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Freitägliche Fünf 21.11.2014

Ich klau heute mal eine Idee von Lucy Aslan, die Friday Five. Die Idee ist, jeden Freitag fünf Dinge zu posten, die einem in den sieben Tagen zuvor besonders gefallen haben.
Ich mag das zum einen, weil es das Blog aktiv hält und zum anderen, weil es ein positiver Ansatz ist, auf die Woche zurückzublicken. Und ich habe mir das Ziel gesetzt, positiver und proaktiver zu werden. Und zwar für die gesamte zweite Hälfte dieses Jahrzehnts. Aber dazu zum Jahreswechsel mehr, jetzt erstmal die ersten Freitäglichen Fünf:

1. Die rechts zu sehende exotische Sichtung auf dem Bismarckplatz begeisterte mich am Montag abend. Ich habe das zwar schon zuvor gesehen, da aber kein Handy dabeigehabt. Angeblich sollen die Pizzas bei Joey’s recht mies sein, aber das ist mir relativ wurscht. Wichtig ist meines Erachtens, dass in unserer Stadt an prominenten Plätzen solche Bilder auftauchen. Bildern bewirken viel in der Veränderung einer Stadt zum Besseren.

2. Die kleine Stadt Montforte de Cid setzt in Zukunft Pferdekutschen für die Müllabfuhr ein. Ich finde das großartig. Mit den steigenden Treibstoffpreisen verändert sich die Wirtschaftlichkeit von Technologien. Die einst extrem billigen Verbrennungsmotoren können nicht länger mit den Nutztieren mithalten. Und da die Müllabfuhr ohnehin eine für Motoren sehr verschleissreiche Fahrweise haben (Fahren-Stopp-Einladen-Fahren-Stopp…), ist dies ein absolut sinnvoller Schritt für Stadtsäckel und Umwelt.
Bei Facebook wies mich Dieter Rink darauf hin, dass es solche Kutschen auch in der Steiermark gibt.

3. Ich habe meine tägliche Schreibleistung (zählt nur eigene Projekte, keine Auftragsarbeiten) stabil über 1.000 Wörter gehievt. Da bin ich mal recht zufrieden mit mir. Nächstes Ziel: 1.000+500 (Neuprojekte und Bearbeitungen älteren Materials).

4. Daniel Schlagmann stellte im Ladenlokal in Mönchengladbach das Konzept der Gemeinwohlökonomie vor. Das Grundkonzept ist eine Bewertung von Firmen nach ihrem Nutzen für die Allgemeinheit und eine Förderung von Verhalten und Produkten, die dem Gemeinwohl dienen: Transparenz, Arbeitnehmerbeteiligung, Kooperation, Produktionsweisen mit möglichst wenig Umweltverschmutzung und Ausbeutung, all diese Dinge.
Das Konzept hat seine Schwachpunkte wie etwa die starke Subjektivität von Gemeinwohl, aber es ist wenigstens ein Ansatz, der wegführt von der Orientierung daran, sinnlos immer mehr Geld anzusammeln.

5. Erneut eine sehr gute Folge der Anstalt, wenn ich auch das Gefühl hatte, dass die drei Gastkabarettisten bei ihren Solo-Auftritten das Niveau eher zu senken bemüht waren. Ausserhalb dieser durfte Marc-Uwe Kling allerdings etwas glänzen („Ich schreibe kapitalismuskritische Bücher, die sich super verkaufen“). Es war aber auch ein komödiantisch undankbares Thema mit der Einwanderung.
Dennoch grandios: Ein zunehmend begeisterter DDR-Grenzer kriegt Frontex erklärt und der Auftritt am Ende. Die allein machen das Ganze sehenswert. Hier zum Beispiel:


eBook-Genreranking 16.11.2014

Eine der häufigsten Fragen von Selbstverlegern im eBook-Bereich ist, welche Genres sich am besten verkaufen. Und entsprechend viele Methoden wurden entwickelt, diese Frage zu beantworten. Sei es der Bestsellerrang des bestverkauften Werkes, der Anteil der Genres an den Bestsellerlisten, das Ergebnis von Umfragen oder einfach die Voreingenommenheit des Feuilletons. Mir erscheint das alles wenig brauchbar, weil es jeweils auf zu wenig Daten beruht und schnell von einzelnen Titeln und Autoren, die im Trend liegen, aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann.
Also habe ich noch eine Methode mitgebracht. Die ist hauptsächlich für meine eigene Marktübersicht gedacht, aber wenn ich das schon mache, kann ich es auch gleich noch um ein paar Genres ergänzen und dann das Blog damit füllen.

Die Idee ist, die Top100 jedes Genres zu nehmen und zu schauen, wo die jeweilige Nummer 1 und Nummer 100 in den Gesamtverkaufszahlen stehen. Damit habe ich einerseits den Rang des erfolgreichsten Buches, kann aber auch sehen, ob es sich bei diesem nur um einen Ausreisser handelt. Ich nutze hierfür Kindle, wiel die Daten von dort besonders einfach zu bekommen sind.
Kurzgefasst kann man sagen: Je höher die Nummer 1 im Gesamtranking und je geringer der Abstand zur Nummer 100, desto besser. Verfolgt man das über mehrere Wochen, sollten durch die schiere Datenmenge Trends erkennbar und statistische Spitzen abgefangen werden.
Ungefähr so:

Belletristik
Die Belletristik läuft ausser Konkurrenz, da es in Deutschland nicht üblich ist, diese als Genre zu betrachten. Das führt dazu, dass sich in ihr Bücher diverser Genres wiederfinden, etwa nahezu das komplette Romantik-Abteil. Eine echte Genre-Zuteilung ist für diesen Teil der Literatur nicht mit vertretbarem Aufwand möglich, da das Genre stilistisch definiert ist und somit jedes Buch einzeln bewertet werden müsste.
Am ehesten entspricht der Belletristik bei Amazon die Kategorie „Gegenwartsliteratur“.
Und hier ist auch schon der Beweis. Die #1 ist zugleich der Bestseller bei den Liebesromanen, die #100 kommt im gesamten Kindle-Shop auf Rang 277. Damit wäre die Gegenwartsliteratur das zweit-erfolgreichste Genre auf Kindle, da es aber viele Vertreter der Genreliteratur (vor allem Liebesromane, Thriller, Krimi) mit umfasst, wäre alles andere auch sehr erstaunlich. Seine Top100 sind im Grunde eine Mischung aus den Top20 aller normalerweise in der Gegenwart spielender Genres. Das ist so ziemlich alles ausser Science-Fiction, Fantasy und historischem Roman.
Aber hey, vielleicht kann ja jemand etwas mit diesen Daten anfangen, vielleicht gibt es irgendwann in Zukunft sogar mal eine echte Überraschung und die gesamte Leserschaft stürzt sich auf Science-Fiction, hier sind sie also.
Dennoch interessant: Platz 100 ist übrigens mit 14,99 € das teuerste eingeflossene Buch im Bereich Fiktion. Der erste Platz ist von einer Selbstverlegerin belegt.

Liebesgeschichten
Kommen wir zum ersten echten Genre.
Wie gesagt ist Zauberhafte Weihnachten von Daniela Felbermayr zugleich der Bestseller in der gesamten Gegenwartsliteratur. Das ist ein guter Start für ihr Genre. Im gesamten eBook-Angebot nimmt es Platz 3 ein. Das andere Ende bildet Karola Löwensteins Gloomy Passion auf Rang 182. Das bedeutet, mehr als die Hälfte der Romantik-Top100 sind zugleich in den Gesamt-Top100. Selbst alle anderen Genres zusammen können ein solches Ergebnis nicht übertreffen.
Allerdings wirkt das durch Bände mit mehreren Genres auch in andere Listen hinein: Die Nummer 8 unter den Liebesgeschichten findet sich als Nummer 1 in der Fantasy wieder. Doch dazu später mehr.
Es ist kein Geheimnis dass Romantik auf dem Kindle gut läuft, dieses Ergebnis erstaunt mich dann aber doch. Übrigens ist das noch ohne den ebenfalls sehr lukrativen Bereich der Erotik, da viele Werke aus diesem genre einer eigenen Erotik-Kategorie angehören. Bücher in der Kategorie „Erotik“ erhalten keinen Gesamtverkaufsrang, das ist Amazons Methode, die Bestsellerlisten „sauber“ zu halten.

