eBook-Umstelleritis

Nachtrag Die Gratis-Aktion ist nicht möglich, da es technische Probleme mit BoD (der selbe Drecks-Editor wie bei Neobooks, fertig hochgeladene ePubs werden von diesem hier sogar kurzerhand zurechtgestutzt) gab und ich auf Xinxii ausweichen musste, die diese Möglichkeit nicht bieten./Nachtrag

Die nächsten Tage wird es ein paar Veränderungen bei meinen eBooks geben. Links verändern sich, Bücher werden kurze Zeit nicht mehr lieferbar sein und danach an neuen Stellen auftauchen. Hier ist eine Übersicht, was passiert, warum und was das für die Leser bedeutet. Und wieso ich nächste Woche drei eBooks verschenke.

Stand der Dinge

Beinahe vier Jahre ist es nun her, dass ich mein erstes eBook bei Amazon zum Verkauf gestellt habe. Das war am 17. November 2011. Im Internet eine Ewigkeit, in der sich entsprechend viel verändert.
Damals war Amazon meine erste und einfachste Plattform – die Dateien waren leicht zu erstellen und da sie aus html bestanden, bis zum letzten Punkt kontrollierbar ohne dass die Ergebnisse zu rigide wurden. Das Mobi-Format war großartig, ePub erschien mir zu überladen und zu uneinheitlich. Zwar war es immer der Plan, später auch auf anderen Plattformen zu veröffentlichen, aber Amazon hatte Priorität.
Doch der Markt wuchs ständig und bald wollten auch andere Stücke vom Kuchen – vor allem in Deutschland entwickelte sich mit Tolino ein echter Konkurrent. Wer in Deutschland am Markt bestehen will, muss heute auf beiden Plattformen sein: Tolino und Kindle. Ein paar andere wie Google Play und iBooks schaden auch nicht. Doch das war nicht unbedingt einfach, es gab keinen direkten Einstieg wie bei Amazon mit seinem Kindle Direct, man musste als Selbstverleger über Dritte gehen.
Dazu kommt ein neues Problem: De facto erfolgt für europäische Selbstverleger eine heftige Mehrwertsteuererhöhung für über Amazon und iBooks verkaufte eBooks, von 3% auf 19%. Die eBooks mit einem Preis ab 2,99 € können das ab, aber bei denen darunter ist das wegen der ohnehin geringeren Tantiemen (nur 35% statt 70% vom Nettopreis) ein empfindlicher Einbruch. Und viele meiner Bücher, darunter die Meilensteine der Evolution als mit Abstand erfolgreichstes Produkt fallen in diese Preisklasse. Durch den vertrieb über einen Dienstleister kann ich diesen Effekt mildern, ohne die Preise anzuheben (für die Meilensteine etwa von 1,49 € auf 1,99 €).
Ich habe in letzter Zeit mit Methoden experimentiert, meine eBooks auf anderen Plattformen unterzubringen. Und jetzt endlich habe ich ein Modell dafür, wie ich meine Distributoren nutze. Das muss ich jetzt umsetzen:

Deutsche eBooks unter 2,99 €: BoD
Deutsche eBooks über 2,99 €: Amazon KDP + Xinxii
Englische eBooks: KDP + Draft2Digital
Papierbücher: epubli oder BoD, je nachdem welcher für das jeweilige Projekt günstiger ist

Was sich ändert

Von den Änderungen sind die folgenden Bücher betroffen:
Meilensteine der Evolution – alle Bände: Diese sind bisher bei Amazon KDP gelistet und werden in Zukunft zu BoD übergehen. ich kann aus vertraglichen Gründen nicht gleichzeitig über BoD und direkt über Amazon an Amazon liefern, weswegen ich den Vertrieb entsprechend umstellen muss.
Die Meilensteine werden weiter bei Amazon erhältlich sein, aber für etwa einen Tag werden sie aus dem Shop verschwinden, um später mit neuer ASIN (und somit unter neuen Links) wieder aufzutauchen. In den folgenden Tagen werden sie bei weiteren Shops auftauchen, darunter iBooks und die Shops der Tolino-Allianz (u.a. Thalia, Weltbild, lokaler Buchhandel) sowie bei den Leihdiensten Skoobe und readfy.
Das bedeutet leider auch, dass bisherige Amazon-Käufer zukünftige Aktualisierungen der Reihe nicht mehr erhalten werden. Um das auszugleichen (und zugegebenermaßen auch als Werbeaktion) werden die drei bisher erschienenen Bände der Reihe bis einschließlich Mittwoch gratis verfügbar sein. Je nachdem, wie schnell BoD die Änderungen danach durchführt evtl. auch bis Donnerstag, aber darauf würde ich mich als Leser nicht verlassen ;-)
Das gilt für alle Shops, welche die Bücher der Reihe bis dahin in ihr Sortiment aufgenommen haben. Danach gehen die Bücher dauerhaft auf die gewohnten 1,49 € Verkaufspreis.

Unter Wittgensteins Löwen: Das Schicksal der Löwen ist weniger radikal. Bei Amazon ändert sich gar nichts, nur die übrigen Shops werden einen kleinen Schluckauf bekommen, während ich den Vertrieb der ePub-Version von Neobooks zu Xinxii übertrage. Damit habe ich auch die Möglichkeit, die ePub gestalterisch meinen relativ hohen Ansprüchen an die Kindle-Version anzupassen, so dass beide Versionen in Zukunft absolut gleichwertig sind. Der für mich überraschend lästig aufgebaute Editor von Neobooks hatte mir da übel mitgespielt.

Die Zukunft

Ein Mal umgesetzt sollte danach wieder alles glatt laufen.
Seit mittlerweile drei Monaten bin ich mit meiner Produktivität sehr zufrieden. Die deutsche Übersetzung von Khamel ist fertig, aber ich musste nachträglich noch ein paar Tippfehler bereinigen (Newsletter-Empfänger haben die Geschichte heute in fertig korrigierter Form als Bonus erhalten). Bei einer Geschichte von nur 1.400 Wörtern sehr unangenehm, sowas übersehen zu haben. Da ich wieder neue Ideen habe, werden zudem die Meilensteine nicht so schnell enden.
Ansonsten habe ich für die Zukunft noch ein paar Überraschungen im Ärmel, die aber dann inhaltlicher Art und garantiert nicht so lästig wie die Vertriebsumstellung.
Und morgen erzähle ich euch dann von Khamel, der Stadt Kalmrill und wie Mönchengladbach ein Fantasy-Gegenstück bekam.


7 auf einen Streich, Teil 1: Paläozoikum

Nachdem meine Buchproduktion im letzten Jahr extrem hinter meinen an mich gestellten Erwartungen zurückblieb, konnte ich dieses Jahr meine Produktivitäts enorm steigern und endlich wieder vorankommen, indem ich täglich etwas Zeit in die Buchproduktion steckte.
Endlich kann ich nun die Reihe Meilensteine der Evolution (fast) abschließen, meine Buchserie über die Evolution, die sich über die Zeit so sehr verändert hat. Von einer Serie zu den Übergangsformen in der Erdgeschichte zu einer Serie über die wichtigsten Ereignisse in der Evolutionsgeschichte mit Fokus auf je ein evolutionsbiologisches Thema in jedem Band.

Die Serie hätte bereits 2013 mit neun Bänden und einem Sammelband abgeschlossen sein sollen. Ganz offensichtlich ist das nicht geschehen.
Doch mit meiner neu gefundenen Produktivität komme ich schneller voran als je zuvor. Die Struktur der Bücher bietet die Gelegenheit, an mehreren Bänden parallel zu arbeiten und so kam ich auf die Idee, die sieben übrigen Bände in einem Schwung herauszubringen. Am 31. März wird es so weit sein, abhängig davon, wie schnell Amazon die dann eingereichten Bücher online stellt, könnte es auch der 1. oder 2. April werden.
Danach begebe ich mich an ein Papierbuch, das die Serie sammelt und um ein paar Kleinigkeit ergänzt, wie etwa Übersichten zu Erdzeitaltern, die die Serie aus verschiedenen Gründen überspringt.

Zwei Bände lassen noch auf sich warten, was hauptsächlich an der Bebilderung liegt: Für Klirrender Kälte gibt es kein geeignetes Titelbild, das werde ich wohl einzeln beauftragen müssen. Für Flammender Farne mangelt es zusätzlich zu einem Titelbild auch an brauchbaren freien Illustrationen für das Innenleben.
Ich lese mich grade in das Thema Crowdfunding ein, um die Serie (vorerst?) abschließen zu können.

