Tagebau-Literaturnachtrag

Letzte Woche hatte ich ja ein paar Romane um die rheinischen Braunkohletagebaue vorgestellt. dazu habe ich jetzt noch zwei kurze Nachträge aus dem englischsprachigen Teil der Welt, ein Buch und einen Film:

Zunächst mal das Buch. Darauf hat mich Kay Löffler aufmerksam gemacht, von dem der vorgestellte Roman Dorf der Wolkenmacher stammt.
Da ich das Buch nicht gelesen habe, kopiere ich einfach den Klappentext von Außer Kontrolle (OT: Dragline) hier rüber:

Das Haus war spottbillig – und es zu kaufen ein verhängnisvoller Fehler. Gideon und seine Mutter sind gerade erst nach Cold Knot gezogen, einer kleinen Siedlung am Rand des Kohlereviers. Eigentlich sollte der Tagebau nächsten Monat eingestellt werden. Jetzt ist keine Rede mehr davon. Bei Tag und Nacht reißt eine gigantische Maschine die Erde auf, tyrannisiert die Gegend mit Lärm und Staub. Gideon ist ratlos, denn seine Mutter wird immer seltsamer. Gut, daß sie nicht weiß, was für entsetzliche Dinge ihm bei seinen Streifzügen begegnet sind: der schwarze Hund, der eigentlich tot sein müßte … das Reh, dem der Kopf abgetrennt wurde … Gideon klammert sich an seinen Verstand, mit dem er bisher alles unter Kontrolle hatte. Aber es kommt der Moment, wo ihm seine Klugheit allein nicht weiterhilft.

Das Buch ist nicht leider mehr neu erhältlich.

Der Film dagegen ist noch nicht neu erhältlich: Avatar.
Wer sich den Anfang des Films anschaut sieht, dass das, was die Ureinwohner auf Pandora bedroht, ein riesiger Tagebau ist. Dort wird zwar keine Kohle abgebaut sondern Unobtanium (sic!), aber es bleibt immerhin ein Tagebau.

Avatar sollte ja allgemein bekannt sein, mein Urteil: Der Film ist gut. Nichts neues, aber gut. Oder, um es mit dem besten Beitrag zum Thema zu sagen, den ich bisher gehört habe: „Leonardo war nicht der erste, der ein Portrait einer sitzenden brünetten Frau gemalt hat. Aber er hat es verdammt gut gemacht.“


Diese Musikeinlage holt's sich zurück

Hach, Repo! The Genetic Opera.
Was für ein großartiger, vollkommen übersehener Film. Ich habe ihn vor einigen Wochen zufällig über die „Ähnliche-Videos“-Spalte bei Youtube gefunden und fand, begeistert von dem so gefundenen Ausschnitt, eine DVD auf amazon.de (Werbung links).

Kurz zum Film: Repo! ist eine Rock-Oper im Jahre 2057: Organausfälle sind zur Epidemie geworden, die Zivilisation wäre fast untergegangen. Da trat der Konzern GeneCo auf den Plan und lieferte künstliche Ersatzorgane, die auf Kredit finanziert werden konnten. Daneben erfand GeneCo Zydrate, ein extrem wirkungsvolles Schmerzmittel, mit dem Operationen ohne Betäubung vorgenommen werden konnten.
Plastische Chirurgie und künstliche Ersatzorgane wurden zum normalen Bestandteil einer neuen Kultur, in der der eigene Körper zum Modegut wurde.
Aber GeneCo war immer noch ein Wirtschaftsunternehmen und als solches daran interessiert, seine Investitionen zurückzubekommen. Der Konzern ließ ein gesetz beschließen, welches es legalisierte, Organe säumiger Kunden zurückzuholen – aus dem Kunden!
Diesen Job erledigt der Repo Man.

Der Film dreht sich hauptsächlich um die Entwicklungen zwischen GeneCo-Chef Rotti Largo, seinen drei Kindern (Pavi, Luigi, Amber), Nathan/Repo Man, seiner Tochter Shilo und der mit künstlichen Augen ausgestatteten Opernsängerin Blind Meg.
Der Film ergeht sich nicht in Kitsch, dafür in einer überzogen verrotteten Darstellung der Menschheit. Dekadent, brutal, düster ist die Gesellschaft einer Zukunft, in der der repo Man zwar ein extrem, aber keineswegs ein Fremdkörper ist. Andererseits ist es erfrischend, einen Film zu sehen, der seine Charaktere so konsequent zeichnet und sie zu keinem Zeitpunkt schont.

Und nun zur Musikauswahl.

Das erste, was ich von dem Film gesehen und gehört habe ist Let the Monster Rise, einer der entscheidenden Wendepunkte im Film:

Recht früh im Film ekrlärt Nathan, was er ist:

Im Trailer fand die Oper aus dem Filmtitel Verwendung, die den Höhepunkt des Films einleitet und den Film, der hauptsächlich die Welt hinter den Kulissne zeigt, mit einer Darstellung der Oberfläche dieser Welt bricht:

Und der Abschlusssong. Hört sich an wie ein klassisches Happy Ending, hört sich aber auch nur isoliert vom restlichen Ende so an. Es ist mehr ein Lichtschimmer in einem unglaublich düsteren Film:

Die oben verlinkte DVD ist englisch mit deutschen Untertiteln. So, wie ich meine Musicals mag: Im Originalton.


