Freitägliche Fünf 15.04.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche als kleines Menü. Naja, Pilze und Wasser, weil das Fleisch weggelaufen ist. Kluges Fleisch.

1. Pilze

Vier Tage, vier Bilder

Vier Tage, vier Bilder

Nachdem ich mir schon Sorgen gemacht hatte, dass es dem Austernseitling bei mir zu trocken oder zu warm sein könnte, habe ich das Pilzpaket in ein Anzuchtgewächshaus gesetzt, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Das hat offenbar funktioniert und nach einigen Tagen zeigten sich die ersten jungen Fruchtkörper. Ich wusste, Pilze wachsen schnell, aber wie schnell die größer werden, hat mich dann doch überrascht.

2. Wasser

Hier gibt es ein erfolgreiches Crowdfunding für eine Wasserflasche, die ihr Wasser aus der Luft filtert. Sie ist bei hohen Temperaturen besonders effektiv, was genau da ziemlich gut ist, wo Wasser Mangelware ist.

3. Tintenfischringe sind aus

In Neuseeland hat ein Krake bei einer Erkundung des Abwasserrohrs den Weg ins Meer gefunden. Und tschüss!

4. Transport

Dreirad von Flevobike

Natürlich mag ich das, es ist seltsam

Das ist ein Liegedreirad von Flevobike, ein interessanter niederländischer Liegeradspezialist. Das Interessante an (alten) Flevobike-Liegerädern ist der Knicklenker: Statt eines klassischen Fahradlenkers hat der Rahmen ein Gelenk, über das der komplette Rahmen verdreht wird. Das ermöglicht einen Vorderradantrieb, aber macht die Steuerung auch völlig anders als von anderen Rädern gewöhnt – insbesondere bei Zweirädern. In dem Bild liegt das Gelenk unter dem Sitz.
Ich war überrascht, einen solchen Exoten in meiner Nachbarschaft anzutreffen. Ich bin nicht sicher, ob das ein Original oder ein Nachbau ist, aber so oder so, da stand es plötzlich auf dem Bürgersteig.

5. Selbstabholer

Apropos: Mein Liegerad ist so gut wie fahrbereit, es ist nur noch Kleinkram übrig. Das einzige Problem: Mit den neuen Teilen wird nur offensichtlicher, dass die alten Teile dringend gereinigt werden müssen. Und am besten neu lackiert.


Freitägliche Fünf 08.04.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche von der Küche bis nach draussen durchs Haus.

1. Küche: Verzehr

LidSitter - oder zu deutsch schlicht Deckelablage

LidSitter – oder zu deutsch schlicht Deckelablage

Das ist der LidSitter. Eine wunderbar schlichte kleine Erfindung, die grade ihren Crowdfunding-Start geschafft hat. Damit hat man beim Kochen immer einen Platz, wo man den vermaledeiten Deckel hintun kann.
Ich finde das verdammt nützlich.

2. Küche: Anbau

Mehlwurmturm

Mehlwurmturm – Bild: LIVINfarms

Und noch ein Wurmturm. Aber während es beim letzten Wurmturm um Kompost ging, geht es diesmal direkt um den Verzehr. Und streng genommen auch nicht um Würmer, sondern um die als Würmer bezeichneten Larven des Mehlkäfers.
Ich bin schon lange überzeugt, dass Insekten in der Zukunft eine zentrale Rolle in der Lebensmittelversorgung spielen werden. So wie einst der als wertloser Fischereiabfall an Arme verteilte Hummer es zuvor tat. Die LivinFarms zeigen einen der Gründe, warum das so ist: Passt in die Küche und erzeugt aus Gemüse und Getreide (darunter gerne auch Küchenreste) tierisches Eiweiss und das deutlich günstiger für die Umwelt, als klassisches Nutzvieh das je könnte.

3. Wohnzimmer

Okay, ich habe keine Ahnung, wofür Armbanduhren im 21. Jahrhundert gut sind ausser für einen schwitzigen Ring um den Arm unter dem Ding, aber wenn schon, dann so eine, nur mit Stundenzeiger. Die hetzt halt nicht so ;-)

4. Flur

Ordner-Klemmverschluss als Schlüsselbrett genutzt

Ich mag Dinge im Verkauf, die man nach kurzem Ankucken nachbauen kann, wenn sie vergriffen sind – Bild: DaWanda

Das ist Klemmi.
Klemmi ist ein zum Schlüsselbrett umfunktionierter Ordnerverschluss. Eine nette, wenn auch etwas rustikale Idee. Gut, die verlangten 19,95 € finde ich etwas hoch angesetzt, aber das ist bei der Kategorie Upcycling-Produkte häufig so.
Wie gesagt, es lässt sich ja mit extrem wenig Aufwand nachbauen, zumal es derzeit ohnehin vergriffen ist. Man nehme einen alten Ordner, einen Bilderrahmen oder ein schmuckes Holzbrett und zwei Schrauben. Wenn gewünscht noch ein paar Abrubbelbuchstaben. Viel Erfolg und Spass.

5. Innenstadt

Vor fast sieben Jahren hatte ich eine Idee: Warum nicht den Busverkehr in der Hindenburgstraße nur noch bergauf führen, um ihn bergab die parallel laufende Steinmetzstraße nutzen zu lassen, mit dem der Hindenburgstraße zugeneigten Bürgersteig als Halteseite, also ohne eine Straße überqueren zu müssen?
Nun hat die CDU wissen lassen, genau das ausprobieren zu wollen.

PS

Wenn bitte jemand rausfinden könnte, wer den Neustart der Raumpatrouille als Aprilscherz gesetzt hat, ich besorge dann etwas Teer und geh im Wald Federn sammeln… Grml.


Freitägliche Fünf 01.04.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche ignoriere ich den 1. April gekonnt, es geht dabei von der Rückkehr zur Natur in die internationale Politik.

1. Lesen im Grünen

Architektonisches Vorbild war ein Softeis mit Pistazien - vermutlich - Bild: Spogagafa

Architektonisches Vorbild war ein Softeis mit Pistazien – vermutlich – Bild: Spogagafa

Dass man auch öffentliche Gebäude nicht als immergleiche Rechtecke bauen muss, zeigt die Stadt Varna in Bulgarien mit ihrer neuen Stadtbibliothek – eine Beinahe-Kuppel, auf deren Aussenseite eine Art künstlicher Hügelgarten und Park läuft.

2. Fahrradwohnwagen

Ich mag das grundsätzliche Konzept von Fahrradwohnwagen, auch wenn die meisten wohl zu schwer oder zu windsperrig sind, um praxistauglich zu sein. Aber ein paar Varianten, die aussehen wie geschlossene Kajaks auf Rädern, sind durchaus brauchbar. Hier gibt es eine schöne Liste mit Wohnanhängern fürs Fahrrad. Nicht annähernd vollständig (es fehlen vor allem ausklappbare Modelle), aber eine ganz gute erste Übersicht.
Fragt mich nur nicht, warum das Magazin sich vogelrije Fietser nennt, das finde ich etwas unglücklich.

