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Dino-Dienstag 14

OMG, ein Flurrit!

Okay, es ist Zeit, euch in ein Geheimnis einzuweihen: Paläontologie ist eigentlich ein Wettbewerb, bei dem es darum geht, die fiktiven Kreaturen aus Dougal Dixons The New Dinosaurs im realen Leben zu finden. Und just diesen Monat können wir den Flurrit aus der Suchliste streichen.

Yi qi war Teil einer größeren Gruppe von Dinosauriern mit seltsam langen Fingern. Mit diesem Fund kommt nun eine neue Erklärung für diese Finger auf: Sie bildeten mit einem zusätzlichen Knochen Halter einer Flug- oder Gleithaut. Das Ergebnis ist eine absolut neuartige Form von Dinosauriern, mit der niemand gerechnet hätte. Ich habe es letzte Woche beim Chilesaurus gesagt und ich sage es erneut: Wir haben trotz all der Funde der letzten 150 Jahre immer noch keine Ahnung, was wir alles noch nicht entdeckt haben.
Nicht alle Forscher sind überzeugt, dass Yi mit seiner seltsamen Hand eine Flughaut aufspannte, aber bis jetzt ist niemand auf eine andere Erklärung gekommen.

Gottesschaben! Kakerlabeterinnen! …alte Insekten halt

Die wenigsten interessieren sich für die Evolution der Insekten, insbesondere, wenn es um Küchenschaben geht. Weshalb sich das Gerücht, Küchenschaben hätten sich ewig lang nicht verändert, hartnäckig hält (ähnlich wie Haie, aber auch da ist es ein Gerücht).
Aber die Schaben haben ja noch Verwandte mit einem deutlich besseren Ruf: Gottesanbeterinnen. 100 Millionen Jahre alter Bernstein aus Myanmar hat sich als Fundgrube für jene Zeit entpuppt, in der die Gottesanbeterinnen entstanden zu sein scheinen. Zu den bekannten Urmantiden gesellt sich nun also Manipulator modificaputis, eine Art extrem langbeinige Schabe mit kleinem Kopf auf einem langen Hals. Das wunderschöne Fossil in aussergewöhnlich klarem Bernstein wird den Forschern sicher viel Freude bereiten.

Und ein Fisch

Etwas hinter den anderen beiden Funden steht Kenyaichtys, eine neue Fischgattung aus der Verwandtschaft der Kilifische. Die Kilifische sind für sich genommen recht interessante Lebewesen – extrem schillernde Süßwasserfische, deren Eier lange Zeit auf dem trockenen überleben. Sie leben meist in Regentümpeln trockener Regionen. Manche Arten können wochenlang an der Luft überleben und eine Art stellt sogar die einzige Art selbstfruchtbarer Hermaphroditen unter den Wirbeltieren.
Das sind alles faszinierende Eigenschaften, aber auch solche, die man den Fossilien kaum ansieht. Immerhin sind sie die einzigen bekannten Fische aus der Familie Rivulidae, die nicht aus Amerika stammen.


Mediale KW 18/2015

Deutlich bessere Woche als die letzte Woche. Jetzt mit Angabe zu Genre, Herkunft und der Sprachversion, die ich für die Bewertung zum Maßstab nehme (mit Angabe, falls deutsch verfügbar ist).


Wo die Zukunft war: Das Gernsback-Kontinuum (Buch/Kindle)

Fantastic Realism (?), William Gibson 2015, deutsche Übersetzung
William Gibson hat als einer der Begründer des Cyberpunk sehr deutlich erleben können, wie es ist, wenn die Science-Fiction von der Zukunft überholt wird. So verwundert es nicht, dass grade er eine solche Geschichte schreibt: Ein Fotograf reist durch die USA, um die Überreste jener Zukunft festzuhalten, die man sich in den 50ern vorstellte. Spektakuläre Bauten und Ideen einer Zukunft, die nie Gegenwart wurde. Je mehr er sich damit beschäftigt, um so öfter sieht er Stücke dieser Zukunft vor seinen Augen, für kurze Momente werden sie gleichsam wahr.
Das Gernsback-Kontinuum ist weniger eine Kurzgeschichte als ein Setting und hat schon daher etwas von einer Kurzgeschichte, die normalerweise nicht Text wäre. Es ist die textliche Version des Bildes eines surrealistischen Künstlers, der in seinen Bildern Geister der Vergangenheit über die heutige Welt legt. Und wie bei einem Gemälde sind die Fragen nicht im Text oder im Subtext, es sind keine Fragen des Werkes. Die Fragen sind im Geist des Betrachters, es sind seine Fragen. Wohin geht die Zukunft, wenn sie nie war?
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Grüne Schulterbeklopfung: Das konvivialistische Manifest (Buch/Kindle)

Gemeinsame Erklärung, Frankreich 2013, deutsche Übersetzung
Das konvivialistische Manifest ist einer dieser großen Texte, die für andere Leute als mich gedacht sind. Einfach, weil ich das alles nicht nur bereits gelesen habe und weiss, sondern auch, weil es bereits weitgehend mit meinen Überzeugungen übereinstimmt. Wachstum braucht Maß, die Erde geht kaputt, die Gier einiger Mächtiger verschiebt das Gleichgewicht der Mächte zum Schaden der Mehrheit… ich muss diese Selbstverständlichkeiten nicht wieder und wieder in irgendwelchen Manifesten und [Verb]t-Euchs lesen, das ist schlichtweg Zeitverschwendung die davon abhält, den Arsch aus dem Sessel zu bewegen um was an diesen Problemen zu tun.
Wenn sich mein Hintern in einem Sessel befindet um Medien zu konsumieren, verlange ich als allermindestes, etwas Neues zu erfahren.

