Yogeshwars 10 Gebote

Ranga Yogeshwar war also im Landtag als Experte für eBooks eingeladen. Mir ist nicht wirklich klar warum. Von den 37 Ergebnissen für seinen Namen im Amazon-Buchbereich sind nur 3 eBooks. Dazu kommt noch eine iOS-App, ein in der Branche nach seiner von heftigem Tamtam begeleiteten Veröffentlichung schnell vergessenes Werk mit eher durchwachsenen Kritiken bei den wenigen, die es ernsthaft beachtet haben. Und zudem mehr eine Lehr-App ist als dass sie irgendetwas mit einem Buch (ob nun digital oder papiern) zu tun hätte. In der Szene ist Herr Yogeshwar ansonsten eher negativ aufgefallen.
Wie dem auch sei, Herr Yogeshwar war also im Kulturausschuss des Landtages. Und durfte dort als Experte für eBooks auftreten. Neben so angeschimmelten Allgemeinplätzchen wie „wir müssen das Kulturgut Buch schützen“ gab es da auch konkretes. Und damit beende ich die leicht anpolemisierte Einleitung und gehe über in die Sachdiskussion. Schauen wir uns die 10 Punkte doch einfach mal an, die Yogeshwar als Forderungen einbringt:

  • Grenzüberschreitende Buchpreisbindung auch für E-Books.

Auf den Punkt „Grenzüberschreitend“ komme ich an einem späteren Punkt zurück, hier gehe ich erstmal nur auf die Buchpreisbindung ein.
Zunächst einmal sei ein grundlegendes Missverständnis geklärt: Ja, die Buchpreisbindung schützt ein Kulturgut. Aber dieses Kulturgut ist keineswegs das Buch. Das Buch als Medium und auch als Produkt hat keinen Vorteil davon, zu einem für alle Händler festgelegten Preis verkauft zu werden. Ganz im Gegenteil, es verhindert (gewollt) Sonderangebote und Preissenkungen seitens der Händler und führt so zu einem hohen Preis. Hohe Preise aber, so lehrt uns die Marktwirtschaft, verringern die erreichbare Kundschaft. Kurzgefasst: Wenn Arbeitslose zur bildungsfernen Schicht werden liegt das (auch) daran, dass sie sich dank Buchpreisbindung keine Bücher leisten können. Denn Bücher sind teuer und jeder Wettbewerb, der dies ändern könnte, wird gesetzlich unterbunden.
Das Kulturgut, das die Buchpreisbindung schützt, ist die Buchhandelslandschaft.
Dazu ein kleiner Ausflug: Die Buchpreisbindung wurde eingeführt, um den billigen Versandbuchhandel zu unterbinden, der sich um die Jahrhundertwende herauszubilden begann. Damals boten Versandhändler Bücher zu Schleuderpreisen an, indem sie große Kontingente zu entsprechenden Nachlässen einkauften, zusätzlich am Personal sparten (hier sind Versandhändler immer im Vorteil gegenüber Einzelhändlern) und die Einsparungen zu großen Teilen an die Kunden weitergaben. Um diese Praxis zu unterbinden und den Buchhandel vor Ort zu schützen vereinbarten die Verlage, für alle Händler verbindliche Preise festzulegen. Kulturpolitisch hatte das durchaus einen Sinn: Die Buchhändler boten Kunden direkte Beratung und fungierten als Werber für die Angebote der Verlage. Zudem standen sie im damals noch sehr stark ausgeprägten elitistischen Kulturbild für eine Art „Kulturerziehung“ – eine Idee, die bis heute nachwirkt.
Was die Buchpreisbindung letztlich also entfernt ist die Weitergabe eines Kostenvorteils der Großhändler an die Kunden. Übrigens wenig erfolgreich: Große Versandhändler wie Bertelsmann und Weltbild wurden kurzerhand zu Verlagen und brachten verbilligte Lizenzausgabe und später auch eigene Programme auf den Markt. Die Buchpreisbindung ist im Grunde also der wohl erfolgreichste Misserfolg der deutschen Wirtschaftsgeschichte.
Auf den eBook-Markt lässt sich diese Idee aus einem ganz einfachen Grund nicht übertragen: Großhändler haben keine oder bestenfalls marginale Kostenvorteile. Es gibt keine Händlerrabatte und die Kosten für Vertrieb und Verkauf bewegen sich (höchstens) im einstelligen Cent-Bereich. Wo aber ohnehin alle Marktteilnehmer die selben Möglichkeiten haben besteht kein Grund, eine solche Chancengleichheit herzustellen. Eulen nach Athen, und so…

  • Nur offene Reader, keine geschlossenen Systeme.

Hier mangelt es erheblich an einer Definition von „offen“ und „geschlossen“, aber vielleicht hat Yogeshwar das im Ausschuss ja genauer ausgeführt. Das einzige nach meinem Verständnis geschlossene System hat momentan Apple mit seinem App-Store (allerdings nicht mit iBooks). Also genau jenes System, welches Yogehswar selbst mit seinem epedio-Projekt exklusiv bedient.
Die anderen beiden großen Systeme, Kindle und ePub, bieten allen Nutzern die Möglichkeit, eigene Inhalte sowie kostenlos erstellbare Dateien aus anderen Quellen hinzuzufügen und zu exportieren, auch wenn das im Falle des Kindle nur von wenigen Händlern angeboten wird.

  • Mehrwertsteuer sollte sich nach dem Bestimmungsland richten.

So, jetzt kommen wir zum Punkt „Grenzüberschreitung“.
Kurz: Das geht so nicht. Entweder richtet sich meine Mehrwertsteuer nach dem Bestimmungsland. Das würde mich als Verleger dazu zwingen, für jeden Markt einen der jeweiligen Mehrwertsteuer angepassten Endpreis festzulegen, damit ich im Export in Länder mit deutlich höherer Umsatzsteuer keinen Verlust mache. Das gibt es bereits, etwa bei Zeitschriften und ist einer der Gründe, warum auf dem Spiegel so viele unterschiedliche Preise stehen.
Oder ich lege einen grenzüberschreitenden Preis fest, der muss dann aber mit dem höchsten Mehrwertsteuersatz gebildet werden, was die Buchpreise aufgrund der hohen Sätze in Skandinavien (wo durchaus auch viel deutsch gelesen wird) sofort um 10% erhöhen würde.
Es sollte auch angemerkt werden, dass Yogeshwars Forderung auf europäischer Ebene bereits erfüllt wurde, die entsprechende EU-Richtlinie tritt am 1. Januar 2015 in Kraft.

  • Agency-Modell und kein Wholesale Store (d.h. Verlage bestimmen Bedingungen des E-Book-Verkaufs, nicht der [Online]-Großhandel).

Das nennt man auch Buchpreisbindung und warum Yogeshwar diese gleich zweimal benennt, ist mir schleierhaft. Vielleicht, weil 10 so eine schöne runde Zahl ist, keine Ahnung.

  • Preisgestaltung liegt ausschließlich bei den Verlagen.

Okay, er nennt die Buchpreisbindung dreimal. Ich weiss, Redundanz ist in der Wissenschaft beliebt, insbesondere wenn man vorträgt. Dennoch ist sie überflüssig.

  • Online-Plattformen/Händler unterliegen verbindlichen Transparenzregeln.

Nix zu mäkeln, das klingt erstmal nicht schlecht.

  • Für alle E-Book-Anbieter gilt nationales (deutsches) Recht.

Neokolonialismus? Oder einfach nur eine unsauber formulierte Forderung? Stand der Dinge jedenfalls ist in der Praxis: Für alle .de-Domains und hauptsächlich auf den deutschen Markt ausgerichtete Anbieter gilt deutsches Recht. Das ist geübte Praxis in diversen Rechtsbereichen, vor allem aber im Verlagsrecht (Stichworte Impressumspflicht und Strafbarkeit von Inhalten).

  • Datenschutz des Lesers muss gewahrt werden: Lesedaten dürfen nicht verwertet werden.

Ich muss ehrlich zugeben nicht zu wissen, was er damit meint. Was sind „Lesedaten“?

