Dino-Dienstag 23

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diese Woche zwei etwas seltsame Dinosaurier aus Nordamerika.

Neuling: Wendiceratops

Wendiceratops (Bild: Royal Ontario Museum)

Wendiceratops (Bild: Royal Ontario Museum)


Nordamerika hat einen weiteren Ceratopier: Wendiceratops (benannt nach Entdeckerin Wendy Sloboda) lebte vor etwa 78 Millionen Jahren in Alberta, damals auf der Westhälfte des durch ein flaches Meer geteilten Nordamerika. Er ist der älteste Ceratopier mit einem großen Nasenhorn und steht damit an der Basis einer Teilung dieser Tiergruppe in zwei Untergruppen: solche mit eher kleinen Nasenhörnern wie Triceratops und solchen mit größeren Nasenhörnern wie Styracosaurus. Die Einteilung ist natürlich etwas komplizierter und es gibt noch ein paar andere Gruppen, aber als grobe Orientierung passt das.
Für die Paläontologen fast noch interessanter ist die Tatsache, dass mit Wendiceratops insgesamt fünf verschiedene Ceratopier zur selben Zeit am selben Ort lebten. Das ist beachtlich und deutet darauf hin, dass die einzelnen Arten der Ceratopier sehr stark auf jeweils eine Art Nahrung spezialisiert haben, wodurch so viele Arten ohne größere Konflikte zusammenleben konnten. Überhaupt sind die Ceratopier für die relativ kurze Zeit, die sie als letzte große Gruppe der Dinosaurier existierten, überraschend artenreich. Wendiceratops zeigt, dass dieser Artenreichtum sehr früh begann, nachdem noch ältere Ceratopier aus Asien oft mit wenigen verschiedenen Arten gewaltige Gebiete besiedelten.

Dinos ab 18?

Manchmal gibt es Nachrichten, die sind so bescheuert, dass sie wieder komisch sind. Joseph Farah,, einer der größten Idioten der USA (das ist mal ein Titel, den man sich erst mal verdienen muss!) stellte vor kurzem die Forderung auf, Filme mit Dinosauriern sollten nicht unter 18 freigegeben werden, da sie Kinder vom Glauben abbringen könnten und die Lügen der Wissenschaft verbreiten.


Freitägliche Fünf 10.07.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal merkt man, dass Sommer ist. Und irgendwie sind Georg Schramm und ein Syrer mit reingeraten — das ist allerdings nie ein Fehler.

1. Einige werden die Geschichte von dem Syrer, der ein Portmonee fand schon gesehen haben.
Was mich daran vor allem erstaunt ist, dass die hiesigen Medien so etwas berichten. Vielleicht besteht ja noch Hoffnung für unsere Presse.

2. Am Sonntag ist wieder Grillmeisterschaft in Rheydt. Abgesehen von einer sehr zweifelhaften Aktion der Peta ist auch eine positivere Veganer-Aktion angekündigt: Es wird auch einen Stand mit veganem Grillgut geben. Deutlich besser.

3. Und hier nun Georg Schramm. Hörenswert wie immer ist er zur Ehrung der Sladeks, Gründer der Elektrizitätswerke Schönau, eines der ersten Ökostromanbieter aus der Anti-Atomkraft-Bewegung. Besonders empfehle ich, abseits des aktuellen Bezugs zu Griechenland, die Ausführungen zum Thema Konstruktion von Macht.

Das Drama des Georg Schramm ist, dass er sich seinen Ruhestand redlich verdient hat — allein, Deutschland hat es sich noch lange nicht verdient, von ihm in Ruhe gelassen zu werden.

4. Goil, ein Autokino mit Planschbecken

Yay, Planschbeckenkino! (Bild: Visit Britain)

Yay, Planschbeckenkino! (Bild: Visit Britain)

5. Hier gibt es eine interessante Idee bei Treehugger: Warum Treibhäuser nicht einfach in der Erde versenken?
Das Ergebnis nennt sich Walipini und senkt erheblich den Material- und Energieaufwand von Treibhausanbau.


Genregedanken – Science-Fiction 2015

Die Welt der literarischen Genres hat sich mit der Zeit massiv verändert. Diesen Donnerstag starte ich, inspiriert von der Tagesschau, eine Reihe von Betrachtungen, was passiert ist.

Ein Panzer der Bundeswehr mit einer gottverdammten Laserkanone (Bild: ARD/Tagesschau)

Ein Panzer der Bundeswehr mit einer gottverdammten Laserkanone (Bild: ARD/Tagesschau)


Die Bundeswehr hat Laserpanzer. Links von mir liegt ein handflächengroßer Supercomputer, der sprechen kann, routinemäßig mit Satelliten kommuniziert und genug Rechenkraft hat, die Besiedlung des Mondes zu koordinieren (ich benutze ihn zumeist für Notizen und Textmitteilungen). Raumfahrt ist in großen Teilen dermaßen uninteressant geworden, dass wir wieder aufgehört haben, auf dem Mond zu landen. Die Hälfte der technischen Anlagen in meinem Besitz ist so kompliziert, ich habe keine Ahnung, wie sie wirklich funktionieren. Europa ist, von ein paar Stolpersteinen abgesehen, politisch und wirtschaftlich geeint. Der Kalte Krieg ist vorüber. Von explodierenden Atomkraftwerke und abstürzenden Raumschiffen hören wir im Geschichtsunterricht.

Ich könnte die Liste noch lange weiterführen, Tatsache ist: In gewisser Weise leben wir in der Zukunft unserer Kindheit und Jugend. Okay, das klingt relativ bescheuert, also veersuchen wir das noch mal: Wir leben in unseren alten Science-Fiction-Romanen. Und das hat seltsame Folgen.

