Kein Ausstiegsausstieg

Atomausstieg erhalten

Ausgerechnet nachdem in den letzten Wochen ein Zwischenfall in Atomkraftwerken nach dem anderen bekannt wurde und die Sicherheit der so genannten Zwischen- und Endlager für den entstehenden Atommüll nicht mehr gewährt werden kann, will schwarz-gelb die Laufzeiten der AKWs verlängern.
Behauptet wird, damit wolle man die Lücke schließen, bis die Erneuerbaren unseren Energiebedarf decken können – aber diese Lücke gibt es nicht.

Im Gegenteil, erst die großen Atom- und Kohlekraftwerke lassen diese entstehen, da sie andere Energieträger an ihrer Ausbreitung hindern. Grund dafür sind die geringe Flexibilität und die großen gewaltig produzierten Strommengen (Gaskraftwerke sind da übrigens besser als brückentechnologie geeignet und produzieren auch weniger CO2 als Kohle).
Das sichert natürlich die Abhängigkeit von den alten Stromherstellern, denn Energie aus erneuerbaren Quellen kann jeder herstellen – und damit braucht niemand mehr RWE & Co.
Hinzu kommt noch, dass Großkraftwerke wesentlich weniger Personal benötigen – also weniger Arbeitsplätze schaffen als vergleichbare Stromkapazitäten, die mit erneuerbaren Energien (Wasser, Wind, Sonne, Gezeiten, Bioabfälle) hergestellt werden.

das alles und noch viel mehr spricht für eins: Den Ausstieg aus dem Ausstieg zu verhindern. Und dazu den offenen Brief zu unterschreiben, wie schon über 30.000 andere – mich natürlich schon eingeschlossen.


WWdKG: Atomflugzeuge

Ich gehe grade meine ganzen alten Zeitungen durch, ob es darin noch etwas behaltenswertes gibt, bevor ich sie dem Altpapiercontainer übergebe.
Und tatsächlich finde ich eine Diskussion über die Zukunft der Atomkraft im kostenlosen lokalen Käseblättchen Extra-Tipp am Sonntag.
Diese motiviert mich zu der schönen Abkürzung in der Überschrift, welche sich auflöst zu:
Die wundersame Welt des Kellys Grammatikou

Grammatikou, Kolumnist beim Extra-Tipp, nimmt in der Atomkraftdiskussion die Pro-Atom-Seite ein und schreibt interessante Dinge. Also vor allem das:

Nur mit reiner Windkraft, Wasserkraft oder Sonnenenergie lässt sich bisher kein Flugzeug (so wie wir es kennen) in die Luft bewegen, geschweige denn das (sic!) wir hier von bemannter Raumfahrt reden. Da braucht es eine kraftvolle Energiequelle.

Sehr interessant. Offenbar glaubt Grammatikou also folgendes:

a) Es gibt keine Solarflugzeuge
b) Bemannte Raumfahrt funktioniert nicht mit Solarenergie
c) Es gibt Atomflugzeuge

Gehen wir das mal nacheinenader durch:

a) Es gibt keine Solarflugzeuge
Das ist so erstmal falsch. Was es nicht gibt sind solargetriebene Verkehrsflugzeuge, solargetriebene Sportflugzeuge gibt es seit ein paar Wochen.
Die Einschränkung allerdings ist richtig: Luftschiffe lassen sich problemlos solar fahren.

b) Bemannte Raumfahrt funktioniert nicht mit Solarenergie
Preisfrage: Was sind das für schwarze Dinger an der ISS:

Raumstation ISS

Kleiner Tipp: es sind keine Atomreaktoren (wie sollen die im schwerelosen Raum überhaupt funktionieren?)

c) Es gibt Atomflugzeuge
Hmm, vielleicht hat Grammatikou sowas gesehen, fliegt hier in Mönchengladbach ja öfters mal rum:

Boieng 707 AWACS

Auch hier wieder der Tipp: Das da oben auf dem Flieger ist kein Atomreaktor. Das ist eine Radarantenne.

Hinzu kommt noch ein ganz anderes Problem: Nuklearer Brennstoff ist knapp. Sehr knapp. Schon beim aktuellen Verbrauch geht er uns noch dieses Jahrhundert aus – Jahrzehnte bevor die Kohle zur Neige geht.
Davon ab natürlich die Frage, wie ein Atomraumschiff oder -flugzeug eigentlich fliegen soll, ein Atomreaktor an Bord ist da ja eher ungeeignet (schon das Gewicht und die nötige Kühlfähigkeit des Reaktor sorgen dafür, dass Atomenergie mobil bisher nur auf Schiffen genutzt werden kann).
Okay, die Amis hatten in den 50ern mal die Idee, Raumschiffe anzutreben, indem man sie hinten kleine Atombomben auswerfen ließ, auf deren Explosion sie dann vorangetrieben würden (kein Scherz). Aber ich hoffe mal sehr, das ist hier nicht der Leitgedanke der Kolumne.

