Mediale KW 23/2015

Nachdem ich die Woche zuvor tatsächlich keinen Medienkonsum oberhalb einiger 5-Minuten-Youtube-Videos vorzuweisen habe und deshalb die Mediale KW ausfiel, sieht es diesmal wieder etwas besser aus. Es folgen also die Rezensionen der Woche.

Ökos entführen eure Kinder: Rapunzel — Neu Verföhnt

Fantasy, USA 2010, Film/Netflix

Eine alte Frau entdeckt eine Blume von purem Sonnenlicht, die mit einem Lied dazu gebracht werden kann, Wunden zu heilen und neue Jugend zu schenken. Doch der König sucht die Blume, um seine Frau zu heilen, findet sie und braut ein Getränk daraus. Das funktioniert, doch die schwangere Königin gebärt ein Kind mit magischem blonden Haar, das die Fähigkeiten der Blume erlangt hat. Rapide alternd findet die alte Frau das Kind und entführt es in einen versteckten Turm, wo sie es als ihre eigene Tochter aufzieht. 18 Jahre vergehen und die junge Rapunzel sehnt sich immer mehr nach der Welt ausserhalb des Turms. Als Dieb Flynn Rider den Turm durch Zufall findet, ergibt sich endlich die Gelegenheit dazu.
Ich bin mir nicht sicher, ob Tangled sich bewusst ist, wie es seine Hauptantagonistin motiviert. Der Hintergrund mit der Blume wird aus dem Off erzählt und dort wird sie als gierige alte Frau dargestellt, die allein nach der Macht der Blume strebt. Über Jahrhunderte kehrt sie immer wieder zu der Blume zurück um zu ihr zu singen, was ihr ewige Jugend gewährt. Um sie vor dem Rest der Welt zu verbergen platziert Mutter Gospel einen umgedrehten Korb darauf.
Und ihre Sorge ist gerechtfertigt: Die Truppen des Königs finden die Blume schließlich durch ein Missgeschick. Prompt wird sie zu einer Brühe verarbeitet und dabei natürlich vernichtet. Die wahrscheinlich einzige ihrer Art, zu der man über Jahrhunderte nur beliebig oft singen musste, um ihre Kräfte zu nutzen, zerschnitten und in einer Brühe aufgelöst um eine einzige Krankheit zu heilen. Man kann das dem König nicht verdenken, aber es bleibt doch die Frage: Warum genau wird die Kräuterfrau hier als die Böse dargestellt?
Denn erst jetzt entwickelt sie sich zur Bösen des Films. Nachdem sie herausfindet, dass es nicht möglich ist, Rapunzel einfach eine Strähne abzuschneiden ohne dass diese ihre Kraft verliert, entführt sie das Kind und sperrt es in einen Turm ein, wo sie sich als seine Mutter ausgibt. Dann fehlen knapp 18 Jahre, deren Verlauf weitgehend unklar bleibt. Mutter Gospel ist eifersüchtig und eigennützig (letzteres weiss aber nur der Zuschauer), ansonsten aber keine schlechte Mutter und Rapunzel kannte nie eine andere.
Das ist eine ungewöhnlich detaillierte Hintergrundgeschichte für die Antagonistin eines Disney-Films. Dass Elsa im nächsten Disney-Film (Frozen bzw. unter dem schmerzhaften deutschen Titel Die Eiskönigin — Völlig unverfroren bekannt) gar nicht erst in die Antagonistenrolle kommt, verwundert da nicht mehr. Tangled ist noch nicht ganz so weit, vom Konzept der Bösewichtin (?) loszukommen und leidet darunter mit einer wohl versehentlich falschrum geratenen Botschaft zur Nachhaltigkeit. Aber grade dieses Stolpern ist interessant, es markiert die Linie, an der besser motivierte Gegner und alte Erzählmuster sich zur Übergabe des Staffelstabes treffen. Auf der anderen Seite der Linie warten dann Figuren wie Elsa und der Kingpin.
Rapunzel — Neu Verföhnt bei Netflix

Momentaufnahme: Die Raumfahrer

Sachbuch, USA 1989, Papier

Ende der 80er bis Anfang der 90er gab es diese wunderbare Zeit, in der die Zukunft um die Ecke schien. 2000 war eine magisch erscheinende Jahreszahl, zugleich fern und nah genug, um romantisiert zu werden, um Versprechen von der Zukunft zu tragen. Das zwanzigste Jahrhundert war eines voller wissenschaftliche rund technologischer Revolutionen, was würde da erst das einundzwanzigste bringen? Nun, wie wir heute wissen Facebook, Youporn und den Sieg des Kapitalismus über so ziemlich alles, aber das ist halt das Nachhinein.
Nein, damals wurde uns an allen Ecken eine glorreiche Zukunft versprochen. Die Raumfahrer aus der halbanonymen Time-Life-Redaktion sammelt den Höhepunkt dieser Zeit auf Papier, einschließlich prächtiger Doppelseiten mit bewohnten Mond- und Marslandschaften in Hochglanzdruck.
Hin und wieder findet sich die Andeutung vom Ende des Enthusiasmus; die Challenger-Katastrophe steckt der Raumfahrt noch in den Knochen und die ihre letzten Tage erlebenden Supermächte haben das Interesse am Wettrennen verloren. Aber noch ist er da und dies ist vor allem ein Nostalgietrip zu jenen Bildern, als man es noch völlig ernst meinte mit Menschen auf Mond und Mars und mit Expeditionen jenseits allem, was die Menschheit bisher gesehen hatte.


Politische KW 23/2015

Meine kleine politische Bilanz der Woche, jeden Sonntag hier im Blog.

Zur Fraktionssitzung am Montag gibt es wie üblich nicht viel zu sagen, am Dienstag folgte der Aufsichtsrat der MGMG, aus dem ich nicht öffentlich berichten darf. Am Mittwoch durfte dann mein grade geschriebener Antrag unangesprochen in die Tonne wandern, die Kostenersparnis durch Einsatz von Fahrrädern im Kurierdienst der Stadt zu ermitteln — dies allerdings durchaus aus positiven Gründen.
Das hier, Mittwoch vormittag an der Kreuzung Bahnstraße/Engelsholt angebracht, kann man dagegen getrost unter „kreative Betätigung unserer Stadtverwaltung“ abhaken und ignorieren. Dürfte allerdings sinnlos Geld gekostet haben.