An den verbleibenden drei Montagen will ich die sieben Bände der Reihe in chronologischer Reihenfolge vorstellen. In diesem ersten Teil also die Bände, die im Paläozoikum liegen, dem Zeitalter zwischen dem Auftauchen von Lebewesen mit Skeletten vor ca. 550 Millionen Jahren und dem größten Massensterben der Erdgeschichte vor ca. 250 Millionen Jahren. Oder kurz gesagt: Die Zeit vor den Dinosauriern.


Zackigen Zahnes
Kanada vor 545 Millionen Jahren

Die ursprüngliche Idee hinter den Meilensteinen war es, gezielt über durch die Kreationisten ausgelassene oder verfälschte Informationen aufzuklären. Die Kambrische Explosion ist eines der beliebtesten erdgeschichtlichen Ereignisse der Kreationisten, hat man doch lange Zeit gedacht, alle Sorten von Lebewesen wären damals urplötzlich aus dem Nichts aufgetaucht. Doch die Wissenschaft bleibt nicht stehen und so weiss man heute mehr denn je über die Dinge, die damals in der Tierwelt passiert sind.
Wir wissen inzwischen, dass die fremdartige Welt der kambrischen Ozeane keineswegs aus dem Nichts kam und es schon lange vorher Leben gab.

Aber nicht nur das: Die „Explosion“ lässt sich sogar relativ gut mit den Grundprinzipien der Evolution erklären, sie ist schlichtweg das zu erwartende Ergebnis, wenn Variation ohne nennenswerte Selektion geschieht, also eine der Grundkräfte der Evolution ohne ihr Gegengewicht freiläuft.
Hier kommt auch die zweite Aufgabe der Reihe hinzu, die Information über die Funktionsweise der Evolution. An keinem besseren Beispiel lassen sich Variation und Radiation so schön erklären wie in dieser kurzen Zeit, in der es nichts anderes gab.

So gerne ich auch Carel Brest van Kempens großartiges Kalenderbild der Burgess-Fauna verwenden würde, ein Tiermaler dieser Prominenz ist höchstwahrscheinlich nicht im Budget. Aber ich sag euch was: Sollten diese Bücher (oder das Crowdfunding für die zwei fehlenden Bände) genug Geld dafür machen, werde ich das Cover entsprechend überarbeiten.
Bis dahin hält dieses Foto eines Dioramas aus dem Museum Mensch und Natur in München her. Es zeigt nicht ganz so gut, wie anders die Welt des Kambrium war, ist aber ein durchaus realistisches Bild des Lebens in dieser Zeit.
Das Tierchen unten ist Opabinia, eine der zahlreichen wunderbar bizarren Arten aus der Gruppe der Radiodonten, die in der Geschichte mit mehreren Tieren (Opabinia und Anomalocaris) vertreten sind.


Feuchten Fußes
Grönland vor 360 Millionen Jahren

Dieser Titel ist ja bereits erschienen, aber mit den neuen Bänden gibt es hier eine leichte Überarbeitung.
Der wichtigste neue Punkt ist das Kapitel „Schlaglicht“, welches immer einen im jeweiligen Buch wichtigen Mechanismus der Evolution beleuchtet und erklärt.
Beim vorherigen Band war das Radiation, hier ist es nun Präadaption.

Mit dieser kleinen Ergänzung kann die Reihe ihren Zweck, anschaulich die Evolution zu erklären, fast schon perfekt erfüllen. ich sage fast, weil es ja immer sein kann, dass noch eine Verbesserung dazukommt, bis jetzt wüsste ich aber keine.
Mit dieser dritten Auflage ist Feuchten Fußes nun an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht mehr glaube, am Grundkonzept der Serie noch etwas verbessern zu können. Das gilt ebenso natürlich für sämtliche Bände der Reihe.

Flammender Farne
Ruhrgebiet vor 320 Millionen Jahren

Dieser Zeitabschnitt enthält einen der beiden noch nicht veröffentlichungsreifen Bände. Ich möchte diesen aber nicht völig verschweigen. Flammender Farne führt in das Zeitalter des Karbon, dem Zeitalter der Wälder, Amphibien und riesiger Gliederfüßer wie drei Meter lange Tausendfüßer und 70 Zentimeter spannende Libellen.
Dieser Band setzt sein Augenmerk auf die Entwicklung der Pflanzen dieser Zeit und wie das Entstehen gewaltiger Wälder Klima und Lebensräume auf der Erde verändern.

Pflanzen führen ein eher stiefmütterlich behandeltes Dasein zwischen all den deutlich spektakuläreren Tieren der Urzeit. Aber sie sind es, die stärker als alle anderen Lebewesen das Antlitz der Erde prägen. Nur leider ist es sehr schwierig, von prähistorischen Pflanzen auch nur annähernd so viele und so gute Abbildungen zu erhalten wie von den Tieren der Urzeit.

Nächsten Montag geht es dann weiter ins Mesozoikum. Und damit, wie es sich gehört, zu den Dinosauriern und ihren nächsten Verwandten.


Feuchten Fußes 2.0 oder: Der Fischlurch und die Negerlein

Seit ein paar Tagen ist die stark erweiterte zweiten Auflage des ersten Bandes der Reihe „Meilensteine der Evolution“ , Feuchten Fußes für Kindle erhältlich. Unter den Neuerungen findet sich auch ein Versionslog, das die Veränderungen im Vergleich zur ersten Auflage kurz zusammenfasst. Hier möchte ich für Interessierte detailierter auf die Ändeurngen und die Hintergründe eingehen.

Die Zensur-und-Neger-Debatte
In der Woche, in der ich die letzten Schliffe am Buch vorgenommen habe, ging eine große Debatte durch die deutschen Feuilletons: Otfried Preußlers Verlag hatte angekündigt, den Kinderbuchklassiker Die kleine Hexe zu überarbeiten und dabei neben dem unbestreitbar überholungsbedürftigen „durchwichsen&dquo; auch den „Neger“ gestrichen.
Da es nicht wirklich um meine Meinung zu dieser Debatte geht hier nur eine Kurzfassung: Ich halte „Neger“ historisch für einen unproblematischen Begriff, der aber durch die antirassistische Bewegung nachträglich als rassistisch deklariert wurde. Damit ist der Begriff rassistisch geworden, denn es liegt in der Natur von Sprache, dass Wortbedeutungen im semantisch-lexikalischen Konsens und nicht im historischen Kontext erschlossen werden. Oder anders gesagt: Es ist egal, ob ein Wort einst etwas bestimmtes bedeutet hat oder eine bestimmte Konnotation besaß, ausschlaggebend ist, welche Bedeutung und Konnotation es heutzutage hat. Somit ist Neger heutzutage rassistisch konnotiert. Ich persönlich halte das teils als Eigenbezeichnung schwarzer Deutscher geführte „Afro-Deutsche“ für um einiges rassistischer (weil es de facto Herkunft als genetisch verankert bezeichnet), aber sei’s drum.
Per Schlenker zurück zum Thema: Ist die Änderung des Buches legitim? Kann man ein Kulturerzeugnis nachträglich verändern, um sich verändernden kulturellen Rahmenbedingungen gerecht zu werden? Sollte man das? Das Thema, dass die Szene, in der bei Preußler der „Neger“ vorkommt, mir eher ein Plädoyer für Völkerverständigung zu sein scheint, mal ganz aussen vor gelassen.

Die Frage nach der Legitimität von Veränderungen in Literatur ist auch für mich und für die Änderungen in Feuchten Fußes relevant. Während ich den Sachbuchteil immer an den aktuellen Stand der Forschung anpassen und wann immer nötig aktualisieren wollte, hielt ich mich damit aus dem Teil, den die kleine Kurzgeschichte ausmacht, weitgehend heraus. Das war zumindest der Plan.
Nur gab es einen Punkt in der Geschichte, der ein Problem darstellte. Die Geschichte handelt von einem Acanthostega, einem der ersten Amphibien und seinen Ausflügen an Land. Dabei trifft er mehrfach auf kleine Landamphibien, die ersten echten Landtiere. Unserem wasserbewohnenden Hauptdarsteller erscheinen diese Wesen abstoßend, aus seiner Perspektive sind Amphibien ohne Kiemen so etwas wie bedauernswerte Entwicklungsfehler. Im Laufe der Geschichte wird aber klar, dass diese Tiere ein deutlich müheloseres Leben haben als Acanthostega, der mehr schlecht als Recht auf dem Land leben kann und im Wasser in ständiger Gefahr vor großen Raubfischen lebt. Der Punkt der Geschichte ist, dass scheinbare Nachteile unter den richtigen Bedingungen zu Vorteilen werden können.
Nun war die erste Begegnung wohl etwas stark formuliert und ich überlegte nach dem Hinweis einer Leserin aus der fremden Ferne (Rheydt, kannte die Frau aber zuvor nicht), sie zu entschärfen. Sie konnte sozialdarwinistisch ausgelegt werden. Auch wenn das Ende der Geschichte dieser Interpretation klar widerspricht, war es besser, sie erst gar nicht aufkommen zu lassen. Dennoch haderte ich: Eine bereits veröffentlichte Geschichte verändern? Ist das legitim?
Aber ja, das ist es.

