Freitägliche Fünf 27.11.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche die volle Technikrevolution.

1. Doppelrollenhalter

Es gibt Klopapierhalter für zwei Rollen. Ich wusste das nicht. Warum gibt es überhaupt noch Halter für eine einzelne Rolle? Ich meine, wisst ihr, wie viele Leben Klobesuche so ein Ding retten kann? Mindestens zwei!

Okay, der Preis von 195 USD wäre eine Erklärung, aber das kann man in jeder Garage nachbauen - Bild: retro.net

Okay, der Preis von 250 USD wäre eine Erklärung, aber das kann man in jeder Garage nachbauen – Bild: retro.net

2. Solarschindeln

Dachschindeln mit Solarenergiegewinnung sind kein so wahnsinnig neues Konzept. Was an diesen hier interessant ist, ist der einfache Aufbau der es erlaubt, die Schindeln noch beim Bau mit den neuesten Modulen auszurüsten ohne das komplette Teil neu machen zu müssen. Theoretisch sollte es auch möglich sein, in diesen Schindeln Photovoltaik und Solarthermie zu kombinieren.
solarschindeln

3. Sususudio

Jetzt habe ich mic tatsächlich zu einer Phil-Collins-Referenz hinreissen lassen. Naja, ein-zwei Tage mehr in der Hölle machen jetzt auch nichts mehr.
Jedenfalls habe ich jetzt die nötige Ausrüstung, um meine Kurzgeschichten auch als Audiostories (Audiobooks wäre angesichts der Kürze übertrieben) aufzunehmen. Der Plan ist, diese dann auf Youtube (werbefinanziert) sowie zum Kauf bei Plattformen wie Audible und iTunes anzubieten. Ich experimentiere grade etwas mit meiner Stimme, hoffe nebenbei darauf, dass meine leichte Erkältung bald weg ist, überlege, was ich bei Youtube als Bild zum Ton liefern soll und bereite ansonsten die Veröffentlichung vor. Idealerweise wöchentlich, immer abwechselnd in Deutsch und Englisch (jeweils die selbe Geschichte), wobei ich mehrere Wochen im Voraus produziere, einfach um zeitlich enge Wochen oder die Stimme betreffende Erkrankungen ausgleichen zu können. Den (leeren) Youtube-Kanal für die Aufnahmen gibt es ja schon.
Und so sieht mein Arbeitsplatz somit derzeit aus:

Bling, Baby, bling!

Bling, Baby, bling!


Ach ja, das goldene Mikro: Ganz ehrlich, als ich sah, dass Schwarz/Gold genau so viel kostete wie rein Schwarz (aktuell sogar 5 € weniger), gab es da keine Frage mehr, es wurde das goldene. Und ja, ich habe es von oben auf den Arbeitsplatz runterhängen, mir gefällt das einfach so. Der Arm ist dafür nicht ausgelegt, aber es geht.
Ja, ich habe auch einen Pop-Schutz, will aber zunächst versuchen, ohne diesen zu arbeiten, um die Stimme möglichst unverfälscht zu halten. Das geht theoretisch, wenn man mehr oder weniger am Mikro vorbei spricht, in gewissem Maße selbst bei einem Nierenmikro.

4. Coolar


Gut, wer weiss, wie Kühlschränke funktionieren, für den klingt es auf den ersten Blick nicht weiter spektakulär, einen Kühlschrank mit Hitze aus beliebiger Quelle anzutreiben. Nur hat es offenbar noch nie jemand gebaut.
Hier haben wir also den ersten Kühlschrank, der keinen Strom braucht.

5. Bündnis 90/Die Größten

Ja doch, der Versprecher gefällt mir immer noch. Dinge, die so auf Fraktionssitzungen passieren.


Samstägliche Sechs 21.11.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche sammeln wir einen Haushalt zusammen. Da ich den Freitag nicht geschafft habe, zur Buße der Samstag mit einem Eintrag mehr.

1. Waschmaschine

Wir haben wieder eine fußbetriebene Waschmaschine. Die GiraDora ist ja irgendwie verschwunden, nun folgt also Drumi, die per Crowdfunding zum Serienprodukt werden soll. Und das Projekt sieht sehr aussichtsreich aus.

Vermutlich auch der Name des Schlagzeugers bei den Sieben Zwergen - Bild: Indiegogo

Vermutlich auch der Name des Schlagzeugers bei den Sieben Zwergen – Bild: Indiegogo

2. Fernsehen

Ich schockiere jetzt wahrscheinlich niemanden, wenn ich zugebe, dass ich Xavier Naidoo nicht mag. Früher hielt ich ihn nur für einen unerträglichen Schmalzbarden, dann hat er Falcos Jeannie, Part 1 erschreckend schlecht gecovert und das war’s für Naidoo. Ach ja, ausserdem schwalbadert er immer gerne was von der angeblich nicht vorhandenen Souveränität Deutschlands, was immer das überhaupt heissen soll. Antisemitismus wird ihm auch vorgeworfen, aber ganz ehrlich, nur weil man eine zufällig jüdische Bänkerdynastie für kriminell hält, ist man in meinen Augen noch kein Antisemit.
Entsprechend all dem freue ich mich auch nicht, dass die ARD Naidoo nun zum Grand Prix Eurovision de la Chanson schicken will, den ich immer noch so nenne. Ohne Auswahlverfahren, nur der Song kann noch ausgewählt werden. Was nichts hilft, denn genau der war ja auch 2015 das Problem, als wir mit einer unübersehbaren Kopie des Vorjahressiegers angetreten sind und dann mit 0 Punkten auf dem letzten Platz gelandet sind.
Aber, ABER, es hat doch ein Gutes: In einer Woche voller Mist, mit Attentaten und dem ganzen Drumherum, gab es endlich mal wieder Gelegenheit, sich über etwas richtig belangloses und dummes aufzuregen. Und das hat gut getan.