3. Apropos Vögel

4. Erdoğan und der NDR

Joa, es gibt jetzt bessere lustige Musik, aber ganz ehrlich: Politische Lieder sind hat fast durchgehend schlecht, da macht man nichts dran. Plattheit gehört da zum guten Ton.
Aber es ist wunderbar zu beobachten, wie Erdoğan sich darüber aufregt und somit öffentlichkeitswirksam blamiert.

5. Von Zielideen und dem Perfekt

Das Perfekt ist jene Zeitform, über die etwa das Englische und einige deutsche Dialekte verfügen, das Hochdeutsche aber seltsamerweise nicht. Wie rein hochdeutsch sprechende ohne ihn auskommen, ist mir als Rheinländer ein Rätsel. Es handelt sich um die Form, mit der eine Tätigkeit bezeichnet wird, die im Moment der Äusserung noch andauert: „Er ist am laufen.“
Das hat einer neuen Studie zufolge Auswirkungen bis hin zur Wahrnehmung der Wirklichkeit des sprechenden. Und zwar nicht etwa grundsätzlich , sondern abhängig von der im Moment der Wahrnehmung verwendeten Sprache. Im Beispiel neigen deutsch sprechende dazu, einer gehenden Person ein Ziel zuzusprechen, um den Satz zu vervollständigen, wer englisch spricht verbleibt bei der Feststellung, dass die wahrgenommene Person geht.
Das ist alles hochspannend, sowohl für die Bewusstseinsforschung als auch für die Frage, was bei der Normierung einer Sprache wie des Deutschen, das dabei kurzerhand eben dieses Perfekt verlor, mit ihren Sprechern passiert.


Freitägliche Fünf 25.03.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche höchst skandalös, schließlich ist dies eine Liste erfreulicher Dinge an einem Karfreitag! Hoffen wir einfach, dass mich jetzt niemand verklagt.

1. Künstliche Kiemen

Künstliche Kiemen im Schnitt - mehrere Schichten filtern Sauerstoff aus dem Wasser

Endlich Wasser atmen! – Bild: Indiegogo

Ein südkoreanisch-schwedisches Team hat im Crowdfunding für ihre „künstlichen Kiemen“ mal eben das 10-fache ihrer Forderung erhalten. Das Gerät filtert Sauerstoff aus dem Wasser und soll es so ermöglichen, deutlich länger zu tauchen als mit einem Schnorchel und das ohne großen Gastank. Natürlich nicht unbegrenzt – das System ist nicht so effektiv wie echte Kiemen, geschweige denn Lungen. an der Luft.
Der Fortschritt der letzten Jahre bei dieser Art von Geräten ist beachtlich und ich bin sehr gespannt,wo das noch hinführen wird.

2. Microlino

Microlino, eine elektrische Isetta mit neuem Design

Zwerg mit Ochsenfroschgrinsen: Microlino – Bild: Micro Mobility Systems

Das ist Microlino, ein Elektroauto, wie es sein sollte: Klein und anders. In diesem Fall eine aktualisierte Version der alten Isetta, eines von mehreren Autos mit nach vorne öffnender Fronttür aus den 50er und 60er Jahren, die seitdem fast völlig verschwunden sind. Wie gesagt: So sollen Elektroautos sein.

3. Küchenabfälle nachzüchten

Hier ist eine kleine Übersicht von Pflanzen (plus Pilz), die man aus Küchenabfällen nachzüchten kann. Wobei ich die Avocado rausnehmen würde, der Baum wird einfach zu groß, bevor man davon ernten kann.

4. Borussia gegen Schalke

Symbole von Schalke 04 und Borussia MönchengladbachIch habe keine Ahnung vom Fußball. Ich hatte das bisher erste und letzte Mal ein Fußballspiel, als in Madrid das Tor umgefallen ist und fand das hochamüsant, aber das folgende Spektakel völlig uninteressant. Okay, ich habe auch etwas vom ersten Spiel der Gladbacher Borussen im damals neuen Stadion gesehen, das aber als Mitarbeiter des Putzdienstes und auch hier mit großem Desinteresse.
Nun hatte ich am Freitag einen Sitznachbarn mit Tablet, der das Spiel ansah. Der sollte an dieser Stele nicht weiterlesen.
Dieses Spiel war das Lustigste, was ich seit langem im Sport gesehen habe. Einer Mannschaft zuschauen, wie sie alle drei Tore im Spiel macht und dann 2-1 verliert, ist einfach extremst unterhaltsam. Gut, es gab noch ein Tor von Schalke, aber das war aus mir nicht ersichtlichen Gründen ein Abseits und das bedeutet offenbar, dass es nicht zählt. Fragt nicht, ich habe keine Ahnung, was das soll.

5. Pilzpaket

Lange habe ich mich mit der Theorie beschäftigt, nun habe ich ein Pilzpaket, mit dem man auf Kaffeesatz Pilze züchten kann. Austernseitlinge sind es geworden. Bis jetzt ist allerdings noch nichts zu sehen. Nun, mal sehen, wie das in ein paar Tagen aussieht.


Innenstadt neu denken

Leerstände in Rheydt

Die Friedrich-Ebert-Straße am Donnerstag, 25.02.2016, früher Nachmittag

Nein, Rheydt steht nicht alleine da. Rheydt ist besonders eklatant, da es neben den Problemen aller Innenstädte auch noch extrem nah an größeren Zentren liegt, mit denen es nicht mithalten kann. Das liegt nicht an der Struktur von Mönchengladbach mit zwei Kernen, denn die rheydter Innenstadt hat ja früher auch funktioniert und es ist nicht so, als wäre sie in den bald 45 Jahren seit der Zusammenlegung der Städte weiter nach Norden gerückt, als wären die Abstände zwischen den beiden Innenstädten in dieser Zeit kleiner geworden. Das ist einfach nur albern. Die spezielle Lage der Stadt Mönchengladbach, der schon seit Jahren von mir wiederholt angeprangerte Mangel an Differenzierung Rheydts vom nördlichen Nachbarn und die Konzeptlosigkeit der panikhaften Rheydt-Rettungspolitik sind zwar Faktoren, aber sie alleine reichen nicht, die desaströs werdende Entwicklung zu erklären.
Es hat lange gedauert, bis die Presse sich ausdrücklich des Themas annahm, um genau zu sein bis heute und auch dann noch relativiert. Das Strukturproblem der ganzen Stadt wird auf einzelne Straßenabschnitte begrenzt, als seien diese durch eine Mauer vom Rest der Stadt abtrennbar und somit separat zu behandeln. Auch das ist albern.
Um diese Abtrennung der problematischen Bereiche zu rechtfertigen, redet man sich die Entwicklung in den nicht-problematisch beschriebenen Bereichen schön. Da wird jedes Café zum Triumph emporgehoben, das noch nicht kläglich verhungert ist. Die Rettung von Karstadt wird mit dem Einzug von Billigketten zum Schildbürgerstreich und was jubelt die Rheinische Post dazu?
Rossmann und Action Deutschland ziehen ins Basement des Gebäudes am Rheydter Marktplatz ein[…] Für Rheydt und seine Bürger dürfte am Ende somit eine Aufwertung stehen

Nun steht zu vermuten, dass Rossmann dann aus der Hauptstraße wegzieht. Action ist eine dieser Ketten, bei denen man einkauft, wenn man am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig hat — die aber belegen in Rheydt ohnehin schon die gefühlte Hälfte der Ladenlokale und gelten als sichtbares Merkmal des Niedergangs. „Aufwertung“.

