Freitägliche Fünf 06.11.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche wieder eine selbst für diese Reihe ungewöhnlich klimafreundliche Ausgabe plus Gebärdensprachendolmetscher.

1. Fossilfreies Münster

Kreuzfeier - Bild: Fossil Free Deutschland

Kreuzfeier – Bild: Fossil Free Deutschland


Nein, das Geologisch-Paläontologische Museum Münster wird nicht geschlossen, keine Angst. Immerhin liegt da der größte Ammonit der Welt, sowas macht man nicht zu.
Hier geht es um fossile Brennstoffe: Münster hat als erste Stadt in Deutschland entschieden, keine weiteren Gelder in Kohle, Öl udn Gas zu investieren und zieht ihre bisherigen Investitionen zurück beziehungsweise verkauft diese. Diese Investitionen, die in den letzten Jahren als Verlustgeschäfte zunehmend zu einem Problem für viele Städte vor allem im Ruhrgebiet werden, sind eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine für den Weiterbetrieb insbesondere von Kohlekraftwerken.

2. Simax

Simax ist ein in der Entwicklung befindlicher virtueller Gebärdesprachenübersetzer. Die Software wird mit einem Text gefüttert, setzt diesen in die jeweilige Gebärdensprache um und das Ergebnis wird dann noch ein Mal von einem Gebärdendolmetscher geprüft.
Ganz ehrlich: In der aktuellen Phase ist mir der Nutzen noch nicht so wirklich klar. Gehörlose haben ja weniger mit Text als mit Sprechsprache Probleme. Aber vielleicht kommt das in der nächsten Phase? Das Projekt hat jedenfalls noch einen langen Weg vor sich, Maschinenübersetzung ist immer eine anspruchsvolle Aufgabe, die noch keine Software gemeistert hat und die auf absehbare Zeit eine Krücke bleiben wird. Aber besser mit als ohne Krücke.

3. Radabstellen im Flur

Das ist ja gar kein richtiges Fahrrad, da fehlen ca. 2 kg Dreck! - Bild: Manuel Rossel

Das ist ja gar kein richtiges Fahrrad, da fehlen ca. 2 kg Dreck! – Bild: Manuel Rossel


Aus Chile stammt diese Idee von Fahrradabstellmöbeln für kleine (Designer-)Wohnungen. Designer Manuel Rossel hat eine ganze Kollektion dieser Möbel entwickelt, das da oben ist mein Lieblingsstück. Einfach, weil es das alltagstauglichste ist.
Natürlich sind die alle unrealistisch sauber und rechnen ihre Preise in nahezu astronomischen Einheiten (Das Teil da? US$ 191.000, runtergesetzt von 239.000), aber ich sehe das mehr als Inspiration für alle, die selber sowas basteln möchten. Halt in weniger hübsch und sauber, dafür mehr praktisch (mein Deutsch war vorhin auch noch irgendwie besser). Die Idee, Schuhregal und Fahrradständer zu kombinieren ist ja nun nicht grade die schlechteste.

4. Chia und Quinoa aus der Region

Die Tage gab es einen Artikel mit Sarah Wiener, der neben ein paar wahren Worten auch viel Blödsinn über vegane Ernährung enthielt. Der größte Quatsch war der Vorwurf, Veganer würden durch ihren Konsum von Quinoa und Chia-Samen das Weltklima stärker belasten als Allesesser, denn diese Pseudogetreide kämen aus Südamerika. Also anders als das vielgelobte argentinische Rind, das bekanntlich aus Straßburg stammt, welches im Mittelalter den Beinamen Argentina führte. Es wird dort auch nur mit bestem Alpensoja gefüttert. Klar. Nunja, was soll man vom Focus auch erwarten?
So oder so, das Problem könnte sich bald erledigt haben: In Stuttgart ist nun der Anbau von Quinoa gelungen, an Chia wird noch geforscht. Aufmerksamen Lesern wird auffallen, dass das nicht weit von den weltberühmten straßburger Rinderfarmen ist und somit nicht ganz so im klimatischen Hintertreffen liegen sollte. Der Anbau ist sogar in vielerlei Hinsicht sparsamer für Ressourcen wie Wasser und Stickstoff als Weizen.

5. Transparente Solarenergie

Durchsichtige Solarzellen werden ja immer mal wieder erfunden. Hier ist ein neues, recht vielversprechendes Projekt aus Michigan:


Freitägliche Fünf 08.05.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.

Ja, es sieht hier grade etwas anders aus. Leere Platzhalterseiten, viel Weiss, das Impressum ist in den Seitenfuß gewandert und dergleichen mehr. Der Grund ist einfach: Ich stelle übers Wochenende das Design der Seite um. Dabei verändert sich teils auch die Struktur einiger Inhalte, was ich aktuell vorbereite. Teilweise probiere ich auch einfach mal aus, was funktioniert, bevor ich es endgültig implementiere. Mal ganz abgesehen von der laufenden Beseitigung der Folgen dessen, dass dieses Blog die Archive von vier Vorgängern aufgenommen hat und das jetzt alles zu vereinheitlichen ist.

Nun aber zum eigentlichen Beitrag. Zusammenfassung in einem Absatz: Mehr Disruption wagen! Und feuchte Spinnen.

1. Mein neuer Lieblingsberuf: Spinnenbesprenkler.
Spinnenbesprenkler braucht man in Zukunft, um superstarke Materialien aus Carbon zu fertigen. Jedenfalls verstehe ich dieses Experiment so, bei dem daas bisher stärkste gefertigte Materila hergestellt wurde, indem man Spinnen mit Wasser besprühte, in dem Carbonflocken und -röhrchen enthalten waren. Die Spinnen bauten das dann in ihre Seide ein und das Ergebnis ist laut Artikel reissfester als alles, was die Menschheit bisher künstlich herstellen konnte.
Das ist alles großartig, aber ich komm nicht von der Vorstellung eines Menschen weg, dessen Beruf darin besteht, genervte Spinnen mit Wasser zu besprühen.

