Sieben am Sonntag 18.12.2016

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Wir starten wieder mit Hintergrundmusik. Diese Woche ein politischer Mottosong für all die Tröten dieser Welt. Es gibt eine Menge Tröten in dieser Welt.

eBook der Woche

Okay, ja, diese Geschichte über mit einem lauten BRUALP! aus dem Unterholz springende Haie, die Menschen verschlingen, ist mit voller Absicht Trash. Aber was bei Filmen einigermaßen geht, tatsächlich guten Trash zu produzieren, ist bei Büchern sehr schwer und so ist Hypershark durchaus eine Leistung.
Und er liefert dann auch alles, was er verspricht, zum Beispiel:

  • Charaktere, so platt wie eine Flunder
  • Witze und coole Sprüche, so platt wie die Charaktere
  • Völlig hirnloses, pseudowissenschaftliches Geschwafel
  • Dialoge, noch hirnloser als das pseudowissenschaftliche Geschwafel

Das ist mal eine echte Leistung. Wie gesagt, ein schlechtes Buch unterhaltsam zu schreiben, das ist eine heftige Aufgabe und das hier ein Meisterwerk dieser. Und ich habe jetzt endlich genug Text geschrieben, damit es das Layout nicht verhaut, also weiter zu…

Dinoding der Woche

godzilla-sweaterIst der nicht herrlich hässlich? Aber mit den Hubschraubern udn Panzern, den ganzen Details, das ist fast schon zu liebevoll gestaltet um als hässlicher Weihnachtspullover zu enden. Doch genau das ist dieses Angebot bei Teespring.
Und ja, Godzilla ist ein Dinosaurier, wenn auch kein echter, das zählt.

Bepflanzung der Woche


This photo of Tengkleng Mba Dyah is courtesy of TripAdvisor
Die Deutsche Welle hatte diese Tage die Geschichte eines Herstellers von Tellern aus Blättern gebracht. Das wurde auf Facebook durchaus kontrovers diskutiert. Eine interessante Entdeckung aus der Diskussion sind aber Pincuks wie oben abgebildet, die aus Bananenblättern gefaltet werden. Und bei den Bananen gibt es ja auch Arten, die in unseren Breiten wachsen können, was das Ganze sehr interessant macht.

Sprachfehler der Woche

Ein glücklicherweise inzwischen dementierter Eintrag, wobei ich die Dementierung auch für beachtlich halte. Ich finde, man sollte bei dem ganzen Gender-Zeug mal einen Gang runterschalten und auch mal akzeptieren, dass es halt nicht für jede/n passt. Es ist eine völlige Überbewertung persönlicher Empfindungen, dafür den sprachlichen Ausdruck so zu verkomplizieren, dass am Ende niemand mehr weiss, was wann wo zu sagen ist. Und das alles nur, weil es niemand gebacken kriegt, sprachliches, gesellschaftliches und biologisches Geschlecht auseinanderzuhalten.
Ach ja, die ursprüngliche Meldung war die Behauptung, in Oxford würde demnächst das neuneutrale Pronomen ze eingeführt.
Dabei gibt es ja schon ein neutrales Pronomen: it. Dass dies im Deutschen problemlos auf Menschen angewendet werden kann („das Kind“) ohne, dass die Betroffenen dadurch als Objekte behandelt würden (ausser natürlich als grammatische Objekte), entkräftet auch schon so ziemlich das einzige Argument dagegen.
Im Ernst, dieser Quatsch geht mir auf den Senkel.

Radanlage der Woche

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Kleve will mit einem „Radschnellweg“ zwischen Kleve und Kranenburg am Aufbau eines landesweiten und länderübergreifenden Netzes von Radschnellwegen mitbauen. Schlussendlich würde der Weg nach Nijmegen in den Niederlanden führen. Der Name stimmt nicht ganz, der Weg ist für diese Bezeichnung mindestens einen Meter zu schmal und die Vorrang der Autos an einigen Kreuzungen geht auch gar nicht, aber immerhin ist es eine deutliche Verbesserung der Wege für größere Strecken.
Hat eigentlich jemand eine Karte mit allen angedachten Strecken auch von kommunaler Ebene? Allein Mönchengladbach hat da ja schon drei zuzüglich der Überlegungen um Garzweiler II. Mir kommt das alles sehr unkoordiniert vor.

Weltraummission der Woche

japan-space-netDas ist KOUNOTORI6, ein unbemanntes japanisches Weltraumfahrzeug, das eine erstaunliche einfache Lösung eines modernen Problems erproben soll. Es ist mit einem Fischernetz ausgestattet, welches Weltraumwale fangen im All herumschwirrenden Abfall und andere Kleinteile im Orbit auffangen soll.
Müll aus vergangenen Missionen ist eine große Gefahr für die moderne Raumfahrt, an deren Lösung alle raumfahrenden Nationen stetig arbeiten. Nun hat die japanische Raumfahrtbehörde JAXA erstmals tatsächlich eine Lösung dafür in einen Erdorbit geschickt.


Sieben am Sonntag 11.12.2016

Willkommen beim Nachfolger der Freitäglichen Fünf. Die Serie hat zuletzt doch sehr gestottert. Das lag zum einen an sehr vollen Frei- und Samstagen, zum anderen aber auch an der Prämisse. Es ist nicht einfach, jede Woche fünf nennenswerte positive Nachrichten zu finden. Vor allem nicht, wenn man in der Woche kaum Zeit übrig hatte, überhaupt näher die Nachrichten zu verfolgen. Und manchmal will man sich auch einfach über manche Dinge aufregen. Mein natürlicher Sarkasmus und die rein positive Ausrichtung ringen immer wieder um Dominanz und das kam in der Reihe auch immer wieder hervor.
Das bedeutet nicht, dass das Format nun negativ wird. Der positive Grundton wird bleiben, aber er wird näher an meiner Herangehensweise an Dinge rücken. Wo auch kathartisches Aufregen einfach dazugehört. Nun gibt es also statt fünf positiver Nachrichten jeden Freitag sieben „X der Woche“ am Sonntag, bei denen es sich um so ziemlich alles handeln kann.
Ich gehe davon aus, dass sich einige davon festigen werden, weil es Dinge sind, die ich ständig mitbekomme – Musik der Woche, eBook der Woche und Dinoding der Woche fallen auf. Ansonsten mal schauen, was draus wird.