Krimi/Thriller
Amazon packt beide Genres in eine Kategorie. Da die beiden aber auch nur sehr schwer zu unterscheiden sind, ist das wohl besser so. Sonst müssten wir uns nur streiten, wie legitim die Einordnung einzelner Bücher ist. Davon hat keiner was.
Hier haben wir ein beispiel für einen (allerdings nur sehr leichten) statistischen Ausreisser, den unsere Methode auflöst: Es handelt sich „nur“ um das zweit-erfolgreichste echte Genre (also ohne die Gegenwartsliteratur zu zählen), aber der Bestseller des Genres, Roger Stelljes‘ Die Minnesota-Verschwörung ist zugleich das zur Erhebungszeit meistverkaufte Kindle-Buch überhaupt. Diesmal kein Selbstverleger, aber fast, es handelt sich um die von Amazon angefertigte Übersetzung eines amerikanischen Selbstverlegers. Erstaunlicherweise der einzige deutschsprachige Titel dieses Autors.
Auf Rang 100 begegnet uns eine kleine Überraschung. Robert Galbraith ist Fantasy-Fans besser unter dem Namen Joanne K. Rowling bekannt. Auch wenn Rowlings Ausflug in den Krimi nicht als ihr Meisterstück gilt, ist es doch erstaunlich, dass sich 99 andere Werke, darunter vornehmlich Selbstverleger, vor sie stellen können. Insgesamt ist das eine nur hier und dort mit bekannten Namen gesprinkelte Liste. Dan Brown, Nele Neuhaus und Charlotte Link tauchen auf, spielen aber keine so große Rolle. Die großen Endlos-Serien aus der Bastei spielen überhaupt keine Rolle. Das war zwar auch bei den Liebesgeschichten so, aber angesichts der Größe von Namen wie Jerry Cotton überrascht es dennoch – bei den Romanzen finden sich wenigstens ab und an bewährte Marken wie Julia und Cora.

Fantasy
Immerhin noch auf die 16 im Gesamtangebot bringt es Mella Dumonts Fantasy-Bestseller Himbeermond. Dass das Buch gleichzeitig in der Liebes-Kategorie steht und dort auch gleich Rang 8 belegen kann, hilft sicherlich. Ihr Gegenstück am Hinterende der Top100 trägt den verwirrenden Titel HEROES Jägerherz – Hunter: Jägerherz – Hunter, bei dem ich nicht sicher bin, was nun der Untertitel wovon ist. Allerdings hat es auch hier Romantik-Elemente einschließlich eines Covers, welches so sonst nur in Erotik und Romanze auftaucht. Es erreicht im Gesamtvergleich nur noch die 970. Der Abstand zur den beiden größten Genres ist also schon sehr deutlich.
Die Ähnlichkeit der beiden Vertreter täuscht allerdings: In der Fantasy findet sich ein sehr lebendiges Gemisch von Subgenres, von denen keines echte Dominanz zeigt. Da steht romantische neben düsterer und diese dann neben epischer Fantasy. Urban Fantasy ist allerdings seltener vertreten, als einen der Hype glauben macht. Auffällig ist, dass die einzelnen Bände von Serien in der Fantasy regelmäßig sehr nah beieinander liegen. Nicht nur verkaufen Serien sich in der Fantasy gut, sie verkaufen sich auch noch am Stück.

Science-Fiction
Wieder mit ordentlichem Abstand kann Markus Sakeys Die Abnormen die SF-Charts anführen. Platz 40 ist es geworden, mit Sarah Marie Kellers Ein schwarzes Feuer am anderen Ende auf 2.880. Und als wäre das für SF-Autoren noch nicht unschön genug, sind die Top100 auch noch von einer einzigen Serie durchsetzt, mit der man mithalten muss. Ja natürlich, Perry Rhodan in all seinen Iterationen samt Spin-Offs und Sonderbänden. Perry Rhodan; Perry Rhodan Neo, Atlan… gegen den unsterblichen Unsterblichen ist in der deutschsprachigen Science-Fiction kaum ein Kraut gewachsen. Insgesamt laufen auch in der SF Serien gut, verteilen sich dabei aber anders als in der Fantasy über die kompletten Top 100.

Horror
Hier ist der zweite große Ausreisser in der Statistik. Andreas Adlons Bestseller im Horror schafft es insgesamt auf Platz 6. Im steht eine Ausgabe von Bram Stokers Dracula (!) entgegen, die es nur auf Rang 3.380 schafft. Das ist allerdings wenig überraschend, Horror war immer schon ein Genre mit einer solch seltsamen Zusammensetzung – einerseits verkauft er sich schlecht, andererseits macht er einzelne Autoren zu Millionären. Wahrscheinlich sähe es noch schlechter aus, wenn diverse Endzeit-Geschichten, die im Horror auftauchen, der Science-Fiction zugeschlagen würden.

Fachbücher
Wem Horror zu populär ist, dem seien Fachbücher ans Herz gelegt. Die reichen von Platz 442 (Michael Lietser: Endlich selbstbewusst!) bis zu 4.350 (Alice Miller: Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst). Mit wenigen Ausnahmen sind das alles Ratgeber zu diversen Themen: Hilfe mit dem iPhone, Hausapotheke von seriös bis Homöopathie, jede Menge Selbstbewusstsein, Geld verdienen, Inspirationen und sonstige Selbsthilfe.
Das sind durchaus noch lukrative Ränge, aber man kann durchaus sagen, dass bei den Fachbüchern nur Geld verdient, wer es unter die ersten 100 schafft. Alles dahinter ist grob überschlagen Groschenpicken.

Naturwissenschaften & Technik
Wo wir grade beim Groschenpicken sind: Nur wahnsinnige und überzeugte gehen in diese Kategorie. Ich sage abe rnicht, zu welcher der beiden Gruppen ich zähle. Dr. Claudia Berger kann noch auf 1.075 warnen: Im Darm steckt der Tod. Das Grundwissen Mathematikstudium wird dagegen auf 10.045 vermittelt. Das bedeutet nach meinen Erfahrungen weniger als ein verkauftes Exemplar am Tag. Dass es zudem ein eBook mit einem Preis von 46,99 € in die Top100 schafft, dürfte als ähnlich große Warnflagge gelten: Wer mit eBooks Geld verdienen will, sollte sich tunlichst von den Naturwissenschaften fernhalten.

Fazit
Noch sind es nur sehr wenige Daten, aber es bestätigt sich, was andere Verfahren sagen: Romantik beherrscht den Kindle-Markt wie nichts sonst, andere Genres der Fiktion folgen mit merklichem, aber überwindbarem Abstand. Sachbücher dagegen sind für die Einkommen ihrer Verfasser eine Katastrophe mit sehr wenig Hoffnung auf nennenswerten Profit. Horror hat aktuell eine seltsame Verteilung in den Verkaufsrängen – insgesamt schwach mit einigen wenigen sehr starken Autoren im vorderen Bereich.
Mal sehen, wie die Trends in den nächsten Wochen laufen.

Daten erhoben am Sonntag, 16.11.2014 um ca. 20 Uhr


Dino-Dienstag 12

Es war ein paar Wochen relativ ruhig in der Paläontologie. Nach einem aufregenden Sommer durchaus verdient, 2014 hat bereits eine beachtliche Anzahl neuer Funde und Erkenntnisse erbracht. Aber jetzt hat sich wieder genug angesammelt, dass sich ein neuer Dino-Dienstag lohnt.
Also dann:

Zaraapelta nomadis, Bild: Danielle Dufault/University of Alberta

Zaraapelta
Dieser auffällig geschmückte junge Herr ist Zaraapelta nomadis, ein neuer Ankylosaurier aus der Mongolei. Das Tier ist selbst für einen Ankylosaurier ungewöhnlich stachelig und hat daher einen Namen, der sich aus dem Mongolischen für „Igel“ und dem bei Ankylosauriern häufig verwendeten „pelta“ (Schild) zusammensetzt.
Und weil es ein schönes Porträt dazu gibt, bekommt er auch einen eigenen Eintrag und nicht nur eine Kurzmeldung weiter unten.