Vom Ende der Innenstadt, wie wir sie kannten

Es gibt aber ohne Frage neue Faktoren, welche die Innenstadt an sich bedrohen. Als wichtigster davon gilt in der Diskussion wenig überraschend der Aufstieg des Online-Versandhandels. Mit seinem gewaltigen Angebot von Waren aus der ganzen Welt, einschließlich Nischenwaren, die mangels lokaler Nachfrage kein normaler Laden führen würde, seiner 24-Stunden-Öffnung, seiner sofortigen Verfügbarkeit weiterer Informationen und Bewertungen durch andere Kunden und seiner Einfachheit übertrumpft online lokal in fast jeder für die Kunden wichtigen Kategorie. Fälschlich geht die Diskussion oft in die Richtung zu behaupten, Anbieter wie Amazon punkteten mit billigen Angeboten, aber das ist schlichtweg falsch: Amazon ist preislich in der Regel nicht günstiger als der Handel vor Ort, in manchen Kategorien wie etwa bei den Lebensmitteln sogar weitgehend deutlich teurer.
Nun kann man aber lobend erwähnen, dass Mönchengladbach zu den wenigen Beispielen gehört, wo eine Stadt es geschafft hat, mit einem Pilotprojekt online ein Angebot aufzubauen, welches den Handel vor Ort auf Augenhöhe zu bringen vermag. Die Befürchtungen von Gerritt Heinemann von der Hochschule Niederrhein scheinen sich dabei nicht zu bewahrheiten:

Der Versuch, durch lokale Online-Marktplätze die Innenstädte zu beleben, wird nicht funktionieren. Stadtväter, die das glauben, haben eine rosarote Brille auf und ignorieren die Realität.

Nein, wenigstens die Kooperation zwischen Mönchengladbach und eBay funktioniert nach allem, was ich dazu vernehmen darf, hervorragend und bringt Kundschaft heran.
Und hier zeigt sich dann das nächste Problem: Wo kommen diese Kunden eigentlich her? Wenn es bei Berichten zur Kooperation stolz heisst, man erreiche Kunden von nah und vor allem auch fern, stellt sich doch genau diese Frage. Auf wessen Kosten saniert sich Mönchengladbach-Gladbach da eigentlich? Nun, zum Beispiel auf jene von Mönchengladbach-Rheydt. Und Viersen und Erkelenz und Düren und Krefeld und so weiter. Der Ansatz des lokalen Bündnisses im Internet richtet sich nicht gegen das Problem, es sorgt nur dafür, dass man als dies angehende Kommune möglichst zu den Siegern gehört.
Und ganz ehrlich: Das Problem lässt sich auch gar nicht bekämpfen. Der Online-Handel ist dem lokalen Handel schlicht und ergreifend strukturell überlegen. Einzelne Sparten können hier eine Ausnahme bilden, weil sie besondere Qualitäten wie Frische, Beratung, Genuss-Atmosphäre oder Anprobemöglichkeit erfordern — aber dafür fallen andere Sparten mit der fortschreitenden Digitalisierung bald komplett weg. Innenstädtische Atavismen wie die letzten Plattenläden, Videotheken und mittelfristig wohl auch der Buchhandel werden von der Geschichte überholt wie so viele andere vor ihnen, vom Hufschmied über den Kolonialwarenladen bis zum Internetcafé. Die Überlebenden sind nicht genug, um die Innenstadt als Konzept zu retten. Sie sind entweder zu wenige oder richten sich nur an eine Kundschaft, die für die klassische Innenstadt nicht als attraktiv gilt. Eine Zukunft, in der das Einkaufen in der Innenstadt eine Tätigkeit ist, der nur mehr die verarmten Bevölkerungsschichten nachgehen, ist denkbar geworden.
Da kann man den Verbrauchern so lange ins Gewissen reden, wie man will, es erreicht doch nur eine Minderheit und von dieser Minderheit wird wiederum nur eine Minderheit den Versandhandel boykottieren. Viele können das auch gar nicht, wenn sie Produkte suchen, die es eben offline nur in vereinzelten Läden in den Haupt- und Millionenstädten überhaupt gibt.
Es gibt noch ein paar andere Trends, die unsere Innenstädte zunehmend schwächen: Armut ist natürlich ein Problem für den Handel. Konsumkritik und Selbstversorgung halte ich beides für sehr gute Dinge, aber ich kann nicht verschweigen, dass jeder Apfel, den der Laden weniger verkauft, letztlich eine Mindereinnahme für den Laden ist. Und in diesem Kontext muss man durchaus selbstkritisch an die Frage gehen, ob unsere Innenstädte im 20. Jahrhundert nicht schlichtweg zu groß geworden sind und sich dies nun rächt.

Die postkommerzielle Innenstadt?

Die Geschichte der Stadt und die Geschichte des Handels sind seit Jahrhunderten eng verwoben. Manche sagen, seit Anbeginn der Geschichtsschreibung, aber da darf man zweifeln, ob hier nicht moderne Weltbilder in vergangene Epochen projiziert werden. Auch muss man deutlich unterscheiden zwischen der Art Handel, aus der sich an Knotenpunkten von Handelsrouten Städte bildeten und dem Bau von Supermärkten — also dem Austausch zwischen Geschäftsleuten einerseits und dem reinen Verkaufsbetrieb an Endkunden andererseits.
Aber ich schweife ab. Der Punkt ist der, dass es uns heute extrem schwer fällt, die Innenstadt nicht als Ort des Kommerzes zu denken, als Sammelpunkt für Geschäfte und Märkte. Was seltsam ist, denn wir tuen es dennoch unentwegt.
Denken Sie an Ihre Lieblingsstadt. Was macht diese aus? Woran denken Sie, wieso ist es Ihre Lieblingsstadt? Ich möchte fast wetten, es ist kein Supermarkt an der Hauptstraße, kein Schuhgeschäft am Bahnhof und auch nicht der Elektronikhändler in der lokalen Mall. Nein, es wird meist oder wenigstens zuerst ein Café in einer Nebenstraße sein, der Ausblick auf die Auen des jeweiligen Flusses, die Atmosphäre eines Altbauviertels, ein Museum oder auch die Art der Menschen dort. Soziale Orte und solche der Entspannung, Erholung, des Erlebens. Orte von Geschichte, Kunst und Kultur. Natürlich auch mit Handel, ohne Handel kein Café oder Restaurant, aber immer sekundär. Der Handel bildet die wirtschaftliche Grundlage der Innenstadt, aber er bildet eben nicht ihre Oberfläche, ihre Einladung an Besucher und Einwohner.
Im Zeitalter des Internet ist es nicht mehr sinnvoll, die Menschen mit Konsummöglichkeiten locken zu wollen. Und die attraktivsten Städte, die boomenden Zentren und alles, was in den letzten Jahrzehnten zu Weltruhm gelang, haben dies auch nie getan. Handel ist nur sehr eingeschränkt ein Frequenzbringer und selbst das, was er in der Vergangenheit an Frequenz bringen konnte, schwindet nun, versickert ins Internet. Aber Plätze, Museen, Cafés, Restaurants und dergleichen, diese Art von Ort gibt es online nicht in dieser Form.
Wollen wir unsere Innenstädte und damit die Siedlungsstrukturen der Großstädte, wie wir sie kennen, erhalten, müssen wir weg von der gegenwärtigen Stadtplanung, die Innenstädte als Orte des überbordenden Kommerzes definiert, plant und fördert. Wir müssen zu einem Verständnis von Innenstädten, das nicht mehr fragt, was es dort zu kaufen gibt, sondern vielmehr, was es dort vorzufinden, zu erleben, gibt. Warum man dort hingehen sollte.
Wenn wir das schaffen, werden die Städte vielleicht endlich wieder etwas, was sie schon so lange nicht mehr waren: Einladend. Und vielleicht sogar schön.