Ich war etwas gespalten, ob ich das Rund-Radeln am Freitag mit in die Politische KW zählen soll, da es für mich doch mehr Freizeit mit politischer Nebenwirkung/-Aussage ist. Aber das Problem klärte sich durch die Streckenführung von selbst. Diese führte nämlich auch über die Viktoriastraße, wo ich brandneue Markierungen der Parkplätze entdeckte. Und siehe da, der Bürgersteig nördlich des Aldi ist endlich brauchbar geworden indem die Autos komplett auf die Straße geschickt wurden.
Damit ist das Gebiet nun 30er Zone, der als Radweg ungeeignete Radweg zum Bürgersteig umgewidmet und dieser Bürgersteig dann auch auf eine brauchbare Breite gebracht worden, indem die Autos auf die Straße verbannt wurden.
Das Thema läuft schon länger. Es hat lange gedauert, aber endlich ist diese Sache halbwegs durchgestanden. Mir hätte ja schon die Ummarkierung der Parkplätze gereicht, aber manchmal braucht es offenbar fünf Jahre um in einer relativ unwichtigen Nebenstraße ein paar offensichtlich nicht dem heutigen Recht entsprechend angelegte Parkplätze zu ändern.
Nun, wie dem auch sei, Schlacht erfolgreich geschlagen.

Viktoriastraße 2012 und 2015. Der gemeinte Unterschied ist nicht das Herbstlaub

Viktoriastraße 2012 und 2015. Der gemeinte Unterschied ist nicht das Herbstlaub


Projekt Rana 0.0.1

Einige Velomobile in der Übersicht

Einige Velomobile in der Übersicht – Ausschnitt aus einer Infografik von Icebike.org

Ich hatte ja gestern bereits angedeutet, dass zum Thema Velomobil heute noch was kommt. Für alle, denen der Begriff nichts sagt: Ein Velomobil ist ein mehrspuriges Fahrrad mit Verdeck/Karosserie. Oder anders betrachtet ein Auto mit Pedalantrieb statt Motor. Rechts von diesem Beitrag seht ihr eine Übersicht über einige Bautypen quer durch die letzten 100 Jahre. In der Regel basieren sie auf den Liegedreirädern, die man ab und an im Straßenverkehr sehen kann.
Velomobile sind relativ selten, die meistverkauften Typen bringen es auf ein paar hundert Stück. Das liegt zum einen am hohen Preis im durchgehend vierstelligen Bereich (der wiederum an den niedrigen Stückzahlen liegt, das sind letztlich Handwerksprodukte), zum anderen an der mangelnden Bekanntheit dieser Fahrzeuge.
Ich habe schon ewig Interesse an einem solchen Gefährt. Das Fahrrad ist mein bei weitem bevorzugtes Fortbewegungsmittel. Aber bei aller Hartnäckigkeit und so gut die Kleidung auch ist, bei schlechtem Wetter ohne Verdeck zu fahren ist ganz einfach Scheisse. Die Geschwindigkeit und der durchaus unbequeme Sattel schränken die Reichweite deutlich ein — für mich liegt die Fahrradreichweite bei einem Umkreis von etwa 30 Kilometern (plus Rückfahrt). Das entspricht von Mönchengladbach etwa dem Weg bis zur niederländischen Grenze oder knapp über Düsseldorf hinaus. Meine längste an einem Tag zurückgelegte Strecke sind knapp über 110 Kilometer (Mönchengladbach-Aachen-Lüttich und Lüttich-Charleroi laut Google Maps jeweils 111 km), das allerdings mit Camping-Ausrüstung auf dem Gepäckträger. Das ist alles in allem nicht viel.
Velomobile sind wettergeschützt, angenehmer zu sitzen und bei gleicher Kraftanstrengung schneller (ausser bergauf). Viele haben auch noch einen Kofferraum, aber das ist nur Bonus. So oder so: Deutlich besser. Das ermöglicht es auch, kurz mal per Fahrrad ins Ruhrgebiet oder an die Nordsee zu fahren. Mit dem Fahrrad! An die Nordsee!
Allein, der Preis. Und da kommt der Velomojeep aus Heinsberg ins Spiel. Der ist für mich vor allem beweis für eins: Natürlich kann man solch ein Gefährt selbst bauen. Und in der Tat: Warum nicht? Ich behaupte nicht, dass der Eigenbau weniger kostet, aber das Geld verteilt sich dabei angenehm über einen größeren Zeitraum. Und das ist ein wichtiger Faktor, es ist das Prinzip hinter Ratenzahlung und Krediten, nur hier ohne Bank, quasi materiell umgesetzt. Ich kann morgen nicht in den Fahrradladen gehen und eine Leitra kaufen. Aber ich kann morgen in den Fahrradladen gehen und einen Satz gute Reifen dafür kaufen. Und in der nächsten die Beleuchtung. Und so weiter. Das selbe gilt entsprechend für den Zeitaufwand: Was folgt klingt um einiges umfangreicher, als es tatsächlich werden dürfte. Ich werde den Zeit- und Kostenaufwand des Projekts in den weiteren Beiträgen dieser Reihe fortlaufend festhalten.
Und mit diesen Gedanken begann Projekt Rana. Und dann kamen Ideen. Viele Ideen.

Projekt Rana muss kein Erfolg werden. Es kann eine völlige Fehlplanung sein. Es kann aus vielen Gründen unfertig enden. Das macht nichts. Denn egal, wie weit ich damit komme, es ist interessant.

In diesem ersten Beitrag sammel ich die bisherigen Ideen, die als Basis für alles weitere dienen. Wie ich das umsetzen will ist dann der Inhalt für die nächste Woche. Denn dieser hier wird jetzt schon verdammt lang und voll von Information.
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Freitägliche Fünf 05.06.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal eine Gremlinfahrradpolonäse im Weltraum über Kuba am Feiertag. Oder so.

1. Bei ebay ist dieses Selbstbau-Velomobil aufgetaucht. Das hat ein Tüftler in Heinsberg zusammengebaut, also quasi um die Ecke. Er hat dann festgestellt, dass Velomobile nichts für ihn sind.