Nietzsche im U-Boot-Krieg: Arpeggio of Blue Steel (Serie/Netflix)

Science-Fiction, Japan 2013, OmU

2039: Eine plötzlich auftauchende Flotte gehobener Schiffe des 2. Weltkriegs vernichtet, ausgestattet mit Waffen jenseits allem, was die Menschheit kennt und gesteuert von Künstlichen Intelligenzen, alle Verbindungen zwischen den Kontinenten. Die Nebelflotte genannten Schiffe machen es unmöglich, sich aufs oder über das offene Meer zu begeben. Japan, abhängig von Lieferungen aus Übersee und ohnehin schwer von den steigenden Meeresspiegeln des Klimawandels getroffen, steht am Rande des Zusammenbruchs. Seine letzte Hoffnung ist ein neu entwickelter Torpedo, den es aber in seiner Lage nicht mehr selbst in ausreichender Menge herstellen kann – der Prototyp muss über den Pazifik in die USA gebracht werden. I-401, ein desertiertes U-Boot der Nebelflotte, ist das einzige Schiff, das eine solche Fahrt überleben kann.
Das alles ist nur der Hintergrund für die eigentliche Geschichte. Eingebettet in beeindruckende Seeschlachten und versteckt hinter etwas, was zunächst ein Harem-Anime (Anime-Genre mit einem männlichen Protagonisten unter zahlreichen Frauen, die ihn alle begehren) zu drohen scheint, beginnt Arpeggio of Blue Steel schnell, ernste Fragen zu stellen.
Die Schiffe arbeiten auf Direktive der „Generaldirektive“ ohne zu wissen, woher diese (oder sie selbst) eigentlich kommen. Doch durch ihre neuen menschlichen Avatare und in Kontakt mit I-401 und ihrem Kapitän, Gonzou Chihara, beginnen die KIs der Schiffe, sich zu verändern. Sie entwickeln Persönlichkeiten, Emotionen, beginnen ihre Funktion als Waffen für einen unbekannten Auftraggeber in Frage zu stellen. Diese internen Konflikte der Nebelflotte sind das eigentlich interessante an der Serie. Man kann das auf so viele Arten lesen, ich wage kaum eine Auswahl: Religiöser Schismus, Auswirkungen von Sinnsuche auf die Weltsicht, Gehorsam gegen Autonomie, eine Möglichkeit der Weiterentwicklung einmal geweckter KI, das Wesen des Menschseins, Krieg und seine Waffen. Dass am Ende einige der wesentlichsten Fragen nie beantwortet wurden, ist dabei kein Fehler, es ist ein weiteres Statement. Die Welt ist nicht einfach und am Ende macht sie nicht einmal wirklich Sinn. Dass der Turm der I-401 mit einem Nietzsche-Zitat geschmückt ist, ist kein Zufall.
Serie bei Crunchyroll | Netflix

Anderdisney: Bärenbrüder (Film/Netflix)

Fantasy-Abenteuer, USA 2003, englisch (deutsche Synchro verfügbar)

Wie sähe Hollywood aus, wäre es nicht christlich, sondern schamanistisch geprägt? Disneys Ausflug in die Steinzeit gewährt einen Einblick in eine solche Parallelwelt.
Der junge Jäger Kenai provoziert einen Bären zum Angriff, was seinen Bruder das leben kostet. Erfüllt von Wut tötet Kenai den Bären, aber wird dafür von den Geistern der Verstorbenen bestraft: Er wird selbst zum Bären, verfolgt von seinem verbliebenen Bruder, der bei aller vorgetragener Ruhe nach dem zweiten Tod eines Geschwisters nun seinerseits auf Rache aus ist.
Bärenbrüder ist der Disneyfilm mit den klar schlechtesten Kritiken. Das ist unfair, wenigstens nach dem zu urteilen, was ich bisher von Home on the Range gehört habe. Der Film hat seine Fehler, etwa den deutlich schlechter als in Tarzan eingebundenen Phil Collins, der für genau einen Song auftaucht, wahrscheinlich damit man was für den Trailer hat. Die Geschichte ist jetzt auch nicht die kreativste der Welt und der große Twist ist nur für Koda und Kenai selbst ein solcher, Zuschauer dürften ihn beim ersten Treffen mit Koda kommen sehen.
Keines von Disneys großen Meisterwerken, aber trotzdem ein Film, den man wenigstens ein Mal gesehen haben sollte, um etwas gänzlich anderes aus diesem Hause zu sehen.
Film bei Netflix

Diesmal mit Buchbezug: The Congress (Film/Netflix)

Science-Fiction, Frankreich/Israel 2013, englisch (deutsche Synchro verfügbar)

Stanisław Lems Der futurologische Kongress wurde nie verfilmt, obwohl es einer der Bände um Ijon Tichy ist – die Folge der nach ihm benannten Serie mit dem selben Titel basiert auf einer komplett anderen Geschichte lems. Das ändert auch Ari Folman nur teilweise, denn sein Film ist mehr inspiriert von Lem, als eine Umsetzung. Übenrommen hat er dabei seltsamerweise jene Teile der Geschichte, die am schwersten verfilmbar erscheinen.
Schauspielerin Robin Wright erhält das Angebot, von der Filmfirma Miramount digitalisiert zu werden. Echte Schauspieler verschwinden und werden durch digitale Nachbildungen ersetzt, die für die Studios berechenbarer, günstiger und breiter verwertbar sind. Robin, in ihren 40ern und damit nicht mehr das junge hübsche Mädchen, das Hollywood in ihr sucht, stimmt nach einigen Bedenken zu. 20 Jahre später wird sie erneut von Miramount eingeladen, diesmal zum futurologischen Kongress in Abrahama, einer Stadt, in der alle Einwohner und Besucher durch die Einnahme von Drogen eine gemeinsame Illusion sehen, eine Welt aus Zeichentrickfiguren, in der alles möglich scheint. Bei einem Überfall auf Abrahama bekommt Robin eine Überdosis Hallucinogene ab – sie kann nicht länger zwischen Realität und Illusion unterscheiden und wird eingefroren, bis eine Heilung möglich ist. So kommt sie schließlich weitere 20 Jahre in die Zukunft: Ihr Zustand ist zum Normalzustand der Menschheit geworden, die „andere Seite der Wahrheit“ hinter den Illusionen ein rätselhafter Ort, den niemand mehr wahrnimmt.
Dies sei direkt gesagt: Wer Logiklöcher sucht, der wird sie zuhauf finden. Es ist völlig unklar, wie sich die hallucinogene Welt zur echten verhält, wie irgendjemand in der Illusion überlebt oder wie diverse Aktionen in der Animation auf die echte Welt zurückwirken. Vielleicht ist alles eingebildet und alle stehen nur ins Leer stierend herum, aber dann macht die Autofahrt zum Kongress keinen Sinn.
Bei Lem geht es aus der Welt des Kommunismus in die Halluzination. In gewisser Weise macht es sogar mehr Sinn, die Geschichte nach Hollywood zu verlegen und mit der Digitalisierung in Verbindung zu bringen.Eine Zukunftsvision, in der niemand mehr die reale Welt kennt oder auch nur wahrnimmt hat im Internetzeitalter noch ein Mal einen ganz anderen Schlag.
The Congress gehört zu den Filmen, die man nicht als Film aufnehmen sollte, dann fällt er in sich zusammen. Er ist eine reine Metapher für eine aus den Rudern laufende Welt und die immer mehr zur parallelen Scheinwelt werdende Allgegenwart der Medienkonzerne.
Film bei Netflix

Feminismus-Schau: Die Anstalt 29.04.2015 (Show/Youtube)

Kabarett, Deutschland 2015, deutsch

Ja, die Anstalt ist auch dann noch gut, wenn ich beim Thema nicht mit den Machern übereinstimme. Konkret stört mich etwas der Singular des Femismus, als würden Alice Schwarzer und Charlotte Roche sich zur selben Bewegung zählen.

