Infelix Austria

Zeit mit Fremdsprachen anzugeben, die ich nicht kann. Oder mit der Fähigkeit, ein Wörterbuch zu benutzen um zu schauen, was das Gegenteil zu „felix“ ist. Oder abeer mich als Nichtjurist mit Rechtsfragen zu beschäftigen, weil sie mich betreffen. Moment, das lässt sich steigern: Mit internationalem Recht, und zwar Steuer- und Verlagsrecht zugleich. Ohne Netz und doppelten Boden!

Österreich hat vorgestern beschlossen, dass sein Buchpreisbindungsgesetz in Zukunft auch für eBooks gilt. Das Gesetz allein scheint recht harmlos zu sein. Albern und ein Rückschritt, wenn man bedenkt, dass eBooks mangels individueller Liefer- und Herstellungskosten keinerlei Preisevorteile für Großkonzerne bieten, aber harmlos.
Man will halt das Kulturgut Buch schützen. Warum man grade dieses Kulturgut schützt und nicht etwa das Kulturgut Film, Musik oder Theater — weiss der Geier. Das ist jetzt nicht das Thema.

Das Thema ist der Widerstreit zwischen Buchpreisbindung und unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen. Ich hatte bereits 2012 darauf hingewiesen, dass dies problematisch sein könnte.
Dazu muss man wissen, dass sich zum 1. Januar die Zuordnung der Mehrwertsteuerschuld beim Verkauf digitaler Waren in Europa ändert. Wurde diese bisher nach dem Sitz des Verkäufers zugeordnet, geschieht dies in Zukunft über den Wohnsitz des Kunden. Das allein bringt schon Probleme mit sich, die ich im August im englischen Blog geschildert habe.

Österreich hat das Ganze für Selbstverleger von einer schwierigen Situation zu einer Katastrophe gesteigert. Wieso? NUn:

1. Unsere eBooks werden in Zukunft in Deutschland und Österreich unterschiedlich besteuert.
2. Bei Amazon funktioniert die Preiseingabe über Angabe des Nettopreises. Österreich und Deutschland werden beide über amazon.de beliefert (amazon.at ist nur eine Maske) und verfügen somit über nur ein Feld für die Preisangabe. Damit bekommen Deutschland und Österreich für Käufe über Amazon unterschiedliche Bruttopreise.
3. Andere Händler wie Apple und die Tolino-Grupppe (Thalia, Weltbild, Buecher.de und weitere) nehmen den Bruttopreis als Grundangabe entgegen und verkauft dadurch an beide Länder zum selben Preis.
4. Das bedeutet, eBooks sind in Österreich (bzw.. für österreichische Autoren in Deutschland) bei verschiedenen Händlern unterschiedlich bepreist. Und das ist nach dem in beiden Ländern vorhandenen und auf deutschsprachige eBooks angewandten Buchpreisbindungsgesetz in beiden Ländern illegal.

Es gibt ein paar wahrscheinlich mögliche Lösungen. Schauen wir mal:
a) Nicht mehr bei Amazon verkaufen – angesichts der Bedeutung von Amazon die schlechteste Option
b) Exklusiv bei Amazon verkaufen – das wird wohl die häufigste Reaktion, da Amazon der mit Abstand am einfachsten zu erreichende Verkäufer ist. Na, das Gesetz schützt den Buchhandel ja toll, liebe Österreicher!
c) Über Distributoren verkaufen – das bedeutet natürlich zusätzliche Umsatzeinbußen durch den Anteil, den der Distributor für seine Dienste vom Buchpreis nimmt, ist aber wohl die beste Option. Das Problem der Preisangleichung liegt dann bei den Distributoren.
d) Amazon mit einer separaten Ausgabe für Deutschland oder Österreich beliefern, die einen an die Steuersätze des anderen Landes angepassten Nettopreis erhält. Der konkrete Prozess ist einigermaßen kompliziert, ausserdem hat man dann jedes eBook zweimal zu verwalten.

Und dann ist da noch das Problem des Verkaufs deutschsprachiger Werke bei Händlern, die nicht originär in Euro arbeiten, also etwa Smashwords und Lulu. Diesen Sonderaspekt werde ich gar nicht erst anpacken, aber wer eine Promotion in internationalem Recht schreiben will, darf sich gerne herausgefordert fühlen.

Und erneut ist selbstverlegen von eBooks in Europa komplizierter geworden, als unbedingt nötig. Und gleichzeitig wird die Marktmacht von Amazon weiter gestärkt, indem man den Autoren einen neuen Grund gibt, Amazon exklusiv mit Inhalten zu beliefern.
Aber um das zu wissen, hätte der österreichische Bundestag ja einen Selbstverleger als Experten einbestellen müssen. Oder wenigstens jemanden, der sich damit auskennt. Aber seit wann bestellt man in Parlamenten Experten, die tatsächlich wissen, wovon sie reden, wenn man doch ein hübsches Gesetz einführen will, mit dem man das ebenfalls nicht aus Experten bestehende Volk erfreuen kann?


eBooks und das liebe Geld

Oder das böse Geld, je nachdem wie ihr das eben haltet, das ist ja trotz aller römischen Kloweisheiten immer noch eine strittige Frage. So oder so ist die Frage der angemessenen Bezahlung eine der größten unter eBook-Autoren und auch eine der unbeantwortetsten (ja, ich weiss, dass man das nicht steigern kann, ich ignoriere es lediglich um einen halbwegs graden Satz bauen zu können ohne eine Klammer einfügen zu müssen, die mehr als eine komplette Zeile lan… ach, Mist).