  • E-Books können über ein Vouchersystem (Gutscheine/Belegsystem) auch im stationären Buchhandel angeboten werden.

Meinetwegen. Und was hat der Gesetzgeber damit zu tun? Das ist doch wohl Sache der Händler, sowas zu organisieren.
Davon ab krieg ich beim Rewe um die Ecke problemlos Gutscheine für buch.de, iTunes und Amazon sowie weitere Onlinehändler, deren Name mir grade nicht einfällt und die ich nicht nachschauen kann, weil grade Sonntag ist und mein Rewe somit zu hat.

  • Store hat kein formales oder inhaltliches Mitspracherecht.

Was zunächst gut klingt ist eine ernsthafte Einschränkung der Handelsfreiheit. Jeder Händler darf sich das von ihm angebotene Sortiment selbst auswählen. Das ist das eine. Das mag jetzt arg handelsfreundlich klingen, aber: Händler müssen Titel wegen inhaltlicher Bedenken (Pornografie, Gewaltverherrlichung etc.) aus ihrem Angebot entfernen können.
Ein Sonderproblem sind hier auch Nischenhändler und Selbstverlage: Wenn ich meine Bücher über meine eigene Webseite verkaufe, müsste ich dann zur Erfüllung von Yogeshwars Forderung auch jedes andere in Deutschland verfügbare eBook anbieten? Muss ein Händler für Kinderbücher einen Titel wie ChefSekretärin – … fick mich härter! führen? Man stelle sich ein solches Szenario mal im restlichen Kulturbetrieb vor: Jedes Kino müsste jeden Film zeigen, jedes Theater jedes mögliche Stück aufführen und auf Rammsteins Aufführung von Britney Spears‘ One More Time bin ich auch schon sehr gespannt. Okay, streicht das letzte, das könnte verdammt gut werden. Ich will Till Lindemann „Hit me Baby one more time“ grummeln hören. Jetzt!

Alles in allem zeugt Yogeshwars Katalog vor allem davon, dass er vom eBook-Phänomen nur oberflächlich und von der relevanten Gesetzgebung sowie ihrer Geschichte gar keine Ahnung hat. Die Vorschläge sind wenig durchdacht und hätten vor Veröffentlichung dringend eines Lektorates sowie zusätzlicher Recherche bedurft, wovon auch zeugt, dass der erste, vierte und fünfte identisch sind. Mehrere seiner Forderungen sind bereits umgesetzt und daher überflüssig.


Quergecovert

Ich bin im Grunde ein Verfechter der Idee, dass eBook-Cover ein ähnliches Format wie Buchcover haben sollten. Weniger aus technischen Gründen, sondern weil die Leser diese Form vom gedruckten Buch gewöhnt sind und somit danach suchen. Allerdings denke ich auch, dass das eBook sich im Laufe der kommenden Jahre langsam zu eigenen Formen entwickeln wird.
Im Dezember und erneut im Januar sind mir ein paar Cover für Kurzgeschichten aufgefallen, die in dieser Frage etwas anders vorgehen:


Was diesen Covern gemein ist, ist offensichtlich: Sie kehren das übliche Seitenverhältnis um und erscheinen so in einer Art Panorama-Format. Die Ergebnisse sind extrem unterschiedlich, daher lohnt es sich, die Cover mal einzeln anzuschauen und dann einen vorläufigen Schluss zum Einsatz des Panorama-Formats in eBooks zu ziehen. Dabei geht es vorrangig um die Besonderheiten des Formats.


Cor Setti (Genre:Science-Fiction) ist ein sehr leeres Cover. Das Motiv passt zum Genre und könnte grundsätzlich auch funktionieren, leider arbeitet das Format dagegen. Die extreme Breite in Kombination mit den winzigen Lichtpunkten des Sternsystems und dem kurzen Titel erzeugt einen gewaltigen schwarzen Leerraum, der wenig einladend wirkt. Auf einem aufrechten Cover wären diese Punkte weniger weit verteilt und das Ganze würde deutlich kompakter wirken. Alles in allem sehen wir hier die erste Gefahr des Formats: Entstehen großer Leerräume, da das Cover in der Breite größer wird.

Das gegenteilige Problem finden wir bei Die Schlacht von Reinach (Fantasy). Während die Breite optisch zunimmt, verringert sich natürlich die Höhe. Dessen wurde dieses Cover Opfer, alles ist vertikal gestaucht und hat kaum Platz neben dem Titelbild. Grundsätzlich wäre es möglich gewesen, den text in den weissen oberen Bildbereich zu setzen, er müsste dann nur ein wenig kleiner sein. Das englischsprachige Original dieses Covers hat interessanterweise gar keinen Text. Der Eindruck, dass der Text für die deutsche Übersetzung nachträglich aufgeflanscht wurde verstärkt sich auch durch die gewählte Schriftart, die so gar nicht zum Genre passen will, aber das hat ja nichts mit dem Coverformat zu tun.


Kommen wir mal zu einem gelungenen Beispiel. Sydney’s Sin (SF/Erotik) leidet zwar unter einem anderen Problem (unlesbare Schrift), aber das Format ist gut gewählt. Das Titelbild ist nichtssagend, aber das ist für Erotik typisch, hier gibt es nur selten aufwendig gestaltete Cover oder gar solche mit inhaltlichem Bezug zur Geschichte. Aber hier geht es ja um das Format: Eine allgemein bekannte Verwendung des Panorama-Formats ist das Playboy Centerfold. Das Motiv der liegenden Frau folgt dem „liegenden“ Format des Covers, Titel und Autorenname sind so verteilt, dass die Breite des Bildes komplett genutzt ist.

Im Englischen bezeichnet man das Panorama-Format als Landscape Format, weshalb das Titelbild von The Challenge of the Mountains (Erotik) naheliegt. Der Hintergrund wird mit einem Bild der Berge aus dem Titel ausgefüllt, was passt und auch das Cover gut ausfüllt. Links steht eine Frau, die allerdings etwas verloren wirkt. Das ist umso erstaunlicher, als das Buch von Sex zu viert handelt (das, äh, sagt die Beschreibung). Ich sehe auf dem Cover weder Sex noch vier Leute, wodurch nicht nur das Genre schwer zu erkennen ist, sondern vor allem eine gewisse Leere entsteht. Nicht so deutlich wie bei Cor Setti, aber dennoch auffällig. Es schrammt grade so daran vorbei, dass ihm daraus ein Problem erwächst. Ursache dürfte der Widerspruch zwischen der aufrecht stehenden Frau und dem „liegenden“ Cover sein.
In dieser Hinsicht vollumfänglich gelungen ist das Cover zu Beach Pleasures vom selben Autor. Ein interessantes Detail an diesen beiden Covern ist, dass sie zu einer Serie gehören, zu der auch ein Sammelband verfügbar ist – und dieser hat das klassische Format. Der Covergestalter (der Name scheint kein Pseudonym zu sein) hat also offenbar ganz bewusst die unterschiedlichen Formate gewählt um auf unterschiedlich lange Geschichten hinzuweisen.

Und damit zum Schluss: Kurzgeschichten mit einem eigenen Coverformat zu kennzeichnen ist eine interessante Idee, deren Weiterverfolgng sich meiner Meinung nach lohnt. Natürlich muss man sich einigen, bis wann eine Geschichte eigentlich kurz ist, aber schon am Cover zu sehen, was man bekommt, ist durchaus praktisch. Ich persönlich bevorzuge auf dem Kindle Kurzgeschichten, da sie sich bei einer Bahnfahrt komplett ohne große Unterbrechungen lesen lassen und würde so etwas wohl schnell in meine unterbewusste Liste von Dingen einfügen, die einen Titel für mich interessant machen. Ich glaube sogar, das ist schon passiert.
Allerdings bringt das neue Format auch neue Herausforderungen mit sich da es eine gänzlich andere Gestaltung der Cover verlangt. Traditionelle Buchcover sind mit Ausnahme einiger Fotobände aufrecht ausgerichtet. Dieses Format ist einfacher zu layouten, weil ein beliebig kurzer Text die ganze Breite nutzen kann. Nutzt er die nicht, ist der Freiraum nicht so groß, dass er stören würde. Im Panorama hingegen sind die horizontalen Räume viel weiter, es besteht die Gefahr zu großer Freiräume. Da der Text nicht zu groß werden kann, ohne an vertikale Grenzen zu stoßen, macht das eine völlig andere Raumnutzung erforderlich – bietet aber auch entsprechend ganz neue gestalterische Möglichkeiten.

