Sieben am Sonntag 12.02.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Die Musical-Episode von Buffy war damals ein ziemlicher Hit, groß genug, um mit Walk Through the Fire einen Charthit und mit Let Me Rest In Peace einen Fan-Liebling hervorzubringen. Mein Lieblingstitel aus der Episode ist hingegen Sanding in the Way/Under Your Spell Reprise.
Die Episode war voller Momente, in denen die Verhältnisse der Charaktere für den Rest der Serie auf den Kopf gestellt wurden. Dieser Doppelsong markiert den Rückzug von Buffys Mentor Giles und Taras Trennung von ihrer Freunding Willow. Beide Ereignisse sind für die weitere Serie extrem wichtig — und die Musik dazu perfekt. Joss Whedon macht definitiv zu wenig Musicals (im Grund e nur Once More With Feeling und Dr. Horrible’s Sing-Along-Blog samt dessen DVD-Bonus Commentary the Musical, alle absolut großartig).

Bienen der Woche

Beim Bürgergartenprojekt gibt es die Anfrage eines Verbandes, ob Bienenstöcke mit dem Garten vereinbar wären. Wir müssen noch abklären, wie groß das Bienenprojekt werden soll, aber grundsätzlich halte ich das für hervorragend. Wir hatten schon öfter daran gedacht, ob man nicht einen Imker anspricht, dort Bienen anzusiedeln, Nahrung dürfte genug da sein.

Drohne der Woche

Zumindest summen kann sie schon mal - Bild: Eijiro Miyako/Gizmodo

Zumindest summen kann sie schon mal – Bild: Eijiro Miyako/Gizmodo

Okay, das ist etwas verwirrend. Drohnen sind natürlich nach den männlichen Bienen benannt, die ein feminines Substantiv zum Namen haben und somit die feministischsten aller Insekten sind. Zu den Dingen, die Drohnen normalerweise nicht tun, gehört das Sammeln von Nektar und die Herstellung von Honig sowie natürlich die Bestäubung von Blüten.
Allerdings stechen sie auch nicht und trotzdem haben wir bewaffnete Kampfdrohnen. Um die Absurdität komplett zu machen haben wir nun also den Plan, Blüten mit winzigen Drohnen (die Roboter, nicht die Bienen) zu bestäuben.
Das ist so schlecht gar nicht. Während ich weiterhin bezweifle, dass das globale Bienensterben im oft propagierten Ausmaß existiert, gibt es lokal fraglos Probleme.
So bringt die Bienenhaltung in Nordamerika bei gleichzeitiger Industrialisierung der Landwirtschaft extreme Probleme mit sich. Dazu muss man wissen, dass Honigbienen in der Neuen Welt nicht natürlich vorkommen, sondern erst vom Menschen gemeinsam mit den entsprechenden Nutzpflanzen dort eingeführt wurden. Dazu kommen noch einige Probleme, die ich hier kaum weiter ausführen kann, etwa wenn Bienen Pflanzen bestäuben müssen, die sie eigentlich meiden (Mandelbäume zum Beispiel). Entsprechend schwierig ist die Bienenhaltung dort.
Unter solchen Umständen kann ein Bienenroboter durchaus Sinn machen. Mal sehen, ob wir solche Roboter noch sehen werden.

Drumpf der Woche

Die Heimatschutzbehörde der USA fände es ganz dufte, wenn sie bei der Einreise die Passwörter für soziale Medienprofile haben könnte. Die haben doch nicht mehr alle Farben im Wassermalkasten.

Abfall der Woche

Evolution einer Flasche. Rechts musste ich aus Platzgründen ein Porträt des aktuelln US-Präsidenten weglassen - Bild: Ari Jónsson

Evolution einer Flasche. Rechts musste ich aus Platzgründen ein Porträt des aktuellen US-Präsidenten weglassen – Bild: Ari Jónsson

Technisch gesehen ist die Meldung schon vom letzten Jahr, aber technisch gesehen müsste ich auch in Mandarin schreiben, damit mich möglichst viele hier verstehen, also was soll’s.
Der Ise (manche mögen „Isländer“ sagen) Ari Jónsson hat eine neue Form von biologisch abbaubarem Kunststoff entwickelt, der eigentlich keiner ist. Die Flaschen aus dem auch als Geliermittel bekannten Agar können nach einer Weile verrotten udn tun dies, im Gegensatz zu normalem biologisch abbaubaren Plastik, auch bei ganz normalen Temperaturen, sobald sie leer sind. Was sich natürlich noch erweisen muss ist, ob die Flaschen auch andere Dinge als Wasser transportieren können, ohne im Regal einzugehen.

