Rundumschlag

Kurz eine Erklärung, sollte das Blog sich heute und am Wochenende seltsam benehmen: Ich richte mich virtuell endgültig hier ein.

Dabei dürften ein paar Dinge Besucher etwas verwirren, also kündige ich sie schonmal an:

  • Es wird in den nächsten Tagen relativ viele Artikel in kurzer Zeit geben. Das sind angesammelte Entwürfe, die ich zu kompletten Artikeln ausbaue und dann online stelle, bevor die Themen, die sie behandeln allzu sehr veraltet sind und keinen mehr interessieren. Ich habe momentan ein paar rumliegende Entwürfe zuviel im Speicher, es wird unübersichtlich, also arbeite ich die jetzt ab.
  • Ich habe zwei politische KWen und eine Woche eBook-Land aus Zeitmangel übersprungen. Inhaltlich werden diese mit der jeweils nächsten Ausgabe dieser Kategorien nachgeholt.
  • Eine Reihe Beiträge aus dem alten Blog sind noch nicht eingepasst. Zu erkennen ist das vor allem an den mit einem > beginnenden Überschriften vieler Artikel im Archiv. Diese werden bald komplett nachbearbeitet sein, danach kommen die archivierten Altbeiträge von shadaik.net neu dazu.
  • Die Kategorienanzeige wird sich sehr verändern. Die meisten Kategorien verschwinden, der Rest wird neu zugeschnitten und bekommt mehrere Ebenen.
  • Nach den Blogbeiträgen kommen auch die bisher noch nicht eingesetzten Seiten dazu.
  • Das Blog erhält ein paar neue Funktionen, nach aussen sichtbar wird vor allem der kommende Shop sein, in dem ich meine eBooks auch direkt verkaufe.

Also, wir sehen uns auf der anderen Seite.


eBook-Land Woche 35

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 201,39 € | Händler: 6

Freundliche Hinweise

Nach dem Start von Createspace in Deutschland will jeder ein Printbuch und die entsprechenden Beiträge sprießen aus dem Boden. Ich verlinke mal stellvertretend auf die detailierte Anleitung von Emily Bold, den Erfahrtungsbericht von Eileen Janket und jenen von Phantanews. Die Liste könnte noch um einiges länger sein, aber ganz ehrlich: Ich hab die Übersicht verloren. Es gab einen regelrechten Sturm auf Createspace, auf den andere Print-on-Demand-Anbieter wie Lulu.com nur neidisch sein können.
Es macht halt einen Unterschied, wenn man bereits der größte Buchhändler des Planeten ist.

Aus der Szene
Fangen wir mit dem großen Nachrichtenthema an: Google startet auch in Deutschland den Verkauf von eBooks. Ich persönlich finde das eher uninteressant. Google ist keine zum Produkt eBook passende Marke und wird es schwer haben, Marktanteil zu erlangen. Deren einzig hervorgehobene Besonderheit sind die 7 Tage Rückgaberecht – die allerdings bietet beispielsweise amazon auch.
Einen Extremfall von hohen eBook-Preisen bieten deGruyter, die es bei einem juristischen Lehrbuch schaffen, mal eben den zehnfachen Preis der Print-Ausgabe zu verlangen. Und das definitiv mit Absicht. Das ist besonders deshalb erstaunlich, weil der Preis der Taschenbuchvariante für ein juristisches Lehrbuch durchaus angenehm ist.
Insgesamt kommt die eBook-Revolution langsam bei den deutschen Verlagshäusern an. Weniger aus Deutschland selbst, als international. Die großen deutschen Verlagsgruppen gehören zu den größten Verlagshäusern der Welt und so müssen sie auf internationale Trends entsprechend reagieren. So beginnt Holtzbrinck nun damit, sich vom veralteten Modell der geografisch basierten Strukturen zu lösen und die bis dato unsägliche deutsche eBook-Verhinderungsplattform Libreka schließt sich den Branchenriesen an und wundert sich, dass sie plötzlich Absätze vorweisen kann. Dazu passt dann auch, dass eBooks in den USA inzwischen den gesamten Hardcover-Markt überholt haben. Gleichzeitig bricht das Taschenbuch ein und es scheint immer weniger unrealistisch davon auszugehen, dass das Taschenbuch in spätestens 20 Jahren als Format verschwunden sein wird – ausser als Druck auf Abruf wie bei Lulu. BOD und Createspace.
Der Cicero war es, der sich – sehr zu meiner Überraschung – diese Woche gegen den Duktus von Gestrigkeit=Kultur gestellt hat. Das bestätigt ein wenig meine Lieblingspointe zu dem Bereich: Es gibt Menschen, die Bücher mögen und solche, die Literatur mögen.
Und zuletzt noch eine kleinere, etwas lästige Nachricht: Apple schraubt für iBooks die Mindestmaße für eBook-Cover nach oben.


eBook-Land Woche 34

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 199,94 € | Händler: 6

In eigener Sache
Die Arbeit an Meilensteine der Evolution geht gut voran. Teilweise ist es nicht einfach, frei verwendbares Bildmaterial von brauchbarer Qualität zu finden, aber das wird schon.
Parallel dazu habe ich ein weiteres Projekt begonnen. Ein vergleichsweise einfaches Projekt, das sich nebenbei machen lässt, wenn ich beim Schreiben auf eine Blockade treffe aber trotzdem weiterarbeiten will. Noch sage ich da nicht viel zu, nur so viel: Ja, es ist für alle eBook-Reader. Mit einem Buch aber hat es so gut wie nichts mehr zu tun. Ein praktisches kleines Buch, das so auf Papier nie möglich wäre.
Noch etwas anderes: Einige neue Entwicklungen haben inzwischen die Entwicklung einer Version 4.0 von Dieses Cover ist Müll – Lernen Sie warum angestoßen. Diese wird dann wahrscheinlich im Laufe des Juni fertig. Da ich für Meilensteine der Evolution allerdings einen festen Zeitplan habe, ist diese Aktualisierung/Erweiterung aber eher etwas, was als Nebenprojekt läuft.

