Mediale KW 21/2015

Videospieligstes Videospiel ever: InFamous

Science-Fiction, USA 2009, Videospiel/PS3

Fahrradkurier Cole McGrath wacht in einem gigantischen Krater auf, nachdem seine Fracht mitten in der Millionenstadt Empire City (lies: New York) explodiert ist. Doch die Explosion brachte nicht nur ungezählte Tote, sondern auch eine Seuche, eine militärisch gesicherte Quarantäne der Stadt und Superkräfte. Die Conduits — der Begriff taucht ohne Erklärung einfach auf — haben durch die Strahlung der Explosion ungewöhnliche Kräfte erhalten und wie sich bald herausstellt, war genau das der Zweck dieser Bombe. Cole selbst erlangte Kontrolle über Elektrizität, vom Verabreichen kleiner Stromschocks bis zum Heraufbeschwören von Blitzgewittern aus heiterem Himmel.
Sein Ziel nach einer gescheiterten Flucht aus der Stadt: Die Macht der von anderen Conduits angeführten Banden brechen und so an der Auflösung der Quarantäne mitwirken. Dem Spieler bleibt überlassen, ob er dabei den Einwohnern gegenüber als Superheld oder kleineres Übel auftritt.
Das Problem mit moralischen Entscheidungen in Videospielen: Die meisten Spiele haben Szenarien, in denen selbst die Guten dazu neigen, Gegner zu töten. Die Guten sind Teil einer moralischen Grauzone, die realistisch ist, aber eben auch problematisch wird, wenn man andere als Böse darstellen will. Und genau das zeigt sich bei InFamous extrem: Im Spiel kann man gute oder böse Entscheidungen treffen. Gute Spieler heilen kranke Passanten, retten andere vor Lynchmobs und versuchen, Gegner lebend zu fangen. Böse Spieler saugen geschlagenen Gegnern die Lebensenergie aus, vergiften die Wasservorräte um sich nicht zu besudeln und zünden in einer Millionenmetropole Bomben, um noch mächtiger zu werden. Kurzum: Die Bösen Optionen sind so offensichtlich und lächerlich böse, niemand wird sie nehmen ausser, um beide Enden im Spiel sehen zu können. Dazu kommt noch die Sonderrolle des Protagonisten: Niemand ausser ihm hat unter den Menschen mit Kräften die Möglichkeit, gut zu sein. Das ist bei vielen Spielen so, aber wenn es sich halt ausdrücklich mit Gut und Böse beschäftigt, fällt es um so mehr auf.
Aber es wirft dabei eben auch ein Schlaglicht auf unsere seltsame Vorstellung von guten Actionhelden. Aber erst die Fortsetzung wird merken, was für ein Potenzial die neue Serie da eigentlich aufgetan hat.

Spacehitler ist wieder da! Elysium

Science-Fiction, USA 2013, Film/BluRay

Mitte des 22. Jahrhunderts ist die Erde weitgehend ruiniert. Die Reichen sind auf eine gewaltige Raumstation geflohen, die wie ein neuer Mond am Himmel steht. Dort, auf Elysium, existiert die Zukunft, wie wir sie aus Star Trek und den Visionen der NASA aus den 80ern kennen: Eine Welt ohne Krankheiten, ohne Not, in ständigem Luxus, Appleweiss und sauber. Die Erde hingegen hat gelitten. Es ist davon auszugehen, dass die Ruinen von Los Angelese, in denen der Film größtenteils spielt, als Teil der USA und Industriestandort noch zu den reicheren Gegenden der Erde gehören. Und schon dieser Ort wirkt ähnlich wie die Welt im Blomkamps Vorgängerfilm District 9.
Der wichtige Punkt ist: Auf der Erde ist das meiste so wie heute. Nur Polizei und Militär haben Zugriff auf einigermaßen moderne Technik, die Normalbevölkerung hat Glück, wenn sie die Maschinen in der Fabrik zusammenschrauben dürfen. Bei einem Arbeitsunfall (um seinem Vorarbeiter gegenüber sehr zuvorkommend zu sein) wird Jack verstrahlt und hat noch fünf Tage zu leben. Zusammengehalten von Pillen und einem Exoskelett vom Schwarzmarkt macht er sich auf den fast unmöglichen Weg nach Elysium, weit draussen im All. Denn dort ist seine Erkrankung heilbar – so wie jede Krankheit.
Wie langsam sich Neill Blomkamp auf seinem Weg aus Afrika von diesem Kontinent gelöst hat, zeigt sich vielleicht am besten in Elysium. Dabei ist Jacks Verfolger, der südafrikanische Söldner Kruger, noch geschenkt. Nein, was wir hier haben ist die Überquerung des Mittelmeers IN SPACE! Das ist nicht die amerikanische Geschichte von den mexikanischen Migranten – um aus Mexiko in die USA zu kommen muss man nicht mehr als einen Zaun überqueren. Nein, das ist die Reise übers Mittelmeer: Beschwerlich, gefährlich, organisiert von Schleusern, die selber (mit dem Geld) zurückbleiben. Das ist wenig überraschend: Die Situation in den USA dürfte Blomkamp nur von der privilegierten Seite aus kennen, aber von der Nordküste Afrikas weiss der ganze Kontinent.
Und das bedeutet auch: Wir sind die Bösen hier. Das Porträt Europas ist nahezu perfekt, nur bereinigt um die föderale Struktur der EU. Einwohner leben in völliger Selbstverständlichkeit mit den technologischen Wundern, die sie umgeben. Der Abschuss von Flüchtlingsschiffen wird pro forma durch den Präsidenten gerügt, um anschließend fortgeführt zu werden. Und sollte der Präsident sich anschicken tatsächlich etwas zu ändern, wird er entsorgt, dafür sorgt die zuständige Ministerin Spacehitler Delacourt (einschließlich Machtergreifung, auch wenn das Parlament erst etwas später brennt). Elysium hätte die Mittel, die Probleme auf der Erde zu lösen, denkt aber gar nicht erst daran. Das sieht unrealistisch aus, ist aber weitgehend die Realität der Festung Europa.
Schade nur, dass der Film weniger lohnt als die Botschaft. Ich meine, wir haben ein Kind mit Leukämie im Film. Und jeder Film über die Suche nach einem einmaligen Heilmittel mit einem kranken Kind im selben Film verläuft exakt gleich. Vor allem endet er exakt gleich.

Bruttonationalfadheit: What Happiness is

Dokumentation, Österreich 2012, Film/Netflix

Ein paar Dokumentarfilmer folgen einer Gruppe von Beamten durch Bhutan. Die Beamten sollen das Bruttonationalglück bestimmen. Doch das geht nicht ganz so einfach wie gedacht: Zahlreiche Lebensmodelle, Ideen von Glück und die grundsätzliche Konzeptlosigkeit bei der Erfindung des Begriffs stehen dem Vorhaben im Weg.
Ich fand das Ganze offen gestanden extrem fad, aber wer mag kann hier sehen, wie wenig wir über Glück wissen, wie komplex diese Idee eigentlich ist und vor allem, dass man Glück eigentlich nicht messen kann. Aber dass es sich durchaus lohnen kann, es zu versuchen. Nur halt nicht für die Zuschauer.


Freitägliche Vier Plus Eins 22.05.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal nur vier erfreuliche Ereignisse. Es widerspricht ein wenig dem Geist dieser Beiträge und dennoch — wie sich einige über die Sache mit dem Westfalen-Blatt freuen, das war mir Anlass, darüber etwas zu schreiben. Hier, weil es eine Sache ist, über die sich viele freuen und einige daher hier ein paar Worte dazu erwarten.

1. Ein trauriger Anlass, aber ein erfreuliches Ereignis: Indie-Autor Kai-Eric Fitzner hatte Anfang Mai einen Schlaganfall. Die durch diese Situation in eine finanzielle Schieflage geratene Familie bat darum, statt Spenden Fitzners Roman Willkommen im Meer zu kaufen.
Das Buch ist momentan das bestverkaufte Papierbuch bei Amazon und steht bei den eBooks auf Rang 5 der Bestsellerliste. Amazon hat erklärt, auf seine Einnahmen daraus zu verzichten.
Hier ist ein Link ohne meine Affiliate-ID, bei dem Widget rechts weiss ich leider nicht, wie man die rückstandslos rausnimmt.