Laurasia und die kambrische Explosion
Vor etwa 530 Millionen Jahren erschienen überraschend plötzlich gewaltige Massen neuer Arten auf der Erde. Wie plötzlich genau der Vorgang war, ist umstritten, Tatsache ist aber, dass in vergleichsweise kurzer Zeit die Weichtierwelt der vendischen Fauna durch Lebewesen mit Panzern und Skeletten ersetzt wurde – Trilobiten, Krebse, Stummelfüßer, kieferlose Fische und völlig fremdartige Lebewesen wie Anomalocaris. In der kambrischen Explosion finden sich die Vorfahren praktisch aller heute lebenden Tiergruppen, von den Ringelwürmern bis zu den Wirbeltieren.
Einen Erklärungsansatz liefert dazu eine Untersuchung der University of Texas, Austin. Demnach lieferte der Aufbruch des Iapetus-Ozeans die nötigen Bedingungen für die kambrische Explosion – plötzlich gab es gewaltige flache Meeresregionen, in denen eine Vielfalt von Lebewesen gedeihen konnte. Flache Meere sind fast immer mit einer größeren Vielfalt an Arten ausgestattet als tiefe Meere, einfach weil sie abwechslungsreichere Lebensräume mit mehr möglichen Nischen für neue Arten darstellen. Tiefe Meere hingegen bestehen nur aus gewaltigen Mengen Wasser mit einem Grund so weit unter der Oberfläche, dass dort kaum noch etwas leben kann – die Anzahl der ökologischen Nischen ist dort deutlich geringer als in den abwechslungsreichen Küsten- und Flachmeeren.
Der Iapetus verschwand später wieder, als die Kontinente sich zu Pangaea zusammensetzten. An seiner Stelle entstand beim erneuten Aufbrechen des Superkontinents der Atlantik.

Kopulierende Microbrachius. Nichts zu danken. Bild: Brian Choo/Flinders University

Etwas Fischporno
Ich erhebe ja inzwischen keine Trafficdaten mehr, weil die mir nutzlos erscheinen, aber von damals, als ich noch welche analysiert habe, weiss ich, dass ich grade ein lang gesuchtes Fetisch bedienen kann: Hier bitte, fickende Fische.
Okay, ja, hier ist eine echte wissenschaftliche Entdeckung hinter. Kurz gesagt sind Penisse und ähnliche Strukturen bei Wirbeltieren deutlich älter als bisher gedacht. Microbrachius, bei denen das Organ gefunden wurde, gehören zu den ältesten Fischen mit Kiefern. Der Fund deutet an, dass Fisch zuerst externe Geschlechtsorgane für die Männchen entwickelten und die bei modernen Fischen häufige Befruchtung ausserhalb des Körpers eine neuere Erfindung ist.
Das bedeutet, dass die interne Befruchtung bei den Wirbeltieren mehrfach entstanden ist und auch mehrfach wieder abgeschafft wurde. Ja, selbst in der Paläontologie ist Sex eine komplizierte Angelegenheit, bei der man das erste Drittel des Lebens damit verbringt herauszufinden, was man eigentlich will.

Weitere neue Arten
Aus China kommt ein weiterer faszinierender Fund aus den so genannten Jehol-Fundstätten, der älteste Ornithuromorph. Die Ornithuromorpha sind jene Grupppe innerhalb der Vögel, denen alle modernen Vögel angehören. Iteravis huchzermeyeri war damit ein weiterer Zeitgenosse des Microraptor in einer Zeit, in der die Wälder Asiens von gefiederten Kreaturen nur so wimmelten.
Ebenfalls aus China kommt der erste Coelophysid aus Asien, von dem mehr bekannt ist als nur ein paar Arm- und Beinknochen. Die Coelophysiden sind relativ kleine Raubsaurier und gehörten zu den ersten Vertretern der Theropoden, jener Gruppe nahezu durchgehend zweibeiniger Dinosaurier, zu denen die Raptoren, Tyrannosaurier und die Vögel gehören. Der Neuling hat noch keinen offiziellen Namen erhalten.
Ein direkter Verwandter dieses Tieres fand sich unterdessen in Venezuela:Tachiraptor gehörte zu den ersten Dinosauriern nach dem Massensterben am Ende des Trias-Zeitalter. Die Trias ist jenes Zeitalter, in dem die Dinosaurier und Flugsaurier entstanden. In dieser Zeit lebten die ersten Dinosaurier, Flugsaurier, verschiedene Gruppen von Krokodilen und anderen Reptilien sowie die ersten Säugetiere relativ bunt gemischt auf der ganzen Welt verteilt. Am Ende der Trias kam es zu einem großen Massensterben, aus dem die Dinosaurier als „Sieger“ hervorgingen, ähnlich wie es am Ende des Zeitalters der Dinosaurier die Säugetiere taten. Der neue Fund hilft die noch immer rätselhaften Startzustände zu klären, unter denen die Dinosaurier in geologisch kürzester Zeit zu den beherrschenden Tieren auf der Erde wurden.

Schamlose Werbung
Die Zeitgenossen von Iteravis sind Thema von Schwarzer Schwinge, erhältlich bei Amazon für Kindle.
Die kambrische Explosion ist Thema des nächsten Bandes dieser Serie, Zackigen Zahnes, der grade in der Endbearbeitung ist.


Infelix Austria

Zeit mit Fremdsprachen anzugeben, die ich nicht kann. Oder mit der Fähigkeit, ein Wörterbuch zu benutzen um zu schauen, was das Gegenteil zu „felix“ ist. Oder abeer mich als Nichtjurist mit Rechtsfragen zu beschäftigen, weil sie mich betreffen. Moment, das lässt sich steigern: Mit internationalem Recht, und zwar Steuer- und Verlagsrecht zugleich. Ohne Netz und doppelten Boden!

Österreich hat vorgestern beschlossen, dass sein Buchpreisbindungsgesetz in Zukunft auch für eBooks gilt. Das Gesetz allein scheint recht harmlos zu sein. Albern und ein Rückschritt, wenn man bedenkt, dass eBooks mangels individueller Liefer- und Herstellungskosten keinerlei Preisevorteile für Großkonzerne bieten, aber harmlos.
Man will halt das Kulturgut Buch schützen. Warum man grade dieses Kulturgut schützt und nicht etwa das Kulturgut Film, Musik oder Theater — weiss der Geier. Das ist jetzt nicht das Thema.

Das Thema ist der Widerstreit zwischen Buchpreisbindung und unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen. Ich hatte bereits 2012 darauf hingewiesen, dass dies problematisch sein könnte.
Dazu muss man wissen, dass sich zum 1. Januar die Zuordnung der Mehrwertsteuerschuld beim Verkauf digitaler Waren in Europa ändert. Wurde diese bisher nach dem Sitz des Verkäufers zugeordnet, geschieht dies in Zukunft über den Wohnsitz des Kunden. Das allein bringt schon Probleme mit sich, die ich im August im englischen Blog geschildert habe.

Österreich hat das Ganze für Selbstverleger von einer schwierigen Situation zu einer Katastrophe gesteigert. Wieso? NUn:

1. Unsere eBooks werden in Zukunft in Deutschland und Österreich unterschiedlich besteuert.
2. Bei Amazon funktioniert die Preiseingabe über Angabe des Nettopreises. Österreich und Deutschland werden beide über amazon.de beliefert (amazon.at ist nur eine Maske) und verfügen somit über nur ein Feld für die Preisangabe. Damit bekommen Deutschland und Österreich für Käufe über Amazon unterschiedliche Bruttopreise.
3. Andere Händler wie Apple und die Tolino-Grupppe (Thalia, Weltbild, Buecher.de und weitere) nehmen den Bruttopreis als Grundangabe entgegen und verkauft dadurch an beide Länder zum selben Preis.
4. Das bedeutet, eBooks sind in Österreich (bzw.. für österreichische Autoren in Deutschland) bei verschiedenen Händlern unterschiedlich bepreist. Und das ist nach dem in beiden Ländern vorhandenen und auf deutschsprachige eBooks angewandten Buchpreisbindungsgesetz in beiden Ländern illegal.

Es gibt ein paar wahrscheinlich mögliche Lösungen. Schauen wir mal:
a) Nicht mehr bei Amazon verkaufen – angesichts der Bedeutung von Amazon die schlechteste Option
b) Exklusiv bei Amazon verkaufen – das wird wohl die häufigste Reaktion, da Amazon der mit Abstand am einfachsten zu erreichende Verkäufer ist. Na, das Gesetz schützt den Buchhandel ja toll, liebe Österreicher!
c) Über Distributoren verkaufen – das bedeutet natürlich zusätzliche Umsatzeinbußen durch den Anteil, den der Distributor für seine Dienste vom Buchpreis nimmt, ist aber wohl die beste Option. Das Problem der Preisangleichung liegt dann bei den Distributoren.
d) Amazon mit einer separaten Ausgabe für Deutschland oder Österreich beliefern, die einen an die Steuersätze des anderen Landes angepassten Nettopreis erhält. Der konkrete Prozess ist einigermaßen kompliziert, ausserdem hat man dann jedes eBook zweimal zu verwalten.

