Die pawlowschen Journalisten

Das große Problem mit dem Journalismus ist, dass hunderte Journalisten kurzerhand von einer oder zwei Quellen abschreiben. Ich könnte mich jetzt auch darauf beziehen, dass einige sich gleich komplett neuen Quatsch aus Halbwissen zusammenbasteln, aber bei der Geschichte stimmt wenigstens die Bedrohung fĂŒr die Panoramafreiheit, auch wenn der Kölner Dom zu alt ist, alsdass noch irgendwer ein Urheberrecht darauf haben könnte und daher nicht als Beispiel taugt. Nein, es steht mal wieder ein Klassiker an: Amazon.
Im Grunde ist die Sache fĂŒr die hiesige Presse ja ganz einfach: Amazon ist der Scheitan und alles, was die machen, ist böse. Zum Beispiel, dass Mitarbeiter im Versandlager die Arbeit von Mitarbeitern im Versandlager machen mĂŒssen. Und dafĂŒr bezahlt werden, als wĂ€ren sie nicht etwa ausgebildete BuchhĂ€ndler mit zahlreichen anderen Aufgaben und Kompetenzen, sondern Mitarbeiter im Versandlager. Ja, ich weiss, Skandal!

Die Tage wurde dann erneut Stille Post gespielt und heraus kam das: „Skandal! Amazon bezahlt Autoren nach gelesenen Seiten und nicht mehr pro Verkauf!“ Das ist fast so schlimm, als wĂŒrden dĂŒnne BĂŒcher weniger kosten als dicke.

Was ist passiert?

Vergangene Woche schickte Amazon den direkt dort verlegenden Autoren eine Mail, die ankĂŒndigte, dass Ausleihen aus dem Programm Kindle Unlimited kĂŒnftig nicht mehr pro Ausleihe bezahlt werden, sodern pro gelesener Seite. Die Seiten werden dazu, wie ĂŒbrigens schon seit Jahren fĂŒr die Angabe der Seitenzahl in den Verkaufsplattformen, ĂŒber ein Standardisierungsverfahren ermittelt und mit bestimmten Positionen im Text gleichgesetzt.
Bisher wurde fĂŒr Ausleihen immer der selbe Betrag gezahlt, sobald ein ausgeliehenes Buch zu mindestens 10% gelesen wurde. Der Betrag ergab sich aus einem vorher festgelegten Fond, der auf alle ausgeliehenen BĂŒcher des Monats verteilt wurde. In Zukunft wird der Fond nicht mehr nach ausgeliehenen Titeln aufgeteilt, sondern nach gelesenen seiten, also kleinteiliger. Auf Amazons Seite Ă€ndert sich dadurch ĂŒbrigens nichts, auch wenn praktisch alle Journalisten den Unsinn wiederholen, Amazon bekĂ€me dadurch mehr Inhalt fĂŒr weniger Geld; der Fond wird ja nicht kleiner, er wird nur nach einem genaueren SchlĂŒssel verteilt.
Die meisten Autoren sind sehr froh um diese Änderung und haben lange etwas in dieser Art erhofft. Grund dafĂŒr sind die so genannten Scamphlets. Ein Scamphlet ist wertloser Schrott in eBook-Form, der so kurz ist, dass die zur Auszahlung nötigen 10% bereits beim Aufschlagen des „Werkes“ erreicht werden. Um die 1,30 € fĂŒr drei Seiten nutzlosen Mist zu erhalten ist schon angenehm fĂŒr die Macher dieser Masche.
Nun gefiel das den richtigen Autoren natĂŒrlich gar nicht, senkten die BetrĂŒger doch so die Einnahmen fĂŒr alle legitimen Verfasser aus dem selben Topf. Ebenso waren viele nicht grade begeistert, dass fĂŒr die Ausleihe eines 1000-Seiten-Epos genau so viel gezahlt wurde wie fĂŒr jene einer Kurzgeschichte. Entsprechend wurde Amazons neue Zahlungsweise allgemein positiv aufgenommen, da sie fĂŒr alle deutlich gerechter ausfĂ€llt und eine sehr schĂ€dliche Betrugsmasche unattraktiv wird. Nicht wirklich schön ist, dass man jetzt vor der nĂ€chsten Monatsabrechnung nicht mal mehr schĂ€tzen kann, was einem eine Ausleihe einbringt, aber das ist schlimmstenfalls lĂ€stig.
Einige, etwa John Scalzi haben grundsĂ€tzliche Bedenken gegen das Konzept von Kindle Unlimited (KU) und das ist auch völlig legitim, hat aber nichts mit den aktuellen Änderungen zu tun.
Hinweis an dieser Stelle: Ich selbst nutze KU bei zwei BĂŒchern. Gezielt bei Dinosaurs of Jurassic Park and Jurassic World und nebenbei bei Dieses Cover ist MĂŒll, da bei letzterem andere Plattformen neben Amazon gerne die ErwĂ€hnung von Konkurrenz-Produkten untersagen (vor allem Apple und neuerdings Tolino) und die fĂŒr KU nötige Amazon-ExklusivitĂ€t somit ohnehin gegeben ist. Grade das Jurassic-Park-Buch war gezielt auf KU ausgerichtet. Ich glaube aber nicht, hier Ergebnisse untersuchen zu können – das Buch ĂŒber Coverdesign geht alle paar Monate als Ausleihe weg (die VerkĂ€ufe sind leicht besser) und das Jurassic-Park-Buch wird trotz erheblichen Erfolges ziemlich sicher nur ein paar Wochen leben, solange der Film noch frisch ist und Hype erzeugt. Das bedeutet, dass sich meine eventuellen Einbußen oder Gewinne aus dieser Änderung extrem in Grenzen halten.
Normalerweise dienen solche Hinweise ja dem Bekenntnis von Eigeninteressen, aber in diesem Fall weist es meines Erachtens vor allem aus, dass ich weiss, wovon ich rede, wenn ich von KU rede.

Was wurde daraus?

Diverse Zeitungen erzĂ€hlen was von einer VerĂ€nderung der Bezahlung von Kindle-Autoren, ĂŒbersehen dabei aber komplett zu erklĂ€ren, was genau KU eigentlich ist und dass es eben nicht um VerkĂ€ufe geht, sondern um Ausleihen. Dazu kommt etwa bei der FAZ die völlig unnachvollziehbare Behauptung, Amazon wĂŒrde Geld sparen. Dass KU-Ausleihen aus einem Fond bezahlt werden dessen Höhe von der Anzahl der Ausleihen unabhĂ€ngig ist, weiss man dort entweder nicht oder unterschlĂ€gt es, damit man Amazon etwas vorwerfen kann.
Nachvollziehbar ist die BefĂŒrchtung, dass Kindle-BĂŒcher nun im Durchschnitt wieder lĂ€nger und spannender werden. Was genau daran schlimm sein soll, wissen aber nur Leute, die das Wort „Hochkultur“ völlig ohne Ironie in den Mund zu nehmen vermögen.
Die Taz schießt den Vogel ab, indem sie zu erkennen gibt, den Unterschied zwischen KU und VerkĂ€ufen zu kennen, dies aber mit folgender hanebĂŒchener Schlussfolgerung ignoriert:

Schaut man aber, wie Amazon in anderen GeschĂ€ftsfeldern operiert – seine TV-Serien auf Nutzergeschmack zuschneidet, seinen Mitarbeitern in Logistikzentren genau vorschreibt, wie viele Artikel sie pro Stunde zu versenden haben – dann scheint es nur logisch, wenn Amazon das Bezahlen-pro-Seite-Prinzip kĂŒnftig massiv ausweiten wĂŒrde.

Warum?