Also: Grundsätzlich meine Empfehlung zur Nutzung des breiten Formates bei Kurzgeschichten, aber mit deutlichem Hinweis auf die völlig anderen gestalterischen Anforderungen. Ich bin sehr gespannt, was uns dieses noch sehr seltene Format in Zukunft an Schmuckstücken auf die Lesegeräte bringt.

Schamlose Eigenwerbung
Mehr von mir zum Thema eBook-Coverdesign gibt es in Dieses Cover ist Müll! für Kindle. Das Thema Coverformate wird ein neues Kapitel in der kommenden dritten Auflage werden, auf die alle Käufer der aktuellen zweiten Auflage nach Veröffentlichung natürlich kostenlos Zugriff haben.
Weitere Themen sind Titelfindung, Wahl und Quellen für ein Titelbild, Verwendung von Schrift und alles, was man sonst zum Erstellen eines professionell wirkenden Covers wissen muss.


eBook-Land: Woche 13

Bücher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 30,59 € | Händler: 6

Manchmal ist es ja doch interessant, auf was für Hindernisse man so stößt: Mein Schreib- und Lektoratsprozess wird grade von der Tatsache aufgehalten, dass das Wetter zu sonnig ist. Nein, nicht, was ihr jetzt denkt. Mein Monitor steht auf der Süd-Fensterbank. Normal kein Problem, da das Fenster von Weinranken beschattet wird, aber im Winter sind die laubfrei und die tiefstehende Sonne scheint um die Mittagszeit genau da rein. Nachmittags/Abends hingegen habe ich in der Regel keine Zeit. Einige Sachen sind auf dem Laptop, den ich einfach woanders hinstellen kann, aber die schon länger laufenden Projekte halt nicht. Jetzt muss ich mich entscheiden: PC umsetzen oder Rolladen reparieren (stecken im Kasten fest seit ich einmal etwas zu stark gezogen habe)? Wobei ich ja eh vom Desktop-PC weg will, das Problem könnte sich also von alleine erledigen.

Phase 1
Das erste deutschsprachige Projekt basierend auf einem gemeinfreien Werk ist beinahe fertig. Der Umsetzungsprozess war etwas lästig, da ich den im Original in Fraktur gesetzten Text mangels geeigneter Texterkennung per Hand abtippen musste. Interessant ist hier die Einführung des neuen Kindle-Formats von KF8, in dem sich auch Schriftarten einbetten lassen. Das Buch in der Originalschrift rauszubringen hätte durchaus einen gewissen Reiz, zumal ich persönlich wegen des Leseflusses gebrochene Schriften der modernen Antiqua ohnehin bevorzuge.
Unterdessen habe ich zwei französischsprachige gemeinfreie Propjekte in meine Planung aufgenommen. Dort gibt es noch große Lücken, in die Indie-Verleger einspringen können.

Phase 2
Das ist die wohl wichtigste Erfahrung im Sachbuchbereich: Nichts kostet soviel Zeit wie ein ständig aktuell gehaltenes Buch zu einem sich schnell entwickelnden Thema. Die 3. Auflage von Dieses Cover ist Müll ist auf einem guten Weg, aber schon allein aufgrund der rasanten Entwicklung in diesem Bereich gehe ich einfach mal davon aus, dass das Buch dieses Jahr problemlos die 5. oder 6. Auflage erreicht. Allerdings werde ich die Aktualisierungen in Zukunft in größeren Abständen bringen (oder jedesmal nur kleinere Überarbeitungen machen, keine komplett neuen Kapitel einfügen), alles andere kostet schlichtweg zuviel für andere Projekte benötigte Zeit.

Phase 4
Der ärgste Feind des Schriftstellers ist die Idee. Immer wieder schmuggelt sie sich ein, drängt sich vor das aktuelle Projekt und schnippst beim Aufzeigen mit den Fingern, damit der Lehrer sie auch bemerkt. Der die Streberin lieber ignorieren würde, damit die anderen auch mal zu Potte kommen.
Nun, ich bin über eine besonders strebsame und vielversprechende Idee gestolpert. Sprich, ein anderes Projekt hat sich vor mein Romanprojekt gedrängt und nimmt ihm jetzt die Zeit. Es ist eine eher kurze, direkte Geschichte mit aktuellem politischen und lokalen Bezug (deswegen die Bevorzugung) in einem für mich eigentlich untypisch actionreichen Stil. Das Thema lässt viele Umsetzungsmöglichkeiten offen, daher kann ich den Titel ruhig schon mal verraten: Castor.
Die Novelle, voraussichtlich um die 100 umgerechnete Printseiten lang, dürfte kurz nach Karneval fertig sein und somit Ende Februar erscheinen. Komplett neues Genre, aktuell lokalpolitisches Thema (die CASTORen rollen 2012 durch den Niederrhein), neuer Stil und ein zeitlich sehr kurzer Schreib- und Lektoratsprozess wegen aktuellem Bezug. Das wird mit Sicherheit interessant. Diese Art zu schreiben habe ich in der Vergangenheit schon genutzt, aber das ist 15 Jahre her. Mal sehen, wie das heute läuft. Zudem denke ich, das Buch ist gut für eine Verfilmung geeignet. Ich werde zeitgleich mit der Veröffentlichung ein-zwei Produktionsfirmen anschreiben, in deren Portfolio die Geschichte hervorragend passen würde. Im Grunde wird das wohl nach dem langen Vortasten mein erstes wirklich groß angelegtes Projekt.
Für den Titel habe ich ein Bild gefunden, aber das ist von der dpa und da muss ich erstmal schauen, was die Bildrechte kosten. Ich kann auch ein simples Cover mit dem Radioktivitätssymbol basteln, aber das wäre doch etwas langweilig. Mein Cover soll einen CASTOR-Transporter kriegen.
Das hierdurch nach hinten geschobene Projekt trug übrigens den Titel Neanderthalensis, wo ich schon beim Titelankündigen bin.

Kindle gegen Bücherregal
Christian Morgenstern ist ein weiterer Vertreter derer, deren Werk wegen Übergangs in die Zeit nach dem Urheberrecht nun überall kostenlos verfügbar ist. Das war 2002, als ich diesen Band kaufte zwar auch schon so, damals war das Lesen von eBooks aber noch eine unangenehme Sache und ein solcher Sammelband sinnvoll.
Damit fällt ganz nebnbei der mit 7 Zentimetern dickste Einzelband aus meiner Sammlung, eine solche Lücke wird ein Papierbuch nie wieder schlagen. Zumal der jetzt dickste Band ein Wörterbuch ist, das so schnell nicht verschwinden wird. Das klingt erstmal nach uninteressanter Trivia, aber es ist schon ein interessanter Schritt, denn diese Lücke fällt durchaus auf und so langsam wird sichtbar, dass mein Bücherregal deutlich an Masse verliert. Der Punkt, an dem die Buchreihen ganz oben auf meinen Bücherschränken verschwinden und alle Bücher in meine Schränke passen, zeichnet sich langsam ab.


Das papierlose Büro

Das papierlose Büro hat ein Problem. Nicht etwa, dass sie den mit Abstand inhaltslosesten aller deutschsprachigen Wikipedia-Einträge hat, was bei der niedrigen Qualität der deutschen Ausgabe schon beachtlich ist. Nein, das Problem ist vielmehr, dass es als Utopie gilt. Nur: Warum eigentlich?
Das Konzept wurde erstmals 1975 in der Businessweek vorgestellt. Seitdem war es eine weit verbreitete Zukunftsvision. Inzwischen ist es ein sprichwörtliches Beispiel für gescheiterte Zukunftsvisionen, quasi das positive Gegenstück zum Waldsterben (zu dem ich andernzeits wohl noch kommen werde). Dabei ist die technische Möglichkeit längst gegeben. Man muss also mal fragen, wieso das papierlose Büro noch nicht gekommen ist.
Sicherlich eine wichtige Sache hierbei ist die Existenz von Unterlagen, die in Papierform vorliegen müssen: Alles, was zur Steuererklärung gehört, also Rechnungen, Quittungen, Bilanzen. Aber davon ab gibt es tonnenweise Zeug, das der Papierform nicht bedarf. Was ist damit?