Man muss sich vor Augen führen, dass ein Großteil der Literatur, die wir hierzulande lesen ohnehin Übersetzungen sind, also nicht der ursprüngliche Text des Autoren. Darunter übrigens auch Pippi Langstrumpf, um das es eine ähnliche Diskussion (der Vater als Negerkönig und Pippis Idee von der Transformation zur Negerprinzessin) gab. Die andere Sache ist die, dass der Rest dessen, was wir lesen oft mehrfach lektoriert wurde.
So ein Lektorat hat man sich nicht als einfache Rechtschreib- und Kommasetzungsprüfung vorzustellen. Der Lektor bearbeitet auch – gewöhnlich gemeinsam mit dem Verfasser – Stil und Satzbau; er analysiert und kritisiert Logik, Realismus, Vermarktbarkeit (!) und Plot der Geschichte und schlägt dem Autoren Änderungen für eine überarbeitete Fassung vor, bevor diese dann in zwei bis drei Anläufen bis zum Druck durchgereicht wird. Wohlgemerkt erst, wenn der Lektor zufrieden ist.
Was wir Leser schließlich in den Fingern halten ist nur sehr selten der ursprüngliche Text des Autoren. Die Autorenautorität ist eine schöne Vorstellung, die uns die Illusion leben lässt, Literatur sei grundlegend authentisch. Die Zerstörung dieser Illusion führt bei vielen Menschen zu einer Art Kulturschock, auf den in der Regel mit Verdrängung und Erkenntnisverweigerung reagiert wird. Es ist dieser Kulturschock, aus dem sich die Wut gegen die Streichung von Preußlers Neger speist (das und der Versuch der Fremdbestimmung von Sprache als sehr intimen Teil der Persönlichkeit ihres Sprechers, was den entscheidenden Unterschied zwischen dem Durchwichsen und dem Neger ausmacht).
Ich bin unter vorrangig deswegen selbstverlegt, weil ich genau dieses Lektoratstheater nicht mitmachen, sondern die Autorität über meine Texte behalten will. Viele mir persönlich bekannte Kollegen geben ihrerseits den selben Grund an.

Das hat aber auch Konsequenzen: Wenn wir die volle Verantwortung für unsere Texte übernehmen, sind wir eben auch verantwortlich, wenn etwas falsches oder missverständliches drinsteht. Darauf müssen wir reagieren – wir können den Fehler belassen oder wir können ihn verändern. Natürlich können wir ihn auch ignorieren.
Ich entschied mich letztlich, dass alle Teile von Feuchten Fußes, auch die Kurzgeschichte, einen klaren Lehrzweck verfolgen und diesem unterworfen sind. Daher ist auch für diesen Teil eine Änderung legitim, wenn sie nötig erscheint. Wir unabhängige Autoren haben als solche die Verantwortung, unsere Werke so gut wie möglich zu machen und notfalls zu diesem Zweck auch mit Augenmaß Änderungen vorzunehmen, wenn es dem Zweck der Geschichte dienlich ist.

Neue Kapitel
Das ist schnell erklärt: Die zweite Auflage hat einige jene Kapitel dazugewonnen, die zuvor im zweiten Band Staksigen Schrittes erstmals aufgenommen wurden.

Cover
Auf das überarbeitete Cover hatte ich ja bereits bei der Veröffentlichung von Staksigen Schrittes hingewiesen. Die Cover der Reihe sollen ein einheitliches Erscheinungsbild haben und das erreiche ich mit der Überarbeitung hin zu einer professioneller wirkenden Bildkomposition recht gut.
Die Schriften sind neu, die Proportionen sind neu und der kleine Greererpeton nimmt jetzt weniger Platz ein und ist gespiegelt, um dem Titelschriftzug Platz zu machen. Nebenbei habe ich auch den Untertitel geändert, er ist jetzt präziser. Leider habe ich vergessen, das auch im Buch anzupassen, die Anpassung erfolgt dann mit der nächsten Aktualisierung.
Was ich diesmal anders als bei Staksigen Schrittes sehr gut tun kann unc auch tun werde ist noch ein Vergleich des alten mit dem neuen Coverstil (alt links, neu rechts):

Die Wissenschaft dahinter
Hier habe ich ein Detail der Forschungsgeschichte ergänzt. Es geht darum, wie ein schwedischer Paläontologe jahrelang die Forschung aufgehalten hat, indem er wichtige Fossilien in seinen Besitz brachte und als einziger untersuchen konnte, was zu deutlich falschen Vorstellungen über die Entwicklung der ersten Landwirbeltiere führte. Das ganze ist eine spannende Geschichte für Freunde der Wissenschaftsgeschichte, im Buch ist nunmehr eine Kurzfassung zu finden.

PS
Bisherigen Käufern sollte die neue Version in den nächsten Tagen zur Verfügung stehen. Amazon ist, was das angeht, leider sehr langsam.


Staksigen Schrittes

Es ist vollbracht: Nach viel zu langer Bearbeitungszeit ist der zweite Band von Meilensteine der Evolution fertig und steht zum Verkauf. Na gut, „fertig“ nenne ich meine Sachbücher eigentlich nicht, mehr „veröffentlichungsbereit“. Denn deswegen gibt es ja ab und an Aktualisierungen – einerseits veralten Sachbücher mit dem Fortschritt der Forschung, andererseits gibt es immer wieder neue Ideen, was ich mit einem Grundkonzept machen kann.
Und genau für letzteres ist Staksigen Schrittes ein gutes Beispiel. Es gibt einige neue Inhalte, die so im ersten Band Feuchten Fußes noch nicht vorhanden waren. Diese sind nun im zweiten Band und werden bald für den ersten nachgereicht. Doch eins nach dem anderen.

Staksigen Schrittes
Anmerkenswert ist, dass die Geschichte zu Anfang des Buches im Vergleich zu Feuchten Fußes doch sehr anders ist. Hatte Feuchten Fußes eine richtige kleine Geschichte mit einer Hauptfigur, die sich emotional durch ihre Lebensumstände und Begegnungen entwickelt (soweit ein Lurch das eben kann), ist Staksigen Schrittes mehr eine Szene, ein normaler Tag Stunden vor dem Ende der Welt. Mehr eine Beschreibung des Lebens damals als eine echte Geschichte.
Ich bin gespannt, ob und wie dieser andere Ansatz ankommt.
Eine andere Veränderung betrifft die Artenporträts: Ich hätte alle Arten weiter vor weissem Hintergrund darstellen können, aber die größere Auswahl an Bildern im Vergleich zu den frühen Amphibien erlaubte mir, an einigen Stellen komplette Lebensbilder der Tiere einzusetzen. Ich entschied mich, diese Möglichkeit wahrzunehmen und deshalb gibt es jetzt statt dem reinen Pteranodon zwei Pteranodon über dem Meer.