3. Heulboje für das maritime Ambiente

Ach ja, inzwischen hat der Naidoo auch zurückgezogen.

4. Was zum Essen

Schwarzkohl heisst auf Englisch dinosaur kale. Ich find das großartig.

5. Jäteroboter

Nein, ich weiss auch nicht, wozu der vorne zwei Augen hat statt untendrunter, um die Pflanzen zu sehen - Bild: Amazone.de

Nein, ich weiss auch nicht, wozu der vorne zwei Augen hat statt untendrunter, um die Pflanzen zu sehen – Bild: Amazone.de


Das ist Bonibot, ein Spezialroboter des Agrargeräteherstellers Amazone. Er fährt vollautonom über die Felder und pickt „Unkräuter“ raus, lässt die angebauten Pflanzen aber stehen. Was so lange praktisch ist, bis man Löwenzahn oder Brennnessel anbauen will.
Das PR-Versprechen hier ist, dass man mit Bonibot auf Pestizide verzichten kann. Wenn man bedenkt, wie schwer es ist, ungewollte Pflanzen aus den Feldern zu halten, verbleibe ich skeptisch. Trotzdem, nette Idee.

6. Apfelbaum

Nach ein wenig Zeit in der Regentonne sind der Apfelbaum sowie der meines Nachbarn endlich am Ort der Bestimmung, eine Hundewiese (und nun Obstwiese) zwischen Ohler, Holt und Pongs. Wie die meisten Bäume der Aktion eine alte Sorte vom Niederrhein, eine Schafsnase. Nein, er ist nicht sonderlich haarig und die Äpfel hoffentlich auch nicht.
Er ist nicht so schief wie das Foto glauben macht. Okay, nicht ganz so schief.

Das war ein seltsames Schaf - Bild: eigen

Das war ein seltsames Schaf – Bild: eigen


In dunklen Tagen

Achso, ISIS=Islam.
Deshalb sind die im Krieg mit den anderen Muslimen.
Deswegen sind Millionen Muslime auf der Flucht aus den von ISIS kontrollierten Gebieten.
Deshalb gab es vorgestern ein Attentat auf Beirut.
Das ist alles soooo logisch!

Rassistische Dummschwätzer!

Terrorist sein ist keine Religion, Terrorist sein ist eine Geisteskrankheit. Religion erleichtert lediglich den Überträgern die Infektion und ja, manche Religion ist anfälliger als andere. Man muss sie dafür kritisieren, aber man muss doch auch immer diesen wichtigen Unterschied im Auge behalten. Wer ihn vergisst, droht seinerseits, sich anzustecken.

Dass solche Dinge ausdrücklich gesagt werden müssen, das sind die Folgen des Terrorismus vor denen ich mehr Angst habe, als ich vor dem Terrorismus jemals haben können werde. Die Ausbreitung von Rassismus, die Spaltung der Gesellschaft, der Eintritt in eine sich beständig gegenseitig befeuernde Rückkopplung aus Angst, Gewalt und Unterdrückung.

Mag sich mancher über die Bezeichnung als „rassistischer Dummschwätzer“ beschweren, ich halte nichts anderes als diesen Anwurf für angebracht. In schweren Zeiten ist nichts wichtiger als Klarheit.
Dies sind dunkle Tage. Wie dunkel wir sie werden lassen, dafür sind allerdings wir selbst verantwortlich. Und dafür ist notwendig klar zu benennen, in welcher Gestalt uns das Dunkel heimsucht.

Nous sommes unis. Nous sommes forts. Nous sommes la lumière face à la marée des ténèbres.


Freitägliche Fünf 13.11.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche wird weggeworfen, umgeworfen, entworfen, sich weggeschmissen und wieder weggeworfen.

1. Der Gartenkompostblumenturm

Endlich mal wieder Gelegenheit für ein schönes Kompositum: Gartenkompostblumensteckturmeinrichtung.

Werft mehr Lebensmittel weg, dann kriegt ihr auch Blumen. Oder so. - Bild: Garden Tower Project

Werft mehr Lebensmittel weg, dann kriegt ihr auch Blumen. Oder so. – Bild: Garden Tower Project


Das Konzept ist im Grunde simpel: In der Mitte ist Raum für Garten- und Küchenabfälle, die kompostiert werden sollen, drumherum wachsen die Pflanzen, die der Kompost dann direkt nährt.
Das Projekt aus Indiana will ein solches System kommerziell anbieten und das sieht schon ganz gut aus, mit modular aufgebautem Turm und so weiter. Eine interessante Möglichkeit zur Verwertung von Grünabfällen in Haushalten ohne Zugriff auf einen Garten. Gedacht ist das Ganze für die Kompostierung mit Würmern, da diese vergleichsweise schnell und fast völlig geruchlos verläuft, was in Wohngegenden klar von Vorteil ist.

2. EuGH schwächt Verlage

Der Europäische Gerichthof hat in einem Urteil gegen die VG Wort die Verlage gegenüber den Autoren deutlich geschwächt. Bislang erhielten die Verlage Anteile aus den Einnahmen, die der VG Wort als Verwertungsgesellschaft von Bibliotheken und Herstellern von z.B. Kopierern zukommen. Dies haben nun praktisch alle Instanzen als rechtswidrig eingestuft: Einnahmen aus der Wahrnehmung von Urheberrechten stehen einzig den Urhebern zu.
Damit setzt sich der Trend fort, dass in den Kreativbranchen die Rolle der Kreativen immer größer wird, während die nach und nach überflüssig werdenden Verwerter (Verlage, Musiklabell usw.) immer mehr auf verlorenem Posten stehen.

