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Seit ein paar Wochen bin ich an der konkreten Planung eines Radschnellweges zwischen Mönchengladbach und Roermond. Die Pläne habe ich schon länger im Kopf, aber momentan kommt Bewegung in das Thema und so habe ich mich entschieden, das endlich anzugehen. Und jetzt ist so viel Bewegung drin, dass ich dies schneller tun muss, als ich gedacht hatte. Denn die Presse berichtet über die Vorhaben, mischt dabei hin und wieder verschiedene Überlegungen zusammen und bringt dadurch eine starke Eigendynamik rein, die zu ganz anderen Ergebnissen führen kann.

Karte modifiziert vom KSTA

Karte modifiziert vom KSTA

Die Karte des Kölner Stadtanzeigers ist die mit Abstand beste, die ich gefunden habe, daher habe ich diese als Grundlage für diese Weiterantwicklung genommen. Sie stammt aus diesem Artikel, weshalb die Wege um Köln besonder betont sind. Ignoriert das, es ist der Preis für meine Notlösung. Ich bin selbst einfach nicht sonderlich gut mit Grafik.
Jedenfalls habe ich dort die Projekte aus Mönchengladbach (einschließlich MG-Roermond) in grün eingetragen und sinnvolle Fortführungen dieser Projekte ausserdem in blau ergänzt. Alles nur grob, nehmt das nicht zu genau. Wie gesagt, nicht so gut mit Grafiken.

Der wichtige Punkt ist, dass man die Funktion der Gladbacher Projekte im Gesamtnetz sieht. Hier entsteht potenziell ein zentraler Knotenpunkt, der RS1 (Ruhrgebiet), das Projekt in Düsseldorf und mittelfristig auch das Aachener Netz zusammenführt. Andere Knotenbereiche sind auch sinnvoll (Köln und Aachen scheinen ähnlich zu konzipieren), aber das ist jetzt nicht der Punkt. Hier geht es um den Bereich Mönchengladbach. Ebenso nicht auf der Karte sind diverse auf der Ebene der Städte geplante Vorhaben wie Kleve-Venlo. Ich kenne bei weitem nicht alle davon. Und auch sonst hat niemand eine Gesamtübersicht, was durchaus ein Problem ist. Da komme ich später zu.
Also dann:

RS Niederrhein-West

Radwegenetz MG im Masterplan Nahmobilität der Stadt. Radschnellwege in grün und blau-grün. Etwas unübersichtlich für Rot-Grün-Blinde, ich weiss

Radwegenetz MG im Masterplan Nahmobilität der Stadt. Radschnellwege in grün und blau-grün. Etwas unübersichtlich für Rot-Grün-Blinde, ich weiss


Mönchengladbach plant mit den Verbindungen nach Krefeld und Neuss sowie einer internen Verbindung von der Innenstadt ins vorgelagerte Rheindahlen ein recht gut zusammenhängendes Netz. Das ist ein großer Unterschied zu den oft zusammenhanglosen Planungen des Landes und ein großer Vorteil.
Doch ein attraktives Nahziel fehlt in der Liste der Verbindungen noch: Das niederländische Roermond, Partnerstadt von Mönchengladbach in direkter Grenznähe. Und dazwischen liegt eine Reihe von Orten, die stark an diese beiden Großstädte angebunden sind. Viele Einwohner im deutschen Grenzort Elmpt pendeln täglich in jeweils eine der beiden benachbarten Großstädte und Wegberg ist für viele Mönchengladbacher beliebtes Ausflugsziel.
Damit wird die Streckenführung über Wegberg und Elmpt (plus Niederkrüchten, das einfach davon profitiert, auf dem Weg zu liegen) die sinnvollste für eine solche Westverbindung in die Niederlande.
Dazu kommt das Ausbaupotenzial dieser Strecke. Denn auch für Roermond gibt es hier eine sehr attraktive Aussicht. Und hier kommt dann Brüggen ins Spiel. Wer sich die Karte anscheut, dem fällt vielleicht ein nördlicher Arm des grünen Weges auf. Dieser endet bei Brüggen. Und dann schließt sich ein blaues Stück an. Das blaue Stücke läuft von Brüggen über Nettetal nach Venlo. Dazu muss man wissen, dass die Provinz Limburg noch nicht im niederländischen Netz von Radschnellwegen berücksichtigt ist. Venlo-Maastricht-Aachen gilt als „vielversprechende Route“, aber mehr bisher nicht. Die beiden niederländischen Großstädte und die dazwischen liegenden deutschen Kleinstädte hätten mit einer solchen Verbindung viel zu gewinnen.
Das niederländische Netz ist überraschend zerstückelt. Unten rechts Limburg mit Venlo (V), Roermond (R), Maastricht (Ma) und Aachen (A) - Bild von fietssnelwegen.nl

Das niederländische Netz ist überraschend zerstückelt. Unten rechts Limburg mit u.a. Venlo (V), Roermond (R), Maastricht (Ma) und Aachen (A) – Bild von fietssnelwegen.nl

In älteren Überlegungen hatte ich den Weg noch durch das ehemalige JHQ führen wollen, das seit dem Abzug der NATO leersteht und über große Straßen verfügt, die schnell umzunutzen wären. Die Verbindung wäre auch kürzer gewesen. Aber hier gab es immer das Problem mit dem Durchfahren von Naturschutzgebieten.
Nun gibt es Überlegungen aus Wegberg, sich an den Radschnellweg nach Rheindahlen anzuschließen. Das ist nicht nur politisch günstig. Wegberg stellt zwar einen klaren Schlenker dar, aber es ist für Fahrende in diesem Bereich ein attraktives Ziel, dessen Anbindung lohnt. Zudem kann eine Führung über Wegberg die Naturschutzgebiete umgehen und es gibt eben bereits eine sehr günstig gelegene Planung bis Rheindahlen, an die man das nahtlos anschließen kann.

