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Der wöchentliche Rückblick in sieben Kategorien. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag hier im Blog, mehr oder weniger. Weitgehend plastikfrei.

Musik der Woche

Am Montagabend wurde ich etwas von einem Britney-Spears-Konzert in Hörweite überrascht. Ich wusste, es kam eins, aber mit einem Konzert mitten in der Woche hatte ich nun doch nicht gerechnet.
Nun bin ich kein so großer Freund von Britney Spears (mehr), zu eintönig ist mir der ganze Pop geworden. Also muss sie für die Musik etwas aufgepeppt werden. Dafür kommt Gwen Stefani ins Spiel. Mashups sind immer noch eine der besten Erfindungen der Internet-Musikszene.

Nachrichten der Woche

Ist irgendwer überrascht, dass der große Diesel-Buhmann Fahrverbote nun erstmal nicht kommt? Ich jedenfalls nicht. Nötig gewesen wären sie ja, aber da sträubt sich absolut jeder gegen, an den heiligen Diesel zu gehen,als wäre der bisherige Angriff auf den Otto-Motor noch nicht schlimm genug. Das deutsche Kulturgut schlechthin, dieser Zweitakt der Explosionsmotoren.
Quizfrage für die Autofahrenden hier: Was ist schlimmer im Straßenverkehr als ein Fahrradfahrer? Nun, wie wäre es mit einem Fahrrad ohne Fahrer. Ja, der Technikhype um selbstfahrende Fahrzeuge geht weiter und jetzt kommt also ein Fahrrad, das den Leuten ganz von allein in die Hacken und vor die Autos fährt. Toll! Ja,sorry, ich bin halt der Meinung, ein Fahrzeug im Straßenverkehr sollte immer einen Fahrer (oder meinetwegen bei manchen Maschinen bauartbedingt einen Begleiter) haben, der das Verhalten des Fahrzeugs kontrolliert.

Immer diese scheiss Fahrradfah... oh - Bild: Harald Krieg/Uni Magdeburg

Immer diese scheiss Fahrradfah… oh – Bild: Harald Krieg/Uni Magdeburg


Apropos Fortschritt in der falschen Richtung: Plastikflaschen. Bekannt sind die ja für fragwürdige Zusatzstoffe wie Bisphenol-A und für den Müll, den sie machen. Weniger bekannt sind sie dafür, tatsächlich Plastik ins Trinkwasser zu bringen. Das Problem sind offenbar in vielen Fällen weniger die Flaschen selber, als die Schraubverschlüsse, die ja auch bei Glasflaschen oft aus Plastik sind.

Eher rückschrittlich ist mal wieder der Katholizismus. Zum Beispiel, wenn in Paraguay ein 14-jähriges Kind bei der Geburt des Kindes ihres Vergewaltiger stirbt. Denn Abtreibung ist ja eine Sünde.
Und bei der medizinischen Rückständigkeit der Bevölkerung können wir ja auch mal die Impfgegner ansprechen. Das Bild gleich etwa stammt von Berit Uhlmann und zeigt eine Eiserne Lunge. Darin landete man früher, wenn man Erkrankungen wie Tetanus oder Kinderlähmung grade so überlebte. Die Maschine ersetzt die nicht mehr funktionierenden Atemmuskeln und nur der Kopf schaut raus. Für eine lange Zeit, manchmal ein Leben lang. Eiserne Lungen gibt es heute nicht mehr. Die relevanten Krankheiten wurde durch Impfungen nahezu ausgerottet. Einst kannte sie jeder.

Kein Scherz - Bild: Berit Uhlmann

Kein Scherz – Bild: Berit Uhlmann

Okay, schnell etwas heiteres dagegensetzen. Wie wäre es mit dieser Umsetzung eines Seitenwagens am Fahrrad? Cool, oder?

Edel!

Edel!