Shirt der Woche

Seit wir mit Yi qi einen absolut spektakulären Dinosaurier haben, der mehr einem europäischen Drachen als einem chinesischen Dinosaurier ähnelt, bot sich einiges an spektakulären Auftritten an. Naheliegend und wirklich schön etwa ist dieses heraldisch inspirierte Design auf bei Palæoplushies erhältlichen T-Shirts.
Technisch sind die übrigens auch interessant -statt das Bild aufzudrucken, werden die Shirts zunächst eingefärbt und die Farbe dann stellenweise wieder entfernt, was zu einem nicht abbröckelnden Bild führt.

Bild: Palaeoplushies

Bild: Palaeoplushies

Mahnung der Woche

Eine kurze Erinnerung, dass die Katastrophe von Fukushima immer noch im Gange ist und neue Überraschungen bereithält, etwa dass die Strahlung zu hoch ist, um mit Kameras ausgestattete Roboter dort länger als zwei Stunden arbeiten zu lassen.


2011

Eigentlich wäre meine Musik des Jahres ja Weltenläufer von Thomas D. gewesen, aber das gibt es leider nirgendwo einbettbar online. Also nehm ich die jährliche Zusammenfassung der Billboard-Jahrescharts von DJ Earworm zum Einstieg und Thomas D. verlink ich halt bei amazon und iTunes (Weltenläufer ist Track 9).

2011 war ein langes Jahr. Ein wirklich langes, in dem viel passiert ist. Aber Punkt für Punkt:

Mönchengladbach
Es mag nicht so schnell ersichtlich sein, aber 2011 hat die Stadt große Fortschritte gemacht. Bürgerbeteiligung ist kein Fremdwort mehr. Die Salafisten sind zumindest als Organisation weg und im gesamten Stadtgebiet verteilt nehmen Projekte Form an, die die Zukunft der Stadt lange Zeit formen werden. Einige davon positiver als andere, keine Frage. Aber so oder so prägend. Was hier noch fehlt ist die Einbindung in einen größeren Kontext. Ich vermisse bei vielen meiner Kollegen im Rat noch Ansätze, wie man Dinge besser machen kann statt pauschaler Erklärungen, was alles schlecht ist.
Teilweise mussten sich die Bürger ihr Gehör erst erkämpfen, was schlecht ist. Aber, was gut ist, sie haben es dann oft auch erhalten.
Persönlich bin ich aber auch enttäuscht vom Stand der Politik in der Stadt. Zuvieles ist persönliche Auseinandersetzung, zu vieles ist Rechthaberei. Gerne auf uns, denn die Erkenntnis, dass 2011 das Jahr ist, in dem die Grünen Recht haben ist schon ziemlich erschreckend, vor allem für die um Alleinstellungsmerkmale ringenden Koalitionspartner. Das ist dann eher destruktiv, wirft es doch kein gutes Licht auf sie selber. Allerdings schaffen sie es so erfolgreicher als uns lieb wäre, grüne Projekte, Vorhaben und Ansätze auszubremsen.
Aber immerhin: Die zweite Radstation kommt (irgendwo im Zentrum Nord), Wanlo bekommt einen Wall und keine Wand, die 6. Gesamtschule hat seit diesem Sommer auf (und die Gesamtschulplätze reichen immer noch nicht). Und die Überschuldung der Stadt wurde in den letzten zwei Jahren um 4 Jahre in die Zukunft geschoben – immerhin.