Ich muss ehrlich sagen, dass die Frage für mich nur in geringem Maße eine ist. Ich verlange einfach, was ich bezahlen würde. Diesen Sinn habe ich über Jahre durch Flohmarktbesuche geschärft, was ich jedem empfehlen kann, der Preisfindung für Objekte ohne festen Warenwert trainieren will. Also: Indie-Autoren, geht auf den Trödelmarkt. Mindestens einmal auf jeder der beiden Seiten des Tisches (oder Teppichs, oder Anhängers, oder was auch immer als Verkaufsfläche dient). Dort kann man dann lernen, was die Dinge den Leuten wirklich wert sind statt was die Hersteller ihrerseits gerne dafür verlangen. Grade bei Kultur (sprich: Büchern, aber auch Filmen, weniger bei Videospielen) ist die Differenz zuweilen enorm. Mein Preismuster, eBooks im Bereich von 0,89 bis 4,99 € anzubieten und alle Preise darüber nur für wirklich, wirklich verdammt gute Autoren sowie einige Sachbücher mit ausreichend hohem Informationsgehalt gelten zu lassen kommt aus diesen Erfahrungen in der Frage, was den Leuten ein Buch wirklich wert ist.

Nun höre ich bereits den Aufschrei, für eine solche mit Herzblut über Monate wenn nicht Jahre geschriebene Arbeit wie den eigenen Roman könne man nie im Leben so wenig Geld verlangen. Dem liegen mE zwei fehlerhafte Wahrnehmungen zu Grunde:

  1. Der Preis wird vom Autoren am Einzelexemplar beurteilt
  2. Der Preis wird mit gedruckten Büchern verglichen ohne zu sehen, wieso diese eigentlich so teuer sind

Und weil da jetzt schon niedliche kleine Zahlen davorstehen fang ich mit dem ersten Punkt an. Ist auch kürzer anzugehen:
Beim Schreiben des Buches entsteht nur einmal Arbeitsaufwand, weitgehend unabhängig davon, wie oft sich das Buch verkauft. Ich sag „weitgehdn“, weil Marketing ja durchaus einen Einfluss hat, aber auch dieser Aufwand und diese Kosten fallen nur einmalig an und sind zudem freiwillig. Die zentrale Leistung beim Schreiben ist das Schreiben und das ist in der Regel abgeschlossen, sobald das Buch raus ist.
Der Verdienst aber fällt jedes Mal an, wenn ein Exemplar verkauft wird. Der Autor lebt nicht von den Tantiemen eines Buches, sondern von den Tantiemen seiner Gesamtauflage. Diese sind für den Autoren ausschlaggebend. Wofür das Buch beim Kunden landet kann ihm relativ egal sein, worauf es ankommt ist, den Preis so einzustellen, dass ein möglichst hoher Betrag bei ihm ankommt – dazu kann es eine bessere Strategie sein, viele Exemplare billig zu verkaufen als wenige oder gar keine teuer (muss aber nicht). Der einzige, für den der Preis eines Einzelexemplars eine entscheidende Rolle spielen sollte ist der Leser.