Ringelreihen mit Popcorn: Looper (Film/BluRay)

Science-Fiction, USA 2013, englisch (deutsche Synchro verfügbar)

Ein vergessener Nachtrag aus der letzten Woche. 2044: Eine Art Mafia des Jahres 2074 nutzt die einzige existierende Zeitmaschine, um Menschen in der Vergangenheit töten zu lassen und so ihre Spuren zu verwischen. Das letzte Opfer jedes Killers (so genannte Looper) ist man selbst, dann geht es für die restliche Zeit in eine luxuriöse Rente, bis man an den Punkt seiner Zukunft gelangt, an dem man zu seinem jüngeren Selbst geschickt und erschossen wird. Joe ist ein Looper, macht seine Arbeit und wird dafür reich. Doch plötzlich steht ein Looper nach dem anderen vor seinem letzten Opfer – und da Joe im Alter zu Bruce Willis wird, entkommt dieser. Von jetzt an verfolgt Joe sein älteres Selbst, die Looper-Organisation verfolgt beide und der alte Joe sucht den späteren Boss der Loopers, damit das alles nie geschehen sein wird.
Die Logik von Zeitreisen ist schwierig, aber ich halte mich in solchen Fällen an die Maxime: Wir haben keine Erfahrung mit Zeitreisen, ergo wissen wir auch nicht das Geringste darüber, welche Folgen vermeintliche Paradoxone haben oder wie und ob Kausalität Zeitreisende nach ihrer Ankunft in der Vergangenheit trifft. Okay? Gut!
Nur bleibt ansonsten nicht viel zu sagen: Looper ist unterhaltsames Popcornkino. Was heraussticht, ist das Ende. Nicht nur, weil es überrascht, sondern auch, weil es so unfilmisch ist. Es ist ein Ende, das man vom geschriebenen Text erwarten kann, wo seine Plötzlichkeit in der Beschreibung ausgeglichen wird. Im Film geschieht das Ende in kaum mehr als einer Sekunde und alles ist mit einem einzigen Schnitt vorbei. Womit dieser Beitrag den Kreis mit dem Gernsback-Kontinuum am Anfang geschlossen hat.


Verspätete Fünf 02.05.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Und an Karfreitag sowieso, da ist das ja vorgeschrieben. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche einen Tag später, weil ich gestern schlichtweg nicht in der Gemütsverfassung war, diesen Beitrag zu schreiben. Zu sehr habe ich mich über einige Dinge in Verbindung mit dem Nazi-Aufmarsch in der Stadt aufgeregt.
Zusammenfassung in einem Absatz: Könnten wir Ihnen eine Demonstration davon anbieten?

1. Beginnen wir die Woche mit der Anti-Kohle-Kette am 25. April. 7.000 Menschen bildeten eine Kette von menschen, die westlich vom Tagebau Garzweiler II sechs Kilometer lang von Immerath über Borschemich bis Keyenberg reichte.
Ich durfte hier eine Gruppe von 30 Radfahrern vom Hauptbahnhof Mönchengladbach nach Borschemich führen, weitere Gladbacher kamen per Bus, Auto oder separat mit dem Fahrrad hinzu, ebenso natürlich noch ein paar tausend andere Menschen aus halb Europa. Es war eine schöne Tour über einige der schönsten Wege der Stadt mit gut gelaunten Leuten, die Demo selbst war ebenso gut gelaunt und ein angenehmes Zusammentreffen mit teils ewig nicht mehr gesehenen Menschen.

Radtour zur Braunkohlekette in Wanlo (Foto: Jürgen Küsener)

2. In Afghanistan gibt es ein Gesetz, das Frauen verbietet, Fahrrad zu fahren. Das ist so furchtbar dumm, es ist zum Schreien. Nun gibt es eine Organisation, die Abhilfe verschafft – mit Skateboards.

3. Witzig: Elektrofahrer testen mal so ein Auto mit Verbrennungsmotor.

4. Mein Hardwarepark ist um mein erstes Tablet gewachsen. Mal sehen, ob das gebrauchte Toshiba Folio 100 das Potenzial zeigt, meinen Laptop bei einigen Dingen und mittelfristig ganz zu ersetzen. Der Nachfolger zu meinem Laptop soll ja eh ein Tablet werden, vor allem wegen der Flexibilität und des geringeren Stromverbrauchs.

5. Wie es endete, so möge es auch beginnen: Etwa 2.000 Menschen stellten sich am gestrigen Freitag gegen eins mit viel Müh und Not angekarrtes Grüppchen von 153 Anhängern der NPD. Letztere schafften es dann auch nicht bis zu ihrem vorgesehenen Kundgebungsplatz. Allerdings beschallten sie statt dessen im südlichen Eicken unter anderem den Geburtstag des Margarethengartens mit so lustigen Thesen wie der Schuld der Ausländer daran, dass Kindergärten nicht kostenlos seien.
Wie dem auch sei, das Vorhaben der Nazis scheiterte und es trat das größte Bündnis gegen diese trottel auf, dass sich je in Gladbach zusammengesetzt hat.

Sah voll aus am 1. Mai 2015 vor dem Hauptbahnhof MG


Der Wermutstropfen hierbei ist natürlich die komplette Abwesenheit der CDU (und vielleicht auch der FDP, aber die paar Nasen kann ich auch leicht in der Masse übersehen haben). Begründet wird dies u.a. mit der Anwesenheit von „Linksextremen„, schließlich spräche man sich gegen jeden Extremismus aus. Ich sag da jetzt mal nichts zu, hab mich gestern schon genug aufgeregt.