3. Harmonie 20 in der zeitung

Die Mädels von der Harmonie 20 haben es mit ihrem verlängerten temporären Lädchen nochmal in die Zeitung geschafft. Sogar mit Teaser auf der Titelseite der RP. Sehr schön.
Der Laden war in der Schauzeit belegt worden, als in Rheydt Leerstände von Künstlern belegt wurden. Dieser Laden (sowie Engel & Helden in der Hauptstraße) sind geblieben.

4. Dieses herrliche Satirevideo


Ich bin jedenfalls ziemlich sicher, dass das Satire ist. Abgehackte Aussprache, die jede Silbe überbetont, extrem aufgesetztes Grinsen und Bewegungsmuster eines Roboters. Die kann das nicht ernst meinen, so auch noch Tipps und Coachings anzubieten.
„Wirkungsexpertin“ – das ist so herrlich absurd.

5. Neue Haustiere

Als kleine Nachwirkung der Apfelbaumaktion habe ich jetzt Würmer.
Nein, nicht, orrrr… Kompostwürmer! Etwa ein Dutzend als Start für einen Wurmkomposter. Momentan leben die noch in einem Plastikbeutel, weil ich keinen für einen Wurmkomposter geeigneten Eimer habe (mit Deckel und Ablaufhahn), aber zu fressen haben die schon und für die ersten ein-zwei Wochen geht das auch so. Nächste Woche kriegen die aber ein vernünftiges Zuhause.


Dino-Dienstag 32

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diesmal einigermaßen theropodenlastig, dafür aber wieder wirklich am Dienstag.

Ornithomimus‘ Federkleid

Dass es ein Läufer ist erkennt man an den rasierten beinen für die Aerodynamik - Bild: Julius Csotonyi

Dass es ein Läufer ist erkennt man an den rasierten Beinen für die Aerodynamik – Bild: Julius Csotonyi


Dass Ornithomimus ein Gefieder besitzt, ist schon seit 2014 bekannt, aber die Details kommen nur langsam zusammen. Diese Details sind wichtig um herauszufinden, wie sich die Federn bei den Dinosauriern entwickelt und ausgebreitet haben und welche Funktion sie erfüllten. Ein neuer Fund aus den USA zeigt nun das Gefieder des Hinterkörpers. Demnach war der Schwanz gefiedert, aber die Hinterbeine nicht. Damit steht Ornithomimus auch im Kontrast zu den ersten Vögeln, die mit Federn an den Hinterbeinen ein zweites paar Flügel bildeten, das erst später verschwand. Die nicht isolierten Beine halfen dem Tier wahrscheinlich ähnlich wie heutigen Straussen, nicht zu überhitzen.
Möglicherweise gab es also beim Gefieder der Dinosaurier, ähnlich wie beim Fell der Säugetiere, einen Trend zu weniger Gefieder je größer das Tier insgesamt war, mit Ausnahmen vor allem in kalten Regionen.

In den Kiefern des Tyrannosaurus

Aaaaaa-llosaurus - Bild: Wikimedia Commons

Aaaaaa-llosaurus – Bild: Wikimedia Commons


Fleisch fressende Dinosaurier teilten eine Fähigkeit mit ihren Kollegen unter den Säugetieren: Sie konnten ihre Mäuler deutlich weiter aufreissen als Pflanzenfresser, selbst wenn diese nahe mit den Fleisch fressenden Arten verwandt waren. Bisher war nur vermutet worden, dass Dinosaurier wie Allosaurus (siehe Bild oben) und Tyrannosaurus ihre Kiefer bis zu 90° weit öffnen konnten, das wurde nun nachgewiesen.
Schon Erlikosaurus, ein Pflanzen fressender Dinosaurier aus der nahen Verwandtschaft der Fleischfresser konnte seine Kiefer lediglich um 45° öffnen — etwa so weit wie ein Mensch.
Nur, was befand sich beim Zubeissen zwischen den Kiefern? Laut einer anderen Untersuchung aus den USA wenigstens bei tyrannosaurus rex hin und wieder auch mal ein Artgenosse. Ob T. rex allerdings regelmäßig andere seiner Art als Nahrung angriff oder sie nur nutzte, wenn er ein bereits totes Tier fand, kann die Untersuchung nicht beantworten.

Dino-Media

Nach dem Karbon soll nun auch das Trias-Zeitalter eine virtuelle Umgebung für den Einsatz im Unterricht bekommen. Derzeit ist das Projekt in der Testphase. Es wird mehrere Lebensräume aus aller Welt samt ihrer Bewohner zeigen. Die Trias war jene Zeit, in der die ersten Dinosaurier auf der Erde auftauchten. Die Welt erholte sich damals langsam vom größten Massensterben in ihrer Geschichte, bei dem unter anderem die Trilobiten verschwanden.
Die Hollywood-Seite Tracking Board meldet unterdessen, Mattel sei an einer Verfilmung der Zeichentrickserie Dino-Riders aus den 80ern interessiert. Die zu einer gleichnamigen Spielzeugserie gehörende Trickfilmreihe handelte von einem Kampf auf der Erde gestrandeter Ausserirdischer mit Hilfe von Dinosauriern.


Veganer, Wurst und Weltrettung

Die Überschrift ginge auch als Wurstveganerweltrettung, aber so ist’s auch hübsch.