Aus der Szene
Kobo steigt nun auch ins Selbstverlags-Geschäft ein und kündigt eine entsprechende Plattform an. Die Konditionen sind sehr gut und ich bin gespannt, wie sich das entwickeln wird.
Amazon festigt seine Position im Markt, indem es einen weiteren Verlag kauft. Ich finde die Union von Verkaufsplattform und Verlag ja eher beunruhigend – auf keinen Fall dürfen wie etwa bei Videospielen bereits üblich einzelne Titel vertraglich festgeschrieben exklusiv für nur ein Gerät werden. Was leider bereits passiert. Die Vorteile einer solchen Entwicklung zeigt Amazon aber auch gleich auf und bringt ein Software-Update aufs Kindle, das neue Funktionen wie Pop-Ups als Alternative zu FUßnoten und Bildunterschriften erlaubt – ein deutlicher Fortschritt gegenüber den meisten aktuell erhältlichen eBooks (und gegenüber Papierbüchern).
In Deutschland versucht die bröckelnde Buchhandelskette Thalia erneut, etwas vom Kuchen abzubekommen und ersetzt ihr Lesegerät Oyo durch das Bokeen Cybook. Ob sich das besser verkauft, wird sich zeigen.
Buchreport verkündete diese Woche, mit Tina Folsom gebe es nun die erste deutsche eBok-Millionärin, was ziemlich irreführend ist, da sie seit 10 Jahren in dne USA lebt und für den dortigen Markt schreibt. Netterweise analysiert Thomas Knip die Sache recht gut, das spart mir Arbeit, die sich somit auf einen Link beschränkt. Apropos Analyse: Die letztwöchige Studie des Börsenvereins analysiert Steffen Meier ganz ausgezeichnet.


Bradburys Erbe

Ich finde die derzeit überall im (vor allem englischsprachigen) Internet zu lesenden Nachrufe auf Ray Bradbury hochinteressant. Genauer die Liste jener Werke von ihm, die dabei ständig erwähnt werden: Fahrenheit 451 und The Martian Chronicles.
Das sind natürlich jene Werke, die in vielen Lehrplänen vorkommen und im Englisch-Unterricht im Bereich Utopie/Dystopie oder auch Science-Fiction besprochen werden. Interessant finde ich das, weil es die Bedeutung der Werke völlig verzerrt. Fahrenheit ist mit Sicherheit ein bedeutender Roman über Literatur an sich und auch insofern beachtlich, dass er oft nicht als Science-Fiction gezählt wird. Wenn man die Bedeutung eines Werkes jedoch wie ich an seinem Einfluss auf die Kultur an sich bemisst, sticht ein anderer Text aus Bradburys Werk heraus, eines der meistadaptierten und das am häufigsten nachgedruckte Schriftstück des Genres: A Sound of Thunder.
In der 1952 erstmals publizierten Kurzgeschichte von 10 Seiten reist ein Großwildjäger 65 Millionen Jahre in die Vergangenheit, um einen Tyrannosaurus rex zu erlegen. Sein Reiseveranstalter hat alles exakt geplant und einen Saurier ausgewählt, der Sekunden nach der Jagd ohnehin von einem Baum erschlagen würde um zu verhindern, dass eine Veränderung in der Vergangenheit die Gegenwart unkontrolliert verändert. (Achja, SPOILERWARNUNG) Alles geht gut, doch dann gerät Großwildjäger Eckels vor dem Raubsaurier in Panik, kommt vom Pfad ab und tritt auf einen Schmetterling.

Es ist nicht nur die extrem weite Verbreitung der Geschichte, die sie zu einem der einflussreichsten literarischen Texte des 20. Jahrhunderts macht.
9 Jahre später würde der Meteorologe Edward Lorenz auf ein erstaunliches Phänomen stoßen: Als er beim Eingeben eines Wertes in eine Wettersimulation die letzten drei Nachkommastellen vergisst, ändert sich das Ergebnis radikal. Der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien (oder sonstwo), heisst es von nun an, kann in Texas einen Wirbelsturm auslösen. Es war dies eine der Geburtswehen einer Disziplin der Mathematik, die später als Chaostheorie zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Theorien des 20. Jahrhunderts werden würde.

Wie groß Bradburys Einfluss darauf war, dass Lorenz seine verdeutlichende Metapher recht schnell von einer Möwe auf einen Schmetterling wechselte, ist unklar. Vielleicht ist es Zufall. Ich halte es aber für unzweifelhaft, dass Bradburys Kurzgeschichte elementar war für die schnelle Popularisierung des Bildes, denn die Grundidee hinter beiden Schmetterlingen ist identisch: Kleine Dinge können große Auswirkungen haben. Der Schmetterlingseffekt wurde eine feste Metapher zumindest der amerikanischen Kultur.

Und weil sich so ein Kreis irgendwann schließen muss kam der popkulturelle Durchbruch der übrigen Chaostheorie von einem anderen Werk eines inzwischen verstorbenen SF-Autoren, in dem Tyrannosaurus rex und der Schmetterlingseffekt zentrale Rollen spielen: Jurassic Park.
Das ist gar keine so andere Geschichte, denn das Schicksal beider Werke in der Literaturwissenschaft führt zu einer gemeinsamen Erkenntnis: Unser Verständnis von dem, was wichtig ist und Einfluss hat ist häufig auf dem Holzweg. Die Literatur- und Kulturwissenschaften übersehen regelmäßig genau jene Werke, die tatsächlich einen feststellbaren gesellschaftlichen Einfluss haben und schlagen diese einer als minderwertig erachteten Populär- und Trivialliteratur zu.
Bradbury hatte, anders als Michael Crichton, Glück. Sein zweit-bedeutendstes Werk, Fahrenheit 451 gehört zu den wenigen Büchern, die in beiden Betrachtungsweisen als wichtig gelten können.