Und dann ist da noch das Problem des Verkaufs deutschsprachiger Werke bei Händlern, die nicht originär in Euro arbeiten, also etwa Smashwords und Lulu. Diesen Sonderaspekt werde ich gar nicht erst anpacken, aber wer eine Promotion in internationalem Recht schreiben will, darf sich gerne herausgefordert fühlen.

Und erneut ist selbstverlegen von eBooks in Europa komplizierter geworden, als unbedingt nötig. Und gleichzeitig wird die Marktmacht von Amazon weiter gestärkt, indem man den Autoren einen neuen Grund gibt, Amazon exklusiv mit Inhalten zu beliefern.
Aber um das zu wissen, hätte der österreichische Bundestag ja einen Selbstverleger als Experten einbestellen müssen. Oder wenigstens jemanden, der sich damit auskennt. Aber seit wann bestellt man in Parlamenten Experten, die tatsächlich wissen, wovon sie reden, wenn man doch ein hübsches Gesetz einführen will, mit dem man das ebenfalls nicht aus Experten bestehende Volk erfreuen kann?


Nicht niedlich

Es gibt im Moment einige Themen, mit deren öffentlicher Diskussion (und insbesondere mit deren Diskussion innerhalb meiner Partei, der Grünen) erhebliche Probleme habe. Die folgenden drei habe ich in einem Beitrag zusammengefasst, da ich sie als ähnlichen Ursprungs betrachte: Emotionalisierung in Form dessen, was man manchmal als Verweichlichung bezeichnet, sprich die übermäßige Betonung von Gefühlsurteilen in Debatten, die dabei ihre sachliche Dimension praktisch vollkommen verlieren.
Es folgen meine Überlegungen zu je einer neuen, einer alten und einer ewigen Debatte. Und es wird nicht fluffig.

Jagdgesetz/Katzen
Nordrhein-Westfalen hat diese Woche ein neues Jagdgesetz erlassen. Einiges davon ist sicherlich sinnvoll. Das am stärksten in den Medien reflektierte Thema innerhalb der neuen Gesetzeslage ist, dass Jäger jetzt keine streunenden Katzen mehr schießen dürfen. Klar, Catcontent kommt immer gut, Katzen sind niedlich. Und freilaufend eine ökologische Katastrophe.
Es gibt auf der Erde genau drei Wirbeltierarten, von denen nachgewiesen ist, dass sie auch dann jagen, wenn sie nicht hungrig sind: Der Mensch, der Große Tümmler und die Hauskatze.
Dass das beim Menschen ein Problem ist, ist unbestritten. Die Delfine tun das zwar, aber eher selten. Und dann ist da die Hauskatze. Vielleicht ist es die Domestizierung (nützlich um Mäuse loszuwerden), vielleicht ist es ein Merkmal aus einer Zeit, als Katzen seltener waren, aber: Freilaufende Katzen jagen. Ständig. Alles, was ausreichend klein ist und sich bewegt.
Und da wir Menschen sie gerne und beständig füttern, können sie auch unabhängig von der in der jeweiligen Umgebung vorhandenen Beute ständig weiterjagen, Nahrung ist ihnen bei ihren Menschen sicher. Und so kann sich kein ökologisches Gleichgewicht einstellen. Hauskatzen können ihre Beutetiere ohne irgendwelche negativen Folgen für sich selber bis zur Ausrottung jagen.
Klar, diese Beutetiere sind kein jagdbares Wild, denn zumindest in Deutschland ist es unüblich, Singvögeln und Nagetieren als solchem nachzustellen. Aber Jagd hat auch den Auftrag, die vom Menschen verursachten Störungen im ökologischen Gleichgewicht auszugleichen. Dass viele Jäger diesem Anspruch nicht genügen ändert nichts an der Tatsache, dass dies eine Funktion von Jagd ist.
Aber Katzen schießen ist böse. Weil die doch so niedlich sind.

Tierversuche
Hier ist eine Diskussion, die ich absolut faszinierend finde. Es ist fraglos richtig, dass so mancher Tierversuch überflüssig ist, weil er nicht dazu dient, (menschliche) Leben zu retten, sondern allein der menschlichen Eitelkeit in Form von Kosmetika und ähnlichem dient. Aber es gibt eben auch solche, für die es keine Alternative gibt und bei denen es um Menschenleben geht. Für diese muss man dann fragen: Was ist die Alternative?
Gern genannt werden dann Ansätze, menschliche Körper zu simulieren, ob jetzt virtuell oder in Zellkulturen. Dabei ist absolut faszinierend, manche Ansichten derer zu vergleichen, die solches vorschlagen.
Oft erzählt mir der selbe Mensch im einen Kontext (zB Alternativmedizin), die „Schulmedizin“ wüsste ja kaum etwas darüber, wie menschliche Körper funktionieren — und im anderen Kontext, dass ebendiese Schulmedizin genug über den menschlichen Körper wüsste, um die Reaktionen des menschlichen Körpers auf ein neues Medikament simulieren könnten.
Tatsache ist: Das tut sie nicht. Und da man zum einen nicht einfach so an Menschen experimentieren kann, zum anderen die Simulationen eben nicht gut genug sind, um verlässliche Ergebnisse zu liefern, braucht es als Zwischenschritt zwischen Simulation und Mensch Tierversuche. Und danach übrigens auch Menschenversuche. Es geht nicht anders.
Selbst wenn die Simulationen so gut wären, wie die Tierversuchsgegner glauben, müssten wir immer noch überprüfen, ob sie wirklich so gut sind. Wir wissen inzwischen viel über den menschlichen Körper, aber bei weitem nicht genug, um ihn mal eben so zu simulieren Jedenfalls nicht ohne einen kompletten künstlichen Menschen zu erzeugen, der so umfassend simuliert wäre, dass er eine vollwertige Person ist (denn auch psychische Auswirkungen von Mitteln müssen getestet werden).
Und darüber würde sich wohl keiner beschweren, wären unsere Testorganismen Kakerlaken. Leider brauchen wir aber Warmblüter mit halbwegs vergleichbaren Organen und eisenbasiertem Blut als absolutes Mindestmaß an Vergleichbarkeit. Also Ratten. Aber Ratten sind niedlich und deswegen haben wir Tierversuchsgegner.

Pazifismus/Kobane
Wo wir grade bei Menschenleben waren. da ist ja noch die Sache mit Kurdistan, ISIS/ISIL/IS und dem Pazifismus. Ohje.
Fangen wir mal so an: Ich halte den Pazifismus für eine gute Idee. Genauer, ich halte es für erstrebenswert, eine Welt formen zu helfen, in der Pazifismus zum allgemeinen Wertekanon gehört. Ich halte es für richtig und ethisch geboten, eine Welt aufzubauen, in der Pazifismus möglich ist. Doch noch leben wir in keiner solchen Welt. Unsere Welt hat Aspekte davon, viele Konflikte sind gewaltfrei lösbar, viele Gegenden sind in friedlicher Koexistenz verbunden und verflochten.
Der Kampf gegen den IS in Kurdistan gehören nicht dazu.
Gut für den Pazifismus ist: In den meisten Konflikten will keine der beteiligten Parteien einen Krieg. Der Krieg ist nur ein Mittel, etwas zu erreichen; manchmal ist er auch so etwas wie eine Naturkatastrophe, die niemand wollte, aber die sich aus der schwer kontrollierbaren Verstrickung von Umständen, Handlungen und Motivationen ergibt. In solchen Fällen wollen alle Beteiligten Frieden und dann haben pazifistische Ansätze Aussicht auf Erfolg und vor allem das Potenzial, eine Region langfristig zu stabilisieren und weitere Kriege zu verhindern.
Weil dies eine gute Vision ist, halte ich mich aus vielen Krisen im Diskurs heraus. Die kleinen Querelen unter Nationen schrumpfen ins Bedeutungslose, wenn es andernorts darum geht, friedliche Lösungen für die ganze Welt zu finden und zukünftige Konflikte gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Doch hin und wieder erscheint auf der Bühne der Weltgeschichte eine Gruppe, die einen Krieg will, deren Ideologie den Krieg zum notwendigen oder sogar guten Weg erklärt, die glaubt, mit Krieg die Welt bessern zu können. Es sind etwa zwei oder drei Gruppen in jedem Jahrhundert. Die Kreuzzüge, die Nazis und die Rote Khmer mögen hier exemplarisch stehen, auch IS gehört offenbar in diese Kategorie.
Wer diesen Gruppen mit pazifistischen Methoden entgegentritt, legt allem Anschein nach nicht viel Wert auf seinen Kopf (im Falle von IS wortwörtlich). Selbst aus Sicht des Pazifismus: Was bitte ist denn gewonnen, wenn die Opfer den Kriegstreibern Platz machen, wenn ihnen die Fähigkeit zur Verteidigung durch Verweigerung von Waffenlieferungen und direkter Hilfe genommen wird? Hält man Bellizisten nicht auf, marschieren sie weiter, bis es keinen Raum mehr gibt, in dem sie marschieren könnten oder bis ihnen endlich jemand Widerstand leistet.
Ich dachte eigentlich, grade die Deutschen hätten das gelernt.