Thema hier: Veganer und warum sie so oft zu missionieren scheinen. Und warum alle anderen das auch machen, es nur nicht merken — vielleicht sogar noch mehr. Anlass sind einige Beiträge bei Fefe von vorletzter Woche (ja, ich bin spät dran), in denen er sich über missionierende Veganer beschwert. Ich finde das allgemein unfair (und sprachlich unfehr immer attraktiver, aber das geht jetzt vom Thema ab), grade Veganern immer die Mission vorzuwerfen. Ich bin selber kein Veganer, aber an diesen Ernährungsweise grundsätzlich interessierter Nutzer einiger veganer Produkte und habe viel mit Veganern zu tun. Und ganz ehrlich, ich kenne kaum eine Gruppe, die einen besseren Grund zum „Missionieren“ hat als Veganer.
Also: Warum missionieren Veganer eigentlich so oft?

Die einfachen Antworten vorab

Grund für Veganismus ist in Mitteleuropa meistens einer der folgenden drei, seltene Gründe wie jene der Religion (vegane Religionen sind hier sehr selten) mal ignorierend:

  • Ethische Gründe bedeuten in der Regel, dass man dagegen ist, dass Tiere für die Bedürfnisse des Menschen sterben und/oder leiden. Grundlage ist entweder die Ansicht, dass der Mensch kein Recht hat, andere Tiere zu töten (ohne angegriffen worden zu sein) oder dass der Mensch durch seine ungewöhnliche Gabe der Intelligenz die Pflicht erhält, diese zur Vermeidung jeglichen Leides einzusetzen, auch für Nicht-Menschen.
    Dass diese Gruppe zur „Missionierung“ neigt, ist wenig verwunderlich, schließlich ist ihr Ansinnen der Vermeidung von Leid nicht erreicht, solange nur sie selbst auf den Konsum tierischer Produkte verzichten. Etwa so wie es einem Polizisten bei der Verfolgung eines Verbrechers nicht reichen kann, dass er selber keine Straftaten begeht. Aus der ethischen Begründung des Veganismus lässt sich also eine moralische Pflicht ableiten, die Idee weiterzugeben.
  • Umweltschutz ist ein anderer häufiger Grund für Veganismus. Viehwirtschaft ist mit enormem Verbrauch natürlicher Ressourcen verbunden — sowohl direkt bei den Tieren als auch in Form der gewaltigen mengen Nahrung, die durch die Tiere gehen statt wirtschaftlich und ökologisch deutlich günstiger direkt auf den Tellern landen zu können. Besonders Rindfleisch und Milchprodukte sind extrem belastend für die Umwelt. So sehr, dass ein Normalesser bei Milchverzicht sich klimaschonender verhalten als Vegetarier, die zwar auf Rindfleisch verzichten, dafür aber meist mehr Milchprodukte zu sich nehmen.
    Diese Gruppe ist schon seltener „missionarisch“ tätig, da die moralische Pflicht zur Bekehrung weniger akut ist. Zwar ist es natürlich besser, wenn mehr Menschen dabei helfen, die Umwelt zu schützen, aber das Gefühl der Nutzlosigkeiten der eigenen Bemühungen ist weniger stark ausgeprägt, da man das Gefühl hat, „seinen Anteil“ zu erfüllen.
  • Gesundheitliche Gründe sind die letzte simple Gruppe, bevor wir zu den komplizierteren kommen. Sie begründen die Entscheidung zum Verzicht auf Tierprodukte mit der potenziellen Gesundheitsschädlichkeit vieler tierischer Nahrungsmittel, von Wurst über Fleisch bis Milch. In wie weit das den Tatsachen entspricht, ist umstritten, aber hier nicht Thema. Allerdings sind diese Veganer auch oft nicht so strikt und nehmen ab und an Dinge wie Bienenkotze Honig zu sich, was mögliche gesundheitliche Probleme ausgleicht. Zudem ernähren sie sich noch stärker als andere Veganer bewusst und wissen daher, die bei schlecht umgesetztem Veganismus möglichen Mangelerscheinungen zu vermeiden.
    Diese Menschen haben eigentlich nur selten Grund zur Weiterverbreitung ihrer Ansichten, es sei denn, sie wollen ihren Mitmenschen etwas Gutes tun. Das zentrale Wort hier ist eigentlich. Denn jetzt kommen wir dazu, wie Veganer jeglicher Couleur zu Missionaren gemacht werden.

