Hindenburgstraße revisited

Die Hindenburgstra√üe ist mal wieder Stadtgespr√§ch in M√∂nchengladbach. Und anders als andere St√§dte nicht wegen des Namens, sondern wegen des Busverkehrs dar√ľber. Und ich f√ľhle mich berufen, dazu etwas zu sagen, denn die aktuelle Regelung war kurz gesagt meine Idee.
Und damit ab zum Artikelbild und danach in den Artikel selbst:

Es sagt viel √ľber die Probleme der Stra√üe, wenn die MGMG nur ein einziges freies Bild von ihr zur Verf√ľgung stellt und das nichtmal die Stra√üe zeigt - Bild: MGMG

Es sagt viel √ľber die Probleme der Stra√üe, wenn die MGMG nur ein einziges freies Bild von ihr zur Verf√ľgung stellt und das nichtmal die Stra√üe zeigt – Bild: MGMG

Kleine Ideengeschichte der einspurigen Lösung

Wie gesagt, 2009 brachte ich die Idee eines nur bergauf die Hindenburgsraße nutzenden Busverkehrs ein. Nicht nur hie rim Blog, sondern auch in Gesprächen unter Politikern oder mit der Verwaltung, später auch mehrfach mit dem Bauderzenenten Andreas Wurff.
Das Ganze war zu dieser Zeit ein heisses Eisen. Die Situation, eine breite und mit sehr hohem Bordstein ausgestattete Stra√üe mitten durch eine Fu√üg√§ngerzone zu f√ľhren, galt mit der Zeit als immer untragbarer und um 2010 herum erreichte sie einen H√∂hepunkt. Viele Ideen wurden bis 2012 ins Rennen geworfen, wie die Stra√üe dennoch weiter angebunden werden sollte. Das ging bis hin zum Vorschlag der Gladbacher Cable-Car-Linie, de ganz offensichtlich nie kam. Cable Cars haben eine ziemlich aufwendige Technik, die viel Platz braucht, insofern ist das wenig √ľberraschend.
Die einspurige Lösung war immer die am einfachsten umzusetzende Option. Doch es dauerte noch lange, bis tatsächlich Bewegung in die Überlegungen kam.
2011 machte die CDU eine allgemeine Umfrage f√ľr oder wider den Verbleib der Busse in der Stra√üe, doch diese kam zu keinem echten Ergebnis: Ziemlich genau die H√§lfte der befragten B√ľrger wollten die Busse behalten und die H√§lfte wollte sie loswerden. Einzelh√§ndler waren dagegen, ebenso die Behindertenverb√§nde, beide f√ľrchteten eine schlechtere Erreichbarkeit der L√§den in der Stra√üe, obwohl die Wege nur marginal l√§nger geworden w√§ren, wenn √ľberhaupt.
Erst 2016 war es dann soweit: Unter mehreren Modellen wurde das Modell einer F√ľhrung der Busse in eine Richtung favorisiert und es begann ein Pilotversuch, angesetzt auf ein Jahr und sp√§ter ausgedehnt auf anderthalb Jahre.

Die Debatte jetzt

Jetzt steht eine erneute Entscheidung an und die Stadtverwaltung w√ľrde die Regelung gerne beibehalten. So weit, so gut, k√∂nnte man meinen, doch weit gefehlt.
Zu dem Vorschlag gibt es ein Gutachten und aus diesem möchte ich einfach mal eine Grafik zitieren:

Wer länger nicht mehr in der Schule war, der sei erinnert: Eine 5 ist "nicht sonderlich gut"

Wer l√§nger nicht mehr in der Schule war, der sei erinnert: Eine 5 ist „nicht sonderlich gut“ – aus Gutachterliche Begleitung der Testphase √ĖPNV Hindenburgstra√üe / Steinmetzstra√üe von Planungsgesellschaft Verkehr K√∂ln Hoppe & Co. GmbH

Und nochmal aus dem Text des Gutachtens:

Sowohl die objektiven Daten aus den Befragungen als auch die subjektiven Einsch√§tzungen der M√∂nchengladbacher B√ľrger – insbesondere der Busnutzer – m√ľnden in der Empfehlung zur R√ľcknahme der Linienwegver√§nderung und Wiederaufnahme des urspr√ľnglichen Zustandes vor dem Testbetrieb