Dino-Dienstag 13

Lang ist es her, dass Dino-Dienstag 12 hier im Blog seinen Platz fand. Und nachdem ich nun ständig den Dienstag verpasste um die Serie weiterzuführen, hat sich einiges getan. Es sei nunmehr das Wichtigste ausgewählt und zusammengefasst.
Also dann:

Pflanzenwelt und Pilze

In China ist ein hervorragend erhaltener Wald aus dem Perm in einer Kohlemine entdeckt worden. Der bei einem Vulkanausbruch verschüttete Wald ist für Paläobotaniker schon deshalb interessant, weil nach dem Perm die Spaltung Pangaeas in die heutigen Kontinente begann. Während die Sumpfwälder des vorherigen Karbon etwa im Ruhrgebiet ausgiebig erforscht sind, weiss man noch wenig über die Wälder in der deutlich trockeneren Welt des Perm. Der Wald scheint ein später Überrest der gewaltigen Karbonwälder zu sein.
Aus Königsberg kommt der älteste Fund einer fleischfressenden Pflanze in Bernstein. Allerdings ist nicht klar, ob es eine wirkliche fleischfressende Pflanze war: Heutige Pflanzen dieser Form fressen gefangene Insekten nicht selber, sondern ernähren sich davon, dass Wanzen die gefangenen Insekten fressen und dann für die Pflanze nahrhafte Ausscheidungen produzieren. Es ist eine der seltsamsten Symbiosen im bekannten Tier- und Pflanzenreich.
Noch spektakuläreres hat Mynamar im Bernstein zu bieten: Dort tauchte nicht nur das bis dato älteste Fossil von Gras auf, welches erst gegen Ende des Zeitalters der Dinosaurier auftauchte und damals noch selten war. Nein, auf der Graspflanze saß auch noch ein Pilz, genauer eine Art der auf Gräser spezialisierten Mutterkornpilze. Die Presse machte daraus Dinosaurier auf LSD-Trips, weil sie halt die Presse ist. Da muss ich aber enttäuschen: Mutterkorn enthält zwar Gift, aber für LSD muss man das schon noch etwas bearbeiten, sonst ist es nur, nun, Gift.

Sexualdimorphe Stegosaurier

Rückenplatten bei Stegosaurusmännchen und -weibchen (Bild: Evan Saitta)


Sexualdimorphismus, also das unterschiedliche Aussehen von männlichen und weiblichen Exemplaren einer Art, ist uns Menschen nicht unbekannt, immerhin gehört unsere Spezies zu den extremsten Beispielen dieses Phänomens unter den Wirbeltieren. Bei ausgestorbenen Lebewesen ist das schwer nachzuweisen, aber möglicherweise gesellt sich Stegosaurus zu den wenigen Beispielen: Evan Saitta aus Bristol kommt in seiner Forschung zu dem Ergebnis, dass die auffälligen Rückenplatten des bekannten Dinosauriers unterschiedliche Geschlechter erkennen lassen.
Die Funktion der Rückenplatten dieses Dinosauriers ist immer noch ein völliges Rätsel und mit Saittas Forschung sidn wir möglicherweise einen Schritt näher an der Lösung.

Knochenfressende Würmer fraßen schon Saurierknochen

Die Wurmgattung Osedax, die sich heute von auf den Meeresgrund gesunkenen Walknochen ernährt, ist offenbar deutlich älter als die Wale: Forscher fanden Fraßspuren an den Knochen von Plesiosauriern, 50 Millionen Jahre älter als die ältesten Wale. Das bedeutet aber auch, dass die große Vielfalt an Meeresreptilien aus der Zeit der Dinosaurier nur ein Ausschnitt der tatsächlichen Vielfalt sein dürfte, denn viele Skelette wurden von knochenfressenden Würmern gefressen, bevor sie je zu Fossilien werden konnten.

Chilesaurus

Hier ist ein pflanzenfressender Theropode, der eine so bizarre Kombination an Merkmalen aufweist, dass momentan niemand so genau weiss, was zum Teufel das für ein Tier ist. Aufgrund der seltsamen Mischung hat es den Spitznamen „Schnabeltier der Dinosaurier“ erhalten.
Es ist ein Theropode (fleischfressende Dinosaurier) mit den Armen eines T. rex und den Zähnes eines Pflanzenfressers. Er hat ein paar Ähnlichkeiten zu den ersten Vorfahren der langhalsigen Sauropoden. War es ein später Überlebender dieser Prosauropoden? Ein einmaliges Kuriosum? Oder ein entfernter Verwandter späterer pflanzenfressener Theropoden? Was Chilesaurus auf jeden Fall ist, ist ein Beweis, dass wir noch längst nicht alle Varianten von Dinosauriern gefunden haben, die einst die Welt bevölkerten.
Manchmal finden wir immer noch etwas völlig neues.

Chilesaurus (Bild: Gabriel Lio)

CO2 und das größte Massensterben der Erdgeschichte

Das Zeitalter der Dinosaurier beginnt mit dem größten Massensterben der Erdgeschichte. 90% allen damaligen Lebens verschwand auf einen Schlag. In kurzer Zeit verschwanden von der Erde alle Wälder. In der leeren Welt nach diesem Massensterben entstanden die Dinosaurier und Säugetiere. Es begannen die Erdzeitalter, in denen jeweils eine große Gruppe von Tieren die Erde beherrschte: Jenes der Dinosaurier und jenes der Säugetiere.
Schon länger vermuten Forscher, dass die Ursache dieses Ereignisses gigantische Vulkanausbrüche der damaligen Zeit waren. Sibirien war ein einziger großer Lavasee, weitere Vulkane brachen zur selben zeit in Australien und dem südlichen China aus. Die Vulkane setzten in der Theorie Mengen an CO2 frei, die groß genug waren, eine solche Katastrophe zu verursachen.
Tatsächlich fanden Forscher neue Hinweise auf eine ungewöhnlich hohe Konzentration von Kohlendioxid zu dieser Zeit: Schwämme begannen, elementares Carbon in ihre Skelette einzubauen. Das ist absolut ungewöhnlich nur nur dadurch zu erklären, dass Kohlendioxid damals in gewaltigen Mengen vorhanden gewesen sein muss. Die schon länger bekannte Tatsache, dass zuerst Lebewesen seltener wurden, die CO2 besonders schlecht vertrugen, passt dazu. Auch Untersuchungen an damaligen Gesteinen zeigen Hinweise auf große Mengen von Giften, die von Mikroben produziert werden, welche durch die hohen CO2_Mengen gefördert werden.
Also, wenn jemand wissen will, wie gefährlich zu viel CO2 in der Atmosphäre ist: Bitteschön, der Tod von 90% des Lebens auf der Erde.