Genauso wie es keine Toleranz den Intoleranten gibt, kann es auch keinen Frieden für Bellizisten geben.
Nein, ich bin kein Pazifist. Aber ich würde gerne in einer Welt leben, in der ich einer sein könnte, ohne meine Integrität aufzugeben. Ohne dafür das Leid derer ignorieren zu müssen, die brutale Regimes und Kriegstreiber erdulden müssen. Nur leider ist dies keine solche Welt. Aber das zu erkennen, das ist nicht niedlich.


Khamel und wie Gladbach Kalmrill wurde

Während ich andernorts ein paar Probleme mit BoD habe, hatte ich ja noch einen Artikel zu Khamel zugesagt und dazu, wie Mönchengladbach mit Kalmrill zu einem Fantasy-Gegenstück gekommen ist. Hier isser:

Khamel

Wahrscheinlich die biblischste Geschichte die ich je geschrieben habe. Khamel folgt in 1.400 Wörtern (ich fasse mich ungern unnötig lang) der Hexe Larina, die ein Jahr zuvor ihren Assistenten Khamel durch ein Nadelöhr geschickt hat und ihn jetzt zurückholen will, um ihr Kunststück abzuschließen. Zugleich beendet sie damit ihre Ausbildung zur Hexe des höchsten Ranges, einer berühmten Hexe.
Die Idee geht zurück auf den Scherz eines US-Komikers (ich weiss leider nicht mehr, welcher), der meinte, Kreationisten wären Menschen, die keine Metaphern verstehen und deshalb beim Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr an ein reales Ereignis mit einem Nähwerkzeug und einem sehr unglücklichen Paarhufer denken.
Ich fügte dem Kamel ein H hinzu und kam so auf einen real existierenden arabischen Männernamen, einfach weil man auch in meinen Fantasy-Geschichten mit Kamelen nicht sprechen kann. Ich wählte ein Zauberstück als passenden Kontext für ein Szenario, in dem es Sinn machen würde, durch ein Nadelöhr gehen zu wollen. Und so kam Larina hinzu, deren Name ein reines Fantasieprodukt ist.
Sie begegnet nun den Hoffnungen, die ihre Taten in den Bewohnern des recht unbedeutenden Städtchens Kalmrill aufkeimen lassen, bevor sie schließlich bereit ist, ihr Werk zu vollenden.

Kalmrill

Eines vorab: Dass Kalmrill und Khamel sich lautlich so ähnlich sind, ist ein absoluter Zufall. Es fiel mir überhaupt erst auf, als ich die deutsche Übersetzung von Khamel anfertigte. Aber wie kam es nun zu Kalmrill?
Khamel sollte ursprünglich in einer beliebigen Fantasy-Stadt spielen. Doch da spielte mir mein Unterbewusstsein einen Streich. Es gehörte zur Geschichte, dass Larina die Stadt durch ein Tor betrat und sich zum Marktplatz begab. Mein Geist war so tückisch, mir in diesem Moment ein Bild der Weiherstraße in Mönchengladbach zu liefern, mitsamt dem einst dort vorhandenen Stadttor.
Von da an war es logisch: Mönchengladbach war mit seinem historischen Aufbau im Bereich innerhalb der einstigen Stadtmauer nahezu perfekt — ein klar definiertes Stadtgebiet, Rathaus und Münster direkt am Tor zwischen Mauer und Marktplatz und ein Marktplatz mittig auf der Hügelkuppe. So wurde Mönchengladbach der Ort meiner Geschichte.
Es passte gut — die Geschichte sollte ohnehin in einer Welt spielen, welche die unsere ist, nur ergänzt darum, dass fast alle Mythen und Legenden unserer Welt wahr sind, insbesondere die lokalen. Wo wir Geldern finden, gibt es dort den Sumpf des Drachen Gelre. Auf den Dächern von Paris leben Gargoyles, die amerikanische Prärie wird von den mythischen Bestien der Indianerlegenden bewohnt, all sowas.
Nun schrieb ich die Geschichte in Englisch und „Gladbach“ ist in Englisch kein guter Name. Klingt auch nicht gut: Glädbätsch. Also musste ein guter englischer Name her. Mein alter Scherzname Friar’s Even Creek war das auch eher nicht.
Aber dann ging ich andere Übersetzungen für „glatt“ durch und kam recht schnell auf „calm“, also ruhig, jener Aspekt des zentralen Baches, der ihm den Namen des glatten Baches gegeben hatte. Ein Thesaurus brachte mich auf das seltene Synonym „rill“ für „creek“, das englische Geschwister unserer deutschen Rille. Calmrill. Ja, das funktionierte, Calmrill. So könnte gut ein Ort im Auenland heissen.
Bei der Übersetzung ins Deutsche beschloss ich, den Namen eingedeutscht beizubehalten und nicht zu Gladbach zurück zu übersetzen. Und so kam das Fantasy-Gegenstück von Gladbach zum Namen Kalmrill.

Kommerz

Newsletter-Empfänger durften bereits gestern in den Genuss der Geschichte kommen, alle anderen können sie im Laufe der Woche in allen wichtigen eBook-Shops für 0,49 € erwerben, je nachdem, wie schnell diese die Veröffentlichung aufnehmen. Sie wird ausserdem über readfy und Skoobe zum Ausleihen bereit stehen.


eBook-Umstelleritis

Nachtrag Die Gratis-Aktion ist nicht möglich, da es technische Probleme mit BoD (der selbe Drecks-Editor wie bei Neobooks, fertig hochgeladene ePubs werden von diesem hier sogar kurzerhand zurechtgestutzt) gab und ich auf Xinxii ausweichen musste, die diese Möglichkeit nicht bieten./Nachtrag

Die nächsten Tage wird es ein paar Veränderungen bei meinen eBooks geben. Links verändern sich, Bücher werden kurze Zeit nicht mehr lieferbar sein und danach an neuen Stellen auftauchen. Hier ist eine Übersicht, was passiert, warum und was das für die Leser bedeutet. Und wieso ich nächste Woche drei eBooks verschenke.

Stand der Dinge

Beinahe vier Jahre ist es nun her, dass ich mein erstes eBook bei Amazon zum Verkauf gestellt habe. Das war am 17. November 2011. Im Internet eine Ewigkeit, in der sich entsprechend viel verändert.
Damals war Amazon meine erste und einfachste Plattform – die Dateien waren leicht zu erstellen und da sie aus html bestanden, bis zum letzten Punkt kontrollierbar ohne dass die Ergebnisse zu rigide wurden. Das Mobi-Format war großartig, ePub erschien mir zu überladen und zu uneinheitlich. Zwar war es immer der Plan, später auch auf anderen Plattformen zu veröffentlichen, aber Amazon hatte Priorität.
Doch der Markt wuchs ständig und bald wollten auch andere Stücke vom Kuchen – vor allem in Deutschland entwickelte sich mit Tolino ein echter Konkurrent. Wer in Deutschland am Markt bestehen will, muss heute auf beiden Plattformen sein: Tolino und Kindle. Ein paar andere wie Google Play und iBooks schaden auch nicht. Doch das war nicht unbedingt einfach, es gab keinen direkten Einstieg wie bei Amazon mit seinem Kindle Direct, man musste als Selbstverleger über Dritte gehen.
Dazu kommt ein neues Problem: De facto erfolgt für europäische Selbstverleger eine heftige Mehrwertsteuererhöhung für über Amazon und iBooks verkaufte eBooks, von 3% auf 19%. Die eBooks mit einem Preis ab 2,99 € können das ab, aber bei denen darunter ist das wegen der ohnehin geringeren Tantiemen (nur 35% statt 70% vom Nettopreis) ein empfindlicher Einbruch. Und viele meiner Bücher, darunter die Meilensteine der Evolution als mit Abstand erfolgreichstes Produkt fallen in diese Preisklasse. Durch den vertrieb über einen Dienstleister kann ich diesen Effekt mildern, ohne die Preise anzuheben (für die Meilensteine etwa von 1,49 € auf 1,99 €).
Ich habe in letzter Zeit mit Methoden experimentiert, meine eBooks auf anderen Plattformen unterzubringen. Und jetzt endlich habe ich ein Modell dafür, wie ich meine Distributoren nutze. Das muss ich jetzt umsetzen:

Deutsche eBooks unter 2,99 €: BoD
Deutsche eBooks über 2,99 €: Amazon KDP + Xinxii
Englische eBooks: KDP + Draft2Digital
Papierbücher: epubli oder BoD, je nachdem welcher für das jeweilige Projekt günstiger ist

Was sich ändert

Von den Änderungen sind die folgenden Bücher betroffen:
Meilensteine der Evolution – alle Bände: Diese sind bisher bei Amazon KDP gelistet und werden in Zukunft zu BoD übergehen. ich kann aus vertraglichen Gründen nicht gleichzeitig über BoD und direkt über Amazon an Amazon liefern, weswegen ich den Vertrieb entsprechend umstellen muss.
Die Meilensteine werden weiter bei Amazon erhältlich sein, aber für etwa einen Tag werden sie aus dem Shop verschwinden, um später mit neuer ASIN (und somit unter neuen Links) wieder aufzutauchen. In den folgenden Tagen werden sie bei weiteren Shops auftauchen, darunter iBooks und die Shops der Tolino-Allianz (u.a. Thalia, Weltbild, lokaler Buchhandel) sowie bei den Leihdiensten Skoobe und readfy.
Das bedeutet leider auch, dass bisherige Amazon-Käufer zukünftige Aktualisierungen der Reihe nicht mehr erhalten werden. Um das auszugleichen (und zugegebenermaßen auch als Werbeaktion) werden die drei bisher erschienenen Bände der Reihe bis einschließlich Mittwoch gratis verfügbar sein. Je nachdem, wie schnell BoD die Änderungen danach durchführt evtl. auch bis Donnerstag, aber darauf würde ich mich als Leser nicht verlassen ;-)
Das gilt für alle Shops, welche die Bücher der Reihe bis dahin in ihr Sortiment aufgenommen haben. Danach gehen die Bücher dauerhaft auf die gewohnten 1,49 € Verkaufspreis.

Unter Wittgensteins Löwen: Das Schicksal der Löwen ist weniger radikal. Bei Amazon ändert sich gar nichts, nur die übrigen Shops werden einen kleinen Schluckauf bekommen, während ich den Vertrieb der ePub-Version von Neobooks zu Xinxii übertrage. Damit habe ich auch die Möglichkeit, die ePub gestalterisch meinen relativ hohen Ansprüchen an die Kindle-Version anzupassen, so dass beide Versionen in Zukunft absolut gleichwertig sind. Der für mich überraschend lästig aufgebaute Editor von Neobooks hatte mir da übel mitgespielt.

Die Zukunft

Ein Mal umgesetzt sollte danach wieder alles glatt laufen.
Seit mittlerweile drei Monaten bin ich mit meiner Produktivität sehr zufrieden. Die deutsche Übersetzung von Khamel ist fertig, aber ich musste nachträglich noch ein paar Tippfehler bereinigen (Newsletter-Empfänger haben die Geschichte heute in fertig korrigierter Form als Bonus erhalten). Bei einer Geschichte von nur 1.400 Wörtern sehr unangenehm, sowas übersehen zu haben. Da ich wieder neue Ideen habe, werden zudem die Meilensteine nicht so schnell enden.
Ansonsten habe ich für die Zukunft noch ein paar Überraschungen im Ärmel, die aber dann inhaltlicher Art und garantiert nicht so lästig wie die Vertriebsumstellung.
Und morgen erzähle ich euch dann von Khamel, der Stadt Kalmrill und wie Mönchengladbach ein Fantasy-Gegenstück bekam.


Dino-Dienstag 11

Eine Woche übersprungen, aber jetzt wieder da: Der Dino-Dienstag.

Mick Jaggers Nilpferd
Mick Jagger kommt die große Ehre zuteil, ein Nilpferd nach sich benannt zu haben. Ein prähistorisches natürlich. Glückwunsch!
Jaggermeryx naida ist ein Nilpferd, das vor 19 Millionen Jahren in Afrika lebte. Löcher in seinem Schädel deuten auf Nerven hin, die sehr sensible und wahrscheinlich bewegliche Lippen versorgten. Die Benennung nach dem Rolling-Stones-Sänger erfolgte aufgrund dieser vergrößerten Lippen. Und als wäre das noch nicht großartig genug, haben die Entdecker anfangs einen zweiten Star als Namensgeber diskutiert – Angelina Jolie. Entdeckeirn Ellen Miller blieb aber standhaft bei Jagger. Vermutlich, weil es nur für diesen Namen ein geeignetes Lied zum Feiern der Entdeckung gab. Die Urzeitbücher werden so oder so in hundert Jahren viel Arbeit haben, das zu erklären.

Nachtrag zu Dreadnoughtus
Ich fand den Namen Dreadnoughtus für einen neuen Titanosaurier vor ein paar Wochen ja furchtbar. Ich finde ihn immer noch furchtbar, weil es gar nicht möglich ist, ihn auch nur halbwegs unfallfrei auszusprechen, wenn man kein Englisch spricht. Das sollte den Namen nach den in der Taxonomie üblichen Regeln eigentlich ungültig machen.
Der Bostin Globe findet den Namen zwar „awesome“, hat sich aber immerhin des Themas angenommen, woher solche Namen kommen und fängt in seinem Artikel mit dem guten alten T. rex an, einem Namen, der durchaus kalkuliert so populär geworden ist, wie er nun einmal geworden ist.

Ziapelta sanjuanensis, Bild: © Sydney Mohr

Ziapelta
Und wieder ein neuer Dinosaurier. Da gibt es zur Zeit wohl irgendwo ein Nest von.
Ziapelta sanjuanensis ist ein Ankylosaurier aus New Mexico, der dort vor 72-74 Millionen Jahren lebte. Die Ankylosaurier sind schwer gepanzerte Dinosaurier mit einer Schwanzkeule. Auffällig an Ziapelta sidn besonders schwere Stacheln über dem Hals. Er gehört zu den am schwersten gepanzerten Vertretern seiner Familie.

Der Meteorit und die moderne Pflanzenwelt
Vor 64 Millionen Jahren starben mit den Dinosauriern zahlreiche andere Lebewesen aus. Wie so oft gerne übersehen wird die Veränderung, die in der Pflanzenwelt geschah. Neue Forschung zeigt nun, dass wir dem damaligen Massensterben auch zu verdanken haben, dass es heute so viele Pflanzen gibt, die ihre Blätter abwerfen – also auch die Dominanz der Laubbäume.
Laubbäume erschienen bereits zu Zeiten der Dinosaurier – Ginkgo, Magnolien und Eichen waren für diese Tiere keine Unbekannten. Sie waren aber nicht die vorherrschenden Bäume der Wälder, wie sie es heute in großen Teilen der Welt sind. Das geschah, weil die Laubbäume durch ihr schnelleres Wachstum und die Strategie, im Winter Energie zu sparen offenbar besser für die Welt nach dem Meteoriteneinschlag geeignet waren, in der aufgewirbelte Asche und andere Folgen des Einschlages das Klima auf Jahre hinaus veränderten.
Das Gelb und Rot, welches die Wälder derzeit wieder übernimmt ist also ein direktes Zeugnis vom Ende der Dinosaurier.


Neues eBook „Unter Wittgensteins Löwen“ – und ein Fisch

Und dabei bin ich doch Steinbock

Unter Wittgensteins Löwen ist fertig, das Buch über mein Verhältnis zur Religion als Nichtgläubiger. Es enthält den wichtigsten Fisch meines Lebens (siehe links), einen frechener Vogel in der eickener Fußgängerzone und natürlich Löwen. Ausserdem Anita Sarkeesian, Immanuel Kant und ein bisschen auch Ludwig Wittgenstein. Karlheinz Deschner in einem Nebensatz. Das nenn ich mal ein Crossover!
Daneben war es auch mein erster Gehversuch mit Neobooks und sagen wir mal so: Ich werde in Zukunft noch andere Optionen ausprobieren, eBooks bei den Tolino-Händlern ins Programm zu bringen.
Doch eins nach dem anderen.