Politische KW 23-2012

Okay, das wird kurz: Es gab zwar zwei Sitzungen diese Woche, das war aber praktisch ausschließlich Diskussion um Detailfragen und Vorgehensweisen. Dann kam der Feiertag, dann der Brückentag und dann das Wochenende.


eBook-Cover des Monats Mai 2012

Etwas verspätet, aber immerhin: Hier sind die besten 10 eBook-Cover, die mir im Mai aufgefallen sind mit einer kurzen Bewertung dieser. Das erste Mal ist eine Serie dabei, die Gestaltung von Buchreihen ist leider nur selten so gelungen. Interessanterweise scheinen sich nackte Frauen als Trend auf Covern zu etablieren und ich glaube nicht, dass es an mir liegt (kann aber sein), dass ich ausserhalb des Romantik-Bereichs quasi keine nackten Männer auf Buchcovern sehe.

10. 40 Histoires de Sexe Explicite XXX
Und unsere erste nackte Frau heute findet sich auf einem Porno-Cover.
Das Motiv selbst und die Farbgebung sind ein bisschen seltsam, zumindest wenn es hier nicht um Nekrophilie oder ein neues Sub-Genre, de Kühlhausporno geht. Worum auch immer es ging, das Buch ist inzwischen offline – warum auch immer, sieht man sich an, was sonst noch so im Erotikbereich verkauft wird.
Was das Buch jedenfalls richtig macht ist die klare Betonung der wichtigen Komponenten im Titel. Das ist nicht für jedes Genre geeignet, aber für Sex passt es schon. Ein wenig zeigt sich hier dann auch der Sinn der Farbgebung: Es hat etwas von Rotlichtviertel bei Nacht mit der roten Neonschrift und dem blauen Grundton.

9. Of Ants and Dinosaurs
Auch nackt sind unsere Charaktere auf diesem Cover, es ist aber kein Dinosaurier-Ameisen-Porno. Und ich muss definitiv an meinen Überleitungen arbeiten.
Das Buch handelt von einem Konflikt zwischen den beiden am Ende der Kreidezeit die Welt beherrschenden Spezies – den Ameisen und den Dinosauriern. Alles ist super, doch dann verlangen die Ameisen von den Dinosauriern, ihre Atomwaffen zu zerstören. Das ganze ist im Grunde eine Satire auf die Entwicklung Chinas und ziemlich seltsam, insbesondere für westliche Leser.
Genau das macht das Cover auch deutlich, vom Titel über das Titelbild bis zum Beschreibungstext. Die weisse Schrift auf fast-weissem Grund gibt Punktabzug. Insgesamt ein Cover, das allein schon von der Seltsamkeit der Prämisse des Buches heraussticht.

8. Relationship Status / Timeline
Aha, das erste Mal, dass hier eine Serie auftaucht. David Wailing ist vor allem mit seinen Büchern über Online-Dating erfolgreich. Diese beiden Bände setzen die Grundidee des Online-Dating-Thrillers in eine Zukunft fort, in der eine Art Taschencomputer, der Auto, die Menschen begleitet, ihr Leben organisiert, ihre Beziehungen vermittelt.
Das ist ein schönes Beispiel, wie man eine Serie zusammenhält: Das Basismotiv ist identisch, nur die Anzeige auf dem Display ändert sich drastisch. Da diese aber den Fokus des Bildes bildet, reicht es schon, diesen Teilaspekt zu verändern um ein komplett neues Cover zu erhalten, das sich auch auf dem schwarz-weissen eBook-Lesegerät unterscheiden lässt und trotzdem ganz offensichtlich zusammenzugehören.
Das Motiv selbst ist naheliegend, es fehlt nur ein wenig an einer Vermittlung des SF-Genres. Smartphones gibt es schon in der Gegenwart, nicht erst 2022.

7. The Ultimate James Bond Fan Book
Zeit für die übrigen nackten Frauen diesen Monat.
The Ultimate James Bond Fan Book ist… ein James-Bond-Fanbuch. Dass es um James Bond geht wird dank des Aufgreifens der Ikonografie der Filme vollkommen unmissverständlich deutlich – eines der wenigen Buchcover, die komplett auf einen Text verzichten könnten, wenn der Verlag nur wollte.
Titelbild und Schriftart entsprechen dem Bild der Bond-Filme (vor allem aus der Pierce-Brosnan-Ära, der dieses Buch im Original entstammt). Das ist vielleicht wenig kreativ, aber es ist effektiv und letztendlich ist es das, worauf es beim Coverdesign ankommt. Für so ein Buch ist es besser, den Themenbezug sofort kenntlich zu machen und alle Fans anzusprechen als kreativ zu sein und damit dann von Bond-Fans übersehen zu werden.

6. Stripped
Tori St. Claire hat’s irgendwie mit Doppelmotiven, das hier ist das mit Abstand bessere ihrer beiden Cover.
Der Roman handelt vom organisierten Verbrechen in Russland und einer Undercover-CIA-Agentin, die seinen Menschenhändlerring sprengen soll. Dieser hat sich auf Geschäfte mit Stripperinen aus Las Vegas konzentriert.
Das Bild in der Silhouette der Stripperin könnte ruhig mehr mit dem oberflächlichen Bild kontrastieren, so sieht es aus wie ein normaler Sexroman mit deutlich höherem künstlerischen Aufwand. Allerdings wird das Buch auch mit Betonung auf den Sex vermarktet, insofern passt das wieder sehr gut zur Marketing-Strategie des Verlages.

5. Stained
Unsere letzte nackte Frau für heute. Der Fokus von Stained sind magische Tätowierungen und so macht es auch Sinn, dass eine Tätowierung der Fokus des Covers ist. Dem Titel wird durch die zu Farbschmieren verlaufenden Haarsträhnen Genüge getan.
Die Betonung von schwarz (Haare, Wimpern, Lippenstift, seltsamerweise aber nicht die Fingernägel) passt zur Hexenthematik. Was dem Cover fehlt ist der Rabe der Hauptfigur um das Hexenthema stärker zu betonen. Wenn der Inhalt schon eine solche Chance für eine eindeutige Visualisierung eines zentralen Aspekts bietet, sollte man sie auch nutzen. Der erotische Einschlag des Titelbilds (Gesichtsausdruck, Nacktheit) will nicht so ganz zur Geschichte passen, schadet allerdings auch nicht im geringsten.

