Zweiwöchige Zehn 05.08.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal wieder für zwei Wochen, weil sich die Feriensaison für mich irgendwie zum genauen Gegenteil entwickelt und ich mal wieder einen Freitag verpasst habe. Unter anderem gab es heute ein neues Buch abzuschließen, aber dazu komme ich gleich

1. How to Sing Butterflies

How to Sng Butterflies DXEndlich mal wieder habe ich ein neues Buch fertiggestellt. Eigentlich sogar zwei, denn die Kurzgeschichtensammlung erscheint in einer Standardausgabe und einer DX Edition. Das allein wird schon ein interessantes Experiment.
Die Standardausgabe ist eine einfache Sammlung von 22 englischsprachigen Kurz- und Kürzestgeschichten, darunter drei erstmalig veröffentlichte Titel (Regulatory Measures -Science-Fiction-, Ghostly -Fantasy/Literarisch- und Curiosity -Western-) und vier aus dem Deutschen erstmalig ins Englische übersetzte Geschichten (Khamel, Feuchten Fußes, Schwarzer Schwinge und Staksigen Schrittes). Die Sammlung spannt durch alle Genres der Fantastik sowie Xenofiction und wie immer man genrelose Fiktion nennen mag. Insgesamt fast 13.000 Wörter (12.944) zum Preis von 1,99 € sind es geworden, verteilt auf Geschichten von wenigen Wörtern Länge bis zu solchen von um die zweitausend Wörtern.
Die DX Edition enthält alle Inhalte der Standardausgabe, ergänzt sie aber mit zusätzlichen Kommentaren zu jeder Geschichte. Darin erfahren interessierte Leser mehr zu Idee und Entstehung der Geschichten. Etwas über 21.000 Wörter fasst diese Ausgabe mit dem zusätzlichen Inhalt für 2,99 €.
Die beiden Editionen sind aktuell in der Prüfung und sollten die Nacht bei Amazon und dann nach und nach bei den anderen Shops auftauchen. Und diesmal nur zwei Tage später als geplant. Ich werde besser mit diesen Terminen.

2. #OffeneTuer

Was in der Rolle von Twitter zum Attentat von München bei vielen in den Köpfen bleiben wird, sind die Vorurteile der Rechten, die sich dort sofort ausbreiteten. Das hat mit unseren Gehirnen zu tun, die negative Erfahrungen wichtiger nehmen als positive (gut fürs berleben als Steinzeitmensch, schlecht für die Laune).
Was dabei ein wenig untergeht, ist eine deutlich größere Reaktion bei Twitter: Etliche, die unter dem Hashtag #OffeneTuer jenen Übernachtungsmöglichkeiten boten, die unterwegs von der Ausgangssperre der Polizei überrascht worden waren. Einschließlich vieler Moscheen und Kirchen.

Aktion Offene Tür

Bild: Facebook/Islamische Zeitung

3. Wüstengemüse

Die Gruppe Roots Up nutzt einen alten Pfadfindertrick zum Wassersammeln für eine variation des Gewächshaus-Prinzips, die es ermöglicht, im trockenen Äthiopien durstiges Gemüse wie Kohlpflanzen anzubauen.

4. Heimische Papaya

Im oberfränkischen Kleintattau gibt es jetzt Tropenfrüchte aus dem Gewächshaus. An sich noch nicht so erstaunlich, aber dieses Gewächshaus wird mit Abwärme aus der Umgebugn betrieben, hat also mit den wegen des Energieverbrauchs in Verruf stehenden üblichen Gewächshäusern wenig zu tun.

5. Silizium-Luft-Akku

Aus dem nahen Jülich kommt ein großer Schritt zu besseren Batterien für großtechnische Anwendungen. Die Silizium-Luft-Batterie ist ein extrem langlebiger Energieträger potenziell hoher Kapazität. Ob und wann sie alltagstauglich wird, bleibt abzuwarten, aber auf jeden Fall ist sie dem einen großen Schritt näher gekommen.