Der Velomojeep (Bild: ebay-Nutzer Bovimame)

Der Velomojeep. Ignoriert die Lupe, die tut nix. Faules Ding! (Bild: ebay-Nutzer Bovimame)


Ich find das Teil klasse. Dürfte noch mehr Aufmerksamkeit erregen als es normale Velomobile ohnehin schon tun. Die kleine Ladefläche ist so ein nettes Detail. Gut, die Aerodynamik ist offensichtlich nicht so der Brüller – zu kantig und zu flexibles Hüllenmaterial (Zeltplane?) in dem sich der Wind fäängt, aber trotzdem: Seht euch das Ding einfach nur mal an!
In einem besseren Monat hätte ich trotz einiger vom Anbieter eingeräumter Fehlerchen zugeschlagen. Ich will schon ewig ein Velomobil und 550 € sind für die Dinger Wechselgeld.
Eines hat es auch so bewirkt: Es hat mich inspiriert, selber den Bau eines Velomobils angehen zu wollen. Dummerweise kann ich nicht schweissen, aber ich bin durchaus bereit, Zeit zu investieren und Dinge zu lernen. Jetzt nicht unbedingt Schweissen, aber ich habe angefangen, mich mit Fahrrädern aus Bambus zu beschäftigen. Und wo ich schon am Innovieren bin habe ich eine ganze Liste von Ideen die dafür sorgen, dass das Projekt sicherlich nie fertig wird. Als wäre es noch nicht schwierig genug, ein Velomobil aus einem prinzipiell unzureichend biegefesten Werkstoff wie Bambus zu bauen. Aber trotzdem wahnsinnig interessant. Mehr zu Projekt Rana morgen.
Mit Dank an den Prisac für den Link.

2. Mit SpaceX hat erstmals ein nicht-militärischer Anbieter in den USA eine Lizenz für Satellitenstarts erhalten.

3. Die USA haben die unsinnige Listung Kubas als Terrorstaat aufgehoben. Es wird sehr spannend zu beobachten, wie das über Jahrzehnte an Isolation gewöhnte Kuba in der sich entwickelnden offeneren Welt mit dem Rest Amerikas interagieren wird. Kuba hat das Potenzial, viele aus der Not der Isolation geborene Ideen in die Nachhaltigkeitsbewegungen der westlichen Welt zu tragen.

4. Donnerstag war der erste Tag ohne irgendwelche Termine seit Pfingstsonntag. Ja, einschließlich dem Wochenende. Yay, freier Tag!

5. Hier ist eine Gremlin-Polonäse. Ihr könnt mir später danken.


Print-on-Demand-Bedingungen im Test

Letzten Monat habe ich ein wenig über meine Erfahrungen mit dem eBook-Vertrieb geschrieben. Heute möchte ich dies mit meinen Ergebnissen zu „selbstverlegten“ Papierbüchern ergänzen. Kurzfassung: Auch nach Jahren der Entwicklung ist dieser Bereich noch ziemlicher Mist. Am Ende bin ich bei ePubli gelandet.

Die Anführungszeichen im letzten Absatz haben einen Grund: Echtes Selbstverlegen bei Papierbüchern bringt erheblichen Aufwand mit sich. Als Ein-Mensch-Verlag in den Buchhandel zu kommen, geschweige denn bundesweit oder wenigstens ausserhalb des eigenen Wohnortes ist harte Arbeit, welche die meisten nie schaffen werden.
Die großen Anbieter für Print on Demand nehmen einem viel von dieser Arbeit ab. In welchem Maß, ist dabei sehr unterschiedlich. Da ich als Einzelperson diese Arbeit nicht übernehmen will, betrachte ich nur Angebote, die einen Vertrieb mit im Paket haben.
Folgendes musste ausserdem für das produkt möglich sein:

  • Marktfähiger Endpreis
  • Druck eines Taschenbuchs
  • Druck eines geklammerten Heftes (für die kurzen Bände der Meilensteine der Evolution)
  • Papierversion ohne eBook oder eBook separat möglich

Nur ein Teil der Anbieter bietet die Option Klammerheftung einzusetzen.
Referenz für alles weitere sind Printausgaben von Meilensteine der Evolution als Hefte von je 40 Seiten Umfang im Format A5.

Es geht hier nur um die Vertriebsbedingungen. Ich gehe nach dem Lesen diverser Erfahrungsberichte nicht davon aus, dass diese Anbieter in der Produktion merklich unterschiedliche Qualität hervorbringen.

Einer fliegt. Weit: Preis

Die meisten Anbieter fliegen schon beim Preis raus. Farbdruck ist praktisch nirgends wirtschaftlich möglich, also bin ich eh schon bei Schwarz-Weiss. Und dennoch…
Shaker-Media schafft es, ein 40-seitiges Heft auf beachtliche 8,90 € Verkaufspreis zu bringen. US-Anbieter Lulu schafft 3,30 Dollar pro Exemplar. Der deutsche Riese BoD schlägt einen Ladenpreis von 4,99 € vor, was hoch ist, aber akzeptabel. ePubli kann den selben Preis erreichen, allerdings schlägt ePubli bei Direktverkauf und über Amazon 2,95 € Versandkosten auf (was unerwarteterweise einen Preisvorteil für klassische Buchhandlungen bedeutet). Amazons Createspace bietet mir im Preiskalkulator keine Möglichkeit, die Bindung einzustellen und ich weiss daher nicht, ob es Klammerbindung herstellen kann. Grundsätzlich ist ein Preis von 3,99 € für 40 seiten dort grade so eben wirtschaftlich. Allerdings sind Createspace-Bücher de facto ohnehin nur bei Amazon erhältlich und das ist uninteressant.

Der Ami: Lulu

Lulu fliegt raus, weil es nach allem, was ich erfahren konnte in Europa schlichtweg nicht am Markt etabliert und hier im Versand zu langsam ist. Es ist aber ganz klar meine Wahl für den Vertrieb in der englischsprachigen Welt.

BoD will alles. Alles!

Unter der Vermutung, dass das Format „Booklett“ bei BoD ein klammergebundenes Heft meint, ist BoD der preislich günstigste Anbieter. Zwar erreicht auch ePubli einen Verkaufspreis von 4,99 €, aber bei 0,20 € geringeren Einnahmen für den Verfasser und mit 2,95 € Versandkosten auf dem Postweg.
Nur hat BoD ein ganz anderes Problem: BoD verlangt Alles oder es macht keinen Vertrieb. Lässt man dort ein Papierbuch produzieren und vertreiben, nimmt BoD sich auch die eBook-Rechte und verlangt zudem Exklusivität. Das ist ein Problem. Ich habe BoD aus gutem Grund nicht für den Vertrieb der meisten meiner eBooks gewählt – es fuscht mir dort ins Layout hinein. Hinzu kommt, dass ich eBook udn Papierbuch als unterschiedliche Dinge betrachte – ein halbwegs brauchbar gestaltetes Sachbuch auf Papier nutzt sein Medium in einer Weise, die nicht einfach so auf ein anderes Medium übertragen werden kann. Meine eBooks sind weitgehend als Fließtext gestaltet, um auf möglichst jedem Gerät in jedem Format gelesen werden zu können. Meine Papierbücher sind als Konstrukte aus mit Text gefüllten Boxen gestaltet, die ein komplexes Layout in einer Umgebung ermöglichen, die für jeden Leser identisch ist. Es sidn schlichtweg völlig unterschiedliche Gestaltungsphilosophien. Ich hatte in meiner Bewertung des ABC der Verlagssprache ein gutes Beispiel gegeben, warum unterschiedliche Ansätze für beide Medien von Vorteil sind, wenn man Lesern auf beiden Plattformen ein jeweils ideal auf sie zugeschnittenes Produkt liefern will.
Ohne eBook-Rechte druckt BoD zwar, vertreibt das Ergebnis aber nicht. Und wenn ich das will, kann ich zumindest für die Heftproduktion auch in den Copy-Shop gehen und anschließend selber tackern.