Mediale KW 17/2015

Bei meinen Freitäglichen Fünf gibt es das beste Echo regelmäßig auf dort Platz findende Besprechungen von Medieninhalten, die mir gefallen haben: Filme, Bücher, Videospiele und dergleichen. Es scheint mir also logisch, diesen teil auszubauen und zu einer eigenen Reihe zu machen: Die Mediale KW, jeden Montag kurze Besprechungen der Filme, Bücher, Spiele etc., die ich in der jeweiligen Woche gesehen/gelesen/gespielt/etc. habe.
Diese Woche: Zwei gute Bücher, drei schlechte Filme


Wortreich: ABC der Verlagssprache (Buch/Kindle)

Wilhelm Ruprecht Frieling ist lange dabei. Also hat er 40 Jahre Erfahrung im Verlagsgewerbe durchstöbert und die Ergebnisse in einem Lexikon des Verlagsjargons und wichtiger Begriffe der Branche zusammengefasst. Und mit 3.500 Lemmata (ich habe nicht nachgezählt, weil ich noch nicht vollständig dem Wahnsinn verfallen bin) kann sich das Ergebnis sehen lassen.
Diese Sammlung funktioniert als genau das, was sie sein soll: Ein Verzeichnis von Fachbegriffen, das schnell zur Hand ist und alle wichtigen Begriffe knapp erläutert, manchmal etwas sehr knapp. Stellenweise scheint der Humor des Verfassers durch, etwa wenn „ABC“ seinen eigenen Eintrag erhält. Die Papierausgabe ist ohne Einschränkungen zu empfehlen. Mir stand die Kindle-Ausgabe zur Verfügung, die der Autor mir mit der freundlichen Bitte um eine Bewertung überlassen hat.
Die Kindle-Ausgabe hätte wahrscheinlich eine komplett eigene Formatierung vertragen, denn bei einem solchen Werk fällt der Verlust des schnellen Durchblätterns als Suchoption schon sehr auf. Die Navigation führt bis zum ersten Eintrag eines Buchstabens und von da an heisst es Suchen. Verweise sind als Links verwoben, dennoch ist die Suche nach einem Startpunkt einiges an Aufwand. Wahrscheinlich wäre es für Kindle sinnvoll gewesen, eine feinere Navigation einzusetzen, die innerhalb der Abschnitte Unterabschnitte definiert – etwa mit Links auf das jeweils erste Auftreten der Kombination zwei Buchstaben am Wortanfang. Und während es im Papierbuch keinen Verlust darstellt, auch Einträge zum Beispiel für die Casus des Latein zu haben, tragen diese auf Kindle einzig dazu bei, die Anzahl der Klicks zu erhöhen die nötig ist, einen Begriff zu finden.
Die Papierversion ist ein hervorragendes Nachschlagewerk, wenn auch die einzelnen Einträge meist sehr knapp ausgeführt sind. Eben gezielt zum schnellen Nachschauen. Für die Kindle-Ausgabe gilt dies im Grunde auch, sie ist nur nicht ganz so komfortabel nutzbar und bildet ein gutes Beispiel dafür, dass Papierbücher und eBooks manchmal einfach unterschiedliche Gestaltungsansätze erfordern.


Pacificas Antithese: Flotilla (Buch/Kindle)

Es gibt überraschend wenige Werke in der Science-Fiction, die sich explizit mit schwimmenden Städten beschäftigen. Das kleine Genre lässt sich durch zwei Werke sehr gut abstecken: Auf der einen Seite mein eigenes Introduction, auf der anderen Daniel Haights Flotilla. Pacifica in Introduction ist der hoffnungsvolle Versuch, durch Abstreifen einer falsch laufenden Geschichte und Gegenwart ein Utopia zu bauen; Colony D in Flotilla ist eine nur von Hoffnung und zwielichtigen Aktivitäten am Leben gehaltene Fischfabrik. Beide dürften unbewusst Bioshocks Unterwasserstadt Rapture viel zu verdanken haben und über diese Schiene findet sich dann auch Ayn Rands Erbe in all seinen möglichen Auswirkungen wieder. Das Leben einer solchen Stadt in drei Porträts: Aufbau (Pacifica), Untergang (Colony D) und Ruinen (Rapture).
Zur Geschichte: Teenager Jim wird im Rahmen seiner Kur vom drohenden Alkoholismus zu seinem geschiedenen Vater geschickt, der mit dem Boot Horner C Teil der schwimmenden Colony D ist, einer Art schwimmender Fischfarm im Pazifik vor Kalifornien. Die Kolonie ist dreckig und ihre Einwohner rangieren allesamt von bizarr bis zweifelhaft. Jeder Tag ist gefüllt von harter Arbeit und dem Leben auf dem Meer zum täglichen Leben notwendige Dinge abzutrotzen erweist sich als gewaltige Herausforderung. Dass Jims Vater ständig versucht, dem harten Leben als Fischfarmer zu entkommen, macht es ihm nicht einfacher, landet er so doch regelmäßig in den halbgaren Plänen seines Vaters. Und das sind die Tage, an denen es gut läuft…
Ein wenig kann Flotilla seine Leser vor den Kopf stoßen. Figuren verschwinden plötzlich aus der Handlung, andere kommen hinzu und es ist nie klar, wer für die Geschichte eigentlich wichtig ist und wer nicht. Das ist zwar realistisch, aber auch etwas lästig. Und auch der Fokus der Geschichte mag so manchen Leser überraschen: Es geht nicht um die Kolonie, es geht um Jims Erwachsenwerden. Dies ist eine klassische Coming-of-Age-Geschichte in einem sehr unklassischen Szenario. Und so endet die Geschichte dann auch einigermaßen abrupt und mit vielen offenen Fragen inmitten eines Kriegsausbruchs, nachdem Jim in das Erwachsenenleben hinein gefunden hat.

Gravity ohne meine zweitliebste Schwäbin: Tron Legacy (Film/Netflix)


Hier ist eine Frage an alle aus meiner Generation und älter, aber nicht ein Jahr jünger: „Erinnert ihr euch an Tron?“ Okay, das war eine Fangfrage, die Antwort lautet natürlich: „Äh, naja, also, äh… sah gut aus!“
Seien wir ehrlich, die meisten kennen von Tron noch die Optik und ein-zwei beeindruckende Szenen wie das Motorradduell und den ersten Auftritt dieser komischen Tor-Raumschiff-Hybriden. Das Problem mit Tron Legacy ist, dass es ein besseres Gedächtnis hat als die Fans des Films (oder zumindest als ich). Ich bin sicher, die Geschichte um das ausser Kontrolle geratene Programm Clu, das ursprünglich die Welt des Grid zur perfekten Welt formen sollte, ist groß episch und bedeutsam. Nur ist der vorherige Film so lange her, dass die Geschichte zu einem in der Schwerelosigkeit treibenden hübschen Ornament wird.
Und wenn ich in der Schwerelosigkeit treibende hübsche Ornamente suche, bevorzuge ich Sandra Bullock in Gravity.