2. Tesla ist wieder dabei. Diesmal setzen sie ein nicht grade neue Idee endlich auf großer Basis um: Direkter Batterieumtausch für Elektroautos. Endlich Tankfüllung in wenigen Minuten.

3. China hat dann mal eben 1.000 Kohlekraftwerke geschlossen. So viel zu „die Chinesen machen ja nichts gegen den Klimawandel“.

4. Eine Frage, die mich bei Superheldencomics, insbesondere beim technischer orientierten Marvel, schon immer umtrieb: Müsste die Welt nicht völlig anders aussehen, wenn Superhelden existierten. Vor allem bei Marvel mit seinen vielen High-Tech-Helden. Bei Tony Stark und Bruce Wayne wird das hin und wieder angesprochen, aber sonst? Technologien, wie sie Spider-Man, die Fantastischen Vier und Iron Man mitbringen, bergen Revolutionen in sich.
Und aus diesem Grunde liebe ich diesen Gillette-Spot zu Avengers: Age of Ultron. Denn wenn es eine Branche gibt, die ständig irgendwelche Bullshit-Innovationen hervorbringt, dann sind es die Rasierapparat-Hersteller. Rasierapparate und Zahnbürsten. Gäbe es überall so viel Innovation wie in der Rasierapparat- und Zahnbürstenwerbung, der Weltfrieden wäre schon längst erreicht.

Nicht wirklich 5.: Ich möchte an dieser Stelle entgegen der Intention dieser Reihe über etwas überaus unerfreuliches schreiben. Etwas, worüber sich aktuell so mancher in den sozialen Medien öffentlich freut, insbesondere viele meiner Parteikollegen.
Es geht um die Sache mit dem Westfalen-Blatt. Ich hatte dazu ja schon was getwittert.


Was hier passiert ist, ist der Verlust jeglichen Maßes. Was in einem solchen Fall angemessen wäre, wäre ein Rüffel, vielleicht, aber auch nur vielleicht, eine Verwarnung seitens der Redaktion. Statt dessen wurde hier jemand dafür gefeuert, dem Verfasser eines Leserbriefs nicht vehement widersprochen, sondern seine Sorgen ernstgenommen zu haben. Sie hat niemanden beschimpft, sie hat nicht von sich aus irgendwen diskriminiert, sie hat die Sorge eines Leserbriefschreibers aufgenommen und eine Antwort auf Grundlage seiner Weltsicht gegeben. Ihr Vergehen war, den Mann nicht zu belehren. Die Ansicht des Mannes ist sicherlich eine dumme, aber keine schädliche. Die Kolumnistin hat ihm geraten, darüber ehrlich mit seinem Bruder (einem der beiden Bräutigame) zu sprechen. Sicherlich hätte die Kolumnistin des Westfalens-Blatt auch anders reagieren können. Das nenne ich eine Dummheit. Keinen empörenden Skandal, eine negativ auffallende Dummheit. Eine jener Art, die man in einem Monat getrost vergessen kann, wenn nicht erneut ähnliches passiert.
Und über diesen Vorgang, dass jemand wegen eines kleinen Fauxpas effektiv fristlos gefeuert wurde, freuen wir uns also? Sobald eine Aussage auch nur eine Iota gegen unsere politischen Überzeugungen steht, befürworten und bejubeln wir plötzlich Zensur und politisch motivierte Stegreif-Kündigungen? Steht uns derartige Maßlosigkeit gut zu Gesicht?
Wenn ihr meint, euch darüber freuen zu müssen, bitte, fahrt fort. Aber habt nachher auch genug Arsch in der Hose, die dessen angemessene Scham anzunehmen und zu tragen.


Wo veröffentliche ich meine eBooks am besten?

Eine der schwierigsten Fragen für jeden, der selbst eBooks rausbringen will, kommt gleich zu Anfang dieser hoffentlich glorreichen Karriere: Wo verkauf ich die überhaupt? Es gibt ja inzwischen viele Optionen und auch wenn Amazon die größte ist, will man doch auch andere Kanäle erreichen. Vor allem in Deutschland, wo Kindle-Konkurrent Tolino inzwischen fest etabliert ist und auch über den Buchhandel versorgt wird.
Die Antwort auf diese Frage zu finden ist eine lange Suche, zumal sie sich auch immer wieder verändert. Neue Plattformen tauchen auf und verschwinden, alte verändern sich auf verschiedenste Weisen. Daher ist keine Antwort endgültig.
Als Hilfe für Neueinsteiger will ich dennoch kurz vorstellen, wie ich nach mittlerweile vier Jahren Suche und Erfahrungen meine eBooks vertreibe und warum ich die Plattformen gewählt habe, die ich gewählt habe.

Der Riese: Amazon

Da besteht gar keine Diskussion, Amazon ist so groß, den kann man nicht auslassen. Sofern man nichts anderes einstellt, vertreibt Amazon alle hochgeladenen eBooks weltweit. Für eBooks mit einem Preis zwischen 2,99 und 9,99 € gibt es 70%, für alle anderen Preise (und einige Länder, in denen die 70% nicht gelten) gibt es 35% vom Preis als Honorar. Die Plattform ist Marktführer und das merke ich bei den Verkäufen auch deutlich.
Amazon zahlt zuverlässig 90 Tage nach Monatsende per Scheck oder Überweisung aufs Girokonto, selbst wenn nur 10 Cent verdient wurden. Absolut vorbildlich.
Ich habe lange fertige Mobi-Dateien bei Amazon hochgeladen, das dazu nötige Programm ist aber inzwischen veraltet und hat Probleme auf Systemen mit Internet Explorer zu laufen, daher lade ich inzwischen Word-Dateien zu Amazon hoch. Auch das funktioniert reibungslos. eBooks von Amazon lassen sich allerdings nur auf Kindle-Geräten sowie per App auf Systemen mit Android, iOS oder Windows lesen. Alternative Lesegeräte wie Tolino erreicht Amazon nicht.
Exklusive Bindung an Amazon („KDP Select“) ist möglich, aber freiwillig.
Amazon direkt zu beliefern ist alternativlos für Bücher im Preissegment 2,99–9,99 €, sollte aber um einen Vertrieb für ePub ergänzt werden, denn warum sollte man Geld liegen lassen?

Ergänzung fürs Deutsche: Xinxii

Neben Amazons Kindle gibt es noch eine Reihe anderer eBook-Lesegeräte und um diese zu beliefern, muss man andere Händler neben Amazon erreichen. Der bekannteste Konkurrent des Kindle dürfte der Tolino sein, aber auch Kobo, Oyo und einige andere Geräte existieren. Und was vielen nicht bewusst ist: Auch Apple verkauft in seinem iBooks Store eBooks für seine Geräte. All diese Kanäle verkaufen eBooks im Format ePub, der großen Alternative zu Amazons Mobi/AWZ-Format. Für die Leser macht das keinen Unterschied und auch für die Autoren nur einen geringen, denn auch ePub lassen sich einfach aus Word-Dateien erzeugen. Ich selber nutze dazu das Programm Calibre.
Xinxii hatte es in der deutschen Anbieterlandschaft einfach, mich zu überzeugen. Es liefert an eine gute Auswahl von Händlern, bietet mir die Möglichkeit, Amazon separat zu beliefern (was sich lohnt, da man so aus seinen Amazon-Verkäufen mehr Geld bekommt) und erlaubt es, die ePub-Datei so an die Händler auszuliefern, wie man sie selbst erstellt hat.
Letzteres ist für mich sehr wichtig. Die meisten Anbieter in Deutschland haben einen Online-Editor, mit dem man seine eBooks online bearbeiten kann. Das klingt auf den ersten Blick komfortabel, bringt aber Probleme mit sich, wenn man komplexere Layouts hat. Ein Beispiel: Alle Bände meiner Reihe sowie mein Buch Unter Wittgensteins Löwen enthalten Seitenumbrüche innerhalb von Kapiteln. Bei den Meilensteinen etwa sind die Listen der Tierarten jeweils ein Kapitel, jeder einzelne Eintrag in den Listen endet aber mit einem Seitenwechsel ohne ein neues Kapitel zu beginnen. Eigentlich kein Problem für ePub. Die Editoren bei den von mir vorher ausprobierten Anbietern BookRix und Neobooks kamen damit aber nicht klar — alles zwischen dem ersten Seitenumbruch und dem Anfang des nächsten Kapitels verschwand kurzerhand aus dem jeweiligen Buch. Neobooks hat inzwischen einen neuen Editor vorgestellt, aber für mich zu spät, ich werde es gar nicht erst ausprobieren. Der momentan in vieler Munde präsente Neuling Tolino Media nutzt den Editor von Neobooks, daher gilt für diesen neuen Dienst das selbe. Bei Xinxii weiss ich, dass es funktioniert und das reicht mir.
Somit gilt für mich: Xinxii erhält meine klare Empfehlung für ePub im deutschsprachigen Raum, kombiniert mit direkter Lieferung an Amazon.