2. In Köln haben Radfahrer eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Pressestelle der Polizei durchbekommen. Wie so oft hat die Polizei Radfahrer grundlos als „Verkehrsrowdys“ bezeichnet. Diesmal gab’s dafür vom Vorgesetzten eine auf den Deckel.

3. Viele werden von Teslas Powerwall gehört haben.

Tesla Powerwall (Bild: Tesla Motors)


Kurz gesagt: In dem Ding steckt eine Revolution. Sollte es wirklich so gut und zuverlässig funktionieren wie versprochen, kann die Powerwall das Ende der großen Energiekonzerne einläuten. Natürlich gibt es Speichersysteme fürs Haus schon lange, vor allem Bleiakkus sind hier gut geeignet, aber es geht nicht um die Technik, es ist wie beim iPad: Die grundsätzliche Anwendung ist nichts wirklich neues, aber Tesla hat es (wie zuvor Apple beim Tablet-Computer) als Produkt sexy gemacht.
Und in Deutschland ist Lichtblick dabei, eine Firma, die schon länger versucht, die traditionellen Strukturen am Strommarkt aufzubrechen um eine eigene Nische für Klein- und Selbsterzeuger zu besetzen.

4. Das Mehrwertsteuersystem in der EU ist so eine Art Brut des Scheitan. Momentan ist es im Buchverkauf übers Internet so: Die Mehrwertsteuer berechnet sich nach dem Satz des Landes, in dem der Empfänger sitzt. Jedes Land hat andere Sätze. In den meisten Ländern gilt für Bücher ein niedrigerer Satz als für normale Waren, allerdings nur wenn sie auf Papier vorliegen. In Deutschland etwa gibt es auf Papierbücher 7%, auf eBooks 19% Zuschlag zum Nettopreis. Ein paar Länder haben diese Diskrepanz 2012 abschaffen wollen, das aber wurde durch die EU verboten.
Und hier kommt nun die gute Nachricht zu dem Thema: Wenigstens diese Regelung will die EU endlich aufheben.

5. eBooks für lau hat diese Woche endgültig die 10.000 Tweets überschritten. Das war so ungefähr meine geschätzte Lebenserwartung für das Projekt. Was noch lange kein Grund ist, jetzt aufzuhören.
Der stärkere Fokus auf weitere Händler neben Amazon hat hier grade noch ein Mal frischen Wind gebracht. Grundsätzlich reagieren die Tolino-Leser deutlich besser auf Gratisangebote, wahrscheinlich auch, weil diese dort noch nicht annähernd so häufig sind wie für Kindle.


Atomkraft helau!

Eine der interessantesten, wenn nicht die interessanteste Nachricht des gestrigen Tages war der Zeitplan für die anstehenden Atomtransporte von Jülich nach Ahaus: Ab 1. März sollen sie rollen, wenn alle Genehmigungen kommen. Davon ist auszugehen, so lange schwarz-gelb NRW regiert.

Das Datum hat allerdings eine Relevanz, die offenbar noch gar nicht aufgefallen ist: Der 1. März 2011 liegt in der Woche vor Karneval, also genau der Zeit, an der selbst der behäbigste Rheinländer sich zu so etwas wie Protestkultur hinreissen lässt.
Mein Vorschlag also: Lasst uns einen Anti-Atom-Wagen für Karneval 2011 bauen. Mit Atom-Süßigkeiten als Wurfmaterial.


Mal ehrlich: Daraus eine Fruchtgummiform zu machen
ist nun wirklich unglaublich einfach

Der Wagen fährt dann ab dem 1. März umher, besucht die Protestveranstaltungen und ein paar Tage später lässt er sich auf den großen Karnevalszügen blicken. Dazu muss man anmerken, dass diese an drei hintereinander liegenden Tagen statt finden, das sollte doch machbar sein, bei allen drei dabei zu sein.
Der Wagen hätte dann diesen Tourplan:

3.-5. März 2011 – Durchfahrt von Jülich nach Neuss, grob entlang der Bahnstrecke
6. März 2011 – Kappessontagszug in Neuss
7. März 2011 – Rosenmontagszug in Düsseldorf
8. März 2011 – Veilchendienstagszug in Mönchengladbach

Problem bei der Sache sind natürlich die Kosten – die für den Wagen kenn ich nicht, dürften aber der geringere Teil sein. Wurfmaterial und Verpflegung der Wagenbesatzung (bei Fahrt über mehrere Tage, Ehrenämtler vorausgesetzt) sind da schon wichtiger – ich gehe über den Daumen gepeilt von 10.000 € für alles zusammen aus.

Mein Vorschlag: Nach dem Landtagswahlkampf setzt sich ein Bündnis von Vereinen und Parteien aus dem betroffenen Gebiet zusammen, um das ganze durchzusprechen.
Nicht vor dem Wahlkampf, das sollte nicht durch politische Querelen kaputt gemacht werden, bevor es überhaupt in Fahrt gekommen ist. Aber ich fang schonmal an, Leute zusammenzutrommeln.
Wer Interesse hat, aber bis Montag noch keine eMail von mir, der möge sich bei mir melden. Mail-Adresse für eMails (und Postanschrift für Briefbomben) finden sich im Impressum.

PS: Ja, ich hab’s persönlich nicht so mit Karneval. Also, so gar nicht.
Aber hier passt einfach alles so gut zusammen und mehr Leute auf einen Schlag mit einer Botschaft zu erreichen als auf einem Zug wird schwer.
PPS: Ja, das ist absichtlich keine ausschließlich grüne Sache. Dieses Thema wirkt besser, wenn sich ein breites Bündnis von Parteien und Vereinen dahinterstellt. (Ausserdem ist es teuer ;-) )


Maßstabsgetreu innovative NVV

Die gestrige Sitzung des Umweltausschusses war eher unspektakulär. Beachtlich einzig, dass der Tagesordnungspunkt zur Aufhebung des Leinenzwangs auf den Hundefreilaufflächen sechsmal das Wort „Ordnung“ enthielt – in der Überschrift.