Bildquellen: Boeing, NASA


Atomkraft und ich

Vorab: Greeen Renaissance hat grade – bis einschließlich morgen – eine Blogparade zum Thema Atomkraft, die mich dazu brachte, diesen Artikel zu verfassen. Wäre schön, wenn noch ein-zwei andere was zum Thema Atomkraft beitragen, wenn sie dies sehen.

Die CASTOR-Transporte gingen 1994 los, da war selbst ich (*hust**röchel*) noch minderjährig und wusste von nichts. Als 12-jähriger war ich fasziniert von Science-Fiction und da gab es auch immer Nukleartriebwerke, Minireaktoren und Sonnenkraftwerke.

Wir befinden uns also im Juni 1994 in Dannenberg im Kreis Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen.
Das Dorf hat grade eine neu gebaute Altstadt bekommen (der böse Shadaik von heute würde jetzt was von ersten Verstrahlungssymptomen schreiben) und der kleine Shadaik erkundet die Welt jenseits des Campingplatzzauns.
Doch etwas war anders.

Die Stadt war fast vollkommen leer, die Läden waren geschlossen.
Gelangweilt fand ich einen Kiosk und darin ein Heft, welches mein Interesse erregte:

Perry Rhodan 1714

Und so begann die erste große Demo gegen den CASTOR-Transport durch den Kreis Lüchow-Dannenberg meine langjährige Leidenschaft für Perry Rhodan.
Erst 2-3 Jahre später erfuhr ich, wieso der Ort damals so leer war. Ich erfuhr von Tschernobyl und Hiroshima, nach und nach vom Streit um das Lager bei Gorleben und den Gefahren der Atomkraft. Dazu trug ironischerweise auch der vierwöchentliche Wissenschaftsteil von Perry Rhodan bei.

Mit dem Lesen der Heftromanserie hörte ich erst so um Heft 2150 auf – fast zehn Jahre später.
Ich möchte behaupten, dass mich die Hefte und Geschichten, aber auch der Umgang der Mainstreammedien und Germanisten/Deutschlehrer mit Heftromanen als „Schundliteratur“ nachhaltig geprägt haben. Es entstand daraus eine Einstellung von „Nur weil ihr es nicht kennt, ist es noch lange nicht schlecht“ – eine Einstellung, die zu einer meiner grundlegenden Überzeugungen wurde, mien Leben, Arbeiten, Denken und meinen Umgang mit Menschen prägen sollte. Eine Einstellung, die mich dazu brachte, meine Ideen auch gegen Widerstände vorzubringen und durchzusetzen zu versuchen. Und die mich letztendlich in die Politik brachte – unter anderem gegen die Atomkraft.

Und so schließt sich ein Kreis: Die Atomkraft machte mich zum SciFi-Freak, die SciFi zum Skeptiker, die Skepsis zum Atomkraftgegner.

Und genau deshalb machen AKW-Demos Sinn: Auch wenn man meint, nichts erreicht zu haben, irgendwas passiert immer, wenn sich soviele Menschen treffen. Und sei es nur, dass ein 12-jähriger Junge im Kiosk ein Heft kauft und Jahre später in die Politik geht – mehr oder weniger zufällig auf der Seite genau jener, die damals demonstriert haben.
Denn eines bewirken Demos immer: Aufmerksamkeit und damit eine Steigerung des Interesses an einem Thema sowie an der Politik. Und nur wenn die Menschen echtes Interesse an den Themen haben, die diskutiert werden, nur dann leben wir wirklich in einer Demokratie.

Bildquelle: Perrypedia


Припять

Припять (Pripjat‘ oder Pripyat) war einst eine der luxuriösesten Städte der Sowjetunion. Mit 50.000 Einwohnern großstädtisch angelegt aber ohne die Probleme einer zu großen Bevölkerung und mit zahlreichen Freizeitstätten ausgestattet ein attraktiver Ort.
Für die Dinge des alltäglichen Lebens war gesorgt darunter Strom. Immehrin hatte man direkt nebenan eine große, von der sowjetischen Politik für absolut sicher befundene Energiequelle: Ein Atomkaftwerk.

Чернобыльская АЭС – AKW Tschernobyl.

Leider konnte ich nicht auf der gestrigen Demo sein, daher sei auf diesem Wege daran erinnert: Heute ist der 26. April.