Der menschliche Faktor
Ein wichtiger Punkt ist sicher, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Mitarbeiter, die das Arbeiten am PC nicht gewohnt sind und auch nicht umlernen können (oder wollen), machen immer noch eine Mehrheit in den Büros aus. Man darf nicht vergessen, dass die flächendeckende Verbreitung von Heimcomputern grade erst 20 Jahre zurückreicht. Zwar gab es davor zwar schon Arbeitscomputer, aber nicht sonderlich viele und meist auch nur in wenigen besonders großen Unternehmen oder bei Firmen, die in diesem Feld arbeiteten. Dann kam eine Zeit der graduellen Verbreitung für Spezialzwecke. Und erst in den 90ern begann die Entwicklung hin zur heutigen Einsatzbreite von PCs.
Als ein Kind der 80er hat unsere Generation das alles sehr beeindruckend mitbekommen: Anfangs gab es noch Schreibmaschinen (und Kohl war Ewiger Kanzler), dann wurden die plötzlich elektronisch (Kohl war immer noch Kanzler) und schließlich kam es zum PC-Boom (und wer ist eigentlich dieser Schröder). Zur Jahrtausendwende schließlich schien es, als habe jeder einen Computer zuhause. Inzwischen hat oft jedes Familienmitglied einen eigenen. Die Plötzlichkeit dieser Entwicklung ist vielen von uns gar nicht mehr bewusst, daher dieser kurze Ausflug.
Selbst jene, die da eigentlich mitgekommen sind, sind längst nicht an die neuen Arbeitsweisen gewöhnt. Mal eine Memo lesen, okay. Aber einen längeren Text? Oder gar eine Tabelle bearbeiten, ohne was draufzukritzeln? Undenkbar.
Sicher, entsprechende Programme gibt es, aber die haben ein ganz simples Problem: Man muss erstmal mit ihnen umgehen können, wenn man ihre Existenz überhaupt mitbekommen hat. Wer die digitale Revolution sehr jung mitbekommen hat oder erst danach geboren ist, für den ist das eine Erkenntnis, zu der man erstmal kommen muss: Die Bedienung eines Computers ist kein grundsätzlich intuitiv erschließbarer Prozess. Das ist ein Talent, das erst jene entwickelt haben, die in die neue Welt hineingewachsen sind.

Die Haltbarkeit der Silberscheiben
CDs halten 5 Jahre, heisst es immer. Das ist eines der zentralen theoretischen Hindernisse zur Digitalisierung: Die mangelnde Haltbarkeit der Speichermedien.
Ich frage mich inzwischen ernsthaft, woher diese Behauptung kommt. Vor allem aber, wie derjenige, der sie aufgestellt hat, mit seinen CDs umgegangen sein muss. Ich meine, ich habe eine Menge CDs. Meine ältesten silbernen Tonträger sind knappe 30 Jahre alt, die ältesten gebrannten Backups sind von 1999. Und ich habe noch kein einziges Mal erlebt, dass die Daten auf einer dieser CDs defekt wären, wenn sie nicht physisch beschädigt wurde. Das schlimmste Problem ist ab und an mal, dass etwas Staub in die Hülle gekommen ist.
Ja, es gibt Kratzer. Aber die sind auf Unfälle oder unpflegliche Behandlung zurückzuführen. Solche Faktoren in die Haltbarkeit der Datenträger einzubeziehen entspricht dem Vorgehen, bei papiernen Archiven alle paar Jahre mit einem Großbrand zu rechnen. Was wahrscheinlich keiner tut, zumindest sind die meisten Bibliotheken meines Wissens durchaus versichert.

Die Zukunft kommt dennoch
Trotzdem ist es zu früh, das papierlose Büro zu einer Unmöglichkeit zu erklären. Ich habe, von Glückwunschkarten einmal abgesehen, seit Jahre keine private Post in Papierform mehr bekommen. Der größte Papierberg sind bei mir Beratungsunterlagen und auch da gibt es bereits Digitalisierungsbestrebungen, vor allem im Rahmen der Haushaltskonsolidierung (leider macht man sich damit als Politiker auch sehr unbeliebt, wenn die Politiker plötzlich alle Computer bekommen sollen, selbst wenn es sinnvoll wäre). Immerhin wurde der aktuelle Haushalt der Stadt bereits auf einer Mini-CD ausgegeben und nur noch auf Anforderung in Papierform (immerhin zwei prall gefüllte Aktenordner pro Ratsmitglied). Rechnungen kommen noch nicht alle, aber doch ab und an digital. Sonst ist die Post fast 100% Werbung, alles andere kommt per eMail (oder Telefon). Die Steuererklärung geht immerhin teilweise digital raus, nur die Belege müssen weiterhin auf Papier eingereicht werden. Gekauft habe ich Papier zuletzt im November – 2010.
Die papierlose Zukunft ist möglich und greifbar. Wir müssen nur endlich mal damit anfangen statt ständig darauf zu warten, dass sie von selbst kommt. Es liegt nicht an der Vorhersage, ob sie eintrifft, sondern an uns, ob wir sie umsetzen. Zugegeben sei allerdings, dass dies auch die Propheten oft genug vergessen.


wtf 15

Lassen wir doch mal eine alte Tradition in diesem Blog wieder aufleben: Das WTF!?!?

Unser erster Beitrag ist dieses Schmuckstück von einem Helikopter, das ich heute leider nicht zum Geburtstag erhalten habe:

Unerklärlicherweise nicht in Deutschland erhältlich. Okay, das war gelogen. Ich kann es mir erklären.


eBook-Land: Woche 12

Bücher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 30,59 € | Händler: 6

Die Woche kennzeichnet sich vor allem durch scheinbare Ruhe, aber das hat seinen Grund: Zur Umsetzung meines Neujahrsvorsatzes (letzter Punkt) hab ich mein Arbeitspensum etwas erhöht. Das bekommt vor allem das (grade erst inhaltlich aufgefrischte) Blog mit, diese Phase sollte aber sehr bald enden. Inhalte habe ich definitiv genug, es fehlt nur etwas an Zeit.

Phase 1

Die Überarbeitung des Layouts von The Last American läuft und die erneuerte Version wird diese Woche online gehen.
Daneben habe ich mich entschieden, ein kleines Sonderexperiment zu wagen: Eine thematische Anthologie gemeinfreier Kurzgeschichten, Gedichte und so weiter. Dabei sammel ich nicht einfach Texte (das kann jeder), sondern verfolge die Entwicklung eines sehr kleinen Literaturgenres, das um die Jahrhundertwende seine Blütezeit hatte und dann in die Abenteuerliteratur absorbiert wurde. Das Genre existiert noch, aber kaum mit genug Vertretern um als eigenes Genre gelten zu können. Eine enge Verknüpfung mit gesellschaftlichen Entwicklungen und den zu dieser Zeit neu entstehenden Wissenschaftsdisziplinen bieten die Bühne für eine solche Bearbeitung. Weniger, weil es sich lohnen würde (tut es nicht, gemeinfreie Werke stellen sich als Cent-Tröpfeleien heraus) als aus eigenem Interesse.
Wobei, vielleicht geht das beim Anthologie-Ansatz anders. Immerhin sind dort eine ganze Menge von Autoren gelistet (jene der Einzelgeschichten), sodass das Buch in mehr Suchanfragen auftauchen und auch mehr Leute interessieren dürfte.