Arbeitsgerät wäre vorhanden (Bild: Amazon)

Arbeitsgerät wäre vorhanden (Bild: Amazon)


Das ist schade, denn BoD hat einen hervorragenden Buchvertrieb, nahezu auf einem Level mit dem, was ein großer Verlag kann. Aber sorry, verpflichtend die eBook-Version mit dabei zu haben ist absolutes Ausschlusskriterium in der Erstellung von Sachbüchern mit komplexen Layouts.

Bleibt ePubli

Womit ePubli bleibt. ePubli führt seltsamerweise zu Preisen, die bei Amazon höher sind als bei allen anderen Händlern, da es dort als Drittanbieter auftritt, was zu 3,00 € Versandkostenzuschlag führt. Direkt bei ePubli kommen 2,95 € drauf. Im Buchhandel kein Cent. Das ist vor allem deshalb seltsam, weil ePubli meines Wissens zur Verlagsgruppe Holtzbrinck gehört und somit eigentlich Zugriff auf die Buchhandelskanäle haben müsste, die Amazon direkt beliefern. Es mag sein, dass das Absicht seitens des Mutterkonzerns ist, um das traditionelle Verlagsmodell zu stärken.

In conclusio

Und am Ende schreibt man Abschnittsüberschriften in Latein und muss feststellen: Papierbücher in Print on Demand anzubieten ist weniger ein Vertriebskanal als ein Sonderservice für Leser, die gedruckte Werke bevorzugen. Alle Anbieter haben erhebliche Mängel und so landet man letztendlich weniger beim besten als vielmehr beim am wenigsten schlechten Anbieter. Da ist definitiv noch Luft nach oben.


Die Vollhonkisierung des Abendlandes

Hinweis: Ich war von der siebten bis zur zehnten Klasse auf einer Hauptschule (GHS Aachener Straße, Mönchengladbach-Speick). Deshalb darf ich Honk sagen. Das ist so wie bei den Dunkelhäutigen, die Nigger sagen. Nur, dass ich es trotzdem als Beleidigung meine. Das dazu, nun zum Thema:

Warum genau wimmelt es bei bestimmten Themen in den sozialen Netzwerken so von Vollhonks? Ich habe mir hier drei aktuell besonders lästige Debatten (Gamergate, Homo-Ehe und Veganismus) herausgesucht. Immer wieder stolpere ich über Beiträge von Leuten, die offenbar ihre Welt bedroht sehen, wenn Videospiele weniger misogyn werden, wenn Homosexuelle heiraten dürfen oder wenn andere Leute keine Tiere essen.
Sicher, neu ist das nicht. Schon die monotheistischen Religionen zeichnen sich dadurch aus, den Anspruch zu stellen, ständig über die Belange fremder Leute befinden zu dürfen. Und dies nicht aus Erwägungen der gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen (wie sie der Politik idealerweise zu Grunde liegen, Irrtümer natürlich nicht ausgeschlossen), sondern allein aus Rechthaberei. Vielleicht auch, wie beispielsweise der Theologe Friedrich Heer anmerkte, an schwachem Glauben, der sich durch Intoleranz gegen bedrohlich wirkende Ideen wehrt. Es ist wohl allgegenwärtig genug, dass ich darüber ein Buch schreiben konnte.
Allerdings, die Bühne der sozialen Medien scheint da so einiges hochzuspülen, was man sonst nicht hören würde. Vollhonks eben. Und die Vollhonks sind laut. Sie polarisieren eine eigentlich unspektakuläre Diskussion bis zum Bürgerkrieg. Und jedes Mal stellt sich die Frage: „Wieso zum Geier interessiert euch das überhaupt, Vollhonks? Ihr macht die Welt zu einem schlechteren Platz für viele Menschen, bloß weil euch deren Lebensentwürfe, die euch nichts angehen, nicht in den begrenzten Horizont passen!“

Gamergate und FIFA

Die nächste Ausgabe von EAs endloser Sportspielserie FIFA hat erstmals Frauenfußball im Angebot. Oder zumindest Fußball mit Frauen, ob es auch Frauenfußball ist, bleibt abzuwarten. Ich habe mir sagen lassen, Frauenfußball habe eine ganz eigene Kultur und Geschichte mit ganz eigenen Spielstilen und Traditionen. Ich weiss nicht viel vom Fußball, aber ich denke mir so: Tolle Sache! Wurde Zeit.
Manch einer schien das anders zu sehen und regte sich auf. EA solle doch lieber echte Innovationen liefern als Ressourcen für Frauenfußball zu verschwenden. Denn Frauenfußball ins Spiel zu bringen ist offenbar keine Innovation.
Nun habe ich FIFA Soccer zum ersten und letzten Mal auf dem Mega Drive gespielt, aber nach dem, was man so hört, ist es immer noch das selbe Spiel. Kunststück, ist ja auch weitgehend immer noch der selbe Sport.
Ich verstehe nicht, welche großartigen Innovationen dadurch verhindert worden sein sollen. Hat hier wer Insider-Informationen? Wieso bekämpfen die Leute eine großartige neue Option in so einem Spiel, als ginge ihnen etwas verloren? Wenn ihr nicht mit Frauen spielen wollt, spielt halt weiter nur mit Männern. Womit wir eine perfekte Überleitung zum nächsten Punkt hätten.

Ehe für alle

Wisst ihr was, ich halte mich kurz: Was zum Teufel geht das irgendwen etwas an ausser die Personen, die heiraten wollen? Ich meine okay, ich halte die Ehe an sich für weitgehend überflüssig (Steuer- und Erbschaftsregelungen aussen vor), aber wenn die Leute heiraten wollen, warum nicht? Für Heterosexuelle ändert sich durch die gleichgeschlechtliche Ehe exakt gar nichts.