Buchlinks
Beginnen wir mit dem Kommerz für alle, die diesen aller Voraussicht nach ziemlich langen Beitrag nicht komplett durchlesen wollen. Unter Wittgensteins Löwen ist ab sofort erhältlich bei Amazon (Kindle) und Neobooks (ePub, PDF), weitere Händler folgen in den nächsten Tagen über Neobooks‘ Netzwerk, darunter auch die Tolino-Händler. Preis: 2,99 €. Eine Papierversion folgt im Oktober.

Von Facebook zum eBook
Dieses Buch geht auf Diskussionen um das Thema Religion und Glauben zurück, die im Juni/Juli dieses Jahres an mehreren Stellen und angeregt durch verschiedene Beiträge auf Facebook statt fanden. Es ist schwierig, alte Facebook-Einträge wiederzufinden, deshalb versuche ich es erst gar nicht; das ist einer der Gründe, warum ich Facebook nicht als Blog-Plattform nutze. Den damaligen Mitdiskutanten von der „Gegenseite“ habe ich im Buch eine Danksagung zukommen lassen: Wilbert Schiffeler, Martin Püschel, Peter Beckers.
Manch einer mag sich an meinen damaligen Blogbeitrag zum Thema erinnern, in dem erstmals der Bezug zu Wittgensteins Zitat aufschien, das mir damals schon für meine Verwirrung der Religion gegenüber so perfekt erschien: Leben mit Wittgensteins Löwen oder: Religion und ich

Wenn der Löwe sprechen könnte, wir könnten ihn nicht verstehen
– Ludwig Wittgenstein

Vieles blieb damals offen, weil es nicht zum Kernthema des Beitrages gehörte oder weil ich einige Dinge nicht kannte – etwa eine reihe von nicht-personellen Gottesvorstellungen oder auch den christlichen Atheismus. Das Buch füllt viele dieser Lücken und geht in deutlich fundamentalere Kritik der Prämissen hinter religiösen Vorstellungen und Argumenten gegen den Unglauben oder Atheismus. Das hat natürlich auch zu neuer Beschäftigung mit dem Thema geführt. Und damit nicht eben zu einer Besänftigung meiner Empfindungen der Religion gegenüber.
Meine Grundauffassung ist, dass jeder Mensch jede Freiheit genießen soll, die nicht die Freiheit anderer Menschen übermäßig einschränkt. Die unmittelbare Folgerung daraus wäre Ignostizismus oder Apatheismus, Positionen, die daraus bestehen, die Religionen einfach zu ignorieren und sich nicht weiter mit ihnen zu beschäftigen. Sollen die Gläubigen doch glauben, was sie wollen, was geht das mich an. Doch diese Position ist zum Ende durchdacht nicht haltbar, wenn sie nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Der damalige Schluss, dass Neutralität in der Frage der Religion kein gangbarer Weg sei, so lange sich die Religiösen ständig in die Belange der Gesamtbevölkerung einschließlich ihrer anders- und nichtreligiösen Mitglieder einmischen, hat sich in der Zwischenzeit nur noch bestärkt.
In anderen Kontexten bringt man das auf die Formel „Keine Toleranz der Intoleranz“.
Es gibt dabei ein paar Kollateralschäden, die sich erst in längerer Form herausarbeiten lassen. Die Idee von den Lehren der Geschichte erhält in einem Kapitel zu den Verdiensten (und Untaten) im Namen des Christentums Schlagseite. Dem Begriff der Seele ergeht es noch deutlich schlechter. Und die Unterteilung in gute Gläubige und böse Extremisten wird auch gut durchgegrillt.
Dabei ist es eigentlich ein relativ dünnes Buch, problemlos an einem Nachmittag durchlesbar. Ich mag es halt nicht, Themen ohne triftigen Grund ewig in die Länge zu ziehen. Einige Themen erschienen mir auch nicht wichtig genug, ihnen ein Kapitel zu widmen, etwa das Argument, am Christentum müsse doch etwas dran sein, wenn es so viele Anhänger hat. Ja klar, und Justin Bieber muss einer der größten Musiker der Welt sein, seht nur seine Follower-Zahlen! Wenn die Fragen oft genug kommen, gibt es vielleicht eine Fortsetzung oder erweiterte Neuauflage.

Der wichtigste Fisch meines Lebens
Das Buch enthält — abgesehen vom Titelbild — genau eine Abbildung, den ganz oben in diesem Beitrag gezeigten Quastenflosser. Ich habe ihn in den letzten Tagen und auch im Buch als den wichtigsten Fisch meines Lebens bezeichnet. Und nun zur Geschichte hinter diesem Fisch, die sich natürlich auch im Buch findet, gleich im ersten Kapitel nach dem Vorwort.
Es begab sich einst, dass ich ein Kindergartenkind war. Das war Ende der 80er, wenn mich nicht alles täuscht 1986–1988. Dort fand ich neben vielen anderen Dingen eine Art von Spielzeug, die etwas mir völlig fremdes und faszinierendes zeigte: Eine Serie von Stempeln mit Tieren der Urzeit. Sie beruhte auf den immer wieder aufgelegten Bildern von Zdeněk Burian und hatte bei der Umsetzung in die einfarbige Welt der Kinderstempel wenig von deren eindrucksvoller Wirkung verloren.
Der Eusthenopteron war es, der mir davon am stärksten in Erinnerung geblieben ist und so wurde er der Quell meiner lebenslangen Faszination für das Leben der Urzeit, für die sich ständig verändernde Welt und für die unerforschte Umwelt ausserhalb des Lebensbereichs der Menschheit. Es weitete sich bald aus zu einer Faszination für exotische Tiere an sich und bald auch zurück auf heimische Tiere — mein Weg zum Interesse am damals aufblühenden Thema Umweltschutz war geebnet.
Und eben über die Evolution auch jener in den Atheismus. Der Fisch passte nicht zu dem, was die Lehrer mir später in Reli erzählen wollten. Eusthenopteron sowie meine zu diesem Zeitpunkt bereits vorhandenes Wissen, dass Märchen und Fernsehsendungen nur erfundene Geschichten waren, ließen mich die Geschichten der Christen sofort in die selbe Welt der Märchen und Legenden einordnen. Ich kannte Eusthenopteron, ich hatte von einigen anderen Wesen der Urzeit wie dem Neandertaler sogar Knochen gesehen (damals noch im wunderbar provinziellen Fuhlrott-Museum in einem Fachwerkhaus im Wald). Vom Christentum dagegen war ich bis zu meiner Schulzeit weitgehend unbeleckt.

Mein erstes eBook über die Evolution hatte selbstverständlich Quastenflosser

Auch wenn der Fisch meinen Atheismus sicher nicht allein verursacht hat, er markiert doch einen wichtigen Punkt in dieser Entwicklung. Es war eine nicht so abwegige Entwicklung, die Welt als ständigem Wandel unterworfen und eben nicht fertig geschaffen zu betrachten, wenn die Welt sich doch in genau dieser Zeit völlig veränderte. Erst verschwand die DDR, dann die Schallplatte, dann die Schreibmaschine und viele Kleinigkeiten. 1993 kam Jurassic Park auf einer nie dagewesenen Welle popkultureller Präsenz für die Dinosaurier, die sich bereits Ende der 80er aufzubauen begonnen hatte und die mich mit voller Breitseite traf. Eine Welle mit Fischbestand.
Und ich habe ihn noch. Ich weiss nicht mehr, ob mein Fisch der aus dem Kindergarten war oder ob ich ihn später kaufte. Einige dieser Stempel hatte ich gekauft, bei Spielwaren Gerads am Harmonieplatz in Rheydt, ich glaube, sie hatten damals eine DMark gekostet. Auf jeden Fall wusste ich beim Schreiben des Buches noch, dass ich ihn in irgendeine Kiste voller Spielzeugdinosaurier gepackt hatte.
Also habe ich für dieses Buch die alten Spielzeugkisten hervorgekramt, mich durch Schichten von Dinosauriern (und gelegentlich mal einem Matchbox-Auto und jeder Menge Lego) gegraben und mir dabei nur deshalb keine Staublunge eingefangen, weil der Staub so dick war, dass er sich nicht mehr ohne Absicht aufwirbeln ließ. In der vorletzten Kiste fand ich sie dann, fünf Stempel: Brontosaurus, Pteranodon, Eryops, Irischer Elch und eben Eusthenopteron.
Dieses Buch war in meinen Augen nicht komplett ohne meinen Fisch. Und so borgte ich mir im Grünen Büro ein Stempelkissen (mein eigenes war knochentrocken), stempelte Eusthenopterons auf ein Blatt Papier, kämpfte mit einem vor Jahren aus dem Schrott gezogenen halb defekten Scanner, den ich noch nie installiert geschweige denn verwendet hatte (sonst hätte ich gewusst, dass er halb defekt war).
Ich schnitt den besten Abdruck aus, konvertierte das ursprünglich blaue Bild in schwarz-weiss, um es auch in der Papierausgabe ohne zusätzliche Kosten nutzen zu können und setzte ihn als finales Stückchen in den Code der Buchdatei ein.