Beispiel für einen Seitenwechsel ohne ein neues Kapitel zu starten, hier im Buch Schwarzer Schwinge in der Kindle App für Windows bei Doppelseitenansicht

Beispiel für einen Seitenwechsel ohne ein neues Kapitel zu starten, hier im Buch Schwarzer Schwinge in der Kindle App für Windows bei Doppelseitenansicht

Sondereinlage: BoD

Eine Sonderrolle spielt für mich im deutschen Markt BoD, einer der ältesten Online-Anbieter für Selbstverlag im deutschsprachigen Raum. Normalerweise nutze ich BoD nicht, da es wie viele deutsche Anbieter in meine Dateien hineinfuscht und damit für viele meiner Bücher ungeeignet ist (siehe Ausführungen zu Neobooks/Tolino weiter oben). BoD geht sogar so weit, mein Impressum durch ein eigenes von BoD zu ersetzen. Das mag zwar ganz nett gemeint sein, da BoD den Autoren damit auch die rechtliche Verantwortung für die Inhalte abnimmt, wenn das Impressum allerdings neben den Kontaktdaten zusätzliche Angaben wie zum Beispiel erforderliche Bildnachweise enthält, wird das unter Umständen zu einem ernsthaften Problem. Meine Bände der Reihe Meilensteine der Evolution etwa enthalten regelmäßig recht umfangreiche Bildnachweise, da sie eben auch relativ viele Bilder aus unterschiedlichen Quellen enthalten.
Ausserdem verlangt BoD Exklusivrecht zur Veröffentlichung und hat eine Frist, wenn man Bücher dort wieder löschen will. Und dennoch habe ich die Fantasy-Kurzgeschichte Khamel über BoD veröffentlicht und werde wahrscheinlich weitere Kurzgeschichten über diese Plattform rausbringen. Warum?
Die Antwort liegt im Preis des eBooks: BoD eröffnet mir die Möglichkeit, einen Preis von 0,49 € einzustellen. Für Kurzgeschichten wie Khamel scheint mir das ein fairer Preis zu sein, den ich (soweit mir bekannt) nirgendwo sonst einstellen kann. Auch sind die Einkünfte für Bücher unter 2,99 € besser als bei Amazon, da BoD bei Amazon offenbar andere Konditionen bekommt als Selbstverleger und somit auch mehr an die Autoren weitergeben kann. Daneben liefert BoD als einziger von mir ausprobierter Distributor an den kostenlosen Verleihservice readfy für Android- und iOS-Geräte.
Es wird allerdings interessant zu beobachten, ob der in der Betaphase befindliche Neuling Pocketstory in Zukunft Angebote in dieser Richtung ergänzt.
Bis dahin: Bod empfohlen für eBooks unter 2,99 €, wenn diese keine aufwendigen Layouts haben und wenn es kein Problem ist, dass BoD das Impressum durch ein eigenes ersetzt. Dafür kommen die Bücher über BoD an nahezu alle Händler. Aber Achtung: Ein über BoD verbreitetes eBook darf wegen des Vertrages von BoD über keinen anderen Kanal vertrieben werden.

Fürs Englische: Draft2Digital

Da ich auch englische eBooks verkaufe, brauche ich natürlich auch dort einen Vertrieb für die anderen Händler eben Amazon. Überraschenderweise ist das dortige Angebot an alternativen Vertrieben nicht ganz so bunt wie im deutschsprachigen Bereich.
Die beiden großen Anbieter sind Smashwords und Draft2Digital. Smashwords ist für seinen Meatgrinder gefürchtet: Mna lädt dort eine Word-Datei hoch, die dann in diverse Formate konvertiert wird. Das ist theoretisch super, der Meatgrinder gilt aber als extrem fehleranfällig und man kann mehrere Anläufe brauchen, bis ein Dokument so perfekt ist, dass es als fehlerfreies Ergebnis aus dem Meatgrinder heraus kommt.
Ein für mich deutlich größeres Problem ist, dass man in Smashwords für jeden Namen ein eigenes Nutzerkonto braucht – Veröffentlichung unter Pseudonym oder von Werken anderer Autoren sowie Kollaborationen sind so schlichtweg nicht ohne erheblichen Aufwand möglich. Das hat Smashwords in meinen Augen das Genick gebrochen.
Draft2Digital ist da bedeutend besser und beliefert eine lange Liste von Händlern. Es bietet die Möglichkeit, seine Dateien direkt in der endgültigen Form hochzuladen und als kleiner Bonus liefert Draft2Digital die Bücher auch an die Tolino-Händler. Damit ist es der einzige Anbieter, der englischsprachige Werke auch an alle wichtigen deutschen Händler (Amazon, Tolino, iTunes, Kobo) ausliefert. Es ist möglich, Händler herauszunehmen, um niemanden doppelt zu beliefern.
Draft2Digital ist meine Empfehlung für englischsprachige eBooks in Kombination mit Amazon. Wer einfache eBooks ohne komplexe Layouts unter einem einzigen Namen vertreibt, für den lohnt es sich allerdings, sich auch Smashwords mal anzuschauen.

Andere Optionen

Es gibt natürlich noch mehr als diese paar Möglichkeiten.
Apple erfordert eine amerikanische Steuernummer, daher habe ich mit diesem Unternehmen nie direkt gearbeitet.
Epubli will vorab Geld, daher hab ich es nie ausprobiert, Tredition und Ruckzuckbuch wollen richtig viel Geld, also ditto. Feiyr nimmt meines Wissens Geld bei Löschung eines eBooks, was mich ebenfalls vom Ausprobieren abhält, denn was, wenn mir das Angebot gar nicht zusagt? Dann müsste ich Geld dafür bezahlen, dass es mir nicht gefällt. Absurd.
Mit dem Vertrieb von Papierbüchern im Selbstverlag habe ich bisher ganz allgemein keine Erfahrungen sammeln können, aber das steht an. Nach dem, was ich bisher gesehen habe, dürfte hier aber BoD mit Abstand die beste Möglichkeit sein.


Dino-Dienstag 16

Cretaceous Blue Balls

Bild vielleicht verwandt - Chinese Academy of Science

Bild vielleicht verwandt – Chinese Academy of Science


Berichterstattung zu durchschauen ist auch in der Wissenschaft nicht immer einfach. Diese Woche gab es zwei Meldungen von denen nicht klar ist, ob es unterschiedliche Meldungen sind oder zwei Versionen einer Meldung.
Die eine Meldung ist, dass die oben abgebildeten blauen fossilen Eier Anfang April bei Straßenarbeiten in der chinesischen Stadt Heyuan gefunden wurden. Das ist entweder wahr oder ein Missverständnis basierend auf dieser Mitteilung, dass Forschungen an drei Nestern, die vermutlich zu dem von dort stammenden kleinen Dinosaurier Heyuannia gehören ergeben haben, dass die Eier dieses Dinosauriers eine blau-grüne Farbe hatten.
Da ich nur für letzteres eine seriöse Quelle finde, gehe ich davon aus, dass nur diese Geschichte stimmt und die andere eine locker darauf basierende Ente ist.
Jedenfalls ist dies das erste Mal, dass die Farbe von Dinosauriereiern bestimmt werden konnte und es ist auch gleich eine interessante Erkenntnis: Farbige Eier deuten den Forschern zufolge auf intensive Brutpflege hin. Das passt gut zu dem, was wir schon über die Oviraptoriden, zu denen Heyuannia gehörte, wissen: Sie sind dafür bekannt, dass sie ihre Nester bebrüteten und beschützten, indem sie ihre gefiederten Arme über diesen ausbreiteten.
Zugleich haben wir damit einen weiteren Farbklecks für unser Bild der Kreidezeit — bereits bekannt sind die Farben der Gefieder einiger kleiner Raubsaurier, wie etwa das schillernde Schwarz des Microraptor, nach dem ja auch der Band Schwarzer Schwinge aus den Meilensteinen der Evolution benannt ist.
PS: Sorry für die Überschrift, ich konnte nicht widerstehen ;-)