Die zweite Wahrnehmung gründet einfach darin, dass der Durchschnittskunde nicht weiss, welche Kosten alle in ein Buch einfließen. Es sind ja nicht nur Druck, Marketing, Verkauf, Steuer und Lektorat. Nein, viel wichtiger ist das aufgeblähte Management, das auf jeder dieser Ebenen verdient. Verlagshäuser sind riesige Wirtschaftsunternehmen mit eigenen Anwälten, Steuerberatern, Handelsvertretern, Organisatoren, Werbeleuten usw. usf. Der Buchhandel nimmt sich vom Preis mal eben 50-60% vom Ladenpreis, die sich Grossist und Buchladen teilen. 5% Druckerei, 7% Mehrwertsteuer, etliches an Kleinkram… am Ende erhält der Autor zwischen 8 und 12% vom Preis des Buches (in der Regel 8%, bewährte Autoren 10%, Bestseller bis zu 12%). Und selbst wenn die Verlage wollten, könnten sie nicht mehr bezahlen, denn sie haben ihre eigene Verwaltung und den ganzen Arbeitnehmerapparat zu bezahlen. Deshalb ist auch Imre Töröks Forderung, die Verlage sollten Autoren fair bezahlen unsinnig – die Verlage könnten die Autoren nicht einmal fair bezahlen ohne damit Harakiri zu begehen, wenn sie wollten.
Indie-Autoren haben diesen ganzen Überbau nicht. Und das macht einiges aus: Verkauft ein Indie-Autor ein Exemplar eines Buches für 2,99 €, hat er davon etwa 2 € Einkünfte. Für die selben Einkünfte müsste ein verlagsgebundener eBook-Autor (der etwa 20-25% des Verkaufspreises erhält) ein Buch für etwa 8-10 € verkaufen, der Verfasser eines Printbuches muss dem Kunden dafür 20 € abnehmen. Oder kurzgefasst: Aus Autorensicht entspricht ein Verkauf eines eBooks für 3 € dem Verkauf eines normalen Buches für 20 €. Die Einkünfte aus einem eBook für 9,99 € entsprechen denen aus einem Papierbuch für etwa 70-80 €.
Ich bin der festen Überzeugung, wer meint, eBook-Preise seien zu gering weiss mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, wie wenig Autoren eigentlich an einem klassisch verlegten Buch verdienen. Wenn gleichzeitig Autoren mehr Geld verdienen können und Leser dafür weniger Geld ausgeben müssen, dann nenne ich das eine Win-Win-Situation, die zu bekämpfen keine gute Idee wäre. Klar, die großen Verlierer hierbei sind die plötzlich ausserhalb des Spiels stehenden Verleger, die vom notwendigen Mittelmann zu jemandem geworden sind, der beim Kontakt zum Kunden nur noch im Weg steht. Ich glaube aber, dass mit der Unabhängigkeit der Autoren mehr gewonnen ist als durch den Untergang des Verlagswesens verloren geht. Kulturell wie auch was Arbeitsplätze angeht (das Management wird arbeitslos, dafür können dank höherer Einkünfte künftig deutlich mehr Autoren vom Schreiben leben).

Und das ist, in einem Beitrag, weshalb ich es nicht verstehe, wenn selbstverlegte Autoren sich über zu niedrige eBook-Preise aufregen.
Es gibt noch einige zusätzliche Fragen, die da rein spielen, etwa die sozialpolitische Frage nach dem Zugang zu Wissen und Kultur für einen möglichst breiten Bevölkerungsanteil. Aber das ist nochmal eine andere Diskussion.

Nachtrag für FeministInnen, Feminist_innen usw.: Ja ich weiss, dieser Text ist nicht gegendert. Sind meine Texte fast nie, aber normalerweise tauchen in meinen Texten auch keine Berufsbezeichnungen in solcher Dichte auf. Daher ein paar vorläufige Sätze hierzu: Ich halte es – da bin ich mit den russischen Feministen einig – für diskriminierend, männliche und weibliche Autoren (oder sonstige Berufsstände) sprachlich zu unterscheiden. Ich überlege daher derzeit, einfach die Berufsbezeichnung mit dem Artikel „das“ zu verwenden, das ergibt nicht annähernd so üble grammatisch-orthografische Verrenkungen wie der ganzen „-innen“-Quatsch. Manchmal merkt man mir den Sprachwissenschaftler halt doch an. Dazu mehr, wenn ich mir eine abschließende Meinung dazu gebildet habe.


eBook-Land Woche 21

Bücher im Verkauf: 4 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 66,44 € | Händler: 6

In eigener Sache
Heute also ist mein Angebot klassischer SF-Romane um ein weiteres Buch gewachsen, denn Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 001: Der Beherrscher des Luftmeeres ist seit heute für 0,89 € bei Amazon erhältlich. Wie in dem letzten Blogbeitrag vor diesem erwähnt habe ich dabei auch mein Vorgehen bei der Konvertierung ins eBook-Format gewechselt: Statt meine Textverarbeitungssoftware eine html erzeugen zu lassen mache ich das jetzt von Hand und kopiere dabei den Text kurzerhand rüber, nachdem ich ihn in der Textverarbeitung aufgeschrieben habe. Das ist ein wenig aufwendiger, führt aber zu saubereren Ergebnissen im schlussendlich erzeugten Code.
Die Umstellung ist dabei relativ gering – all zu viel Raum nimmt der Code neben dem sichtbaren Text nicht ein und da ich schon die zweite und auch die kommende dritte Auflage von Dieses Cover ist Müll! direkt im Code bearbeite hab ich mich ohnehin dran gewöhnt.
Was mich dabei jetzt ein wenig annagt ist, dass von den vier Titeln, die ich bis jetzt rausgebracht habe nur einer von mir ist. Das gefällt mir ganz einfach nicht, also werde ich etwas dagegen tun: Ich widme mich diese Woche gezielt der Fertigstellung der dritten Auflage von Dieses Cover ist Müll und direkt danach von Feuchten Fußes. Feuchten Fußes, ebenso wie sein schon geplanter Nachfolger Schwarzer Schwinge, wird ein für mich persönlich interessantes Experiment, da es sowohl ein Sachbuch als auch eine Kurzgeschichte ist. Es gehört in das kleine Genre der Xenofiction, Geschichten mit nichtmenschlichen Hauptfiguren, ein Genre, das mich seit meiner Kindheit fasziniert hat. Die erste Hilfe bietet dabei eine Geschichte um die Lebewesen, die auf der Schwelle zum jeweiligen evolutionären Durchbruch (Schritt an Land, Entstehung der Vögel) stehen, die andere Hälfte liefert die wissenschaftlichen Fakten dazu. Ich bin gespannt, wie das Ergebnis, das hoffentlich nächste Woche endlich fertig ist, ankommen wird.
Gleichzeitig stelle ich meine Romanprojekte erstmal zurück. Ich werde etwas hinzufügen, wenn es mir spontan einfällt und lohnend erscheint, aber ich werde die Romane (Castor, Sünde, Neanderthalensis) vorerst warten lassen. Sie brauchen einfach zu lange und ich denke es ist momentan eine bessere Idee, einen Grundstock aufzubauen, um dann mit mehr Ruhe an diese Werke gehen zu können. Statt dessen konzentriere ich mich auf die Sachbücher und kurze Formate wie eben die Reihe Meilensteine der Evolution, da diese in kürzerer Zeit schreibbar sind. Vergessen werde ich die Romane aber mit Sicherheit nicht – sie sind immer noch das große Ziel meines Schreibens. Die Übung, die ich durch die vorgezogenen Projekte erhalte tut ihnen vielleicht sogar ganz gut. Insbesondere hinter Neanderthalensis steht eine Idee, die von einem erfahreneren Schreiber besonders profitiert.

