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„10 Geschichten in 30 Tagen“ oder eben kurz: #10G30T ist eine von Annika Bühnemann angestoßene Herausforderung, im Juni eben jene 10 Geschichten zu schreiben. Im Fall von Invasiv schlage ich als zweite Fliege mit dieser Klappe die dieswöchige Flash-Fiction-Challenge von Chuck Wendig, eine Flash Fiction über eine invasive Spezies zu schreiben. Gut, meine Auslegung des Begriffs invasiv war wohl eher nicht,was gemeint war und die hier ist etwas sehr kurz geraten, aber dafür folgt es am Mittwoch auch noch eine englische Version drüben im englischen Blog.
10g30t

Invasiv

„Sagen Sie, Herr Sammer, schlafen Sie zufällig auf der Seite?“
„Ja, aber ich glaube nicht, dass der Arm einfach nur eingeschlafen ist. Dafür geht das jetzt schon zu lange.“
Doktor Gern sah sich erneut intensiv die Unterseite von Georgs Arm an. Sein Blick war vom Unterarm, in dem das Problem lag, zu seiner Achsel gewandert, in der er etwas zu sehen schien.
„Das meine ich auch nicht. Sie haben hier eine auffällige Verletzung. Liegen Sie auf der linken Seite?“
„Ja. Verletzung?“
„Fast kreisrund, sehr frisch. Sie sagten, ihr Arm fühle sich extrem leicht an und die Feinmotorik sei stark eingeschränkt. Ist dort vielleicht Flüssgkeit ausgetreten, hatten Sie irgendwelche Verfärbungen in der Matratze?“
„Nicht, dass ich wüsste. Kommt sowas vor?“
„Bisher nicht, aber in diesem Monat sind Sie schon der Fünfte mit diesen Symptomen. Die Röntgenaufnahme müsste gleich kommen, dann kann ich sicher sein.“
Fast aufs Stichwort kam eine Assistentin in den Raum, eine zusammengerollte Röntgenaufnahme unter dem Arm. Sie hing es an die beleuchtete Wand im Untersuchungszimmer. Eindeutig ein Arm. Einer der Unterarmknochen schien gegenüber dne leuchtend hellen anderen Knochen etwas blass.
„Wie ich es mir dachte“, sagte der Arzt, ging noch einmal zu der Aufnahme herüber, um sie sich näher anzusehen, kam mit sicherem Blick zurück, ergriff Georg Sammers Arm und schlug ihn auf die Tischkante.
Er konnte hören, wie seine Elle zerbarst, aber der Schmerz war nicht mehr als bei einem Schlag mit der flachen Hand auf die Haut.
„Sind Sie bescheuert?! Sie sollen meinen Arm in Ordnung bringen, nicht zerstören!“
„Und genau das habe ich getan. Ist Ihnen nichts aufgefallen? Es hat nicht weh getan, oder?“
„Nicht wirklich“, erwiderte er verdutzt.
„Sehen Sie sich mal die Aufnahme an, fällt Ihnen etwas auf?“
„Einer der Knochen ist sehr blass.“
„Sehen Sie genauer hin!“
„Ich sehe nichts Besonderes.“
„Nicht? Dann ist es vermutlich normal, dass von Ihrer Ulna sechs Strahlen zu den Seiten und zwei in die Hand ausgehen?“
„Sie sind der Arzt. Sagen Sie‘s mir.“
„Nein, es ist nicht normal. Die meisten Knochen haben keine Beine und Fühler.“
„Keine was?“
„Keine Beine und Fühler. Sehen Sie, Sie haben einen parasitären Phasmiden. Hatten, jetzt dürfte er tot sein. Wir holen die Stücke des toten Phasmiden gleich raus.“
„Ich habe einen was?“
„Einen parasitären Phasmiden. Eine Stabheuschrecke, die es sich in den Gliedmaßen gemütlich macht, dort jahrelang vom Blut des Opfers lebt und dafür einen der dortigen Knochen ersetzt. Fiese Sache aus den Tropen, kommt mit dem Klimawandel hier hoch.“
Und das ist die Geschichte, wie Ludwig Sammer seinen Sohn davon überzeugte, doch noch das Familienunternehmen als Kammerjäger zu übernehmen. Mit der Hilfe eines befreundeten Arztes und einiger Gen-Ingenieure. Und wie er einen neuen Schrecken in die Welt brachte, der die Menschen vom Schlafen abhielt. Irgendwas ist ja immer.

ENDE


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