Schema einer Silizium-Luft-Batterie

Funktionsprinzip der SiOx-Batterie – BIld: ingenieur.de

6. Getty Images wird verklagt

Leider haben viele Stockphoto-Seiten die unangenehme Angewohnheit, sich gemeinfreie oder sonstwie frei lizenzierte Bilder abzugreifen und auf deren Veröffentlichungsrechte eine Gebühr zu verlangen. Getty Images ist da ein besonders auffälliger Kandidat, die gerne auch gegen Verwendungen eigentlic gemeinfreier Bilder aus ihrer Sammlung klagen. Nun, sie haben es jetzt geschafft, eine Fotografin wegen der Verwendung ihrer eigenen Bilder zu verklagen. Die fand das gar nicht lustig und verklagte im Gegenzug Getty Images wegen vorenthaltener Einnahmen in Höhe von einer Milliarde Dollar.
Upps.

7. Grafitti in leserlich

Das schlimmste an Grafitti ist ganz klar die Sauklaue, in der sie verfasst sind. Nun, der französische Künstler Mathieu Tremblin leistet dagegen Abhilfe.

Typografisch bereinigte Grafitti an einem Brückenfeiler

Stellt sich heraus, dass es dadurch auch nicht viel verständlicher wird – Bild: Mathieu Tremblin

8. Neuer Rekord für die Erneuerbaren

Portugal hat es geschafft, ganze vier Tage am Stück rechnerisch vollständig von Erneuerbaren Energien versorgt zu werden. Weiter so!

9. NX

Wahrscheinlich spekuliert Eurogamer nur, aber die Gerüchte um die kommende Nintendo-Konsole NX sind schon interessant: Eine Mischung aus tragbarem System und Fernsehkonsole mit Modulen statt optischen Disks als Speicher ist nicht so aussergewöhnlich, wie es scheint. Ich fände das durchaus interessant. Ich behaupte mal, das ist es, was die WiiU eigentlich immer werden wollte, bevor sie halbfertig auf den Markt geworfen wurde.

NX-Entwurf laut Eurogamer

NX-Entwurf laut Eurogamer

10. Major Tom Over

Mit diesem Beitrag verschwindet das letzte Musikvideo im Blog von der Startseite. Das geht natürlich überhaupt gar nicht, also ist hier zum Ausgleich der damalige ISS-Kommandant Chris Hadfield mit einer 2013er Coverversion von David Bowies Space Oddity


Velotäre Weltrettung

Ich sage ja immer wieder, alle Menschen (die können), sollten Fahrrad fahren, das Fahrrad sollte (neben der Fortbewegung zu Fuß) das primäre Fortbewegungsmittel in den Innenstädten sein. Wenn es allein darum ginge, hier gäbe es heute nichts interessantes zu lesen.
Nein, es geht hier darum, dass Fahrradfahren die Welt noch viel weitreichender zu retten hilft, als selbst die meisten Radfahrer glauben. Aber erst mal ein Bildchen meines vollen Transportgespanns, damit die Linkvorschau in den sozialen Netzwerken was zu kucken hat, danach dann Butter bei die Fische.

Denkt euch am Fahrer noch einen Rucksack dazu. Sollte reichen. (Nein, der Autoanhänger hinter dem Rad gehört nicht dazu)

Denkt euch am Fahrer noch einen Rucksack dazu. Sollte reichen. (Nein, der Autoanhänger hinter dem Rad gehört nicht dazu)


So, zur Butter: Offensichtlich ist, dass jeder den Kraftfahrzeugen abgeluchster Fahrtenkilometer dabei hilft, weniger Treibstoff zu verbrauchen. Der Fokus hierbei ist Erdöl, da seine Verbrennung die Erdatmosphäre mit zusätzlichem CO2 und weiteren Gasen anreichert, die aus fossilen Lagern stammen. Das auch im Unterschied zu Atmung und der Verbrennung von Treibstoffen aus organischer Quelle, die nur CO2 entlassen, das seinerseits aus der gegenwärtigen Atmosphäre stammt und somit das Gleichgewicht der Gase nicht verändern. Etwas, was auch viele nicht verstehen und dann meinen, Radfahrer erzeugten ebenfalls zusätzliches CO2, aber das ist hier nicht der Punkt.
Der Punkt ist das politische Gewicht von Öl.