Und noch was Lustiges aus dem Verkehrsleben: Wenn man ein Auto abschleppt und nur gegen Strafzahlung zurückbekommt, dann ist das ja schon irgendwie Erpressung, findet die Polizei. Wie? Achso, nein, nicht bei irgendwelchen Autos, nur bei Zivilfahrzeugen der Polizei natürlich.

Die Wissenschaft hat einen der wichtigsten Streits der englischsprachigen Kultur gelöst: Wie viele Leerzeichen hinter einen Punkt gehören. In der Zeit der Schreibmaschinen war es dort üblich, hinter einem Punkt zwei Leerzeichen zu setzen. Das endete mit dem Computer, doch nicht alle sind glücklich damit. Als Bonus hat der Artikel selbst sehr viel Spass mit unterschiedlichen Standards der Leerzeichensetzung. Als Malus ist die Studie selbst aus guten Gründen sehr umstritten. Aber interessant, womit sich manche Kulturen so beschäftigen. Ganz im Ernst, die Frage nach der Anzahl der Leerzeichen höre ich im englischen Bereich des Öfteren.
Aber vielleicht erledigt sich das auch bald. Die FNP hat einen beachtlich ehrlichen Artikel zur Zukunft des Buches und auch zum Umgang seiner Vertreter mit dieser Entwicklung. Ja, auch ich fürchte, dass das Buch auf dem Weg in eine Nische ist. Schon sehr bald wird es auf die Alltagskultur kaum mehr Einfluss nehmen, als dies heute Theater oder Ballett tun. Kulturelle Spurenelemente für eine kleine Liebhabergruppe.

Geniestreich der Woche

Wisst ihr was, ich habe jetzt schon ein paar Mal über Videospielideen nachgedacht, ich glaube, ich setze einfach mal eine um. So ziemlich meine älteste Idee in diesem Bereich: Eine Adaption von Moby Dick.
Moby Dick ist ja im Ursprung eine als Roman getarnte Einführung in die Kultur und Technik des Walfangs im 19. Jahrhundert. Als solche hat er eine Reihe von Schwächen, funktioniert aber letztlich doch. Nur eines nehme ich Melville bis heute übel: Dass der Wal in der Geschichte wirklich existiert. Ich bin der Überzeugung, Moby Dick wäre ein um Längen besserer Roman, wenn der Wal sich schließlich als Wahnvorstellung Ahabs herausstellt, für die er sein eigenes Leben und das seiner Mannschaft zu opfern bereit ist.
Letztlich ist dem im Roman ja auch so, aber dass der Wal am Ede dennoch existiert, schwächt ihn in meinen Augen erheblich.
Nein, bei mir existiert der Wal nicht. Nur ein Kapitän, dessen Wahn von Tag zu Tag wächst und der sein Schiff unvermeidlich auf den Untergang zusteuert — offen bleibt allein, auf welche Art von Untergang.

Politik der Woche

Im Hintergrund laufen die Vorbereitungen auf die Zeit nach der Sommerpause. Aber diese laufen eben noch im Hintergrund.
Abseits der Parteipolitik läuft es etwas vordergründiger. Die noch unverteilten 10 kg Birnen vom abgestürzten Ast der letzten Woche haben ihren Weg in den Hambacher Forst gefunden, nachdem eine sehr aktive Bekannte danach gefragt hat. Ich weiss nicht, ob sie einverstanden ist, wenn ich ihren Namen erwähne, daher lasse ich das hier mal.