4. Rumpus Time
Das ist ein interessantes Cover. Es übernimmt mit seiner Farbwahl und dem sparsam angewendeten Motiv die Ästhetik eines Fachbuches: Zwei klar abgegrenzte Farbbereiche mit einer schwarz-weissen Illustration eines Skeletts. Wobei das Skelett spätestens durch seinen Schädel auffällt und zu der Frage verleitet, was das auf dem Cover ist. Und schon liest man in der Buchbeschreibung nach – das Cover hat genau die Aufgabe erfüllt, für die es da ist. Die Hinterlegung aus weissen Vierecken unterstreicht recht gut die aus menschlichen und hündischen Merkmalen zusammengewürfelte Anatomie der Kreatur, die im übrigen auch der Fokus der Geschichte ist. Es ist offensichtlich, dass das Bild eine Art Konzeptstudie der Kreatur ist, die aus verschiedenen Bildern zusammengesetzt wurde – allerdings absichtlich, wie das Kopfskelett zeigt, das definitiv nicht aus einem existierenden Bild stammt.
Ein paar Details sind nicht stimmig, vor allem die für ein aufrecht gehendes Lebewesen viel zu dünnen Oberschenkelknochen. Aber das ist weniger eine gestalterische Beschwerde über das Coverdesign als eine zoologische über die Anatomie einer fiktiven Kreatur.

3. Noah
Und dann sind da diese Fälle, die fast schon zu einfach zu einem Cover umzusetzen sind, bei denen man aber dennoch konstatieren muss, dass da erstmal jemand drauf kommen musste.
Noah profitiert natürlich von dem kurzen Titel, der sich schön groß darstellen lässt, aber auch von dem minimalistischen Motiv, das dennoch unverkennbar auf den biblischen Noah verweist: Wasser, Holz, Taube mit Ölzweig, fertig ist die unverkennbare Arche. Bonuspunkte für die konzeptionell klare Nutzung der blauen Wasserfläche für den Autorennamen und die Integration des Holzmusters in den Titelschriftzug.

2. Diary of a Time Traveller
Wieder so ein Cover, bei dem erst auf den zweiten Blick auffällt, was hier eigentlich nicht stimmt, auch wenn schon der erste verrät, dass irgendetwas falsch ist. Auch hier wieder ein naheliegendes Motiv, schließlich geht es um Nazis in London.
Ein gestalterischer Vorteil des Hakenkreuzes ist, dass es sich wegen seiner schlichten Gestalt überall relativ leicht und unauffällig integrieren lässt, als geschichtlich sehr klar vorbelastetes Symbol aber dennoch heraussticht und Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das Feuerwerk im Hintergrund macht klar, dass wir es hier mit einem Werk des Alternativweltromans zu tun haben, ein kleines, aber hochinteressantes Schwestergenre der Science-Fiction, hier kombiniert mit einem Zeitreiseplot. Zeitreise- und Alternativweltromane haben den Vorteil, dass schon die Prämisse wunderbare Motivkontraste liefert, die das Cover dann nur noch umsetzen muss.

1. Der Preis
Barcodes sind eigentlich eine ganz einfache Sache: Man nehme ein rechteckiges Bild und ziehe ein paar Streifen ein et voilà – Barcodebild.
Der Barcode harmoniert als Motiv sehr schön mit dem Titel. Es fällt mir schwer zu sagen, warum, aber das Cover sagt mir ganz klar „Thriller“, wo es problemlos auch „Science-Fiction“ sagen könnte. Sicher, der entsprechende Schriftzug hilft, aber das ganze Cover hat mit seinem Minimalismus sehr viel von jenem Stil, der vor allem bei Literatur und eben Thrillern vorkommt und mehr auf Symbolik als auf das Abbilden von Szenen setzt. Die Farbwahl des Autorennamens ist ein hübscher kleiner Gag am Rande.

Ebenfalls erwähnenswert


eBook-Land Woche 33

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 172,20 € | Händler: 6

In eigener Sache
Ich hatte ja bereits angekündigt, die übrigen Bände von Meilensteine der Evolution näher beieinander zu veröffentlichen. Ich habe nun entschieden, daraus eine kleine Aktion zu machen: Die restlichen Bände und die Aktualisierung von Feuchten Fußes werden alle gleichzeitig Anfang Juli erscheinen. Okay, logistisch keine kleine Aktion, wir sprechen hier immerhin von 10 eBooks (11 mit dem Sammelband), aber ich will genau diese Aktion auch offensiv als kleinen Event nutzen.
Ausschlag gaben hierfür zwei Umstände: Zum einen will ich möglichst bald den Weg frei haben für andere Projekte um eventuell später mit einer zweiten Staffel zu der Serie zurückzukehren (das sieht übrigens inzwischen sehr wahrscheinlich aus). Zum anderen will ich nicht, dass Leser am Ende enttäuscht sind, wenn sie die ganze Serie einzeln kaufen und dann sehen, dass es noch einen Sammelband gibt. Da der Sammelband die Leser weniger kostet als alle Bände zusammen (9,99 € statt 13,41 €) und mir zugleich mehr bringt (6,79 € statt 4,59 €) macht es für alle beteiligten Sinn, den Sammelband zugleich anzubieten. Wer nur einen einzelnen Band der Reihe will oder einen als Kostprobe kauft (ein Einzelband plus Sammelband ist immer noch etwas billiger als die ganze Reihe), kann dies auch weiterhin tun. Ich bin gespannt, wie das ausgeht.
Die beiden bisher namenlosen Bände erhalten übrigens die Titel Geschwinden Gleitens (Fliegende Reptilien des Perm) und Kraftlosen Keuchens (Massensterben am Ende des Perm). Nicht meine schönsten, aber ich werde nicht für diese zwei Bände das schöne Muster der übrigen Serie aufbrechen.