Veganer

Kommen wir zum konstantesten und dämlichsten Punkt dieser Reihe: Die Reaktionen auf vegane Produkte.
Zuletzt etwa auf die vegetarischen (nicht veganen, aber der Effekt auf Vollhonks ist der selbe) Aufschnitte von Rügenwalder.
Vegantarier beließen es meist bei dem Seitenhieb, dass Rügenwalder ja selbst mit Fleisch keine brauchbare Wurst hinbekommen würde. Normalos fangen gleich wieder an vorzutragen, dass sie kein Verständnis haben, wenn Leute auf Fleisch verzichten nur um anschließend Fleischprodukte nachzubauen. Und ich verstehe die Logik einfach nicht — wo ist das Problem? Leute denen Fleisch nicht schmeckt nennen wir nicht Vegetarier/Veganer, die nennen wir Leute, denen Fleisch nicht schmeckt. Vegetarische und vegane Ernährung hat in der Regel andere Gründe. Aber warum sollten ethische Vorbehalte gegen das Töten oder Ausbeuten (in Ermangelung eines besseren Wortes) von Tieren im Widerspruch dazu stehen, etwas essen zu wollen, was Wurst ähnelt? Das selbe gilt für gesundheitliche Bedenken gegen den Fleischkonsum, für ökologische oder volkswirtschaftliche gegen die Nutztierhaltung wegen Schadstoffausstoß und Ressourcenverbrauch und für viele andere Gründe, aus denen Menschen auf eine tierarme oder tierlose Ernährung umstellen. Vegetarischer Aufschnitt ist kein logisches problem. Und wenn ihr weiter Fleisch essen wollt, bitte, in den Supermarktregalen herrscht alles andere als Mangel daran.
Ist es eine Sehnsucht danach, jene die anders sind, sollen doch gefälligst leiden? Denn oft klingt es so. Gibt es Psychologen unter meinen Lesern, die mir das erklären können? Es ist alles so unsäglich vollhonkig.
Nun werden sicher missionierende Veganer vorgebracht. Ja, gibt es, sind lästig. Aber zum einen ist es oft so, dass Normalos sich ja schon missioniert fühlen, wenn sie jemandem begegnen, der offen zugibt Veganer zu sein. Zum anderen finde ich die missionierenden Fleischfans um einiges lästiger. Im Ernst, in Gegenwart von Veganern über Fleischkonsum zu reden ohne missioniert zu werden, ist in der Regel kein Problem. Aber ich habe bisher noch selten geschafft in Gegenwart von Normalessern über Veganismus zu sprechen ohne dass ein Missionierungsversuch für den Fleischkonsum gestartet wurde — und dabei bin ich noch nicht mal Veganer!
Und zum Abschluss noch das hier:


Was eine Vollhonk. Und sie muss auch noch ein verdammt beschissenes Sexleben haben, wenn es nur durch das Bewusstsein genießbar ist, dass für Gleitgel Tiere leiden mussten.


Dino-Dienstag 18

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diesmal sehr kurz geraten. Nähert sich da etwa ein Sommerloch?

Die Rückkehr von Dino-Huhn

Vorletzte Woche hatten wir zu den Versuchen, die Ähnlichkeiten zwischen Vögeln und Dinosauriern herauszustellen, Fortschritte von der amerikanischen Uni Yale. Damals ging es um die Entwicklung des Schnabels der Vögel aus den Schnauzen der Raptoren.
Diese Wochen kommt die Universität von Chile dazu. Diese hat es geschafft, Hühnerembryonen die Füße von Dinosauriern anzuzüchten. Die meisten Vögel haben eine relativ lange und nach hinten verdrehte hintere Zehe an jedem Fuß, die zum Boden reicht und beispielsweise zum Festklammern auf Ästen benutzt wird. Dinosaurier haben eine deutlich kürzere und grade gewachsene hintere Zehe, deren Nutzen unklar ist, sofern sie überhaupt einen hatte.
Um den Hühnern nun Dinosaurierfüße zu verpassen war keine genetische Veränderung notwendig: Die Forscher mussten die Küken in den Eiern lediglich betäuben. Bewegen sich die jungen Hühner nicht, wächst die vierte Zehe ebenso grade wie bei den Dinosauriern.
Das zeigt nicht nur erneut die nahe Verwandtschaft von Dinosauriern und Vögeln, es ist auch ein Beispiel für die unter Biologen immer klarer werdende Erkenntnis, dass die Gestalt vieler Lebewesen auch jenseits der Individuen nicht durch die Gene allein bestimmt wird.

Ein Huhn und sein Cousin Allosaurus im Fußvergleich

Ein Huhn und sein Cousin Allosaurus im Fußvergleich


Politische KW 22/2015

Hallo und willkommen zurück zur Politischen KW. Nach langer Zeit bin ich wieder stärker in der politischen Arbeit involviert. Zudem denke ich inzwischen, dass es doch einfach effizienter ist, ein Mal in der Woche gebündelt zu berichten.
Was die Politische KW ist? Ein wöchentlicher Bericht darüber, was ich in der vergangenen Woche politisch so getan habe.
Neu übrigens die unterstrichelten Wörter. Die sind ab sofort dazu da, Abkürzungen, Fach- und Insiderbegriffe zu erklären. Einfach Maus auf einen dieser Begriffe halten, eine kurze Erläuterung sollte erscheinen. Denn Politiker neigen ja leider sehr oft zu einer eigenen Sprache, die sich durch den täglichen Umgang mit verschiedenen Begriffen mit der Zeit einfach einschleicht.

Mittwoch traf sich der Umweltausschuss an der abgeschlossenen Regenabflussausbesserungsmaßnahme Bungtbach (die NEW spricht gerne von Renaturierung, weil das in vielerlei Hinsicht besser klingt). Wie ich aus der Presse erfuhr, fanden wir das alle ganz toll. Nun, sagen wir mal so, es ist ein positives Ergebnis, da geht aber noch was. Zum Beispiel eine Lösung für die unterirdisch durch Kanäle laufenden letzten 200 Meter die verhindern, dass sich jemals Leben von weiter unten im Flusssystem den Bach hoch ausbreitet. Das Wasser soll vorbildlich sauber sein. ich überlege, diese These zu testen, indem ich Brunnenkresse pflanze und schaue, wie sie dort gedeiht. Gut aussehen tut es auf jeden Fall.
In der eigentlichen Sitzung im Volksbad nach der Exkursion (nein, nicht badend, es gibt einen Veranstaltungsraum dort, wobei ein Umweltausschuss im Freibadbecken mal was anderes wäre) gab es dann Themen wie die Umstrukturierung der GEM, den Stand des Katastrophenschutzes (beides mit umfangreichen Diskussionen, beispielsweise interessierten mich die Möglichkeiten des Katastrophenschutzes, bei Stromausfall zu agieren), den Stand der Luftqualität und die Abfallstatistik anzuhören. Beschlossen wurde die Teilnahme der Stadt am Stadtradeln sowie unser Antrag, Möglichkeiten zu untersuchen, Müllbehälter auf Spielplätzen besser zu sichern, damit der Müll nicht über die Spielplätze verteilt wird.