Fortschritt beim Dino-Huhn

Und wo wir schon beim Übergang zwischen Dinosauriern und Vögeln sind, gibt es auch gleich noch Neuigkeiten zum Dinohuhn. Als Dinohuhn läuft in der Presse eine Reihe von Versuchen, jene genetischen Veränderungen zu finden, wegen denen Vögel und Dinosaurier sich so stark unterscheiden. Interessant sind dabei vor allem die Veränderungen, durch die aus Schuppen Federn und aus Schnauzen Schnäbel wurden.
Bei den Schnäbeln ist man nun in Yale ein ganzes Stück weitergekommen. Demnach reicht die Veränderung eines einzigen Gens, damit ein Vogel statt eines Schnabels wieder eine Schnauze entwickelt.
Ein weiterer Beweis, dass die so groß scheinenden Unterschiede zwischen den Vögeln und ihren direkten Vorfahren in den zu Grunde liegenden Genen viel geringer sind, als es den Anschein hat. In der Vergangenheit haben die Forscher bereits mit geringen Eingriffen in die Reihenfolge, in der einzelne Gene während des Wachstums abgerufen werden, Hühnerembryonen mit Schwänzen und Zähnen hervorgebracht.
Und wenn jetzt jemand wissen will, wie uns Dinosaurierforschung heute nützt: Das Dinohuhn-Projekt bringt viele wertvolle Erkenntnisse darüber, wie Gene arbeiten und wie sich Veränderungen in den Genen auf den gesamten Organismus auswirken.

Jurassic World

Und weil Dinosaurier nicht immer staubige Knochen und Eierschalen waren hier einer der neuen Trailer für die nächsten Monat startenden Jurassic-Park-Fortsetzung Jurassic World.

Und die Lego-Variante

Oh und ja, ich habe zu Jurassic World etwas in der Mache. Aber dazu komme ich nächste Woche.


Mediale KW 20/2015

Diese Woche: Zwei nostalgische Sachbücher und ein Tom Cruise.


Pädagogen-Zeitkapsel: vernünftiger schreiben — reform der rechtschreibung

Sachbuch, Deutschland 1974, Taschenbuch
Das Deutsche ist eine komplexe Sprache mit einer nach vielen Maßstäben völlig vermurksten Rechtschreibung. Der Ansatz, die Schreibung von Wörtern an ihrer Herkunft auszurichten führt zu einem Kuddelmuddel an Möglichkeiten, Ausdrücke in die Schriftform zu übertragen. Da hätten wir das „dass“ mit seinem überflüssigen zweiten s (wir sprechen „das“ und „dass“ gleich ohne, dass dies zu Problemen führen würde, warum schreiben wir sie also unterschiedlich?). Oder die Beibehaltung vermeintlich griechischer Wörter, obwohl diese ohnehin schon durch die Übertragung in das lateinische Alfabet ihrer Historie beraubt und zugleich an die deutsche Aussprache und Grammatik angeglichen wurden — oder spricht etwa irgendwer ein ph als solches aus und nicht als deutsches f? Und ja, da ist ein Unterschied, aber das würde jetzt zu weit führen (kurz: f ist ein labiodentaler Frikativ, ph ein aspirierter Plosiv oder im Neugriechischen durch zwischenzeitlichen Sprachwandel ein bilabialer Frikativ, nachschlagen erlaubt). Ich habe dazu grundsätzlich schon 2013 etwas geschrieben.
Worauf ich hinaus will: Die Idee einer Rechtschreibreform ist in etwa so alt wie jene einer einheitlich geregelten deutschen Rechtschreibung. Und vernünftiger schreiben, nicht zufällig kleingeschrieben, ist ein 41 Jahre altes Beispiel davon. Hinter dem Projekt steckten keine Leichtgewichte der deutschen Sprache – es sind die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), das Deutsche PEN-Zentrum und der Verband Deutscher Schriftsteller.
Viele der Vorschläge sind inzwischen umgesetzt, einige nicht, etwa die konsequente Kleinschreibung. Entsprechend amüsant lesen sich viele Passagen für Eingeweihte. Und hin und wieder findet man Worte der Weisheit, an denen viele heutige Sprachschützer und Pädagogen innehalten können sollten. Etwa diese von Siegfried Jäger (S. 62):

Die geforderte benotung von rechtschreibleistungen ist auf breitester basis zu verweigern, da sie nichts messen kann, weder intelligenz noch fleiß, noch prognosen für die zukunft zulässt. Sie ist völlig willkürlich und zu nichts anderem gut, als die kinder zu disziplinieren, ja letztlich ihre in die schule mitgebrachten fähigkeiten nicht selten zu zerstören. (sic!)

Wertvolle Bücher eröffnen neue Perspektiven. Dieses Buch ist heute wertvoller denn je.


Generationsporträt: Wir sind online — wo seid ihr?

Sachbuch, Deutschland 2012, Taschenbuch
Einerseits ist Wir sind online ein amüsantes Buch. Gut geschrieben, gefüllt mit Anekdoten, Wortspielen, Scherzchen in Nebensätzen. Wer dieses Blog kennt, wird den Stil kennen.
Andererseits ist da noch das Amüsement, das sich aus Dingen ergibt, über die Autor Klaus Raab wenigstens dem Anschein nach keine Kontrolle hatte. Etwa die Tatsache, dass ein Buch über das Leben jener, die mit Computern aufgewachsen sind, nur auf Papier erhälltlich ist. Oder jene, dass dieser Buch in seiner Ablehnung des Generationenbegriffes eines der besten Porträts einer Generation geworden ist, die ich bis jetzt gesehen habe.
Jeder von uns kennt Leute, die den sozialen Medien gerne ein a vorsetzen und das dann als einziges Argument einer Feindschaft dagegen anführen. Es ist lästig und albern, aber wenigstens spielen diese Leute nicht mit ihren Rollatoren auf unserem Rasen. Nur sind es auch diese Leute, die allgegenwärtig in den (alten) Medien ihre unsubstanzierte Meinung zu eben diesen Medien breitwälzen, die darüber Gesetze beschließen und über die jungen Leute von heute schimpfen wollen.
Klaus Raab nimmt das als Basis für einen Rundumschlag. Er wirft das Kontrukt der ikonisch definierten Generation (Golf! Pratikum! Doof!) kurzerhand ein, baut aus den geworfenen Steinen seinerseits eine digitale Generation und ordnet diese dann in einen Kontext: Die Geschichte der Jugendkultur, des Begriffs der Jugend an sich und jener ihrer Rezeption. Das Ergebnis ist das Bild einer „Generation“, das vor allem eines leistet: Es trifft. Und noch wichtiger es vermittelt dank der Bezüge auf den Blödsinn, den die heute alten Generationen einst angestellt haben. Dieses Buch sollte lesen, wer jene nicht mehr versteht, die heute ihre Zeit in sozialen Medien und überhaupt dem Internet verbringen.
Meine Empfehlung: Kaufen, um es an genau solche Menschen verschenken zu können. Dafür wiederum ist die Papierausgabe deutlich sinnvoller als eine elektronische. Vielleicht war das Fehlen einer eBook-Version also doch Absicht.