Musik der Woche

Erstmal passende Musikunterlegung für den restlichen Artikel. Draufklicken, weiterscrollen.

Rückschritt der Woche

Das in Internetdingen gefürchtete Landgericht Hamburg hat wieder zugeschlagen. Nach dem neuesten Beschluss sind nun also Links auf Urheberrechtsverletzungen selbst als Urheberrechtsverletzungen zu werten.
Der Beschluss selbst liest sich mit seinen durchaus zahlreichen Einschränkungen nicht annähernd so schlimm wie die Berichterstattung dazu, dennoch ist das eine mindestens problematische Entscheidung.

eBook der Woche

Auf Amazon schwirrt eine Menge seltsamer Kram durch die Gegend. Da ich jahrelang eine Plattform für kostenlose eBooks betrieben und dafür täglich die verschiedenen Anbieter abgesucht habe, bekam ich da so einiges von mit und komme auch heute noch ständig daran vorbei. Es reicht von grottenschlechten vermeintlichen Meisterwerken, die man erwarten würde, über religiöse Ergüsse und pseudologische Theorien bis zu reiner Nazi-Propaganda. Aber der amüsanteste Teil sind dabei natürlich die puren Spinner.
Nun ist ein Buch über Elektrosmog ein guter Einstieg, aber damit allein hat sich Stefan Salsa den Eintrag noch nicht verdient. Nein, das sichert ihm einer der zitierten Wissenschaftler, ein gewisser Prof. Konstantin Meyl. Nach diesem googelte ich dann und davon abgesehen, dass er schlichtweg kein Physiker ist, hat der ein paar abgefahrene Theorien zu bieten.
Mein absoluter Favorit ist die Idee, Hühner seien biologisch in der Lage, Kernfusion zu betreiben. Natürlich nicht zur Energiegewinnung, sondern um das für die Eier nötige Kalzium herzustellen. Logisch.

Dinoding der Woche

Aus China stammt ein weiterer spektakulärer Fund im Bereich der gefiederten Dinosaurier. Diesmal ist es ein Stück des Schwanzes eines kleinen Raubsauriers, das im Bernstein erhalten wurde. Es ist nicht die erste Dinosaurierfeder in Bernstein, aber dennoch ein beachtlicher Fund, der viele Informationen über die Entstehung der Feder bergen kann.
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Armee-Einsatz der Woche

Die Vermessungs- und Liegenschaftenabteilung der US-Armee hat das Projekt einer Pipeline mitten durch das Reservat der Sioux von Standing Rock gestoppt. Das Vorhaben, das die Sioux massiv bekämpften, während die USA mit zunehmender Brutalität versuchten, den Bau durchzusetzen, machte zuvor den Eindruck eines beginnenden Bürgerkrieges — angesichts der Geschichte der USA mit den Amerikanern eine traurige und nicht ganz unwahrscheinliche Fortsetzung der Geschichte.
Es gab sogar eine Vergebungszeremonie usaner Veteranen bei den Sioux.

Sprachfehler der Woche

In Mönchengladbach wird eine neue Büroanlage verbaut mit dem wunderbaren Namen… Paspartou. Nein, ich habe mich nicht verschrieben, das ist der offizielle Name. Er steht so auch in der Pressemitteilung der Stadt, die ich leider nicht verlinken kann, da sie sich in meiner Mailbox befindet.
Ich habe ja die leise Befürchtung, dass auch das ou nur deshalb drin ist, weil jemand im letzten Moment merkte, dass Paspartuh irgendwie so komisch unfranzösisch aussieht. Der Begriff schreibt sich übrigens Passepartout und bezeichnet die Papierrahmung in einem Bilderrahmen. Was das mit Büros zu tun haben soll, weiss ich zwar nicht, aber vielleicht sollte es ja tatsächlich als Wortspiel Paspartout (=„nicht überall“) werden. Wer will das schon wissen? Es gibt auch noch die Bedeutung „Generalschlüssel“, aber das will auch nicht so recht passen.

Rezept der Woche

Super-Kohlenhydrat-Smoothie. Das Bild reicht, den Rest könnt ihr euch selber denken.
Die Jelly Beans sind gelatinefrei, es ist also vegetarisch, wenn auch nicht vegan (Milch, Bienenwachs, Schellack).

Ich sehe kein Problem damit. Ihr?

Ich sehe kein Problem damit. Ihr?


LDK 2016 in Oberhausen, die Zweite

Dieses Jahr gab es zwei Landesdelegiertenkonferenzen (LDK, so nennen u.a. die Grünen ihren Parteitag) in Oberhausen. Von der ersten im September berichtete ich nicht, da ich diese reine Wahlveranstaltung für nicht sooo wahnsinnig spannend hielt. Konnte man ja auch alles online verfolgen. Eine kurze Suche bei Youtube hilft.
Am vergangenen Wochenende dagegen ging es um das Landtagswahlprogramm, also um Inhalte. Das finde ich dann deutlich interessanter.

Viele Kreise, ein Landesprogramm - Bild: Bündnis 90/Die Grünen NRW

Viele Kreise, ein Landesprogramm – Bild: Bündnis 90/Die Grünen NRW


Natürlich kann man auch diese über drei Tage gehende Konferenz bei Youtube nachschauen: Tag 1 (vier Stunden), Tag 2 (zwölf Stunden) und Tag 3 (sechs Stunden). Aber es gibt mehr zu erzählen, als das.