Bild: Heinrich Harder

Die Alternative hätte so ausgesehen, auch hübsch, aber letztlich wenig interessant:

BIld: Matthew Martyniuk

Neu: Fiktionsfilter
Der andere mit diesem Band neu in die Serie eingeführte Bestandteil ist eine kleine Idee, auf die ich beim Lesen dieser Buchbesprechung gekommen bin, genauer durch diesen Abschnitt:

As for the text – well, it’s Bakker, so you probably already know what to expect. It can get a little twee at times, and he indulges in some plausible speculation that isn’t signposted as such

Das ist ein guter Punkt. Bücher über ausgestorbene Lebewesen enthalten oft viel Spekulation, die nötig ist, um ein geschlossenes, realistisches Bild von diesen Tieren zu erhalten. Spätestens wenn man eine Geschichte um diese Tiere schreibt wie ich es in Meilensteine der Evolution tue, wird es unvermeidbar, Eigenschaften zu schildern, die möglich und plausibel sind, die aber nicht aus den Fossilien abgeleitet werden können.
Da Schreitenden Staksigen Schrittes deutlich ausführlicher als Feuchten Fußes in die damalige Welt eintaucht, ist das hier besonders wichtig. Die Stars der einführenden Geschichte sind zwei Quetzalcoatlus, doch wir wissen nicht, ob diese Flugsaurier einzeln, in Paaren oder gar in Rudeln auf Nahrungssuche gingen und wahrscheinlich werden wir es nie wissen. Es kommt ein Tyrannosaurier vor. Dass er wie in der Geschichte ein Gefieder hatte ist wahrscheinlich, aber nicht sicher; geschweige denn, wie es gefärbt war. Wie ein Tyrannosaurier auf zwei umherlaufende Flugsaurier reagieren würde können wir ebenfalls nicht aus den Fossilien wissen.
Fakt und Fiktion in dieser Weise klar zu trennen schärft die Fähigkeit, dies zu trennen und bietet einen guten Ansatzpunkt zu erklären, woher wir bestimmte Dinge wissen oder warum wir sie annehmen können. Die Geschichte muss dadurch nicht verlieren, sie darf beide Bereiche ruhig vermischen. Jede Geschichte ist am Ende eine plausible Fiktion. Wenn es darum geht, Leute für Wissenschaft zu interessieren, ist es aber auch eine gute Idee, klar zu sagen, was wir wissen, was wir nicht wissen und was wir nicht wissen können.
Daher dieses neue Kapitel. Ich mag es sehr.

Neu: Zeitbild
Neu ist ein kurzer Abschnitt, der die Welt zu jener Zeit vorstellt, in der der jeweilige Band angesiedelt ist. Geografie, Klima, Tier- und Pflanzenwelt… ein knapper Überblick, was wir wissen und wie ähnlich oder unterschiedlich die damalige Welt zu unserer war. Die Geschichte am Anfang liefert einen Ausschnitt daraus, dieses neue Kapitel ergänzt diesen um das Gesamtbild.

Neu: Die Nebendarsteller
Das ist eine Ergänzung, über die ich schon bei Feuchten Fußes nachgedacht, dort aber mangels nennenswerter Inhalte (nur ein einziger Süßwasserhai) nicht umgesetzt habe.
Dieser neue Abschnitt ist in der Form identisch mit den Artenporträts, stellt aber jene Tiere vor, die zwar in der Geschichte vorkommen, mit dem eigentlichen Thema des Buches aber nichts oder nur wenig zu tun haben. In Feuchten Fußes war dies der Süßwasserhai, der unseren Acanthostega zur Flucht aufs Land veranlasste. Alle anderen Tiere waren frühe Amphibien um die das Buch sich ja drehte und erschienen daher unter den Artenporträts. Das war auch dem Handlungszeitraum geschuldet, wo ausser diesen nichts an Land lebte, was größer war als ein Tausendfüßer. Mit den Quetzalcoatlus in Staksigen Schrittes kommen wir in die Zeit der großen Berühmtheiten unter den Dinosauriern. Also kommen in der Geschichte auch Dinosaurier vor: Raptoren, Entenschnabelsaurier und der kreidezeitliche Superstar T. rex. Diese drei erhalten nun also ebenfalls kurze Porträts.

Neu: Was wäre wenn…
Meine Lieblingsneuheit in diesem Band ist das neue Kapitel „Was wäre wenn…“. ich war immer schon ein Fan alternativer Geschichtsschreibung und der Frage, wie unsere Welt aussähe, wenn bestimmte Ereignisse in der Vergangenheit anders abgelaufen wären. Solche Gedankenspiele helfen, die Bedeutsamkeit eines historischen Ereignisses zu ermessen.
Also spiele ich das Szenario einmal durch: Wie sähe die Welt heute aus, wenn die Flugsaurier das große Massensterben am Ende der Kreidezeit überlebt hätten?
Das Ergebnis ist eine Welt, in der giraffengroße flugunfähige Flugsaurier in den Steppen Jagd auf kleine Säugetiere machen. Sowas hier:

Flightless Pterosaur of Doom by ~Osmatar on deviantART
Diese Art der gedanklichen Spielerei mit Wahrscheinlichkeiten und Plausibilitäten ist ein durchaus beliebtes Hobby unter Paläontologen und hat im Internet unter dem Begriff „Speculative Biology“ eine komplette Szene hervorgebracht. Und warum auch nicht?

Das Cover
Das Cover von Staksigen Schrittes hat im Vergleich zu Feuchten Fußes ein paar stilistische Änderungen durchgemacht, die meines Erachtens einfach professioneller wirken. Das Ergebnis sieht nunmehr so aus:

Das Bild im oberen Bereich nimmt nun relativ viel Raum ein. Ich habe aufgegeben, oberen und unteren Bildteil ineinander übergehen zu lassen und im Ergebnis hat das gesamte Cover Konturen gewonnen und wirkt sauberer.
Es gibt weiterhin ein anderes Tier im unteren Bereich, dieses ist jetzt aber deutlich kleiner als vorher, wo der Greererpeton fast so groß war wie Acanthostega, die Hauptfigur des Bandes. Das ist hier als Notwendigkeit geschehen, da der gewaltige Kopfkamm des Nyctosaurus ein kleineres Bild nötig machte. Die obere Spitze ragt immer noch ins obere Bild, was ich aber absichtlich belassen habe um das Gesamtbild etwas aufzulockern. Ich denke, dieses Größenverhältnis werde ich in Zukunft grob beibehalten.
Die Schrift für Autor, Titel und Untertitel ist etwas größer und klarer. Letzteres hat einen etwas blöden Grund: Ich hatte vergessen, welche Schriftart ich ursprünglich benutzt hatte und habe bei der Gelegenheit noch einmal eine neue ausgewählt. Consolas ist eine hübsche Monospace-Schrift, die auch bei starker Verkleinerung noch gut lesbar bleibt und somit allgemein ein guter Kandidat für eBook-Cover. Tja, eine Riesen-Fontsammlung auf dem Rechner und die beste für den aktuellen Verwendungszweck ist doch wieder eine Windows-Standardschrift.
Bleibt noch die Fußzeile zu erwähnen. Diese ist geblieben, aber auch hier gibt es ein paar subtile Unterschiede. Zum einen ist die Bandnummer hinter dem Serientitel verschwunden. Meilensteine der Evolution hat keine vorgegebene Lesereihenfolge, da die Bände sich nicht auf einander beziehen, also gibt es auch keinen Grund, den Bänden Nummern zu geben. Im Gegenzug ist der Schriftzug etwas größer geworden.
Wer genau hinsieht wird erkennen können, dass der Nyctosaurus etwas in den schwarzen Balken hineinragt. Damit soll das Cover weiter zu einem Ganzen zusammengebunden werden. Beim ersten Band hatte ich das noch vermieden, wodurch das untere Tier aber etwas im leeren Raum zu schweben scheint.
Die nächste Auflage von Feuchten Fußes hat im selben Zuge bereits ein in der selben Weise überarbeitetes Cover erhalten, das mit der nächsten Aktualisierung auch bei Amazon ankommt:

Die Zukunft der Reihe
Nach dem zweiten Band kommt nun erstmal der erste dran: Wie schon angedeutet wird Feuchten Fußes um die Neuerungen aus Staksigen Schrittes ergänzt und das aktualisierte Cover dazugepackt. Ausserdem gibt es eine kleinere Änderung in der beginnenden Kurzgeschichte, nachdem mich eine Leserin auf eine möglicherweise missverständliche Formulierung aufmerksam gemacht hat. Das sollte nicht lange dauern, die meisten der Neuerungen sind bereits im Manuskript übernommen und müssen nur noch feingeschliffen werden. Wenn nichts dazwischenkommt geht das noch dieses Wochenende raus.
Danach arbeite ich weiter am ursprünglich zweiten Band, Schwarzer Schwinge. Es hat sich herausgestellt, dass die Kurzgeschichte am Anfang der Bände das schwierigste an den Fortsetzungen ist. Es ist nicht einfach, eine Geschichte mit Tieren zu erzählen, ohne sie zu vermenschlichen, was ich bewusst vermeiden will. Aber jetzt habe ich einen Ansatz für Schwarzer Schwinge und ich kann den bereits halbfertig auf meiner Festplatte liegenden Band endlich komplettieren. Dabei werde ich wahrscheinlich noch eine Neuerung einführen, mit der die Möglichkeiten der Serie etwas erweitert werden. Ich überlege nämlich, in Zukunft auch auf die menschlichen Einflüsse auf die Evolution einzugehen – Ausrottung, Domestizierung, Zucht und Gentechnik. Um diese Themen, vor allem die Gentechnik, angemessen behandeln zu können muss ich die Möglichkeiten der Serie aber noch etwas ausbauen. Für die nächsten Bände bleibe ich vorerst noch in der Urzeit, noch gibt es mehr als genug Ereignisse in vorgeschichtlicher Zeit.
Oh und dann sollen die Bücher natürlich auch noch anderswo als bei Amazon verfügbar sein. Amazon ist zwar ganz nett, aber es gibt ja noch andere nette Händler und vor allem auch solche, bei denen das alternative ePub-Format verkauft wird. Und ja, Apple ist mit auf der Liste.