Phase 2

Feuchten Fußes nähert sich dem Endergebnis, da kann ich ja ruhig mal etwas mehr dazu sagen:
Das Konzept ist es, ein Sachbuch mit einer Kurzgeschichte einzuführen, die das Szenario, um das es geht, plastisch vorstellt. Etwa so wie in einer Fernsehdokumentation über das Thema nach Sorte Im Reich der Giganten(Werbelink). Das Thema, die Evolution der ersten Landwirbeltiere, eignet sich recht gut für ein solches Experiment, man muss nur den richtigen (oder einen guten) Moment in diesem Prozess finden. Wahrscheinlich spürt man hier auch den Einfluss, den Lothar Streblows Tiergeschichten (insbesondere Duna der Dinosaurier und Trigan der Dreihornsaurier) literarisch auf mich hatten.
Daneben habe ich noch ein paar Projetkideen, bei denen ich mir nicht bei allen sicher bin, ob ich sie nicht über Pseudonyme rausbringen soll. Einerseits sind es Themen, die sehr stark aus meinem Portfolio herausstechen würden. Andererseits habe ich mir in einem davon bereits 2006-2010 unter meinem Realnamen einen sehr guten Ruf als Fachmann aufgebaut. Hmm. Nun, wir werden sehen. Das andere ist im Grunde ein Kochbuch, nur um mal aufzuzeigen, wie weit die Titel von meinem sonstigen Programm (Wissenschaft & SF) ausscheren. Sollte ich mich für ein Synonym entscheiden, wäre es (dient ja nicht der Geheimhaltung, nur der Unterscheidung unterschiedlicher Portfolios) Raul Diego Juarez. ¡Olé! Raul Diego von meinem letzten Vor- und meinem Nachnamen, Juarez, weil es noch einen Nachnamen brauchte, der klanglich dazu passt.
Dann gibt es noch Version 3.0 von Dieses Cover ist Müll! – ja, sie ist in Arbeit. Ich rechne für die Veröffentlichung mit Mitte Februar. Wie angekündigt wird es ab dann zwei Ausgaben geben, eine dickere für Neulinge mit zusätzlichen Kapiteln zu den absoluten Grundlagen und eine für Fortgeschrittene, die kein Problem haben, mit Photoshop, Gimp & Co. zu arbeiten und die dann dank dieser Tatsache Geld sparen können. Wie ich den Unterschied im Namen kenntlich mache, weiss ich aber noch nicht so recht – irgendwelche Ideen?

Kindle gegen Bücherregal

Die deutschdemokratischen Ausgaben von Marx gelten allgemein als problematisch, da sie hin und wieder zu Gunsten der Staatsideologie zensiert wurden. Somit konnte ich mich auf meine Ausgabe von Zur Kritik der Politischen Ökonomie nicht wirklich verlassen, auch wenn der rot gebundene Band mit der goldenen Rückenbeschriftung wirklich hübsch war.
Tatsächlich habe ich eine Weile überlegt, ob ich Marx rausschmeissen will, das ist dann doch schon in der Repräsentativität ein anderes Kaliber im Bücherregal als das bisherige Kroppzeugs (Ratgeber, Taschenbücher und die Bibel). Letztlich siegte ironischerweise der Kapitalismus, denn die eBook-Ausgabe gibt es für 3 € während ich meine recht gut erhaltene Hardcoverausgabe für knapp 13 € verkaufen konnte. Marx als Kapitalanlage. Ich höre, in London poltert es grade in einem Grabe, als würde da etwas rotieren.
Aber es ist nicht alles verloren: Die Lücke füllt nun Sartre. Und der bleibt auch da: Französischsprachige nummerierte Erstauflage von Le Mur. Sowas geb ich so schnell nicht ab.
Dann ist da noch diese zweifelhafte Perle: Left Behind, das vor Jahren ordentlich Wellen geschlagen hat gibt es derzeit kostenlos bei Amazon und für lau schau ich dann doch mal, worum sich all der Wirbel drehte.
Ich bin kein Christ und kein Freund des etwas seltsam anmutenden angloamerikanischen Genres „Christian Literature“, aber für einen guten Fantasyroman bin ich dann doch zu haben. Mal sehen, ob es diese Erwartung erfüllt. Ich würde jetzt sagen, es ist sicher nicht grundlos ein Bestseller geworden, aber… naja, Twilight.


Straßenausgleichsmaßnahmen

Mal wieder etwas Politik, jetzt wo es langsam aus der Winterpause rausgeht. Das Folgende ist eine Idee, deren Umsetzung in Mönchengladbach wohl aussichtslos ist. Keine Partei ausser den Grünen und der Linken würde einen solchen Vorschlag in unserem autoverliebt-rückständigen Metropölchen mittragen.
Ich schreibe es hier in der Hoffnung, einen solchen Plan als Denkanstoß für andere Kommunen einzubringen.

Straßenausgleichsmaßnahmen
Straßen kosten Geld. Das mag zunächst trivial erscheinen, aber was gerne vergessen wird: Sie kosten auch nach dem erfolgten Bau weiter Geld. Je nach Zustand, Alter, Material und Belastung zwischen wenigen hundert und ein paar zehntausend Euro pro Kilometer. Benutzung und Wetter fordern ihren Tribut, es gibt Aufrisse für Strom, Telekommunikation, Wasser und Gas, Schlaglöcher und Risse wollen gefüllt werden.
Unter diesen Umständen ist es für eine finanziell in der Klemme steckende Stadt (also inzwischen fast jede) kaum möglich, Straßenbaumaßnahmen durchzuführen, selbst wenn sie sinnvoll sein sollten. Leider sind diese Folgekosten aber regelmäßig nicht im Blick der Akteure und so wird die jährliche Last an Pflichtausgaben munter weiter erhöht.
Mein Gegenmittel ist genau das, wonach es klingt: Straßenausgleichsmaßnahmen.
Im Grunde bedeutet das, bei jedem Straßenneubau ist anderswo im Stadtgebiet eine entsprechende Straßenfläche stillzulegen. Ob man die „entsprechende Fläche“ nach Quadratmetern oder jährlichen Kosten festsetzen will, sei jeder Kommune selbst überlassen, für beides gibt es gute Argumente.
Der Effekt dessen wäre insgesamt eine Optimierung des Straßennetzes auf die Bedarfe sowie zumindest eine Verlangsamung der Flächenversiegelung. Wirklich benötigte Straßen könnten gebaut werden, nicht mehr benötigte können – was bisher so gut wie gar nicht passiert – systematisch abgerissen werden. Fast jede Stadt hat irgendwo überflüssige Straßen – praktisch unbenutzte Nebenstraßen ohne Anwohner, fehlkonzipierte Umgehungsstraßen, Rudimente längst abgerissener Wohngebiete und verschwundener Gewerbebetriebe. Die liegen nur rum und verursachen Kosten.


>Meine Lieblings-eBook-Cover 2011

>Wo ich schon so viel über schlechte eBook-Cover schreibe sollte ich dann vielleicht auch mal darüber schreiben, welche eBook-Cover ich für wirklich, wirklich gut halte. Nun denn, hier sind meine Top 10, weitere Vorschläge gerne willkommen:

10. Loki
Der nordische Gott Loki wird als vater zahlreicher Monster hin und wieder mit Schlangen assoziiert und ist selbst der Gott der List und Tücke. Attribute, die in der westlichen Kultur auch Schlangen zugerechnet werden.
Interessant an Loki ist der erfolgreiche Versuch, dem Titel das Aussehen eines abgenutzten, alten Buches zu geben, ähnlich einem alten leinengebundenen Buch, das schon länger in einem Bücherschrank steht. Die einfarbige Ausführung von Bild und Text sowie der gewählte Farbton sehen auf diesem Hintergrund sehr authentisch aus. Auch wirkt die Illusion bei einem eBook besser als bei einem Taschenbuch, vermutlich durch das Fehlen eines kontrastierenden Buchrückens, der die Falschheit des Bildes verraten würde. Das K im Schriftzug wirkt ein wenig seltsam.