Und deshalb gibt es Spoilerwarnungen: Oblivion

Science-Fiction, USA 2013, Film/BluRay
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Ich habe mit dem neuen Design auch die Möglichkeit eingeführt, Spoiler im Text zu verstecken. So zum Beispiel: Niemand kann mich sehen, hihi! Oy! Zum Lesen muss man den Text markieren. In dieser Besprechung wollte ich das erstmals nutzen, da Oblivion kaum ohne Spoiler zu besprechen ist. Und wisst ihr, was anscheinend auch nicht ohne Spoiler möglich ist? Der verdammte Trailer, der mal eben praktisch alles ausser den letzten fünf Minuten verrät, vermutlich um Morgan Freeman im Trailer haben zu können. Deshalb hier auch nicht eingebunden.
Okay, jetzt aber: 2077. Die Erde ist entvölkert, nachdem ausserirdische Invasoren den Mond gesprengt und den Planeten unbewohnbar gemacht haben. Jack und Victoria sind auf der Erde, um Drohnen zu warten, die gewaltige Anlagen verteidigen, die das Wasser der Erde aufsaugen, um daraus Treibstoff für den Exodus der Menschheit zu gewinnen. Doch Jack wird von seltsamen Träumen geplagt, die mehr wie Erinnerungen anmuten. Was sehr wahrscheinlich ist, da die beiden als Sicherheitsmaßnahme keine Erinnerungen an ihr Leben vor der Mission haben. Als Jack die Frau aus seinen Träumen als Überlebende eines Raumschiffabsturzes rettet, beginnt sein Weltbild, zusammenzubrechen.
Mit Spoilern kann ich die Besprechung jetzt enorm abkürzen: Es ist Moon (großartiger Film, seht Moon!) mit der Action von I am Legend (die Version mit Will Smith, nicht das Buch oder die ältere Verfilmung Der Omega-Mann).
Oblivion ist ein Film, den man schon ein paar Mal gesehen hat, wenn man Science-Fiction kennt. Er sieht verdammt gut aus und unterhält, das war’s aber auch. Die eine große Frage, die er stellt, beantwortet er, indem er sie beiseite schiebt und am Ende mit einem Nebensatz abspeist (Was wäre die Identität eines Klons mit Erinnerungen des Originals?. Und das Ende… ich zitiere kurzerhand die Ärzte: „Männer sind Autos, nur ohne Reserverad.“ Und jetzt habe ich angefangen, über das Ende nachzudenken und es wird mit jedem Gedanken seltsamer. Ist Julia wie ein Kind, dem man einfach ein neues bringen kann, wenn ihr altes Haustier stirbt? Und es hat diese seltsame Filmlogik, dass neun Jahre lang ausser Alterung der Nebenfiguren nichts statt findet, wenn diese Jahre durch einen Schnitt überbrückt werden.
Mehr gibt es über Oblivion eigentlich nicht zu sagen. Aber hey, ich konnte meine Spoiler-Versteckmethode einführen und vernünftig ausprobieren.


Freitägliche Fünf 15.05.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal von Datenarchäologie bis zur Zukunft der Bürgerbeteiligung.

1. Unter den ersten Projekten zum Start von Kickstarter in Deutschland ist das hier:

Das könnte absolut großartig werden. Eine Art Mischung aus einem Syfy Original und dem Frühwerk von Peter Jackson.

2. Es hat eine Weile gedauert, aber Mönchengladbach hat nun ein Open-Data-Portal. Lasst uns hoffen, dass es besser funktioniert als die meisten anderen Bestandteile des Webauftritts der Stadt.
Ich selbst kenne mich mit Open Data nicht aus, daher kann ich nicht bewerten, wie gut die Umsetzung ist, aber wir werden das schon sehen.

3. Neuseeland findet, dass seine Flagge der australischen zu ähnlich sei und bezieht bei der Suche nach einer neuen Flagge die Bevölkerung mit ein. In der Auswahl sind zwar auch einige seltsame Entwürfe, aber auch viele wirklich attraktive. Ab Juli wird eine Jury unter den Entwürfen 15 Gewinner auswählen, die dann öffentlich zur Wahl stehen. Und der Gewinner dieser Runde wiederum stellt sich dann in einer Volksabstimmung der bisherigen neuseeländischen Flagge.
Obwohl ein Laserkiwi zur Auswahl steht, bin ich doch vor allem ein großer Fan dieses Entwurfs mit seiner guten Balance aus traditioneller Flaggengestaltung und neuen Ideen:

Flaggenentwurf Kaponga o Aotearoa von Nathaniel Alcorn

Flaggenentwurf Kaponga o Aotearoa von Nathaniel Alcorn

4. Das niederländische Experiment, Photovoltaik in einen Radweg zu integrieren, ist ein voller Erfolg. Und dabei hat der Versuch bis jetzt noch nicht mal seinen ersten Sommer erreicht.

5. Ich beklage mich über die technischen Details, aber die Erkenntnis, dass meine alten Texte bis zurück nach 1999 noch existieren ist doch eine gute Nachricht.


Das waren meine ersten Gehversuche in der Science-Fiction, darunter immerhin 3 kurze Romane mit je um die 150 Seiten. Die meisten davon sind nach heutigen Maßstäben Mist, wie das bei den ersten Gehversuchen eben so ist. Aber die Grundideen funktionieren noch und einer der drei Titel war auch nie dazu gedacht, in irgendeiner Form ernstgenommen zu werden. Zwei davon werden es in der einen oder anderen Form sicher noch auftauchen, der Dritte allerdings handelt vom Dritten Weltkrieg (2011-2015 nach Manfred Dimdes damaliger Nostradamus-Interpretation) und entspricht in keiner Weise mehr meinen heutigen Qualitätsansprüchen.


Redesign fertig

oben Blogdesign seit 2012, unten neues Design

oben Blogdesign seit 2012, unten neues Design

Das hat ein wenig gedauert, aber hier ist sie nun, die größte Umgestaltung dieser Webseite seit Bezug der aktuellen Domain. Ich hatte schon lange kein komplettes WordPress-Theme mehr vom Reissbrett an aufgebaut (zuletzt für Sporle & Co. 2007) und musste das ein oder andere doch wieder neu erlernen.

Das neue Design ist ein aufgeräumtes, sauberes Bild, welches den Inhalten deutlich mehr Platz lässt als zuvor. Keine dicken beidseitigen Leisten mehr, jeweils vollgestopft mit Inhalt und den Text zwischen sich einzwängend. Überhaupt hat das viele Schwarz großen Weissräumen Platz gemacht. Schlicht schaut es aus, aber Dolly Parton hat es in diversen Iterationen immer wieder gesagt: „Es ist ziemlich teuer, so billig auszusehen.“
Oder in diesem Fall ziemlich schwierig so simpel auszusehen. Ich musste mir ja die Sache mit den Reitern in den Kopf setzen. Das Ergebnis jedenfalls ist ein ziemlich radikales neues Design. Normalerweise vermeide ich allzu krasse Wechsel, aber das vorherige Theme war halt wirklich sehr aus der zeit gefallen und brachte einiges an Einschränkungen mit sich. Als ein Mal die rechte Seitenleiste gefallen war, gab es kein Halten mehr und hier seht ihr nun das Ergebnis. Das sollte dafür aber auch ein paar Jahre vorhalten.

Oideoir

Das eingesetzte Theme habe ich komplett vom Reissbrett ab entworfen. Es nennt sich Oideoir (irisch: Lehrmeister). Wie es zu diesem Namen kam? Nun, ich habe ein zufälliges Wörterbuch aus meinem Regal gezogen (erwischt hat es das Foclóir Póca), darin eine zufällige Seite aufgeschlagen und das erstbeste einigermaßen geeignete Wort zum Namen des Themes erklärt. Schätzt euch glücklich, dass es nicht das Klingonisch-Wörterbuch war, sonst müsstet ihr jedes Mal, wenn ihr den Namen korrekt aussprechen wollt, den Bildschirm vollspucken. Auch wenn QaQ ein schöner Name für ein Theme gewesen wäre. Das bedeutet übrigens „gut sein“ – was hattet ihr denn gedacht, wonach es klingt?
Vieles von dem, was in normalen WordPress-Themes als PHP-Routine eingebaut ist, konnte ich durch diese Erstellung eines komplett eigenes Themes in HTML „hardcoden“, wodurch die Seite etwas schneller wird.

Kopfsache

Die Kopfzeile ist nun deutlich schlanker geworden, um den Inhalten mehr Platz zu bieten. Wo zuvor ein Logo war ist nun ein Textelement „Thomas Diehl ist…“, welches sich als Konzept in der Seite durchschlägt: Alle Seiten haben Titel, die diesen Text vervollständigen. Was noch nicht ganz funktioniert: Blogeinträge sollen statt dessen mit „…Blogger“ beginnen, allerdings nur in der Enzelansicht. In der Übersicht würde es m.E. doch etwas nerven, wenn jeder Eintrag so beginnt. Das funktioniert bisher nur oben im Browser, in der Überschrift funktioniert der (exakt identische) Code nicht. Naja, Kinderkrankheiten, ich komm da schon noch hinter.
Die Seitenlinks finden sich in dem neuen braunen Balken, gefüllt mit allerlei neuen Seiten, die teilweise noch im Laufe des Wochenendes gefüllt werden. Zugleich haben sich die Kategorienlinks in die Seitenleiste verzogen, zu der ich später komme.
Doch warum ist da jetzt ein brauner Balken? Balken, okay, für die Seiten, aber warum braun?
Die Antwort liegt im Verlauf der Neugestaltung begründet. Mein ursprüngliches Konzept sah im Dezember vor, dass die Navigation die Form eines Bücherregals im Seitenkopf annahm. Die braune Leiste war das Regal, darauf fanden sich beschriftete Bücher, die als Navigationselemente dienten. Daran habe ich eine ganze Weile herumgebastelt, bis ich schließlich zu dem Schluss kam, dass das Konzept zwar schön war, letztlich aber den Aufwand und vor allem den Platzverbrauch nicht rechtfertigte. Die Links wanderten in den ehemaligen Regalboden, die bis dahin in diesem befindliche Suchfunktion im Gegenzug nach ganz oben. Da mir das Braun in Kombination mit den grünen Farbelementen der Seite ästetisch sehr zusagte, behielt ich es kurzerhand bei.
Ich bin ein großer Fan von klar abgegrenztem Kopfbereich auf Blogs.