Neobooks
Und nun zu etwas völlig anderem: Erneut habe ich mit einem eBook ein Experiment gewagt, dieses Mal war es der Versuch, das eBook auf dem deutschen Markt auch als ePub herauszubringen. ePub ist das Format, das die meisten eBook-Reader lesen können, auf denen nicht „Kindle“ steht. Dafür entschied ich mich wegen der guten Konditionen und des großen Vertriebsnetzes für Neobooks.
Ich muss sagen, ich bin nicht begeistert. Neobooks nimmt keine fertigen ePub-Dateien, sondern verlangt explizit eine DOC- oder DOCX-Datei, also Word. Das allein wäre nur leicht lästig, leider akzeptiert Neobooks aber allem Anschein nach auch keine Word-Dateien, die von LibreOffice erzeugt wurden, wenigstens keine halbwegs komplexen. Ärger, den man sich hätte sparen, wenn man eben einfach fertige ePubs einschicken könnte.
Also musste der Online-Editor die Arbeit übernehmen. Glücklicherweise war das Buch schon geschrieben, doch was war das — ich kann bei Neobooks nur in Kapiteln schreiben? Alles, was vor dem Inhaltsverzeichnis kommt, ließ sich nicht eigenständig erstellen? Und auch nur mit eingeschränkten Layout-Fähigkeiten, zum Beispiel ohne die Möglichkeit eines Seitenumbruchs innerhalb eines Kapitels, wie er in meinen Meilensteinen der Evolution ständig und in Unter Wittgensteins Löwen immerhin noch ein Mal vorkommt?
Hrmph.
Am Ende bastelte ich eine gut lesbare ePub-Version zusammen, die ich guten Gewissens so verkaufen kann, aber dennoch muss ich sagen: Die Kindle-Version ist in der Gestaltung deutlich besser und wer die Wahl, dem empfehle ich diese, der Preis ist ja mit 2,99 € identisch.
Neobooks nehme ich nicht wieder und werde statt dessen für die ePub-Ausgaben der Meilensteine der Evolution Xinxii ausprobieren.

Und was kommt jetzt?
Ich habe noch mein eBooks für die 8-Hour-Fiction-Challenge September 2014 fertigzustellen und werde somit übers Wochenende ins Englische wechseln, wo die Kurzgeschichte Khamel in einem Fantasy-Gegenstück zu Mönchengladbach namens Calmrill/Kalmrill wartet. Die Geschichte werde ich später mit Sicherheit auch noch ins Deutsche übersetzen.
Danach folgt Zackigen Zahnes und nach dessen Fertigstellung Anfang Oktober werde ich mich um die ePub-Versionen der bisherigen Bände der Meilensteine sowie um die Papierversion von Wittgensteins Löwen kümmern. Ob die Meilensteine dann auch Papierversionen erhalten, überlege ich noch, Versionen mit farbigen Illustrationen sind aber im Moment im Selbstverlag auf jeden Fall noch zu teuer.


Dino-Dienstag 10

Es war eine geschäftige Woche in der Paläontologie, vor allem bei den Dinosauriern. Der neue Spinosaurus wurde enthüllt und er ist ähnlich seltsam, wie einige erwartet hatten. Dazu noch ein paar neue Arten und eine etwas spontane Veröffentlichung in diesem Feld von mir.

Spinosaurus als Wassertier

Neu rekonstruierter Spinosaurus schwimmend, Bild: Davide Bonadonna


Plattte Füße, wahrscheinlich mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen, die an kurzen Beinen (für einen Raubsaurier) sitzen. Ein krokodilartiger Kopf mit Raum für Sinnesorgane, mit denen das Tier Veränderungen im Wasserdruck wahrnehmen konnte. Spinosaurus aegypticus war ein seltsamer Dinosaurier.
Die Idee, dass die Spinosauriden wenigstens teilweise im Wasser lebten, hat sich im Laufe der letzten 20 Jahre nach und nach entwickelt, immer mehr Hinweise auf eine solche Lebensweise tauchten auf. Nun endlich gibt es neue Überreste von Spinosaurus aegypticus, dessen ursprünglich 1912 gefundene Überreste in München den Bomben des 2. Weltkriegs zum Opfer fielen und von dem daher nur extrem veraltete Informationen sowie zeichnungen und Fotos einiger Knochen existierten.
Die neuen Überreste erlaubten eine neue Rekonstruktion des Tiers und es stellt sich heraus, dass es sich allem Anschein nach um ein Wassertier handelte. Der einzige bekannte Dinosaurier, der hauptsächlich im Wasser lebte — die zeitgleich mit den Dinosauriern lebenden so genannten Wassersaurier waren Reptilien verschiedenster Art.

Im Zusammenhang mit dieser Entdeckung habe ich mich auch kurzfristig entschieden, eine alte Idee von mir endlich auszuformulieren und als eBook herauszubringen. Es geht darum, dass Spinosaurus und seine Verwandten (wie Baryonyx) ihre großen Klauen an den Daumen nicht zum Fischen oder Kämpfen verwendeten, sondern zur Fortbewegung, indem sie sich an ihnen als Anker durchs Wasser zogen. Wie genau es dazu kam, lässt sich, da es eine englischsprachige Veröffentlichung ist, im englischsprachigen Blog nachlesen.
Es ist wahrscheinlich keine gute Idee, ein so komplett aus der Art schlagendes eBook rauszubringen (vor allem bei einem so kleinen bereits vorhandenen Angebot), aber damit ist das nun raus, weil der Zeitpunkt günstig war.
Ich habe nicht die Möglichkeiten oder die Kenntnisse in vergleichender Anatomie, hier eine vollständige Forschung vorzulegen, alos dachte ich, ich werf meine Idee mal aus und schaue, ob jemand, der dies kann, daran Interesse findet.

Noch ein neuer Titanosaurier
Tansania bekommt unterdessen den zweiten neuen Titanosaurier dieses Jahr nach Dreadnoughtus: Rukwatitan bisepultus lebte dort vor etwa 100 Millionen Jahren.

Avatar-Flugsaurier

Ikrandraco avatar, Bild: Chuang Zhao


Die Pterosaurier begrüßen als Neuling in ihren Reihen Ikrandraco avatar, der vor 120 Millionen Jahren durch die Lüfte Chinas flog.
Ikran sind die Flugtiere aus dem Film Avatar und wie diese hatte Ikrandraco einen Kamm auf der Unterseite des Schnabels, weshalb es diesen Namen erhielt. Ausserdem vermuten die Forscher, dass eine Art Haken hinten im Schnabel die Befestigung für einen Kehlbeutel war, der jenen der Pelikane ähnelte. Es ist möglich, dass der seltsame Kamm das Tier in die Lage versetzte, aus dem Flug Beute im Wasser zu fangen, indem es die damit Wasseroberfläche durchschnitt. Die Forscher wollen das nun testen.

Gepanzerte Hadrosaurier
Schon eine ganze Weile war Forschern aufgefallen, dass Hadrosaurier (die so genannten Entenschnäbel) deutlich häufiger Abdrücke von Haut zeigen als alle anderen Arten von Dinosauriern. Forsche rin Yale haben jetzt untersucht, wie viel häufiger und es stellt sich heraus, dass die Haut von Hadrosauriern 31-mal so häufig erhalten bleibt wie bei anderen Dinosauriern.
Warum das so ist, ist noch nicht klar, nur eines: Irgendetwas war anders an Hadrosauriern-Häuten.

Und noch ein Delfin
Ein kleinerer Neuzugang bleibt ausserhalb der Welt der Dinosaurier anzumerken: Huaridelphis raimondii, ein vor 16 Millionen Jahren vor der Küste von Peru lebender Verwandter der heutigen Flussdelfine, der anders als seine heutigen Verwandten noch im Meer lebte.