Zum einen ist Tagesjournalismus ein EilgeschÀft. Da muss man halt abschreiben und Halbverdautes möglichst schnell wiedergeben.
Zum anderen wirkt da wohl Pawlow: Amazon ist böse, da darf man dann immer das Schlimmste vermuten und dieses schlimmste dann mit Halbwahrheiten und mangelnder Recherche bestĂ€tigen. Wodurch man wiederum noch stĂ€rker dazu neigt, das Schlimmste zu vermuten. Und am Ende hat man einen Teufelskreis erschaffen, in dem sich die Vorurteile nur noch gegenseitig bestĂ€tigen. Und dank der Abschreiberei von Halbwahrheiten dreht dieser Teufelskreis ĂŒberall in die selbe Richtung — das ist es dann, was viele mit „Gleichschaltung“ betiteln.
Und da ist das Problem mit dieser speziellen Form von Gleichschaltung: Sie ist im Gegensatz zu der historischen Gleichschaltung keine Absicht, sie ist ein unbewusstes Ergebnis von Stress. Der Beruf von Tagesjournalisten ist es, sich innerhalb von fĂŒnf Minuten zu jedem beliebigen Thema eine Meinung zu bilden. Und das geht ganz einfach nicht gut, denn diese Aufgabe ist nur zu erfĂŒllen, wenn man sich dem Herdentrieb hingibt und nicht mehr nachdenkt oder gar Fakten recherchiert.
Das ist Instinkt, das ist prÀgung, das ist Pawlow. Pawlow aber konnte seinem Hund nur beibringen, zum Essen zu kommen. Sprechen oder Nachdenken hat er auf diese Weise nie gelernt.







Infelix Austria

Zeit mit Fremdsprachen anzugeben, die ich nicht kann. Oder mit der FĂ€higkeit, ein Wörterbuch zu benutzen um zu schauen, was das Gegenteil zu „felix“ ist. Oder abeer mich als Nichtjurist mit Rechtsfragen zu beschĂ€ftigen, weil sie mich betreffen. Moment, das lĂ€sst sich steigern: Mit internationalem Recht, und zwar Steuer- und Verlagsrecht zugleich. Ohne Netz und doppelten Boden!

Österreich hat vorgestern beschlossen, dass sein Buchpreisbindungsgesetz in Zukunft auch fĂŒr eBooks gilt. Das Gesetz allein scheint recht harmlos zu sein. Albern und ein RĂŒckschritt, wenn man bedenkt, dass eBooks mangels individueller Liefer- und Herstellungskosten keinerlei Preisevorteile fĂŒr Großkonzerne bieten, aber harmlos.
Man will halt das Kulturgut Buch schĂŒtzen. Warum man grade dieses Kulturgut schĂŒtzt und nicht etwa das Kulturgut Film, Musik oder Theater — weiss der Geier. Das ist jetzt nicht das Thema.

Das Thema ist der Widerstreit zwischen Buchpreisbindung und unterschiedlichen MehrwertsteuersÀtzen. Ich hatte bereits 2012 darauf hingewiesen, dass dies problematisch sein könnte.
Dazu muss man wissen, dass sich zum 1. Januar die Zuordnung der Mehrwertsteuerschuld beim Verkauf digitaler Waren in Europa Ă€ndert. Wurde diese bisher nach dem Sitz des VerkĂ€ufers zugeordnet, geschieht dies in Zukunft ĂŒber den Wohnsitz des Kunden. Das allein bringt schon Probleme mit sich, die ich im August im englischen Blog geschildert habe.

Österreich hat das Ganze fĂŒr Selbstverleger von einer schwierigen Situation zu einer Katastrophe gesteigert. Wieso? NUn:

1. Unsere eBooks werden in Zukunft in Deutschland und Österreich unterschiedlich besteuert.
2. Bei Amazon funktioniert die Preiseingabe ĂŒber Angabe des Nettopreises. Österreich und Deutschland werden beide ĂŒber amazon.de beliefert (amazon.at ist nur eine Maske) und verfĂŒgen somit ĂŒber nur ein Feld fĂŒr die Preisangabe. Damit bekommen Deutschland und Österreich fĂŒr KĂ€ufe ĂŒber Amazon unterschiedliche Bruttopreise.
3. Andere HĂ€ndler wie Apple und die Tolino-Grupppe (Thalia, Weltbild, Buecher.de und weitere) nehmen den Bruttopreis als Grundangabe entgegen und verkauft dadurch an beide LĂ€nder zum selben Preis.
4. Das bedeutet, eBooks sind in Österreich (bzw.. fĂŒr österreichische Autoren in Deutschland) bei verschiedenen HĂ€ndlern unterschiedlich bepreist. Und das ist nach dem in beiden LĂ€ndern vorhandenen und auf deutschsprachige eBooks angewandten Buchpreisbindungsgesetz in beiden LĂ€ndern illegal.

Es gibt ein paar wahrscheinlich mögliche Lösungen. Schauen wir mal:
a) Nicht mehr bei Amazon verkaufen – angesichts der Bedeutung von Amazon die schlechteste Option
b) Exklusiv bei Amazon verkaufen – das wird wohl die hĂ€ufigste Reaktion, da Amazon der mit Abstand am einfachsten zu erreichende VerkĂ€ufer ist. Na, das Gesetz schĂŒtzt den Buchhandel ja toll, liebe Österreicher!
c) Über Distributoren verkaufen – das bedeutet natĂŒrlich zusĂ€tzliche Umsatzeinbußen durch den Anteil, den der Distributor fĂŒr seine Dienste vom Buchpreis nimmt, ist aber wohl die beste Option. Das Problem der Preisangleichung liegt dann bei den Distributoren.
d) Amazon mit einer separaten Ausgabe fĂŒr Deutschland oder Österreich beliefern, die einen an die SteuersĂ€tze des anderen Landes angepassten Nettopreis erhĂ€lt. Der konkrete Prozess ist einigermaßen kompliziert, ausserdem hat man dann jedes eBook zweimal zu verwalten.

Und dann ist da noch das Problem des Verkaufs deutschsprachiger Werke bei HĂ€ndlern, die nicht originĂ€r in Euro arbeiten, also etwa Smashwords und Lulu. Diesen Sonderaspekt werde ich gar nicht erst anpacken, aber wer eine Promotion in internationalem Recht schreiben will, darf sich gerne herausgefordert fĂŒhlen.

Und erneut ist selbstverlegen von eBooks in Europa komplizierter geworden, als unbedingt nötig. Und gleichzeitig wird die Marktmacht von Amazon weiter gestÀrkt, indem man den Autoren einen neuen Grund gibt, Amazon exklusiv mit Inhalten zu beliefern.
Aber um das zu wissen, hĂ€tte der österreichische Bundestag ja einen Selbstverleger als Experten einbestellen mĂŒssen. Oder wenigstens jemanden, der sich damit auskennt. Aber seit wann bestellt man in Parlamenten Experten, die tatsĂ€chlich wissen, wovon sie reden, wenn man doch ein hĂŒbsches Gesetz einfĂŒhren will, mit dem man das ebenfalls nicht aus Experten bestehende Volk erfreuen kann?