9. Broken Worlds
Das einzige Cover in der Liste, das ohne konkretes Titelbild arbeitet und zudem das einzige, das ich nur wegen seines Covers auf meine Wunschliste gesetzt habe (und kaufen werde, sobald meine Liste ungelesener Bücher mal wieder etwas schrumpft).
Broken Worlds funktioniert dank der hochgradigen Abstrahierung der Welten als Kreise/Kugeln und die Kombination mit der einfachen Tatsache, dass auch der Buchstabe O als Kreis darstellbar ist. Jetzt packt man die Os in den beiden Wörtern des Titels zusammen und bricht den Text genau dort entzwei. Das Ergebnis ist eine effektvolle Visualisierung des Buchtitels.
Ich wünschte wirklich, mehr Cover würden mit ihren Schriftzügen ähnlich kreativ arbeiten. Es kommt hin und wieder vor, beschränkt sich aber meist auf die Anwendung von Farben und Bildern in der Schrift. Das Schriftbild selbst zu „verletzen“ ist eine Technik, die man selten sieht.

8. Shapeshifters Anonymous
Ich mag J.A. Konraths Cover normalerweise überhaupt nicht. Sie wirken zusammengeschustert und überfrachtet. Sie sind nicht so schlimm wie die Fotogalerie von Frauenbeinen, die John Locke als Cover bezeichnet, aber sie wirken dennoch ziemlich billig.
Shapeshifters Anonymous ist das wahrscheinlich einfachste Cover zu einem von Konraths Büchern, aber zugleich auch das meiner Meinung nach beste. Und als wollte es sich über mich lustig machen, besteht es hauptsächlich aus Frauenbeinen á là Locke. Aber in Kombination mit dem Gepardenschwanz kommt ein Element hinein, das dem Bild einen Hauch von Andersheit gibt.
Das Cover sieht ein wenig aus wie eine Kreuzung aus einem O’Reilly-Buch und einem Animorphs-Band. Der Lichtblick unter den Konrath-Covern. Bonuspunkte dafür, dass eine wichtige Figur der Geschichte tatsächlich ein Wergepard ist.

7. The First Fossil Hunters
Das ist ein schönes beispiel für ein Cover, das mit wenigen Elementen verrät, worum es geht. Der Titel allein lässt an die ersten Paläontologen denken, die im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert die Existenz einer urzeitlichen Welt lange vor dem Menschen bewiesen und so den Weg für Lamarck, Darwin und die Evolutionstheorien bahnten. Das Bild hingegen verrät dem eingeweihten ein anderes Thema: Der Umgang mit den schon damals hin und wieder auftauchenden Fossilien in der Antike.
Dargestellt ist ein Greif auf der Basis des Skeletts eines Dinosauriers (Protoceratops). Ein Bild, das sich deshalb anbietet, weil der Verleger Princeton University zwei Greife im Wappen führt. Eingeweihte kennen die Theorie, dass Greife und die Sphinx auf den Funden solcher Tiere beruhen und wissen das seltsame Bild daher einzuordnen. Uneingeweihte wollen im besten Fall wissen, was es mit dem Bild auf sich hat. Leider werden wohl viele Leser dadurch einfach nur verwirrt.

6. Linksaufsteher
Das farbigste Cover in dieser Liste.
Man steht auf, schlurft ins Bad und verteilt im ersten Akt des Morgens die Zahnpasta quer über die Zahnbürste.
Und auf dem Weg hat man sich wahrscheinlich den Dicken Zeh gestoßen.
Und Montag ist es sowieso.
Ein Bild, das so manchen Morgen einfach nur perfekt beschreibt.
Und jetzt muss ich dennoch weiterschreiben, sonst überlappen die Bilder von Platz 6 und 5, was einfach blöd aussieht. Mir fällt aber sonst nicht viel zu dem Cover ein. Die Farben sind schön knallig, damit dürfte es bei den meisten Suchen deutlich herausstechen. So, Textblock grade lang genug, nochmal überlebt.

5. Why Evolution is True
Ja, ich hab’s mit Dinosauriern.
Dieses Cover schafft das Kunststück, seine Grundthese kurzerhand auf dem Cover zu beweisen, indem es den Übergang von kleinen Raubdinosauriern zu den Vögeln in vier klaren Schritten zusammenfasst. Man muss dazu sagen, dass der Titel des Buches in den USA allen Ernstes als kontrovers gilt, eine so klare Stellungnahme ist also ein Wagnis.
Hier ist es grafisch mit dem wohl berühmtesten Beispiel Archaeopteryx untermauert. Die häufige Behauptung der Kreationisten, die fehlenden Glieder in der Kette der Evolution seien nie gefunden worden, wird direkt durch das Aufzeigen einiger solcher Formen (alle vier Bilder zeigen echte Tiere, keine hypothetischen Zwischenformen) widerlegt.

4. 2:46 – Aftershocks
Normalerweise ist es eine Grundregel: Weiss funktioniert nicht als Hintergrundfarbe für eBook-Cover, da diese meist auf einem wiedeurm weissen Hintergrund präsentiert werden.
2:46 schafft es, diese fehlende Begrenzung zu nutzen. Das Rot der japanischen Flagge wirkt so verloren in einem großen weissen Raum. Durchaus passend für ein Buch über das verheerende Erdbeben von März 2011. Was ich aber an diesem Cover vor allem mag, ist die Subtilität der Symbolik. Erst auf den zweiten Blick fallen die Rissen und Schrammen an dem roten Kreis auf. Japan ist in seinem Kern beschädigt.
Der große Nachteil des Bildes ist seine Allgemeinheit – es wird in wenigen Jahren wahrscheinlich für so ziemlich jedes Unglück in Japan Verwendung finden können. Aber in dem Moment, in dem es gebraucht wurde, hat es gewirkt. Für ein kostenloses, innerhalb einer Woche geschriebenes Buch, das im Grunde nur ein Spendenaufruf war ist das durchaus beachtlich.

3. Schuld
Kurzgeschichtensammlungen sind der natürliche Feind jedes Coverdesigners. Wie bringt man mehrere unterschiedliche Geschichten auf einem Cover in Einklang, ohne ein austauschbares Bild zu erhalten? Das Titelbild von Schuld ist sicherlich keine einmalige Idee, Blut im Wasser ist ein häufiges Bild im Film.Hier wirkt es aber durch Stil und die klare Aufteilung des Covers.
Schuld ist ein schöner Titel für einen Krimi. Ein naheliegendes Konzept, das in diesem Literaturgenre dennoch kaum Erwähnung findet, weil die Schuldfrage in diesem Genre oft nur vordergründig interessiert („Wer war es?“) und die Handlung nach Feststellung des Täters endet. Die Frage nach der Schuld selber im Titel verspricht eine tiefergehende Auseinandersetzung, vielleicht näher am Film Noir als an der üblichen Krimikost.

2. Die Oetkers
Auch ein schönes Blutbild: Der Vanillepudding mit Erdbeersoße wirkt harmlos genug, aber das ist eine Familienchronik mit Fokus auf eine deutsche Industriellenfamilie. Familienchronik und Industrie, das trägt gleich einen ganzen Strauß an Implikationen mit sich, insbesondere be vor 1933 gegründeten Unternehmen.
Kaum vorstellbar, dass es in einem Unternehmen dieses Wertes keine Betrügereien, Dolchstöße und Verschwörungen gegeben hat. Undenkbar, dass ein solches Unternehmen das 3. Reich überstanden haben soll, ohne mit den Nazis zu kollaborieren.
Was das Blut angeht enttäuscht die Familie Oetker zwar, aber das Titelbild ist dennoch ein gelungener Kundenmagnet.