Barrierefreies Seitenstechen

Ganz im Ernst: Ich hatte eine Weile daran gedacht, die zweite Seitenleiste komplett verschwinden zu lassen. Ich meine, wie oft interessieren sich Leute schon für das Archiv eines Blogs? Und wenn, wann nutzen sie dafür jemals etwas anderes als die Suchfunktion oder die Kategorienliste?
Der ursprüngliche Plan war daher, das Archiv komplett zu streichen und das Meta-Feld zum Einloggen, welches nur für mich einen Nutzen hat, in der Fußzeile verschwinden zu lassen, die eh niemanden interessiert (letzteres geschah am Schluss ja auch). Die Suchfunktion und Netzwerklinks sind bereits in der ersten Ideenfindung in den Kopfbereich gewandert, die Kategorien waren schon vorher dort.
Was jetzt mit einigen Ergänzungen als Standard-Sidebar erscheint sollte in diesem ersten Entwurf die gesamte Funktion der Sidebar sein: Bewerbung der Bücher und des Newsletters.
Aber ab und an nutze ich selbst beim Besuch eines Blogs dann doch das Archiv und die Meta-Sektion brauche ich halt, um mich für administrative Vorgänge (also zum Beispiel das Schreiben von Beiträgen) einzuloggen. Da ich dennoch nur noch eine Sidebar wollte, experimentierte ich ein wenig mit einer neuen Technik, mit der ich im Webdesign noch nie gearbeitet hatte: Tabs. Und um Javascript weitgehend zu vermeiden, ist diese Funktion komplett mit HTML/CSS umgesetzt. Rauszufinden, wie das funktioniert, hat mir viel Spass gemacht, auch wenn es der Hauptgrund war, dass dieses Redesign dann doch ein paar Tage länger gedauert hat als ursprünglich geplant.
Jetzt gibt es also nur noch eine Sidebar, die zwei Tabs enthält – einen standardmäßig gewählten für die Vernetzung mit anderen Teilen des Webs (Buchlinks, soziale Medien, Blogroll und so weiter) und einen zweiten für die Navigation im Archiv mit Kategorien, und Archiv.
Eine Neuerung, die den meisten Nutzern gar nicht auffallen dürfte findet sich im Code der Seite: Die Seitenleiste steht nun am Ende des Codes der Seite. Das hat den Vorteil, dass Vorleseprogramme für barrierefreien Netzzugang jetzt nicht erst sämtliche Inhalte der Seitenleiste vorlesen müssen, sondern nach den paar Worten des Kopfbereichs direkt auf den eigentlichen Text stoßen. Ich würde nicht so weit gehen, diese Seite als barrierefrei zu bezeichnen, aber der Komfort für seh- und leseschwache Personen ist so doch erheblich gesteigert.
Der deutlichen optischen Abgrenzung vom eigentlichen Inhalt dient eine Linie in jenem Grünton, der auch im vorherigen Theme hier und dort aufgetaucht ist.

Die Buchseite

Die wichtigste einzelne Änderung war bei diesem Entwurf die Präsentation der Bücher.
Mein Nachdenken über ein neues Design wurde maßgeblich davon angestoßen, dass die Übersicht über meine Bücher zunehmend unübersichtlich wurde. Vor allem die wachsende Anzahl von Händlern, bei denen einige Titel verfügbar waren, zerschoss mir an einigen Stellen das Layout. Das sah dann so aus (man achte auf die untersten beiden Titel im Screenshot, die Liste soll alfabetisch sein):

Screenshot der Bücherliste mit fehlerhafter alfabetischer Liste

Anarchische Div-Hierarchien überall!


Das würde nur unübersichtlicher werden, je mehr Titel ich herausbringe und in nächster Zeit sollen dies eine Menge Titel werden – doch dazu mehr wenn es so weit ist. Ausserdem brauchen diese vielen Links auch ziemlich viel Platz. Das kann man mit wenigen Büchern machen, aber es stößt recht schnell an seine praktischen Grenzen.

Also gibt es jetzt nur noch die Cover zu sehen. Beim Klick auf eines der Cover öffnet sich ein Overlay (eine Art Pop-Up, das kein neues Fenster öffnet, sondern in der Seite bleibt) mit den Informationen und Links zum Buch. Und da dies den individuellen Büchern mehr Platz lässt, kann ich jetzt zu jedem Buch mehr Informationen auf dieser Seite präsentieren als zuvor, ohne um die Übersichtlichkeit der Seite zu fürchten.
Die Links zu den Online-Händlern, bei denen meine Bücher erhältlich sind, finden sich jetzt in diesem Overlay rechts von der Buchbeschreibung in Form von Icons der Händler. Einige der Icons musste ich nachbessern, um eine Version in identischer Größe zu den anderen zu haben, die nicht nur aus dem schwer zuzuordnenden Logo besteht (buecher.de und ebook.de) und von Hugendubel musste ich gleich ein komplett neues erstellen, aber ich finde, das Ergebnis hat sich gelohnt. Sieht alles sehr klar und sauber aus.
Die Amazon-Links haben eine kleine Neuerung verpasst bekommen: Es gibt nur noch einen Amazon-Link, der Besucher beim Klick automatisch zu dem Amazon schickt, welches für ihr Land liefert. So muss ich nicht die halbe Liste der Händler für verschiedene Amazon-Ableger reservieren. Möglich ist das dank der Seite Booklinker, die im Gegenzug die Werbeeinnahmen (5-10% des Preises) aus jenen Ablegern erhält, bei denen ich selbst keine Werbepartnerschaft habe.
Diese Änderungen waren hier auf der Seite schon einige Zeit aktiv, bevor der Rest der Überarbeitung ans Netz ging. Dies auch um die Technik hinter den Änderungen im laufenden System testen zu können.

In Anpassung an das neue Konzept des Webauftritts heisst die Seite für die Bücher nunmehr „käuflich“, was auch den Vorteil hat, in Zukunft andere Dinge neben Büchern aufnehmen zu können. Man weiss nie, was die Zukunft bringt. Zu einem Buch kann es schnell ein Hörspiel geben – oder gar einen Film? Wer weiss, in meinem Leben sind schon verrücktere Dinge geschehen.

Weitere Seiten

Zum Blog sind einige Seiten hinzugekommen, die meisten davon mit Fokus auf meine Veröffentlichungen. Die jetzt mit Inhalten zu füllen ist dann mein Wochenendsprojekt.