Aus der Szene
Während in der Schweiz eine Volksabstimmung die Buchpreisbindung endgültig abschafft agiert auch die deutsche Bundesregierung in Sachen eBook-Preise – indem sie eine ermäßigte Mehrwertsteuer und somit Gleichstellung mit Printbüchern klar verneint. Mit einer Begründung, die sich herunterbrechen lässt auf „Woll’n wir halt nicht“. Wahrscheinlich soll sich das Hotelsteuer-Debakel nicht wiederholen.
Unterdessen hat die Welt Spass mit falschen Übersetzungen von juristischen Fachbegriffen und macht aus einer Beschwerde gegen Preisabsprachen der Verlage untereinander und mit Apple einen Angriff auf die Buchpreisbindung in Deutschland. Schön wär’s.
Apropos Welt. Die gehört ja zum Axel-Springer-Konzern, der sich erst letzte Woche in Begleitung einiger anderer Verlage das Leistungsschutzrecht erkämpft hat. Bereits am nächsten Tag wird ihnen plötzlich klar, dass das eine ziemlich schlechte Idee für einen Verlag sein könnte, der regelmäßig anderswo abschreibt und kommt für Twitterer kurzerhand zu der Lösung, diese per Dreifachraute ihre Leistungsschutzrechte abtreten zu lassen. Wer braucht bei sowas noch Satire?
Und nun zu etwas völlig anderem: Google verschmilzt seine Medienplattformen und somit haben wir inzwischen Google Play. Unterschiede zu bisher sind mir soweit keine aufgefallen, es gibt nur ein paar neue technische Probleme. So erscheint etwa beim Versuch, meine Sammlung zu sehen die Fehlermeldung „We’re sorry, the document you requested is not available in your country.“. Wohlgemerkt bei meiner Büchersammlung, nicht bei einzelnen Büchern in meiner Sammlung.


Yogeshwars 10 Gebote

Ranga Yogeshwar war also im Landtag als Experte für eBooks eingeladen. Mir ist nicht wirklich klar warum. Von den 37 Ergebnissen für seinen Namen im Amazon-Buchbereich sind nur 3 eBooks. Dazu kommt noch eine iOS-App, ein in der Branche nach seiner von heftigem Tamtam begeleiteten Veröffentlichung schnell vergessenes Werk mit eher durchwachsenen Kritiken bei den wenigen, die es ernsthaft beachtet haben. Und zudem mehr eine Lehr-App ist als dass sie irgendetwas mit einem Buch (ob nun digital oder papiern) zu tun hätte. In der Szene ist Herr Yogeshwar ansonsten eher negativ aufgefallen.
Wie dem auch sei, Herr Yogeshwar war also im Kulturausschuss des Landtages. Und durfte dort als Experte für eBooks auftreten. Neben so angeschimmelten Allgemeinplätzchen wie „wir müssen das Kulturgut Buch schützen“ gab es da auch konkretes. Und damit beende ich die leicht anpolemisierte Einleitung und gehe über in die Sachdiskussion. Schauen wir uns die 10 Punkte doch einfach mal an, die Yogeshwar als Forderungen einbringt:

  • Grenzüberschreitende Buchpreisbindung auch für E-Books.