Und dann war da noch die NVV. Die trat unter dem Stichwort „Innovative NVV“ als großer Klimaretter auf, das relativierte sich jedoch mit der Zeit.
Die Liste der Vorhaben klingt für eine einzige Stadt auf einmal schonmal nicht schlecht: Ausbau der Windenergie, die vieldiskutierte Biogasanlage Güdderath/Wanlo, sparsame Busse, Tiefengeothermie, Ausbau der Photovoltaik um 40%, sogar Nutzung der Wärme des Abwassers in Kanal-Wärmetauschern sind in Planung, Vorbereitung oder Bau.
Interessant auch, dass die NVV den Trend zur Dezentralisieurng mitzumachen scheint. So erprobt man derzeit etwa zwei Tankstellen für Erdgasautos am Heimanschluss.

Bei genauerer Betrachtung muss man einiges wieder abziehen: Die vorgestellte Wetterstation Rheindahlen hat mit dem Thema ganz einfach nichts zu tun und einige vorgestellte Projekte werden nicht von der NVV, sondern von Beteiligungen wie den Grevenbroicher Stadtwerken durchgeführt. Auch die von der NVV aufgeführten 812 kWp Photovoltaikanlagen beziehen sich auf die NVV selber mitsamt ihrer Tochterunternehmen – also MG und den gesamten Kreis Heinsberg.
Andere Zahlen machen den niedrigen Maßstab, mit dem man arbeitet besonders deutlich: Mittelfristig will die NVV einen Anteil der regenerativen Energien (Bereich Stromerzeugung) von 16-17% erreichen – das ist nur knapp über dem aktuellen Bundesschnitt. Derzeit produziert die NVV zwischen 2 und 3% ihrer Energie nachhaltig. Es wird nicht besser, wenn man den Bundesschnitt durch einen Verweis auf die besseren Bedingungen für Windenergie an der Nordseeküste fortzuargumentieren versucht.

Zwischen den Zeilen blitzte denn auch durch, was die NVV in die Innovation treibt – der Marktanteil der Erneuerbaren wächst und die Kunden wollen erneuerbare. Die NVV innoviert nicht, sie rennt verzweifelt dem Trend hinterher und wird vor lauter Todesangst erfindungsreich.
Je nach Umfrage will zwischen einem Viertel und der Hälfte der Deutschen auf einen Ökostromanbieter wechseln oder könnte sich dies zumindest vorstellen. Für ein Energieunternehmen, dessen Hauptrohstoff die Braunkohle des Mutterkonzerns RWE ist, eine astreine Horrormeldung.

Aber die NVV ist spät dran: Für ihre Verhältnisse sind 16-17% ambitioniert, immerhin ein Sprung von bis zu 500% des aktuellen Niveaus. Das wird nicht einfach.
Und so wird sie innovativ – im Rahmen ihrer eigenen, recht niedrig anzusetzenden, Maßstäbe.


Petitiamstag XLVIII

Typisch, kaum verlege ich den Petitionnerstag auf den Samstag, verpasse ich den Samstag. Wenigstens kann ich sagen, konstruktiv gewesen zu sien, aber dazu in den kommenden Tagen und Wochen mehr.
Nun aber zu den – überraschend wenigen – Petitionen der vorkarnevalistischen Woche 2010:

Kerosinsteuer

Man möge beschließen, dass das Kerosin für gewerblich operierende Luftfahrtunternehmen besteuert wird!

Alte grüne Forderung, mehr muss ich dazu wohl nicht sagen. Ja, das Fliegen würde dann teurer – das ist der Sinn der Sache!

Gesetzliche Regelung von Zusatzbeiträgen in der GKV

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …durch gesetzliche Regelungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Z u s a t z b e i t r ä g e zu verhindern.
a) die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise entstehenden Einnahmeausfälle des Gesundheitsfonds vollständig in Form eines Zuschusses des Bundes auszugleichen
b) für ALG-II-Bezieherinnen und -Bezieher angemessene Krankenversicherungsbeiträge pro Mitglied und Monat zu zahlen

Oh, Geld an die, die es wirklich brauchen. Das wäre in unserer aktuellen Bundesregierung mal eine echte Revolution.
An dieser Stelle übrigens Grüße an die FDP-Wählerschaft! Wie geht’s so? Zufrieden?

Höherer Steuerfreibetrag für SchiRis

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass Aufwandsentschädigungen für Schiedsrichter im Amateurbereich nicht mit 500 Euro/Jahr als steuerfrei gelten, sondern an den Steuerfreibetrag der Übungsleiterpauschale von 2.100 Euro/Jahr angeglichen wird.

Schiedsrichter! Von allen obskuren Lobbygruppen, warum ausgerechnet Schiedsrichter?
Nun zu den Fakten: SchiRis verbringen vermutlich wesentlich weniger Zeit auf dem Feld als Trainer. Andererseits sind 500 € schon nicht viel. Einigen wir uns auf 1.000 €?

EEG-Vergütung nur als Angleichung an fossile Energien senken

Der Bundestag möge zur Beschleunigung des Umstiegs auf Erneuerbare Energien und zur Vermeidung volkswirtschaftlicher Fehlinvestitionen in veraltete fossil/nukleare Technologien eine Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetz beschließen: Die Höhe der Solarstromvergütung soll nur dann um jährlich mehr als 5 Prozent gesenkt werden, wenn die Rendite der Anlagenbetreiber die in der fossil/nuklearen Energiewirtschaft üblichen Renditen zuzüglich der Klimaschaden- und Entsorgungs-Folgekosten übersteigt.

Oh, die ist schöööön. Gut kaschierter Angriff auf den Lobbyismus der hoch subventionierten alten Energieträger, die den alternativen Energien gerne ihre hohe Subventionierung vorwerfen. Handwerklich attraktiv.

Mehr Geld für Berufsbetreuer

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass die Vergütung und der Auslagenersatz für Berufsbetreuer deutlich erhöht wird gemäß des Vormünder- und Betreuervergütungsgesetzes (VBVG).