Als kleine Vorschau für den dritten Band hier noch das Cover von Schwarzer Schwinge. Das waren dann aber auch genug Cover für einen Tag ;-)

Korrektur vom 25.1.2013 – An einer Stelle im text stand noch der Arbeitstitel des Buchs, „„Schreitenden Schrittes“. Diesen habe ich aufgegeben, weil er unsinnig war.


eBook-Land Woche 32

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 154,82 € | Händler: 6

In eigener Sache
Dieses Cover ist Müll! hat mit einigen kleinen Korrekturen und Aktualisieurngen nunmehr Verisonsnummer 3.0.2 erreicht und war zu diesem Anlass am vergangenen Freitag kostenlos zu haben. Das Ergebnis ist dabei wesentlich schlichter als damals bei Feuchten Fußes: 237 Exemplare wurden am Freitag geladen, 3 seitdem verkauft (darunter mein erster Verkauf in Spanien). Dazu kommen noch 11 Stück, die nach dem Ende der Gratis-Aktion als kostenlos gezählt wurden. Ich vermute, das ist ein Darstellungsfehler und diese sind noch in der kostenlosen Zeit bestellt, aber erst später zur Statistik gezählt worden. Ich habe dennoch Amazon dazu kontaktiert, vielleicht steckt ja noch Geld drin ;-) .
Ein Erfolg, den ich bei der anderen Aktion dafür nicht hatte, waren gleich zwei hervorragende neue Bewertungen des Buches. Die erste davon kam während der Aktion bei xtme, einer Seite, die regelmäßig kostenlose Amazon-eBooks sammelt und die besten (sowie ein richtig schlechtes als Warnung) verlinkt (also etwa das, was eBooksfuerlau bei Twitter macht).

xtme in seiner Liste guter kostenloser eBooks: Dieses eBook ist KEIN Müll! Im Gegenteil, mir gefällt die konstruktive und detaillierte Herangehensweise des Autors an ein Thema, das jedem, der mal bei Amazon in den eBooks recherchiert hat, begegnet ist: schlechte und unleserliche Cover. Falls Sie sich mit dem Gedanken tragen, ein eBook für Kindle zu veröffentlichen: lesen Sie dieses eBook! (Viele Abbildungen, 704 Positionen, 59 Normseiten, 3,99 € Normalpreis)

Dazu kam gestern noch eine Rezension auf Amazon.de selbst, wenn ich das A. richtig aufdrösel von SF-Autor Ava Felsenstein. Diese sind besonders wertvoll, weil sie dort für die Kunden sichtbar sind und vor allem die Sternwertung erscheinen lassen, die somit jetzt bei fünf Sternen liegt:

Hätte ich dieses Buch doch schon viel früher gelesen…
.. wird sich so mancher Leser dieses Ebooks sagen, welcher ebenfalls veröffentlicht hat und nie ganz mit seinem Cover zufrieden war. Eine Fülle guter Tipps, Anleitungen und Wegweiser sind hier zusammengetragen.(…)

Ich drücke dem Autor die Daumen, dass noch viele Autoren im Selbstverlag und andere Leser zu diesem Konzentrat an Wissen greifen und ihm die gerechtfertigten Platzierungen noch lange erhalten bleiben bzw. sich noch verbessern werden!

Wenn ich jetzt die nette Erwähnung bei Eileen Janket mitzähle, sind das drei positive Kritiken – drei mehr als bei Feuchten Fußes, welches bis heute die doppelte verkaufte Auflage aufweisen kann, es aber nur auf einen erfreulichen aber eher beiläufigen Hinweis im Manager-Magazin gebracht hat. Ich vermute, Ratgeber werden einfach häufiger bewertet als Sachbücher, da sie leichter nach Praxistauglichkeit benotet werden können. Für mich eine interessante Erkenntnis.
Die nächste Überarbeitung des Titels wird dann wohl wieder etwas größer sein – mit Version 3.1 ist dann im Spätommer zu rechnen, wenn nichts wichtiges dazwischenkommt.
Die zweite Auflage von Feuchten Fußes (also Version 2.0) nähert sich unterdessen ihrer Fertigstellung. Etwas später, als geplant, aber dafür wird das Buch auch merklich an Umfang zulegen.

Freundliche Hinweise
Wilhelm Ruprecht Frieling stellt seine Autobiografie Der Bücherprinz oder: Wie ich Verleger wurde noch bis zum 31. Mai kostenlos zum Download. Frieling ist eine recht ungewöhnliche Figur in der deutschen Verlagsszene und unter anderem dafür verantwortlich, dass das Konzept der Zuschussverlage hierzulande populär wurde. Das liest sich locker und amüsant, auch wenn man vom Konzept des Zuschussverlages (ursprüngliche Kernfunktion eines Verlages ist ja eigentlich grade die Finanzierung von Werken) wenig hält.
Mein Eindruck bisher: Der Text ist offen und durchaus auch selbstkritisch. Natürlich als Autobiografie nicht abschließend. Ich bin allerdings ein eher langsamer Leser und daher kann ich noch nichts zum Abschluss sagen. Einer der Gründe, warum ich praktisch nie Rezensionen schreibe (und Hörbücher mit ihrer vorgegebenen Geschwindigkeit ohne parallele Beanspruchung der anderen Sinne nicht mag).

Aus der Szene
Die aktuellste, aber in gewisser Weise auch beachtlichste Meldung gleich zu Anfang: Heute morgen hat das Sat.1-Frühstücksfernsehen ein selbstverlegtes Kindle-eBook empfohlen. Sechs von Niels Gerhardt, um genau zu sein. Der Videobeitrag selbst ist hier zu sehen.
Das große Thema in den USA ist momentan eine Studie des Blogs Taleist, deren Auswertung allerdings sehr zu wünschen übrig lässt. So wird festgestellt, dass Autoren mehr Geld verdienen, wenn sie professionelle Hilfe (Lektorat, Korrektorat, Coverdesign) in Anspruch nehmen, aber nicht weiter gegraben, ob das die Ursache für die höheren Einkünfte ist oder nur eine Folge der eigentlichen Ursache. Sicherlich ein interessantes Projekt für jemanden, der Ahnung von Statistik hat.
Ein anderes Thema waren Rezensionen: Einerseits gibt es da eine Untersuchung, die zu dem Schluss kommt, dass Rezensionen verkaufsfördernd wirken – und zwar weitgehend unabhängig davon, wie das Buch bewertet wird. Andererseits nimmt das Problem gefälschter Rezensionen offenbar langsam überhand.
Amazon verschärft nebenbei die Regeln zu Spam und untersagt künftig auch die Nutzung von frei im Netz zugänglichen Inhalten, sofern es sich nicht um eigene Inhalte oder gemeinfreie Literatur handelt. Konkret richtet sich die Regel wohl gegen die zahlreichen eBooks, die nur aus abgeschriebenen Wikipedia-Artikeln bestehen.
Tony Sanfilippo beschäftigt sich mit der Frage, wie Buchläden in Zukunft aussehen könnten. Alteingesessenen Lesern dieses Blogs werden Teile des Szenarios bekannt vorkommen. Ich vermeine unterdessen, erste Tendenzen zu einem Umdenken sehen zu können – man beachte die Überschrift. An dieser Stelle ist auch erwähnenswert, dass die honorige Stiftung Lesen sich inzwischen deutlich hinter Selbstverleger stellt.
Ein Einzelerfolg, der nicht verschwiegen werden sollte ist natürlich Fifty Shades of Grey, jene Twilight-Fan-Fiction-Serie, die es leicht überarbeitet als wortwörtlicher Vampirporno inzwischen in die Bestsellerlisten schafft – und mit seinen beiden Fortsetzungen in den USA zwischenzeitlich 25% des Belletristikmarktes ausmacht.