Auf den Punkt „Grenzüberschreitend“ komme ich an einem späteren Punkt zurück, hier gehe ich erstmal nur auf die Buchpreisbindung ein.
Zunächst einmal sei ein grundlegendes Missverständnis geklärt: Ja, die Buchpreisbindung schützt ein Kulturgut. Aber dieses Kulturgut ist keineswegs das Buch. Das Buch als Medium und auch als Produkt hat keinen Vorteil davon, zu einem für alle Händler festgelegten Preis verkauft zu werden. Ganz im Gegenteil, es verhindert (gewollt) Sonderangebote und Preissenkungen seitens der Händler und führt so zu einem hohen Preis. Hohe Preise aber, so lehrt uns die Marktwirtschaft, verringern die erreichbare Kundschaft. Kurzgefasst: Wenn Arbeitslose zur bildungsfernen Schicht werden liegt das (auch) daran, dass sie sich dank Buchpreisbindung keine Bücher leisten können. Denn Bücher sind teuer und jeder Wettbewerb, der dies ändern könnte, wird gesetzlich unterbunden.
Das Kulturgut, das die Buchpreisbindung schützt, ist die Buchhandelslandschaft.
Dazu ein kleiner Ausflug: Die Buchpreisbindung wurde eingeführt, um den billigen Versandbuchhandel zu unterbinden, der sich um die Jahrhundertwende herauszubilden begann. Damals boten Versandhändler Bücher zu Schleuderpreisen an, indem sie große Kontingente zu entsprechenden Nachlässen einkauften, zusätzlich am Personal sparten (hier sind Versandhändler immer im Vorteil gegenüber Einzelhändlern) und die Einsparungen zu großen Teilen an die Kunden weitergaben. Um diese Praxis zu unterbinden und den Buchhandel vor Ort zu schützen vereinbarten die Verlage, für alle Händler verbindliche Preise festzulegen. Kulturpolitisch hatte das durchaus einen Sinn: Die Buchhändler boten Kunden direkte Beratung und fungierten als Werber für die Angebote der Verlage. Zudem standen sie im damals noch sehr stark ausgeprägten elitistischen Kulturbild für eine Art „Kulturerziehung“ – eine Idee, die bis heute nachwirkt.
Was die Buchpreisbindung letztlich also entfernt ist die Weitergabe eines Kostenvorteils der Großhändler an die Kunden. Übrigens wenig erfolgreich: Große Versandhändler wie Bertelsmann und Weltbild wurden kurzerhand zu Verlagen und brachten verbilligte Lizenzausgabe und später auch eigene Programme auf den Markt. Die Buchpreisbindung ist im Grunde also der wohl erfolgreichste Misserfolg der deutschen Wirtschaftsgeschichte.
Auf den eBook-Markt lässt sich diese Idee aus einem ganz einfachen Grund nicht übertragen: Großhändler haben keine oder bestenfalls marginale Kostenvorteile. Es gibt keine Händlerrabatte und die Kosten für Vertrieb und Verkauf bewegen sich (höchstens) im einstelligen Cent-Bereich. Wo aber ohnehin alle Marktteilnehmer die selben Möglichkeiten haben besteht kein Grund, eine solche Chancengleichheit herzustellen. Eulen nach Athen, und so…

  • Nur offene Reader, keine geschlossenen Systeme.

Hier mangelt es erheblich an einer Definition von „offen“ und „geschlossen“, aber vielleicht hat Yogeshwar das im Ausschuss ja genauer ausgeführt. Das einzige nach meinem Verständnis geschlossene System hat momentan Apple mit seinem App-Store (allerdings nicht mit iBooks). Also genau jenes System, welches Yogehswar selbst mit seinem epedio-Projekt exklusiv bedient.
Die anderen beiden großen Systeme, Kindle und ePub, bieten allen Nutzern die Möglichkeit, eigene Inhalte sowie kostenlos erstellbare Dateien aus anderen Quellen hinzuzufügen und zu exportieren, auch wenn das im Falle des Kindle nur von wenigen Händlern angeboten wird.

  • Mehrwertsteuer sollte sich nach dem Bestimmungsland richten.

So, jetzt kommen wir zum Punkt „Grenzüberschreitung“.
Kurz: Das geht so nicht. Entweder richtet sich meine Mehrwertsteuer nach dem Bestimmungsland. Das würde mich als Verleger dazu zwingen, für jeden Markt einen der jeweiligen Mehrwertsteuer angepassten Endpreis festzulegen, damit ich im Export in Länder mit deutlich höherer Umsatzsteuer keinen Verlust mache. Das gibt es bereits, etwa bei Zeitschriften und ist einer der Gründe, warum auf dem Spiegel so viele unterschiedliche Preise stehen.
Oder ich lege einen grenzüberschreitenden Preis fest, der muss dann aber mit dem höchsten Mehrwertsteuersatz gebildet werden, was die Buchpreise aufgrund der hohen Sätze in Skandinavien (wo durchaus auch viel deutsch gelesen wird) sofort um 10% erhöhen würde.
Es sollte auch angemerkt werden, dass Yogeshwars Forderung auf europäischer Ebene bereits erfüllt wurde, die entsprechende EU-Richtlinie tritt am 1. Januar 2015 in Kraft.

  • Agency-Modell und kein Wholesale Store (d.h. Verlage bestimmen Bedingungen des E-Book-Verkaufs, nicht der [Online]-Großhandel).