Teutates sei mit uns: Asterix & Obelix – Im Auftrag Ihrer Majestät (Film/Netflix)


Astérix bei den Briten ist wie alle Astérix-Filme vor 1990 ein hervorragender Trickfilm. Im Auftrag ihrer Majestät ist nicht Astérix bei den Briten.
Das Beeindruckendste an diesem Film ist die chirurgische Präzision, mit der alles Gute aus der vorherigen Verfilmung herausoperiert und durch langweilige Albernheiten ersetzt wurde, wie man sie in praktisch jeder modernen Komödie sehen kann. Die Überfahrt nach Britannien ist hier das beste Beispiel: Der Cartoon bringt die Piraten und einen der besten Witze des Films ein, der Realfilm macht daraus einen ereignislosen Abschnitt mit einem schmerzhaften Inder-Klischee. Nunja, wenigstens die Normannen waren lustig.
Erster und wahrscheinlich auch letzter Realfilm dieser Reihe, den ich gesehen habe.

City of Ember (Film/BluRay)


City of Ember bekommt von mir noch nicht mal eine pseudo-clevere Überschrift. Hauptsächlich, weil ich drei Tage nach Ansehen schon wieder so gut wie vergessen habe, dass ich ihn sah.
Im Vorfeld eines vermutlichen Weltuntergangs (so ganz klar ist das nicht) wird die unterirdische Stadt Ember gebaut. Betrieben von einem einzelnen gigantischen Generator soll sie 200 Jahre überdauern, bevor sich eine Schatulle mit Anweisungen zum Verlassen öffnet. Doch die Schatulle geht verloren und das Amt des Präsidenten, der die Schatulle bewahrt, wird durch korrupte Nachfolger zersetzt.
Die 200 Jahre verstreichen und niemand bemerkt, wie sich die unter einem Schrank verstaute und vergessene Schatulle öffnet. Gefunden wird sie von der kleinen plänefressenden Schwester der Protagonistin. Von da an suchen zwei Holzplanken mit Namen, die ich bereits vergessen habe, nach dem Ausgang und kämpfen gegen einen korrupten Präsidenten, der so albern ist, dass er von Bill Murray gespielt wird.
Ein wenig wirkt City of Ember wie der Versuch eines Steampunk-Enthusiasten mit einer Kiste alter Glühbirnen, das Set von Metropolis nachzubauen und diesen Aufwand dann mit einem Film zu rechtfertigen. Das Ergebnis ist nett anzuschauen, hat aber irgendwie nichts zu erzählen.


Freitägliche Fünf 24.04.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Und an Karfreitag sowieso, da ist das ja vorgeschrieben. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Zusammenfassung in einem Absatz: Zusammen machen wir die Welt besser. Oh, und Kermit.

1. Die Sternfahrt 2015 hat Spass gemacht und war verdammt groß. Nach Videoauswertung 1.100 Fahrer sind dieses Jahr zum Harmonieplatz gekommen und danach gemeinsam zur Tour quer durch die Stadt gestartet. Das sah schon verdammt gut aus und ist etwa doppelt so viel wie 2014.

Gut gefüllter Harmonieplatz, dieses Jahr ohne parkende Motorklötze


Und wie das Ganze bewegt aussah zeigt (samt Vorlauf vom Bismarckplatz) der Prisac:

Übrigens, der komische schwarze Rand rechts oben auf meinen Fotos rührt übrigens, wie ich inzwischen herausgefunden habe, von meiner Handyhülle.

2. Apropos Radfahren, die morgige Radtour zur Anti-Kohle-Kette bei Garzweiler II sieht verdammt gut gefüllt aus. Obwohl gar keine Anmeldung nötig ist, hat sich bereits eine dreistellige Zahl an Mitfahrern gemeldet. Und ganz nebenbei hat auch die Rheinische Post die Tour angekündigt. Die halten mich zwar für ein Mitglied der BAUM, aber e sgibt schlimmeres.
Der ursprünglich versehentliche Starttermin am Hauptbahnhof MG um 10 (es war 11 Uhr in Rheydt, dann stand es falsch auf der Seite der Kohlekette und ich hab es daraufhin kurzerhand in meiner Planung ergänzt) hat sich als gut erwiesen, ebenso ist die Möglichkeit gut angenommen worden, in Wanlo dazuzustoßen, was sich zwischenzeitlich ungeplant ergeben hat.

3. Hier ist eine neue Glasfroschart aus Costa Rica, die aussieht wie Kermit.

4. Plastiktaschen sind inzwischen mehr und mehr verpönt, aber auch Stofftaschen sind nicht grade die sauberste Alternative, ist der Anbau vieler Faserpflanzen – vor allem von Baumwolle – doch sehr stark mit Pestiziden, Kunstdünger und künstlicher Bewässerung verbunden. Was da hilft ist zum Beispiel das Umbasteln alter Shirts, wofür es hier eine Anleitung gibt.

5. Mark Wood ist ein Genie. Ich hab den vor Wochen schon mal bei Facebook verlinkt, aber jetzt habe ich mir mal die komplette Liste seiner Kindle-eBooks durchgesehen und sie ist glamourös:

  • I Seduced Bigfoot to Save Broadway from the Homophobic Sasquatches…And I Liked it!
  • Probed Hard on The Planet of Gay Space Raptors
  • Billionaire Sports Car Came to Life & Made Me Gay
  • Cheesy Puff Came to Life And Pimped My Gay Ass!

Wie schreibt der das, ohne pausenlos lachend vom Stuhl zu fallen, für die nächsten Stunden vor Lachen unfähig, auch nur einen Buchstaben zu tippen?

Ferner liefen: Mönchengladbach hat einen eigenen Christopher Street Day. Es gibt verdammt gute Trailer zu Batman v Superman, Fantastic 4 und Jurassic World. Und ja, ich fand die alle besser als den letzten Star-Wars-Trailer.



Unbürgertum

In gewisser Weise kann dieser Beitrag als eine Fortsetzung meines letztjährigen zur „Heimatliebe“ gelten. Damals ging es um die Lokalpolitik. Heute geht es um Nationalität. Und so gilt aus diesem früheren Beitrag weiterhin:

Die eine Tatsache, die ich vorausschicken möchte ist, dass ich keine Liebe für Verwaltungseinheiten empfinden kann. Nordrhein-Westfalen, Deutschland, Europa, diese Dinge sind mir emotional wurscht. Und damit auch eine Möglichkeit, eine Stadt zu lieben. Diese Dinge sind nichts weiter als verwaltungstechnische Einheiten, sie haben keine Bedeutung für mich jenseits der Kenntnis der unmittelbaren Einflussbereiche bestimmter Einzelpersonen (hauptsächlich Politiker und Verwaltungsmitarbeiter).

Schon länger stellt sich diese Frage angesichts der Frage der Einwanderung. Die aktuelle Aufmerksamkeit auf die Untergänge im Mittelmeer ist ja nur ein Schlaglicht in einer seit Jahren laufenden Entwicklung hin zu mehr Nationalismus und Rassismus im Alltag.