Neues eBook: Introduction

Diesen Monat habe ich mal was neues probiert und erstmals an der Eight Hour Challenge teilgenommen.
Bei dieser geht es darum, innerhalb von acht Stunden ein eBook zu schreiben, zu korrigieren, veröffentlichungsbereit zu machen und zu publizieren (Zeit der ÜberprĂŒfung durch den VerkĂ€ufer nicht eingeschlossen). Die ursprĂŒngliche Idee stammt von Joe Konrath, aber Scott Gordon hat daraus jetzt eine (voraussichtlich) regelmĂ€ĂŸige Veranstaltung gemacht.
FĂŒr die letzte Challenge erfuhr ich etwas zu spĂ€t davon, aber diesmal passte es und schrieb ich in unter acht Stunden diese kleine Tour durch die schwimmende Stadt Pacifica mit den Augen des chinesischen Neuankömmlings Chang Wu auf dem Weg zu seinem BewerbungsgesprĂ€ch. Er weiss, dass er in der Botschaft arbeiten soll und dass dies mit seinem akademischen Hintergrund zu tun hat, aber aufgrund der Geheimhaltung von Pacifica in dieser Sache nicht, was genau seine Aufgabe ist.

Pacifica ist ein großer Topf Ideen, zusammengeschmolzen zum Bild einer Stadt, wie es sie heute nicht gibt. Als Handlungsort spukte sie mir schon eine ganze Weile im Kopf herum, zunĂ€chst als Atlantis, dann aufgrund der besseren Voraussetzungen im Pazifik. Die Stadt nimmt in meiner Vorstellung von 2028 bis etwa 2100 Form an, absorbiert dabei die technologischen Fortschritte dieser Zeit und bildet einen Ort stĂ€ndigen Wandels, angetrieben und befĂŒllt von KreativitĂ€t, Innovation und Dingen, die nur an einem solchen Ort ohne Geschichte gefunden werden können. Und nur ein kleiner Teil davon, die Situation der Stadt im Jahre 2061, findet in dieser Geschichte Niederschlag. Das Bild einer Stadt, die langsam eine Geschichte erhĂ€lt und zugleich eine neue Zukunft baut.
Als Kurzgeschichte von nur 2.100 Wörtern (etwa 2.400 mit Impressum und dem ganzen Kram) ist Introduction nÀher an dem, was ich in der Schule als Kurzgeschichte kennen gelernt habe, als an dem, was heutzutage unter dem Begriff lÀuft: Sehr kurze Episoden aus der Welt, die komplett auf das Ende als eigentlichen Inhalt der Geschichte ausgerichtet sind. Alles davor ist der Aufbau einer Welt und einer Situation, die dem Ende Kontext verleiht, in manchen FÀllen, wie hier in der Science-Fiction, auch PlausibilitÀt.
Zugleich implizieren die hier vorgefundenen Dinge und Ereignisse so viel ĂŒber den Rest der Welt, dass ich eine einzige große Spielwiese fĂŒr Science-Fiction-Ideen erhalte. Was ist mit Alt-Venedig passiert? Wie hat Italien und Europa reagiert? Was hat es mit den Hunden auf sich? Oder mit der Strickleiter zu den Sternen? Wer ist/war Laetitia FĂ€rber? In dieser Geschichte ist spekulativer Spass fĂŒr Jahre angelegt!

Unzufrieden bin ich offen gestanden mit dem Cover. Dass ich das Projekt letztlich mit einem so langweiligen Cover abgeschlossen habe liegt daran, dass ich ganz einfach kein brauchbares Motiv gefunden habe. Das war etwas frustrierend. Ich hoffe, ich finde spÀter noch ein Motiv und werde das Cover dann ersetzen.
Theoretisch sollte es möglich sein, ausreichend subtil mit grafischen Elementen auf das Ende hinzuweisen, aber ich habe auf die Schnelle nichts gefunden, was das Ende nicht gleich komplett verraten wĂŒrde. Schon wĂ€hrend des Schreibens war mein grĂ¶ĂŸtes Problem, das Ende nicht bereits im Dialog zwischen Chang Wu und seinem Interviewer Aldo Esposito zu verraten. Ich denke, das ist ein Problem, das ganz einfach mit dieser Art Geschichte einhergeht, vor allem als eigenstĂ€ndige Veröffentlichung.

Alles in allem habe ich an dieser Veröffentlichung fĂŒnf Stunden gearbeitet, davon vier fĂŒr die Geschichte. Ich denke, zukĂŒnftige BeitrĂ€ge zur Challenge werden lĂ€nger sein, jetzt, da ich den zeitrahmen etwas besser kenne und weiss, dass Luft nach oben ist. Eine noch kĂŒrzere Geschichte als diese wĂŒrde ich auf jeden Fall kostenlos anbieten wollen, 2.100 Wörter ist so ziemlich das absolute Minimum, fĂŒr das ich mich wage, Geld zu verlangen.

Das Einstellen bei Amazon lief wie immer gut und flĂŒssig.
Etwas Sorgen hatte mit Smashwords gemacht. Ich habe noch nie zuvor bei Smashwords veröffentlicht und viel beunruhigendes ĂŒber den Meatgrinder gehört. Der Meatgrinder (deutsch: Fleischwolf) ist ein Programm, mit dem Smashwords seine Dateien fĂŒr den Verkauf erzeugt. Anders als Amazon, wo ich eine praktisch fertige Kindle-Datei einreichen kann, nimmt Smashwords eine Word-Datei und erzeugt daraus die diversen eBook-Formate.
Der Meatgrinder ist berĂŒchtigt dafĂŒr, beim geringsten Formatierungsfehler in der Word-Datei die Annahme zu verweigern. Innerlich war ich also darauf vorbereitet, gestern nacht zwei oder drei Versuche durchspielen zu mĂŒssen, um die Geschichte hochzuladen. Und dann: Erfolg beim ersten Versuch, die Datei wurde sofort konvertiert und zum Verkauf ĂŒbernommen. Sie wartet jetzt auf Freigabe fĂŒr den Premium-Vertrieb, was bedeutet, dass das eBook bei erfolgreicher ÜberprĂŒfung dann auch bei anderen eBook-VerkĂ€ufern wie Kobo, Barnes & Noble und iBooks erhĂ€ltlich sein wird.

Hier erstmal die Links, die bisher verfĂŒgbar sind, die weiteren trage ich dann in der englischen BĂŒcherliste nach, wenn sie kommen:
Smashwords (Formate ePub, Mobi/Kindle, PDF, LRF, RTF, PDB, TXT sowie zum online lesen)
Amazon.de (Kindle)

Zur Erinnerung fĂŒr die Newsletter-Abonnenten: Ihr bekommt heute noch einen Coupon fĂŒr Smashwords ;-)

Und damit auf zum nĂ€chsten Projekt: Schwarzer Schwinge ist so gut wie fertig, es fehlen noch etwa 4.000 Wörter plus ein Tag fĂŒr den letzten Schliff am Text. Damit werde ich es erstmals schaffen, in einem Monat zwei Projekte fertigzustellen, vorausgesetzt, ich breche mir nicht plötzlich beide HĂ€nde. Und die FĂŒĂŸe. Und den Hals, dass ich nicht mal mehr mit der Nase tippen kann. Oder… lassen wir die Szenarien, ich mach einfach.
Meine aktuell neu gefundene ProduktivitĂ€t in eigener Sache bringt grade so einen schönen Enthusiasmus-Schub mit sich, den muss ich nutzen. Also, Schwarzer Schwinge in den sieben verbliebenen Tagen des Monats minus je einem Tag fĂŒrs Korrigieren und Publizieren? Das pack ich. Tschakka!