Hinzu kommen noch ein paar andere Grafiken. So kann man zwar darauf verweisen, dass der Anteil des Busverkehrs bei den Anreisenden 2017 weit h√∂her ist als 2016, aber gleichzeitig ist die Besucherzahl auch merklich gesunken. Kein Wunder: Gro√üe Teile der Hindenburgstra√üe verlieren rapide an Wert, seit zentrale H√§ndler in das Einkaufszentrum Minto gezogen sind und reihenweise leere Geb√§ude zur√ľckgelassen haben.
Aber das Minto hatte einen f√ľr diese Diskussion viel wichtigeren Effekt. Vor dem Bau des Minto f√ľhrten die Theatergalerie und der Lichthof zwischen Hindenburgstra√üe und Steinmetzstra√üe hindurch. Beides waren √ľberdachte Fu√üg√§ngerpassagen mit Gesch√§ften. W√§hrend diese andernorts richtige Leerstandsmonster sind, funktionierten sie in M√∂nchengladbach gar nicht so schlecht, insbesondere der Lichthof.
Diese Passagen waren wichtig, denn sie unterbrachen die ewig lange und vor allem auch triste Strecke, auf der man zwischen den beiden Stra√üen nicht wechseln konnte. Die Strecke wurde mit dem langen Bau des Minto noch trister und abweisender und die Passagen waren weg. Das Resultat ist eine Bushaltestelle an der Steinmetzstra√üe, die weniger einladend nicht sein k√∂nnte und die man hinter dem Klotz des Einkaufszentrums erstmal finden muss (Hinweise auf den Standort der Haltestelle fehlen auch weiterhin). Der Weg dorthin, wenn man ihn denn findet, ist nicht sonderlich lang, wirkt aber aus gestalterischem Gr√ľnden wie ein Marathon.
Unter diesen Voraussetzungen ist die einspurige L√∂sung schlichtweg nicht mehr praktikabel und wir m√ľssen sie aufgeben.

Mögliche Lösungen

Bleiben die Busse in der Hindenburgstraße, bleibt auch der Ruf, sie loszuwerden. Deshalb ist auch die Empfehlung des Gutachtens, den Ursprungszustand wiederherzustellen, ein der Situation nicht angemessener Schnellschuss. Doch wenn die einspurige Lösung tot ist, was bleibt dann an anderen Optionen?
Kurzfristig ist es erstmal wichtig, auf der Hindenburgstra√üe gut sichtbare Hinweise anzubringen, wo sich die bergab laufenden Haltestellen befinden. Das wird aber nicht reichen: Das Minto ist und bleibt ein Klotz mitten in den alten Wegeverbindungen. Es wird nicht √ľber Nacht ge√∂ffnet werden k√∂nnen, es wird nicht Passagen weichen k√∂nnen, f√ľr all dies ist es einfach nicht gebaut oder es gibt Probleme mit der Sicherheit.
Nein, wir brauchen eine neue Idee. Am sinnvollsten unter den umherfliegenden Vorschlägen finde ich aktuell, auf der Hindenburgstraße eine vom restlichen Netz isolierte Buslinie fahren zu lassen. Eine Linie mit vier Bussen sollten bei relativ geringer Belästigung der Kunden und Besucher einen Takt von deutlich unter zehn Minuten bieten können, wenn diese beständig zwischen Hauptbahnhof und Alter Markt pendeln. Alle anderen Linien laufen dann komplett auf der Steinmetzstraße.
Oder wir bauen doch noch ein Cable Car. Okay, eher nicht.

Richtig ist auf jeden Fall: Das Experiment Einspurigkeit war aus verschiedenen Gr√ľnden ein Reinfall. Daraus aber zu folgern, der einzige Weg ist eine R√ľckkehr zum ebenfalls ungeliebten vorherigen Modus, ist eine Kapitulation aus mangelnder Fantasie.
Und wir reden hier von der Innenstadt. Das schlimmste, was dieser in der gegenwärtigen Lage der Innenstädte widerfahren kann, ist Fantasielosigkeit.