Wahlzeugs

Tag zwei war dann doch zu großen Teilen ein Wahlmarathon, denn ich nach vorne stellen möchte, weil er kurz angesprochen werden kann. Denn es gab mit Peter Walter einen Kandidaten aus Mönchengladbach. Dessen nachdenkliche Wahlrede zur Friedenspolitik gibt es ab etwa 3:27:50 in der Aufzeichnung zum zweiten Tag nachzuhören. Er konnte sich damit auf Platz 30 der Liste zur Bundestagswahl behaupten. Dafür durfte er einen dieser komischen Grabkränze mitnehmen, die wohl den Versuch eines weihnachtlichen Blumenstrausses darstellten.
Wir sind stolz auf unseren Peter!
Daneben gab es noch eine Debatte zur Kandidatur Christoph Butterwegges zum Bundespräsidenten, vorgeschlagen von der Linkspartei. Eine Abstimmung dazu gab es nicht da der Antrag zurückgezogen wurde. Ich habe mir die letzten Tage eine Meinung zu Butterwegge gebildet: Butterwegge ist fraglos ein Populist, allerdings genau die Art von Populist, die wir grade dringend brauchen. Einer, der deutliche linke Positionen zurück in eine verneoliberalisierte Bundesrepublik bringt, die es zu diskutieren lohnt.

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Scheiss auf die Mitte

Siehe oben. Und nun siehe unten.

Bild: Google

Bild: Google

Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Es gibt keinen anderen Satz, mit dem man diesen Beitrag einleiten kann. Einzig totale Sachlichkeit fängt das Entsetzen ein, das diese Tatsache mit sich bringt. Donald Trump wird der 45. Präsident der USA.
Ich erwarte, dass dies den Niedergang der USA in der Weltpolitik einleitet. Die Welt wird sich auf eine Zukunft einstellen müssen, in der die USA keine auch nur annähernd so ausgeprägte internationale Rolle spielen werden, wie es derzeit der Fall ist. Das kann gut finden, wer mag und ich kenne genug, die es tun werden. Es hat ja auch potenziell durchaus positive Auswirkungen, wenn die USA sich weniger in die Angelegenheiten des Rests der Welt einmischen. Aber es sind halt auch Zeiten, in denen eingesessene Strukturen verschwinden werden, in der die ganze Welt sich neu ordnen, Staaten ein neues Verhältnis untereinander finden müssen. Das kann ungemütlich werden, insbesondere, weil etliche der anderen Staaten ebenfalls populistische bis rechte Staats-Chefs haben.
Wir werden sehen, was genau kommt und was es für Europa bedeutet. Mir geht es jetzt um die Lehren, die für die vielen progressiven Wahlverlierer zu ziehen sind, welche die letzten Jahre hervorgebracht haben.

Die Personalisierung als Problem

Ich mag das, was als Wahlkampfstrategie präsentiert wird, nicht mehr als solchen bezeichnen. Wahlkampf hat was politisches. Was Parteien heute führen, ist nicht mehr politisch. Es ist Kandidaten-Marketing, mit Zuspitzung auf die Spitzenkandidaten. Das ist etwas, was im föderalistischen System der Bundesrepublik eigentlich aus gutem Grund (*hust*1933*hust*)nicht möglich sein sollte.
Es ist ja nicht nur bei uns bereits schiefgegangen. Auch die USA hatten ein paar charismatische, aber katastrophale Präsidenten, wenn auch nicht annähernd so furchtbar wie in Deutschland. Auch Trump ist definitiv kein Hitler. Er ist ein Vollidiot, aber kein Wahnsinniger.
Nun, eben jenes sehr problematische System wollen die diversen Wahlkampfmanager auch in Deutschland einsetzen, wo sie es nicht bereits tun. Eine Person spricht die Menschen an, sie ist einfach zu verkaufen. Politik? Wen interessiert schon, welche Politik man da wählt? Seriöser Wahlkampf, seriöse Politik würden versuchen, den Leuten zu erklären, worum es geht. Das ist anstrengend, also macht es keiner.
Die absurden Folgen im US-Wahlkampf waren Diskussionen, ob Hillary Clinton grade eine Grippe habe. Was auch immer das mit ihrer Eignung für die Präsidentschaft zu tun haben soll. Es erinnert an die Frage, ob Gerhard Schröder sich die Haare färbt — nur dass die Amis diese Fragen tatsächlich ernstzunehmen scheinen. Das ist es, worauf wir hinsteuern.

Das Geseier von der Mitte

Hillary Clinton war eine Kandidatin aus Angst. Aus Angst der Demokraten, man könne mit dem zur Nominierung aktiv bekämpften demokratischen Gegenkandidaten Bernie Sanders Wähler verschrecken. Also hat man eine Kandidatin bekommen, die genau nichts Mutiges zu sagen wagt.
Das kennen wir in Deutschland als „die Mitte ansprechen.“ Es hat sich soweit ausgebreitet, dass nur noch die Rechten es wagen, mit Positionen vorzupreschen, die kontrovers sein könnten. Und das wird ihnen honoriert, weil die Menschen danach dürsten, dass endlich mal wieder jemand etwas anderes sagt als das immergleiche Geseier aus der Mitte.
Symptomatisch dafür ist bei mir Sarah Wagenknecht, wie sie vor einigen Jahren bei Richard David Precht saß und sich auf mehrmaliges Nachfragen ausdrücklich weigerte, eine Utopie oder auch nur irgendeine nennenswerte Zukunftsvision aufzustellen. Und wenn die Leute keine Utopie kriegen, keine mutig vorspreschenden Ideen, dann nehmen sie halt die Dystopie, die rückschreitenden Anti-Ideen. Hauptsache, Vision. Hauptsache, Bewegung.
Man darf dumme Ideen haben, man darf spinnen. Das erzeugt Diskussion, das erzeugt Aufmerksamkeit, das erzeugt unter den ähnlich Denkenden Achtung und unter den anders Denkenden meist nichts, wovor man sich fürchten muss. Versucht nicht ständig, die anderen anzusprechen, sprecht die an, die eurer Meinung sind und zeigt ihnen, dass es jemanden gibt, der sie vertritt. Gebt euch und ihnen Visionen, die man vertreten, für die man einstehen, die man präsentieren kann.
Traut euch was oder ihr überlasst das Feld jenen, die sich was trauen. So einfach ist das.