Die Krise der Utopie

Sieht man sich in der Fanszene um, so sieht man immer wieder Klagen, die großen Utopien seien tot. Unsere aktuellen Zukunftsvisionen seien von Dystopien wie den Tributen von Panem beherrscht.
Im Kern steht darin die falsche Vorstellung, positive Visionen seien jemals beherrschend gewesen. Utopia war immer die Ausnahme in der Literatur, vielleicht abgesehen vom Geburtsmoment des Genres als solches, mit den positiven Versionen der Kontinentaleuropäer wie Jules Verne oder Kurd Laßwitz, bereits damals ausgeglichen von den Briten wie H.G. Wells und Mary Shelley. Da ist auch schon eine Erklärung: Utopia war bis auf wenige Ausnahmen (Ernest Callenbach, Thomas Morus) ein Phänomen der Kontinentaleuropäer (Isaac Asimov in einem so kurzen Text kulturell zu verorten ist derweil praktisch unmöglich). Insofern mag es dem Zufall der amerikanischen Vorherrschaft nach dem Zweiten Weltkrieg zu verdanken sein, dass SF ein zwischen negativen und militärischen Ausprägungen verortetes Genre wurde. Tatsächlich verschwanden die großen Utopisten mit den Untergängen der Achsenmächte (z.B. Hans Dominik) und des Ostblocks (z.B. Alexei Tolstoi, Stanisław Lem) in zwei großen Phasen aus dem Mainstream der SF-Welt, während Frankreich sich seltsamerem zuwendete (z.B. Jean Giraud/Moebius).
Aber da steckt vielleicht auch mehr hinter: Utopien sind heute aus einem ganz pragmatischen Grund kaum mehr möglich: Wir haben gesehen, was aus den großen Technologien der Zukunft wurde und siehe, es war… langweilig. Ja, das Internet hat unser aller Leben verändert, revolutioniert gar, aber es wirkt von heute aus gesehen alles so trivial. Es scheint, als wäre jede Verbesserung emotional letztlich nur der neue Normalzustand. Als wäre es ein Naturgesetz, dass es leichter ist, Leid zu beklagen als Glück zu genießen.
Wir sind dem Paradies so nahe, dass wir nicht länger den Sinn darin erkennen, es zu erreichen. Oh sicher, wir gehen weiter, aber die große Erwartung an die Ankunft ist verflogen. Es ist wie beim Umzug in eine neue Gegend: Irgendwann ist man halt da und alles wird überraschend schnell wieder normal. Ein paar Monate und man meint, schon immer dort gewesen zu sein.

Der Techno-Thriller

Der beständige Fortschritt hat schon immer die Zukunft aufgefressen und überholt. Vernes U-Boote, Wells‘ Panzer und beider Landungen auf dem Mond sind heute trivial. Aber sie sind so fantastisch und fern dessen, was wir wirklich haben, dass sie ihre Faszination bewahren konnten.
Doch mit dem Näherrücken der Zukunft wurden unsere Visionen von ihr realistischer, bis vollkommen ununterscheidbar wurde, wo die Gegenwart aufhörte und die Zukunft begann. In den 80ern begann man zunehmend, in der nahen Zukunft angesiedelte Science-Fiction unter dem für die Verkäufe besseren Label Techno-Thriller zu verkaufen. Plötzlich verschwand ein großer Teil der Science-Fiction in andere Regale und die Menschen gewöhnten sich daran, dass Geschichten um Supercomputer und revolutionäre technische Durchbrüche keine Science-Fiction mehr darstellten.
Frank Schätzing läuft unter den Mainstream-Romanen, Tom Clancy unter den Thrillern. Die Grenze lief schon länger eher schwammig (Hans Dominiks Kautschuk von 1929 behandelt die damals wirtschaftlich extrem folgenreiche Erfindung künstlichen Gummis, die 1930/31 tatsächlich erfolgte), aber nun war sie ausdrücklich aufgehoben.
Alles, was so wirkte, als könne es bereits morgen in den Geschäften auftauchen, wurde der Science-Fiction entzogen und dem Thriller zugeschlagen. Und das war viel.
Hinzu kommt der Verlust von Science-Fiction-tauglichen Elementen. Ja, Gravity spielt im Weltraum. Es enthält aber dennoch kein einziges SF-Element. Das hat einigen Sub-Genres der SF die Luft genommen — Cyberpunk als besonders eklatantes Beispiel ist ausserhalb des Videospiels praktisch tot, seit das Internet allgegenwärtig wurde und vom Unterschied zwischen einem Mobiltelefon und einem Cyber-Implantat nur noch ein ästetischer verblieben ist.

Extrem-SF

Für die Sf bleibt nur, der Gegenwart möglichst weit aus dem Weg zu gehen.
Entweder in einer seltsamen Form von Selbstreflexion in einer Zukunft, von der bereits erwiesen ist, dass sie nie kommt: Steampunk samt seiner Sprösslinge Dieselpunk, Clockpunk und Bronzepunk nähert sich teils der Fantasy und befreit sich von der Last, die Zukunft vorherzusagen. Manche werden dabei zu reinem Eskapismus, andere nutzen die Freiheit, um in der Technik Metaphern und Wege zur menschlichen Natur aufzubauen.
Oder aber in einer Zukunft, die so weit entfernt liegt, dass sie nur wenige von uns sehen können werden. Die Weltraumoper mit zwischen Planeten umherfliegenden Raumschiffen taucht ebenso wieder auf, wie die militärische SF mit ihren Weltraum- und Planetenschlachten. Neue Autoren wie Andy Weir (Der Marsianer) und Hugh Howey (Silo) führen uns zur Besiedlung anderer Planeten.
Die Science-Fiction hat aufgehört, das Morgen zu beschreiben, es wurde ihr entrissen. An seiner statt beschreibt sie das Übermorgen und auch ganz bewusst das Niemals, denn nur so kann sie überleben.