Ob dies nun deutscher Nationalismus ist oder europäischer, so groß ist der Unterschied nicht. Das eine ist halt ein etwas größerer Staat als das andere. Die Länder enden an fiktiven Linien auf den Landkarten, abgesichert durch Verträge unter den Regierungen, diese fiktiven Linien gegenseitig anzuerkennen. Sicher, diese Linien haben Auswirkungen, aber was sie nicht haben sind klare Ursachen. Historische Zufälle, geografische Hürden, Gutdünken irgendwelcher Fürsten, Könige und Kanzler — alles nur irgendein Quatsch ohne Substanz.

Und mit der Zeit haben wir angefangen, diesen Linien Bedeutung zuzumessen, die sie nicht haben. Definitionslinien einer gemeinsamen Zugehörigkeit, die wir auf irgendeine Weise (vermutlich Magie) allein durch den Zufall unseres Geburtsortes erworben haben sollen. Ich meine, natürlich hat die Umgebung unseres Aufwachsens einen Einfluss auf unsere Identität und unser Selbstbild. Aber das ist ein viel zu diffuser, unklarer Einfluss, als dass man daraus irgendetwas von Bedeutung herauslesen könnte. Und vor allem hat das wenig und zunehmend weniger damit zu tun, wo jene fiktiven Linien auf den Landkarten verlaufen.

Und daher nun kommt meine Frage zu dem ganzen Einwanderungsthema: Was genau gibt uns eigentlich das Recht, irgendwem sagen zu wollen, ob er unsere fiktiven Linien überquert oder nicht? Jemand geht von Punkt A nach Punkt B auf der Welt und dazwischen sind irgendwelche Linien. Na und? Lasst sie kommen und gehen, wie sie wollen. So wie es zwischen den Städten auch geschieht.
Es ist weder unser Verdienst, noch deren Schuld, dort geboren worden zu sein, wo wir/sie nun mal geboren sind. Und genau deshalb gibt es auch keine Pflicht, in seinem Urpsrungsland zu bleiben ebenso wie es kein Anrecht darauf gibt, Menschen ausschließen zu können. Nationen, Grenzen, sind bedeutungslos. Menschen zählen.

Die Frage, die für mich bleibt ist, was bin ich eigentlich? Die Begriffe, die ich fand, sidn alle in verschiedener Weise ungeeignet: Weltbürger, Kosmopolit, Transnationalist, Postnationalist… das sind alles Ideen mit Grundgedanken, denen ich nicht zustimmen kann. Vielleicht Anationalist, Staatsagnostiker, Unbürger? Das klingt gut. Unbürger.


Freitägliche Fünf 17.04.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Und an Karfreitag sowieso, da ist das ja vorgeschrieben. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Zusammenfassung in einem Absatz: Let’s start into the future today.

1. Spanien setzt nach einer Erprobungsphase im Atlantik bald in größerem Maßstab schwimmende Strömungskraftwerke ein. Damit ergänzt Spanien seinen Park erneuerbarer Energien um eine wetterunabhängige Option.

2. Als Düsseldorfer hat der Karneval in Mönchengladbach nie meine Ansprüche erfüllen können. Immerhin einen Schritt zur Besserung gibt es aber nun zu verkünden: Das Motto für 2015 ist nicht mehr bräsig in Hochdeutsch, sondern breit und rheinisch in Platt: „M’r donnt wat m’r könne!“.

3. Daredevil. Das beste, was ich bisher aus dem Marvel Cinematic Universe gesehen habe.

4. Ha, das wird eine lustige Diskussion: Einerseits gibt es veganen echten Käse. Andererseits wird zu deren Erzeugung Gentechnik angewendet, wenn auch nur für Hefe, bei der das alles andere als neu ist. Und wahrscheinlich darf es in Europa trotzdem nicht Käse heissen, weil es ein absurdes Spezialgesetz für Milchprodukte gibt, Verwechslungsgefahr und so. Komisch, nachdem es Jahrzehnte lang keinerlei Probleme mit Leberkäse und Kokosmilch gab.

5. Mit dem nächsten Ratszug kehre ich aktiver in die Kommunalpolitik zurück. Ich rücke in den Umweltausschuss (dem ich zuvor 2009-2014 als Sprecher der Grünen und stellvertretender Vorsitzender angehörte) und neu in den Planungs- und Bauausschuss nach.


Freitägliche Fünf 10.04.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Und an Karfreitag sowieso, da ist das ja vorgeschrieben. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Zusammenfassung in einem Absatz: Was lange währt, wird endlich fluffig.

1. Im Gegensatz zu manch anderem Dinofan begeistert mich diese Woche eine neue Studie zur Einordnung der Diplodociden (eine Gruppe langhalsiger Dinosaurier).
Warum? Nun, sie kommt zu dem Ergebnis, die Gattung Apatosaurus wieder aufzuspalten, da einige dieser Gattung zugeschlagene Fossilien zu unterschiedlich seien. Und welche sind das? Der Klassiker aller Dino-Klassiker, der zur Fehlbenennung erklärte Brontosaurus.
Brontosaurus is back, biotches!
Ausserdem kennt meine Rechtschreibprüfung Brontosaurus, aber nicht Apatosaurus. Weniger rote kriggelige Linien für mich! Yay!

2. Vor 300 Millionen Jahren gehörte das heutige Ruhrgebiet zu einem weltweiten System von Sümpfen, in denen die ersten Bäume wuchsen und welche die Basis für die heutigen Steinkohlevorkommen bildeten. Libellen mit 70 cm Spannweite lebten dort, Insekten mit sechs Flügeln, Tausendfüßer von bis zu drei Metern Länge und dazwischen liefen die frühen Amphibien und sogar die ersten echsenartigen Lebewesen herum. Das Karbon-Zeitalter ist ein faszinierender Abschnitt der Erdgeschichte. Ich wollte schon immer mal dort umherlaufen und zumindest virtuell ist das jetzt möglich.
Der Carboniferous Forest Simulator ist ein Projekt des Gelsenkircheners Heiko Achilles. Noch fehlen Tiere und einige Infotexte, aber der voll begehbare karbonifere Wald ist technisch beeindruckend, wunderschön und fremdartig.
Alles, was mir fehlt, ist ein ausreichend leistungsstarker PC, um das Teil selbst laufen zu haben.