Wir basteln einen Radschnellweg Lürrip-Innenstadt

Ich hatte in den letzten Tagen mehrfach angedeutet, dass ich mir einen Radschnellweg südlich des Hauptbahnhofes MG vorstellen könnte, quasi als Ergänzung zum SPD-Vorschlag eines solchen Weges im Norden der Stadt (der in meinen Augen irgendwie kein wirkliches Streckenziel hat, er wäre halt da). Ich will das nun etwas genauer ausführen. Aber zunächst ein paar Karten zum Erschrecken, dann die Erklärung:

Grün: Ebenerdig/vorhandener Bahndamm dunkelblau: Hochtrasse gelb: Rampe hellblau: potenzielle Fahrradverbindung Heinrich-Sturm-Straße Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Grün: Ebenerdig/vorhandener Bahndamm
dunkelblau: Hochtrasse
gelb: Rampe
hellblau: potenzielle Fahrradverbindung Heinrich-Sturm-Straße
Zum Vergrößern aufs Bild klicken
Hinweis: Eine Rampe zur Kranzstraße fehlt hier nur versehentlich

dunkelblau: Hochtrasse gelb: Rampe hellblau:potenzielle Weiterführungen

dunkelblau: Hochtrasse
gelb: Rampe
hellblau:potenzielle Weiterführungen

Ziele

Ein Radschnellweg ist meines Erachtens dann sinnvoll, wenn er vorhandene Strukturen verknüpft oder zusammenfasst oder aber wenn er lohnende Ziele ansteuert.
Also zunächst zu den vorhandenen Strukturen: Es gibt in Mönchengladbach einige gute oder potenziell gute Verbindungen. Der von Wickrath weit in den Niederrhein führende Nierswanderweg sticht hervor, daneben gibt es noch die Richard-Wagner-Straße/Brucknerallee (Hermges-Rheydt), die Landwehr (Dahl-Ohler-Pongs), die Korschenbroicher Straße (Mönchengladbach-Neuss) und einige wenig bis nicht genutzte Straßen im Raum Rheindahlen/Hardt, über die Fahrten in Richtung Süden (Erkelenz, Heinsberg, Aachen) und Niederlande (Roermond) möglich sind. Hinzu kommen Planungen für eine Fahrradstraße in der Heinrich-Sturm-Straße (als auch heute schon nutzbare Unterquerung des Bahndammes) und der genannte Radschnellweg weiter nördlich. Im Bereich der von mir angedachten Strecke gibt es noch ein paar kleinere Verbindungen, die ich nicht alle aufzählen möchte.
Relevante Ziele in Gladbach sind sicherlich die beiden Hauptbahnhöfe mit ihren Radstationen und der jeweiligen Anbindung zur Innenstadt, die größeren Stadtteilzentren (Wickrath, Rheindahlen), das Umland (u.a. Krefeld, Viersen, Neuss/Düsseldorf, Heinsberg, Niederlande) und natürlich die Verknüpfung der Stadtteile untereinander.

Definition Radschnellweg

Okay, das ist für die nächsten Ausführungen wichtig, vorab zu klären: Ich definiere den Radschnellweg im Folgenden als eine zu anderen Verkehrsträgern kreuzungsfreie Verbindung, die rein für die Benutzung durch Fahrräder (der Einfachheit halber einschließlich Pedelecs und Mofas) gedacht ist. Es gibt noch ein paar weitere Bedingungen für die Bezeichnung, die unabhängig vom Konzept leicht umsetzbar sind und daher hier keine Rolle spielen sollen. Also quasi als Fahrradgegenstück zur Autobahn.
Damit lege ich einen höheren Standard an, als der Radschnellweg 1 im Ruhrgebiet. Daraus folgt: Eine Umsetzung mit Abstrichen ist natürlich möglich, das hier ist die Maximalvariante.

RS-MG-OS

Der Radschnellweg Mönchengladbach Ost-Süd (hoffentlich offensichtlicher Arbeitstitel) fände seinen Anfangspunkt am S-Bahn-Haltepunkt MG-Lürrip, unweit der Korschenbroicher Straße, die hier ostwärts über den Nierswanderweg und in Richtung Neuss führt. Diese Nähe kann in der weiteren Zukunft als Anknüpfungspunkt für eine Verbindung des Gladbacher OS-Weges mit dem Endstück der bereits geplanten Verbindung Monheim-Düsseldorf-Neuss dienen. In Kombination mit den Überlegungen, den nördlichen Radschnellweg nach Krefeld anzubinden, würde Mönchengladbach dann zu einem zentralen Knotenpunkt des landesweiten Radschnellwegenetzes.
Von hier aus bietet sich zunächst an, den Weg auf dem derzeit noch leeren ehemaligen Bahndamm zu führen, der sich schon jetzt vom Bahnhof Lürrip bis zur Breitenbachstraße befahren lässt, allerdings als abgeräumtes ehemaliges Bahngelände nur mit einem guten Mountainbike. Das ist der einfache Teil, der praktisch sofort umgesetzt werden könnte. In der Karte ist das das große ebenerdig (grün) angelegte Stück.
An der Breitenbachstraße kann man den Weg natürlich in das Straßennetz zurückführen. Für den Namen „Radschnellweg“ wäre dies aber dann doch etwas mickrig. Aber wie kommen wir weiter? Nun, wie wäre es damit:

Also, der radweg, nicht der Hafen natürlich - Bild: Ole Malling für Dissing und Weitling Architektur

Also, der radweg, nicht der Hafen natürlich – Bild: Ole Malling für Dissing und Weitling Architektur

Das ist Cykelslangen, ein auf einer Hochtrasse angelegter Radweg in Kopenhagen. Am oberen Ende auf dem Bild beginnt er mit einer Rampe und steigt auf eine Höhe von 5,50 Metern.
Ich könnte mir vorstellen, mit einer solche Hochbahnführung auf Höhe der Bahntrasse den Radschnellweg weiterzuführen, mit mehreren Rampen an geeigneten Stellen. Wohlgemerkt auf Höhe der Bahntrasse, nicht auf der vorhandenen Bahntrasse. Der Weg würde südlich an die Bahntrasse angeflanscht. Da sich der Weg an der Südseite des Bahndammes befinden würde, gäbe es auch nichts, was durch den Radweg verschattet würde, die Sonne steht ja in unseren Breiten eher selten im Norden. Dieser erhöhte Teil kann dann an unterschiedlichen Stellen in Höhe des Berliner Platzes enden, beispielsweise in Form einer Rampe zur Oststraße, die abzweigende Schienenverbindung ins Rheydter Industriegebiet begleitend oder in die geplante Unterführung zwischen Theodor-Heuss-Straße und Korschenbroicher Straße hinein.
Man muss aber auch ehrlich sein: Das ist ein teures Vorhaben. Ein Brückenbauwerk dieser Länge dürfte über den Daumen gepeilt so etwa 2-3 Millionen Euro kosten. Das kann die Stadt nicht tragen, das müsste ganz klar im Landesprogramm für Radschnellwege getragen werden, wenn man es umsetzen will.

Weiter in die Zukunft

Der südliche Endpunkt kann in der weiteren Entwicklung natürlich noch weiter entwickelt werden. Es könnte sich beispielsweise sehr lohnen, den Weg entlang der abspaltenden Bahntrasse bis zum Geneickener Bahnhof weiterzuführen, wo die Bahntrasse endet und ein bereits vorhandener Radweg anschließt, der bis zur Odenkirchener Straße läuft. Dort endet er zwar recht abrupt, aber immerhin.
Die attraktivere Verbindung wäre eine Lösung, um die Theodor-Heuss-Straße zu überqueren und auf die Dessauer Straße oder die August-Oster-Straße zu kommen, wo eine Verbindung zur Richard-Wagner-Straße und somit zur angedachten Radwegeführung zum Hauptbahnhof Rheydt möglich wäre. Ist die Theodor-Heuss-Straße einmal gequert, kann man den Radverkehr auch zur Landwehr leiten, an der entlang es zum Stadtwald und von da aus ins westliche Umland geht. Hier haben wir dann unsere Verbindung zur Schiene Erkelenz-Aachen und in die Niederlande.
Andernorts im Streckenverlauf ist es dann noch nötig, die Lücke zwischen diesem Radschnellweg und dem im Norden zu schließen.
So oder so wäre Mönchengladbach mit einem solchen Vorhaben ein bedeutender Knotenpunkt für den überörtlichen Radverkehr. Das kann sich für die Stadt enorm lohnen.

Spinne ich?

Vermutlich. Aberich halte spinnen für den wichtigsten Schritt auf dem Weg in die Zukunft. Erstmal spinnen, dann auf das realisierbare runterbrechen und dann machen. Aber man muss auch sagen: Wir haben es geschafft, in relativ wenigen Jahren ein Autobahnnetz durch die gesamte Bundesrepublik zu bauen. Da ist das hier nichts gegen.



Freitägliche Fünf 21.10.2016

Jede Woche Freitag oder Samstag, je nachdem, wann es zeitlich klappt, die fünf beziehungsweise samstags sechs Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.

1. Ethanol aus CO2

Ich möchte darauf hinweisen, dass einer von den drei den selben Bart trägt wie ich - Bild: Oak Ridge National Laboratory

Ich möchte darauf hinweisen, dass einer von den drei den selben Bart trägt wie ich – Bild: Oak Ridge National Laboratory

Ein amerikanisches Experiment, um Kohlendioxid in Ethanol umzuwandeln, war nicht nur erfolgreich, es war erfolgreicher als erwartet. Die Forscher konnten mit Hilfe von Nanotechnologie genug Ethanol erzeugen, um es direkt als Treibstoff zu verwenden.
Das Konzept bringt ein paar neue Fragen mit sich, was den Kohlenstoffkreislauf der Industrie angeht. Wenn wir unsere Antriebe auf diesen Prozess umstellen, müssen wir vollkommen anders mit CO2 umgehen. Ein solches System müsste nicht nur auf ein Zuviel, sondern auch auf ein Risiko des Zuwenig Acht geben. Aber wir können damit eben auch die aktuelle Überdosis abbauen. Wir werden sehen, wie diese Methode eingesetzt wird.
Ein Versehen war der Erfolg übrigens nicht: Die Methode tat genau, was sie sollte, nur deutlich effizienter als geplant.

2. Hacker in der smarten Stadt

Weniger eine gute Nachricht, als eine rechtzeitige Warnung: Smart Cities sind eine schlechte Idee. Das Gute daran ist zum einen die Warnung, zum anderen mein Amüsement.

3. Schiaparelli auf dem Mars

Abschiedfoto - Bild: ESA

Abschiedfoto – Bild: ESA

Mit Schiaparelli ist in Zusammenarbeit mit Russland erstmals eine (west-)europäische Sonde auf dem Mars gelandet.
Schiaparelli sollte vor allem eine Landung auf dem Mars erproben, bevor 2020 ein europäischer Roboter-Rover zum Mars geschickt, der dort nach Zeichen von Leben suchen soll.

Es sieht so aus, als hätte Schiaparelli die Landung nicht überstanden.