Umzug

Ja, ich bin mal wieder umgezogen. Ich denke, hier bleibe ich jetzt.
Blogspot hat sich mit der Zeit doch als sehr eingeschränkt herausgestellt. Dateien hochladen, die keine Bilder waren, war so ziemlich ausgeschlossen. Eigene Plugins einzubauen war weitgehend ausgeschlossen. Und die URL sah auch nicht so besonders schön aus.

Also, hier nun mein Blog neu auf thomasdiehl.eu. Noch sieht es stark nach Umzug aus – die meisten Beiträge sind noch nicht eingepasst, die Schlagworte der importierten Beiträge erscheinen als Kategorien, das Twitter-Feld hat noch die falschen Farben, das Logo ist noch das mit dem Themen-Namen statt mit dem Blogtitel, wo jetzt die Kategorien stehen sollen statt dessen die Seiten hin – eine Menge Kleinkram halt. Ob ich dort, wo jetzt Anzeigen stehen weiterhin Anzeigen stehen lasse, weiss ich noch nicht. Die Anzeigenplätze kamen mit dem Layout und ich habe erstmal nur die wirklich störenden rausgenommen.
Der Umfang hier wird den des alten Blogs allerdings deutlich übertreffen – auch meine anderen alten Blogs werden hier mit reingepackt, einschließlich der wenigen Fragmente, die ich noch von meinem ersten habe, damals, 1999-2002 auf Geocities.

Mit dem Umzug einher gehen Aktualisierungen meiner beiden bis jetzt verlegten eBooks, damit das Impressum aktuell bleibt. Zum Anlass des Umzuges erhalten beide einen Kostenlostag.
Den Anfang macht die bereits fertige Aktualisierung von Dieses Cover ist Müll auf nunmehr Version 3.0.2. Bei der Gelegenheit habe ich auch noch zwei Tippfehler ausgebügelt, die mir zuvor durch die Lappen gegangen waren und einen Punkt aus den Nutzungsbedingungen von Apple iBooks (Cover müssen dort zwingend den Autoren nennen) ergänzt. Dieses Buch wird am Freitagmorgen bis Samstagmorgen kostenlos sein.
Morgen dann geht Feuchten Fußes auf die Versionsnummer 2.0 und erhält dabei neben der Kontaktaktualisierung auch ein neues Kapitel zum Zeitalter des Devon (daher der größere Versionsnummernsprung) und einige Ergänzungen im restlichen Text zu den Arten Ichthyostega und Gogonasus. Dieses Buch wird dann am Samstag anlässlich Umzugs und der Aktualisierung noch einmal für 24 Stunden kostenlos erhältlich sein. Das wird das letzte Mal sein, dass Feuchten Fußes kostenlos erhältlich ist.
Frühere Käufer beider Bücher werden in den nächsten Tagen eine Mail von Amazon erhalten, mit der die kostenlose Aktualisierung der bereits erworbenen Dateien möglich ist.


eBook-Land Woche 29

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 130,85 € | Händler: 6

Heute einmal recht kurz, weil einerseits wenig passiert ist, andererseits ich selbst diese Woche allgemein wenig Zeit übrig hatte.

In eigener Sache
Die Verkäufe von Feuchten Fußes sind inzwischen auf dem Niveau angekommen, das ich für langfristig normal halte: Ein Verkauf am Tag. Das bedeutet, dass in den letzten sieben Tagen auch sieben Exemplare des Buches verkauft wurden, zuzüglich einem Verkauf auf amazon.com. Insgesamt also acht und damit genau die Hälfte der Verkäufe der beiden vorherigen Wochen.
Zugleich fand ich zu meiner Begeisterung erstmals eine Mail zum Buch vor. Leser Richard B. schrieb mir mit ein paar Themenvorschlägen für weitere Bände und einem Vorschlag für einen zusätzlichen Abschnitt in den Büchern. Einer der Themenvorschläge (Die „kambrische Explosion“) war ohnehin geplant, den anderen (Massensterben) habe ich jetzt in der Planung ergänzt. Was den zusätzlichen Abschnitt, eine Übersicht der Erdzeitalter, angeht, werde ich diesen ebenfalls umsetzen – wahrscheinlich einmal kurz in jedem Band und einmal umfangreicher als eigenen Band ausserhalb der Reihe (diesen könnte ich dann auch grundsätzlich kostenlos anbieten, als Ergänzung und Werbung für die anderen). Ich mache das, nachdem der zweite Band übernächste Woche fertig und veröffentlicht ist, die beiden dann schon erschienenen Bände erhalten entsprechende Aktualisierungen.

Aus der Szene
Der Buchreport stellt fest, dass für multimediale eBooks kein Markt zu existieren scheint. Ob das daran liegt, dass die Editionen von Rowohlt Mist sind (weiss ich nicht, ich kenn die nicht) oder, was ich eher vermute, Leute Bücher einfach ohne irgendwelche Gimmicks (Yps ausgenommen) lesen wollen, überlass ich erstmal jedem selber. Ich persönlich verstehe nicht, dass Verleger, die sich sonst doch mit Büchern auskennen, auf derlei Unfug stürzen. Das ist irgendwie wie das Internet in den 90ern – sinnloser Klickibuntikram aus unreflektierter Begeisterung, was alles möglich ist.
Auch ohne einen Erfolg des Multimedia-Unfugs gerät die Papierbranche offenbar weiter ins Trudeln. In China gibt es inzwischen erste Experimente mit Werbeanzeigen auf Büchern, in England fängt der elektronische Markt den weiter schrumpfenden Papierbuchmarkt auf.
Innerhalb des eBook-Marktes scheint Barnes & Noble mit seinem Nook massiv Amazon anzugreifen. Diese Anzeige ist da der offensichtlichste Hinweis, subtiler aber interessanter ist, dass die Nook-App auf iOS inzwischen die Kindle-App überholt. Ein Hebel dafür scheint die zukünftig mögliche Nutzung des Nook in Buchhandlungen zu sein.


eBook-Land Woche 28

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 117,73 € | Händler: 6

In eigener Sache
Feuchten Fußes konnte in seiner zweiten Woche erneut 16 Stück verkaufen und ist damit nach 14 Tagen bei nunmehr 32 verkauften Exemplaren. Ich hatte nicht erwartet, dass die Zahl sich über eine Woche nach Verkaufsstart hält und bin daher sehr positiv überrascht. Ein Verkauf von 9 Exemplaren an einem Tag brachte das Buch nebenbei auch in die dreistelligen Verkaufsränge auf die Nummer 518
Verkaufsrang-Verlauf für Feuchten Fußes bei Amazon
Bei den Bewertungen kann ich größtenteils nur raten: Bei Amazon gibt es noch keine, dafür gibt es eine überaus kryptische auf einem mir zuvor unbekannten Preisvergleichsportal (immerhin fünf von fünf Smileys) und das folgende Zitat im Manager Magazin (!):

Dass E-Books in Deutschland vom echten Verkaufsschlager noch weit entfernt sind, sieht man beim ersten Blick auf die Hitliste des Amazon-Readers Kindle: Neben Top-Gratis-Sellern wie der Evolutionsbroschüre „Feuchten Fußes“ finden sich hier Ratgeberbücher, die einzig und alleine mit einem Veriss aufwarten können.

Wenn ich das Zitat und die Tatsache der Titelerwähnung richtig verstehe war das ein positives Beispiel für das Qualitätsspektrum bei den Kindle-eBooks.

Zur weiteren Planung: Der zweite Band der Reihe, Schwarzer Schwinge, wird wohl wie geplant Mitte Mai erscheinen. Wahrscheinlich werde ich die sechs Bände der Serie am Ende zusätzlich auch in einem Papierbuch produzieren, hauptsächlich mit der Absicht, dieses als Werbung für die elektronischen Ausgaben an einige Bibliotheken zu geben.
Meine anderen Projekte haben keinen Zeitplan, aber wahrscheinlich bleibt Schwarzer Schwinge nicht das einzige neue eBook mit meinem Namen drauf, das diesen Monat erscheint.