  • soziomedial enthält einen Stream von aktuellen Beiträgen von mir aus diversen sozialen Netzwerken
  • verortbar bietet eine Weltkarte, auf der meine Veröffentlichungen nach Handlungsort auffindbar sind
  • vielseitig ist eine Art Portfolio meiner Internetprojekte über die Jahre
  • zeitgemäß ist eine weitere Veröffentlichungsübersicht, eine Übersicht über die chronologischen Zusammenhänge zwischen einzelnen Werken in einer gemeinsamen Erzählwelt

Die Fußleiste

Nicht länger nutzlos, finden sich in der Fußzeile nun Impressum und die nur für mich als Seitenbetreiber wichtige Möglichkeit zum Einloggen.
Das Impressum war offen gestanden ganz einfach etwas lästig in das neue Seitenkonzept einzufügen und so nahm ich es aus diesem Zusammenhang heraus. Im Gegenzug taucht es jetzt auf jeder Einzelseite auf, was möglicherweise rechtlich sogar besser ist als die Auslagerung auf eine eigene Seite.
Oh, als kleine gestalterische Spielerei schließt die Fußzeile auch den Titel des Blogs mit einer letzten Ergänzung ab.
Die Fußzeile behält das Grün des vorherigen Themes bei

Kleckerkram

Es gibt noch ein paar kleinere Neuerungen. Alle Artikel erlauben jetzt das Versenden des Textes auf das Kindle, wobei das aufgrund der technischen Einschränkungen des Mobi-Formats natürlich nicht die Möglichkeit bietet, eingebettete Videos und interaktive Inhalte zu nutzen. Aber der reine Text und die Bilder sind da. Einfach, weil sich das so für das Blog von jemandem, der eBooks schreibt gehört.
Die Farbe der Links ist auf schwarz gewechselt, das von früher aus dem Blog bekannte Grün zeigen sie erst, wenn man mit der Maus auf den Link geht. Damit ist die Farbcodierung der Links jetzt im Text und bei Überschriften identisch.
Ein großes Problem ist noch zu lösen: Lightbox mag plötzlich nicht mehr. Ich weiss nicht, ob das Problem beim Theme oder beim aktualisierten WordPress liegt, aber es ist sehr lästig, da die Buchlinks so nicht korrekt funktionieren. Da WordPress von sich aus plötzlich bei Thumbnails keine Links mehr setzt vermute ich allerdings, dass das WordPress-Update schuld ist. Und das ist der Grund, aus dem cih Software-Updates hasse, man weiss nie, welche Inkompatibilitäten mit seit Jahren genutzten Programmen und Funktionen man sich einhandelt. Ich werde das Plugin bis zum Wochenende durch ein eigenes ersetzen. Es ist eh umso besser, je weniger auf die Entwickler externer Plugins angewiesen bin.


Karstadt Rheydt

Ich sage es heute nicht zum ersten Mal, wenn ich sage, dass Mönchengladbach und Rheydt nur als Doppelzentrum einer Stadt überleben können, wenn sie jeweils eigene Zentren entwickeln. Wenn sie jeweils etwas zu bieten vermögen, was die andere nicht in vergleichbarer Form zu bieten hat.

Karstadt in Rheydt steht in meinen Augen schon lange für eine andere Herangehensweise: Rheydt als verkleinertes Abziehbild von Gladbach. Natürlich ist die (inzwischen bestätigte) Meldung über die Mitte 2016 anstehende Schließung des Hauses ein Schock. Aber wie hilflos die Politik in der Stadt mit Versuchen reagiert, das seit Jahren kriselnde Althergebrachte krampfhaft zu erhalten, ist schon erschreckend und wird Rheydt letztlich auch schaden. Sicher, OB Reiners hat Recht, wenn er auf die Anstrengungen der Stadt zum Erhalt des Kaufhauses verweist und man mag dies für sich betrachtet als Verdienst (wohlgemerkt des vorherigen OB Norbert Bude, des alten Bezirksvorstehers Karl Sasserath und des alten Rates) anerkennen, hier geht es mir aber um größere Zusammenhänge.

Zunehmend scheint mir, Stadtplanung sei in ihren Ansätzen unterkomplex um die Probleme einer mittleren Großstadt mit mehreren Zentren zu behandeln. Bei den ganz großen Städten funktioniert es schon wegen der räumlichen Entfernungen von allein, aber bei den mittelgroßen wie eben Mönchengladbach (oder auch zum Beispiel Wuppertal, das ähnliche Probleme hat) muss eine solche Struktur gepflegt werden.
Dieser Mangel schlägt sich in der Diskussion deutlich nieder: Ständig geht es um „Frequenzbringer“. Da wird davon ausgegangen, dass es nur darum geht, Menschen in die Stadt zu holen. Ob dies nun die Besucher einer Bibliothek, eines Einkaufszentrums, eines Wochenmarkts oder eines Schwimmbades sind, derlei Details gehen im Begriff des Frequenzbringers unter. Doch damit verschwinden eben auch die Auswirkungen der unterschiedlichen Gründe in die Innenstadt zu fahren auf deren Verhalten innerhalb der Innenstadt. Menschen als gleich zu betrachten ist zwar durchaus löblich, wenn wir von Innenstädten und damit von Geschäftsräumen sprechen müssen wir sie aber sehr wohl einteilen, denn hier geht es letzten Endes um Marketing. Was wir brauchen, sind Zielgruppen.

Zielgruppen sind zunächst einmal ein böses Wort aus der Werbewirtschaft. Dabei ist die Aufteilung der Gesellschaft in Zielgruppen durchaus von Vorteil. Denn es ist immer noch besser als die Bedienung des kleinsten gemeinsamen Nenners aller. Natürlich, eine solche Gleichschaltung des Konsums ist für denjenigen einträglich, der es schafft, die Schaltpulte des Kollektivs unter Kontrolle zu bekommen. Doch in eine solche Position kommen nur wenige und für die vielen anderen bleibt dann keine Kundschaft mehr übrig, weil die Nischen im Einheitsbrei untergegangen sind. Sind die Zielgruppen intakt, kann ein Aldi problemlos neben einem Rewe stehen, da beide unterschiedliche Kundschaft anziehen (natürlich mit einer gewissen Überschneidung). Sind die Zielgruppen nicht intakt kommt ein Amazon daher und verleibt sich praktisch den gesamten Online-Versandhandel ein.

Da die Stadtplanung nur den abstrakten Frequenzbringer und die von ihm als Frequenz gebrachte anonyme Menschenmasse kennt, läuft sie zwangsläufig auf die Schaffung einer Struktur wie Amazon hinaus: das Zentrum mit den meisten und kräftigsten Frequenzbringern zieht mit der Zeit nahezu sämtliche Frequenz auf sich, die anderen Zentren gehen langsam unter. Wer hier bestehen will muss sich, hier schließt der Kreis, an eine klar definierte Zielgruppe richten.
Und hier liegt das Problem mit Karstadt: Karstadt ist nichts weiter als ein Kaufhof des Südens. Und mit dem Bau des Pfefferminzhäuschens („Minto“) in Gladbach hat es sein Amazon erhalten. In einer Stadt, in der ein Minto steht, kann kein Karstadt mehr stehen. Wir haben Karstadt umgebracht.

Was jetzt nötig ist, gleicht einer Neugründung der rheydter Innenstadt. Wir müssen den sich abzeichnenden Leerstand als Chance sehen, als Raum zum Füllen. Nicht mit neuen Ladenlokalen, wie dies die EWMG bereits anplant. Das ist nichts weiter als Hospizdienst an einer sterbenskranken Innenstadt. Rheydt braucht etwas neues, was Gladbach nicht hat und was in Gladbach auch kulturell nicht in dieser Form hinpassen würde.

Meinen Vorschlag, den Wochenmarkt im Gebäude unterzubringen und den von der Bevölkerung gut angenommenen Marktplatz ganzwöchig frei zu haben, habe ich ja bereits in den Ring geworfen. Ich halte den Wochenmarkt in Rheydt weiterhin für eine stadtweit in dieser Größe und Qualität einmalige Einrichtung, die viel für ein eigenständiges Profil dieser Innenstadt tun kann. Wochenmärkte sind vor allem für genau jene Zielgruppen interessant, die ungern das Angebot von Shopping-Malls nutzen – beispielsweise die vor einigen Jahren allgegenwärtigen LOHAS. Eine Stärkung des Wochenmarktes ist eine Stärkung Rheydts bei genau jenen Menschen, für die Rheydt potenziell attraktiver ist als Gladbach. Ein wetterunabhängiger Markt in der bestehenden Bebauung wäre eine großartige Entwicklung für den Süden der Stadt.
Ja, auch Gladbach hat Wochenmärkte, aber nichts in Größe und Qualität mit Rheydt vergleichbares. Und das wird es auch nie haben, denn Wochenmärkte sind für die dort zu findenden Zielgruppen beständig weniger attraktiv. Sie werden in Gladbach nicht verschwinden, aber bei Fortführung der aktuellen Trends doch eine deutlich kleinere Rolle spielen. Und das muss durchaus kein Fehler sein, denn wenn Gladbach nicht mehr versucht, alles auf ein Mal zu sein, steckt darin auch für den Norden der Stadt ein eigenes Profil. Und davon profitieren dann beide Hälften der Stadt.