4. Rogue One Weird

Falls irgendwem der letzte Trailer zu Rogue One zu langweilig gewesen sein sollte, hier eine aufpolierte Version:

5. CETA gescheitert

Das demokratiefeindliche Wirtschaftslobbyistenprogramm CETA wurde von der kanadischen Handelsministerin für gescheitert erklärt, nachdem die Wallonie sich nicht zu einer Zustimmung bewegen ließ.


Samstägliche Sechs 15.10.2016

Jede Woche Freitag oder Samstag, je nachdem, wann es zeitlich klappt, die fünf beziehungsweise samstags sechs Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.

1. Bootsbau für Neulinge

Angel und Motor weg, Pedale und evtl. Räder dran, dann isses fertig - Bild: Quelle unklar, wahrscheinlich BoatsArePeopleToo.com (offline)

Angel und Motor weg, Pedale und evtl. Räder dran, dann isses fertig – Bild: Quelle unklar, wahrscheinlich BoatsArePeopleToo.com (offline)

Das Tischchen in der Mitte macht den Unterschied. Bootsbau kann so einfach sein. Nur noch eine Pedale dran, eine zweite Pedale oder Umschaltung mit Rädern und ich habe mein unaufhaltbares Amphibienfahrrad. Niemand kann mich aufhalten, NIEMAND!

2. Veganes Straussenei

An der Farbe arbeitet die Lebensmittelindustrie noch - Bild: Manuel Ha/Facebook

An der Farbe arbeitet die Lebensmittelindustrie noch – Bild: Manuel Ha/Facebook

Wisst ihr, was noch besser ist, als die Überschrift, unter der Facebook-Nutzer dies eingestellt hat? Die Liste der Inhaltsstoffe!

Hab die Packung leider nicht mehr, aber im groben handelt es sich um mit Stärke (Achtung: Pure Kohlenhydratbombe) und Eiweiß eingedicktes Wasser unter Zusatz von Magnesium, Kalium, Kalzium, Phosphor und Eisen. Um das ganze als Functional Food auf den Markt zu bringen wurde auch noch Vitamin C, B1, B2 und B6 zugesetzt. Vitamin C vermutlich nur, um es haltbarer zu machen. Tja… moderne Industrienahrung eben…

3. Ölfrei 2030

Der Bundesrat hat beschlossen, dass nach diversen anderen Staaten auch Deutschland das Ende des Verbrennungsmotors einleitet. Die Empfehlung des Bundesrates ist nicht annähernd so weitgehend, wie das so manche Schlagzeile suggeriert, aber sie ist ein Einstieg.
Letztlich soll die Förderung von Verbrennungsmotoren bis 2030 eingestellt werden.

4. Strom in Steinen

steinspeicherIn Hamburg wird eine neue Art von Stromspeicher für Erneuerbare erprobt. Der Wärmespeicher aus Steinen ist im Grunde ein Haufen Steine, die erhitzt werden und aus deren Hitze bei Bedarf wieder Strom gewonnen wird. Die Technik ist simpel, günstig und problemlos in die Umgebung zu integrieren.

5. Nobelpreis für Bob Dylan

Dass Bob Dylan den diesjährigen Nobelpreis gewonnen hat, haben die Meisten wohl schon mitbekommen. Der Preis ist ja nicht so obskur, wie er es verdient hätte zu sein und Bob Dylan ist auch nicht grade ein Unbekannter.
Ich wollte es hier nur nochmal erwähnt haben.

6. Podiumsdiskussion zum Radverkehr

Ich durfte diese Woche bei einer sehr guten Podiumsdiskussion des ADFC zum Radverkehr in der Stadt Mönchengladbach teilnehmen. Das war eine sehr gute Veranstaltung mit klaren Ansagen aus der Politik. Auch ich konnte dabei einige Ideen einbringen. Und ich wurde für die Aussage, man muss den Autofahrern durchaus auch mal was wegnehmen, denn der über alle Maßen gepäppelte Autoverkehr muss auf ein vernünftiges Maß gestutzt werden, weder vor Ort noch hinterher gesteinigt.


Less Litter Lifestyle 5: Die Haare schön

Die ganze Serie

Der Herbst bringt viel Frucht mit sich. Essbare Nüsse sammeln wahrscheinlich viele, die diese Serie lesen, aber richtig interessant ist auch, was man mit nicht essbaren Nüssen machen kann. Die auffälligste unter den nicht essbaren Nüssen dürfte die Rosskastanie sein. Mal abgesehen von ihrem Nutzen als Pferdefutter, dem sie ihren Namen verdankt, reinigt sie auch noch gut. Wie, dazu komme ich nach dem Bild zum Artikel.

Ich schreibe weiter, sobald ich mich davon abhalten kann, mir für diese Bildkomposition auf die eigene Schulter zu klopfen

Ich schreibe weiter, sobald ich mich davon abhalten kann, mir für diese Bildkomposition auf die eigene Schulter zu klopfen

Vor ein paar Jahren kam die aus Indien stammende Waschnuss bei ökologisch denkenden Menschen in Mode, eine an so genannten Saponinen reiche Nuss, die in ihrem Herkunftsland traditionell zum Waschen von Kleidung genutzt wird. Leider führte der westliche Bedarf an Waschnüssen zu einem starken Preisanstieg und inzwischen können viele Inder sich die Nuss nicht mehr leisten und müssen auf eben jene Waschmittel ausweichen, die im Westen durch die Waschnuss ersetzt werden sollten. Vom langen Weg aus Asien zu uns ganz zu schweigen. Das konnte nicht Sinn der Sache sein und so suchte man nach Alternativen zur Waschnuss.
Und tatsächlich, auch in Europa sind Pflanzen mit hohem Saponingehalt heimisch. Mit der Rosskastanie gar eine, deren Saponingehalt ähnlich hoch bis höher war als jener der Waschnuss.lll-shampoo