Das wichtigste Buch des Jahrzehnts

Es ist ein hĂ€ufiges MissverstĂ€ndnis, dass literaturhistorisch bedeutende BĂŒcher auch automatisch gut, kreativ oder neuartig seien. Die Bandbreite in ihrer historischen Wirkung bedeutender BĂŒcher reicht von der Bibel bis zu Mein Kampf, da ist also viel schlechtes zu finden – auch das Anrichten gewaltigen Schadens ist ein historisch bedeutsamer Akt. Rein literaturintern haben wir Werke wie Superman No. 1, welches den modernen Superheldencomic als Genre etablierte, dessen Protagonist aber im Endeffekt nichts weiter ist als ein Plagiat von John Carter. Die HĂ€lfte des Lebenswerks von Goethe ist nichts weiter als eine Reihe Neufassungen wesentlich Ă€lterer Geschichten (im Grunde alle lĂ€ngeren Werke nach dem Werther).
Womit wir einen guten Punkt fĂŒr eine Überleitung von Johann Wolfgang von Goethe zu E.L. James haben. Und warum beide Autoren sich in einigen Jahrzehnten gemeinsam in den Kanones der Literaturwissenschaftsstudenten wiederfinden werden.

Wie gesagt, um historisch bedeutend zu werden, bedarf es nicht unbedingt QualitĂ€t. Daher geht es hier nicht um diese. Shades of Grey wird allgemein restlos verrissen und ich werde diesem Urteil nicht widersprechen. Dass die Autorin einen ausreichend schlechten Literaturgeschmack hatte, um eine Fanfiction zu Twilight zu verfassen, sollte fĂŒr ein Urteil reichen. Andererseits gibt es von mir Fanfiction zu PokĂ©mon, ich sollte mich also nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Aber zurĂŒck zum Thema: Die Bedeutung von 50 Shades liegt in seiner Wirkung auf die (euro-amerikanische) Fanfiction-Szene.

Hinweis: Jeder, der weiss, was Fanfiction ist, kann einfach zum nÀchsten Absatz scrollen
Kurz zur ErklĂ€rung fĂŒr Neulinge in diesem Bereich: Fanfiction ist von Fans geschriebene Literatur (oder sonstige ErzĂ€hlmedien wie Filme, Comics oder Videospiele), die auf den Charakteren, Ereignissen, Orten und/oder fiktiven Regeln aus den Werken anderer basieren. Dabei zĂ€hlt es in der Regel nur als Fanfiction, wenn das Autor keine Lizenz zur Verwendung dieser Elemente hatte, sonst ist es schlichtweg eine Lizenzarbeit (oder ein Expanded Universe, aber ich will jetzt keine komplette EinfĂŒhrung in ErzĂ€hltheorie verfassen, vielleicht ein ander Mal). Wie weit Fanfiction legal und legitim ist, ist bei Autoren und Juristen umstritten.

Die Bedeutung von 50 Shades liegt in seiner Herkunft: Wie oben bereits angedeutet ist es eigentlich eine Fanfiction zu Twilight. Twilight war eine nicht der weiteren Erinnerung werte Vampirschnulze, die ĂŒberaus fragwĂŒrdige christlich-fundamentalistische Werte zu vermitteln trachtete und die Harry Potter als meistverkaufte Buchreihe ablöste. Die Serie half, den Fantasy-Boom des frĂŒhen 21. Jahrhunderts ein paar Jahre zu verlĂ€ngern.
Der Schottin Erika Leonard gefiel diese Serie so gut, dass sie dazu unter dem herrlichen KĂŒnstlernamen SnowQueensIceDragon eine Fanfiction schrieb. Sie nahm die Charaktere und versetzt sie in eine andere Situation, womit das ganze eine S/M-Geschichte zwischen einem MillionĂ€r und seiner seltsam unschuldigen Liebhaberin wurde. Das Ergebnis trug den Titel Master of the Universe, enthĂ€lt zu meiner großen EnttĂ€uschung so gut wie keine MuskelmĂ€nner in Metallharnischen und ist inzwischen gelöscht.
Master of the Universe wurde extrem erfolgreich und es wurde schnell klar, dass das Szenario die Geschichte so sehr verĂ€ndert, dass sie sich mit der einfachen Änderung der Namen der Figuren als komplett neues Buch verkaufen ließ. Gesagt, getan. Das Ergebnis dieser einfachen Umstrukturierung war 50 Shades of Grey, das erfolgreichste britische Buch der bisherigen Geschichte.

Die historische Bedeutung nun ergibt sich daraus, dass hier klar wurde: In Fanfiction lag Geld zu holen. Viel Geld. Das ist quasi die zweite Stufe nach George Lucas‘ Idee, bei Star Wars einen großen Teil der Produktionskosten eines Films ĂŒber Merchandising reinzuholen, wozu natĂŒrlich auch BĂŒcher gehörten.
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Auf die gelegentlichen Nachrichten von weiteren Fanfiction-Werken, die auf Ă€hnliche Weise wie 50 Shades zu einem verlagsvertrag kamen, folgte diese Woche die grĂ¶ĂŸte Nachricht: Amazon startet mit Kindle Worlds eine Plattform fĂŒr das kommerzielle Verlegen von Fanfiction. Stark eingeschrĂ€nkt fĂŒr nur drei amerikanische Fernsehserien, aber dennoch.
Das kommerzielle Verlegen von Fanfiction im großen Stil wird die Literaturlandschaft und vor allem das Urheberrecht nachhaltig und umfassend verĂ€ndern.

Was die RestriktivitĂ€t von Kindle Worlds angeht: Die halte ich teilweise fĂŒr vernĂŒnftig, das einzige, was ich problematisch finde ist der Punkt, dass Amazon alle Rechte an den Werken erhĂ€lt. Hier zum Vergleich ein Dislaimer, den ich vor zwei Wochen fĂŒr meine in Arbeit befindlichen fiktiven Werke verfasst habe, die nach dem Abschluss der Meilensteine erscheinen sollen:

Science-Fiction und Fantasy sind als Genres große Magneten fĂŒr Fanfiction, also von Fans geschriebene Geschichten auf Grundlage der Geschichten eines Autors oder einer Serie. Ich weiss nicht, ob je jemand Fangeschichten zu meinen BĂŒchern und Geschichten schreiben will, aber sie bieten auf jeden Fall inhaltlich und formal das Potenzial dazu. Daher will ich mich dazu positionieren. Wer weiss, wann es benötigt wird.

ZunĂ€chst einmal: Wer Fanfiction zu meinen Welten schreiben will, ist willkommen. Die nichtkommerzielle Nutzung meiner Welten und Charaktere ist ausdrĂŒcklich erlaubt. Über eine kommerzielle Nutzung lasse ich mit mir sprechen: Wenn mir eine Geschichte gefĂ€llt und sie mit meinen PlĂ€nen fĂŒr diese Welten kompatibel ist, kann ich ein Fanfiction-Werk zum Teil des offiziellen Universums erklĂ€ren und der/die Verfasser/in kann es entsprechend bewerben und verkaufen; ich werde meinerseits auf diese Werke hinweisen.

Ich halte es dabei einfach nur fĂŒr fair, wenn ich die Figuren und Elemente dieser Fanfiction ebenso verwenden kann, wie die Fanfiction-Autoren meine Welten und Figuren verwenden können. Daher ist dies eine Lizenzbedingung fĂŒr alle Fanfiction zu meinen BĂŒchern: Ich darf alle eigenen Charaktere und Elemente der Welt aus Fanfiction zu meinen Geschichten auch ohne Gegenleistung in meinen spĂ€teren Geschichten verwenden. Die andere inhaltliche Bedingung ist, dass alle Fanfiction sich von der Satdt Erkelenz fernhĂ€lt. Das liegt daran, dass in Erkelenz fĂŒr diese Welt einige bedeutende Ereignisse stattfinden werden, durch die diese Stadt ab den 2030er Jahren nicht mehr existiert; die entsprechenden BĂŒcher werden erscheinen, sobald sie fertig sind. Es gibt noch ein paar andere Punkte, an denen Fanfiction meinem Konzept von dieser Welt widersprechen kann (keine Aliens, bitte!), aber das ist von Fall zu Fall entscheidbar.