Einer jener Berufsstände, die sich eine Erhöhung wirklich verdient haben. Wir sprechen hier von einem Knochenjob mit zunehmend steigendem Bedarf aufgrund des demografischen Wandels.

Kindergeld nur bis 60.000 € Jahreseinkommen

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …Das das Kindergeld auf ein Jahreseinkommen von 60.000EUR beschränkt wird.

Großverdieneern die Begünstigungen zu streichen, wiel sie eh genug Geld haben, ist kein schlechter Ansatz. Streiten müsste man sich noch über die Einkommenshöhe, die als Grenze angepeilt wird.

Abschaffung des Meisterzwangs

Der Deutsche Bundestag möge beschließen … die gesetzliche Regelung in Deutschland, die es teilweise nur Meistern und gleichgestellten erlaubt, handwerkliche Betriebe zu führen zu überprüfen und den Meisterzwang abzuschaffen.

Das ist eine alte Diskussion, die aufzumachen mE nicht lohnt. Die Meisterlobby streitet gerne dagegen, die Politik hat die Liste der Meisterberufe zuletzt unter rot-grün verkürzt. Im Endeffekt wird der Meister mittelfristig eh abgeschafft.

Änderung der Semesteranrechnung in der studentischen Krankenversicheurng

Man möge beschließen, dass die Anrechnungskriterien der Fachsemester bei der studentischen Krankenversicherung geändert wird!

Der Petent will, dass unvollständige letzte Semester nicht mehr als ganze Semester gezählt werden.
Warum, ist mir schleierhaft, denn dadurch kann man etwas länger in der günstigeren studentischen KV verbleiben. Zumal eine andere regelung überaus unüblich ist und Bürokratieaufwand ohne Ende bedeutet – deshalb bekommt man z.B. auch die Studiengebühren nicht mehr zurück, wenn man auch nur einen Tag im neuen Semester noch eingeschrieben war.

Verbot chinesischer Pelztiere

Der Deutsche Bundestag möge beschließen…
Tierhäutung am lebendigen Leibe: Um die entsetzlichen Qualen der Marderhunde in China zu beenden, ist es nötig, das EU-Importverbot auf alle chinesischen Pelztiere auszuweiten.
Das bestehende Importverbot für asiatische Pelztiere wie Hunde, Katzen oder Kaninchen in der EU ist unzureichend. Dieses Verbot betreffe z.Zt. noch nicht die Marderhunde und andere Pelztiere. „Die bisherige EU-Importregelung ist daher ungenügend“ und muss erweitert werden.

Mir ist nicht klar, wieso es ein spezifisches Verbot einzelner Tierarten als Pelztiere gibt. Andererseits betrifft dies offenbar die Europäische Union, nicht den Bundestag. Also mal wieder: Falsches Gremium. Leider.

Jährliche Visastatistik

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass die Bundesregierung jährlich für das abgelaufene Jahr jeweils eine Statistik zu Visaanträgen in der Auslandsvertretung (Botschaft) der Bundesrepublik Deutschland zu veröffentlichen hat. Insbesondere soll diese folgende Daten je Auslandsvertretung beinhalten: Visaanträge, Ablehnungen, Remonstrationen, Abhilfe, Klagen, Klagenstattgaben,

Ich verstehe nicht ganz, wozu das gut sein soll.

Windanlagenmindestabstand zu Wohnbebauung

Der Deutsche Bundestag möge beschließen:

Verbindliche Mindestabstände zur Wohnbebauung für die neue Generation von Windkraftanlagen auf der Grundlage neuester Schallimmissions-Untersuchungen. Windkraftanlagen müssen mindestens 1500 m Abstand von der nächsten Wohnbebauung haben und es muss mindestens ein Abstand der 10-fachen Gesamtanlagenhöhe eingehalten werden.

Eine typische Manifestation von „nicht in meinem Hintergarten“ und auch kontraproduktiv bzw. veraltet, da inzwischen viele Entwickler die Herstellung von Windkraftkleinanlagen vorbereiten, die man sich aufs Dach setzen kann.


Petitionnerstag Spezial II

Eine aktuelle Aktion von Campact ist mir ob ihrer Aktualität dann glatt ein Petitionnerstag Spezial wert.
Es geht um das geplante Kohlektaftwerk von E.On in Datteln, dessen Bau im September vom OVG Münster gestoppt wurde. Die NRW-Regierungskoalition plant nun, den Bau dieser Dreckschleuder doch noch zu ermöglichen – indem man kurzerhand das Klimaschutzgesetz kippt, welches den Bau verhindert hatte.
Kohlekraftwerke sind vom Schadstoffausstoß die dreckigsten Kraftwerke, die es überhaupt gibt. Dass Rüttgers‘ Regierung, deren Parteien (CDU und FDP) sich übrigens beide schon lange gegen Steinkohlesubventionen einsetzen, ausgerechnet hier für E.On eine Extrawurst braten will – und das noch während der Klimaschutzverhandlungen in Kopenhagen – ist nicht nur für sich ein starkes Stück, es ist auch noch dumm.

Offener Brief gegen das SKKW Datteln

Sehr geehrter Herr Rüttgers,
sehr geehrte Damen und Herren,

während die Bundesregierung in diesen Tagen in Kopenhagen für ein ambitioniertes Klima-Abkommen streitet, will Nordrhein-Westfalen die Klimaziele im Landesentwicklungsgesetz ersatzlos streichen – damit der Energiekonzern E.on weiter den größten Kohlekraftwerksblock Europas bauen kann.

Vor drei Monaten hat das Oberverwaltungsgericht Münster die Fertigstellung des Kohlemeilers in Datteln untersagt. Das Gericht beruft sich in seinem Urteil unter anderem auf die Klimaziele in Paragraf 26 des Gesetzes zur Landesentwicklung. Diese Vorgaben sollen jetzt kurzerhand auf Initiative von CDU und FDP getilgt werden.

Verzichten Sie auf eine Lex E.on! Verhindern Sie dieses fatale Signal an den Klimagipfel in Kopenhagen!