1. Demon Kissed
Demon Kissed sticht aus mehreren Gründen aus dieser Liste heraus. Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass ich nicht das geringste Interesse am Inhalt des Buches habe. Romanzen, auch paranormale, sind nun wirklich das letzte Genre, das ich in die Hand zu nehmen gedenke. Aber das ist ganz einfach das beste Buchcover, welches zu sehen ich mich erinnern kann.
Das Titelbild spielt mit dem Buchformat und überragt es zu den Seiten hin, was einen ungewöhnliches plastischen Effekt ergibt.
Das Bild selbst hat drei Schichten. Die offensichtliche ist jene, in der rote Lippen einen Rind halten. In der zweiten Ebene ergeben Ring, Lippen und Schatten die Konturen einer drohenden Kobra, ein subtiler Effekt, der das Thema der Liebesgeschichte mit einem Dämonen sehr stark verbildlicht. Und diese Komposition ist ein absolut beeindruckendes Bild. Die dritte Ebene erkennt man erst in der Vergrößerung: Die Lippen bestehen aus beschrifteten Buchseiten, es handelt sich eigentlich um ein rot eingefärbtes, aufgeschlagenes Buch.
Dieses Cover könnte ohne Probleme in einem Museum hängen. es würde mich nicht wundern, wenn es das täte. Einziger Kritikpunkt: Der Titel ist relativ schlecht erkennbar.

Ausserdem erwähnenswert:
Cover, die mir die letzten Monate ebenfalls positiv auffielen, es aber nicht in die Top-10 geschafft haben.


e-Book Land: Woche 11

Bücher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 29,44 € | Händler: 6

Okay, fangen wir mit den Informationsquellen an: Paper.li hat zwei „Zeitungen“, die ich jedem eBook-Autoren nur empfehlen kann, wenn er auf dem Laufenden bleiben will: Der eBook Klub für die deutsche Szene und Join the eBook Revolution für die englischsprachige.
Paper.li ist ein Service, der Twitter-Nachrichten sammelt. Jede Zeitung aktualisiert sich alle 24 Stunden mit neuen Schlagzeilen aus dem Twitterversum und liefert so ständig aktuelle Links und lässt sich abonnieren, wodurch man bei jeder Aktualisierung eine eMail erhält. Ich empfehle diesen Dienst auf jeden Fall sehr, wenn man immer auf dem letzten Stand bleiben will. Die englische Ausgabe ist etwas besser als die deutsche, aber das liegt daran, dass das Thema dort wesentlich weitreichender etabliert ist als hier.
Ein andere Punkt ist die luxemburgische Mehrwertsteueranpassung. Ich bin offengestanden schockiert, dass Amazon davon allem Anschein nach völlig überrascht wurde. Es ist nicht so, als wäre diese Gesetzesänderung erst am Weihnachtsabend beschlossen worden. Aber anders ist kaum zu erklären, wie unvorbereitet Amazon hier war – es gab nicht einmal eine automatisierte Funktion, die den Preis an die neuen Sätze anpasste? Denn das Vorgehen bei der Preisänderung lässt erahnen, dass die Änderungen per Hand gemacht werden. Für mehrere Millionen Titel! Das Ergebnis ist aktuell ein bunter Salat von Titeln mit unterschiedlichen Steuersätzen. Man sollte meinen, das weltgrößte Internet-Versandhaus mit hohem Automatisierungsgrad bei digitalen Verkäufen hätte eine Abteilung fähiger Programmierer im Haus.

Phase 1
Nach einigem hin- und herüberlegen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass meine beiden bisherigen Veröffentlichungen gemeinfreier Werke nicht mehr meinen Maßstäben entsprechen. Weniger im Inhalt als in der Aufmachung: Ich habe mit jedem Buch mehr über die Formatierung von Text in eBooks gelernt. Der wichtigste Ausfluss davon ist, dass ich die einst verhassten Einzüge am Absatzanfang inzwischen für essenziell für das Schriftbild halte.
Beide meine gemeinfreien Werksumsetzungen haben keine solchen Einzüge. The Last American werde ich definitiv entsprechend anpassen, Armata wird deutlich mehr Arbeit, da das 200 Jahre alte Original vollkommen anders gesetzt war als moderne Romane. Speziell bei Armata stehe ich bei einer Überarbeitung auch erneut vor der Frage: Originalrechtschreibung oder modernes Englisch? Für beide Positionen gibt es gute Argumente.

Phase 2
Ich hatte ja bereits darüber geschrieben, Dieses Cover ist Müll! Lernen Sie warum hat eine deutlich erweitere 2. Version erhalten und wird auch eine 3. Version bekommen. Das war von Anfang an geplant, aber die Geschwindigkeit dessen überrascht mich dann doch. Version 2 hat sich bisher (wohl auch dank des immer noch deutlich zu hohen Preises) noch nicht verkauft. Gar nicht.
Die letzten Monate sind mir so viele Dinge aufgefallen, die darin noch fehlten, dass die Überarbeitung nötig wurde. Viele der Dinge für die 3. Ausgabe sind Sachen, die für Anfänger nötig sind (beispielsweise Grundlagen der Bildbearbeitung), für Fortgeschrittene aber überflüssig und uninteressant. Ich überlege daher, die 3. Version aufzuspalten in eine Lite-Variante ohne die Anfängerinformationen für 2,99 € und eine erweiterte Edition mit diesen Details für die 3,99 € der bisherigen Edition.
Aber eine Sünde ist mir bei der 2. Version doch passiert: Ich habe vergessen, das Cover durch einen Sticker mit einem Hinweis auf die Versionsnummer noch mehr zu verschandeln. Dabei hatte ich mir das so fest vorgenommen!
Das andere Buch in Phase 2, Feuchten Fußes, steht aktuell vor einem ganz anderen Problem: Es wird für meinen Geschmack zu kurz. Ich könnte es zwar für 0,99 € verkaufen, aber ich finde, ein Buch dieser Länge lohnt nicht und habe auch persönlich Vorbehalte dagegen, zwischen dem vielen Schrott in dieser Preiskategorie zu landen. Was meint ihr, soll ich den Sprung in die Billig-Kategorie wagen?

Phase 3
Nur ein kurzer Teaser: Ich habe da noch eine Überraschung vor mit den beiden Anthologien. Die Bände sind definitiv im Zeitplan und sollten also Februar (deutsche Anthologie) und März (englische Anthologie) erscheinen. Beide enthalten jeweils eigene Geschichten, die als Originale in der jeweiligen Sprache geschrieben sind. Ob ich auch Übersetzungen beider in der jeweils anderen Sprache erscheinen, werde ich noch überlegen, Übersetzungen sind grundsätzlich nicht einfach. Es wird wojhl davon abhängen, wie erfolgreich die Anthologien werden. Wenn, werden die übersetzten Editionen aber wohl nicht vollständig sein, denn einige der Geschichten basieren auf Eigenschaften der jeweiligen Sprache, die sich nicht übersetzen lassen (einschließlich einiger Gedichte).

@eBooksfuerlau
Der Twitter-Account, der auf kostenlose Angebote verlinkt war bisher ein ganz guter Erfolg – nach einer Woche 30 Follower klingt nicht nach viel, aber mir scheint das ein ganz brauchbarer Start zu sein. In der einen Woche gab es knapp 400 Klicks auf Amazon und 100 auf iTunes, für den Rest habe ich (noch) keine Affiliate-Accounts.
Geld ist bisher nicht reingekommen, was in dieser Stufe nicht überrascht. Ich rechne mehr mit Einnahmen als einer Art Kollateralschaden in diesem Projekt, wodurch es sich erst bei einer dreistelligen Followerzahl zu rechnen beginnt. Kostenlose deutsche eBooks zu finden, die nicht bereits tausendfach verbreitet sind war in der Weihnachtszeit einfach, wird aber langsam schwieriger. Der Markt ist nicht annähernd so groß wie in den USA, wo täglich allein auf Amazon Dutzende Titel kostenlos abgegeben werden. Und nein, „Piraterie“ ist keine Option.