Shell, Arabien und der Klimawandel

Der Klimawandel ist eine praktisch unbestrittene Tatsache. Die menschliche Verantwortung für den Klimawandel ist eine sehr gut belegte und von einer großen Mehrheit der Forscher bestätigte Beobachtung. Der Hauptbeleg dafür ist, dass die natürlichen Ursachen von Klimaschwankungen diese zwar sehr gut erklären können — aber plötzlich ab etwa 1950 versagen.
Das eine Problem ist, dass die wenigen „skeptischen Forscher“ in ihrer Lautstärke erheblich aufgedreht werden, da der Klimawandel für jene, die ihn verursachen, natürlich ein gutes Geschäft ist. So fallen sie etwa regelmäßig dadurch auf, mit Millionenbeträgen von diversen Ölkonzernen „gefördert“ zu werden, was für eine Bewegung wie die Klimawandelskeptiker, die der Gegenseite regelmäßig Manipulation und wirtschaftliche Interessen vorwerfen, eigentlich bis hin zu Selbstauflösung peinlich sein müsste, von diesen aber regelmäßig ignoriert wird, weil es ihnen nicht in den Kram passt.
Das andere ist, darauf weist zur Zeit etwa Hermann Ott hin, der politische Einfluss der Erdöl exportierenden Staaten. Er nennt vor allem Saudi-Arabien, aber auch die Macht der USA basiert auf dem Öl, jene der Sowjetunion stand im engen Zusammenhang mit den längst versiegten Ölquellen in ihrem Süden und auch das heutige Russland lebt von seinen mit den einstigen Ölvorkommen geologisch zusammenhängenden Gasexporten.
Das bedeutet, dass die Erdölwirtschaft neben ihren direkten Folgen für das Klima auch erhebliche Folgen für den Kampf gegen den Klimawandel hat. Jedes wirksame Vorgehen gegen die Emission klimawirksamer Gase wird vom Zweiklang aus Ölkonzernen und Ölstaaten massiv wirtschaftlich wie politisch behindert. Und das macht das Problem natürlich nur noch schlimmer. So wird es kein wirksames internationales Abkommen zur Reduktion des Ausstoßes von Klimagasen geben, denn selbst wenn die „Dealer&ldequo; nicht mit am Tisch säßen, wäre ihr politischer Einfluss auf den Rest der Welt doch so groß, dass sie alles blockieren können.

Und deshalb ist das Fahrrad wichtig: Es läuft ohne Öl. Ein großer gesellschaftlicher Umstieg auf das Rad entzieht den Konzernen und Scheichs Geld. Jeder Cent zählt, denn letztlich besteht jedes noch so große Vermögen nur aus einer großen Menge Cents. Es geht nicht darum, ob einer etwas bewirken kann. Es geht darum, wie viele mitmachen.

ISIS, Al Qaida und der Petrodollar

Wenn es um den internationalen Terror geht, insbesondere den islamistischen, fallen weltweit zwei Staaten als große Geldgeber des Terrors auf. Da sind zum einen, in Eurasien vor allem als Erbe des Kalten Krieges, die USA, zum anderen die ebenso wirtschaftlich wie religiös motivierte saudische Königsfamilie und ihre Günstlinge.
Da hätten wir die Taliban und al Qaida, die zeitweise von beiden finanziert wurden, Boko Haram als Freunde der Saudis und ganz eklatant und aktuell ISIS/ISIL, die sowohl auf arabisches Geld als auch auf eigene Ölexporte setzen können. Der Independent geht durchaus begründet davon aus, dass Saudi-Arabien der „eigentliche Feind des Westens sei.

They pour money into Islamist organisations and operations, promote punishing doctrines that subjugate women and children, and damn liberal values and democracy. They are pursuing a cruel bombing campaign in Yemen that has left thousands of civilians dead and many more in dire straits.