Das nennt man auch Buchpreisbindung und warum Yogeshwar diese gleich zweimal benennt, ist mir schleierhaft. Vielleicht, weil 10 so eine schöne runde Zahl ist, keine Ahnung.

  • Preisgestaltung liegt ausschließlich bei den Verlagen.

Okay, er nennt die Buchpreisbindung dreimal. Ich weiss, Redundanz ist in der Wissenschaft beliebt, insbesondere wenn man vorträgt. Dennoch ist sie überflüssig.

  • Online-Plattformen/Händler unterliegen verbindlichen Transparenzregeln.

Nix zu mäkeln, das klingt erstmal nicht schlecht.

  • Für alle E-Book-Anbieter gilt nationales (deutsches) Recht.

Neokolonialismus? Oder einfach nur eine unsauber formulierte Forderung? Stand der Dinge jedenfalls ist in der Praxis: Für alle .de-Domains und hauptsächlich auf den deutschen Markt ausgerichtete Anbieter gilt deutsches Recht. Das ist geübte Praxis in diversen Rechtsbereichen, vor allem aber im Verlagsrecht (Stichworte Impressumspflicht und Strafbarkeit von Inhalten).

  • Datenschutz des Lesers muss gewahrt werden: Lesedaten dürfen nicht verwertet werden.

Ich muss ehrlich zugeben nicht zu wissen, was er damit meint. Was sind „Lesedaten“?

  • E-Books können über ein Vouchersystem (Gutscheine/Belegsystem) auch im stationären Buchhandel angeboten werden.

Meinetwegen. Und was hat der Gesetzgeber damit zu tun? Das ist doch wohl Sache der Händler, sowas zu organisieren.
Davon ab krieg ich beim Rewe um die Ecke problemlos Gutscheine für buch.de, iTunes und Amazon sowie weitere Onlinehändler, deren Name mir grade nicht einfällt und die ich nicht nachschauen kann, weil grade Sonntag ist und mein Rewe somit zu hat.

  • Store hat kein formales oder inhaltliches Mitspracherecht.

Was zunächst gut klingt ist eine ernsthafte Einschränkung der Handelsfreiheit. Jeder Händler darf sich das von ihm angebotene Sortiment selbst auswählen. Das ist das eine. Das mag jetzt arg handelsfreundlich klingen, aber: Händler müssen Titel wegen inhaltlicher Bedenken (Pornografie, Gewaltverherrlichung etc.) aus ihrem Angebot entfernen können.
Ein Sonderproblem sind hier auch Nischenhändler und Selbstverlage: Wenn ich meine Bücher über meine eigene Webseite verkaufe, müsste ich dann zur Erfüllung von Yogeshwars Forderung auch jedes andere in Deutschland verfügbare eBook anbieten? Muss ein Händler für Kinderbücher einen Titel wie ChefSekretärin – … fick mich härter! führen? Man stelle sich ein solches Szenario mal im restlichen Kulturbetrieb vor: Jedes Kino müsste jeden Film zeigen, jedes Theater jedes mögliche Stück aufführen und auf Rammsteins Aufführung von Britney Spears‘ One More Time bin ich auch schon sehr gespannt. Okay, streicht das letzte, das könnte verdammt gut werden. Ich will Till Lindemann „Hit me Baby one more time“ grummeln hören. Jetzt!

Alles in allem zeugt Yogeshwars Katalog vor allem davon, dass er vom eBook-Phänomen nur oberflächlich und von der relevanten Gesetzgebung sowie ihrer Geschichte gar keine Ahnung hat. Die Vorschläge sind wenig durchdacht und hätten vor Veröffentlichung dringend eines Lektorates sowie zusätzlicher Recherche bedurft, wovon auch zeugt, dass der erste, vierte und fünfte identisch sind. Mehrere seiner Forderungen sind bereits umgesetzt und daher überflüssig.


Buchpreisbindung en detail

Vorabhinweis: Obwohl ich mich bei einigen befreundeten Juristen informiert habe kann der folgende Text eine individuelle Rechtsberatung durch einen examinierten Juristen nicht ersetzen. Ich bin kein Rechtsanwalt. Ohnehin ist jede rechtliche Einschätzung vorbehaltlich einer richterlichen Entscheidung zum Thema.

Eigentlich wollte ich heute ja auf das Jahr 2011 zurückblicken, aber das mach ich dann morgen. Jetzt erstmal zum Problemfall amazon.de, eBook-Verlagswesen und die luxemburgische Mehrwertsteueränderung 2012.
Inzwischen dürften es die meisten mitbekommen haben: Luxemburg ändert die Mehrwertsteuer. Konkret werden eBooks in Zukunft nicht mehr mit dem vollen Satz (15%) besteuert, sondern dem reduzierten Satz der gedruckten Bücher (3%) gleichgestellt. Deutsche eBook-Autoren betrifft das aufgrund einer Kombination von zwei Faktoren:

  1. Amazon.de sitzt in Luxemburg, weshalb für die Verkäufe der dortige Mehrwertsteuersatz gilt
  2. Amazon.de verkauft an Deutsche, weswegen das hiesige Buchpreisbindungsgesetz (BuchPrG) gilt

Amazon weiss das auch, die haben genug Anwälte, um auf sowas ein Auge zu halten. Das Resultat deren Tätigkeit war dann diese Mail hier, die vorgestern an alle europäischen KDP-Autoren ging:

Guten Tag,

Wie Sie wissen, beinhaltet der von Ihnen für Ihre Bücher übermittelte Listenpreis keine Mehrwertsteuer und wir fügen die Mehrwertsteuer zum Buchpreis hinzu, sofern diese anfällt. Zum 1. Januar 2012 wird sich der Mehrwertsteuersatz, der von uns zu Ihrem auf den EU Webseiten verkauften Buch hinzugefügt wird, von 15% auf 3% ändern.

Wenn Sie den Listenpreis Ihres Buches aus irgendwelchen Gründen -¬ zum Beispiel um gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich eines einheitlichen Buchpreises nachzukommen – verändern wollen, dann können Sie dies jederzeit in Ihrem KDP Konto veranlassen.

Bei Fragen kontaktieren Sie uns unter https://kdp.amazon.com/self-publishing/contact-us

Vielen Dank für die Verwendung von Amazon KDP.

Freundliche Grüße,

Kindle Direct Publishing
http://kdp.amazon.de
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Das ist… dürftig.
Anstatt klipp und klar zu sagen, wer welche Bücher wann anpassen muss wird kurz darauf hingewiesen, dass es in einigen Ländern möglicherweise eine Buchpreisbindung gibt, an die man möglicherweise seine Buchpreise anpassen muss. Was okay gewesen wäre, hätten wir die Mail vor einem Monat erhalten und damit genug Zeit gehabt, uns zu informieren und gegebenenfalls einen Anwalt zu sprechen (und einen Anwalt zu Verlagsrecht muss man erstmal finden, das ist eine eher exotische Spezialisierung).

Nun denn, die Kurzfassung: Angepasst werden müssen alle auf amazon.de verkauften deutschsprachigen eBooks von in Deutschland lebenden Verlegern (einschließlich Selbstverlegern), egal ob sie eine ISBN haben oder nicht.

Und jetzt die Langfassung.
Das Gesetz über die Preisbindung für Bücher ist ein relativ kurzes Gesetz. 11 Paragraphen, die meisten nur einen Absatz oder zwei lang. Hier ist der gesamte Gesetzestext zum Nachschlagen auf der Seite des Bundesjustizministeriums. Sollte jeder, der in Deutschland selber Bücher verlegt gelesen haben. Österreich hat ein ähnliches Gesetz, aber von österreichischer Rechtssprechung habe ich schlichtweg keine Ahnung, daher beschränke ich mich auf das deutsche Gesetz. Die Schweiz hat die Buchpreisbindung 2007 abgeschafft und diese Entscheidung diesen Herbst in einem Volksentscheid bestätigt.
Korrektur, 1. 1. 2012: Ob die Schweiz die Preisbindung wieder einführt, wird im März durch ein referendum entschieden. Vielen Dank für den Hinweis an David Herzog.

Also, graben wir uns ein:

Zuständigkeit für eBooks

§ 2 Anwendungsbereich
(1) Bücher im Sinne dieses Gesetzes sind auch
  1. Musiknoten,
  2. kartographische Produkte,
  3. Produkte, die Bücher, Musiknoten oder kartographische Produkte reproduzieren oder substituieren und bei Würdigung der Gesamtumstände als überwiegend verlags- oder buchhandelstypisch anzusehen sind sowie
  4. kombinierte Objekte, bei denen eines der genannten Erzeugnisse die Hauptsache bildet.

(2) Fremdsprachige Bücher fallen nur dann unter dieses Gesetz, wenn sie überwiegend für den Absatz in Deutschland bestimmt sind.
(3) Letztabnehmer im Sinne dieses Gesetzes ist, wer Bücher zu anderen Zwecken als dem Weiterverkauf erwirbt.

Wichtig ist hier Nummer drei in Absatz 1.
eBooks gelten laut Börsenverein des deutschen Buchhandels als „Produkte, die Bücher […] substituieren“. Interessant ist auch Absatz 2: Fremdsprachige Bücher, die nicht primär für den deutschen Markt bestimmt sind, sind von der Buchpreisbindung ausgenommen.
Um mich mal als Beispiel herzunehmen: Das bedeutet, dass mein deutschsprachiges Buch Dieses Cover ist Müll von diesem Gesetz betroffen ist, die von mir verlegten englischsprachigen und nicht auf den deutschen Markt ausgerichteten Romane Armata von Thomas Erskine und The Last American von John Ames Mitchell dagegen nicht.