Die karnate Inquisition

Hier wird es komplizierter, das deutet schon die Fremdwörter in der Überschrift an. „Karnat“: fleischlich, „Inquisition“: Befragung.
Um das nachvollziehen zu können empfehle ich jedem Nicht–Veganer einfach mal, für etwa einen Monat Veganer zu spielen. Es ist dazu kein Verzicht nötig, noch nicht ein Mal die Übernahme veganer Ernährung. Spielen Sie, wann immer sie öffentlich sind, einfach mal Veganer. Erwähnen Sie ein oder zwei Mal, dass Sie eine vegane Ernährung ausprobieren. Keine Sore, man wird es Ihnen abnehmen, denn wer sich auf ein solches Experiment einlässt ist offensichtlich offen genug, ab und an etwas Neues auszuprobieren und nicht in den eigenen Vorurteilen zu verharren. Es bedeutet zwar, beim Ausgehen erst später ein Steak essen zu dürfen, wenn man wieder alleine ist (na gut, doch ein bisschen Verzicht), aber für einen Monat sollte das gehen und es bietet erheblichen Erkenntnisgewinn.
Schnell dürfte Ihnen eines auffallen: Menschen, die Fleisch essen, sind unglaublich vehement in ihrer Überzeugung, dass dies etwas Gutes ist. Sobald ihnen auch nur irgendwie zu Ohren kommt, dass Sie sich vegan ernähren, werden die Missionierungsversuche beginnen. Niemand missioniert mehr als Normalos, in deren Gegenwart der Begriff „vegan“ fällt. Sie werden sich ausgiebig und völlig unaufgefordert anhören dürfen, wie schädlich vegane Ernährung sei, dass sie dem Klima ja gar nichts nütze, dass Fleisch zu essen doch ganz natürlich und Fleisch ausserdem doch so lecker sei und so weite rund so fort. Selbst eigentlich gemäßigte Leute fangen plötzlich an, beinahe Verschwörungstheorien um eine Vegetarierlobby aufzubauen. Und dann kommt quasi aus dem Nichts der Vorwurf der Missionierung, sobald man es wagt, dem Redeschwall der Nicht-Veganer zu trotzen. Die Absurdität ist beachtlich.
Man fragt sich unweigerlich, wieso es Allesessern so schwer fällt, als einschränkend wahrgenommene Überzeugungen bezüglich der Ernährung anderer zu akzeptieren. Ja, manche sind einfach Besserwisser, die eine willkommene Gelegenheit wittern, ihr Hobby auszuleben. Aber nicht alle Fälle lassen sich so erklären, dafür sind es zu viele.
Die Veganer fühlen sich da schnell in die Ecke gedrängt und wer in die Ecke gedrängt wird, wehrt sich halt. Und so werden dann auch viele Veganer, die aus eigenem Antrieb nicht missionieren müssten zu Missionaren. Bei denen ist es dann weniger ein Angriff als eine Art offensive Verteidigung; der Versuch, einen Schutzraum um sich zu erschaffen, in dem man nicht ständig von den missionierenden Steak-Gourmands belästigt wird, die einen von den Vorzügen des Fleischgenusses zu überzeugen suchen.
Das erklärt dann vielleicht auch, warum Gruppen wie Peta so oft mit Aktionsformaten arbeiten, die genau niemanden überzeugen, dafür aber viele Menschen abschrecken können.

Also, liebe Normalos: Bevor ihr euch wieder über missionierende Veganer beschwert, kurz an die eigene Nase packen. Natürlich, es gibt Veganer, die eine Art Missionierung als moralische Pflicht ansehen und die wird es immer geben. Aber viele Fleisch-Liebhaber tragen ganz klar ihren Teil zur Radikalisierung von Veganern bei, wenn sie diese nicht sogar auslösen. Ich habe in der Regel Verteidiger des Fleisches als deutlich lauter und missionarischer erlebt als die meisten vegetarisch oder vegan lebenden Menschen. Aber das fällt oft nicht auf, weil sie auf Seiten der gesellschaftlich-mehrheitlichen Norm stehen.

Ersatzprodukte

Kurz noch zu einem Kritikpunkt am Veganismus, den ich nie verstanden habe: Was genau spricht gegen Fleischersatzprodukte?
Das ist relevant, denn ich halte auch das für eine Form von Intoleranz durch die Nicht-Veganer: Wer keine tierischen Produkte zu sich nimmt, der soll gefälligst (unnötigen) Verzicht üben, denn er verdient Strafe? Vegane Ernährung richtet sich ja nicht gegen die Wurst, sondern dagegen, dass für die Wurst ein Tier sterben musste. Warum also sollten vegane Wurst oder auch Ersatzprodukte für in der hiesigen Küche schlichtweg unverzichtbare Zutaten wie Milch ein Problem darstellen?
Mir ist das unbegreiflich. Das ist für mich nichts weiter als ein Ausdruck der Unfähigkeit von Normalos, die aus der Norm fallenden zu verstehen. Für den Wunsch nach einer Form von Buße für die Abweichler.
Ein bisschen so, wie den Homosexuellen das Recht auf Ehe zu verweigern. Es geht nicht um die Sache, denn dafür gibt es gar keine Begründung. Es geht darum, was man als normal zu akzeptieren bereit ist. Und vielleicht um die Angst davor, sich selbst und das eigene Bild von Normalität hinterfragen zu müssen und der Antwort nicht mehr so sicher sein zu können, wie man immer glaubte. Darum, Antworten ernsthaft suchen zu müssen statt die althergebrachten einfach unhinterfragt übernehmen zu können.

Zum Abschluss ein Bild vom Ende der Welt: Vegane Bratlinge mit Salat! (Bild: Wikimedia Commons)

Zum Abschluss ein BIld vom Ende der Welt: Vegane Bratlinge mit Salat! (Bild: Wikimedia Commons)

Meine Position

In einem Artikel zu diesem Thema scheint es mir wichtig, die eigene Position darzulegen, daher folgendes: ich bin selbst kein Veganer, verzichte aber aus ethischen Gründen in allen Bereichen ausser der Ernährung auf tierische Produkte (also z.B. auf Leder) und nutze aus einer Mischung aus ethischen und ökologischen Gründen regelmäßig vegetarische und vegane Lebensmittel, vor allem Ersatz für diverse Milchprodukte.


Freitägliche Fünf 06.11.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche wieder eine selbst für diese Reihe ungewöhnlich klimafreundliche Ausgabe plus Gebärdensprachendolmetscher.

1. Fossilfreies Münster

Kreuzfeier - Bild: Fossil Free Deutschland

Kreuzfeier – Bild: Fossil Free Deutschland


Nein, das Geologisch-Paläontologische Museum Münster wird nicht geschlossen, keine Angst. Immerhin liegt da der größte Ammonit der Welt, sowas macht man nicht zu.
Hier geht es um fossile Brennstoffe: Münster hat als erste Stadt in Deutschland entschieden, keine weiteren Gelder in Kohle, Öl udn Gas zu investieren und zieht ihre bisherigen Investitionen zurück beziehungsweise verkauft diese. Diese Investitionen, die in den letzten Jahren als Verlustgeschäfte zunehmend zu einem Problem für viele Städte vor allem im Ruhrgebiet werden, sind eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine für den Weiterbetrieb insbesondere von Kohlekraftwerken.