Und auch dieses Geld stammt im Falle Arabiens aus dem Öl.
Deshalb kann man durchaus zugespitzt sagen, wie ich es gestern als Teaser für diesen Text auf Twitter tat:

Unsere beste Waffe gegen ISIS ist übrigens das Fahrrad, weil man damit den Geldgebern des Terrors Einkünfte aus dem Ölexport verweigern kann

Denn, ganz ehrlich, eine andere Antwort auf den Terror haben wir nicht. Krieg ist ein sehr unpräzises Mittel, auch wenn ich ihn gegen ISIS durchaus als gerechtfertigt sähe. Er brächte aber nur eine vorübergehende Lösung, da er den Terror nicht in seiner Existenz als Struktur angreift. Das ist ein wichtiger Unterschied etwa zur Entnazifizierung, da die Macht der Nazis an die militärische und polizeiliche Macht des Deutschen Reiches als Staat gekoppelt war. ISIS hingegen ist nicht gewählt, nicht heimisch, sie treten auch in den kontrollierten Gebieten als Besatzungsmacht ohne Heimatland auf, ihre Machtbasis liegt bei ihnen selbst, ganz gleich, wie kaputt der Staat um sie herum ist. Identisch ist aber immer noch folgendes: Den Terror stoppen kann nur der Machtentzug. Und die Macht von ISIS speist sich aus den Mitteln, für die sie ihr Geld einsetzen.
Das ist somit unsere größte Waffe gegen ISIS und Konsorten: Ihnen und ihren Unterstützern die wirtschaftliche Existenzgrundlage entziehen. Und das geht am besten mit dem Fahrrad. Mit einem Westen, noch über seine Autos Hauptgeldgeber des Terrors, in dem eine Milliarde Fahrräder den täglichen Nahverkehr erledigen und in dem Kraftfahrzeuge nur noch für Transporte und Fernverkehr eingesetzt werden. Genug, dass die Menschen in Arabien leben können aber nicht genug, um täglich Milliarden in den Terror pumpen zu können.
Es ist das einzige, was mir gegen den Terror einfällt, was wirkt.
Europa hat eine halbe Milliarde Einwohner. Einwohner mit einem absolut überdurchschnittlichen Verbrauch an Erdölprodukten. Das sollten genug sein, um einen solchen Erdölausstieg zu einem empfindlichen Schlag zu machen.

Bei-Spiel: Elektromobilität

Erwähnt werden sollte noch die Rolle der Elektromobilität in dieser ganzen Geschichte. Ich bin selber nicht unbedingt ein Freund undurchdachter Umsetzung der Elektromobilisierung des Kraftverkehrs. Man kann den Ressourcenverbrauch für die Batterien ebenso kritisieren wie die bloße Verlagerung des Klimaproblems vom Fahrzeug selbst zu den Kraftwerken, die den Strom für ihren Betrieb erzeugen. Man muss sogar kritisieren, dass sie neben dem Treibstoffproblem keines der durch Automobile verursachten Probleme (etwa gestiegene Gefährlichkeit des Straßenverkehrs, Platzverbrauch und Bewegungsmangel für die Nutzer) zu lösen im Stande sind.
Aber: In gewissem Umfang sind Kraftfahrzeuge einfach notwendig, um unseren Lebensstil halbwegs so zu halten, wie er ist. Und das müssen wir, denn alles andere ist schlicht und ergreifend nicht durchsetzbar.
Kein anderer alltagstauglicher Antrieb ist so neutral der Herkunft der Energie gegenüber wie der Elektromotor, gleich welcher Bauart. Wollen wir die Wirtschaft auf erneuerbare Energien umstellen, geht das nur mit Elektromotoren in vernünftigem Maße, denn die anderen Optionen (also hauptsächlich Treibstoffe vom Feld) sidn alle weder praktisch noch in irgendeiner Weise umweltverträglich, wenn man sie im nötigen Umfang umsetzt.
Und deshalb ist die Elektromobilität notwendig: Nicht als Teil der Abkunft von fossiler Energie, sondern als alternativlose Vorbedingung dieser. Ohne Elektromotoren keine vollständige Energiewende mit allen Folgen nicht nur für das Klima, sondern eben auch für die globalen Machtstrukturen.