Phase 1: Waschmittel und Flüssigseife

Flüssigwaschmittel aus Kastanien ist sehr einfach herzustellen. Man nehme je nach Größe 5-8 Kastanien, zerschniede oder zerhämmere sie und bedecke sie mit Wasser. Die Kastanien müssen vollständig mit Wasser bedeckt sein. Das Ganze lässt man dann über Nacht stehen und gießt die gelbliche, leicht Blasen schlagende Flüssigkeit durch ein nicht zu feines Sieb. Das Sieb sollte so sein, dass es die Kastanienstücke rausfiltert, aber die Seife gut durchlässt.
Für Weisswäsche ist das Waschmittel so nicht geeignet, aber auch das geht mit ein paar zusätzlichen Schritten. Dazu entfernt man die braune Schale von den Kastanien (das geht bei geschnittenen leichter als bei ganzen oder mit dem Hammer zerschlagenen) und gibt bei der Wäsche noch einen Teelöffel Backpulver dazu.
Im Grunde kann man das Waschmittel auch als Flüssigseife nutzen. Aber wir können noch einen drauflegen und auf dieser Basis Shampoo herstellen.
Nicht zu viel machen: Die Kastanienseife hält sich etwa eine Woche. Zur Vorratshaltung sollte man Kastanien nehmen und entweder einfrieren, oder zerkleinert trocknen (etwa 2 Stunden zerschnitten oder zerhämmert bei 50°C im Ofen oder Trockner).

Phase 2: Shampoo

Für das Shampoo brauchen wir zwei Ladungen von dem Waschmittel. Der Grund dafür ist unsere zweite Zutat: Eine Quitte oder ein halber Apfel ergänzen die Seife um deren Vitamine und Fruchtsäuren, die bei der Haarpflege helfen. Natürlich geht auch eine andere Menge, ¼ Apfel ist nur ein etwas unpraktisches Maß für Rezepte.
Das Obst wird mitsamt der Kerngehäuse kleingeschnitten.
Obst und Seife kommen in einen Kochtopf und werden etwa 25 Minuten abgedeckt köcheln gelassen, danach werden mit einem groben Sieb die restlichen Obststücke rausgefiltert. Wenn das Shampoo zu flüssig ist, kann man es mit Speisestärke andicken.
Manche Rezepte verwenden andere Mittel zum Andicken (etwa Pektin oder Flohsamenschalen), aber Speisestärke bindet am schnellsten ab, ist am günstigsten, in jedem Supermarkt zu finden und in den meisten Haushalten ohnehin vorhanden.
Auch das Shampoo hält im Kühlschrank etwa eine Woche. Für die Vorratshaltung kann man es einfrieren oder wie Marmelade einkochen.

Anwendung

Das Waschmittel wird wie normales Flüssigwaschmittel benutzt. Zu beachten ist aber, dass es das Wasser nicht entkalkt, das muss man also hin und wieder zusätzlich machen, um die Waschmaschine zu pflegen.
Ähnlich wie die Zahnpasta schäumt auch das Shampoo nicht annähernd so stark wie vertraute Industrieprodukte, die gezielt mit Stoffen versehen werden, die das Schäumen fördern. Das tut der Reinigungswirkung keinen Abbruch, ist aber halt ungewohnt.

Müllvermeidung

Aus eigener Ernte vermeidet man natürlich den gesamten Verpackungsabfall von Waschmittel- und Shampooflaschen, aber auch gekauft gibt es Obst und Kastanien reicht leicht unverpackt zu kaufen. Bei Weisswäsche und Shampoo fallen die Verpackungen von Stärke und Backpulver an, das ist aber im Vergleich zur normalen Abfallmenge für diese Produkte so gut wie nichts.

Nächste Woche geht es weiter mit unserer Herbsternte. Wir machen kuhfreie „Milch“ aus Nüssen. Denn für eine eigene Kuh dürften die meisten dann doch etwas wenig Platz haben.


Samstägliche Sechs 08.10.2016

Jede Woche Freitag oder Samstag, je nachdem, wann es zeitlich klappt, die fünf beziehungsweise samstags sechs Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche mit Schritten zurück nach vorn und ein paar echten Neuheiten.

1. Polen kippt Abtreibungsverbot

Die Geschichte um das Abtreibungsverbot in Polen ist Höhepunkt in der erschreckenden Entwicklung einer in jeder Beziehung offen rückschrittlichen polnischen Regierung. Doch endlich wurde es dem Parlament zu bunt und es hat den Entwurf, nach dem Frauen, die abtreiben ohne in Lebensgefahr zu schweben, ins Gefägnis kommen können, abgelehnt.
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2. Ende der Softwarepatente?

Patente auf Software sind ein umstrittenes Feld. Vor allem die häufige Patentierung von Grundkonzepten des Umgangs mit Computern kann Entwickler vor ernsthafte Schwierigkeiten stellen. So gibt es beispielsweise ein Patent auf Ladebalken.
Nun gehen Softwarepatente vor allem von den USA aus und genau dort haben sie jetzt einen deutlichen Dämpfer bekommen. Das Berufungsgericht Washington hat mehrere solcher Patente für nichtig erklärt. Grundlage dafür war auch die in den USA sehr hoch gehaltene und weit ausgelegte Redefreiheit.

3. Trockenspray

Hier ist ein Spray, das laut Entwicklern jede Oberfläche wasserabweisend machen kann. Die potenziellen Anwendungen sind beachtlich, im Alltag etwa für Helmvisiere oder Windschutzscheiben.

4. Biegeakku

Ich muss zugeben, hier sind mir die Anwendungen weniger klar, aber ein paar gibt es schon, etwa für die alte Zukunftsvision vom zusammenrollbaren Computer. Es handelt sich um einen von Panasonic entwickelten biegsamen Akku

Biegen bis einer bricht! - Bild: Christoph Dernbach/dpa

Biegen bis einer bricht! – Bild: Christoph Dernbach/dpa

5. Günstiger reparieren in Schweden

Schweden hat einen reduzierten Mehrwertsteuersatz für Reparaturen eingeführt. Sehr gute Idee, könnte man bei uns doch sicher auch machen.

