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Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Wer hätte gedacht, dass System of a Downs Brüllklassiker Chop Suey so gut als Jazzversion funktioniert?
Es gibt bei Youtube eine ganze kleine Szene dieser Videos. Der bekannteste Kanal ist wohl Postmodern Jukebox, aber die finde ich in der Regel nicht besonders gut. Robyn Adele Anderson gibt sich da schon sehr viel mehr Mühe, wenigstens klingt es so.

Entdeckung der Woche


Einen neuen Menschenaffen entdeckt man nicht so oft. Der letzte war der Bonobo 1929. Nun hat ein Team aus Zürich nachgelegt. Pongo tapuniliensis, der Tapanuli-Orangutan ist eine isoliert von seinen Artgenossen auf Sumatra lebende neue Art der großen orangen Affen. Die Tiere haben einige sehr interessante Eigenschaften, etwa eine deutlich breitere Nahrungspalette als andere Orangutans. Hätten sie nicht das Pech, menschlichem Einfluss zum Opfer zu fallen, wäre das ein ziemlich starkes Erfolgsmodell für die Art, mit dem sich auch Homo sapiens schon von den anderen Menschenaffen absetzen konnte (gemeinsam mit den Schimpansen).
Aber leider ist der Mensch ein Problem und so besteht diese Gruppe aus nur etwa 800 Individuen, ist damit vom Aussterben bedroht und weist genug Verdachtspunkte für Inzuchtprobleme auf, um einen Adelstitel verliehen zu bekommen.

Strategie der Woche

Die Polizei in Berlin nimmt sich ein Vorbild an einigen Youtubern und TV-Journalisten (können wir die nicht analog den Youtubern als TVler bezeichnen? Oder Glotzler?) und jagt Fahrraddiebe nun aktiv mit Hilfe von GPS-Ortungsmodulen an manipulierten Fahrrädern.

Literaturkritik der Woche

In der jüngsten Ausgabe der Fernseh-Literaturtalkshow lesenswert des SWR sagt der Kritiker Dirk Schümer, von Gastgeber Denis Scheck auf seine schlechte Meinung über den Literaturnobelpreis angesprochen: „Wenn man sieht, wie viel Idioten den gekriegt haben – von Jelinek bis Grass.“ Und der Moderator stimmt zu: „Von Bob Dylan ganz zu schweigen.“

Wow. Ich meine, ich mag Grass‘ Ergüsse ja auch nicht besonders und habe Jelinek nie gelesen, aber das ist schon ein ziemlich heftiges Kaliber an Schimpfwörtern für eine Literaturkritik.
Sowas bewahrt man sich für AfD-Mitglieder und Kreationisten auf, aber nicht für diese Leute.
Und Daniela Strigl hat ja Recht: Dass das kein Skandal wurde, ist ein Skandal. Aber wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die öffentlich-rechtlichen Sender, allen voran die Dritten, mit Ausnahme weniger Sendungen in der öffentlichen Meinungsbildung keine nennenswerte Rolle mehr spielen. Das wiederum ist sehr beruhigend.

Rekonstruktion der Woche

Waldorfosaurus? Statlersuchus? - Bild: Matt Celeskey

Waldorfosaurus? Statlersuchus? – Bild: Matt Celeskey

Nein, das ist Avicranium, eine neu entdeckte Art aus der Gruppe der Drepanosaurier.
Die Drepanosaurier waren eine seltsame Gruppe in den Bäumen lebender Reptilien, die etwa zur Anfangszeit der Dinosaurier neben diesen lebten. Es handelt sich um Tiere, die oberflächlich den heutigen Chamäleons ähnelten, aber ihre oft mit einer Kralle versehenen Schwänze machen auch hier den Unterschied deutlich. Sie scheinen vielmehr entfernt mit den Flugsauriern verwandt zu sein.
Matt Celeskeys Rekonstruktion der neu entdeckten Gattung Avicranium aus dieser Gruppe macht die ganze Fremdheit dieser Lebewesen sehr schön deutlich. Ich sage es immer wieder: Die Urzeit war so viel exotischer, als unsere lange vorherrschende Vorstellung einer Gegenwart mit leicht anders aussehenden Tieren und Pflanzen.

Video der Woche

Das ist einfach nur eine nahezu perfekte Satire der durchschnittlichen Youtube-Vlogs vermeintlich prominenter Egotuber. Und das, obwohl diese im englischsprachigen Youtube nicht annähernd so allgegenwärtig sind, wie in der deutschsprachigen Abteilung.

Demo der Woche

Hallo, Bonn, wir sind da!

Hallo, Bonn, wir sind da!

Gestern gab es in Bonn die große Demo im Vorfeld der morgen startenden Weltklimakonferenz in Bonn. Mit 25.000 Teilnehmern war es die größte Demo zu diesem Thema, die je in Deutschland abgehalten wurde.
Darunter waren auch etwa 3.500 Fahrräder samt Pedaltretenden, die am Vormittag im Süden Kölns zusammengekommen sind, um von dort nach Bonn aufzubrechen. Das war ein wenig chaotisch, denn offenbar wollte die Polizei diese Veranstaltung verhindern. Vielleicht als Generalprobe für den Einsatz an der Braunkohlengrube am heutigen Sonntag, der ebenfalls als übertrieben beschrieben wird.
Doch zurück nach Köln: Nachdem die Polizei zunächst die Nutzung der A555 und anschließend noch auf der Vorkundgebung der Fahrt eine Fotoaktion auf dem Kölner Verteilerring untersagte, löste die Demoleitung die Versammlung auf und es gab statt dessen eine Critical Mass. Wer das nicht kennt: Bei einer Critical Mass fahren viele Leute spontan Fahrrad. Das ist keine Demo nach dem Versammlungsrecht und da jeder das Recht hat, mit seinem Fahrzeug im Rahmen der Gesetze die Straße zu nutzen, kann man so eine Critical Mass als Polizei schwer aufhalten. Ein paar Nasen sind auf die Autobahn gefahren, aber ansonsten verlief das alles friedlich. Ein paar persönliche Anfeindungen und mindestens eine Autofahrerin mit durchgeknallter Sicherung gab es leider, aber sowas passiert halt. Es war ja angekündigt, dass es da eine Demo gab und so konnten die Automobilen darauf vorbereitet sein und die Strecke meiden.
In Bonn versuchte die Polizei dann doch noch mal, den kilometerlangen Tross von Fahrrädern aufzuhalten. Ergebnis war, dass die Polizei ab diesem Moment statt einer Fahrraddemo zwei zu bewältigen hatte, was sie schlichtweg nicht hinbekam, weil dafür nicht genug Personal im Dienst war. Selbst Schuld!
Am Ende trafen beide Gruppen kurz vor der Klimademo wieder zusammen und kamen als ein Verband an.
Teil der Demo war es übrigens, nach Möglichkeit rote Kleidungsstücke mitzubringen. Also nahm ich das einzige rote Teil mit, dass ich hatte und setzte die Weihnachtsmannmütze dann für die Fahrt auf. Aber ich muss schon sagen, es wird verdammt warm unter dem Ding.
Hier ist der komplette Radzug, ich schätze mal, die Aufnahme wurde zwischen Brühl und Wesseling gemacht. Ich tauche natürlich auch auf, ab 11:55. Und ein paar andere bekannte Gesichter wird der ein oder andere hier wohl auch finden können.