Nachtrag zur Agrogasanlage

Heute/gestern abend (je nachdem, wann dieser Beitrag fertig sein wird, ich fange grade um 23:15 damit an) haben Bündnis 90/Die Grünen in Wanlo eine Mitgliederversammlung zum Bau einer dortigen Agro-/Bio-/Methangasanlage (Bezeichnung je nachdem,w en man fragt) abgehalten.
Nachdem ich vor der Veranstaltung darauf angesprochen wurde, habe ich überlegt, einen Redebeitrag einzubringen, der sich darauf bezieht. Ich entschied mich dagegen, um den beiden Interessengruppen (Bürgerinitiative Wanlo und Kreisbauernschaft) die Bühne zu überlassen.

Hier nun eine Nachbereitung wie der Beitrag ausgesehen hätte, damit man meine Position (Ich habe wie die meisten Parteimitglieder gegen die Anlage gestimmt, war aber anfangs einer ihrer größten Verfechter bei den Grünen) nachvollziehen kann. Soviel Transparenz muss sein. Weiterlesen »


So sinnlos nicht: Trip zur BGA Wassenberg

Würden Medientheoretiker sich mal nach Gladbach ausrichten, könnten sie derzeit eine Geschichte voller interessanter Prozesse sehen. Es geht um die Biogasanlage bei Wanlo: Wie die NVV da immer nur stückchenweise mit den Daten rausrückt und dadurch die Angst an der Anlage immer weiter schürt, ist ein Spekakel. Andererseits aber auch, wie Informationen aus dritter Hand zu Nachrichten werden.

Konzentrieren wir uns jetzt einmal auf die Dienstreise des Umweltausschusses der Stadt Mönchengladbach zu einer baugleichen ähnlichen anderen Biogasanlage in Wassenberg, die laut NVV angeblich baugleich sein sollte.
Zunächst stand die verständliche Befürchtung im Raum, dies würde eine reine Werbeveranstaltung der NVV werden, wie sie die NVV schonmal gebracht hat, als sie (auf meine Bitte) das Projekt im Umweltausschuss vorstellte und dies dann zu einer sinnlosen Werbeveranstaltung namens „Innovative NVV“ machte, auf die wir hätten verzichten können.
Nun dürfte der NVV inzwischen durch den angemeldeten Beratungsbedarf zur Gründung der Trägerfirma der Anlage klar geworden sein: So einfach kommt sie nicht am Umweltausschuss und den Grünen vorbei.
Das führte dann dazu, dass die Reise nicht annähernd so sinnlos war, wie etwa die Aktion Durchblick MG befürchtet hatte. denn durch die Anlage führte Rainer Sender, der viele durchaus relevante und interessante Informationen preisgeben konnte.

Nun muss man natürlich sehr konzentriert zuhören und den Kontext behalten.
So sagte Sender etwa, man wolle in Wanlo eine zweite Straße errichten [Produktionsstraße, nicht Lieferweg], in der mit „anderen Substraten“ experimentiert würde. Damit bezog er sich auf Grünschnitt, Gras und ähnliche Grünabfälle, welche die normale Maisanlage nicht verarbeiten kann.
Das wurde dann mehrfach verkürzt und nur das „experimentieren“ blieb übrig – zack glaubten einige Leute, sie wären „Versuchskaninchen“, was dann zu einer mE unsäglichen PM der Linken führte, die von „Gewährleistung der Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger von Wanlo“ sprach (vermutlich ist Methan aus Gras nach linker Linker Überzeugung explosiver als Methan aus Mais) – nunja, es ist eben Wahlkampf.
Was hier passiert ist, ist folgendes: Die Verfasserin des Artikels kürzt die Informationen auf das nötige Maß zurück, ein paar Leser nehmen es in dieser verkürzten Form auf und die Verküzung entwickelt dann wieder ein Eigenleben. Und da die Linke bei der Veranstaltung nicht dabei war, weil sie es für eine „Werbetour“ hielt (was es dann aber nicht wurde, auch wenn die Befürchtung verständlich war), muss sie sich auf Informationen aus zweiter oder dritter Hand verlassen.

Andere Informationen sind nicht minder interessant: So stimmen etwa 90% aller Zahlen nicht, die zu dem Thema umhergeschmissen wurden.
Denn die Anlage bei Wanlo soll etwa doppelt so groß werden wie jene in Wassenberg. Das bedeutet: Es werden (rechnerisch) nicht 1600, sondern gut 3000 Haushalte versorgt. Es bedeutet aber auch: Es kommen nicht 1000 Lieferfahrten zusammen, sondern gut 2000 – und somit sind sämtliche beschwichtigenden Verkehrsgutachten der NVV für die Tonne.
Die Anzahl der Fahrten in der Maisernte-Saison ist allerdings abhängig davon, welchen Anteil die Mais/Gülle-Anlage und welchen die Anlage für sonstige Substrate ausmacht – nur wie auch immer, die von der NVV angegebene Zahl an Anfahrten ist auf jeden Fall zu niedrig angesetzt.