Nächste Woche: Horror


Dino-Dienstag 22

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Nach einer Woche ohne etwas zu berichten wieder da.

Neuankömmling: Huanansaurus

Huanansaurus (Bild: Zhao  Chuang)

Huanansaurus (Bild: Zhao Chuang)


Die einst nur durch den mongolischen Oviraptor bekannten Oviraptoriden haben weiter Zuwachs bekommen. Neu entdeckt ist Huanansaurus (Echse aus Südchina). Diese an Kasuare erinnernden insekten- und pflanzenfressenden Verwandten der Raptoren stellen sich zunehmend als eine extrem artenreiche Tiergruppe heraus, die in der Kreidezeit ganz Asien bevölkerte. Allein aus der Gegend um die Stadt Ganzhou sind inzwischen sechs Arten bekannt

Smilodons eilige Zähne

Die Vorgeschichte der Katzen hat einige erstaunliche Besonderheiten. Schon drei Mal erschienen in verschiedenen Teilen der Welt unterschiedliche Gruppen von Säbelzahnkatzen (sowie eine Gruppe von Beutel-Säbelzahnkatzen als es in Südamerika noch große Beuteltiere gab). Diese waren wahrscheinlich eine einmalige Form von Jägern unter den Raubtieren – Spezialisten für die Jagd auf Giganten wie Bisons, vielleicht sogar Mammuts.
Die große Frage dabei bleibt: Wieso konnten diese Säbelzahnkatzen in der Geschichte mehrfach entstehen? Einen Hinweis liefert eine neue Untersuchung aus Amerika. Demnach wuchsen die Zähne der Säbelzahnkatze Smilodon fatalis (bdquo;tödlicher Messerzahn“) aus der Familie der Tiere mit Namen, vor denen man schnell wegrennen sollte, doppelt so schnell wie jene heutiger Großkatzen wie etwa Löwen. Auch interessant ist,, dass die Milchzahnversionen der Säbelzähne lange gemeinsam mit den Erwachsenen-Zähnen im Mund blieben.
Es wird spannend, ähnliche Untersuchungen bei anderen Säbelzahnkatzen zu sehen. Sollten die Ergebnisse dort die selben sein, wäre eine Erklärung gefunden, warum diese Form im Lauf der Erdgeschichte immer wieder aufgetreten ist.


Projekt Rana 0.0.3b – Sitzspinnereien

Aufwand
bis 4.7.15

Schwalben-schwanz
79 €
Bachforelle
60 €
Helferlein
0 €
Recherche
10 €
Zeit
0h 0m

Eine Woche, in der sich aus gleich zwei Gründen nichts getan hat. Zum einen ist die aktuelle Hitze nicht grade dem Erledigen freiwilliger zusätzlicher Arbeit zuträglich (oder überhaupt dem Erledigen von Arbeit, aber was muss, muss und hat Vorrang). Plötzlich verstehe ich, wieso in den USA Klimaanlagen so verbreitet sind. Zum anderen verlief die Zahlung für die Hinterradschwinge des Schwalbenschwanz etwas holprig. Paypal wollte trotz vorhandenem Guthaben den Betrag über die Bank überwiesen bekommen, was natürlich etwas länger dauerte. Ich vermute es hat etwas mit dem eingesetzten Gutschein zu tun — oder ich hab bei der Eingabe der Zahlungsmethode einen Fehler gemacht. Dann war für den Versand noch eine Telefonnummer nötig. Jedenfalls ging die Schwinge nun erst am Donnerstag in England raus und ist noch nicht da.
Somit keine Veränderung am Projekt selber.
Aber ich kann ja weiter die Planung ausführen. Wie letzte Woche angedeutet geht es um die Sitzgelegenheit.

Sitzen im Velomobil

Der offensichtlichste Unterschied zwischen Velomobil und normalem Fahrrad ist, dass Velomobile meist auf Liegerädern basieren und somit eine relativ nah am Boden hängende Sitzschale statt eines Sattels haben. Die Beine zeigen vom sattel nicht nach unten, sondern nach vorne, oft sogar leicht nach oben.
Nun haben die Rana-Modelle hier eine Besonderheit im Vergleich zu anderen Velomobilen: Sie sollen halbwegs gleichauf mit den Autofahrern sein, was einen relativ hoch liegenden und relativ wenig zurückgelehnten Sitz erfordert. Aerodynamik ist hier kein so großer Punkt, da die fertigen Ranas ohnehin nicht ohne Verdeck fahren sollen.
Dennoch müssen die Sitzschalen etwas zurückgelehnt sein, um ein vernünftiges Treten in die vorn liegende Pedale zu ermöglichen, denn eine Unterbringung der Pedale unter dem Sitz ist nicht möglich – das Fahrzeug müsste dann fast zwei Meter Höhe erreichen, um den Beinen Platz zu lassen.
Ich könnte jetzt hergehen und wie die meisten Konstrukteure von Velomobilen lange Messungen ausführen, um dann aus möglichst leichten Materialien einen solchen Sattel zu bauen. Dieses Vorgehen ist sinnvoll, weil bei Liegerädern durch die liegende Haltung des Fahrers sehr stark auf den Rücken geachtet werden muss.
Dieses Problem haben die Ranas nicht, ich sitze deutlich aufrechter als die meisten Velonauten (ja, den Begriff gibt es) und das bedeutet, ich kann es mir viel, viel einfacher machen: Ich halte in nächster Zeit Ausschau nach zwei geeigneten gebrauchten Gartenstühlen aus leichten Materialien bei denen es möglich ist, die Beine abzusägen ohne dass der ganze Stuhl zusammenklappt. Ein normaler Bistrostuhl aus Alurohr mit geflochtener Sitzfläche wiegt, wenn es hoch kommt, 1,9 kg und kostet gebraucht um die 20 €. Ware zweiter Wahl gibt es zu diesem Preis neu und da das Rad am Ende eh ein Verdeck bekommt, sieht man den Stuhl ja eh nur kurz beim Ein- und Aussteigen. Besser geht’s nicht. Es ist nicht so, als hätte ich die Möglichkeiten, einen noch leichteren Stuhl zu konstruieren.