6. Lego-Männchen im Straßenverkehr

Kommen wir zum fast obligatorischen Fahrradteil dieser Beiträge. Diesmal hätten wir einen Fahrradhelm im Lego-Kopfteile-Design zu bieten. Wenn schon Helm, dann mindestens in dieser Nerdstufe.

Natürlich aus Dänemark. Produkt und Bild von MOEF

Natürlich aus Dänemark. Produkt und Bild von MOEF


Less Litter Lifestyle 4: Brause Ahoi!

Die ganze Serie

Es war ein wenig länger als geplant, aber jetzt ist alles wieder normal. Um das zu halten, habe ich die Serie vom bei mir oft gefüllten Montag auf Dienstag verschoben, nicht wundern.
Was sich nicht verschoben hat, ist der Inhalt: Nach der Limonade in Teil 3 kommt nun wie versprochen die Limonade zum Mitnehmen, sprich das Brausepulver.

Von links nach rechts: Orange, Zitrone und Vanille. Im Glas prickelt ebenfalls Orange

Von links nach rechts: Orange, Zitrone und Vanille. Im Glas prickelt ebenfalls Orange

Das Grundprinzip hat sich seit der flüssig hergestellten Limonade nicht verändert: Imme rnoch kommt das Sprudeln von einer Reaktion zwischen Natron und einer Säure. Aber während die flüssige Variante mit der natürlichen Säure in Saft und Essig reagierte, müssen wir das hier anders bewerkstelligen, denn diesmal soll unsere Mischung haltbar und leicht zu transportieren sein. Das geht mit einer relativ schweren Flasche Saft nicht wirklich gut. Aber wir haben eine andere Option.
Bergsteigern verdanken wir eine Survival-Erfindung namens Aqua mirabilis, das Wunderwasser. Es war ein in kleinen Säckeln mitgeführtes Pulver, mit dem man aus jedem gefundenen Wasser ein schnelle Erfrischung herstellen konnte. Es sterilisierte das Wasser zwar nicht, aber immerhin tötete die Natron-Säure-Reaktion doch genug Keime, um das Risiko einer Krankheitsübertragung stark zu vermindern.
Darum müssen wir uns heutzutage nur noch wenig Sorgen machen. Wir haben Leitungswasser guter Qualität in nahezu jedem Haus. Was bleibt, ist eine leicht zu lagernde und zu transportierende Limonadengrundlage. Und natürlich ihr direkter Nachkomme, das Brausepulver mit Geschmack.

Aqua mirabilis

Und hier die schön formatierte Version zum Teilen in den Bild-Netzwerken

Und hier die schön formatierte Version zum Teilen in den Bild-Netzwerken

Die Mischung von Aqua mirabilis ist denkbar einfach. Um genug Pulver für ein Glas herzustellen, mischt man einfach die folgenden Zutaten:

  • ½ TL Zitronensäure
  • ¼ TL Natron
  • ½ TL leicht löslicher Zucker (Puder- oder Traubenzucker)

Das war es schon. Das ganze gibt man dann in ein Glas mit Wasser, lässt es sich auflösen und fertig ist die traditionelle Bergsteigererfrischung.

Platz für Experimente

Wer nun verschiedene Geschmacksrichtungen erhalten möchte, gibt statt dem Zucker einfach eine entsprechende Mischung dazu. Wichtig ist, dass sie trocken ist, damit Natron und Säure nicht zu reagieren beginnen, bevor sie ins Wasser kommen.
Ich habe für das Bild jeweils eine Halbhalb-Mischung aus getrocknet gemahlener Orangenschale und Traubenzucker, eine solche aus Zitronenschale und Traubenzucker sowie Vanillezucker benutzt, im Glas sprudelt die Orangenvariante. Der Geschmack der beiden Fruchtvarianten ist bis auf die spürbaren Stückchen im Getränk identisch mit der im Titel des Beitrags angedeuteten Markenbrause. Die Vanillebrause lässt sich schlecht vergleichen, denn Vanillebrause habe ich noch nie irgendwo fertig gesehen — sie riecht besser, als sie schmeckt, schmeckt aber auch nicht schlecht.
Das deutet schon an: Macht man die Brause selbst, kann man alles ausprobieren. Warum zum Beispiel nicht Lavendel-Brause? Gefriergetrocknete Erdbeeren zermahlen dazugeben? Oder wie wäre es nächstes Jahr mit etwas Pulver von getrockneten Wurzelstücken des Ingwers aus dem zweiten Teil der Reihe? Gar Knoblauchpul… okay, es gibt doch einen Schritt zuviel. Oder doch nicht? Es sind eure Geschmacksnerven!
Manche Rezepte aus dem Netz nutzen übrigens Wackelpuddingpulver für den Geschmack. Mit seinen Portionstütchen nicht die beste Variante für die Abfallvermeidung, aber halt auch möglich, zum Beispiel als einfache Bezugsquelle für Waldmeistergeschmack.

Müllvermeidung

Das kommt natürlich sehr auf die Quellen der Rohstoffe an. Kauft man diese in Großgebinden, vermeidet man die ganzen Tütchen, welche bei der portionsweise abgepackten Fertigbrause anfallen. Als Bonus hat man die Möglichkeit, nach Herzenslust zu experimentieren und meidet einige zwiefelhafte Inhaltsstoffe des Originals wie Acesulfam-K und Saccharin.

Nächste Woche

Es ist herbstlichster Herbst und damit kommen wir zu den Dingen, die nur im Herbst gehen. Ich empfehle, sich draussen schon mal mit Kastanien und Nüssen einzudecken. Nächste Woche verarbeiten wir dann die Kastanien zu Shampoo und Waschmittel.