Danach gehe ich erstmal an meine beiden Kurzgeschichtensammlungen – eine in Deutsch, eine in Englisch, jeweils mit eigenen Geschichten (und Gedichten), die in der jeweiligen Sprache entstanden sind. Die Texte fallen ohnehin grade an, während ich meine ganzen alten Blogs aus den letzten 14 Jahren auf thomasdiehl.eu zusammenführe und dabei sichte.

Aus der Szene
Kommen wir zur großen Nachricht der Woche für den deutschen Markt: Die gestern veröffentlichte zweite eBook-Studie des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. Hier die kurze Präsentation der Ergebnisse, denn wozu paraphrasieren, wenn ich einfach einbinden kann?:

Was mich etwas erschreckt ist die große Zahl an Artikeln, welche dieDaten einfach missverstehen, verkürzen, falsch zitieren oder einfach den entscheidenen Punkt auslassen. Qualitätsjournalismus halt. Tatsache ist: Der eBook-Markt entwickelt sich mit einer Verdoppelung von 2010 auf 2011 erwartungsgemäß und der Optimismus der Verlage zum zukünftigen Marktanteil verbessert sich sogar (Seite 26 in der Präsentation). Nur die Buchhändler erwarten weniger Wachstum in ihrem Geschäft – das aber macht Sinn, denn eBooks werden ganz einfach nicht im Buchhandel gekauft, wozu auch?
Komplett gelsen haben die Studie unter den großen Medien offenbar nur die FAZ und Heise.
Erstere wagt denn auch den Schritt ins eBook-Land und bringt Zusammenstellungen von Artikeln zu wichtigen Themen als eBooks raus, ein Modell, das in den USA schon länger erfolgreich läuft. Und möglicherweise ein erster Hinweis, dass der deutsche Markt stellenweise einfach die andernorts bereits erfolgten Innovationen übernimmt und damit potenziell schneller wachsen könnte als dort, da er relativ früh einen höheren Nutzen bietet als die älteren Märkte.

Eine andere Studie, die ich sehr interessant finde belegt unterdessen, dass reine eBooks den mit Multimedia angereicherten „enhanced e-books“ überlegen sind, was die Aufmerksamkeitsbindung angeht. Wie ich immer sage: eBooks brauchen keine Gimmicks.
Anders sieht das natürlich aus, wenn man Bücher zu Videospielen macht, so wie Sony. Mit Lesen hat das natürlich wenig zu tun, aber es ist eine schöne Idee. Ich gehe nicht davon aus, dass es da mehr als, sagen wir mal, fünf Titel für gibt. Was typisch wäre für solche Sony-Innovationen in der PlayStation-Reihe.

Noch eine andere Studie präsentierte Mark Coker vom eBook-Händler Smashwords in der HUffington Post. Demnach ziehen eBook-Leser (oder zumindest die Kunden bei Smashwords) lange Bücher vor, insbesondere solche, die länger sind, als es im Printbereich überhaupt wirtschaftlich wäre. Es wird sich zeigen müssen, ob das ein statistischer Ausreisser ist oder sich als Trend erweist. Ich muss ehrlich sagen: Als Trend gefiele es mir nicht einfach weil ich relativ kurz schreibe. Es passt aber zu dem Phänomen, dass sich Serien grundsätzlich besser verkaufen als Einzeltitel.

Bleiben noch die kleineren Nachrichten: Kristine Kathryn Rusch hat sich mal dezidierter der letzte Woche schon von mir kritisierten Taleist-Studie angenommen und weist vor allem auf Unstimmigkeiten in der Erhebung hin, aber auch in der Art und Weise, wie die Leute bei Taleist aus ihren Zahlen Erkenntnisse ziehen.
Als sehr nützlich könnte sich eine geplante Plattform erweisen, auf der Autoren und Buchdienstleister (Lektoren, Coverdesigner, Marketing-Leute, Übersetzer etc.) Dienste anbieten und suchen können.
Und zum Schluss noch was zu lachen: Eine Ausgabe von Tolstois Krieg und Frieden für Nook, in der alle Erwähnungen von „to kindle“ (engl.: entzünden) durch „Nook“ ersetzt wurden.


Politische KW 22-2012

Wie üblich war die Woche nach der Ratssitzung eine ruhige, zumal die montägliche Fraktionssitzung dank eines Feiertages ausfiel. Aber der nächste Ratszug ist ein kurzer und so haben wir jetzt schon die ersten Vorbereitungen. Bei der Gelegenheit füge ich mal den Wochentagen den neuen Abschnitt „Ausblick“ hinzu. Mal sehen, ob das funktioniert.

Dienstag
Ein Thema, mit dem wir uns immer dringlicher auseinandersetzen müssen ist die Zukunft der GEM. Es gibt auslaufende Verträge und wir müssen eine klare Position finden, wie wir uns zu diesen Verhalten. Noch kann ich nicht all zu viel dazu sagen, nur so viel: Wir sind dran und haben mal alle Optionen zusammengetragen – und da gibt es eine Menge.

Mittwoch
Und weiter mit der Viktoriastraße. Wie das so ist mit Verhandlungen: Nicht alle Partner mochten mein Vorhaben, einen neuen Radweg (bzw. Schutzstreifen) auf der Straße zu schaffen und so sind wir dazu gekommen, zumindest die Benutzungspflicht des jetzigen stadteinwärtigen Radweges aufzuheben. Über eine Anfrage statt über einen Antrag, da man sich wegen des Feiertags nicht mehr mit den Fraktionen absprechen konnte. Grmpf.
Nunja, unter der Prämisse, dass das Anliegen diesmal jemand anders bearbeitet als vor anderthalb Jahren (jemand deutlich verlässlicheres) hab ich das mal akzeptiert. Wenn allerdings bis Januar nichts passiert, leg ich das nochmal als Antrag auf. Es ist ziemlich lästig, wie beschwerlich das ist. Ich meine, es geht um genau einen Radweg. Aber schön zu sehen, wie die Lippenbekenntnisse mancher, mehr Radwegen zu wollen (vor der Wahl in allen Programmen) sich in Luft auflösen, sobald man damit irgendwie ein Auto einschränken könnte.