Stand

Wie gesagt, nichts neues zu sehen.
Der Ordner ist ein bisschen voller geworden, weil ich weitere Unterlagen ausgedruckt habe, um sie auch ohne Computer im Hof parat haben zu können. Nächste Woche kommt dann die Hinterradaufhängung für den Schwalbenschwanz an.
Im Vergleich zur Planung fehlen bei der Umsetzung aktuell noch vier Schläuche (zwei mal 28 Zoll, sowie je ein 26 und 20 Zoll), die Räder samt Reifen und die beiden Stühle. Dann geht es erstmals an tatsächliche Bauarbeiten (nämlich das Absägen der Stuhlbeine) und ich muss anfangen, konkret an Rahmen und Antrieb zu gehen. Und beim Antrieb kommt dann für mich das echte Neuland.

Ich brauche einen größeren Ordner

Ich brauche immer noch einen größeren Ordner


Freitägliche Fünf 03.07.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal geht es zu fremden Welten: Mond, Internet, Frauen, die Niederlande und die Gedankengänge eines Buddhisten unter offensichtlichem Drogeneinfluss.

1. Der Mond letzte Nacht war schon beeindruckend rot. Aber damit nicht genug: Ich konnte den Mond nicht direkt sehen, da er zu tief stand und somit hinter Baumkronen verschwand. Das allerdings machte das Ganze nur noch spektakulärer. Die Baumkronen, vom Wind eines nahenden Unwetters durchtost, ließen das Licht flackernd durchscheinen. Der Eindruck war jener eines Himmelskörpers, überdeckt von intensiv orange lodernden Flammen.
Absolut einmalig.

2.

Nicht ganz, aber besser als nix (Bild: Europa.eu)

Nicht ganz, aber besser als nix (Bild: Europa.eu)


Ich weiss, viele sind damit unzufrieden, aber es ist halt doch ein weiterer Trippelschritt zur Abschaffung des Roaming in Europa, wenn ein gewisses Datenvolumen im Monat für alle Bürger frei ist. Das allein ist unter Oettinger schon ein Wunder.
Einige sprechen von der Abschaffung der Netzneutralität. Nur finde ich eine Ausnahmeregelung für besonders wichtige Dienste durchaus vernünftig. Es ist eben nicht alles, was im Internet rumfluppt, gleich wichtig. Wenn Notrufdienste eine Vorzugsbehandlung gegenüber Youporn erhalten, mag das nicht der Ideologie absolut freier Datenverkehre entsprechen, es ist für die Gesellschaft aber unter Umständen besser.
Sicher, das Vorhaben ist nicht perfekt, aber es ist ein guter erster Schritt. Auf dieser Grundlage kann man arbeiten. Nächster Schritt: Roaming völlig weg und klarere Richtlinien für Umstände und Art bevorzugter Webdienste.
Pressemitteilung des Europäischen Kongresses hier.

3. Das da rechts ist ein Figurratgeber für Frauen. Nicht zum Abnehmen, sondern, wie man schöne Kurven kriegt. Titel Hilfe, ich bin eine Bohnenstange! Dass es so etwas gibt, ist schon mal sehr amüsant.
Richtig finde ich aber, dass dieser Link der beliebteste bei eBooks für lau seit einiger Zeit war. Ein Zeichen gegen den Magerwahn!

4. Die Niederlande geben grade richtig Gas im Testen von Anlagen zur Erzeugung von Solarstrom. Neuester Ansatz: Fotovoltaik von der Lärmschutzwand, getestet an einer Autobahn bei ‚s-Hertogenbosch.

5. Das ist ein extrem albernes Zitat, aber ja, mein Herz wäre definitiv bereit für eine Schildkröte mit Schnauzbart.

Oder hat der das irgendwie anders gemeint? Ernsthaft, bizarrstes Gleichnis aller Zeiten.

Oder hat der das irgendwie anders gemeint? Ernsthaft, bizarrstes Gleichnis aller Zeiten. Ich hätte trotzdem gerne eine Schildkröte mit Schnauzbart, ich meine… Schildkröte mit Schnauzbart!


Kindle Unlimited und die Folgen

Pünktlich zum Start von Jurassic World startete ich bei Amazon ein neues englischsprachiges Buch, das zugleich als Testballon für Kindle Unlimited diente. Kurz darauf veränderte Amazon das Programm grundlegend. Das macht eben diesen Testballon zu einem seltsamen Fall, denn er war eigentlich ein großartiger Erfolg. Doch ein zweiter wird nicht folgen. Aber eins nach dem anderen:

Juni 2015: Fiction Science schlägt ein

Am 11. Juni 2015 veröffentlichte ich Fiction Science 1: The Dinosaurs of Jurassic Park and Jurassic World. Das Buch über wissenschaftliche Fehler bei den Dinosauriern der Filmreihe war pünktlich zum amerikanischen Filmstart für $ 2,99 zum Kauf sowie kostenlos zur Ausleihe per Kindle Unlimited verfügbar.
Und es war ein voller Erfolg: Fiction Science 1 erreichte in mehreren Ländern (Deutschland, Großbritannien, USA) zeitweilig die Spitze der Genre-Verkaufsränge für die Kategorie Filmkritik. Es war das erste Mal, dass eines meiner eBooks in Amazons Neuheitenliste „Hot & New“ auftauchte. Der Juni brachte 53% meiner bisherigen Buchverkäufe des Jahres 2015, dazu 75% des Umsatzes. Und er machte den Juni zum ersten Monat seit 2011, in dem ich im Schnitt pro Buch mehr als einen € einnahm. Ich erzielte erstmals Verkäufe in Australien und Indien, erstmals nahm ich mehr britische Pfund und überhaupt mehr in Fremdwährungen als in Euro ein.
Einige Dinge überraschten mich: Zum Beispiel der Erfolg des in amerikanischem Englisch verfassten und einen Tag nach der relevanten Filmpremiere dort erschienenen Titels in Großbritannien.
Auch überraschte mich, dass fast genau so viele Menschen das Buch kauften, wie es liehen (im Juni, im Juli kann ich das nicht mehr feststellen, weil Amazon mir nur noch sagt, wie viele Seiten gelesen wurden aber nicht, auf wie viele Exemplare sich diese verteilen). Ich hatte gedacht, der Preis von 2,99 für ein so kurzes eBook würde Leser deutlich stärker zum Ausleihen bringen (wobei das in den USA auch passierte, aber nur dort).
Ich schätze, ich sollte nicht so viel Furcht vor dem 70%-Tantiemen-Bereich ab 2,99 haben. Wenn das Buch nur relevant genug ist, zahlen die Leute das auch für nur 45 Seiten.
Wäre das alles, ich wäre von Kindle Unlimited überzeugt und würde einige Titel speziell für dieses Programm online stellen: Kurzgeschichten, Sachbücher, alles, was relativ kurz ist und wofür Leser deshalb weniger gerne Geld ausgeben.
Doch dann:

Kindle Unlimited 2.0

Wie die meisten inzwischen mitbekommen haben dürften, bezahlt Amazon ab Juli 2015 Autoren für Ausleihen über Kindle Unlimited nicht mehr pro Buch, sondern pro gelesener Seite. Seriöse Schätzungen reichen von 0,5 Cent bis 0,6 Cent pro Seite.
Fiction Science 1 macht pro Verkauf je nach Währungskurs um die 1,60 €, die Ausleihe liegt voraussichtlich im Bereich von 1,20 € (das wird am 15. Juli klar). Der Verdienst einer vollständig gelesenen Ausleihe nach dem 1. Juli? Zwischen 23 und 25 Cent, bei weiterhin um die 1,60 € pro Verkauf.
Ich war vor der Änderung bereit, die geringeren Einnahmen von KU hinzunehmen, da ich damit gleichzeitig positive Effekte verband sowie die Erwartung, Leser zu erreichen, die das Buch sonst gar nicht kaufen würden. Dafür habe ich keine belastbaren Zahlen, aber das Risiko war mir die 40 Cent Unterschied wert. Jetzt beträgt der Unterschied einen knappen Euro. Unter diesen Umständen halte ich es wirtschaftlich nicht für rechtfertigbar, ein Buch von weniger als 300 Seiten in das KU-Programm zu stellen. Und da ich ein über 300 Seiten dickes Buch niemals Amazon-exklusiv anbieten würde, ist Kindle Unlimited damit für mich tot.

Al zu schlimm ist das für mich nicht: Fiction Science 1 war auf kurzen Hype ausgerichtet und lief auch genau so wie erwartet: Riesige Verkäufe zum Start und durch das folgende Wochenende, dann ein Absinken in der folgenden Woche und langsames Auslaufen der Verkäufe über den Juli, gefolgt von nur noch gelegentlichen Verkäufen in der weiteren Zukunft. Ich wusste vorher dass mir das Buch bereits im Juli kaum noch Geld bringen würde. Genau deshalb war es ja der perfekte Testballon.

Überm Horizont

Es gab ganze Geschäftsmodelle, die darauf basierten, kurze Werke zur Ausleihe bei Amazon zu veröffentlichen. Ich meine jetzt nicht die zuvor hier im Blog erwähnten Scamphlets/Scamletts; es gab durchaus auch legitime Kurzgeschichten, die so herauskamen. Das halbe Erotika-Genre (in das ich unter geheimem Pseudonym den Einstieg plante) auf Kindle hat von diesen Einnahmen gelebt.
Ich hätte gerne mit weiteren speziell auf KU zugeschnittenen Veröffentlichungen den Erfolg dieses Testballons fortgesetzt.
Nun, es hat nicht sein sollen und ich habe eines als wichtigstes gelernt: Wenn du eine Idee hast, setze sie um; du weisst nie, wann sie plötzlich aufhört, zu funktionieren.


Projekt Rana 0.0.3 – Gedanken zu Rädern und Reifen

Aufwand
bis 27.6.15

Schwalben-schwanz
79 €
Bachforelle
60 €
Helferlein
0 €
Recherche
10 €
Zeit
0h 0m

Während es bisher eher abstrakt um das Konzept an sich ging, komme ich diese Woche auf für den eigentlichen Bau relevante Einzelheiten zu sprechen. Ohne eine Entscheidung über die Größe und Ausführung der Räder komme ich nicht wirklich weiter, sind die Räder doch wichtige Bauteile bei so einem Fahrrad. Die Entscheidung stand auch wegen der konkret beschafften Bauteile diese Woche an.
Es gibt ein wichtiges Designziel für Projekt Rana, das ich noch nicht erwähnt hatte: Möglichst viele Teile sollen im Notfall aus dem nächsten größeren Supermarkt oder Fahrradgeschäft mit standardmäßig vorhandener Lagerware repariert oder ersetzt werden können. Das bedeutet natürlich, so wenig Spezialbauteile wie möglich zu verwenden. Grade bei den Rädern als empfindlichstem Teil jedes Fahrrads ist das ein wichtiger Punkt.