Mit freundlichen Grüßen

(Name, Adresse, Beruf, Mail-Adresse werden unten angefügt)

Kurzer Nachsatz zur Argumentation von E.ON zur Klimaschädlichkeit:

Hingegen weist die E.ON-Kraftwerke GmbH als Bauherr darauf hin, dass der Neubau mit einem Wirkungsgrad von über 45 Prozent neue Standards hinsichtlich Energieeffizienz und Klimaschutz setze.

Liebe Leute bei E.On,
ich kann problemlos meine Ernährung so umstellen, dass meine Scheisse 10% weniger stinkt. Ich glaube, Sie wollten trotzdem nicht, dass ich sie Ihnen ins Gesicht schmiere.


Biogas in Wanlo – Pro und Contra

Mal eine der in dieser Stadt eher seltenen positiven Überraschungen: Nachdem ich Anfang des Monats noch ankündigte, mich zu informieren, ob die NVV das Projekt Biogasanlage bei Wanlo noch weiter verfolgt, hat sich diese Frage mittlerweile erledigt.
Letzte Woche Montag erfuhr ich, dass die NVV einen Antrag hierzu in die Bezirksvertretung West bringen will.
Kurz darauf trommelte die NVV nochmal per Pressemitteilung in den lokalen Zeitungen für das Projekt (selbst in der sonntäglichen Werbeprospektumverpackung namens „ExtraTipp“) und ganz nebenbei zur allgemeinen Überraschung auch gleich für ein Geothermiekraftwerk.

Nun möchte ich, nachdem ich mehr über diese Anlagen weiss, speziell zu den hier geplanten Anlagen eine genauere Betrachtung einbringen:

Pro
Die Biogasanlage ist eine regenerative, die Geothermie eine abgasfreie Energiequelle, die ich sehr begrüße. Ich bin mir recht sicher, hier sogar für die grüne Partei insgesamt sprechen zu können.
Für die Entwicklung in eine Zukunft ohne Braunkohlestrom und mit erheblich verringertem Treibhausgasausstoß ist eine Entwicklung hin zu solchen Energieträgern dringend notwendig und Mönchengladbach, einst ein Pionier in der Verwertung von Deponiegasen (Pionieranlage zur Klärgasveredelung in Neuwerk 1981), hinkt hier aktuell leider hinterher, einzig das Klärwerk erzeugt weiterhin Strom und Wärme, die es aber auch (fast) komplett selbst verbraucht.

Neuwerker Klärwerk
Bild bei Pro2 geklaut

Daneben gibt es ein paar angenehme Nebeneffekte: Die Geruchsbelastung sinkt, da Gülle, die zur Gaserzeugung genutzt wurde ihren beissenden Geruch verliert. Sollte die Anlage auch Kompost mitvergären, sinkt auch die Geruchsbelästigung, die an Kompostanlagen auftritt.
Geothermie ist sogar noch besser, weil die Nutzung der Geothermie keine Rohstoffverbrennung erfordert. Vielmehr setzt sie die natürliche Hitze der tieferen Erdschichten in Strom um. Island wird praktisch komplett über diese Energieform versorgt, in Deutschland gibt es in der Eifel und eben in der Kölner Bucht Potenzial durch ausreichende geothermische Tiefenaktivität.

Contra
Die Biogasanlage verbraucht natürlich erheblich Rohstoffe und hier stellen sich ein paar Fragen. Die zentrale davon ist: Welche Rohstoffe.
Ich deutete ja bereits an, eine solche Anlage müsste auch Kompost aufnehmen können, um die großen dort vorhandenen Potenziale zu nutzen – eine Stadt wie MG erzeugt tonnenweise Müll jeglicher Art. Der Biomüll bietet dabei natürlich großes Potenzial für eine solche Anlage.
Leider aber will die NVV wohl Material von Landwirten südlich der Stadt (Kreise Neuss, Düren und Heinsberg) besorgen. Ob der Mais mitsamt oder ohne essbare Teile verwertet wird, darüber herrscht aktuell offenbar noch Unklarheit. Maiskorn zu zergasen (eigentlich heisst das vergasen, aber – nunja…) fände ich höchst problematisch, hieße das doch, dass etliche Hektar Fläche nur für den Anbau der Energiepflanzen draufgehen würden – Flächen, die sonst anderen Zwecken zugeführt oder als Naturfläche aufgelassen werden könnten. Da die Maiskolben den Großteil der im Mais gespeicherten Kohlenhydrate enthalten, gehe ich jedoch stark davon aus, dass diese mitvergoren werden sollen.
Hier sollte die Politik darauf hinwirken, dass zumindest ein merklicher Teil der Masse aus anderen Quellen wie beispielsweise dem bereits genannten Bioabfall, gedeckt wird.
Ein weiteres Problem ist der Verkehr, da die ganze Biomasse ja auch in die Anlage geschafft werden muss. Die NVV spricht hier von etwa 400 Lastern (vermutlich pro Jahr, hab die Zeiteinheit nicht mitbekommen), also Kleinkram – etwas mehr als einer pro Tag. Wobei die Anlage zu Beginn natürlich erstmal anbefült werden muss, da fahren dann ein-zwei Wochen wesentlich mehr LKW rum.
Dennoch sollte die NVV hier gut planen, wo die Verkehre fließen – dem vernehmen nach lagen in Jüchen letzten Dezember Planungen vor, die den Lieferverkehr durch Otzenrath fließen ließen. Otzenrath allerdings lag damals schon mitten im Braunkohleabbaugebiet Garzweiler II und existiert inzwischen nicht mehr.

Was die Geothermieanlage angeht: Mönchengladbach liegt in einem seismisch recht aktiven Gebiet (für deutsche Verhältnisse), was ein gewisses Risiko darstellt, dass die Anlage bei einem Erdbeben ausfallen kann. Mit dieser Art Risiken haben die Konstrukteure solcher Anlagen alleridngs Erfahrung – praktisch alle geeigneten Standorte liegen in seismisch aktiven Gegenden.