Also, noch Mal kurz gefasst: Ich bin fĂŒr Fanfiction. Wer damit Geld machen will, muss mich vorher fragen. Ich darf Elemente aus Fanfiction in meinen eigenen Werken verwenden. Und Pfoten weg von Erkelenz!

Alles in allem nicht so anders – bis auf die Sache mit Erkelenz.

Ich bin sicher, die Rezeption von Fanfiction wird sich in den nÀchsten Jahren weiter verÀndern. Es wird eine neue Diskussion um die LegitimitÀt dieser Werke geben und darum, welche Rechte an einer ErzÀhlwelt eigentlich bei wem liegen.
Das ging schon ein paar Jahre so, aber 50 Shades war der große Sprung. Und deshalb hat sich E.L. James jenseits aller Fragen nach literarischer QualitĂ€t ihren Platz in der Literaturgeschichte verdient.
Und es ist eine Wirkung, von der es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie dieses Jahrzehnt noch von einem anderen Werk ĂŒbertroffen wird.


Amazon gegen Kostenlos-Portale und die Zukunft von @eBooksfuerlau

Am gestrigen Freitag schickte Amazon.com eine Mail heraus, die recht kurzfristig eine Änderung der Konditionen fĂŒr das Partnerprogramm zum 1. MĂ€rz ankĂŒndigte. Die Änderungen gelten vorerst nur fĂŒr amazon.com, aber es steht zu erwarten, dass amazon.de und andere Lokalableger nachziehen.
Bedeutend ist dabei das Zudrehen des Geldhahns fĂŒr Portale, die kostenlose Kindle eBooks bewerben. Genau gesagt wird der folgende Passus in die Konditionen fĂŒr das Amazon-Partnerprogramm eingefĂŒgt:

In addition, notwithstanding the advertising fee rates described on this page or anything to the contrary contained in this Operating Agreement, if we determine you are primarily promoting free Kindle eBooks (i.e., eBooks for which the customer purchase price is $0.00), YOU WILL NOT BE ELIGIBLE TO EARN ANY ADVERTISING FEES DURING ANY MONTH IN WHICH YOU MEET THE FOLLOWING CONDITIONS:
(a) 20,000 or more free Kindle eBooks are ordered and downloaded during Sessions attributed to your Special Links; and
(b) At least 80% of all Kindle eBooks ordered and downloaded during Sessions attributed to your Special Links are free Kindle eBooks.

Dazu muss man wissen: Das GeschĂ€ftsmodell von Portalen fĂŒr kostenlose eBooks funktioniert bei Kindle ĂŒber Cookies, die einen Nutzer fĂŒr 24 Stunden dem Werbenden zurechnen. Das bedeutet: Zwar erhalten die Werbenden fĂŒr den Download eines kostenlosen eBooks kein Geld, wohl aber wenn der selbe Kunde am selben Tag einen weiteren, kostenpflichtigen Einkauf tĂ€tigt.
Auf diese Weise funktioniert auch ein Teil der Finanzierung meines Twitter-Kontos eBooks fĂŒr lau, genauer die Links eben zu amazon.de. Links zu Smashwords und Apple laufen ĂŒber die dortigen Partnerprogramme, die restlichen Links ĂŒber eine Werbeeinblendung des kommerziellen URL-KĂŒrzungsdienstes Adf.ly beim Aufruf jedes Links.

Sieht man nun diesen Schritt seitens Amazon wird klar, dass man dort die Geister, die man mit der EinfĂŒhrung der Gratistage als Werbemaßnahme fĂŒr die Autoren rief, wieder loswerden will. Darauf deuten auch die klaren Hinweise, dass sich Gratisaktionen nicht mehr wie frĂŒher auf die VerkaufsrĂ€nge auswirken. Die kostenlosen Titel nehmen offenbar aus Sicht des HĂ€ndlers ĂŒberhand. Es muss erhebliche Probleme geben, wenn er ein bei oberflĂ€chlicher Betrachtung so effizientes Werbemittel so heftig zerschießt.
Damit bricht ein ĂŒber die Jahre recht umfangreich gewordenes Netz von Diensten, die kostenlose Links sammeln und verbreiten in den nĂ€chsten Monaten zu großen Teilen zusammen. Nicht nur werden damit die Betreiber dieser Seiten deutlich geschĂ€digt, es wird in Zukunft auch fĂŒr Autoren schwieriger werden, ihre Werbeaktionen ĂŒber solche Portale bekannt zu machen. Das wird den Markt fĂŒr Kindle eBooks, vor allem das Marketing bei selbstverlegten Titeln, grundlegend verĂ€ndern.

Die Zukunft von eBooksfuerlau


eBooks fĂŒr lau wird als Angebot fortbestehen. Was sich verĂ€ndern wird, ist das Finanzierungsmodell. Und ja, ich werde in Zukunft aller Voraussicht deutlich weniger Geld mit Amazon-Links einnehmen. Aber nicht gar keins.
Die letzten Wochen haben gezeigt, dass die Kunden bereit sind, eine Werbeeinblendung vor dem Betreten der eigentlichen Webseite zu akzeptieren. Das hatte mir lange Sorgen bereitet. Daher werden, sobald die Regelung von amazon.com auch in Deutschland gĂŒltig wird, Amazon-Links im Twitter auf Adf.ly umgestellt, wie sie jetzt schon bei Links auf Ciando, Pageplace, BPB etc. Verwendung finden. Bis dahin lĂ€uft erstmal alles wie gehabt. Solange es nicht nötig wird, werden die Werbeeinblendungen nicht kommen.
Bis dahin ist der wichtigste Punkt: eBooks fĂŒr lau ist gekommen um zu bleiben. Wenn die Bedingungen sich Ă€ndern, Ă€ndert das Angebot sich entsprechend. Aber es lĂ€uft weiter. Ich suche weiter kostenlose eBooks und stelle sie nach einer kurzen Vorauswahl (um einen gewissen Mindestanspruch an QualitĂ€t zu erfĂŒllen) jeden Nachmittag dort ein.
Wenn Amazon mir daraus ein VerlustgeschĂ€ft macht, habe ich andere Optionen. Und letztlich ist Amazon zwar der grĂ¶ĂŸte, aber (anders als bei den meisten anderen Ă€hnlichen Anbietern) bei weitem nicht der einzige Anbieter, auf den ich verlinke.


#Amazon

Derzeit schlĂ€gt ein vom HR zusammengestellter Bericht ĂŒber die Arbeitsbedingungen bei Amazons Weihnachts-Arbeitern hohe Wellen. Etwas, was ich in keinster Weise ignorieren kann. Die Sache ist allerdings nicht so einfach: Einerseits zeigt die Reportage ernsthafte MissstĂ€nde, die anzusprechen sind. Andererseits bleibt sie dabei oberflĂ€chlich und vergisst, nach den Ursachen zu fragen.
Aber fangen wir mit der Reportage selbst an:

Der Beitrag zeigt einige sehr problematische ZustĂ€nde in den Logistikzentren des Versandhauses. Nun muss wenn man BeitrĂ€ge ĂŒber Amazon derzeit sehr vorsichtig „genießen“, weil die seit Monaten umfangreiche negative Berichterstattung mE ganz klar eine Kampagne der einflussreichen Buchhandelslobby (Börsenverein des deutschen Buchhandels) darstellt, der die von ihm vertretenen Branchen lieber vor Innovation von aussen schĂŒtzt als sie bei seinen eigenen Mitgliedern voranzutreiben, um gegen Amazon wettbewerbsfĂ€hig zu werden. Diese ist effektiv genug, um selbst gestandene Überall-Verschwörungs-Vermuter sie ĂŒbernehmen.

Bemerkenswert ist etwa ein fast zeitgleich erschienener ĂŒberaus alberner Artikel in der FAZ.