Donnerstag
Wieder ein Werkstattgespräch zur Waldhausener Straße – und Auftritt der Bedenkenträger. Bedenkentragen ist in Mönchengladbach ja Volkssport. Wenn man vor lauter Sorge, nicht voran zu kommen nicht voran kommt ist das schon beunruhigend.
So etwa mit der Bepflanzung am Platz Aachener/Waldhausener Straße. Anstatt es einfach auszuprobieren kommt sofort das Bedenken, die Pflanzen bräuchten für den Standort zuviel Licht. Ich kann die Bedenken ja bestehen, aber si elassen sich recht einfach ausräumen: Man nehme einen Topf mit einem Horst Miscanthus giganteus und stelle ihn dort hin. Und nach ein-zwei Wochen wissen wir, ob er dort gedeiht.
Naja, die Toilette, die seit nunmehr einem Jahr sofort wegkommt, kommt jetzt im Juni weg. Immerhin.

Freitag
Seit langem mal wieder ein Ausstadtstermin: Für eine Fachtagung zum Thema Luftreinhalteplan ging es nach Duisburg. Das war durchaus interessant, etwa was Zahlen zur Wirksamkeit von Umweltzonen anging. Essenz: Sie wirken, wenn auch nicht genug um allein die Probleme zu beheben – nur Maßnahmen, die den Autoverkehr grundsätzlich senken wirken noch besser als die Umweltzone.
Auch war interessant und wichtig, einige Einflüsse klar zu haben. Etwa die große Rolle des Reifenabriebs beim Feinstaub, die Rolle der Gülleausbringung mit ihren Ammoniakverbindungen, das Problem der unwirksamen Filterung in Bussen und Müllfahrzeugen (die wegen des ständigen Start-Stop-Fahrens nicht heiss genug werden) und einiges mehr an Details, die man oft nicht so auf dem Schirm hat, wenn man von Luftreinhaltung spricht.

Sonntag
Wie jeder erste Sonntag des Monats schloss auch dieser mit dem Grünen Runden Tisch ab. Diesmal etwas größer, mit Musik und Kuchen und einem abschließenden Danke von unseren beiden Kandidaten im letzten Landtagswahlkampf kamen auch mehr Leute. Diesmal war es nicht wirklich inhaltlich, aber angenehm. Und auf jeden Fall kommt am Rande dessen die Neugründung unserer Grünen Jugend langsam voran und nimmt Züge an.

Ausblick
Noch eine Woche mit Feiertag, diesmal aber am Donnerstag. Am Montag wird es um so spannende Themen wie Schlitzrinnen gehen.
Die zu erwartenden Themen in Stichworten: Das von der Stadt geplante Vebrot von Schlitzrinnen, der Umbau der Abfallumladestellen Heidgesberg und Luisental, der Neustart der Grünen Jugend (wenn nicht die Woche drauf), das Internet.


eBook-Land Woche 32

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 154,82 € | Händler: 6

In eigener Sache
Dieses Cover ist Müll! hat mit einigen kleinen Korrekturen und Aktualisieurngen nunmehr Verisonsnummer 3.0.2 erreicht und war zu diesem Anlass am vergangenen Freitag kostenlos zu haben. Das Ergebnis ist dabei wesentlich schlichter als damals bei Feuchten Fußes: 237 Exemplare wurden am Freitag geladen, 3 seitdem verkauft (darunter mein erster Verkauf in Spanien). Dazu kommen noch 11 Stück, die nach dem Ende der Gratis-Aktion als kostenlos gezählt wurden. Ich vermute, das ist ein Darstellungsfehler und diese sind noch in der kostenlosen Zeit bestellt, aber erst später zur Statistik gezählt worden. Ich habe dennoch Amazon dazu kontaktiert, vielleicht steckt ja noch Geld drin ;-) .
Ein Erfolg, den ich bei der anderen Aktion dafür nicht hatte, waren gleich zwei hervorragende neue Bewertungen des Buches. Die erste davon kam während der Aktion bei xtme, einer Seite, die regelmäßig kostenlose Amazon-eBooks sammelt und die besten (sowie ein richtig schlechtes als Warnung) verlinkt (also etwa das, was eBooksfuerlau bei Twitter macht).

xtme in seiner Liste guter kostenloser eBooks: Dieses eBook ist KEIN Müll! Im Gegenteil, mir gefällt die konstruktive und detaillierte Herangehensweise des Autors an ein Thema, das jedem, der mal bei Amazon in den eBooks recherchiert hat, begegnet ist: schlechte und unleserliche Cover. Falls Sie sich mit dem Gedanken tragen, ein eBook für Kindle zu veröffentlichen: lesen Sie dieses eBook! (Viele Abbildungen, 704 Positionen, 59 Normseiten, 3,99 € Normalpreis)

Dazu kam gestern noch eine Rezension auf Amazon.de selbst, wenn ich das A. richtig aufdrösel von SF-Autor Ava Felsenstein. Diese sind besonders wertvoll, weil sie dort für die Kunden sichtbar sind und vor allem die Sternwertung erscheinen lassen, die somit jetzt bei fünf Sternen liegt:

Hätte ich dieses Buch doch schon viel früher gelesen…
.. wird sich so mancher Leser dieses Ebooks sagen, welcher ebenfalls veröffentlicht hat und nie ganz mit seinem Cover zufrieden war. Eine Fülle guter Tipps, Anleitungen und Wegweiser sind hier zusammengetragen.(…)

Ich drücke dem Autor die Daumen, dass noch viele Autoren im Selbstverlag und andere Leser zu diesem Konzentrat an Wissen greifen und ihm die gerechtfertigten Platzierungen noch lange erhalten bleiben bzw. sich noch verbessern werden!