Donnerstag galt es, die LDK in Bielefeld mit den Mönchengladbacher Grünen vorzubereiten.
Zu den restlichen Punkten und warum ich sie hier nicht weiter anspreche mehr unter dem Punkt Samstag/Sonntag, hier nur zu den zwei Themen, die ich als kontrovers betrachtete und daher dort gezielter vorstellte.
Da war zum einen der Antrag mit dem klaren Titel „Keine religiösen Symbole an und in Gebäuden des Landes“:

Der Staat – und damit auch das Land NRW – sind säkulare Angelegenheiten. Religiöse Symbole haben – von Regelungen des Denkmalschutzes abgesehen – an und in Gebäuden des Landes nichts verloren.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich dafür ein, dass alle staatlichen und kommunalen Stellen angewiesen werden, ggf. noch vorhandene Symbole abzuhängen.

Wer meine Position zu Religion kennt wird nicht überrascht sein, dass ich den voll unterstütze. Mir war aber auch klar, dass er kontrovers sein würde und so stellte ich ihn vor, um darüber zu debattieren. Ich hatte mir eine interessante Debatte erhofft und die gab es auch. Was ich nicht unbedingt erwartet hatte war, dass die Anwesenden in der Vorbereitung mit deutlicher Mehrheit für den Antrag stimmten. Immer schön, wenn man positiv überrascht wird.

Zum anderen gab es einen Antrag zu Ausschlusskriterien bei der Parteimitgliedschaft, ich habe den sich im Vergleich zur alten Fassung veränderten Passus unterstrichelt (für die alte Version die Maus auf den unterstrichelten Text halten):

Die Mitgliedschaft oder Mitarbeit in nationalistischen, rassistischen, antisemitischen, antifeministischen und/oder homophoben Organisationen ist mit einer Mitgliedschaft im Landesverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN nicht vereinbar

Die alte Fassung nutzt mit „neo-faschistisch“ einen schwierig abzugrenzenden Begriff. Die neue Fassung ersetzt ihn mit fünf noch schwieriger abzugrenzenden Begriffen. Okay, drei, auf den Inhalt von „homophob“ und „rassistisch“ können wir uns wahrscheinlich recht schnell einigen, auch wenn es da schwierige Grenzfälle gibt. Aber der Rest — ohje.
Antisemitisch — wir hatten vor drei Jahren eine Debatte zur Legalität der Beschneidung. Da fiel der Begriff des Antisemitismus recht häufig. Meine Position in der Debatte war recht eindeutig — und wurde teils klar als antisemitisch eingeordnet. In Amerika ist die Debatte so weit, dass israelkritische Juden (aus verschiedenen Gründen ein durchaus großer Teil des Judentums) als jüdische Antisemiten bezeichnet werden (Noam Chomsky ist ein prominentes Beispiel).
Nationalistisch — klar, niemand will eindeutige Pegida-Anhänger bei den Grünen, aber Nationalismus hört nicht an den deutschen Grenzen auf. Was ist mit den Nationalbewegungen in Schottland, Baskenland, Katalonien, Kurdistan? Oder der Nepalhilfe? Diese Gruppen sind alle in gewisser Weise nationalistisch. Wo ist die Grenze? Oder sind nur jene Nationalisten Nationalisten, denen wir keine Sympathie entgegenbringen? Nur jene, die wir nicht (nationalistisch) romantisieren können? Ich bin gar nicht gegen die Unabhängigkeit von Schotten, Basken, Katalonen oder Kurden. Aber wir sollten aufpassen, was die Begriffe, die wir so benutzen eigentlich bedeuten. Nationalismus etwa, (kurz gefasst) die Überzeugung, dass ein Volk mit dem es beherbergenden Staat möglichst deckungsgleich sein sollte.
Antifeministisch — das werfen sich verschiedene feministische Bewegungen ja gegenseitig an den Kopf. Weitgehend unbrauchbare Vokabel. Besonders eklatant, dass sich aktuell zunehmend Gruppen formen, die Feminismus durch Gleichberechtigung ersetzen wollen, welche dann als antifeministisch bezeichnet werden. Einige wollten zusätzlich oder statt dessen „sexistisch“ in der Liste haben — was zu bestimmten Formen des Feminismus in Widerspruch stünde. Alice Schwarzers Emma beispielsweise ist offen sexistisch, wenn sie Männer als die grundsätzlich schlechteren Menschen darstellt.
Es gibt noch ein paar formaljuristische Details, die in der alten Version aber identisch waren.

Freitag abend hätte ich eigentlich in Titz sein sollen, hätte ich mir den Termin nicht eine Stunde später notiert als er war. Damit habe ich meine Abfahrt in Wanlo verpasst. Sehr unangenehm, aber passiert. Habe mich mit Pizza und Freunden getröstet. Muss auch mal sein.

Samstag und Sonntag folgte die uninteressanteste LDK, die ich je erleben durfte. Die haben wir vermutlich gemacht, damit wir dieses Jahr eine gemacht haben (und um ein paar Gremien wie den Landesfinanzrat und den Landesfrauenrat zu besetzen, was halt auch nötig ist). Im Grunde haben wir in den Anträgen zu den politischen Inhalten der Partei das grüne Parteiprogramm noch einmal bestätigt. Jedenfalls bin ich ziemlich sicher, dass es wenige überraschen wird, dass Grüne für Naturschutz, Klimaschutz, kulturelle Pluralität, Nachhaltigkeit in jeder Hinsicht, Hilfe für Flüchtlinge, freies Internet und so weiter einstehen. Egal, was Kretschmann unten in Stuttgart erzählt, Kretschmann ist nicht die Partei.
Bis auf einen kleinen Einwurf zum Elektrosmog beim Thema Freifunk, der dennoch mit höchstens zehn Gegenstimmen angenommen wurde, lief praktisch alles einstimmig. Die Debatten bestanden dann auch aus Ausführungen, warum der Antrag zu unterstützen sei (bis auf das Freifunk-Thema eben). Fad. Mein größtes Amüsement war es, im Foyer den Stand von Gelsenwasser auszulachen, weil Gelse in österreichisch Stechmücke heisst und Gelsenwasser somit Mückenbrühe.
Übrigens hatten wir für den Freifunk einen Bonusgladbacher aus einer anderen Partei dabei: Reiner Gutowski von der Piratenpartei durfte uns danken, dass wir sein Projekt unterstützen.

Na, wo ist Walter?