Fazit
Beide Anlagen sind grundsätzlich zu unterstützen. Dabei sollte die Biogasanlage allerdings einen etwas anderen Rohstoffzuschnitt erhalten, der zu einem geringeren Flächenverbrauch führt und statt dessen bestehende Materialüberschüsse (Abfälle) einbezieht.

PS
Die NVV sollte dirngend an ihrer Öffentlichkeitsarbeit arbeiten. Die Behauptung aus dem RP-Artikel, Biogas sei teurer als beispielsweise Braunkohle (für die ganze Landstriche abgebaggert werden, was nicht grade billig sein kann) erscheint mir absurd und ist relativ durchsichtig eine vorläufige Rechtfertigung für die nächste Preiserhöhung.
Und dann fiel offenbar noch die Aussage, die Gasanlage käme nach Wanlo, weil dort ohnehin schon so viel Belastung sei, da würde die Anlage auch nicht mehr auffallen. Das nenn ich mal professionelle Nachbarschaftsprovokation, so schafft man sich Freunde, liebe NVV.


Projektidee: Die BPVW

Hin und wieder wird man bei seinen recherchen zu Projekten dann doch positiv überrascht: So stiße ich bei Überlegungen zur Einrichtung einer Biogasanlage in Mönchengladbach auf ein entsprechendes Projekt der NVV AG, eine ebensolche im Industriegebiet Güdderath aufzubauen.
Nur leider scheiterte sie offenbar am Widerstand der benachbarten Einwohner der Gemeinde Hochneukirch im Kreis Jüchen. Sie befürchteten eine verstärkte Geruchsbelästigung durch die Anlage und lehnten sie so in klassischer „Nicht in meiner Nachbarschaft“-Manier ab.
Das klingt dann so:

Den Bau einer Biogas-Anlage am Standort RegioPark durch die NVV lehnen wir ab […] Ansonsten befürworten wir Energiegewinnung aus Biomasse ausdrücklich und sehen darin eine Chance für die landwirtschaftlichen betriebe in der Gemeinde, mittel- und langfristig ihre Existenz zu sichern
– FDP KV Jüchen zur Kommunalwahl 2009

Und jetzt kommt der Clou: Die Anlage hätte die Geruchsbelästigung gemindert, weil das Gärmaterial, darunter Gülle, nun in einem abgeschlossen Tank verrotten statt in irgendwelchen Gülle- und Jauchegruben.
Aber naja.
Die Anlage hätte 2009 in Betrieb gehen sollen, ging sie aber offenbar nicht.

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

Ich weiss nicht, ob die NVV die Anlage nach dieser Niederlage noch weiterverfolgt (will dies aber noch rausfinden).
Mir fiele aber ein Standort ein, an dem ich weniger Widerstand erwarte. Und ein meines Erachtens verbessertes Rohstoffkonzept liefer ich gleich mit.

Mein Konzept, für das ich eigentlich recherchiert hatte, trägt den schönen Namen BPVW (Biogas-Produktions- und Verwertungsanlage Wanlo), weil man in Gladbach gerne Abkürzungen hat (MGMG, WFMG EWMG, NVV, GEM etc. pp.). Der Name deutet auch den neuen Standort bereits an: Wanlo.
Zwar war auch der alte Standort bei Wanlo gelegen, nach der Ablehnung aus Hochneukirch muss aber ein anderer Standort, etwa direkt südlich (wo es durch den Bergbau keine bewohnten Siedlungen mehr gibt) oder östlich (also im Abwind des hier typischen Westwinds), gefunden werden.

Alleridngs hat die Anlage inzwischen ein Kostenproblem: Das ursprüngliche NVV-Konzept sah einen Betrieb mit Mais und Gülle vor. Mais aber muss speziell angebaut werden, ist vergleichsweise teuer und hat einen hohen Flächenbedarf – Deutschland hat aber eher zu viel Ackerland (bzw. zu viel Naturlandschaft fällt dem Ackerbau zum Opfer), dessen Ausweitung nicht Ziel einer nachhaltigen Energiewirtschaft seien kann (vielleicht mit einer vertikalen Farm, aber nicht auf dem freien Feld).
Aber Mönchengladbach ist eine Stadt mit über 260.000 Einwohnern – da fällt etwas ganz anderes an: Abfall. In diesem Fall sind natürlich die Bioabfälle interessant. Die müssen irgendwo hin – und wenn sie schon anfallen, warum dann nicht Gas (bzw. Gas und Heizleistung) und verdelte Gülle daraus herstellen? In geringen Mengen kann eine solche Anlage auch Grünschnitt vetrragen, wie er in Wanlo bereits gesammelt und verwertet wird (deshalb auch dieser Standort).

Abhängig ist das alles natürlich davon, ob die NVV die Anlage in Jüchen nun baut oder nicht (ich werde einfach die Tage mal nachfragen). Denn zwei solche Anlage in unmittelbarer Nähe dürften nicht funktionieren.
Auch müsste für eine Verwertung von Bioabfällen eine Zusammenarbeit mit der GEM erreicht werden. Es bedarf zudem einer Vorsortierung der Abfälle (in der Anlage?), was zwar ein paar (2-3) Arbeitsplätze schaffen dürfte, aber entsprechend auch kostet. Dafür spart man alleridngs einen Großteil der Materialkosten des Mais‘.
Allerdings bietet die Anlage auch große Chancen: Mönchengladbachs Abhängigkeit von der dreckigen Braunkohle, für die ganze Landstriche abgebaggert werden, sinkt ebenso wie der Einfluss von Energiekonzern RWE. Eine größere Anlage könnte Wanlo sogar komplett energieautark machen – ein großer Schritt in eine Zukunft mit dezentral hergestellter, erneuerbarer und kohlendioxidarmer Energie.
Daneben auch eine neue Einnahmequelle für NVV und Stadt und eine klare Standortverbesserung für die Landwirtschaft (die Abfälle einer solchen Anlage sind hervorragender Dünger).

Alternativ kann die Anlage auch mit einer Biogasaufbereitung ausgestattet werden, sodass die NVV in Zukunft einen Teil ihres Treibstoffs (so ihre Fahrzeuge in Zukunft mit Gas fahren) selber herstellen kann.
So oder so: Für Biogas gibt es gute Gründe und für Biomüll bessere Verwendungszwecke als die Halde.