Das alles macht zwei Dinge deutlich:
1. Die NVV beschwichtigt offenbar, um die Anlage genehmigt zu bekommen
2. Die Wanloer sind unterdessen wütend genug, auf jedes Reizwort aufzuspringen

Das schadet beiden Seiten: Die NVV schadet mit ihrem unehrlichen Vorgehen ihrem ohnehin angeknacksten Ansehen, die Wanloer verwässern ihr stärkstes Argument (die Verkehrsbelastung) durch unsinnige Nebenschauplätze.
Denn an tatsächlichen Problemen gibt es lokal nur eines: Wie sorgt man dafür, dass der Lieferverkehr in die Anlage (Mais/Gülle) und aus der Anlage (verdelte Gülle) nicht durch den Ort geht? Diese Frage ist wichtig und berechtigt und wenn die nicht hieb- und stichfest beantwortet wird, ist die Anlage an diesem Standort ein Fehler.
Es gibt noch ein paar andere Punkte, aber die sind (abgesehen von der Grundsatzfrage, ob man solche Anlagen überhaupt will) vergleichsweise einfach zu klären.

Übrigens nochmal zum Trip: Ich bin zu der Anlage inzwischen skeptischer eingestellt. Das liegt einerseits an der Art und Weise, wie die NVV versucht, die Entscheidung dazu an den Fachausschüssen vorbeizuschleusen; andererseits aber auch an dieser Dienstreise, bei der einige Widersprüche zu den bisheirgen Behauptungen der NVV klar wurden.
Und eben auch daran, dass die Verkehrsfrage immer noch nicht annähernd geklärt wurde. Was die NVV zu dieser bisher vorgelegt hat, ist einfach nur Müll.


Biogasanlage in Wanlo: Was wir wollen

Diesen Abend haben wir bei den Grünen in der internen Arbeitsgruppe Umwelt und im offenen Arbeitskreis Energie intensiv über die geplante Biogasanlage der NVV nahe Wanlo diskutiert.
Das Folgende stammt aus dieser Diskussion und ist aktuell nicht Beschlusslage der Grünen, sondern nur dieser Gruppen, die das an die Grüne Fraktion weitergeben, welche es dann in der Koalition durchsetzen soll. So, nun zurück zum Text:

Die faktenreiche Diskussion, an der auch Leute aus der Umgebung der Anlage beteiligt waren, war sehr konstruktiv und lief auf folgendes hinaus:

Grundsätzlich
Vieles zur grundsätzlichen Frage wurde bereits gesagt: Die Förderung regenerativer Energien liegt uns am Herzen und Biogas gehört da definitiv zu.
Nicht nur produziert die Biogasanlage Gas (als Energieträger) aus regenerativen Quellen, die produzierte Gülle deckt auch einen Großteil des Düngerbedarfs der bauern ab, die somit weniger Kunstdünger verwenden müssen, was ebenfalls die Umwelt schont. Anders als bisher vermutet stammt ein guter Teil des Maises, der dort vergoren werden soll auch aus Mönchengladbach (genannt wurden Rheindahlen, Holt und Schelsen) und kommt also auch der hiesigen Landwirtschaft zu Gute.
Wanlo ist bereits stark belastet, wer solche Anlagen aber kennt weiss, dass sie keine Belastung darstellen – zumal zwischen der Anlage und Wanlo eine Autobahn liegt, die nun wirklich wesentlich lauter, dreckiger und unansehnlicher ist als eine Biogasanlage.
Sehr wohl eine Belastung entsteht allerdings durch den Lieferverkehr, der daher so wenig wie möglich durch bebautes Gebiet führen sollte.

Forderungen
Wir stellen drei Forderungen an die Anlage:
1. Kein Genmais
Die Verträge mit den Zulieferern müssen klar den Anbau von genmanipuliertem Mais untersagen. Aktuell lässt dieser sich nach Aussage der NVV ohnehin nicht wirtschaftlich anbauen, für die Zukunft wollen wir aber eine fortgeltende vertragliche Verpflichtung gegen Gentechnik haben.
2. Lieferverkehr auf die Autobahn
Es muss sichergestellt sein, dass der Verkehr von und zu der Biogasanlage so weit wie möglich über die nahe Autobahn läuft und nicht durch die nahen Siedlungen Wanlo, Wickrathberg und Hochneukirch.
3. Ausgleichsentlastung für Wanlo
Bei der Vorstellung der Anlage in Wanlo letzte Woche (und später im Fernsehen) wurde die Forderung laut, die NVV solle zum Ausgeich für die weitere Belastung auch etwas für die Wanloer tun. Konkret wurde vorgeschlagen, den Marktplatz vom Busverkehr zu entlasten, indem man die dortige Bushaltestelle versetzt. Wir unterstützen diese Forderung der wanloer Bürger.