(Eigenwerbungsunverschämtheit: Der in Vorbereitung befindliche Band Flammender Farne der Reihe Meilensteine der Evolution wird in diesen Wäldern spielen)

3. Am letzten Samstag nahm ich folgendes Bild vom Hans-Jonas-Park auf, welches sich schnell in den sozialen Medien und schließlich auch in der Zeitung verbreitete. Das an sich ist erstmal unerfreulich. Also, das Foto, nicht die Verbreitung. Aber was dann geschah, wird dir die Sprache verschl… tschuldigung, kurz in den heftig-Modus gerutscht.
Erstmal das Bild:

Naherholung in MG. Für die Autos


Wir sehen einen Park an einem Hügel, auf dessen Gestaltung die Stadt sich durchaus was einbildet. Da kommen so Begriffe wie „Erholungsfunktion“ oder „Gestaltungsqualität“ in Papieren der Stadtverwaltung darüber. Und nun das. Leider kein aussergewöhnlicher Anblick in dieser Stadt, aber dieses Foto hat dann offenbar doch so manchen erschreckt. Gut so!
Ein so mancher war dann auch der Oberbürgermeister, zu dem das Bild schnell vorgedrungen war und er versprach Abhilfe. Und in der Tat konnte er heute Nachmittag dieses Bild von der Lösung hochladen:

Eine Shiitake-Farm, äh ich meine, kostengünstige Parkhindernisse - Bild: Hans Wilhelm Reiners


Gute schnelle Lösung. So gefällt mir das.

4. Ja, dieses Teil wird wahrscheinlich wie ein Kühlschrank im Wind stehen, wenn man ihn wirklich hinter seinem Fahrrad zieht, aber hey, es ist ein Wohnwagen für’s Fahrrad. Das ist cool.

Ich hätte die Räder seitlich angebracht und die Wände einklappbar ausgeführt, damit der Anhänger in der Fahrt flacher wird. Aber ich hab halt nicht das Kleingeld, sowas zu entwickeln. Oder, noch wichtiger, das handwerkliche Geschick.

5. Endlich verstehe ich das Problem mit der „Gelesen“-Mitteilung in der Facebook-App. Und ein kleiner Einblick, wie Linguistik funktioniert, ist auch drin.

Lesebestätigungen in eMails ignoriere ich übrigens grundsätzlich und klicke sie weg.


Freitägliche Fünf 03.04.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Und an Karfreitag sowieso, da ist das ja vorgeschrieben. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Zusammenfassung in einem Absatz: Die Welt zu retten ist ein kleines Stückchen einfacher geworden. Es sei denn, lokale Behörden haben ein Wörtchen mitzureden.

1. Ich hätte nicht gedacht, dass da noch was drin ist, aber offenbar kommen grade noch effizientere LEDs auf den Markt, die im Vergleich zu normalen wiederum 10% weniger Strom verbrauchen und nebenbei auch noch weniger kosten sollen.

2. Irgendwie ist es wahnsinnig spannend, auf Youtube Leuten aus anderen Teilen der Welt beim Entdecken für uns ganz normaler Lebensmittel zuzusehen. Nach einer Reihe von Videos die in mir den Eindruck erweckten, Deutschland habe die besten Süßwaren des Planeten (und die Erkenntnis, dass Amerikaner Lakritz hassen) fiel mir Kiwi Dude auf, der Militärrationen testet.
Der komplett unschuldige Versuch, das Dosenbrot der deutschen Ration mit dem Löffel zu essen ist schon großartig, aber Polen ist besser, allein schon, weil der Kiwi Dude kein Wort von den Verpackungen versteht. Highlights: Kalter Tee, die verzweifelte Suche nach Kaffeeweisser zu polnischem Kaffee (okay, mehr ein kultureller Unterschied) und das Pellen einer Fruchtschnitte – überhaupt quer durch alle Futtertester diese Verwirrung, wenn sie das erste Mal in ihrem Leben Esspapier sehen.

3. Der Preis für das schönste Amtsdeutsch aller Zeiten geht an das Umweltministerium NRW für diese Formulierung aus einem Schreiben an die Grünen MG zur Verfüllung belasteten Materials in einigen Straßen: „Nach Durchführung einer verbal-argumentativen Prognose…“
Großartig. Lässt sich übersetzen mit: „Wir haben drüber geredet“.

4. Ich habe endlich herausgefunden, wo genau sich beim Fotografieren mit dem Handy meine Finger in Relation zur Kamera befinden.

Velotaxis auf dem Europaplatz. Und meine Finger. Und mein Vater. Hurra!


Im Ernst, Velotaxis in Mönchengladbach sind ein so erfrischender Anblick, dafür vergesse ich auch mal, dass die für die Mall-Eröffnung geholt wurden.
Zu der sie übrigens nicht fahren durften. Sie haben keine Genehmigung zur Beförderung von Personen in Mönchengladbach erhalten. Die Begründung des Ordnungsamtes war das erwartete Verkehrsaufkommen bei der Eröffnung des Pfefferminzhäuschens (schimpft sich selbst Minto). Jene Eröffnung also, zu der sie extra geholt wurden. Ein gradezu vorbildlicher Schildbürgerstreich unserer Stadtverwaltung.
Achja, bei der RP las sich dieser Sachverhalt am Montag nach der Eröffnung so, als wären da ein paar Rabauken aufgetreten, gegen welche die Polizei dann einschreiten musste. Musste!
Okay, tief Luft holen Tommy, du wolltest dich in diesen Beiträgen nicht aufregen. Hier geht es um positive Dinge. Nächster Punkt.

5. Es gibt eine neue Studie zum Effekt der Ernährung auf Bodenverbrauch und Treibhausgasemissionen. Und diese ist wirklich interessant, weil sie der Frage nachgeht, wie man den maximalen positiven Effekt bei minimalen Einschränkungen erreichen kann. Die Lösung besteht darin, dass der Verzicht auf Milchprodukte dermaßen viel bringt, dass Allesesser, die auf Milchprodukte und rotes Fleisch, aber nicht auf Geflügel und Fisch verzichten, besser abschneiden als klassische Vegetarier.
Das ist eien gute Nachricht, weil ich persönlich den Verzicht auf Milchprodukte dank der inzwischen verfügbaren Alternativen für absolut schmerzlos halte (allerdings trinke ich Milch auch nicht als Getränk) und auch der Umstieg von rotem auf nur noch weisses Fleisch im Vergleich zu komplettem Fleischverzicht ein leichter ist, der zudem als gesund gilt. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, ob Straussenfleisch in dieser Untersuchung bei rotem oder weissem Fleisch landen würde. Aber ich habe noch nie einen Strauss Methan rülpsen sehen, das ist schon ein Vorteil zu Rindern.

PS: Ja, ich sage Taxis. Es gibt nichts, was das Wort „Taxen“ irgendwie zu einer besseren Pluralform macht, im Gegenteil, das klingt nach der Mehrzahl von Kurtaxe und ist zudem hochgradig unregelmäßig. Ich bin kein Freund der zwanghaften Nutzung unregelmäßiger Formen, wenn die deutsche Sprache auch eine regelmäßige als Option bereithält.