Zuständigkeit für Amazon.de

§ 4 Grenzüberschreitende Verkäufe
(1) Die Preisbindung gilt nicht für grenzüberschreitende Verkäufe innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes.
(2) Der nach § 5 festgesetzte Endpreis ist auf grenzüberschreitende Verkäufe von Büchern innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes anzuwenden, wenn sich aus objektiven Umständen ergibt, dass die betreffenden Bücher allein zum Zwecke ihrer Wiedereinfuhr ausgeführt worden sind, um dieses Gesetz zu umgehen.

Einige Kommentatoren gehen davon aus, das Gesetz gelte für amazon.de nicht, da die Firma in Luxemburg sitzt. Das Problem hierbei ist, dass Amazon zwar als luxemburger Unternehmen gilt (was für die Mehrwertsteuer im Versandhandel maßgeblich ist), die Verkaufsplattform amazon.de als .de-Domain hingegen als deutscher Händler (was für die Buchpreisbindung maßgeblich ist). Zumindest ist das die Praxis, wie im Jugendschutz mit .de-Domains verfahren wird, im Verlagsrecht gibt es da meines Wissens noch keine Fälle.
Das wiederum bedeutet, dass der Verkauf bei amazon.de als Wiedereinfuhr gilt. Eine potenzielle Gesetzeslücke, die dem Gesetzgeber bei der Formulierung des BuchPrG offensichtlich völlig bewusst war und gar nicht erst offen gelassen wurde.

Ausnahmefall: Aufhebbarkeit der Preisbindung

§ 8 Dauer der Preisbindung
(1) Verleger und Importeure sind berechtigt, durch Veröffentlichung in geeigneter Weise die Preisbindung für Buchausgaben aufzuheben, deren erstes Erscheinen länger als 18 Monate zurückliegt.
(2) Bei Büchern, die in einem Abstand von weniger als 18 Monaten wiederkehrend erscheinen oder deren Inhalt mit dem Erreichen eines bestimmten Datums oder Ereignisses erheblich an Wert verliert, ist eine Beendigung der Preisbindung durch den Verleger oder Importeur ohne Beachtung der Frist gemäß Absatz 1 nach Ablauf eines angemessenen Zeitraums seit Erscheinen möglich.

Die Buchpreisbindung gilt nicht ewig. Eine Preisänderung ist nach 18 Monaten möglich. Andere Ausnahmen (Verramschung, Eigenbedarf, gebrauchte Bücher etc.) existieren zwar, sind aber alle für eBooks soweit ich das sehen kann nicht relevant.
Das Interessante hier ist: Bücher, die schon länger als 18 Monate im Verkauf sind, müssen nur angepasst werden, wenn sie auch bei anderen Händlern als amazon verkauft werden, da eine Preisänderung nach diesem Zeitraum ohnehin zulässig ist. Entweder bei allen auf den neuen amazon-Preis oder bei amazon auf den Preis, den es bei den anderen Händlern kostet. Die Preisänderung direkt beim Händler ist eine „Veröffentlichung in geeigneter Weise“. Da das Buch allerdings überall gleich kosten muss ist es hier wichtig, keinen zu übersehen.

Was wird eigentlich festgesetzt?
Hier wird es gemein: Der bei amazon festgesetzte Preis ist nicht der Preis, den man laut BuchPrG festlegen muss, denn dieser enthält explizit auch die Mehrwertsteuer:

§ 5 Preisfestsetzung
(1) Wer Bücher verlegt oder importiert, ist verpflichtet, einen Preis einschließlich Umsatzsteuer (Endpreis) für die Ausgabe eines Buches für den Verkauf an Letztabnehmer festzusetzen und in geeigneter Weise zu veröffentlichen. Entsprechendes gilt für Änderungen des Endpreises.
(2) Wer Bücher importiert, darf zur Festsetzung des Endpreises den vom Verleger des Verlagsstaates für Deutschland empfohlenen Letztabnehmerpreis einschließlich der in Deutschland jeweils geltenden Mehrwertsteuer nicht unterschreiten. Hat der Verleger keinen Preis für Deutschland empfohlen, so darf der Importeur zur Festsetzung des Endpreises den für den Verlagsstaat festgesetzten oder empfohlenen Nettopreis des Verlegers für Endabnehmer zuzüglich der in Deutschland jeweils geltenden Mehrwertsteuer nicht unterschreiten.
[…]

Das heisst: Hat ein Buch zuvor inklusive Mehrwertsteuer 3,99 € gekostet, muss es auch weiterhin inklusive Mehrwertsteuer 3,99 € kosten. Das bedeutet, der in diesem Beispiel bei amazon festgelegte Preis ohne Mehrwertsteuer muss von 3,47 € auf 3,87 € geändert werden.
Ausschlaggebend ist, dass der Preis, den der Kunde letztendlich bezahlt, identisch bleibt. Kurz mal die beliebtesten eBook-Preise und wie sie in Zukunft bei amazon festgelegt werden:
Endpreis 0,99 € Alt: 0,86 € Neu: 0,96 €
Endpreis 2,99 € Alt: 2,60 € Neu: 2,90 €
Rechenmethode: (Endpreis in Cent) : 103 = (bei Amazon einzugebender Preis in Euro)