So erklÀrt es sich denn auch, warum der Filmbeitrag des HR an vielen Stellen so oberflÀchlich bleibt. Hierzu noch ein Zitat, Hendrik Sachtler sei zur Hand genommen:

Dieser Beitrag geht in die richtige Richtung: Das Problem ist das System, dass solche VorgĂ€nge nicht nur ermöglicht, sondern sogar erwĂŒnscht. Ich muss das noch deutlicher formulieren: Amazons Verhalten wird vom System nicht toleriert; es wird von ihm ausdrĂŒcklich gefördert.
Dabei habe ich mit Saisonarbeitern kein Problem, in Branchen mit starken saisonalen Schwankungen im Bedarf an ArbeitskrĂ€ften ist sowas völlig in Ordnung. Spargel wird halt nur ein mal im Jahr gestochen und auch Weihnachten als großer Einkommens- und Arbeitsbringer der HĂ€ndler gibt es pro Jahr nur ein mal (trotz aller Versuche, Ostern und Halloween auf ein vergleichbares Konsumniveau zu bringen).
Nein, das eine Problem ist die Behandlung dieser Arbeiter. Nicht das Schlafen in Doppelbettzimmern, darin erkenne ich nichts unzumutbares. Nicht der Lohn von 8,52 €, der ist bei Saisonarbeitern mehr oder weniger normal, dafĂŒr habe ich in meinem Studium öfter als Urlaubsvertretung gearbeitet – klar wĂ€re mehr besser, aber man kann einem Einzelunternehmen nicht vorwerfen, das selbe zu bezahlen wie alle anderen auch (Zalando zum Beispiel bezahlt laut Medienberichten 1€ weniger). Aber die GĂ€ngelung durch den Sicherheitsdienst, schon dessen bloßes Vorhandensein in den ArbeiterunterkĂŒnften, das ist schlichtweg inakzeptabel. Und das ist der einzige Kritikpunkt, fĂŒr den ich Amazon Mitverantwortung gebe.
Welchen Sicherheitsdienst das Unternehmen beschĂ€ft, ist vollkommen in seinem Ermessensspielraum. Zumal sich die Frage stellt, wozu der ĂŒberhaupt da ist.

Das andere Problem liegt im System und hier kommen wir zu der OberflÀchlichkeit, die ich dem Beitrag vorwerfe.
Amazon hat seine Stellenangebote an das örtliche Arbeitsamt gegeben. Und dieses wiederum ist fĂŒr die erfolgte Anwerbung auslĂ€ndischer Arbeitnehmer verantwortlich. Was in der Reportage nur als Nebensatz vorkommt (wohl um dem Vorwurf der möglicherweise justiziablen Falschdarstellung zu entgehen), ist der Kern der ganzen Sache: Der wahre TĂ€ter hier ist der deutsche Staat. Die Leiharbeiterherankarrung aus dem Ausland, die geringen Löhne, der fehlende KĂŒndigungsschutz – hier ist nicht Amazon am Werk, sondern die von Merkel so schön pointiert (aber bei ihr komplett ironiefrei) propagierte „marktkonforme Demokratie“. Einen Ă€hnlichen Skandal gab es in Verbindung mit Amazon bereits vor etwa einem Jahr. Nach spĂ€terer Angabe des Konzerns auf ausdrĂŒcklichen Wunsch des örtlichen Arbeitsamtes.
Letzten Endes wird Amazon hier als Schild hochgehalten, um das System zu schĂŒtzen. Amazons Verhalten ist in großen Teilen ein mit Absicht oder zumindest wissentlich gezogener Spross eines Gartens, der nur derlei Kraut hervorbringt. Man kann nun Amazon selbst angreifen, allein es Ă€ndert nicht viel. Selbst wenn Amazon etwaige Proteste zu spĂŒren bekommt, was unwahrscheinlich ist, trifft es nicht jenes System, welches solche AuswĂŒchse ermöglicht und fördert. Und die anderen machen unterdessen weiter, teils sogar noch schlimmer.

Der Protest muss dem System gelten. Solange dieses solches Verhalten nicht nur erlaubt, sondern sogar fördert, kann man von den Unternehmen nicht erwarten, ein Unrechtsbewusstsein zu erlangen. Deutschland erklĂ€rt es ja explizit fĂŒr rechtens und erwĂŒnscht.

full disclosure
Ein merklicher Teil meiner EinkĂŒnfte stammt aus Werbung fĂŒr und eBook-Veröffentlichungen bei Amazon.


Rezensionen und ich

In den letzten Tagen haben einige Skandale das Ansehen von Rezensionen auf Online-Portalen erschĂŒttert: John Lockes gekaufte Jubelkritiken und RJ Ellorys Sockenpuppen. Im Moment trifft das nur Amazon, aber es kann sich durchaus weiter ausbreiten. Allem Anschein nach zieht der Fall mit John Locke bereits weitere Funde bei anderen Autoren nach sich.
GlĂŒcklicherweise (in gewissem Sinne) ist das kein Problem, das man nur verlagsunabhĂ€ngigen Autoren vorwerfen kann: Ellory ist ein erfolgreicher Krimi-Autor, der bei Orion bereits zwölf kĂŒnstlerisch und finanziell erfolgreiche Romane veröffentlicht hat und 2013 einen dreizehnten folgen lassen wird.
John Locke war der erste unabhĂ€ngige Autor, der eine Million Exemplare seiner eBooks verkaufen konnte und darĂŒber prompt ein eBook geschrieben hat. Inzwischen ist er allerdings weitgehend vergessen (was die Frage erlaubt, ob der Skandal Absicht war). Locke gibt offen zu, sich wenig um das schriftstellerische Handwerk zu kĂŒmmern und mehr auf Geld aus zu sein. Er gilt auch als der Autor, der fĂŒr die extreme Verbreitung des 0,99-€-Preises verantwortlich ist. Keine Verbindung zu diversen anderen John Lockes.

Rezensionen sind ein faszinierendes Thema fĂŒr Schriftsteller: Als Lebenselixier verklĂ€rt, als Pfeilgift gefĂŒrchtet, Quell von AmĂŒsement, Hoffnung, Streit und Verzweiflung. Rezensionen haben ihre eigene Geschichte als BeilĂ€ufer der Literatur, jenes Leben, was man in der Biologie mit dem so perfekt ĂŒbertragbaren Begriff der Kulturfolgertum bezeichnet. Die Bekanntheit Marcel Reich-Ranickis zeigt, wie weit man es als guter Rezensent bringen kann.

Skandale wie die obigen schaden dem Ansehen nicht nur der Rezensionen und Rezensenten, sondern auch der Autoren. Wer solche Methoden nötig hat, der zeigt mangelndes Vertrauen in die QualitĂ€t seiner Werke (ob nun gerechtfertigt oder nicht). Und auch wenn das PhĂ€nomen keineswegs nur Indies betrifft bestĂ€rkt es letztlich die Vorurteile gegen diese, wogegen ich die Einstellung Joe Konraths, es handele sich um eine Hexenjagd und man solle sich auf „den eigentlichen Feind“, die großen VerlagshĂ€user, konzentrieren wenig hilfreich finde. Allerdings wird es solch schwarzen Schafe immer geben.