Elmpt ist fast schon geborener Übergangspunkt für einen solchen Weg. Die dortige Roermonder Straße führt auf einem graden Stück ohne irgendwelche Anwohner ab Elmpt bis ins zu Roermond gehörende Dorf Swalmen. Sie liegt direkt neben der Autobahn und führt sogar auf den selben Grenzübergang wie diese. Es gibt also schlichtweg für den Großteil dieser Straße keinen Grund, warum sie von Autos befahren werden sollte. Sie kann mit Leichtigkeit in einen Radschnellwegeabschnitt umgewandelt werden.
Geht das nicht,so hat Elmpt dort auch noch einen ehemaligen Militärflughafen, der mehr als genug Platz für ein solches Vorhaben bietet und als Flughafen auch noch absolut eben ist. Elmpt ist als Anschlusspunkt schlichtweg perfekt.

Die Überlegungen bei Dalheim

Wegbergs Bürgermeister Stock kam in den letzten Wochen mit der Überlegung in die Presse, einen Radschnellweg Dalheim-Roermond zu bauen. Das hat einige Hintergründe, etwa die Befürchtung, dass die dortige Bahnverbindung reaktiviert werden könnte und dann bald auch Güterzüge fahren. Tatsächlich will die private Euregiobahn die Strecke für ihre Rurtalbahn (Verbindung Mönchengladbach-Dalheim) reaktivieren. Dann gäbe es eine direkte Bahnverbindung Mönchengladbach-Roermond. Dass das absolut im Interesse Mönchengladbachs liegt, dürfte offensichtlich sein. ich muss um Offensichtliches nicht herumdiplomatieren, es ist so.
Hinzu kommt, dass Dalheim kein attraktives Ziel ist. Sorry, es ist ein recht zufälliges Dorf, in dem der Weg hier enden würde. da hat niemand was von. Auch Dalheim nicht. Wobei ich zugeben muss, Dalheim wäre ein möglicher Brückenkopf für eine Verbindung Roermond-Heinsberg-Aachen.

Aber da sind wir auf ein zentrales Problem der aktuellen Planungen und Überlegungen von Radschnellwegen gestoßen: Viele der Planungen sind relativ sinnlose Kleinstverbindungen von 5-6 Kilometern, die in keiner Weise ein zusammenhängendes Netz ergeben. Roermond-Dalheim wäre dafür exemplarisch.
Das ist meines Erachtens kein durchdachtes Vorgehen. Radschnellwege müssen koordiniert angelegt werden, zum Nutzen aller anliegenden Gemeinden und als Teil eines größeren Netzes. Dann kann man die Verbindung Dalheim möglicherweise sogar sinnvoll einbetten, aber momentan sehe ich darin wenig bis keinen Sinn. Es ist einfach zu klein und zu abseits. Dalheim müsste aufpassen, dass diese Verbindung nicht zu einem Strohhalm wird, aus dem Roermond kräftig Wirtschaftskraft absaugt.
In meiner Karte ganz oben gibt es eine blaue Verbindung nach Süden. Das ist Wegberg-Heinsberg-Aachen, wieder eine Verbindung zentraler und untereinander wettbewerbsfähiger Ortschaften, zwischen denen eine großräumige Verbindung sinnvoll ist und von der alle profitieren.

Weitere sinnvolle Verbindungen

Sieht man sich ganz NRW an, fallen ein paar Verbindungen auf, die nach Fertigstellung der aktuell geplanten Wege zentrale Bedeutung erhalten müssten.
Düsseldorf-Wuppertal-Hagen-Dortmund ergänzt den RS1 und bindet die hervorragenden Einrichtungen in Wuppertal (Nordbahntrasse) ins Netz ein.
Bonn-Köln-Düsseldorf-Duisburg ist eine naheliegende Verbindung der rheinischen Großstädte, die zu großen Teilen in Form des Rheinuferweges vorhanden ist, der nur aufgewertet werden müsste.
Krefeld-Duisburg ist ein relativ kurzes Stück, welches eine durchgehende Verbindung von Hamm bis nach Aachen ermöglichen würde. Die beiden Städte haben auch heftigen Pendelverkehr, den man damit reduzieren könnte.
Dass Bielefeld und vor allem Deutschlands „Fahrradhauptstadt“ Münster nicht in das Netz eingebunden sind, ist mir unerklärlich.
Sieht man sich das alles an, wird klar, wo in Zukunft die zentralen Knotenpunkte im überörtlichen Radverkehr in NRW liegen. Von Westen nach Osten: Aachen, Mönchengladbach, Düsseldorf, Köln, Dortmund. Boom-Regionen der Zukunft.