Na, wo ist Walter Reiner?


Zu meiner großen Enttäuschung gab es keine Abstimmung zu den beiden kontroversen Anträgen. Deren Bearbeitung will nun der Landesvorstand übernehmen. Schade ist dies vor allem um den Antrag gegen religiöse Symbole. Der hatte keine ernsthaften Chancen auf eine landesweite Mehrheit, aber das war für mich auch nicht der Punkt: Er hätte eine interessante Debatte ausgelöst. Und so etwas brauchen wir dringend. Wir Grüne. Wir Nordrhein-Westfalen. Wir Deutsche. Wir Bürger der bräsigen Republik Merkel.

Was nicht heissen soll, dass es dort nichts zu tun gab: Wenn es inhaltlich wenig interessant ist, nutzt man die Zeit zwischen den Abstimmungen halt, um sich mit den Kollegen aus den anderen Städten und Kreisen politisch auszutauschen und zu koordinieren.

Ein Highlight war dann aber am frühen Sonntag die Rede von Toni Hofreiter. Ein Rundumschlag der Themen der Partei mit der spürbaren Lust, sie offensiv in die politische Debatte zu bringen und die Regierung herauszufordern. Und mit Zitaten wie diesen:

Na, wer findet meinen Hinterkopf? Bild: dpa/Krato

Na, wer findet meinen Hinterkopf? Bild: dpa/Krato

Auf Twitter habe ich meine Kritik natürlich etwas diplomatischer formuliert, die richtigen werden es verstanden haben:


„Harmonisch“…

Sonstiges: Dienstag gab es eine Fraktionssitzung zur Vorbereitung der Woche, aber die sidn meistens nicht spannend genug, um da etwas zu berichten


Freitägliche Fünf 29.05.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal mit Grün jeglicher Art und einem Bonussaurier.

1. In Frankreich müssen die Dächer von allen neuen Bauten in Gewerbegebieten zukünftig begrünt oder mit erneuerbaren Stromerzeugern ausgestattet werden.

2. Diese freundliche Erdbeere

Diese Erdbeere mag dich

Diese Erdbeere mag dich

3. Hier gibt es eine pedalbetriebene Waschmaschine, gedacht für Entwicklungsländer. Kostenpunkt 40 US$ und läuft halt ganz ohne Strom. Das ist im Grunde für Entwicklungsländer, aber ich finde das durchaus auch interessant, denn die sieht relativ klein aus und eine handelsübliche Waschmaschine ist für mein Wäscheaufkommen absolut überdimensioniert, was mich stört.
Wie wär’s mit einem Querfinanzierungsmodell — für 80$ verkaufen, dann gibt es je eine für den Käufer und eine für (sagen wir mal) den Sudan. So was gab es ja mal mit Laptops.

4. About damn time: EA nimmt in FIFA 16 die Frauennationalmannschaften ins Spiel auf.

5. Es gibt einen Plüschmosasaurier zu Jurassic World. Und der ist sooooooo süß:

Plüsch-Mosasaurier

Vor allem, wenn er versucht, böse zu kucken


Tipps: Produktivität erreichen, Aufschieberei beenden

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Dieses Blog ist Zeugnis für zwei Dinge: Meine Neigung zur Aufschieberei und meinen Weg in eine produktivere Arbeitsweise. Nach langem Dahindümpeln konnte ich es aus der Letargie befreien. Damit spiegelt es auch meine restliche Schreibtätigkeit wider.
Da ich weiss, dass viele damit kämpfen, insbesondere andere Schreiber diverser Zünfte (ob Texter, Autoren, Forscher, Politiker oder Journalisten), dachte ich mir es würde lohnen festzuhalten, mit welchen Ansätzen ich zurück in die Produktivität gefunden habe.
Warnung: Es folgt Text. Eine Menge Text.

Nicht alle Zeit ist gleich

Ich habe lange mit dem Ansatz gearbeitet, ohne Bürozeiten sehr flexibel sein zu können: Arbeiten, wann ich will, wo ich will, solange die Arbeit halt nur erledigt wurde. Das ist, wie ich inzwischen feststellen muss, keine sonderlich gute Idee.
Der Biorytmus ist eine tückische Angelegenheit. Es ist wohl allgemein bekannt, dass wir im Laufe des Tages besser und schlechter für kreative Arbeit geeignete Zeiten haben. Wenn man diese effektiv nutzt, ist das hervorragend. Und da Kreative nach meiner Erfahrung in überwältigender Mehrheit nachts ihre beste Zeit haben ist es dabei auch gut, nicht an die üblichen Bürozeiten gebunden zu sein.
Aber es gibt da auch eine Falle: Die Zeiten, in denen unser Geist am aktivsten ist und uns das Schreiben somit am leichtesten fällt ist auch jene Zeit, in der wir uns am leichtesten ablenken lassen. Eben weil unser Geist am aktivsten ist. Und zumindest bei mir ist es so: Wenn die Zeit nicht klar dem Schreiben gewidmet ist, erliege ich auch den Ablenkungen und verschiebe die Arbeit auf andere Zeiten — die allerdings deutlich weniger dafür geeignet sind. Die Arbeit schleppt sich dann nur noch voran und nur hin und wieder bleibt Zeit, auch bei den eigenen Sachen weiter zu kommen.
Das habe ich überwinden können, indem ich der Schreibarbeit eine klare Uhrzeit zugeordnet habe. Und da ich abends oft weg bin (das kommt davon, wenn man in der Politik aktiv ist) ist das nun doch wieder die Zeit von 13–17 Uhr geworden — Mittagessen als Startpunkt und die Belieferung von eBooks für lau am Abend als Endpunkt.
Das mag sich nicht mit meinen täglichen Hochs decken, aber da ich diese Zeiten in der Woche jeden Tag einhalten kann, sorgt die Reservierung der Zeit und die Regelmäßigkeit für bessere Ergebnisse als die vorherige Verzeitung am Abend, wo ständig Termine, Verabredungen und allgemein die Zeitpläne vieler anderer Menschen mit meiner Arbeit ins Gemenge kommen.
Vor Jahren habe ich den Morgen zum Schreiben genutzt, als ich noch täglich die Videospielseite Sporle & Co. gefüllt habe. Auch das ist eine Zeit, zu der einen so gut wie nichts und niemand stört. Das geht also auch. Nur eines ist klar: So motiviert wir abends auch sein mögen, es ist eine Scheisszeit zu Arbeiten, weil alle anderen abends eben nicht arbeiten. Lasst den Abend von vorneherein für das soziale Leben frei, alles andere gibt nur Kuddelmuddel.
Und was den Biorytmus angeht: Der ist kein Naturgesetz. Euer Verhalten formt euren Rytmus, nicht umgekehrt. Das Umgekehrte ist nur die Trägheit eurer vorherigen Verhaltensweisen. Einzig der Tag-Nacht-Verlauf ist von der Natur vorgegeben, die weiteren Feinheiten liegen bei euch.