Allgemeines

Mehrspurige Fahrzeuge haben es nicht so leicht, Hindernissen auszuweichen, wie einspurige Fahrräder mit hoher Sitzposition. Dinge wie Glasscherben sind schwieriger zu sehen und die drei Spuren bergen das dreifache Risiko, dass eines der Räder eine große Scherbe abkriegt. Kein Fahrer kann im Alltag ständig die Sicherheit von drei Rädern ausserhalb des Sichtfeldes im Blick haben.
Also müssen die Räder so pannensicher sein wie nur möglich. Es mag nach Overkill klingen, pannensichere Reifen mit selbstreparierenden Schläuchen zu kombinieren, aber Overkill ist grade gut genug. Nur einen Vollgummischlauch lasse ich wegen des Gewichts bleiben.
Hier liegt auch eine Motivation für den Einbau von Standardteilen: Ist ein Schlauch doch mal komplett hinüber, ist er dann einfacher zu ersetzen. Da bin ich gebranntes Kind, ich stand vor einigen Wochen mit einem Durchstich direkt am Ventil in der Walachei hinter Wanlo. Das war lästig.

Triebräder

Die Entscheidung für die Vorderräder war recht einfach: Als Antriebsräder bei beiden Rana-Varianten bietet sich ein möglichst großes Rad an, denn je größer das Rad, desto höher die zurückgelegte Strecke pro Umdrehung.
28 Zoll ist das größte der drei Standardformate, also bekommen die Ranas 28-Zoll-Vorderräder. Als Antriebsräder sollen sie zudem möglichst viel Vortrieb bringen, also bekommen sie ein entsprechendes Reifenprofil.
Das Velomobil wiegt mit absoluter Sicherheit mehr als ein Fahrrad, daher sind die Antriebsräder maximal auf Zugkraft ausgelegt.

Heckrad

Beim Heckrad gilt im Grunde das Gegenteil: Es wird mehr oder weniger mitgeschleppt und passiv mitgedreht, ohne zum Antrieb beizutragen. Da ein kleineres Rad mit geringer Masse leichter in Drehung zu versetzen ist, sollten die Hinterräder der Ranas also kleiner sein als die Vorderräder. Zudem habe ich den Eindruck, dass kleinere Räder stärker lenken.
Hier bieten sich zwei gängige Optionen an: 26 oder 20 Zoll.
Fast alles Zubehör gibt es auch für 26 Zoll, Ersatzteile sind im Notfall schnell zur Hand, wenn man den nächsten Fahrradladen findet.
20 Zoll ist nicht ganz so gängig was Zubehör und Ersatzteile angeht, dafür verstärken diese die Vorteile der geringeren Größe und sind zudem so klein, dass ich die Nutzung eines Vollgummireifens durchaus bedenken würde (natürlich nur mit zusätzlicher Federung/Dämpfung in der Aufhängung, aber die ist bei Liegerädern eh nötig, um den Rücken zu schützen). Loopwheels gibt es in dieser Größe zwar ebenfalls, aber die kosten ungefähr so viel pro Rad wie die beiden Ranas aller Voraussicht nach jeweils insgesamt kosten werden.
Ich werde beim Schwalbenschwanz ein 20-Zoll-Hinterrad einsetzen. Damit kann der Hinterbau niedriger werden und wird nicht ganz so durch den Schwenkbereich des Rades begrenzt. Das starre Hinterrad der Bachforelle soll dagegen auf 26 Zoll kommen, vor allem wegen der besseren Verfügbarkeit von Ersatzteilen in fast jedem größeren Kaufhaus. Wobei auch hier 20 Zoll klare Vorteile böten, allem voran mehr Platz über dem Rad.

Stand

Ein Teil fehlt im Foto unten, weil es noch unterwegs ist: eBay hatte mir einen heute auslaufenden Gutschein über 30 € geschickt. Bedingung waren die Nutzung von Paypal zur Zahlung und ein Mindestumsatz von 60 €. Diese habe ich genutzt, um für den Schwalbenschwanz ein voll gefederte Hinterradaufhängung zu kaufen. Separate Aufhängungen sind gar nicht so leicht zu finden, also habe ich einen 20-Zoll-Rahmen mit ausbaubarer Federschwinge für knapp 68 € (bzw. £39.99) erworben (minus Gutschein). Da ich nur eine Schwinge dieser Größe brauchte, erscheint mir der Gutschein damit gut angelegt.
In jedes Projekt sind zehn Euro für je zwei 28-Zoll-Schläuche für die Vorderräder gegangen. Ich habe zwar jetzt nur zwei davon da, aber die Kosten sind trotzdem schon fest.
Die fünf € für die Recherche gehen auf zwei Bücher zurück. Das Fahrrad: Geschichte – Modelle – Radsport (kein Autor; Garant-Verlag) hat sich als weniger brauchbar erwiesen, als ich dachte, bringt aber immerhin eine sehr breite Sammlung von Radmodellen als Inspirationsquelle mit. Für vier € Neupreis kann man da dennoch nichts sagen. Ehrlich gesagt staune ich über diesen Preis für ein Buch in so guter technischen Ausstattung.
Dazu kommt ein € für Mehr Freude am Fahrrad der Stiftung Warentest, gefunden beim Hephata-Shop. Das Jahr 2000 liefert damit eine gute Einführung ins Thema Fahrrad. Nicht viel neues und noch weniger, was sich auf Liegeräder und Velomobile übertragen lässt, aber eine Einführung in Reifenprofile, Pedaloptionen, Bremssysteme und Rahmenfederung ist auf keinen Fall ein Fehler.