Wenn ich jetzt die nette Erwähnung bei Eileen Janket mitzähle, sind das drei positive Kritiken – drei mehr als bei Feuchten Fußes, welches bis heute die doppelte verkaufte Auflage aufweisen kann, es aber nur auf einen erfreulichen aber eher beiläufigen Hinweis im Manager-Magazin gebracht hat. Ich vermute, Ratgeber werden einfach häufiger bewertet als Sachbücher, da sie leichter nach Praxistauglichkeit benotet werden können. Für mich eine interessante Erkenntnis.
Die nächste Überarbeitung des Titels wird dann wohl wieder etwas größer sein – mit Version 3.1 ist dann im Spätommer zu rechnen, wenn nichts wichtiges dazwischenkommt.
Die zweite Auflage von Feuchten Fußes (also Version 2.0) nähert sich unterdessen ihrer Fertigstellung. Etwas später, als geplant, aber dafür wird das Buch auch merklich an Umfang zulegen.

Freundliche Hinweise
Wilhelm Ruprecht Frieling stellt seine Autobiografie Der Bücherprinz oder: Wie ich Verleger wurde noch bis zum 31. Mai kostenlos zum Download. Frieling ist eine recht ungewöhnliche Figur in der deutschen Verlagsszene und unter anderem dafür verantwortlich, dass das Konzept der Zuschussverlage hierzulande populär wurde. Das liest sich locker und amüsant, auch wenn man vom Konzept des Zuschussverlages (ursprüngliche Kernfunktion eines Verlages ist ja eigentlich grade die Finanzierung von Werken) wenig hält.
Mein Eindruck bisher: Der Text ist offen und durchaus auch selbstkritisch. Natürlich als Autobiografie nicht abschließend. Ich bin allerdings ein eher langsamer Leser und daher kann ich noch nichts zum Abschluss sagen. Einer der Gründe, warum ich praktisch nie Rezensionen schreibe (und Hörbücher mit ihrer vorgegebenen Geschwindigkeit ohne parallele Beanspruchung der anderen Sinne nicht mag).

Aus der Szene
Die aktuellste, aber in gewisser Weise auch beachtlichste Meldung gleich zu Anfang: Heute morgen hat das Sat.1-Frühstücksfernsehen ein selbstverlegtes Kindle-eBook empfohlen. Sechs von Niels Gerhardt, um genau zu sein. Der Videobeitrag selbst ist hier zu sehen.
Das große Thema in den USA ist momentan eine Studie des Blogs Taleist, deren Auswertung allerdings sehr zu wünschen übrig lässt. So wird festgestellt, dass Autoren mehr Geld verdienen, wenn sie professionelle Hilfe (Lektorat, Korrektorat, Coverdesign) in Anspruch nehmen, aber nicht weiter gegraben, ob das die Ursache für die höheren Einkünfte ist oder nur eine Folge der eigentlichen Ursache. Sicherlich ein interessantes Projekt für jemanden, der Ahnung von Statistik hat.
Ein anderes Thema waren Rezensionen: Einerseits gibt es da eine Untersuchung, die zu dem Schluss kommt, dass Rezensionen verkaufsfördernd wirken – und zwar weitgehend unabhängig davon, wie das Buch bewertet wird. Andererseits nimmt das Problem gefälschter Rezensionen offenbar langsam überhand.
Amazon verschärft nebenbei die Regeln zu Spam und untersagt künftig auch die Nutzung von frei im Netz zugänglichen Inhalten, sofern es sich nicht um eigene Inhalte oder gemeinfreie Literatur handelt. Konkret richtet sich die Regel wohl gegen die zahlreichen eBooks, die nur aus abgeschriebenen Wikipedia-Artikeln bestehen.
Tony Sanfilippo beschäftigt sich mit der Frage, wie Buchläden in Zukunft aussehen könnten. Alteingesessenen Lesern dieses Blogs werden Teile des Szenarios bekannt vorkommen. Ich vermeine unterdessen, erste Tendenzen zu einem Umdenken sehen zu können – man beachte die Überschrift. An dieser Stelle ist auch erwähnenswert, dass die honorige Stiftung Lesen sich inzwischen deutlich hinter Selbstverleger stellt.
Ein Einzelerfolg, der nicht verschwiegen werden sollte ist natürlich Fifty Shades of Grey, jene Twilight-Fan-Fiction-Serie, die es leicht überarbeitet als wortwörtlicher Vampirporno inzwischen in die Bestsellerlisten schafft – und mit seinen beiden Fortsetzungen in den USA zwischenzeitlich 25% des Belletristikmarktes ausmacht.


Politische KW 21-2012

Montag
Die Fraktionssitzung verlief relativ unspektakulär, wie es für die Sitzung vor einer Ratssitzung normal ist: Die meisten Themen sind schon vorher erledigt worden. Neu ist eigentlich nur eine Sparmaßnahme aus der Kategorie „Kleinvieh macht auch Mist“ – das städtische Geburtstagsgeschenk zum 80. und 85 Geburtstag soll gestrichen werden. Da sind wir bei uns aber einhellig für.

Abseits der Fraktionssitzung vernehme ich Andeutungen aus dem Umweltamt, dass sich beim Thema CD-Recycling etwas positives tut, ohne genau zu erfahren, was. Es ist jetzt auch schon gut ein Dreivierteljahr her dass wir im Umweltausschuss erfuhren, dass die Stadt für dieses Geschäft Geld ausgibt. Wir werden in den kommenden Monaten wohl davon hören, ich hoffe sehr, dass es dort in Zukunft statt dessen Einnahmen gibt, die dem Bürger bei den Abfallgebühren zu Gute kommen, wenn auch nur im Centbereich.

Mittwoch
Die Ratssitzung war eine Haushaltssitzung und daher eher wenig interessant, weil es keine großen inhaltlichen Entscheidungen abseits dessen gab. Für eine Haushaltssitzung allerdings war sie dann doch wieder interessant.
Gleich zu Anfang gab es einen Vortrag zum JHQ. Die NATO-Militärbasis unter britischer Hoheit zwischen Rheindahlen und Hardt wird im Laufe der nächsten Jahre komplett aufgegeben und die große Frage für uns als Stadt ist: Was machen wir mit vier Millionen Quadratmetern frisch dazugekommener Fläche. Die Tendenz der gefragten Gutachter jedenfalls geht in ungefähr die selbe Richtung wie ich anno dazumal, was mich schonmal freut. Es gab dann noch von uns einen Antrag dazu, die Stadt soll sich die Option offenhalten, das Gelände nach Abzug der Truppen zu kaufen, um die weitere Entwicklung dort besser kontrollieren und eventuell mit dem Weiterverkauf noch Gewinn machen zu können.