Kinder spielen an einem Brunnen in Frankfurt

Frankfurter Innenstadt Sommer 2009 – Bild: FAZ/Anna Jockisch


Zweiwöchige Zehn 18.03.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche haben wir wieder zehn Einträge für zwei Wochen. Der Grund dafür ist einfach: Letzte Woche Dienstag hat sich mein Computer verabschiedet. Die Festplatte war defekt. Da ich ohnehin schon länger überlegt hatte, den Computer zu ersetzen (er ist noch aus Vista-Zeiten und zeigte bereits einige Altersschwächen), kam ich zu dem Schluss, dass eine Reparatur nicht mehr lohnt und so wartete ich eine Woche, um dann gleich ein Ersatzgerät zu beschaffen. In der Zwischenzeit hatte ich zwar mit dem Tablet Zugriff auf die wichtigsten Funktionen, aber schreiben ohne Tastatur ist sehr unangenehm und so ließ ich das Blog in dieser Zeit bis auf einen mir wichtigen Beitrag zum Wahlergebnis letzten Sonntag ruhen. Daher nun also erfreuliche Nachrichten für beide Wochen.

1. Ananasleder

Hier ist etwas, über das ich nie gedacht hätte, je zu schreiben: Piña-Colada-Taschen! - Bild: Ananas Anam

Hier ist etwas, über das ich nie gedacht hätte, je zu schreiben: Piña-Colada-Taschen! – Bild: Ananas Anam

Die Huffington Post verwirrte mich diese Woche mit einer Schlagzeile zu Ananasleder. Fast hätte ich es übergangen, denn Fruchtleder kenne ich aus einem anderen Kontext und dachte daher, es wäre ein Rezept dafür. Aber nein, Piñatex von Ananas Anam ist tatsächlich als Lederalternative aus Ananas gedacht.
Leder ist einer dieser eher problematischen Stoffe im Alltag: Einerseits bin ich der Meinung, dass nur ausreichend existenzielle Bedürfnisse das Töten eines Tiers rechtfertigen und Kleidung eher nicht in diese Kategorie gehört. Andererseits mangelt es an Alternativen und ist Kunstleder im Grunde genommen Plastik.
Ich hoffe sehr, Piñatex kann wenigstens einen Teil dieser Lücke schließen.

2. Glastikflasche

Glastikflasche, Twinbottle - denkt euch halt einen besseren Namen aus, wenn ihr könnt! - Bild: TwinBottle

Glastikflasche, Twinbottle – denkt euch halt einen besseren Namen aus, wenn ihr könnt! – Bild: TwinBottle

Einfaches Prinzip, aber effektiv: Mit einer zusätzlichen Kunststoffhülle sowie ein paar Korkelementen haben zwei sächsische Studenten eine wiederverwertbare Flasche erfunden, die durchsichtig ist, Runterfallen abkann wie eine Plastikflasche, aber bei der nur Glas mit dem Inhalt in Berührung kommt, welches darin garantiert keine Stoffe abgibt.

3. Plastikfresserchen

Sofern es sich bei diesem Plastik um PET handelt (was nahe liegt, da PET unter anderem für Getränkeflaschen verwendet wird), lässt es sich in Zukunft sogar biologisch abbauen. Naja, biologiebasiert. Japanische Forscher haben ein Bakterium gefunden, das Enzyme herstellt, mit denen sich dieser Kunststoff zersetzen lässt.
Wobei, was die meisten Artikel nicht erwähnen: Die Endprodukte sind wiederum fast ausschließlich als Ausgangsstoffe für die Plastikherstellung zu gebrauchen und sollten ebenfalls nicht in der freien Natur verteilt werden. Aber es ist ein Schritt in eine interessante Richtung und eine faszinierende Entdeckung.

4. Pilzstyropor

Ikea arbeitet an einer interessante Variante von Verpackungsmaterial. In Zukunft sollen Pilze in Form wachsen, wobei sie mit Ernteabfällen, von denen sie sich ernähren, ein festes Geflecht bilden. Die Technologie der amerikanischen Firma Ecovocative Design ist bereits gut erprobt, so weit ich weiss ist das aber die erste Anwendung in dieser Größenordnung.

5. Tomatenkraftwerk

Eine interessante Variante von Biomassekraftwerken haben amerikanische Forscher gefunden: In einer so genannten mikrobiellen Brennstoffzelle erzeugten sie Strom aus Tomaten. Die Idee ist es, normalerweise als Ausschuss weggeworfene Tomaten (faule, beschädigte, unansehnliche oder gerissene Früchte) in Regionen mit viel Tomatenanbau für die Stromerzeugung zu nutzen.
Wie viel Strom sich so letztlich erzeugen lässt, bleibt abzuwarten, denn die Forschung ist grade erst gestartet. Bis jetzt sind es 0,3 Watt aus 10 mg Tomatenabfällen, was gar kein schlechter Anfang ist.

6. Graphen-Polymer-Batterien

Aus Spanien kommt der neueste Fortschritt in der Batterie-Technologie: Graphen-Polymer-Akkus mit der dreifachen Energiedichte (=Speicherkraft) von Lithum-Ionen-Akkus. Die Technologie soll für elektrische Autos geeignet sein, weshalb ich davon ausgehen, dass es sich um Akkus handelt.
Abzuwarten bleibt vor allem die Lebenszeit dieser Batterien.

7. Nachhaltiger Transport über lange Strecken

Mit einer Kombi aus Bahn und Radkurieren bietet der Anbieter Imagine Cargo bundesweiten Paketversand mit minimalstmöglicher CO2-Belastung an. Der Dienst wird nach und nach ausgebaut, bis jetzt sind nur einige deutsche Großstädte als Ziel und Ursprung verfügbar.

8. Passivhaus günstig und schnell

Passivhäuser, also Häuser, die nicht mehr Energie verbrauchen, als sie erzeugen, gelten in der Regel als teuer und aufwändig. Nun, hier ist eines für unter 38.000 €, dessen grundgerüst in vier Tagen steht.

Pop-Up House: the affordable passive house from Popup House on Vimeo.