Katzen tanzen nicht

Die 90er waren die Zeit der animierten Musicals. Ein fast vergessenes habe ich bei Youtube einfach mal ausgegraben. Bester Song: Tell Me Lies gefolgt von Our Time Has Come.
Erste drei Teile in der Vorschau, der rest nach dem „Weiterlesen“ bzw. „Continue Reading“ (ja, ich muss das neue Design noch übersetzen):



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Und noch ein Filmtipp: Gamer

Immer mal wieder gibt es einen Film, der schlechte Kritiken kriegt, weil ihn keiner versteht. Die wenigen intelligenten Filme aus Hollywood sind meist solche Fälle.
Gamer wurde gerne wegen seiner Faszination mit Blut und Sex kristisiert. Nur wenigen Kritikern wurde klar, dass das Absicht war: Gamer parodiert, nein spiegelt, den Alltag in Multiplayer-Shootern und sinnlosen Netzgesellschaften à la Second Life. Schonungslos und – das wird viele schockieren – realitätsnah.
Gamer zeigt eine Welt, in der zwei Videospiele – Society und Slayers – entwickelt wurden, in denen echte Menschen als Figuren fungieren. Dabei kritisiert er Massenmedien und Kapitalismus ebenso wie die in diesem Film durch Abwesenheit (oder Tolerierung) glänzenden Staatenwesen. Er zeigt die Eigenheit, die die Multiplayer-Community von der „normalen“ Welt entwickelt hat, ihre Geschlossen- und Fremdheit. Dass echte Gamer ihn für eine Sammlung von Stereotypen halten, zeigt einzig eine fehlende Selbstreflexion der Kommentatoren – oder aber Angst vor der Erkenntnis.
Im Endeffekt geht es aber gar nicht um Gamer – es geht um die modernen Massenmedien und das, was wir so alles für Unterhaltung halten. Und wer Society für unmöglich hält, sie daran erinnert, dass wir das selbe auch noch in den 90ern von Big Brother dachten.

Gamers Problem ist es, für die Action-Fans zu storylastig und für die Storyfreunde zu actionhaltig zu sein. Beide Gruppen mögen ihn nicht. Oh, und das Ende ist etwas sehr einfach – da hatte man wohl gemerkt, dass die 90 Minuten Filmzeit schon fast um waren.


Noch zwei Filmtipps

Ihc möchte mal wieder zwei Filme empfehlen – einen neuen und einen recht alten.

Fangen wir mit dem Neuen an: Agora.
In Agora geht es um das Leben der späten Hypatia von Alexandria, einer heidnischen Gelehrten aus der ägyptischen Großstadt, die dort im 5. Jahrhundert zu den letzten Bewahrern alter griechischer Wissenschaft und Philosophie im Westen zählte.
Ihre neoplatonische Philosophie wurde von den Christen als Bedrohung wahrgenommen und so bekämpften sie Hypatia aufs schärfste. Wir befinden uns hier auf dem Höhepunkt des frühen Christentums und seiner antiwissenschaftlichen Tendenzen – etwa zur selben zeit wurden im Römischen reich Wahrsagerei und (akademische) Mathematik verboten. Sie wurde schließlich von einem christlichen Lynchmob emrordet – je nach Überlieferung mit Steinen erschlagen, zu Tode geschleift oder gar mit Austernschalen zu Tode gekratzt.

Etwas älter, aber ich hab ihn erst jetzt gesehen The Butterfly Effect um einen mann, der als Kind immer wieder Filmrisse erlebt und als Erwachsener lernt, sich an den Zeitpunkt dieser Filmrisse zurückzuversetzen und in seinem kindlichen Körper mit seinem erwachsenen Wissen zu agieren.
Und dann beginnt er, die Ereignisse zu verändern.

Der Film hat ein paar üble Logiklöcher, aber wenn man die ignoriert, bekommt man einen sehenswerten Film über Macht, Missgeschick und (am Ende) Verzicht. Es gibt noch ein alternatives Ende, aber das hier ist einer der wenigen Fälle, wo ich das Kino-Ende lieber mag als das ursprünglich vom Regisseur angedachte.
Ganz klar in meiner Liste der besten Filme überhaupt.


Definitiv zwei Filmtipps: District 9, Age of Stupid

Age of Stupid

Age of Stupid läuft am 22. September in Düsseldorf im Atelier Kino, Graf-Adolf-Straße 47. Der Film läuft nur in sehr wenigen Kinos, deshalb empfehle ich aufgrund der guten Kritiken und des Trailers schonmal unbesehen, hinzugehen. das da oben ist übrigens ein Ausschnitt zur Geschichte der Rohstoffkriege. Der zusammengewürfelte grafische Stil ist Absicht.
Der Film spielt in den 2050er Jahren und zeigt einen der letzten überlebenden Menschen, wie er in Archiven die Ursache sucht für das Ende der menschlichen Zivilisation im ausser Kontrolle geratenen Klimawandel.
Andere Spielorte finden sich hier.

