vampire in Gestalt von Trump, Putin und Erdogan abzuwehren versucht

Apropos Bildwitz

Die Rheinische Post hat einen sehr effektiven Weg gefunden, jährlich ein aktuelles Motiv mitzufahren. Das ist fraglos eine der Gladbacher Sachen, die funktionieren.
Die RP als Garant der Wahrheit, der war gut!

Die RP als Garant der Wahrheit, der war gut!

Aber auch der Hauptwagen der Rheinischen Pest fährt einen aktuellen Bezug. Dem bin ich jetzt zwar thematisch nicht wirklich affin (als wären Falschmeldungen ein reines Internetphänomen), aber er ist optisch wie konzeptionell witzig umgesetzt.
Wagen mit Werbung des Einkaufzentrums Minto

Werbeeinblendung

Was mal wieder auffiel, waren die reinen Werbewagen. Jener des Einkaufszentrums Minto war wenigstens unfreiwillig komisch und hat einen jährlich wechselnden Spruch, der Rest gehört zur Kategorie „alle Jahre wieder das selbe.“
Trump als Drache

Okay, das ist immerhin eine halbe Idee. Nächstes Jahr dann die andere Hälfte?

Die KG Holt darf sich ein paar Sonderpunkte dafür aufschreiben, ihren Wagen genutzt zu haben, um Platz für ein politisches Motiv zu haben. Ich weiss zwar nicht genau, was uns der Drache mit Trumps Kopf sagen will, aber es ist immerhin schonmal ein erkennbar politisches Motiv. Das ist mehr als alle anderen geschafft haben. Dorfbroich hätte diese Fläche übrigens auch, stellt aber lieber eine etwas uninspirierte Narrenfigur drauf. Nächstes Jahr dann, Dorfbroich?
Die Sparkasse treibt's bunt

Die Sparkasse treibt’s bunt

Der Preis für das gruseligste Motiv geht an die Sparkasse für den über die Weltkugel schmelzenden Wasserturm. Das hat ohne Zweifel einen Hauch H.P. Lovecraft.
Aufschrift: „Wir lieben die Welt&hellip…der Mäuse“

Aufschrift: „Wir lieben die Welt……der Mäuse“

Die Volksbank bekommt den Sonderpreis für das witzige Detail des Jahres mit dem Heckaufkleber ihres Wagen. Ein richtiger Witz! Im Gladbacher Karneval! Das kann nur ein Irrtum sein.
vdz-2017-eulenvdz-2017-oktopusseBeim besten Kostüm dürfen sich die Eulen aus Neuwerk mit den Kraken aus Windberg bekakeln. Der Rest der Menschheit darf jetzt nach „bekakeln“ googeln.
tdf-vdz-2017Den Wagen zur Tour de France 2017, die am 2. Juli auch unsere Stadt durchfahren wird, sollte man wegen seines Aufwandes durchaus mal erwähnt haben. Aber sonst auch wegen nichts.

Insgesamt fand ich den Zug 2017 sehr langweilig. Nach der Hälfte wollte ich gehen. Nachdem ich etwas vor dem Ende in der Gruppenplanung sehen konnte, dass nur noch wenige der bereits angesprochenen witzlosen Prunkwagen und ein par Musikkapellen folgten, tat ich dies auch und wurde nur davon aufgehalten, dass ich im Publikum noch einen Freund traf. Karneval wurde 2017 in Gladbach mit X geschrieben. Wie in „nix“.
Ich verstehe das nicht. Ich kenne kein Volk, das besser meckern kann als die Gladbacher. Warum haben wir dann einen so handzahmen Karneval?