2. Simax

Simax ist ein in der Entwicklung befindlicher virtueller Gebärdesprachenübersetzer. Die Software wird mit einem Text gefüttert, setzt diesen in die jeweilige Gebärdensprache um und das Ergebnis wird dann noch ein Mal von einem Gebärdendolmetscher geprüft.
Ganz ehrlich: In der aktuellen Phase ist mir der Nutzen noch nicht so wirklich klar. Gehörlose haben ja weniger mit Text als mit Sprechsprache Probleme. Aber vielleicht kommt das in der nächsten Phase? Das Projekt hat jedenfalls noch einen langen Weg vor sich, Maschinenübersetzung ist immer eine anspruchsvolle Aufgabe, die noch keine Software gemeistert hat und die auf absehbare Zeit eine Krücke bleiben wird. Aber besser mit als ohne Krücke.

3. Radabstellen im Flur

Das ist ja gar kein richtiges Fahrrad, da fehlen ca. 2 kg Dreck! - Bild: Manuel Rossel

Das ist ja gar kein richtiges Fahrrad, da fehlen ca. 2 kg Dreck! – Bild: Manuel Rossel


Aus Chile stammt diese Idee von Fahrradabstellmöbeln für kleine (Designer-)Wohnungen. Designer Manuel Rossel hat eine ganze Kollektion dieser Möbel entwickelt, das da oben ist mein Lieblingsstück. Einfach, weil es das alltagstauglichste ist.
Natürlich sind die alle unrealistisch sauber und rechnen ihre Preise in nahezu astronomischen Einheiten (Das Teil da? US$ 191.000, runtergesetzt von 239.000), aber ich sehe das mehr als Inspiration für alle, die selber sowas basteln möchten. Halt in weniger hübsch und sauber, dafür mehr praktisch (mein Deutsch war vorhin auch noch irgendwie besser). Die Idee, Schuhregal und Fahrradständer zu kombinieren ist ja nun nicht grade die schlechteste.

4. Chia und Quinoa aus der Region

Die Tage gab es einen Artikel mit Sarah Wiener, der neben ein paar wahren Worten auch viel Blödsinn über vegane Ernährung enthielt. Der größte Quatsch war der Vorwurf, Veganer würden durch ihren Konsum von Quinoa und Chia-Samen das Weltklima stärker belasten als Allesesser, denn diese Pseudogetreide kämen aus Südamerika. Also anders als das vielgelobte argentinische Rind, das bekanntlich aus Straßburg stammt, welches im Mittelalter den Beinamen Argentina führte. Es wird dort auch nur mit bestem Alpensoja gefüttert. Klar. Nunja, was soll man vom Focus auch erwarten?
So oder so, das Problem könnte sich bald erledigt haben: In Stuttgart ist nun der Anbau von Quinoa gelungen, an Chia wird noch geforscht. Aufmerksamen Lesern wird auffallen, dass das nicht weit von den weltberühmten straßburger Rinderfarmen ist und somit nicht ganz so im klimatischen Hintertreffen liegen sollte. Der Anbau ist sogar in vielerlei Hinsicht sparsamer für Ressourcen wie Wasser und Stickstoff als Weizen.

5. Transparente Solarenergie

Durchsichtige Solarzellen werden ja immer mal wieder erfunden. Hier ist ein neues, recht vielversprechendes Projekt aus Michigan:


Freitägliche Fünf 30.10.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche ziemlich platt. Ich mein jetzt nicht wegen meiner Erkältung.

1. Was, wenn Tiere Fastfood äßen?


Ja, ich weiss, dass das Ballontiere sind, aber ich mag den Titel, unter dem das jetzt rumgeht.
– via Oliver Dittrich

2. Vengeance Delayed

Im vierten Anlauf und dem dritten, der es in die Finalrunde (Lserabstimmung) geschafft hat, habe ich bei der Indies Unlimited Flash Fiction Challenge gewonnen. Wenigstens vorläufig, das „amtliche“ Ergebnis kommt erst am Samstag, aber die Umfrage ist beendet und zeigt für mich den größten Balken mit 45% der Stimmen.
Das ist für mich eine wichtige Sache, weil der Gewinn die Aufnahme der Geschichte in die zur Challenge gehörende Anthologie darstellt, die Anfang Januar mit den 52 Gewinnerbeiträgen erscheint. Das wiederum hilft mir als Werbung, meine Geschichten und Bücher (vor allem) im englischsprachigen Raum bekannter zu machen. Und es ist zeitlich sehr günstig, denn bis dahin sollen die Sammlung Glimpses (November in zwei Versionen) und die Zombiegeschichte Boy (Dezember) erhältlich sein. Die Challenge und ihr möglicher Effekt sind eine gute Motivation, diese Daten auch einzuhalten.
Hinter dem Link hier links versteckt sich der Band vom letzten Jahr, der jetzt grade, während ich dies schreibe, kostenlos ist (regulär 1,02 €). Darin komme ich natürlich noch nicht vor, aber viele andere Autoren von Geschichten mit bis zu 250 Wörtern.
Die Geschichte ist für mich etwas ungewöhnlich, da ich nur selten ausserhalb der Phantastik (genauer: Science-Fiction und Fantasy) schreibe. Die Vorgabe ging aber in diese Richtung und so kam es zu diesem Mini-Charakterstück unter dem Titel Vengeance Delayed (mein Titel für die Aufnahme in Glimpses war ursprünglich Recollections). Was nicht heisst, dass man es nicht als Geschichte aus meiner Feder erkennen kann — dafür sorgen die kleinen Seitenhiebe bei Krabbencocktail und Karpfenröllchen.
Die Geschichte selbst gibt es hier zu lesen (letzter Kommentar).