Die Ursache hierfĂŒr liegt aber tiefer. Wenn Autoren eine Rezension schreiben, haben sie einen Gewissenskonflikt. Sie bewerten öffentlich einen direkten Konkurrenten ihres eigenen Produktes. Auch wenn man das kann, sobald man ein Buch schlecht findet und ihm eine entsprechende Wertung verpasst, wird man verdĂ€chtig, andere Autoren schlechtmachen zu wollen. Das schadet einem selbst. Schreibt man eine gute Kritik und der Leser identifiziert einen als Autoren vermuten viele Leser eine GefĂ€lligkeitsrezension, also eine Bewertung anhand persönlicher Bekanntschaft und Sympathie anstelle literarischer QualitĂ€t. Das schadet dem gelobten Autoren.
Aus diesem Grund gibt es von mir keine Buchbesprechungen bei Amazon. Ich empfehle hin und wieder gute BĂŒcher im Blog oder auf Twitter (wo das VerhĂ€ltnis zu den Lesern ein anderes ist), aber auf den Rezensionsseiten wird es von mir nichts geben.


eBook-Land Woche 34

BĂŒcher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | EinkĂŒnfte: 199,94 € | HĂ€ndler: 6

In eigener Sache
Die Arbeit an Meilensteine der Evolution geht gut voran. Teilweise ist es nicht einfach, frei verwendbares Bildmaterial von brauchbarer QualitÀt zu finden, aber das wird schon.
Parallel dazu habe ich ein weiteres Projekt begonnen. Ein vergleichsweise einfaches Projekt, das sich nebenbei machen lĂ€sst, wenn ich beim Schreiben auf eine Blockade treffe aber trotzdem weiterarbeiten will. Noch sage ich da nicht viel zu, nur so viel: Ja, es ist fĂŒr alle eBook-Reader. Mit einem Buch aber hat es so gut wie nichts mehr zu tun. Ein praktisches kleines Buch, das so auf Papier nie möglich wĂ€re.
Noch etwas anderes: Einige neue Entwicklungen haben inzwischen die Entwicklung einer Version 4.0 von Dieses Cover ist MĂŒll – Lernen Sie warum angestoßen. Diese wird dann wahrscheinlich im Laufe des Juni fertig. Da ich fĂŒr Meilensteine der Evolution allerdings einen festen Zeitplan habe, ist diese Aktualisierung/Erweiterung aber eher etwas, was als Nebenprojekt lĂ€uft.

Aus der Szene
Kobo steigt nun auch ins Selbstverlags-GeschĂ€ft ein und kĂŒndigt eine entsprechende Plattform an. Die Konditionen sind sehr gut und ich bin gespannt, wie sich das entwickeln wird.
Amazon festigt seine Position im Markt, indem es einen weiteren Verlag kauft. Ich finde die Union von Verkaufsplattform und Verlag ja eher beunruhigend – auf keinen Fall dĂŒrfen wie etwa bei Videospielen bereits ĂŒblich einzelne Titel vertraglich festgeschrieben exklusiv fĂŒr nur ein GerĂ€t werden. Was leider bereits passiert. Die Vorteile einer solchen Entwicklung zeigt Amazon aber auch gleich auf und bringt ein Software-Update aufs Kindle, das neue Funktionen wie Pop-Ups als Alternative zu FUßnoten und Bildunterschriften erlaubt – ein deutlicher Fortschritt gegenĂŒber den meisten aktuell erhĂ€ltlichen eBooks (und gegenĂŒber PapierbĂŒchern).
In Deutschland versucht die bröckelnde Buchhandelskette Thalia erneut, etwas vom Kuchen abzubekommen und ersetzt ihr LesegerÀt Oyo durch das Bokeen Cybook. Ob sich das besser verkauft, wird sich zeigen.
Buchreport verkĂŒndete diese Woche, mit Tina Folsom gebe es nun die erste deutsche eBok-MillionĂ€rin, was ziemlich irrefĂŒhrend ist, da sie seit 10 Jahren in dne USA lebt und fĂŒr den dortigen Markt schreibt. Netterweise analysiert Thomas Knip die Sache recht gut, das spart mir Arbeit, die sich somit auf einen Link beschrĂ€nkt. Apropos Analyse: Die letztwöchige Studie des Börsenvereins analysiert Steffen Meier ganz ausgezeichnet.


eBook-Land Woche 32

BĂŒcher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | EinkĂŒnfte: 154,82 € | HĂ€ndler: 6

In eigener Sache
Dieses Cover ist MĂŒll! hat mit einigen kleinen Korrekturen und Aktualisieurngen nunmehr Verisonsnummer 3.0.2 erreicht und war zu diesem Anlass am vergangenen Freitag kostenlos zu haben. Das Ergebnis ist dabei wesentlich schlichter als damals bei Feuchten Fußes: 237 Exemplare wurden am Freitag geladen, 3 seitdem verkauft (darunter mein erster Verkauf in Spanien). Dazu kommen noch 11 StĂŒck, die nach dem Ende der Gratis-Aktion als kostenlos gezĂ€hlt wurden. Ich vermute, das ist ein Darstellungsfehler und diese sind noch in der kostenlosen Zeit bestellt, aber erst spĂ€ter zur Statistik gezĂ€hlt worden. Ich habe dennoch Amazon dazu kontaktiert, vielleicht steckt ja noch Geld drin ;-) .
Ein Erfolg, den ich bei der anderen Aktion dafĂŒr nicht hatte, waren gleich zwei hervorragende neue Bewertungen des Buches. Die erste davon kam wĂ€hrend der Aktion bei xtme, einer Seite, die regelmĂ€ĂŸig kostenlose Amazon-eBooks sammelt und die besten (sowie ein richtig schlechtes als Warnung) verlinkt (also etwa das, was eBooksfuerlau bei Twitter macht).

xtme in seiner Liste guter kostenloser eBooks: Dieses eBook ist KEIN MĂŒll! Im Gegenteil, mir gefĂ€llt die konstruktive und detaillierte Herangehensweise des Autors an ein Thema, das jedem, der mal bei Amazon in den eBooks recherchiert hat, begegnet ist: schlechte und unleserliche Cover. Falls Sie sich mit dem Gedanken tragen, ein eBook fĂŒr Kindle zu veröffentlichen: lesen Sie dieses eBook! (Viele Abbildungen, 704 Positionen, 59 Normseiten, 3,99 € Normalpreis)

Dazu kam gestern noch eine Rezension auf Amazon.de selbst, wenn ich das A. richtig aufdrösel von SF-Autor Ava Felsenstein. Diese sind besonders wertvoll, weil sie dort fĂŒr die Kunden sichtbar sind und vor allem die Sternwertung erscheinen lassen, die somit jetzt bei fĂŒnf Sternen liegt:

HĂ€tte ich dieses Buch doch schon viel frĂŒher gelesen…
.. wird sich so mancher Leser dieses Ebooks sagen, welcher ebenfalls veröffentlicht hat und nie ganz mit seinem Cover zufrieden war. Eine FĂŒlle guter Tipps, Anleitungen und Wegweiser sind hier zusammengetragen.(…)

Ich drĂŒcke dem Autor die Daumen, dass noch viele Autoren im Selbstverlag und andere Leser zu diesem Konzentrat an Wissen greifen und ihm die gerechtfertigten Platzierungen noch lange erhalten bleiben bzw. sich noch verbessern werden!

Wenn ich jetzt die nette ErwĂ€hnung bei Eileen Janket mitzĂ€hle, sind das drei positive Kritiken – drei mehr als bei Feuchten Fußes, welches bis heute die doppelte verkaufte Auflage aufweisen kann, es aber nur auf einen erfreulichen aber eher beilĂ€ufigen Hinweis im Manager-Magazin gebracht hat. Ich vermute, Ratgeber werden einfach hĂ€ufiger bewertet als SachbĂŒcher, da sie leichter nach Praxistauglichkeit benotet werden können. FĂŒr mich eine interessante Erkenntnis.
Die nĂ€chste Überarbeitung des Titels wird dann wohl wieder etwas grĂ¶ĂŸer sein – mit Version 3.1 ist dann im SpĂ€tommer zu rechnen, wenn nichts wichtiges dazwischenkommt.
Die zweite Auflage von Feuchten Fußes (also Version 2.0) nĂ€hert sich unterdessen ihrer Fertigstellung. Etwas spĂ€ter, als geplant, aber dafĂŒr wird das Buch auch merklich an Umfang zulegen.