Wortgeschmeide der Woche

Ich habe mich gestern sehr über die Verfilmung von Stanislaw Lems Solaris von 2002 geärgert. Der Roman zählt zu meinen absoluten Lieblingsbüchern.
Solaris ist aus gutem Grund ein Klassiker der Science-Fiction. Es ist ein Roman, der danach verlangt, Science-Fiction zu sein, eine Expedition in die menschliche Fähigkeit, die Welt zu verstehen und dahin, was jenseits des Verstehbaren liegt. Solaris dienen die Figuren als Vesikel seiner eigentlichen Geschichte, sie dienen uns als Augen in eine fremde Welt. Es lässt fragen offen, weil genau das der Punkt ist.
Soderberghs Verfilmung mit George Clooney ist ihr Genre herzlich egal. Sie erzählt die Geschichte von Chris Kelvins persönlicher Krise nach dem Verlust seiner Frau. Das amerikanische Verständnis von Geschichten denkt von den Figuren her. Es hat kein Interesse, große Fragen zu stellen, statt dessen spielt es die immer gleichen Fragen mit immer anderen Figuren durch. Es hasst offene Fragen und erklärt alles. Zwar erklärt es nicht, was der Planet Solaris ist und macht, aber auch nur, weil dieser zum Bildschirmschoner in den Fenstern der Raumstation verkommt. Er ist notwendiges Mittel, um eine Geschichte zu erzählen, die sich so sehr weigert, Science-Fiction zu sein, dass alle ihre Aufnahmen ausserhalb der Raumstation ganz offensichtlich New York um die Jahrtausendwende zeigen.
Solaris (Film von 2002) ist ein vergessenswerter Film voller Angst vor sich selbst.
Solaris (der Roman) ist ein Klassiker, der in der Literatur allein steht und den man gelesen haben sollte.

Foto der Woche

Hier ist eine Dürrefolge, die den meisten Menschen nicht bewusst ist, weil sie eher indirekt läuft: Die Apfelbäume bilden bei der Trockenheit nicht etwa weniger Äpfel, sie werfen diese einfach nur verfrüht ab. Oft zu früh, als dass sie noch nachreifen könnten. Das Ergebnis sind Obstwiesen, die gut einen Monat vor der Ernte voll sind mit faulenden Äpfeln. Wir haben heute zwei komplette Schubkarren voller Äpfel weggekarrt, um der daraus resultierenden Wespenplage Herr zu werden.
Vor der Dürre hingen die Bäume unglaublich voll, bis zur Reife werden es nun nicht mehr viele Äpfel schaffen.

Videos der Woche

Diese Woche kehren wir das übliche Spiel mal um: Extra Extra geht mangels Neuerscheinungen diese Woche leer aus, dafür ist der englischsprachige Kanal Fiction Science jetzt endlich am Laufen. Die Folgen zu Stygimoloch und den Sauropoden von Jurassic Park/World sind raus und ich habe mich für eine neue Regel entschieden: Statt wie erst angesagt zwei Folgen jeden Sonntag gibt es nun eine am Sonntag und eine am Mittwoch. Das ist deutlich leichter einzuhalten, denn Schnitt und Schlussbearbeitung der Videos kosten nicht wenig Zeit, die ich grade am Sonntag eher nicht habe. Und es ist für Interessierte auch deutlich angenehmer, nicht immer zwei Folgen auf einen Schlag zu haben.
Ich merke schon, das freie Sprechen vor einem Mikro ohne Bild muss ich noch etwas üben. Vorlesen kenne ich ja, Aufnahme mit Bild ebenfalls. Reiner Ton ist wieder etwas anders, da ist es nicht so einfach, die Stimme so zu modulieren, um das Publikum emotional zu erreichen. Aber ich denke, auch das kommt mit der Zeit.

Weiter geht es nächste Woche mit zwei Folgen zu Deep Blue Sea.
Was kommende Woche ebenfalls eine Wiederauferstehung feiert, ist der Kanal mit den eingesprochenen Kurzgeschichten. Das mit 100 Wörtern extrem kurze Chiselled macht hier diese Woche den Aufschlag, einen Titel für die zeitgleich erscheinenende deutsche Übersetzung habe ich noch nicht. Ja, das heisst, ich werde Paul, das Einhorn erstmal ignorieren, im Hintergrund vervollständigen und dann vielleicht diesen Dezember erneut veröffentlichen, dann komplett.