9. Hügelkeller

Warnung: Nicht als Bombenbunker geeignet. Nur vielleicht als Tomatenkraftwerk - Bild: Weltevree

Warnung: Nicht als Bombenbunker geeignet. Nur vielleicht als Tomatenkraftwerk – Bild: Weltevree

Schon letztes Mal hatte ich einen externen Vorratskeller für isolitere Häuser vorgestellt. Hier ist nun ein weiteres Modell, für Leute mit etwas mehr Platz auf dem Grundstück: Der Groundfridge aus den Niederlanden verschwindet im Garten unter einem Hügel. Und obendrauf kann man dann ja Erdbeeren pflanzen oder so — kein cm2 verschwendet!

10. Kurdistan

Eine Region im Norden Syriens wurde von der PYD eine kurdische Autonomieregion ausgerufen. Das schmeckt den syrischen und türkischen Regierungen natürlich nicht, aber was diese beiden Verbrecherregimes so für richtig und falsch halten, interessiert mich vergleichsweise wenig.
Letztlich dürfte eine kurdische Eigenverwaltung ein für Frieden in der Region notwendiger Schritt sein. In Nordsyrien wird dabei im Grunde nur der de facto bereits bestehende Status festgesetzt.


Alternativlos oder: Vom Suizid der Demokratie

Letzte Woche war es hier im Blog sehr ruhig, weil mein Computer defekt ist. Ich sitze aktuell am Tablet, auf dem längere Texte mangels Tastatur schwierig sind. Dennoch ist es mir wichtig, etwas zum Wahlergebnis der gestrigen Landtagswahlen zu schreiben und das wird notwendgerweise ausführlich. Den normalen Ritmus sollte es dann ab nächster Woche wieder im Blog geben. Nun aber erstmal zum Thema der Überschrift, dem (langen) Suizid der Demokratie, wie wir sie kannten.
Warnung vorab: Politik ist kompliziert und hoch abstrakt. Sie besteht quasi vollständig aus Metaphern und Bildnissen. Ich werde also aller Voraussicht nach mit Metaphern nur so um mich werfen, selbst für meine Verhältnisse. Dafür gibt es aus technischen Gründen weniger Bilder.

Wahlergebnisse

Rheinland-Pfalz als eklatantestes Beispiel, die AfD steht überall ähnlich stark da

Rheinland-Pfalz als eklatantestes Beispiel, die AfD steht überall ähnlich stark da

Ich könnte hergehen und mich einfach über das Ergebnis der Grünen in Baden-Württemberg freuen. Aber dafür müsste ich keinen eigenen Blogbeitrag verfassen. Einerseits erfordert er keine große Analyse, andererseits sind dafür die Freitäglichen Fünf das perfekte Format. Und ausserdem kenne ich von BaWü nur das Ufer des Bodensees und ein paar Ausgewanderte aus Stuttgart und Calw, auch wenn mein Nachname aus der Gegend stammt.
Nein, es ist der große Erfolg der AfD, den ich hier ansprechen will. Diese rechte Partei zieht in ein Parlament nach dem anderen und meiner Meinung nach ziehen fast alle, die sich das ansehen falsche, ja teilweise gefährliche, Schlüsse.

Alternativlosigkeit für Deutschland

Die Frage an dieser Stelle dürfte offensichtlich sein: Was ist los?
Natürlich gibt es viele Ursachen. So halte ich es beispielsweise nicht für falsch, wenn man etwa sagt, soziale Probleme seien eine wichtige Ursache. Aber für zu kurz gegriffen. Denn wenn man das so benennt, müsste eigentlich ein nächste Frage folgen: „Wie konnte es so weit kommen?“ Und dann weiter: „Und wieso schafft es niemand, das anzupacken?“
Darauf gibt es Antworten, aber es handelt sich um Erkenntnisse, die nicht nur im Blinden Fleck der politischen Führungsriege liegen – sie sind der Blinde Fleck.
Was dem heutigen Politikverständnis der Oberen gemein ist, ist eine Art Widerstreben gegen jegliche Positionierung jenseits eines wahrgenommenen gesellschaftlichen Konsenses, der sehr eng begrenzt ist. Visionen sind ein Konzept, das mit dem 19. Jahrhundert starb, spätestens jedoch mit dem Ostblock und wer behauptet, welche zu haben, der möge zum Arzt gehen. Das ist kein neues Problem in Deutschland, es ist schon mindestens ein Mal eskaliert. Damals endete es mit der Gründung der Grünen auf der utopistischen und der Wahl von Bundeskanzler Helmut Kohl auf der konservativen Seite.
Die Ära Kohl bestand zu großen Teilen aus seinem Prinzip, Dinge auszusitzen. Deutschland legte sich in die Sonne und wurde von einer günstigen Entwicklung in der Weltgeschichte getragen, bis hin zur Benennung Kohls als „Kanzler der Wiedervereinigung“, an der er so gut wie keine Mitschuld hatte, die er sich aber dennoch auf die Fahnen schreiben konnte.
Seine Abwahl stand schließlich im Kontext von Reformstau und dem Ende des Kalten Krieges. Soweit das Offensichtliche, aber mit den Folgen muss man auch auf die große Katastrophe der Grünen kommen. Nein, nicht Hartz IV, das war nur eine Auswirkung der tiefer liegenden Katastrophe. Der Visionsverlust.
Die Gründung der Grünen stand unter dem Zeichen, einen „Marsch durch die Institutionen“ anzutreten, damit die alternativen Kräfte die Möglichkeit erhielten, ihre Vorstellungen von politischer Seite umzusetzen. 16 Jahre dieses Marsches aber hatten jene Kräfte gestärkt, die am besten im bestehenden System zurechtkamen. Dazu kam noch, dass die Koalition mit eben jener Partei gebildet wurde, die mit dem Zusammenbruch des so genannten Sozialismus begann, massiv an Profil und noch massiver an eigenen Ideen zu verlieren: Der SPD. Man kann jetzt ganze Buchregale lang über diese Koalition ausführen, über die Spaltungsgschichte mit WASG, SED und Linkspartei und wie diese den Weg freimachte für den aktuell laufenden Niedergang der deutschen Sozialdemokraten. Es wäre hier sogar relevant, aber eben auch viel zu ausführlich.
Wichtig sind jetzt die Folgen der deutschen Politik unter Schröder: Die Sozialdemokraten verloren ihre sozialdemokratischen Positionen und begaben sich fortan auf die Suche nach einer vermeintliche Mitte. Die Grünen waren indes von der SPD enttäuscht, sahen sich nach anderen Partnern um und begaben sich so im Dienste der totalen Koalitionsfähigkeit auf die selbe Suche. Und die CXU tat es beiden gleich, um wieder einen Weg zur Macht zu haben, geführt von Kohls bester Schülerin in Sachen Dinge-Aussitzen, Angela Merkel. Die FDP war schon in de 80ern auf die Idee mit der Mitte gekommen, sie begann eine Art Flucht in einen stammtischgespeisten Wirtschaftsextremismus, der sich nur noch um Nuancen zügelloser auch in der AfD wiederfindet, wenn man bei letzterer kurz hinter das oberflächliche Rassismus-Problem blickt.
Und damit nähern wir uns der Gegenwart: Die deutsche Parteienlandschaft besteht nur mehr aus gesichtslosen Gebilden, die sich mehr duch ihre Farbe als ihre Programmatik definieren. Wahlkämpfe werde medial wie auch parteiintern diskutiert wie Quoten im Privatfernsehen, wie Punktestände in Tetris. Es geht nicht mehr darum, politische Entscheidungen zu gestalten, sondern darum, den Highscore zu erreichen. Profil zu zeigen ist da gefährlich, mit zu viel Profil verliert man im Tetris nämlich das Spiel (und im Fernsehen die werberelevante Zielgruppe). Es gibt nur noch zwei Arten von Alternativen: Die programmatisch seit den 90ern weitgehend unverändert gebliebene (um nicht zu sagen stecken gebliebene) Linkspartei und die Protestparteien, wobei sich das bei vielen Wählern überschneidet.
Innerhalb der Protestparteien ist die AfD für eine Betrachtung sehr interessant, weil sie sich eigentlich gar nicht gegen das System stellt, sondern eine (falsche) Analyse des Systems aufstellt und dann fordert, mitmachen zu dürfen. Seht mal in ihr Wahlprogramm: Die AfD konstatiert Zenur in der Presse und fordert dann, selbst zum Zensor werden zu dürfen. Sie sieht angebliche Propaganda in den Schulen und setzt darauf die Forderung, ihre eigene Propaganda in die Schulen zu bringen. Und so weiter. Absurdität in absoluter Vollkommenheit. Leider wohl unmöglich herauszufinden, ob das Absicht ist.
Aber ich schweife ab, der Punkt ist, dass die Politik an Konturlosigkeit leidet. So sehr, dass jeder Schreihals sich zur Alternative erklären kann, einfach nur indem er das Gegenteil des Mehrheitskonsenses von sich gibt, egal wie schwachsinnig das Ergebnis dann ist. Das können sich auch in ihrem Kern antidemokratische Kräfte wie die AfD zu Nutze machen.
Und hier sehe ich das in der aktuellen Analyse gefährliche Element: Was in Abwehr der AfD auf gar keinen Fall geschehen darf ist eine weitere Vereinheitlichung der etablierten Parteien. Es ist nicht Geschlossenheit, die wir jetzt demonstrieren müssen, es ist Vielfalt.