Ich werde jetzt erstmal Informationen zu der alten Planung und dem aktuellen Stand sammeln.


Petitionnerstag XXXIV (Petitiamstag II)

So, mit etwas Verspätung wegen schwerster Krankheit und Stress (jaja, für euch sind Herbstferien, für mich Semesteranfang) seien hiermit die Petitionen der Woche nachgetragen. Übrigens nicht der einzige Artikel, der sich jetzt verschoben hat, aber die anderen hab ich wenigstens nicht termingebunden.

Also dann:

Wiedereinführung des Diploms

Abschaffung des Bachelor Master Systems an deutschen Hochschulen … Wiederaufnahme des reformierten Diploms

Wieso das Diplom in Deutschland ohne Not abgeschafft wurde, werde ich nie verstehen. Das ist für unser Hochschulsystem etwa so, als würde Haribo plötzlich keine Goldbären mehr herstellen.
Aber nicht nur der Titel: Auch das System war mE besser, weil eben nicht auf stupides Auswendiglernen ausgerichtet.

Keine Ökosteuer für Ökostromnutzer

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass alle Bezieher von 100% regenerativ erzeugter Energie von der Öko-Steuer befreit werden.

Das wäre definitiv eine Stärkung der Steuerungswirkung der Steuer. Zum Ausgleich könnte man die widersinnige Befreiung des Luftverkehrs von der Ökosteuer abschaffen.
PS: Der Name des Petenten (Gerhard Schulten aus Düsseldorf) kommt mir übrigens seltsam bekannt vor. Kann mir zufällig jemand auf die Sprünge helfen?

Beschleunigter Atomausstieg

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass alle deutschen Atomkraftwerke bis 2021 abgeschaltet werden.

Jo, fällt unter den Punkt „Jedes Jahr Atomkraft ist eines zuviel“.
Im Gegensatz zu den Behauptungen der Lobbyisten von RWE, Vattenfall, EnBW und Eon ist es problemlos möglich, die Atomkraftwerke in Deutschland innert 12 Jahren abzuschalten, ohne dass es zu einer „Versorgungslücke“ kommt. Und wahrscheinlich auch billiger als der Weiterbetrieb mitsamt Atommüllentsorgung.

Integrationsministerium

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass ein Integrationsministerium eingeführt wird.

Kann man die armen Ausländer nicht einfach in Ruhe lassen? Ich glaube inzwischen, der Hauptgrund für die meisten Probleme der Einwanderer in Deutschland ist, dass wir sie ständig und pausenlos integrieren wollen.
Würden wir aufhören, sie über ständige Integrationsvorhaben als etwas anormales darzustellen, würden sie sich wahrscheinlich relativ schnell in die Gesellschaft einnormalisieren. Wie es in den 60ern mit den Gastarbeitern ja passiert ist.

Lobbyisten-Register

Der Deutsche Bundestag möge beschließen ………ein Lobbyisten-Register einzurichten.

Das ämusanteste an diesem Antrag dürften die Reaktionen der Lobbyisten sein – das interessanteste, wie diese das Register sabotieren.

Fußwegnutzung mit dem Fahrrad bis 14

Der Deutsche Bundestag möge beschließen … das Jugendliche bis 14 Jahre auf dem Gehweg Fahrrad fahren dürfen wenn kein Radweg vorhanden ist.

Äh, ich mag mich irren, aber ich meine, mich zu erinnern, dass das aktueller Stand der Dinge ist. Zumindest habe ich das Anfang der 90er auf der Grundschule in der Fahrradfahrschule so gelernt.
Und die wurde immerhin von der Polizei veranstaltet.

Abschaffung von Grund- und Gebäudesteuer

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …
das die Grund- und Gebäudesteuer abgeschafft wird.

Kurz und knapp. Der Petent argumentiert, dass er mit seinem Grund und seinem Gebäude allein ja keine Belastungen für die Allgemeinheit verursacht, für deren Kompension eine Steuer angebracht wäre.
Die Grundsteuer diente mal zur Abdeckung von Erschließungs-, Straßen- und ähnlichen Kosten, die inzwischen alle eigene (zusätzliche) Abgaben sind. Und die Grunderwerbssteuer gibt es auch noch. Dennoch muss man ach sagen: So viel Geld, die Grundsteuer zu erlassen, haben wir momentan ganz einfach nicht.

Einheitliche Mehrwertsteuer auf medizinische Leistungen

Der Bundestag möge beschließen, dass medizinische Leistungen umsatzsteuerlich einheitlich beurteilt werden.

Das kann sowas von nach hinten losgehen… oder wollen Sie in Zukunft 19% auf den Arztbesuch zahlen?
Ich verstehe auch nicht ganz, warum die Besteuerung hier einheitlich sein sollte. Es ist nicht so, als würde den Otto-Normal-Kunden der Mehrwertsteuersatz interessieren (den interessiert der Endpreis).

So, die letzten drei Petitionen haben sich leider nicht so kurz gehalten (schöne Woche eigentlich, mit so vielen kurzen Petitionstexten), des halb kommen sie auch ans Ende:

Veröffentlichung steuerfinanzierter Studien

Der Deutsche Bundestag möge beschließen … dass dem Bundesbürger aktuelle, von den verschiedenen Ministerien in Auftrag gegebene und vom Steuerzahler über öffentliche Gelder finanzierte Studien öffentlich zur Verfügung gestellt werden und diese nicht durch die Ministerien geheimgehalten werden dürfen.

Es gibt natürlich Ausnahmen, die zu verfassen sind (ich vermute mal, ab und an hat die Geheimhaltung gute Gründe, tewa bei der Bundeswehr oder dem BND), ansonsten denke ich aber: Was vom Volk bezahlt wird, zu dem sollte es grundsätzlich auch Zugang erhalten.
Wobei ich mich da auf Material beziehe, welches die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten produzieren, aber das ist ja nicht exklusiv.