Ich brauche einen größeren Ordner

Ich brauche einen größeren Ordner


Es zeichnet sich ab, dass das Fahrzeug größenmäßig schneller wächst, als ich erwartet hatte. Wenn es so weitergeht, wie es aktuell aussieht, habe ich spätestens in zwei Wochen einen Fahrradrahmen und zwei Sitzflächen rumliegen. An diesem Punkt beginnt das Ganze dann, zu groß zu werden, um es bei mir unterzubringen. Bedeutet: Eine Garage muss her. Allerdings sollte eine normale Garage für alle Teilprojekte reichen, es ist also nicht ganz so schlimm.
Es gilt nur, etwas zu einem vernünftigen Preis zu finden und dann auch ein Fahrrad reinstellen zu dürfen. Und ja, letzteres ist tatsächlich ein Problem. So fragte mich der letzte Garagenvermieter, mit dem ich sprach, was ich denn reinstellen wollte. Daraufhin meinte er, er wolle lieber ein Auto in der Garage stehen haben, denn die seien schließlich für Autos, damit keine Seitenspiegel abgeschlagen werden und so weiter. Ich fand das Ganze zwar überaus befremdlich, aber da war nichts zu machen.
Ich meine, hey, ich bezahle und stell kein Gerümpel rein, das muss doch reichen.

Nächste Woche dreht sich alles um meinen Hintern. Sitzschale, ich meine um die Sitzschale.


Freitägliche Fünf 26.06.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal geht’s auf Weltreise.

1. Hier ist ein heckgesteuertes Liegerad aus Kalifornien. Es ist nur ein Zweirad, aber genau so soll die Hecksteuerung in meinem Projekt Rana (Typ Schwalbenschwanz) auch funktionieren. Damit wäre schon mal klar, dass es bei Zweirädern funktioniert. Und bei Dreirädern? Wir werden sehen. Der Erbauer hat zugesagt, mir weitere Informationen zur Konstruktion zu schicken.

2. Samsung stattete einen LKW in Argentinien testweise mit einer Videowand aus, dank der von hinten kommende Fahrer quasi durch den Laster hindurch sehen können, was ihnen auf der Straße entgegenkommt. Die Technik hat sich bewährt und Samsung will jetzt mit Verkehrsbehörden den regulären Einsatz abklären.

Ein Gif! Versteckt euch, die 90er sind zurück! (Bild: Samsung)

Ein animiertes Gif! Versteckt euch, die 90er sind zurück! (Bild: Samsung)

3. Meine neue Lieblingsfont, auch wenn ich keine Ahnung habe, wo ich die einsetzen sollte (oder wer der Lizenzgeber ist, denn die angegebene Seite existiert nicht mehr).

Spider-Foont, Spider-Font, does whatever a Spider-Font does…

Spider-Foont, Spider-Font, does whatever a Spider-Font does…

4. Australien bringt uns den wahrscheinlich fröhlichsten Song der Menschheitsgeschichte.

5. Zurück daheim konnte ich die Domain für mein nächstes Online-Projekt sichern. Wie meistens war gleich meine erste Wahl verfügbar. Ich weiss gar nicht, wieso es immer heisst, es sei schwer, eine gute URL zu finden. Ich kriege fast immer meine Wunsch-URI. Das Projekt geht dann nächste Woche online.


Die pawlowschen Journalisten

Das große Problem mit dem Journalismus ist, dass hunderte Journalisten kurzerhand von einer oder zwei Quellen abschreiben. Ich könnte mich jetzt auch darauf beziehen, dass einige sich gleich komplett neuen Quatsch aus Halbwissen zusammenbasteln, aber bei der Geschichte stimmt wenigstens die Bedrohung für die Panoramafreiheit, auch wenn der Kölner Dom zu alt ist, alsdass noch irgendwer ein Urheberrecht darauf haben könnte und daher nicht als Beispiel taugt. Nein, es steht mal wieder ein Klassiker an: Amazon.
Im Grunde ist die Sache für die hiesige Presse ja ganz einfach: Amazon ist der Scheitan und alles, was die machen, ist böse. Zum Beispiel, dass Mitarbeiter im Versandlager die Arbeit von Mitarbeitern im Versandlager machen müssen. Und dafür bezahlt werden, als wären sie nicht etwa ausgebildete Buchhändler mit zahlreichen anderen Aufgaben und Kompetenzen, sondern Mitarbeiter im Versandlager. Ja, ich weiss, Skandal!

Die Tage wurde dann erneut Stille Post gespielt und heraus kam das: „Skandal! Amazon bezahlt Autoren nach gelesenen Seiten und nicht mehr pro Verkauf!“ Das ist fast so schlimm, als würden dünne Bücher weniger kosten als dicke.

Was ist passiert?