Aus der Szene
Die große Nachricht der Woche im eBook-Bereich: Nach Baen verzichtet nun mit TOR der größte Spezialverlag für Fantastik auf den Einsatz von Kopierschutzmaßnehmen. Apropos Baen: Dort kann man sich jetzt Bücher per Facebook erspielen. Der Spiegel stößt unterdessen auf den Zusammenhang zwischen Urheberrechtslaufzeiten und Verlust von Kulturgut des 20. Jahrhunderts und berichtet darüber.
Bei den verlagen beginnt man inzwischen zu agieren. Campus startete eine eBook-Reihe, wenn auch eher halbherzig nur mit einigen wirtschaftspolitischen Titeln. Ein echter Test muss mit mehr als einem Genre laufen. Profile in Amerika geht da schon weiter und schafft eine gelungene interaktive Variante von Frankenstein. Microsoft steigt in das Geschäft ein und gründet einen gemeinsamen Ableger mit der Buchhandelskette Barnes & Noble, die erst kürzlich eine deutsche Tochter gegründet hatten und denen der erfolgreiche Kindle-Konkurrent Nook gehört.
Eine Folge der Verbreitung sozialer Medien und des Internets mit seinen sozialen Auswirkungen bringt der Krimiblog auf den Punkt: „Wer in mein Hirn will, muss sich benehmen“.
Abseits der Nachrichten eine definitive Leseempfehlung wert ist diese Betrachtung über das Wirtschaften mit dem 99-Cent-Preispunkt.


eBook-Land Woche 27

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 106,99 € | Händler: 6

Ein halbes Jahr ist seit dem ersten Beitrag der Serie rum. Welch schöner Zeitpunkt für den ersten kleinen Durchbruch. Ich warne aber schonmal vor: Das wird er längste Beitrag seit langem.

In eigener Sache
Fangen wir mal mit Feuchten Fußes an, das ist wohl für viele das interessanteste Thema.
Nach dem sehr zufriedenstellenden Start letzte Woche hat sich das Büchlein gut geschlagen. Meine Desillusionierung wegen der eher mageren Verkäufe von Dieses Cover ist Müll doch eingestellt hatte ist verflogen. Während mein Erstling (und ebenso die gemeinfreien Werke) weiterhin alle paar Wochen mal ein Exemplar verkauft geht Feuchten Fußes fast täglich weg, am letzten Freitag sogar ganze fünf Mal an einem Tag. Es hat sogar zwei „Gefällt mir“s bekommen, wenn auch leider noch keine Bewertung (eine 4- oder 5-Sterne-Bewertung sollte die Verkäufe nochmal spürbar fördern). Für etwa eine Woche hielt sich das Buch damit tapfer nicht nur auf dem 1. Platz unter allen eBooks über Evolution, sondern für drei Tage auch auf dem 1. Platz unter allen Büchern (Papier und digital) zu dem Thema. Hier ein Beweisfoto:

Insgesamt liegt die verkaufte Auflage nach sieben Tagen im Verkauf bei 16 Stück zuzüglich 439 kostenlosen Downloads bei der Werbeaktion. Ich bin ehrlich gesagt noch unschlüssig, ob ich nur die für Geld verkauften oder auch die kostenlosen zur Auflage zähle. Wahrscheinlich letzteres, die größeren Zahlen machen sich besser im Marketing ;-) . Die Zahlen scheinen sich langsam bei einem Exemplar am Tag (und Verkaufsrängen in den 6.000ern) zu stabilisieren, der beste Gesamtrang war 1.038 (sooo knapp am dreistelligen Bereich vorbei). Alles in allem bin ich zufrieden.
Ganz nebenbei habe ich mein absolutes Lieblingsspielzeug gefunden, nur wo ich es kaufen kann, weiss ich leider nicht. Die Seite ist seit Dezember 2010 nicht mehr aktualisiert worden und die Shoplinks führen zu keinen Ergebnissen. Sehr schade.

Jetzt ist natürlich bereits der Nachfolger Schwarzer Schwinge in Arbeit. Also von dem Buch, nicht von dem Plüschtier.

Eine kleinere Neuigkeit in meinem Angebot war die vergangene Nacht in den Verkauf gegangene Version 3.0.1 von Dieses Cover ist Müll. Es spricht für den aktuellen Stand des Werkes, dass ich zurzeit keinen Grund mehr sehe, komplett neue Kapitel oder große Veränderungen durchzuführen. Die Neuerungen in dieser Ausgabe beziehen sich auf eine Änderung in Amazons Anforderungen an die Datei mit dem Coverbild: Die längste Bildkante muss nunmehr statt 800 mindestens 1000 Pixel lang sein. An dieser Stelle auch nochmal vielen Dank an Eileen Janket für ihre Empfehlung.

Zeitgleich habe ich drei Projekte in Angriff genommen, die nach und nach heranwachsen und ebenfalls zu den kürzeren Werken zählen. Thematisch geht es zu Amphibien, Libellen und Ausserirdischen, wobei das zuletzt genannte Thema zugleich mein erstes in Englisch veröffentlichtes Werk repräsentiert. Auf jeden Fall motiviert mich Feuchten Fußes enorm beim Schreiben weiterer Projekte.
„Kann man davon leben?“ heisst es immer und nach diesen Ergebnissen sage ich einfach mal „Ja“, wenn man genug erfolgreiche Bücher im Markt hat. Ich bräuchte dazu zwar etwa 100 Titel, aber nur unter der Annahme, dass alle sich so verkaufen wie Feuchten Fußes. Es gibt aber momentan über 2.000, die sich besser verkaufen. Und später kommen ja noch iTunes usw. dazu.

Freundliche Hinweise
Diesmal darf ich hier auf Autumn Flora von Elsa Rieger verweisen, die erste mir bekannt gewordene englische Übersetzung der Geschichte einer deutschen Indie-Autorin. Erhältlich (unter anderem) bei Smashwords und Amazon.

Aus der Szene
Während die Verlage weiter in Schockstarre verharren hat sich Amazon mal eben die englischsprachigen Rechte an James Bond lizenziert – die komplette Serie, weltweit. Das finde ich ehrlich gesagt problematisch – schlimm genug, dass es derartige Exklusivitäten bei anderen Medien gibt, aber bei Büchern gab es das bisher nicht in dieser Form. Andererseits gehe ich davon aus, es hier mit einer vorübergehenden Erscheinung zu tun zu haben – ein solches Modell macht nur Sinn, solange das Verlagswesen im Buchhandel noch eine Rolle spielt. Das wird es mE vielleicht noch für ein Jahrzehnt, zwei wenn es klug handelt.
Genau diese Entwicklung nimmt aktuell Fahrt auf. Praktisch zeitgleich klagen Amerikas Kaderschmiede Harvard und die deutschen Bibliotheken über die hohen Preise der wissenschaftlichen Verlage – Harvard empfiehlt sogar explizit die Nutzung von Open-Access-Plattformen. Die Wissenschaft ist der Bereich, der am stärksten von freiem Zugang zu Wissen profitiert und zugleich der mit den am unverschämtesten agierenden Verlagen, die Werke weit jenseits dessen preisen, was die Studierenden zahlen können – man hat ja die Bibliotheken als finanzkräftige Garantieabnehmer. Ohne die Bibliotheken aber bricht das Wirtschaftsmodell der Wissenschaftsverlage zusammen. Wir werden sehen, wie sie reagieren.
Nebenan, in der Belletristik rechnet Kathrin Passig mal ihre Einkünfte aus kreativer Arbeit vor und hat damit so manchen überrascht. Kurze Zeit später erscheint bei Amazon (über Pottermore) Harry Potter auf deutsch und führt eindrucksvoll vor, was passiert, wenn sich ein Verlag (hier Carlsen für die Übersetzungen) einmischt: Die deutschsprachige Ausgabe ist kurzerhand um die 2 € teurer als die Originale. Die Fans werden es zahlen, für eBooks allgemein kommt Harry Potter damit ziemlich nah an meine Obergrenze für Downloads heran. In diesem Themenbereich kommentiert denn auch Techdirt, wenn Verlage es nicht schaffen, von eBooks für 9,99 zu leben hätten sie sich ihren Untergang selbst zuzuschreiben und verdient. Die Rettungsversuche sehen unterschiedlich aus: Der Spiegel listet mal wieder die üblichen Vorurteile und Durchhalteparolen auf, warum eBooks sich in Deutschland nie durchsetzen werden, der Börsenverein geht in die Offensive (wurde auch mal Zeit) und bringt mit dem Liro Ink ein „eigenes“ eBook-Lesegerät auf den Markt.
Und im Journalismus? Da wird die Frage lauter, wer hier eigentlich die Schnorrer sind, wenn sich die klassischen Medien ständig ohne ausreichende Quellverweise auf Inhalte im und aus dem Internet stützen. Dazu passt die leider etwas untergegangene Nachricht, dass die nur online existierende Huffington Post grade den Pulitzer gewonnen hat – wenn auch mit einem alteingesessenen Journalisten aus Zeiten lange vor dem Internet als Preisträger.