3. Kühlschränke von Berlin

Am Prenzlauer Berg in Berlin gibt es ein neues Konzept gegen Lebensmittelverschwendung: Nicht mehr benötigte Lebensmittel können dort in drei öffentlichen Kühlschränken verstaut und abgeholt werden, etwa so wie eine für Nahrung. Ich hoffe zwei Dinge: Zum einen, dass das Konzept nicht die Probleme der oft vermüllten Giveboxen erbt (das wäre bei Lebensmitteln fatal) und zum anderen, dass die Idee sich dann auch ausbreitet.

4. Schach fürs kleine Heim

Was fehlt ist, dass auf dem Brett eine Matt-Aufgabe steht, aber man kann halt nicht alles haben - Bild: Fancy

Was fehlt ist, dass auf dem Brett eine Matt-Aufgabe steht, aber man kann halt nicht alles haben – Bild: Fancy


Schach hat unter den Brettspielen eine ganz besondere Eigenschaft: Es eignet sich vom Spielen abgesehen wunderbar als Raumschmuck. Ein Schachbrett macht eigentlich immer etwas her. Der klare Farbkontrast, die perfekte Mischung aus Symmetrie und Asymmetrie der Felder — ein Schachbrett ist nahezu jedem Raum ein Schmuck.
Allerdings braucht es Platz. Dafür gibt es nun also ein Schachbrett für die Wand. Ich muss ehrlich sagen, es fängt nicht ganz die Ästhetik eines normalen Schachbretts ein, aber die Idee ist auf jeden Fall gut. Ich bin allerdings recht sicher, für 300 $ kann ich mehrere davon machen, und das mit richtigen Quadraten, damit es hübscher aussieht.

5. Die 2D-Brille!

Wisst ihr was ich wirklich überflüssig, lästig und sogar optisch dem Standard gegenüber minderwertig finde? 3D-Kino. Es mag daran liegen, dass ich Brille trage, aber ich finde das Bild bei 3D-Filmen konstant unscharf und den Effekt meistens albern. Nur sind Brillenträger ein relativ großer Teil der Bevölkerung.
Nun, es gibt Abhilfe: Eine Brille, die 3D-Filme fürs Auge in 2D zurückkonvertiert. Für ungefähr den selben Preis wie normale 3D-Gläser. Keine Ahnung, ob es zufriedenstellend funktioniert, aber die Idee ist auf jeden Fall großartig.

Fick das 21. Jahrhundert, ich will den Film sehen - Bild: DFTBA.com

Fick das 21. Jahrhundert, ich will den Film sehen – Bild: DFTBA.com


Mesozoischer Mittwoch (Dino-Dienstag) 31

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diesmal am Mittwoch, da ich den Dienstag verpasst habe.

Besterhaltenes Säugetier der Kreidezeit

Spinolestes xenarthrosus, um genau zu sein - Bild: Oscar Sanisidro

Spinolestes xenarthrosus, um genau zu sein – Bild: Oscar Sanisidro


Spinolestes ist ein neu entdecktes kleines Säugetier, das vor 125 Millionen Jahren um die Füße spanischer Dinosarier wuselte. Beeindruckend an dem Fossil des Tieres ist, was neben den Knochen noch gefunden wurde: Es zeigten sich Abdrücke eines borstig-stacheligen Fells, unter dem teilweise knöcherne Platten in der Haut saßen. Die Haare, aber auch Spuren von Leber, Lungen und Haut sind detailliert genug erhalten, um sie bis auf die Zellstrukturen hinunter zu untersuchen. Auch Abdrücke der Ohren sind erhalten.
Das alles ist für die Forscher extrem aufschlussreich. So zeigt etwa die Anordnung von Lungen und Leber, dass Spinolestes wahrscheinlich wie moderne Säugetiere bereits ein Zwerchfell hatte. Auch die Ohren sidn interessant, denn es ist mangels Abdrücken nicht klar, wann die Säugetiere Ohrmuscheln entwickelten — jene von Spinolestes sind bereits gut entwickelt, also liegt diese Erfindung der Säugetiere deutlich länger zurück als seine Zeit.
Ebenfalls unerwartet: Spinolestes war relativ klar ein Tier, das viel grub und sich von Insekten ernährte. Dass es so früh in der Entwicklung der Säugetiere bereits klar auf eine bestimmte Lebensweise spezialisierte Arten gab (neben rattenartigen Tieren, die verschiedene Lebensstile führen konnten), hat die Forscher überrascht.

Die Körpertemperaturen der Dinosaurier

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat die Eierschalen fossiler Dinosauriereier untersucht, um aus der Zusammensetzung bestimmter Mineralien in diesen Rückschlüsse auf die Körpertemperatur der Muttertiere schließen zu können. Demnach hatten die untersuchten Dinosaurier stabile Körpertemperaturen, die je nach Art zwischen 32°C (Oviraptor) und 38°C (Titanosaurier) lagen. Vorherige Untersuchungen dieser an den Zähnen von Titanosauriern hatten für diese ähnliche Ergebnisse geliefert.
Damit häufen sich weiter die Hinweise, dass Dinosaurier wie heutige Säugetiere und Vögel in der Lage waren, ihre Körpertemperatur unabhängig von der Umgebungstemperatur zu regeln.