Vergangene Woche schickte Amazon den direkt dort verlegenden Autoren eine Mail, die ankündigte, dass Ausleihen aus dem Programm Kindle Unlimited künftig nicht mehr pro Ausleihe bezahlt werden, sodern pro gelesener Seite. Die Seiten werden dazu, wie übrigens schon seit Jahren für die Angabe der Seitenzahl in den Verkaufsplattformen, über ein Standardisierungsverfahren ermittelt und mit bestimmten Positionen im Text gleichgesetzt.
Bisher wurde für Ausleihen immer der selbe Betrag gezahlt, sobald ein ausgeliehenes Buch zu mindestens 10% gelesen wurde. Der Betrag ergab sich aus einem vorher festgelegten Fond, der auf alle ausgeliehenen Bücher des Monats verteilt wurde. In Zukunft wird der Fond nicht mehr nach ausgeliehenen Titeln aufgeteilt, sondern nach gelesenen seiten, also kleinteiliger. Auf Amazons Seite ändert sich dadurch übrigens nichts, auch wenn praktisch alle Journalisten den Unsinn wiederholen, Amazon bekäme dadurch mehr Inhalt für weniger Geld; der Fond wird ja nicht kleiner, er wird nur nach einem genaueren Schlüssel verteilt.
Die meisten Autoren sind sehr froh um diese Änderung und haben lange etwas in dieser Art erhofft. Grund dafür sind die so genannten Scamphlets. Ein Scamphlet ist wertloser Schrott in eBook-Form, der so kurz ist, dass die zur Auszahlung nötigen 10% bereits beim Aufschlagen des „Werkes“ erreicht werden. Um die 1,30 € für drei Seiten nutzlosen Mist zu erhalten ist schon angenehm für die Macher dieser Masche.
Nun gefiel das den richtigen Autoren natürlich gar nicht, senkten die Betrüger doch so die Einnahmen für alle legitimen Verfasser aus dem selben Topf. Ebenso waren viele nicht grade begeistert, dass für die Ausleihe eines 1000-Seiten-Epos genau so viel gezahlt wurde wie für jene einer Kurzgeschichte. Entsprechend wurde Amazons neue Zahlungsweise allgemein positiv aufgenommen, da sie für alle deutlich gerechter ausfällt und eine sehr schädliche Betrugsmasche unattraktiv wird. Nicht wirklich schön ist, dass man jetzt vor der nächsten Monatsabrechnung nicht mal mehr schätzen kann, was einem eine Ausleihe einbringt, aber das ist schlimmstenfalls lästig.
Einige, etwa John Scalzi haben grundsätzliche Bedenken gegen das Konzept von Kindle Unlimited (KU) und das ist auch völlig legitim, hat aber nichts mit den aktuellen Änderungen zu tun.
Hinweis an dieser Stelle: Ich selbst nutze KU bei zwei Büchern. Gezielt bei Dinosaurs of Jurassic Park and Jurassic World und nebenbei bei Dieses Cover ist Müll, da bei letzterem andere Plattformen neben Amazon gerne die Erwähnung von Konkurrenz-Produkten untersagen (vor allem Apple und neuerdings Tolino) und die für KU nötige Amazon-Exklusivität somit ohnehin gegeben ist. Grade das Jurassic-Park-Buch war gezielt auf KU ausgerichtet. Ich glaube aber nicht, hier Ergebnisse untersuchen zu können – das Buch über Coverdesign geht alle paar Monate als Ausleihe weg (die Verkäufe sind leicht besser) und das Jurassic-Park-Buch wird trotz erheblichen Erfolges ziemlich sicher nur ein paar Wochen leben, solange der Film noch frisch ist und Hype erzeugt. Das bedeutet, dass sich meine eventuellen Einbußen oder Gewinne aus dieser Änderung extrem in Grenzen halten.
Normalerweise dienen solche Hinweise ja dem Bekenntnis von Eigeninteressen, aber in diesem Fall weist es meines Erachtens vor allem aus, dass ich weiss, wovon ich rede, wenn ich von KU rede.

Was wurde daraus?

Diverse Zeitungen erzählen was von einer Veränderung der Bezahlung von Kindle-Autoren, übersehen dabei aber komplett zu erklären, was genau KU eigentlich ist und dass es eben nicht um Verkäufe geht, sondern um Ausleihen. Dazu kommt etwa bei der FAZ die völlig unnachvollziehbare Behauptung, Amazon würde Geld sparen. Dass KU-Ausleihen aus einem Fond bezahlt werden dessen Höhe von der Anzahl der Ausleihen unabhängig ist, weiss man dort entweder nicht oder unterschlägt es, damit man Amazon etwas vorwerfen kann.
Nachvollziehbar ist die Befürchtung, dass Kindle-Bücher nun im Durchschnitt wieder länger und spannender werden. Was genau daran schlimm sein soll, wissen aber nur Leute, die das Wort „Hochkultur“ völlig ohne Ironie in den Mund zu nehmen vermögen.
Die Taz schießt den Vogel ab, indem sie zu erkennen gibt, den Unterschied zwischen KU und Verkäufen zu kennen, dies aber mit folgender hanebüchener Schlussfolgerung ignoriert:

Schaut man aber, wie Amazon in anderen Geschäftsfeldern operiert – seine TV-Serien auf Nutzergeschmack zuschneidet, seinen Mitarbeitern in Logistikzentren genau vorschreibt, wie viele Artikel sie pro Stunde zu versenden haben – dann scheint es nur logisch, wenn Amazon das Bezahlen-pro-Seite-Prinzip künftig massiv ausweiten würde.

Warum?

Zum einen ist Tagesjournalismus ein Eilgeschäft. Da muss man halt abschreiben und Halbverdautes möglichst schnell wiedergeben.
Zum anderen wirkt da wohl Pawlow: Amazon ist böse, da darf man dann immer das Schlimmste vermuten und dieses schlimmste dann mit Halbwahrheiten und mangelnder Recherche bestätigen. Wodurch man wiederum noch stärker dazu neigt, das Schlimmste zu vermuten. Und am Ende hat man einen Teufelskreis erschaffen, in dem sich die Vorurteile nur noch gegenseitig bestätigen. Und dank der Abschreiberei von Halbwahrheiten dreht dieser Teufelskreis überall in die selbe Richtung — das ist es dann, was viele mit „Gleichschaltung“ betiteln.
Und da ist das Problem mit dieser speziellen Form von Gleichschaltung: Sie ist im Gegensatz zu der historischen Gleichschaltung keine Absicht, sie ist ein unbewusstes Ergebnis von Stress. Der Beruf von Tagesjournalisten ist es, sich innerhalb von fünf Minuten zu jedem beliebigen Thema eine Meinung zu bilden. Und das geht ganz einfach nicht gut, denn diese Aufgabe ist nur zu erfüllen, wenn man sich dem Herdentrieb hingibt und nicht mehr nachdenkt oder gar Fakten recherchiert.
Das ist Instinkt, das ist prägung, das ist Pawlow. Pawlow aber konnte seinem Hund nur beibringen, zum Essen zu kommen. Sprechen oder Nachdenken hat er auf diese Weise nie gelernt.