Senkung des ermäßigten Krankenkassensatzes

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …das der ermäßigte Beitragssatz in der GKV Beitragssatzverordnung, §2 von 13,4 Prozent auf 10,9 Prozent abgesenkt wird.
Ersatzweise soll in einem neuen § in der GKV- Beitragssatzverordnung ein nicht paritätisch finanzierter ermäßigter Beitragssatz von 10,9 Prozent in der GKV-BSV bestimmt werden.

Joa, alles, was gegen einen GKV-Beitrag von 0,00 € geht findet erstmal meine Zustimmung. Denn Gesundheitsversorgung sollte zumindest grundlegend Staatspflicht sein.

Deutsche Steuern für die Welt

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …
Ergänzung zum Steuerrecht
Jeder Bürger der Bundesrepublik Deutschland ist in der Bundesrepublik Deutschland steuerpflichtig, egal wo auf der Welt er sein Geld verdient und Wohnhaft ist.

Nee, is klar – und in jeder größeren Stadt der Erde sitzt ein deutscher Vollzugsbeamter. Das will ich sehen, das irgendwer eine solche Regelung international durchgesetzt kriegt.


Saarland und ein Arndt

Achja, das Saarland. Nunja, Jamaika im Saarland war eine Entscheidung der Grünen dort und so lange sie diese für sich behalten, soll es mir egal sein. Der Bundesvorstand mag das Bündnis ja auch nicht.
Anders sieht das offenbar leider NRW-Vorstand Arndt Klocke.

Der hält sich jetzt aktiv und gezielt eine Jamaika-Option ebenfalls offen. Nun ist das nicht das erste Mal, dass Arndt nach rechts schielt – bisher ging das aber im allgemeinen Rauschen der Pressekonferenzen unter.
Die oben verlinkte Rheinische Post hat seine letzten Aussagen richtig schön dramaturgisch zusammengestelt – da lass ich es mir nicht nehmen, diese in der selben dramaturgischen Reihenfolge genauer unter die Lupe zu nehmen:

In NRW halten sich die Grünen für die Landtagswahl im Jahr 2010 ein Jamaika-Bündnis allerdings offen. Grundsätzlich müssten Koalitionen mit allen demokratischen Parteien möglich sein, sagte Parteichef Arndt Klocke unserer Zeitung.

Zur Einleitung etwas leicht verdauliches, üblicher Politsprech nach einer Wahl oder während einer möglichen Koalitionsbildung.
Man spricht selbstverständlich mit allen demokratischen Parteien etc. pp. das lässt natürlich völlig offen, was man ihnen dabei sagt und ist als inhaltsloser Satz jetzt nicht besonders auffällig oder schädlich – sonderlich hilfreich allerdings auch nicht.

„Entscheidend sind für uns Grüne die Inhalte.“ Klocke erteilte gleichzeitig einem rot-rot-grünen Bündnis in NRW eine Absage.

Und da kommen auch schon die dicken rhetorischen Knaller: Man weckt das Publikum mit einem schönen Paradoxon.
Klocke implizietr hier, man wollen grüne Sachthemen mit jenen Parteien durchsetzen, die diesen am stärksten widersprechen (also CDU und FDP) während die Linke, programmatisch unsere direkten Nachbarn, dazu ungeeignet sind.
Und damit kommen wir zum Schlusspunkt des rhetorisch-dramaturgischen Dreitaktes, Begründung und Schluss:

„Die Idee, Energiekonzerne zu verstaatlichen, ist rückwärtsgewandt und altbacken.“ Mehr Klimaschutz sei nur in einer freien Marktwirtschaft möglich.

Okay, bitte die Augen nach oben bewegen und das Zitat nochmal lesen: Klimaschutz geht nur mit freier Marktwirtschaft.
Nochmal, weil’s so schön ist: Klimaschutz geht nur mit freier Marktwirtschaft.

Was für eine Verbaldiarrhöe.
Was zum Teufel macht denn bitte eine privatisierte Energiewirtschaft ökologisch? Und warum sollte in einer verstaatlichten Energiewirtschaft kein Klimaschutz möglich sein?
Im Gegenteil, grade in einer verstaatlichten (besser noch: vergesellschaftlichten) Energiewirtschaft lässt sich eine ökologische Wende wesentlich besser vollziehen als im jetzigen System, wo die Konzerne wie RWE sich mit aller Kraft dagegen stemmen, ihre Kraftwerksstruktur zu verbessern. Dieser Satz ist vollkommen widersinnig und unbegründet.

„So wie die Linkspartei jetzt programmatisch aufgestellt ist, ist Rot-Grün-Rot politisch tot.“

Merkt ihr’s?
Arndt Klocke ist der einzige mir bekannte Mensch, der nicht Rot-Rot-Grün, sondern Rot-Grün-Rot sagt. Weiss der Geier warum – ein kurzes Googlen bringt hervor, dass diese bezeichnung in Hessen verwendet wird, möglicherweise will er hier Erinnerungen hervorrufen. Aber dann würde er nur daran erinnern, wie die SPD sich durch vorschnelle Ausschließeritis ein Eigentor eingebrockt hat – woran Klocke jetzt offenbar in NRW in exakt der selben Form zu arbeiten versucht (das allein ist schon ein böses Eigentor).

Arndt Klockes größtes Problem scheint zu sein, dass er nicht gegen die Basis arbeiten kann. Denn auf seiner Webseite gibt er sich ganz handzahm:

Die Entscheidung im Saarland hat keine Signalwirkung auf andere Bundesländer, auch nicht für die Landtagswahl 2010 in Nordrhein-Westfalen. Wir GRÜNE NRW stellen aber fest, dass wir grundsätzlich mit allen im Bundestag vertretenen Parteien gesprächsbereit sind. Ob die GRÜNEN NRW eine Koalitionsaussage treffen und welche, wird die Partei im Frühjahr 2010 entscheiden.

Da hat ihn wohl jemand zurückgepfiffen. Hoffentlich hat der- oder diejenige noch genug Spucke zum Weiterpfeifen.