Projektidee: Die BPVW

Hin und wieder wird man bei seinen recherchen zu Projekten dann doch positiv überrascht: So stiße ich bei Überlegungen zur Einrichtung einer Biogasanlage in Mönchengladbach auf ein entsprechendes Projekt der NVV AG, eine ebensolche im Industriegebiet Güdderath aufzubauen.
Nur leider scheiterte sie offenbar am Widerstand der benachbarten Einwohner der Gemeinde Hochneukirch im Kreis Jüchen. Sie befürchteten eine verstärkte Geruchsbelästigung durch die Anlage und lehnten sie so in klassischer „Nicht in meiner Nachbarschaft“-Manier ab.
Das klingt dann so:

Den Bau einer Biogas-Anlage am Standort RegioPark durch die NVV lehnen wir ab […] Ansonsten befürworten wir Energiegewinnung aus Biomasse ausdrücklich und sehen darin eine Chance für die landwirtschaftlichen betriebe in der Gemeinde, mittel- und langfristig ihre Existenz zu sichern
– FDP KV Jüchen zur Kommunalwahl 2009

Und jetzt kommt der Clou: Die Anlage hätte die Geruchsbelästigung gemindert, weil das Gärmaterial, darunter Gülle, nun in einem abgeschlossen Tank verrotten statt in irgendwelchen Gülle- und Jauchegruben.
Aber naja.
Die Anlage hätte 2009 in Betrieb gehen sollen, ging sie aber offenbar nicht.

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

Ich weiss nicht, ob die NVV die Anlage nach dieser Niederlage noch weiterverfolgt (will dies aber noch rausfinden).
Mir fiele aber ein Standort ein, an dem ich weniger Widerstand erwarte. Und ein meines Erachtens verbessertes Rohstoffkonzept liefer ich gleich mit.

Mein Konzept, für das ich eigentlich recherchiert hatte, trägt den schönen Namen BPVW (Biogas-Produktions- und Verwertungsanlage Wanlo), weil man in Gladbach gerne Abkürzungen hat (MGMG, WFMG EWMG, NVV, GEM etc. pp.). Der Name deutet auch den neuen Standort bereits an: Wanlo.
Zwar war auch der alte Standort bei Wanlo gelegen, nach der Ablehnung aus Hochneukirch muss aber ein anderer Standort, etwa direkt südlich (wo es durch den Bergbau keine bewohnten Siedlungen mehr gibt) oder östlich (also im Abwind des hier typischen Westwinds), gefunden werden.

Alleridngs hat die Anlage inzwischen ein Kostenproblem: Das ursprüngliche NVV-Konzept sah einen Betrieb mit Mais und Gülle vor. Mais aber muss speziell angebaut werden, ist vergleichsweise teuer und hat einen hohen Flächenbedarf – Deutschland hat aber eher zu viel Ackerland (bzw. zu viel Naturlandschaft fällt dem Ackerbau zum Opfer), dessen Ausweitung nicht Ziel einer nachhaltigen Energiewirtschaft seien kann (vielleicht mit einer vertikalen Farm, aber nicht auf dem freien Feld).
Aber Mönchengladbach ist eine Stadt mit über 260.000 Einwohnern – da fällt etwas ganz anderes an: Abfall. In diesem Fall sind natürlich die Bioabfälle interessant. Die müssen irgendwo hin – und wenn sie schon anfallen, warum dann nicht Gas (bzw. Gas und Heizleistung) und verdelte Gülle daraus herstellen? In geringen Mengen kann eine solche Anlage auch Grünschnitt vetrragen, wie er in Wanlo bereits gesammelt und verwertet wird (deshalb auch dieser Standort).

Abhängig ist das alles natürlich davon, ob die NVV die Anlage in Jüchen nun baut oder nicht (ich werde einfach die Tage mal nachfragen). Denn zwei solche Anlage in unmittelbarer Nähe dürften nicht funktionieren.
Auch müsste für eine Verwertung von Bioabfällen eine Zusammenarbeit mit der GEM erreicht werden. Es bedarf zudem einer Vorsortierung der Abfälle (in der Anlage?), was zwar ein paar (2-3) Arbeitsplätze schaffen dürfte, aber entsprechend auch kostet. Dafür spart man alleridngs einen Großteil der Materialkosten des Mais‘.
Allerdings bietet die Anlage auch große Chancen: Mönchengladbachs Abhängigkeit von der dreckigen Braunkohle, für die ganze Landstriche abgebaggert werden, sinkt ebenso wie der Einfluss von Energiekonzern RWE. Eine größere Anlage könnte Wanlo sogar komplett energieautark machen – ein großer Schritt in eine Zukunft mit dezentral hergestellter, erneuerbarer und kohlendioxidarmer Energie.
Daneben auch eine neue Einnahmequelle für NVV und Stadt und eine klare Standortverbesserung für die Landwirtschaft (die Abfälle einer solchen Anlage sind hervorragender Dünger).

Alternativ kann die Anlage auch mit einer Biogasaufbereitung ausgestattet werden, sodass die NVV in Zukunft einen Teil ihres Treibstoffs (so ihre Fahrzeuge in Zukunft mit Gas fahren) selber herstellen kann.
So oder so: Für Biogas gibt es gute Gründe und für Biomüll bessere Verwendungszwecke als die Halde.

Ich werde jetzt erstmal Informationen zu der alten Planung und dem aktuellen Stand sammeln.