Routine hilft

Nein, das ist nicht das selbe wie der vorherige Punkt. Sicher, tägliche Routine hilft, aber das muss ich nicht weiter betonen, das wird euch jeder sagen, der etwas über Produktivität erzählen möchte.
Routine kann auch höhergeordnet sein: Ebenso wie die tägliche Routine hilft mir auch die wöchentliche Routine. Das klare Wissen, was am jeweils heutigen Tage zu tun ist, ohne lange überlegen oder im Kalender nachschlagen zu müssen, ist eine unglaubliche Hilfe. Ich setze mich an den Schreibtisch und weiss sogleich meine erste Aufgabe und vielleicht auch die zweite und dritte. Sofort stellt sich dieses Gefühl ein, aus einem Sinn hier zu sitzen. Und danach das motivierende Gefühl, etwas geschafft zu haben, was zu mehr geschaffter Arbeit führt. Da ist der menschliche Geist dann wie ein Fahrrad: Ein Mal richtig in die Pedale getreten rollt es auch eine ganze Weile weiter.
Ich habe das erstmals mit den freitäglichen Fünf bemerkt, die ich seit der Einführung zunehmend zuverlässiger fristgerecht einstellen konnte. Die Wiedereinführung des Dino-Dienstag (zugleich eine begleitende Maßnahme zu meinen Sachbüchern zum Thema) sowie die neue Mediale KW verstärkten den Effekt noch und inzwischen habe ich ein klares Muster für Veröffentlichungen hier im Blog:

Wochenplan thomasdiehl.eu
Montag: Mediale KW
Dienstag: Dino-Dienstag
Mittwoch: Sonstiges (wenn etwas vorliegt), neue Veröffentlichungen grundsätzlich mittwochs
Donnerstag: Beiträge zu Bloggen, Schreiben, Selbstverlag
Freitag: Freitägliche Fünf
Samstag: Ruhetag
Sonntag: Politische KW (Neustart ab kommenden Sonntag)

Somit habe ich die Woche im Blog immer gut gefüllt. Zudem erhalte ich etwas, was ich als gutes Verhältnis von persönlichen Beiträgen (Montag, Freitag), begleitenden Beiträgen zu meinen Veröffentlichungen (Dienstag, Donnerstag) und Politik (Sonntag) betrachte, mit dem Mittwoch als Puffer für aktuelle Entwicklungen. Das war so nicht geplant, aber nachdem ich ein Mal die drei Serien auf jeweils einen festen Tag gesetzt habe, hat sich das ergeben und ich glaube, das Blog profitiert erheblich davon.

Portionieren

Diesen Tipp gibt praktisch jeder Ratgeber zu Produktivität, aber es lohnt sich, ihn zu wiederholen: Große Projekte in einem Schwung perfekt abschließen zu wollen bringt nichts ausser Frust.
Dieses Blog ist ein gutes Beispiel: Ewig habe ich an seinem Design gearbeitet, alles auf ein Mal fertigstellen und einsetzen wollen. Und damit blieb ich stecken.
Am Ende habe ich das neue Design in einer imperfekten Form aufgeschaltet, um endlich die grobe Struktur da zu haben und den Rest nach und nach ausbessern zu können. Und das funktioniert: Seit ich auf das neue Design der Seite gewechselt habe, habe ich fast jeden Tag eine Kleinigkeit verändert und es stetig verbessert. Der RSS-BUtton ist neu, der Punkt „…anderswo“ in der Seitenleiste ebenso, die Technik hinter den Tabs habe ich von z-index-Änderung auf display-method-Änderung umgestellt, die Beitragstitel interagieren jetzt mit dem Blogtitel, es gibt jetzt einen Druck- und ePub-Export — allerlei Kleinkram halt.
Der Versuch, all die kleinen Änderungen auf ein Mal umzusetzen hätte darin geändert, dass ich wochenlang nichts getan hätte mit dem Gefühl, für so etwas großes grade keine Zeit zu haben.
Sicher, das führt auch dazu, dass das Blog noch nicht komplett fertig ist, aber wisst ihr was? Zum einen gibt es gar keine „fertigen“ Webauftritte, zum anderen ist es fertiger als es wäre, hätte ich weiter versucht, alles auf ein Mal zu schaffen.

Bloggen

Apropos Blog: Bloggen ist eine perfekte Tätigkeit, um Prokrastination zu überwinden. Am Ende steht ein kompletter kurzer Text da. Man hat etwas geschafft! Da geht doch bestimmt noch mehr. Yay, Motivation!

Freizeit ist wichtig

Bei allem Reden über Produktivität habe ich doch eines festgestellt: Wochenenden sind wichtig. Egal, wie sehr ihr eure Arbeit liebt, irgendwann fängt es an zu schlauchen.
Nehmt euch eine Auszeit am Wochenende. Mit wöchentlicher Routine ist das kein Problem, denn was am Montag zu tun ist, regelt diese ja.

Fuck eMail

eMail. Wir alle nehmen eMail einfach zu verfickt ernst. Also ich zumindest.
Und eMail stört ständig. Da kommt dann mal eben die Mitteilung über ein paar neue Mails und zack, ist man raus aus dem, was man grade getan hat. Ich schaue jetzt nur noch ein Mal morgens und ein Mal abends in die Mails und habe unglaublich viel Zeit gewonnen. Und nicht nur das: Erstmals seit langem schaffe ich es sogar, dass die Zahl meiner ungelesenen und unbearbeiteten eMails sinkt. Im letzten Monat immer in kleinen Schritten, aber immerhin von 2434 auf aktuell 1595 (angesammelt auf meinem Gmail-Konto seit 2011).

Ausprobieren

Und zum Schluss eine ganze wichtige Sache: Probiert es selber aus. Jede Jeck is angesch, wie man im Rheinland sagt.
Manche Tipps werden für euch funktionieren, andere nicht. Im März habe ich im englischen Blog darüber berichtet, wie ein in Amerika extrem beliebter Tipp, Standpulte als Arbeitstische, für mich völlig nach hinten losgegangen ist. Viele andere Autoren haben damit hervorragende Erfahrungen gemacht.
Und das ist okay. Nur wer selber etwas ausprobiert, lernt sich selbst kennen. Und nur wer sich selbst kennt findet am Ende seinen Weg, das Beste aus sich herauszuholen.