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Da ein Großteil meiner Bücher über das Leben in der Urzeit ist, dachte ich mir, es kann nicht schaden, eine Reihe zu diesem Thema auf meinem Blog zu starten. Schon weil alle Leser am Ende der Bücher auf genau dieses Blog hingewiesen werden. Also gibt es jetzt jeden Freitag einen Rückblick auf die (m.E.) interessantesten paläontologischen Nachrichten der Woche.
Freitag, weil ich keinen anderen Wochentag so schön falsch mit einem P schreiben kann.

Urzeitlicher Klimawandel und Krokodile

Bildquelle: Uni Zürich


Streng genommen kein Klimawandel, aber etwas ähnliches, denn das Ergebnis war auf jeden Fall eine Änderung der Wassertemperatur, die für die südamerikanischen Krokodile verheerend war. Forscher haben die Krokodile untersucht, die 5-7 Millionen Jahren im Flussdelta des damals in die Karibik mündenden Amazonas lebten. Als der Fluss im Laufe der Zeit nach Süden wanderte, wurde das Wasser im Delta kälter. Obwohl sich das reimt, war es für die Krokodile nicht gut und die meisten Arten starben schließlich aus.
Neu entdeckt haben die Forscher dabei die kurzmäulige Gattung Globidentosuchus mit ungewöhnlich runden Zähnen und eine bis zu 12 Meter lange Art aus der heute noch lebenden Gattung Crocodylus. Zwischen 7 und 14 Krokodile lebten damals nebeneinander in den warmen Gewässern.
Ein kleiner Temperaturwandel in den letzten paar Millionen Jahren trennt uns von einer Welt, in der in Südamerika 12 Meter lange Krokodile und Pelikankrokodile wie das Tierchen rechts im Bild leben.

Seltsame Urschildkröte

Eunotosaurus africanus (Smokeybjb / CC-BY-SA 3.0)


Eine der evolutionär rätselhafteren Tiergruppen sind die Schildkröten. Die wichtige Frage ist: Wie zum Geier ist dieser seltsame Knochenpanzer entstanden? Schildkröten sind die einzigen Wirbeltiere mit einem Körperpanzer, der aus Skelettknochen des Körpers besteht. Andere gepanzerte Wirbeltiere haben entweder separate Panzerknochen in der Haut oder Panzer aus Horn und/oder Leder. Nun gibt es mit Eunotosaurus ein Reptil, dass eine primitive Vorstufe des Schildkrötenpanzers besaß. Wozu es diesen allerdings benutzte, ist eine gute Frage.

Neuer Urvogel

Aurornis; Bild: Masato Hattori


Die schiere Anzahl neuer Urvögel aus China ist beachtlich. Hier ist wieder einer – Aurornis xui ist etwa 10 Millionen Jahre älter als der berühmte Archaeopteryx und hat einige interessante Merkmale. Vor allem fehlt ihm anscheinend die für Raptoren typische Sichelklaue, die alle anderen Urvögel besaßen. Aurornis übernimmt nach der Analyse der chinesischen Forscher den Titel des primitivsten bekannten Vogels.

Buchtipp
Mark P. Witton hat ein großes Buch mit allem wissenswerten über Flugsaurier in Arbeit. Normalerweise gebe ich keine Vorschusslorbeeren, aber was ich in der Vorschau gesehen habe ist hervorragend, umfangreich und auf dem allerneuesten Stand der Forschung.
Wittons Arbeit an Quetzalcoatlus war ein großer Teil der Grundlage für meine Darstellung dieser Tiere in Staksigen Schrittes. Wer also die Flugsaurier in diesem Buch interessant fand, dem kann ich Pterosaurs nur empfehlen.