Andere Vorschläge, die mir zwischenzeitlich zu Ohren gekommen sind:

  • Zentralbibliothek in das größere Gebäude in Rheydt verlegen, jetzige Zentralbibliothek zur Stadtteilbibliothek umnutzen – ich sehe jetzt schon so manches Monokel fliegen, aber von den Gebäuden her ist das durchaus eine Überlegung wert. Auch eine Bibliothek ist von den erreichten Zielgruppen sehr weit von einer Mall entfernt
  • Komplettes Gebäude für die Verwaltung nutzen – das birgt für die Stadtverwaltung großes Einsparpotenzial, bringt allerdings für die Innenstadt selber sehr wenig
  • Abreissen – meiner Meinung nach zu teuer
  • Historisches Museum (alte Überlegung von mir) – das Gebäude eignet sich baulich sicher auch als Museum. Da gibt es in Rheydt ja einige Möglichkeiten, wofür man eines bauen könnte: Hugo Junkers, Sportmuseum (man denke an den Vorschlag Olympiabrunnen, Rheydt hat viele bedeutende Sportler hervorgebracht), Goebbels-Mahnstätte…

Wer hat noch weitere Vorschläge? Ich bin gespannt!


Dino-Dienstag 15

Noch ein ältester Vogel

Es gibt einen neuen ältesten zahnlosen Vogel: Archaeornithura lebte vor 130 Millionen Jahren in China, wahrscheinlich als Schlickläufer an den Küsten größerer Gewässer. Obwohl er der älteste bekannte Vogel ohne Zähne ist, ist er doch modernen Vögeln ähnlicher als einige andere zahnlose Vögel. Mit anderen Worten: Das Fossil macht klar, dass es noch ältere, bisher unentdeckte zahnlose Vogelarten gegeben haben muss, von denen Archaeornithura und andere frühe zahnlose Vögel abstammten.

Der Schnüffelraptor

Wo wir grade bei den Raptoren sind, hier ist noch eine neue Art dieser Gruppe: Saurornitholestes sullivani war mit zwei Metern Länge und einem Meter Höhe ein durchschnittlich großer Vertreter dieser Gruppe, etwa vergleichbar mit Velociraptor. Was bei dieser neuen Art aber auffällt ist, dass der Schädel Platz für ein Gehirn bietet, dessen Bereich für die Wahrnehmung von Gerüchen deutlich vergrößert ist.
S. sullivani ist eng verwandt mit Saurornitholestes langstoni, aber das anders geformte Gehirn machte S. sullivani zu einem besseren Riecher, dem besten bisher bekannten unter den Raptoren. Ob er dies nutzte um ein besserer Jäger zu sein, er ein Aasfresser war der Leichengeruch suchte oder er in der Nacht jagte, wenn Geruch zuverlässiger ist als Sicht, ist dabei reine Spekulation.

Saurornitholestes sullivani auf der Jagd (Bild: Mary P. Williams)

An den Ursprung der modernen Zelle

Nicht nur Fossilien können uns etwas über die Evolution verraten, manchmal finden sich auch bei den heutigen Lebewesen aussergewöhnliche Erkenntnisse.
Da wären diese Woche die Lokiarchaeota, eine neue Sorte Einzeller aus den Tiefen des Atlantik. Obwohl sie relativ primitive Einzeller sind, die keine Zellorgane wie etwa einen Zellkern haben, besitzen sie doch einige Gene, die bei anderen Einzellern für genau solche Organe benötigt werden. Bei den Lokiarchaeota dienen diese Gene vor allem dem Aufbau der Zellmembran. Das ist ein starker Hinweis darauf, dass die komplexeren Zellen mit Organen von den einfacheren ohne Organe abstammen und nicht parallel zu diesen entstanden sind.


Mediale KW 19/2015

Eine für mich sehr kurze Woche resultiert in wenig Medienkonsum mangels freier Zeit. Und, nun, sagen wir einfach, meine restliche Woche war deutlich besser als meine Auswahl an Filmen.

Der Antichrist mal wieder – Ghost Rider: Spirit of Vengeance

Dark Fantasy, USA 2012, Film/Netflix

Ein Donnerstag im Jahr 2011 bei Columbia Pictures. Besprochen wird eine Fortsetzung zu einem Film, der 229 Millionen Dollar gemacht hat.
„Schnell, unser Hauptcharakter ist ein Dämon aus der Hölle und wir brauchen einen Plot für den zweiten Film, weil Geld!“
„Klarer Fall von Standardplot 37!“
„Standardplot 37?“
„Satan plant, in einem dämonischen Ritual seinen perfekten Körper für die Existenz auf Erden zu übernehmen und versucht nun, dafür an das dazu von ihm gezeugte Menschenkind zu gelangen“
„Achso, Standardplot 37! Sag das doch gleich!“
Ich wollte Samstag Abend etwas wirklich, wirklich dummes sehen. Die anderen beiden Kandidaten (Fluch der Karibik 3 und Lone Ranger) waren je über zwei Stunden lang, also fiel meine Wahl auf das kürzere Spirit of Vengeance. Nicolas Cage zieht Grimassen, schauspielert seine Sprechparts als wäre er während der gesamten Dreharbeiten nicht auf Klo gegangen und tauscht sein brennendes Motorrad in einer Szene gegen EINEN FLAMMENDEN TAGEBAUBAGGER! Ich würde behaupten, mein Plan war von Erfolg gekrönt. Spektakulärem Erfolg.
Und wer hätte gedacht, dass der Ghost Rider in Wirklichkeit eine Metapher für Hardrang ist? Bester schlechter Film seit langem.
Film bei Netflix

Affwerdung – Tarzan II

Fantasy, USA 2005, Film/Netflix

Auch Standardplot 13 kommt diese Woche zur Anwendung: Protagonist oder wichtige Nebenfigur fühlt sich in ihrer Gruppe fehl am Platze und verschwindet von dort um anderswo ihre Bestimmung zu finden. Und am Ende ist klar, dass alles nur ein Missverständnis war und/oder die Figur ist daheim willkommen. Pflichtgeschichte für mindestens eine Folge in jeder Kinderserie. Bibelfeste Leser dürfen an verlorene Schafe denken.
Also wird Tarzan als Kind von der Gorillafamilie getrennt und verschwindet weil er glaubt, dass es so besser wäre. Unterwegs findet er eine weniger nette Gorillafamilie und einen alten griesgrämigen Gorilla, dessen Herz er erweichen darf.
Aus irgendeinem Grund sehe ich immer wieder Videofortsetzungen von Disney an, obwohl einige davon wirklich furchtbar sind. Vermutlich Neugierde. Und im Kontext von Disney-Fortsetzungen gilt: Tarzan II ist okay. Überflüssig und uninspiriert, aber harmlos. Und letzteres kann nicht jedes dieser Werke von sich sagen – ja, ich sehe dich an, Glöckner von Notre Dame 2. Und damit meine ich jetzt nicht, dass Glöckner 2 Disneys erstes offen schwules Liebespaar hat (zwischen einer lebenden Statue und einem Ziegenbock…).
Wo war ich? Ach ja, Tarzan II. Urteil: Es gibt schlimmeres.
Film bei Netflix

Pappkameraden – Knights of Sidonia: Staffel 1

Science-Fiction, Japan 2014 (OmU), Serie/Netflix

1.000 Jahre nachdem eine rätselhafte ausserirdische Zivilisation namens Gauna das Sonnensystem zerstört hat, leben die Reste der Menschheit in einem gewaltigen Raumschiff namens Sidonia. Aus den Tiefen dieses Schiffes taucht eines Tages ein Junge namens Nagate auf, der prompt zu den Piloten der Mechas geschickt wird, die Sidonia gegen die immer noch angreifenden Gauna verteidigen.
Knights of Sidonia ist ein seltsamer Versuch einer computeranimierten Animeserie. Zahlreiche Charaktere mit immer gleichen merkmalslosen Gesichtern tauchen auf und verschwinden wieder aus der Handlung, die meisten sterben relativ schnell in den Schlachten gegen die Gauna. Die Welt ist einfach nur seltsam, um seltsam zu sein und Dinge geschehen ohne Hintergrund oder Logik (wie Nagate selber). Tatsächlich ist das die Grundlage des gesamten Aufbaus von Knights of Sidonia: Dinge passieren einfach, Dinge sind einfach und nichts und niemand hat eine Persönlichkeit. Die ganze Welt ist spürbar nicht mehr als Kulisse.
Serie bei Netflix