Bei den Haushaltsreden fand ich vor allem jene von Dr. Anno Jansen-Winkeln (FDP) bemerkenswert. Weniger wegen der von der Presse zitierten Streichliste, als wegen den zentralen Teilen der Einleitung:

[…]Schauen Sie sich in der Geschichte um. Welches Gesellschaftssystem kennen Sie, dass 10.000 Jahre … nun lassen Sie mich mal nicht so anspruchsvoll sein … sagen wir also 1000 Jahre überdauert hat?

Keines!

Und bereits 100 Jahre sind eine ausgesprochene Seltenheit. Umbruch, Wandel und Fehler die zur Katastrophe führen sind das Prinzip der Geschichte, nicht Sicherheit und der gute Ausgang der Dinge.

[…]

Nein, vielleicht noch nicht in Deutschland. Sicher aber in Spanien oder Griechenland. Vor 5 Jahren waren dies noch Länder, die mit Deutschland gut vergleichbar waren.

[…]

Ich habe offen gesagt große Zweifel, dass wir noch eine Chance haben, das bisherige System dauerhaft zu stabilisieren. […]

Was wir hier sehen, ist der innere Widerstreit beruflichen Wissens (der Mann ist Archäologe) mit politischer Überzeugung (immer noch FDP). Jansen-Winkeln kriegt noch die Kurve und stellt dann seine Streichliste auf, deren Durchsetzbarkeit sich noch herausstellen wird. Diese finde ich weitgehend uninteressant, eben weil das noch nichts weiter ist als seine persönliche kleine Liste.
Für mich interessanter sind die obigen Zitate, da sie mittelfristig auf ein sehr starkes Umdenken bei diesem Mann hindeuten. Das sind nichts geringeres als Totenglocken des Wirtschaftsliberalismus, so klingt ein in sich zusammenbrechendes Weltbild. Jansen-Winkeln weiss um die mangelnde intellektuelle Redlichkeit seiner widersprüchlichen Ausführungen, soviel wage ich ihm zu unterstellen. Er wird die Widersprüche zu klären suchen. Das Ergebnis, so es noch vor seinem Rückzug aus der Politik 2014 Form annimmt, wird in Zukunft politische Auswirkungen haben.
Erwähnenswert auch noch die Linke, die vor einer haushalterischen Vergeblichkeitsfalle warnt, als säßen wir nicht längst in dieser drin. Der Rest ist nicht weiter der Rede wert.
Alle Reden gibt es übrigens hier bei der BZMG.
Mit dem Haushalt selbst bin ich zufrieden. Vor allem die Aufstockung der Gelder für die Sanierung der Heizanlagen von 500.000 € auf 800.000 € halte ich für einen richtigen und wichtigen Schritt zur Verbesserung der Situation Mönchengladbachs, aber auch die drei neuen Stellen (Mobilitäts-, Inklusions- und Interkommunalbeauftragte/r) werden helfen, die Stadt voranzubringen. Es gibt einen neuen Budgetpunkt für Radwegebau und zugleich wurden Straßenbauprojekte auf Eis gelegt oder umgewidmet.

Donnerstag/Freitag
Weiter geht es auf dem Weg zu „meiner“ Radwegeachse Abteiberg-Stadtwald. Nachdem vorletzte Woche Montag ein Teilstück der Konradstraße dran war, begab ich mich nun an die Viktoriastraße. Der Haushalt der Stadt ist durch und somit ist wieder Raum für inhaltliche Anträge der Fraktionen, über die man sich ausgiebig intern streiten kann.
Es geht hier vor allem um den Radweg auf dem schmalen östlichen (stadteinwärtigen) Bürgersteig, der komplett als benutzungspflichtiger Radweg ausgewiesen ist. Leider ist er aber auch einer der gefährlichsten Radwege der Stadt: Ständig laufen darauf Fußgänger umher, es stehen Schilder und Oberleitungsmasten der Bahn im Weg, die Einfahrt Oskar-Oster-Straße ist ohne Halten fast komplett uneinsehbar und auf den letzten hundert Metern dürfen Autos längs halb auf dem Bürgersteig stehen, was einen Radweg von sagenhaften 100 Zentimetern (stellenweise auch mal nur 80, je nachdem wie grade abgestellt wurde) ergibt. Und am Ende steht eine Kreuzung, an der keiner so recht weiss, wer wo lang soll. Hatte ich die Glasscherben vom Altglascontainer an der Strecke und die Dornranken vom Bahnsteig erwähnt? Achja, und natürlich läuft der Radweg größtenteils eng angeschmiegt an der zweieinhalb bis drei Meter hohen Mauer des Bahndamms. Ja, da kommt Freude auf. Das Ordnungsamt hat mir teilweise bereits vor zwei Jahren die Unbenutzbarkeit des Weges bestätigt, geschehen ist seitdem nichts.
Also habe ich mich erneut dieser Straße angenommen und einen Antrag vorgelegt, der die ganze Anlage umändert. In der Essenz wird der Radweg zum Fußweg und die Radfahrer bekommen statt dessen einen Schutzstreifen auf der Fahrbahn. Bei der Situation in dieser Straße ist das deutlich sicherer als der Radweg auf dem Bürgersteig. Die abgestellten Autos im Endstück kommen weg. Auf der anderen Seite bleibt der Radweg auf dem Bürgersteig vorhanden, wenn auch mit einem etwas späteren Anfangspunkt.
Ich nenne diese Maßnahmen allerdings nur vorläufig. Sollte der Aldi wirklich aus dieser Straße rausziehen, könnte das Raum für eine weitere Verbesserung hier geben. Beispielsweise könnte ich mir dann vorstellen, einen Teil der Straße für Pkw zur Einbahnstraße nach Süden zu machen, mit der Dessauer Straße als Verbindung in die Gegenrichtung.