eBook-Land Woche 26

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 96,85 € | Händler: 6

In eigener Sache
Nach Überwindung meines deutlich zu großen Perfektionismus ging am Montag endlich, endlich Feuchten Fußes in den Verkauf. Mein Problem ist einfach, ewig noch ein verbesserungswürdiges Detail zu finden. Okay, die plötzliche Feststellung, dass man Ichthys mit th schreibt ist bei einem Buch mit vielen griechischen Fischnamen auch wirklich wichtig, konsequente Falschschreibung würde kein gutes Licht auf meine Recherche werfen. Und dann schleicht sich doch noch ein Fehler ein: Leser mit sehr gut eingestelltem Monitor werden bei genauer Betrachtung sehen können, dass es einen weissen Bereich zwischen den beiden Bildern gibt, der das hellgrau des unteren Hintergrunds umgibt. Der Grund ist, dass ich beim Hochladen versehentlich eine alte, nicht gelöschte Version des Titelbildes benutzt habe. Naja, gleiche ich das mit der Aktualisierung im Mai aus (in der ein Hinweis auf den dann erscheinenden 2. Band der Reihe ergänzt sein wird).
Planmäßig hingegen verlief der Start: Es war wie geplant direkt kostenlos erhältlich und ich bewarb den kostenlosen Donwload in meinem eigenes Twitter-Konto, bei Facebook, über das Twitter-Konto eBooksfuerlau und mit einem Beitrag im Thread für kostenlose deutschsprachige Bücher bei Amazon. So weit, so geplant. Dann kam die Überraschung.
Das Buch hatte mehrere Faktoren, die sein Verkaufspotenzial schmälerten: Es war ein Sachbuch1 zu einem relativ obskuren Thema2 von einem völlig unbekannten Autoren3, der kein ausgebildeter Fachmann auf diesem Gebiet war4 und einen grafischen Fehler im Cover hatte5. Ich rechnete mit etwa 100 Downloads bei der kostenlosen Abgabe. Mitternacht von Montag auf Dienstag lag die verkaufte Auflage bei 286 Stück, der Verkaufsrang unter allen kostenlosen Kindle-Büchern bei 22. Nach 24 Stunden (also heute um 10:00 Uhr) waren 343 Exemplare verteilt. Ich entschied mich, bevor ich meinen Markt noch komplett kostenlos sättigte, die Aktion etwas zu verkürzen und den zweiten Tag nicht mehr komplett kostenlos anzubieten. Um 14:00 Uhr sollte es vorbei sein. Allerdings ging ich mittags zwischendurch zur Post und kam erst um 15:00 Uhr wieder an den Rechner. So brach ich die Aktion später als geplant ab und auch Amazon brauchte zur Umsetzung dessen offenbar ein wenig Zeit – der Preis war erst um 17:00 Uhr wieder auf dem Normalnenner von 1,49 €. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich (nach 31 Stunden) 432 Exemplare verteilt, darunter je eins in Großbritannien, in Spanien und in sonstigen Ländern (alles, was amazon.com versorgt), die restlichen 429 bei amazon.de, also im deutschsprachigen Europa. Bei amazon.de stand mein Buch damit nicht nur als Bestseller in den Kategorien „Evolution“ und „Bestimmungsbücher“ (sic!) da, sondern auch als Nummer 12 unter allen kostenlosen Kindle-Titeln (Nummer 13 war zu diesem Zeitpunkt übrigens Lew Tolstois Krieg und Frieden). Hätte ich es die vollen 48 Stunden laufen lassen wäre es sehr wahrscheinlich in die Top 10 gegangen.
Ausschnitt der Verkaufsrangliste bei Amazon
Ich bin, kurzgefasst, von diesem Ergebnis der Aktion überwältigt. Mein obskures kleines Sachbuch hatte es innerhalb von 24 Stunden weiter nach vorne geschafft als ich im jemals zugetraut hätte. Übrigens haben sich nach dem Ende der Aktion bereits zwei Exemplare verkauft – das hätte ohne die Aktion wohl mindestens zwei Wochen gedauert. Zumindest der zweite Verkauf ist deutlich nach Ablauf der Aktion erfolgt und somit ziemlich sicher kein Versehen.
Ein Abgleich meiner Werbelinkzahlen mit den Verkäufen bringt mich zu der Erkenntnis, dass der Großteil (ca. 75%) der Downloads auf den Beitrag im Amazon-Thread zurückgehen, der einzige Link, den ich ohne Affiliate-Code gesetzt habe. Ich bin sehr gespannt, wo das alles noch hingeht (Kriege ich eine Rezension? Halten sich die Verkäufe? Bleibe ich weiterhin in der Kategorie „Evolution“ vor Charles Darwins Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl?) und was nächsten Monat passiert, wenn mit Schwarzer Schwinge der zweite Band der Reihe erscheint.
Und vor lauter Begeisterung schreibe ich ellenlange Blogbeiträge darüber.
Abseits von all dem habe ich selbst seit heute einen Reader für eBooks im epub-Format. Der Hanvon WiseReader N256 ist ein sehr schickes Gerät und das einzige, das ich im gesamten eReader-Markt kenne, bei dem man über den Touchscreen frei in sein eBooks kritzeln kann. Praktisch zum Ausgleich hat es aber einige Schwächen, die vorinstallierten Schriftarten etwa sind alle serifenlos, was für Fließtexte unschön ist. Eine ausführliche Kritik gibt es, nachdem ich etwas mehr mit dem Teil gelesen und auch das aktuelle Update aufgespielt habe.

Freundliche Hinweise
Diese Woche darf ich wieder auf Eileen Janket hinweisen, die mit Der Stuntman eine Kurzgeschichte rausgebracht hat, um die Durststrecke zwischen ihrem letzten und ihrem nächsten Buch etwas zu verkürzen. Dieses nächste große Buch soll dann ein Fantasy-Roman mit dem Titel ELLEK sein. Ich finde ihren Ansatz, genremäßig sehr weit zu streuen interessant und bin gespannt, wie gut das langfristig funktioniert. Fantasy ist auf jeden Fall schonmal was für mich.

Aus der Szene
Die meiner Meinung nach begeisterungswürdigste Nachricht im elektronischen Buchhandel war die Einführung von Gutscheinkarten mit Code, die es ermöglichen, Bücher als Karten zu verkaufen. Das wiederum bringt die Möglichkeit mit sich, eBooks in Zukunft auch als Geschenk zu erwerben und verbessert für Werber zum Beispiel auch die Möglichkeit, eBooks in Gewinnspielen zu verlosen.
Bei Meedia fragt Stefan Winterbauer mal nach der Datengrundlage für die eBook-Bestsellerlisten. Die Antwort bringt daraufhin Marc-Oliver Bischoff ein und sie läuft tatsächlich darauf hinaus, dass viele unabhängig verlegte eBooks aufgrund der Kriterien für die Zählung gar nicht erst in die Wertung kommen.
Für alle, die nie mit einem großen Verlagshaus Probleme hatten gibt es diese Woche diese ziemlich üble Geschichte nachzulesen. Auch wenn ich einige Sauereien von Verlagen gehört habe, das ist sowohl in der Art als auch in der Schwere der Vorwürfe wohl einmalig. Eine eher versehentliche Sauerei war das weitgehende Verbot der Nutzung elektronischer Semesterapparate für Studierende.
Die Technology Review findet das wichtigste Argument in der Frage, ob Amazon ein Monopolist wird: Wenn, dann nur ein sehr schwacher, denn Amazon kann sehr schnell durch einen neuen Internethändler ersetzt werden, wenn es Kunden und Anbieter falsch behandelt. Das lernt übrigens seit einiger Zeit ebay und auch Aufstieg und Untergang diverser sozialer Netzwerke (kennt noch jemand Myspace? Yahoo Groups?) über die Jahre spricht da eine klare Sprache.