Option 0: Nichts

Es ist zur allgemeinen Kultur geworden, solche Probleme wahlweise zu ignorieren, in der Tradition eben jener Filterblasenmentalität einfach aus dem eigenen Wahrnehmungshorizont fortzulabern oder durch das Umhertragen von Bannern auf der Straße sich selbst eine Tätigkeitsillusion zu verpassen (Demos schön und gut, aber sie ersetzen kein echtes Aktivwerden).
Das ist alles nicht gangbar. Das alles wirkt nicht gegen die Ursachen der Probleme. Die AfD ist ja beileibe nicht die erste Protestpartei mit solchen Erfolgen, sie ist nur die erste aus dem rechten Lager mit bundesweitem Erfolg. Als Phänomen ist die – politisch natürlich völlig anders verortete – Piratenpartei durchaus im selben Komplex zu sehen, auch die anderen Kleinparteien (erwähnenswert Linkspartei und Grüne, aber durchaus auch die FDP) profitieren schon seit Jahrzehnten von jenen, die Politik, wie sie sich aktuell gestaltet, an sich ablehnen.
Das und die vorherigen Ausführungen sollten deutlich machen: Die AfD ist die Grippe zum AIDS des politischen Systems. Natürlich müssen wir die Grippe heilen, aber solange wir kein Mittel gegen AIDS haben, bleibt der Körper in einer Verfassung, in der bald schon das nächste für gesunde Menschen harmlose Virus zur tödlichen Bedrohung wird.

Option 1: Neue Streitkultur

Es ist ein weiteres absurd wirkendes Detail im Aufstieg der AfD, die sich ausdrücklich nicht nur gegen eine multikulturelle, sondern ganz grundsätzlich gegen eine vielfältige Gesellschaft stellt, dass sie besser als irgendwer anders vorführt, warum Monokultur eine schlechte Idee ist. Sie macht anfällig gegen ebensolche gesellschaftlichen Krankheiten.
Die Parteien müssen ihre ideologischen Wurzeln wiederfinden, ergründen, definieren, pflegen und durchaus auch trimmen und schneiden.
Ja, wir haben alle ideologische Wurzeln. Das ist nicht schlimm, es ist notwendig. Ohne Ideologie kein Weltbild. Wer behauptet, keine Ideologie zu haben, hat ganz einfach nur die selbe Ideologie wie alle im Umfeld, weshalb die Ideologie nicht auffällt. Etwa eine Wachstumsideologie oder eine Natürlichkeitsideologie in Bezug auf bestimmte Dinge. Eine Ideologie ist nichts weiter als die Begründung des individuellen Wertekanons. Schlecht wird Ideologie, wenn wir sie selbst nicht mehr wahrnehmen, sondern ihre Inhalte als nicht mehr reflektierbare Selbstverständlichkeiten bezeichnen, als könne es so etwas ausserhalb der Mathematik überhaupt geben.
Das erfordert aber auch eine neue Debatten-, ja eine neue Streitkultur. Wir müssen wieder lernen, Ideologie zu erkennen, bei anderen und sich selbst. Wir müssen lernen, über Ideologien und ihre Inhalte diskutieren zu können. Wir müssen lernen, unsere eigene Ideologie zu verstehen, zu reflektieren und auch, zu dieser zu stehen. Wir müssen lernen, andere Meinungen weder als Angriff, noch als Schwäche zu sehen, sondern als das, was sie sind: Andere Meinungen.
Wenn es das wieder gibt, echten Diskurs statt beständige Aufführungen von „Zwei Stühle, eine Meinung“, dann erhalten wir auch wieder Vielfalt und Auswahl in der Wahlkabine und dann kann niemand mehr sagen, alle Parteien seien doch letztlich identisch. Dann gibt es keine Kerbe mehr, in die Hetzer und vermeintliche Systemgegner mit so großem Erfolg schlagen können.
Eine Veränderung dieser Größenordnung ist aber wahrscheinlich ein Generationen-, wenn nicht ein Jahrhundertprojekt, dessen müssen wir uns bewusst sein. Und sie steht genau entgegengesetzt zum Zeitgeist in den auf allgegenwärtigen Konsens getrimmten Eliten der Gegenwart.

Option 2: Postparlamentarismus

Die andere Möglichkeit wäre eine Abschaffung des Systems, wie wir es kennen. Ein postparlamentarisches System, ein Verwaltungsstaat, in dem kurzfristige Bündnisse an die Stelle fester Parteien treten. Eine Mischform aus direkter Demokratie, Anarchismus, klassisch-griechischer Tyrannis und Kommunismus.
Das allerdings stelle ich mir recht dystopisch vor. Wir werden sehen, denn einige Elemente eines solchen Modells zeichnen sich auf kommunaler Ebene quer durch die Bundesrepublik verteilt bereits ab.
Wahrscheinlich wird sich ein solches System an inneren Widersprüchen zerreissen, aber andererseits hat es auch noch niemand in diesem Maßstab versucht.
Es sollte allerdings klar sein, welche Variante ich bevorzuge.