Kindle gegen Bücherregal
Diese Woche sind drei Bücher rausgeflogen, allerdings ohne Ersatz auf dem Kindle. Zwei davon sind Bücher über C++, die 9 bzw. 11 Jahre alt und somit komplett überholt sind. Das ist eines der klassischen Probleme gedruckter Bücher, die sich mit der digitalen Welt befassen: Wenn man Glück hat, sind sie noch ein Jahr aktuell, nachdem sie bereits ein Jahr auf dem Weg von der Schreibmaschine und die Druckereien in den Handel geschafft haben. Papierbücher über Programmierung sind ganz einfach eine vollkommen sinnlose Idee, dafür entwickelt sich die Technik und Szene in diesem Bereich einfach zu schnell.
Stadt in der Krise indes ist einfach ein uninteressantes Buch. Das Thema ist sicher extrem relevant, aber ich musste mir kein Buch kaufen, um herauszufinden, dass die Städte darunter leiden, dass sie von der Regierung zu viele Aufgaben und zu wenig Finanzmittel bekommen haben. Das weiss jeder, der sich irgendwie für das Thema ernsthaft interessiert auch ohne 250 Seiten darüber zu lesen.
Noch uninteressanter sind dann die Lösungsvorschläge des Autoren, die sich zusammenfassen lassen mit „Steuern erhöhen“.
Unterdessen habe ich dank Amazons aktueller Verschenk-Aktion Heilige Scheiße runterladen können, das schon länger auf meiner Wunschliste stand. Hätte ich doch nur vorher gewusst, dass es von den Autoren des unsäglich dämlichen Generation Doof ist, einer mir zutiefst verhassten Sammlung dummer Vorurteile über, was auch sonst. die „.Jugend von heute“.
Nein, irgendwie keine gute Lesewoche. Naja.


Auf nach 2012

Schon Abend, aber doch: Mein kleiner Ausblick auf 2012
Kurze Vorhersage: Der CASTOR kommt an MG vorbei wenn nicht gar durch MG, wogegen es ordentlich Widerstand gibt. Ansonsten geht es in der Stadt um große Dinge: Verkehrsentwicklungsplan, Lärmaktionsplan, Grimshaws Masterplan, Luftreinhalteplan – wenn es mit „-plan“ aufhört, ist es 2012 Thema. Mit etwas Glück sogar der immer noch suboptimale Busfahrplan in der Stadt. Meister und Vizemeister im Fußkugeln heissen beide Borussia. In Deutschland kommt es zum Durchbruch des eBooks, was weitreichende Auswirkungen auf die hiesige Kulturpolitik und Medienindustrie haben wird. eBooks werden für den Buchmarkt das, was das Internet für die Zeitungen bereits ist. Piraten und FDP gehen am jeweils eigenen Erfolg zu Grunde, wenn auch auf unterschiedliche Weise (FDP weil ihre Erfolge uns zunehmend in den Abgrund reissen, Piraten weil sie durch ihre eigenen Erfolge überflüssig werden). Das Ende der Welt verhindert grade noch rechtzeitig einen verheerenden Wahlsieg der Republikaner in den USA.
Eine Idee, die mir heute kam ist es noch zu beobachten, wie gut mein letzter Einkauf 2011 sich als Orakel eignet. Sollte ich das nicht vergessen, werde ich diese Liste zum Jahresende wieder hervorkramen, mal schauen, was rauskommt. Also: 3 Pfund Äpfel, 500 g FIMO, 1 Mülleimer, 4 LED-Glühbirnen, 5 Liter destiliertes Wasser, 1 Baguette, 1 neues Rücklicht fürs Fahrrad. Nein, ich habe noch keine Ahnung, was das ergibt. Wobei, ich könnte im Mülleimer aus den anderen Teilen eine Suppe anrühren. Dank der Glühbirnen auch mit Knusper.

Und nun der langweiligen Teil an: Vorsätze. Also denn.

85 kg
Der gute alte Klassiker: Abnehmen.
Nachdem ich Sommer 2011 einen Schreck bekommen habe, weil ich erstmals über 100 kg wog, will ich jetzt wieder auf gesünderes Maß kommen und mich auf ca. 85 kg stabilisieren. Auf 89 bin ich aktuell. 85 ist immer noch ein wenig über der BMI-Empfehlung für meine Größe, aber da sag ich ganz einfach: Fuck that, 85 halte ich für gut und gesund. BMI ist eh nicht zur Bemessung individueller Idealgewichte geeignet, sondern ein statistisches Bewertungsinstrument für den etwas abstrakteren Begriff der „Volksgesundheit“.
Nehmen wir „Mehr Sport“ gleich dazu, dann haben wir die Klassiker abgehakt.

Computerwechsel
Nein, es geht nicht um die Anschaffung eines neuen Computers, sondern um den Umstieg von Desktop-PC auf Laptop.
Im Dezember hat sich meine durchschnittliche tägliche Zeit vorm Desktop-Computer von 5 auf 3 Stunden verkürzt, im Laufe des Jahres 2012 will ich komplett auf den Laptop übergehen. Der wichtigste Grund dafür ist der geringere Stromverbrauch von Laptop-Computern, aber natürlich auch die Möglichkeit, unterwegs zu arbeiten und so zum Beispiel Bahnfahrten und Wartezeiten effektiver nutzen zu können. Im Idealfall erhalte ich dadurch mehr Zeit, im weniger idealen Fall steigt nur meine Zeit vorm Bildschirm.
Richtig ist, dass Tablet-Rechner noch weniger Strom verbrauchen, ich habe aber schlichtweg keinen und bin nicht sicher, ob ich 2012 einen kaufen werde. Vielleicht. Zudem sind Tablets allem Anschein nach zum Schreiben längerer Texte schon von der Software her eher weniger geeignet.

Bücherregalschrumpfkur
Meine Büchersammlung zählt sicherlich nicht zu den größten der Welt – sie braucht etwa zwei Billy-Regale und einen Eichenschrank in ähnlicher Dimensionierung. Alles in allem wohl ein paar hundert Bände, vielleicht 1.000. Dennoch verbrauchen sie Platz, den ich anderweitig gebrauchen könnte, grade mit rapide wachsenden Beständen an Ratsunterlagen und ähnlichem offiziellen Kram.
Also werde ich in Zukunft soweit möglich meine Bücher durch elektronische Versionen ersetzen. Ich schätze, das macht etwa ein Drittel meiner Sammlung aus, der Rest sind seit Jahrzehnten vergriffene Taschenbücher, Bildbände und aufwendigere alte Ausgaben. Alles andere ist ersetzbar. Da ich die Erfahrung machen musste, dass gebrauchte Bücher von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen praktisch unverkäuflich sind (ob auf dem Trödelmarkt, im Antiquariat oder online), bedeutet das wohl eine Zunahme meiner Altpapiermengen. Das kann man noch so schlimm, schade oder barbarisch finden: Niemand kauft alte Bücher, es gibt einfach keine wirtschaftlich vertretbare Alternative.

Archivbildung
Hier dann im Gegenzug, wofür die Bücher eigentlich Platz machen: Ende 2010 habe ich aufgehört, Ratsunterlagen jenseits der Protokolle zu archivieren. Jeden Monat kam etwa ein dicker Ordner an Unterlagen dazu, schnell gab es Platznot. Ich entschied mich, Ratsunterlagen künftig aus dem Ratsinformationssystem zu laden, wenn ich sie brauchte.
Das Problem hiermit ist, dass sich das Ratsinformationssystem als völlig unbrauchbar erwiesen hat. Allem voran das Fehlen der Bebauungspläne bei Bebauungsplanbeschlüssen wog schwer, etwas weniger schwer auch sonst das Fehlen praktisch sämtlicher Anlagen bei Beratungsvorlagen. So war oft nicht nachvollziehbar, was genau eine Entscheidung eigentlich umfasst und ich musste aus dem Gedächtnis zitieren/beschreiben. Das ist bei der Anzahl an Vorhaben, die über ein Jahr entschieden werden, inakzeptabel. Und da ich unserer Verwaltung inzwischen die nötige Kompetenz für eine ordentliche Versorgung des Ratsinformationssystemes nicht mehr zutrauen (mit wenigen Ausnahmen bei Einzelpersonen), muss ich halt doch wieder archivieren. Dafür brauche ich 2012 etwa 1-2 Regalmeter, die ich aktuell nicht übrig habe.

Projekte
Klare Zahlen: Bis Ende des Jahres will ich 4 Projekte im Rahmen meiner Ratsarbeit umgesetzt haben. Ausserdem sollen bis dahin 10 neu von mir verlegte eBooks raus sein, idealerweise eines pro Monat. Beides sind Mindestzahlen. Beide sind ungefähr gleich ambitioniert.