District 9

1982 sind Aliens über Johannesburg gestrandet und wurden in einen slumartigen District, District 9, verbracht. Ein Privatkonzern, die MNU verwaltet den District und sucht nach Wegen, die ausserirdischen Waffensysteme zu nutzen, die nur von den Aliens aktiviert werden können. Nach einer Umsiedlungsaktion kommt es zur Eskalation.
Einige Kritiker meinten, das Ende des Films wäre zu hollywoodesk und actionorientiert. das halte ich für falsch – die Eskalation zum Ende hin macht im Film durchaus Sinn.
District 9 läuft in den meisten großen Kinos.


Vieleicht ein Filmtipp: District 9 und Alive in Joburg

District 9 bekommt aktuell etwas wohlverdienten Hype und da will ich einfach mal nicht hinten anstehen, immehrin hab ich den Film schon ein paar Monate auf meiner Liste potenziell interessanter Filme.

Aber statt Worte über die Hollywood-Adaption zu verlieren zeige ich einfach den Kurzfilm vom selben Regisseur, auf dem District 9 basiert: Alive in Joburg:


Zeugenaussage: Transformers 2

Ich weiss nicht, wie ich es sagen soll, es ist schon ein wenig peinlich. Eigentlich sogar ziemlich peinlich, gradezu blamabel.
Ein Grund, sich in eine Ecke zu kauern, zu schämen und zu hoffen, dass niemand es bemerkt.

Aber ich muss es einfach zugeben, dazu verpflichtet mich mein Ehrgefühl. Also:
Es war dunkel, sehr dunkel. Ein schwerer Vorhang reichte vor mir auf den Boden, das Surren eines generators erfüllte den Raum.
Menschen murmelten – betroffen, erschrocken, enttäuscht, verzweifelt. Sie alle wurden zeugen, wie ich, eines der schlimmsten Verbrechen der Menschheit.

Wir haben Transformers: Die Rache geschaut.
Was für ein Schrottfilm. Kein Sinn, keine Handlung und für die meisten Figuren (Charaktere wäre übertrieben) schwankten zwischen albern, dämlich und peinlich. Warum Sams Eltern soviel Leinwandzeit bekamen, ist mir vollkommen unverständlich, es war einfach nur unangenehm, diesen beiden zusehen zu müssen.
Ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas so schlechtes gesehen zu haben – und das will was heissen, immerhin hab ich meine Jugend cineastisch mit 70er/80er-Jahre-Science-Fiction zugebracht.

Also, solltet ihr euch überlegen, diesen Film zu schauen: Bitte nicht. Spendet das Eintrittsgeld, kauft euch nen Döner, holt den alten Zeichentrickfilm von 1989 auf DVD – aber tut euch bloß nicht Transformers 2 an.


Home anschauen und besserwissen

Oh, ein gehypter Ökofilm! Mal schauen…
Wer sich von meinem Gemopper nicht stören lassen will, kann auch einfach hier klicken (alle Sprachversionen verlinkt), ich motz aber lieber mal ein bisschen.
Das kann ich einfach viel besser als alles andere ;-) .

00:01:20 – Okay, das dürfte so ziemlich der Name von jedem Modelabel des Planeten gewesen sein. Ausser Adidas – aber dafür kam Gucci zweimal vor. Guter Ansatz für ein Quiz: Wieviele davon lassen in Kinderfabriken in China nähen?
00:01:31 – „Listen to me. Please.“ Mach ich ja schon. Ich starte selten Filme, um ihnen dann nicht zuzuhören. Okay, Stummfilme, aber das ist was anderes.
00:01:35 – „You’re like me, a Homo sapiens.“ Ich weiss, es ist albern, aber was passiert eigentlich, wenn das jetzt ein Ausserirdischer schaut? Wechselt der Text interaktiv?
00:01:37 – „A wise human.“ Okay, ich höre ja schon auf, zu jedem Satz einzeln was zu sagen. Ich sollte den Film kopieren und alle paar Sekunden mich selbst reinschneiden. Das würde Spass machen und keiner würde mich je wieder ansprechen wollen, weil ich eh nur motze.
00:02:00 – Oh, das war nur der Vorspann. Das wird ein langer Blogbeitrag, ich spüre es. In diesem Sinne: Weiterlesen »


Vielleicht ein Filmtipp

Das Risiko, dass The Age of Stupid zu sehr mit erhobenem Zeigefinger daherkommt ist natürlich da und auch relativ groß, daher nur „vielleicht“ ein Filmtipp.
The Age of Stupid erzählt von einem Archivar im jahre 2055, der in Aufnahmen aus dem Anfang des 21. Jahrhunderts (jetzt) herauszufinden versucht, warum wir den Klimawandel und den nahenden Untergang der Menschheit nicht verhindert haben, als wir es noch konnten.

Eine DVD mit Untertiteln in diversen Sprachen ist in Arbeit, wer in absehbarer zeit nach England kommt, kann ja mal auf der Webseite der Macher nach einer Aufführung in der Nähe schauen.