Freitägliche Fünf 04.03.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche gehen wir einkaufen, dann nach Hause und spielen ein wenig.

1. Tante LeMi

Logo von Tante LeMi

Nicht lachen, in 100 Jahren sagt jemand zu dem Schriftzug „Seit 2015 in Mönchengladbach“ „boah!“ – BIld: Tante LeMi

Kommende Woche Samstag eröffnet mit dem Tante LeMi der erste (gezielt) verpackungsfreie Laden in Mönchengladbach. Zwar muss man aufgrund der Struktur zum Einkaufen dort einem Verein beitreten, aber von dieser Formalität abgesehen kann man dort bald Bio-Produkte ohne Verpackungsmüll einkaufen.
Solcher Läden gibt es in ganz Deutschland noch nicht viele, um so erstaunlicher, dass Mönchengladbach nun dabei ist.

2. Vorratskeller 2.0

Der Vorratskeller hat es heute schwer. Selbst die Häuser, die einen Keller haben, können diesen oft nicht zur Vorratshaltung nutzen, weil er als Teil eines rundum gedämmten Hauses dafür schlichtweg zu warm ist. Dafür gibt es nun mit einem anflanschbaren Kühlkeller Abhilfe. Sehr gut!

3. Palettenhaus

Kleines Haus aus alten Paletten

Perfekt! – Bilder: i-Beam

Das ist ein Haus aus Paletten. Die Firma I-Beam hat es als Studie für eine schnell und günstig zu errichtende Flüchtlingsunterkunft im Kosovo gebaut, aber ganz im Ernst: Ich fände ein solches haus super, so eins hätte ich gerne. Klar, man muss schauen, wie man sowas vernünftig isoliert, aber das müsste eigentlich möglich sein.
Das Coole daran ist, so ein Haus kann theoretisch jeder ohne schwere Maschinen selbst bauen. Gut, in Deutschland nicht, Genehmigungen und so, aber grundsätzlich halt. Und Paletten sind ein ausreichend stabiles Material um ein gutes Haus zu geben. Groß anders wird ein Holzbau aus vorgefertigten Elementen ja auch nicht errichtet.
Damit steht also die Idee meines Traumhauses: Ein Bau aus Paletten auf einem gemauerten und separaten Keller (damit er kühl sein kann), eventuell mit Wintergarten für den Anbau von Früchten aus wärmeren Gegenden. Das Ganze in einem lichten Wald, der dank der Bauweise aus einfach zu transportierenden Elementen (der Wintergarten ist noch zu klären) während des Baus geschont werden konnte.

4. Eastshade


Mal was anderes: In Eastshade spielt man einen Maler. Statt Monster zu verkloppen, liefert man bestellte Bilder und löst wohl auch andere Probleme der Einwohner einer, nun, malerischen Fantasywelt. Ich bin gespannt.

5. Exergaming gegen Übergewicht

Wohl kaum jemand hier folgt mir lanbge genug, um mein bislang zweiterfolgreichstes Internetprojekt noch zu kennen: Sporle & Co. war ein Nachrichtenblog aus der Welt des Exergaming, also der Fitness-Videospiele (von Exercise & Gaming). Die Wii stand bei der Gründung kurz vor der Veröffentlichung und Wii Fit war damals eine große Sache. Es war ein schönes Projekt, das irgendwann Zeitmangel zum Opfer fiel, auch das Thema an sich ist inzwischen deutlich weniger groß geworden. Aber die ganzen Entwicklungen um das Thema Videospiele und Gesundheit verfolge ich immer noch.
Und so freue ich mich über eine neue medizinische Studie, die beim Test von Tanzspielen gegen bestimmte Folgen von Übergewicht zu positiven Ergebnissen kommt.


Zweiwöchige Zehn 26.02.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal ein Doppelpack mit zehn Einträgen, weil ich letzte Woche verpasst habe.

1. Plitvice

Seeception! Bild von Misadventures Mag

Seeception! Bild von Misadventures Mag

Das sind die unteren Seen des Nationalparks Plitvice in Kroatien. Ich habe vorletzte Woche das erste Mal davon gehört, es ist ein absolut großartiges Naturschauspiel: Mehrere (natürliche) Seen, deren Ränder durch eine Art pflanzliches Riff gebildet werden, gehen in Wasserfällen in einander über, deren Verlauf und Form sich durch die Veränderungen dieser Riffe immer wieder ändert.

2. Berlin orange verhüllt

Von Ai Weiwei haben wir im letzten Jahr immer mal wieder gehört, weil der chinesische Künstler in China im gefängnis saß. Aber was genau macht der eigentlich als Künstler so? Nun, hier ist das Berliner Konzerthaus, die Säulen verhüllt in Schwimmwesten als Mahnmal für die Ertrunkenen und Ertrinkenden im Mittelmeer.

Bild: dpa

Bild: dpa

3. Paris stapelt

Paris entwickelt sich mit den Ideen der Organisation Les Toits du Monde deutlich in Riichtung einiger Sciencefiction-Ideen zu dieser Stadt. Mancher wird das hässlich finden, aber mal ehrlich: Paris ist in großen Teilen nicht annähernd so hübsch wie die Viertel, die gern auf Fotos vorgezeigt werden. Da wird in den meisten Vierteln nicht viel ruiniert und aus den anderen kann man es ja raushalten.

Pariser Hochstapeleien - Bild: Stéphane Malka Architecture

Pariser Hochstapeleien – Bild: Stéphane Malka Architecture

4. Kostenloses Saints Row

Saints Row ist im Grunde das sich selbst nicht ernstnehmende Gegenstück zu GTA. Der Ableger für Sonys DS-Konkurrenten PSP ist nie erschienen, weil Verleger THQ pleite ging bevor das Spiel fertig war. Das Projekt wurde nun bekannt und die Entwickler haben das Spiel daraufhin als kostenlosen Download zur Verfügung gestellt.

5. Verbesserte Krebsbekämpfung

Forscher aus Ohio haben einen Weg gefunden, Krebsmedikamente besser wirksam zu machen. Dafür werden sie in einem Stück DNS getarnt, welches die Zelle dann aufnimmt. Wenn die Zelle die DNS verdaut, setzt sie das Medikament frei und stirbt ab. Die Methode ist für einige Krebsarten seit längerem in Verwendung, jetzt wurde sie auch für einen der bösartigsten Krebse angewendet: Leukämie.

6. Netzpolitik geht erfolgreich ins Archiv

Netzpolitik hatte Erfolg: Der Bundestag stellt in Zukunft Arbeiten des Wissenschaftlichen Dienstes frei zur Verfügung. Netzpolitik hatte dazu aufgerufen, massenhaft Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz zu stellen, um alle Arbeiten des Dienstes von 2015 zusammenzustellen.
Schließlich sagte die Bundesregierung offenbar, dass es bei den ganzen Anfragen einfacher ist, den Anfragen einfach zuvorzukommen und alle Ergebnisse des Wissenschaftlichen Dienstes zur Verfügung zu stellen.