Neue Haie aus dem Karbon

Zwei spektakuläre, 300 Milllionen Jahre alte Haifunde wurden in in Texas und New Mexico gemacht. Während Texas Überreste eines schätzungsweise acht Meter langen Urhais barg, gibt es aus New Mexico das fast vollständige Skeletts einer neuen Haiart mit Zähnen, wie sie noch nie zuvor gesehen worden waren.
Beide Funde werden aktuell daraufhin untersucht, ob es sich um neue Arten handelt oder um neue Puzzlestücke zu bereits bekannten Arten.


Freitägliche Fünf 23.10.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche mit Klartexten.

1. Die Anstalt mal wieder


Nicht die beste Anstalt diese Woche, aber immer noch gut. Und obwohl mich die Allgegenwart des Themas Vertriebene inzwischen doch zu nerven beginnt, hielt sie mich am Bildschirm. Besonderes Lob für diesen kleinen Satz zur deutschen Leitkultur: „Es ist immer Goethe, niemals Goebbels!“
Denn was wir als unsere Kultur definieren, ist von einer kuscheligen Selektivität geprägt, für welche die Geschichte keine Grundlage hergibt.

2. Albrecht von Lucke

Der Montag brachte mich zu einer Lesung Albrecht von Luckes zu seinem Buch Die schwarze Republik und das Versagen der deutschen Linken. Ein sehr lohnender Abend in Düsseldorf mit einer interessanten Diskussion darüber, ob Pazifismus eine gute Idee ist oder bedingungsloser Pazifismus nicht vielmehr das Leid in Situationen wie in Syrien verschlimmert, indem er uns am Eingreifen hindert. Das klassische Problem: Pazifismus rettet niemanden, wenn die Panzer der Anderen bereits durch die Vorgärten rollen.
Aber auch um die Frage, was von der deutschen Linken (nicht die Partei, das linke Spektrum) übrig ist, was passiert ist und welche Rolle die Linke (jetzt die Partei) beim Niedergang von Sozialdemokratie und SPD spielt. Wäre Hartz IV beispielsweise möglich gewesen, hätte Lafontaine seinen durchaus machtvollen Posten bei der SPD nicht geschmissen um in die sich formierende WASG zu wechseln?
Interessante Fragen, nachdenkenswerte Zusammenhänge. Und für mich auch ein Ansatz zum Weiterdenken: Ist Deutschland schon seit 35 Jahren in einem stetigen Rechtsruck, hat der Verlust der Linksliberalen bei der FDP eine Wanderbewegung ausgelöst, die über die Jahre nahezu alle linken Positionen aus den großen Parteien herausgelöst hat? Etwa so: Die FDP wird neoliberal, die Linksliberalen gehen in die SPD und bringen so die Saat des Liberalismus in allen Ausprägungen ein. Die SPD verliert an ihrem linken Flügel mit der Gründung der Grünen Halt, die diesen Bereich teilweise übernehmen. Mit der Wiedervereinigung schließlich kommt die Idee auf, der Kapitalismus habe gewonnen und bildet das Klima, in dem die neoliberale Saat in der SPD aufgehen kann. Schröder wird Deutschlands erster neoliberaler Kanzler, die SPD verliert mit der Gründung des WASG ihr verbliebenes linkes Potenzial. Die Grünen büßen mit den beiden internen Katastrophen dieser Zeit (Kosovo und Hartz IV) ebenfalls massiv linkes Potenzial ein, das sich nun ausgegrenzt (und auch sich selbst ausgrenzend) in der entstehenden Linkspartei konzentriert oder frustriert ganz aus dem politischen Leben zurückzieht (Politikverdruss). Die CDU wird letzte verbliebene Großpartei und beginnt einen Weg der Assimilation aller anderen Gruppen, die durch die Aussicht, besser etwas zu bewirken als gar nichts, leichte Beute werden.
Erschreckend, aber auch ein interessanter Gedankengang. Und Erkenntnis gilt immer noch als der erste Weg zur Besserung.

3. Navid Kermani

Am Tag zuvor hat Navid Kermani den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten. Das an sich finde ich verdient, aber nicht weiter bemerkenswert. Bemerkenswert finde ich dagegen die Rede, auf die sich auch der in Punkt 2 benannte von Lucke immer wieder bezog — zu Islam, Radikalisierung, Krieg und der Frage, ob wir wegschauen dürfen.
Die Rede gibt es hier nachzuhören, nur die vorherigen Laudatoren und den Moderator muss man entweder aushalten oder überspringen.

4. Geistersturm

Ich freue mich, in gewisser Weise Michael Cherdchupan unter den käuflich zu erwerbenden Autoren begrüßen zu können. Gemeinsam mit Markus Topf hat er das Hörspiel Schauergeschichten — Der Geistersturm verfasst.
Michael ist ein alter Kollege aus dem nicht mehr existierenden Forum der nicht mehr existierenden Spielezeitschrift GEE, einem der Foren, in denen ich Jahre aktiv war.

5. Babelcube

babelcubeMit Babelcube habe ich mir eine neue Arbeitsplattform erschlossen, die sehr interessant aussieht. Die Seite bietet die Möglichkeit, Werke zu übersetzen (praktisch durchgehend von selbstverlegten Autoren). Übersetzer werden nicht im voraus bezahlt, sondern erhalten einen Anteil an den Erlösen.
Viele professionelle Übersetzer finden das problematisch, da auf diese Art die Bezahlung nicht garantiert ist, aber mal ehrlich: Das ist sie für die Autoren auch nicht und die schreiben dennoch. Natürlich nehmen Übersetzer damit ein Risiko auf sich, dass die Arbeitszeit verschwendet gewesen sein kann, aber damit habe ich nicht das geringste Problem, denn das ist das Los fast aller kreativen Berufe.