Freundliche Hinweise
Wilhelm Ruprecht Frieling stellt seine Autobiografie Der BĂŒcherprinz oder: Wie ich Verleger wurde noch bis zum 31. Mai kostenlos zum Download. Frieling ist eine recht ungewöhnliche Figur in der deutschen Verlagsszene und unter anderem dafĂŒr verantwortlich, dass das Konzept der Zuschussverlage hierzulande populĂ€r wurde. Das liest sich locker und amĂŒsant, auch wenn man vom Konzept des Zuschussverlages (ursprĂŒngliche Kernfunktion eines Verlages ist ja eigentlich grade die Finanzierung von Werken) wenig hĂ€lt.
Mein Eindruck bisher: Der Text ist offen und durchaus auch selbstkritisch. NatĂŒrlich als Autobiografie nicht abschließend. Ich bin allerdings ein eher langsamer Leser und daher kann ich noch nichts zum Abschluss sagen. Einer der GrĂŒnde, warum ich praktisch nie Rezensionen schreibe (und HörbĂŒcher mit ihrer vorgegebenen Geschwindigkeit ohne parallele Beanspruchung der anderen Sinne nicht mag).

Aus der Szene
Die aktuellste, aber in gewisser Weise auch beachtlichste Meldung gleich zu Anfang: Heute morgen hat das Sat.1-FrĂŒhstĂŒcksfernsehen ein selbstverlegtes Kindle-eBook empfohlen. Sechs von Niels Gerhardt, um genau zu sein. Der Videobeitrag selbst ist hier zu sehen.
Das große Thema in den USA ist momentan eine Studie des Blogs Taleist, deren Auswertung allerdings sehr zu wĂŒnschen ĂŒbrig lĂ€sst. So wird festgestellt, dass Autoren mehr Geld verdienen, wenn sie professionelle Hilfe (Lektorat, Korrektorat, Coverdesign) in Anspruch nehmen, aber nicht weiter gegraben, ob das die Ursache fĂŒr die höheren EinkĂŒnfte ist oder nur eine Folge der eigentlichen Ursache. Sicherlich ein interessantes Projekt fĂŒr jemanden, der Ahnung von Statistik hat.
Ein anderes Thema waren Rezensionen: Einerseits gibt es da eine Untersuchung, die zu dem Schluss kommt, dass Rezensionen verkaufsfördernd wirken – und zwar weitgehend unabhĂ€ngig davon, wie das Buch bewertet wird. Andererseits nimmt das Problem gefĂ€lschter Rezensionen offenbar langsam ĂŒberhand.
Amazon verschĂ€rft nebenbei die Regeln zu Spam und untersagt kĂŒnftig auch die Nutzung von frei im Netz zugĂ€nglichen Inhalten, sofern es sich nicht um eigene Inhalte oder gemeinfreie Literatur handelt. Konkret richtet sich die Regel wohl gegen die zahlreichen eBooks, die nur aus abgeschriebenen Wikipedia-Artikeln bestehen.
Tony Sanfilippo beschĂ€ftigt sich mit der Frage, wie BuchlĂ€den in Zukunft aussehen könnten. Alteingesessenen Lesern dieses Blogs werden Teile des Szenarios bekannt vorkommen. Ich vermeine unterdessen, erste Tendenzen zu einem Umdenken sehen zu können – man beachte die Überschrift. An dieser Stelle ist auch erwĂ€hnenswert, dass die honorige Stiftung Lesen sich inzwischen deutlich hinter Selbstverleger stellt.
Ein Einzelerfolg, der nicht verschwiegen werden sollte ist natĂŒrlich Fifty Shades of Grey, jene Twilight-Fan-Fiction-Serie, die es leicht ĂŒberarbeitet als wortwörtlicher Vampirporno inzwischen in die Bestsellerlisten schafft – und mit seinen beiden Fortsetzungen in den USA zwischenzeitlich 25% des Belletristikmarktes ausmacht.


eBook-Land Woche 29

BĂŒcher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | EinkĂŒnfte: 130,85 € | HĂ€ndler: 6

Heute einmal recht kurz, weil einerseits wenig passiert ist, andererseits ich selbst diese Woche allgemein wenig Zeit ĂŒbrig hatte.

In eigener Sache
Die VerkĂ€ufe von Feuchten Fußes sind inzwischen auf dem Niveau angekommen, das ich fĂŒr langfristig normal halte: Ein Verkauf am Tag. Das bedeutet, dass in den letzten sieben Tagen auch sieben Exemplare des Buches verkauft wurden, zuzĂŒglich einem Verkauf auf amazon.com. Insgesamt also acht und damit genau die HĂ€lfte der VerkĂ€ufe der beiden vorherigen Wochen.
Zugleich fand ich zu meiner Begeisterung erstmals eine Mail zum Buch vor. Leser Richard B. schrieb mir mit ein paar ThemenvorschlĂ€gen fĂŒr weitere BĂ€nde und einem Vorschlag fĂŒr einen zusĂ€tzlichen Abschnitt in den BĂŒchern. Einer der ThemenvorschlĂ€ge (Die „kambrische Explosion“) war ohnehin geplant, den anderen (Massensterben) habe ich jetzt in der Planung ergĂ€nzt. Was den zusĂ€tzlichen Abschnitt, eine Übersicht der Erdzeitalter, angeht, werde ich diesen ebenfalls umsetzen – wahrscheinlich einmal kurz in jedem Band und einmal umfangreicher als eigenen Band ausserhalb der Reihe (diesen könnte ich dann auch grundsĂ€tzlich kostenlos anbieten, als ErgĂ€nzung und Werbung fĂŒr die anderen). Ich mache das, nachdem der zweite Band ĂŒbernĂ€chste Woche fertig und veröffentlicht ist, die beiden dann schon erschienenen BĂ€nde erhalten entsprechende Aktualisierungen.

Aus der Szene
Der Buchreport stellt fest, dass fĂŒr multimediale eBooks kein Markt zu existieren scheint. Ob das daran liegt, dass die Editionen von Rowohlt Mist sind (weiss ich nicht, ich kenn die nicht) oder, was ich eher vermute, Leute BĂŒcher einfach ohne irgendwelche Gimmicks (Yps ausgenommen) lesen wollen, ĂŒberlass ich erstmal jedem selber. Ich persönlich verstehe nicht, dass Verleger, die sich sonst doch mit BĂŒchern auskennen, auf derlei Unfug stĂŒrzen. Das ist irgendwie wie das Internet in den 90ern – sinnloser Klickibuntikram aus unreflektierter Begeisterung, was alles möglich ist.
Auch ohne einen Erfolg des Multimedia-Unfugs gerĂ€t die Papierbranche offenbar weiter ins Trudeln. In China gibt es inzwischen erste Experimente mit Werbeanzeigen auf BĂŒchern, in England fĂ€ngt der elektronische Markt den weiter schrumpfenden Papierbuchmarkt auf.
Innerhalb des eBook-Marktes scheint Barnes & Noble mit seinem Nook massiv Amazon anzugreifen. Diese Anzeige ist da der offensichtlichste Hinweis, subtiler aber interessanter ist, dass die Nook-App auf iOS inzwischen die Kindle-App ĂŒberholt. Ein Hebel dafĂŒr scheint die zukĂŒnftig mögliche Nutzung des Nook in Buchhandlungen zu sein.