7. Knie 2.0

Crowdfunding bleibt ein Motor der technischen Fortentwicklung. Diesmal haben wir ein kleines Gerät, dass sie Kraft in den Knien unterstützt. 1.500 Dollar sind nicht grade Kleinkram, aber es ist auf jeden Fall eine interessante Erfindung. Wer genug Geld hat, kann wohl sehr bald ein Superheld werden Die Beine sind mit diesen Dingern und den Meilenstiefeln auf jeden fall abgedeckt.

8. Die Anstalt

Immer wieder gerne dabei: Die Anstalt.

9. Das Rad Das Lauf

Ja, ich weiss, riesiges Gif, aber manchmal muss das halt sein - leider keine Ahnung, wo das ursprünglich herkommt

Ja, ich weiss, riesiges Gif, aber manchmal muss das halt sein – leider keine Ahnung, wo das ursprünglich herkommt

10. Handwerker gegen Rassismus

Leider sind auch Stimmen zu vernehmen, dass Rolladen Müllers sich normalerweise alles andere als hinter seine Mitarbeiter stellt, aber bewerten kann ich dies nicht. Möge jeder selbst abwägen.

Bild: Rolladen Müllers/Facebook

Bild: Rolladen Müllers/Facebook


Dino-Dienstag 39

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diese Woche mit so ziemlich allem ausser Dinosauriern.

Kreidezeitlicher Sockenfisch

Großmaul - Bild: Robert Nicholls

Großmaul – Bild: Robert Nicholls


Die Meere der Kreidezeit waren aussergewöhnlich vielfältig bewohnt. Verschiedenste Tiergruppen erreichten Größen, wie wir sie heute fast nur noch von den Walen kennen, doch seltsamerweise mangelt es in dieser Zeit an den riesigen Planktonfressern, wie wir sie heute kennen. Den Platz der Bartenwale und Walhaie nahm damals eine heute völlig ausgestorbene Gruppe von Fischen ein, zu denen die größten KNochenfische aller Zeiten zählten. Eine Gattung dieser Fische war Rhinconychthis, die vielleicht am stärksten den heutigen Planktonfressern ähnelnden Vertreter dieser Gruppe, auch wenn sie mit zwei Metern Länge nicht die größten waren.
Mit einer neuen Art aus den USA und neuen Untersuchungen an einem Fund aus Japan zeigt sich nun, dass diese Fische durchaus artenreich waren.

Schmetterlingsflorfliege

Sieht aus wie ein Schmetterling, hat aber Beisser: Oregramma - Bild: Vichai Malikul, Smithsonian

Sieht aus wie ein Schmetterling, hat aber Beisser: Oregramma – Bild: Vichai Malikul, Smithsonian

China gibt uns mit Oregramma illecebrosa eine neue Art prähistorischer Florfliegen. Interessant ist, dass die Flügel dieser Art Augenflecken haben, wie sie sonst bei den mit den Florfliegen verwandten Schmetterlingen bekannt sind. Die Forscher gehen davon aus, dass es sich dabei um eine Entwicklung handelt, die beide Gruppen unabhängig voneinander durchlebt haben, aber eindeutig ist das nicht. Die Paläontologie hat oft genug Überraschungen bereitgehalten wie jene, dass die letzten gemeinsamen Vorfahren von Schmetterlingen und Florfliegen den heutigen Schmetterlingen oberflächlich ähnlicher sahen als den primitiver wirkenden Florfliegen.
Oregramma ist mit 200 Millionen Jahren 40 Millionen Jahre älter als die ältesten bekannten Schmetterlinge.

Soziale Ameisen und Termiten

Weiter geht die Liste interessanter Bernsteinfunde aus der Insektenwelt mit zwei Ameisen, die kämpfend im Bernstein verstorben gefunden wurden. Das ist interessant, da Kämpfe unter Ameisen heute nur von Arten bekannt sind, die in Staaten leben. Das ist ein starker Hinweis, dass Ameisen bereits vor 100 Millionen Jahren in irgendeiner Form in Staaten lebten.
Noch stärker sind die Hinweise aus dem selben Fundort in Burma für Termiten. Von einer neuen Termitenart, Gigantotermes rex, wurden ein klar spezialisierter Soldat gefunden, mit 2,5 cm Länge der größte Soldat aller bekannten Termitenarten. Von einer zweiten neuen Termitenart, Krishnatermes yoddha wurden gleich mehrere Formen gefunden: Flieger (künftige Monarchen), Arbeiter und Soldaten.

Soldat von Gigantotermes und die drei Formen von Krishnatermes (Schwärmer, Arbeiter, Soldat) - Bild: AMNH/D. Grimaldi

Soldat von Gigantotermes und die drei Formen von Krishnatermes (Schwärmer, Arbeiter, Soldat) – Bild: AMNH/D. Grimaldi

Keine Nussknackermenschen

Die kräftigen Zähne so mancher Urmenschenspezies ließen den Gedanken aufkommen, dass diese regelmäßig Nüsse knackten. Das klingt zunächst nicht so dumm, aber eine neue Untersuchung zeigt, dass es damit ein Problem gibt: Zwar können die Zähne ein solches Vorhaben bei Australopithecus sediba; einem der frühesten Menschenvorfahren, gut ab, aber sie renken sich dabei den Kiefer aus.

Plesiosaurier-Baby

Zurück in die Meere der Kreidezeit: Die langhalsigen Plesiosaurier, im Deutschen auch als Schwanenhalsssaurier bekannt (obwohl ihre Hälse nicht wie die der Schwäne gebogen werden konnten, aber das wusste man im 19. Jahrhundetr noch nicht), bargen lange Zeit ein Rätsel: Wie vermehrten sich diese großen Reptilien? Die Vermutung war, dass sie zur Eiablage ähnlich den heute noch lebenden Meeresschildkröten an die Küste kamen, aber mit der Zeit wurde Gruppe für Gruppe klarer, dass sie unter Wasser lebende Junge zur Welt brachten. Nach den Ichthyosauriern und Mosasauriern sidn es nun auch die Plesiosaurier, für nachgewiesen ist, dass die Mütter lebende Junge austrugen. Das gefundene Muttertier hatte ein einzelnes, relativ großes Jungtier im Körper. Das ist interessant, weil eine geringe Anzahl von Nachkommen auf eine enge soziale Struktur hindeutet, ein bei Reptilien sehr seltenes Verhalten.

Trompetennase

Komplexe Kanäle in den Atemgängen waren bisher nur von den zu den Dinosauriern gehörenden Hadrosauriern bekannt, in deren Kopfschmuck sich regelrechte Instrumente befanden. Mit Rusingoryx atopocranion ist nun erstmals ein Säugetier gefunden worden, das über ähnliche Gänge verfügte.
Die Gänge machten die Rufe dieser ungewöhnlichen Antilopenart deutlich tiefer, womit sie für viele Raubtiere, die oft eher hohe Töne hören, schwerer zu hören waren.

Trompetilope - Bild: Todd S. Marshall

Trompetilope – Bild: Todd S. Marshall