AntiAKW
Strahlenzug beim Veilchendienstagszug 2011
Dass die AntiAKW-Bewegung 2011 ein starkes Jahr vor sich haben würde, war bereits 2010 abzusehen. Besonders gefreut hat mich Anfang März die Teilnahme des Strahlenzugs am Veilchendienstagszug in Mönchengladbach. Dem Bündnis, einer gemensamen Gründung des Vorjahres mit Tom Quartz (attac) und Torben Schultz (Linke) sollte ein bedeutendes Jahr bevorstehen.
Weniger erfreulich waren die Anlässe dazu. Wenige Tage nach dem Veilchendienstagszug erschütterte ein gewaltiges Erdbeben Japan, das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi fiel aus und es kam (vermutlich mehrfach) zur Kernschmelze. Der Mythos, „moderne“ Atomkraftwerke seien sicher, wurde unhaltbar. Und während der politische Brummkreisel Angela Merkel mal wieder die Richtung änderte wuchs die AntiAKW-Bewegung endgültig zum Mainstream heran.
Das entschied dann nicht nur (mit anderen Faktoren wie Stuttgart 21) die Wahl in Baden-Württemberg, es machte auch das Wendland (Heimat meiner Mutter und der ihrigen und Ort vieler meiner Sommerferien) zu einem Ort des Konflikts wie es ihn zuletzt in den 60er/70er Jahren bei der „Schlacht ums Wendland“ gesehen hatte.
Der CASTOR freilich kam in Gorleben an, doch so verspätet wie nie, so teuer wie nie und so öffentlich wie schon lange nicht mehr. Unter diesen Umständen mutet es gradezu verantwortungslos an, dass die Bundesregierung im November neue Transporte genehmigt und deren Durchführung direkt nach Gorleben nochmal explizit durchgedrückt hat. Und mit diesen wird 2012 dann weitergehen – CASTOR quer durch Niederrhein und Ruhrgebiet, vorbei an Großstädten wie Mönchengladbach, Krefeld, Duisburg, Essen.
Nach dem Blick ins dünn besiedelte Wendland das selbe in Nordrhein-Westfalen zu versuchen gerecht diagnostisch wohl zur Konstatierung einer wahnhaften Störung seitens der Verantwortlichen. Zumal diese die Sicherheit der Bevölkerung offenbar für weniger wichtig halten als jene der CASTORen – oder wie sonst ist es irgendwie etwas anderes als fahrlässig, die Feuerwehr vor Ort nicht in die Planungen einzubinden?

eBooks
Einst Science Fiction und etwas, was ich gar nicht mochte wurden eBooks dieses Jahr endlich zum großen Thema. Der erste Schritt ist getan, damit Autoren selbst Herren über ihre Werke sein können. Und mit den Lesegeräten unter 100 € beginnt die Zeit, in der das eBook eine Möglichkeit wird, günstig Literatur zu bekommen (der Preis wird durch niedrigere Buchpreise locker reingespielt). Und Energie spart es dank der ausbleibenden Buchproduktion obendrein.
Nun beginnt das Spiel, das in der Musik mit MP3 und im Video mit Youtube passiert ist. es werden Bewegungen und Gegenöffentlichkeiten im neuen Medium entstehen. Ganze Berufszweige geraten in die typische Krise vom Fortschritt überholter Gewerbe, während andere vollkommen neu entstehen. Buchläden, wie vor ihnen Plattenläden und Videotheken werden schneller verschwinden als wir uns das jetzt noch vorstellen können und (was wir uns momentan noch ebenso schwer vorstellen können) niemand wird sie vermissen. Ausser den Buchhändlern natürlich. Es ist keine Revolution. Bücher waren schon seit 50 Jahren nur noch ein „Ferner-liefen“-Medium neben Radio, Fernseher und Computer. Die gegenteilige Behauptung, jene Augenbinde des Feuilletons, war schon lange realitätsfern.
Für mich persönlich habe ich in diesem Bereich so viele Weichen gestellt, ich halte mich manchmal für einen Bahnarbeiter.

Und sonst
2011 ist auch vieles passiert, was mein Leben wenig betroffen hat. Die arabischen Revolutionen, von deren fortbestehendem Erbe ich immer noch wenig überzeugt bin. Steve Jobs (den ich nie mochte), Amy Whinehouse (deren Musik ich nie kannte), Kim Jong-Il (den niemand mochte) und noch einige andere sind gestorben, aber auch Loriot, K.H. Scheer und H.G. Francis, die ich mochte. Guttenberg ist zurückgetreten und hat versucht wiederzukommen, aber dazu gibt es nichts mehr zu sagen. Es gab eine Finanzkrise, von der ich persönlich nicht viel bemerkt habe, weil sie in Deutschland ein Abstraktum der Schlagzeilen bleibt (natürlich gab es mal wieder mehr Arbeitslose, aber wäre das ohne Krise etwa anders?).
Es gibt Freunde von mir, die sind krank geworden und einige, die es noch sind um die ich mir für 2012 große Sorgen mache. Gestorben ist 2011 zum Gück kein Freund, zumindest kein menschlicher (leb wohl, kleiner Piepser, ich werde dich vermissen).
Und es gibt eine ganze Reihe, die haben Kinder bekommen. Ein paar, äh Paar, hat geheiratet. Diesen wünsche ich viel Glück und Erfolg mit ihren neuen Leben. ich habe viele neue Menschen kennengelernt, von wunderbar bis zu „Arschloch“. All dies betrachte ich als Teile meines Privatlebens, die ich nicht im Blog auswalze.
Und ich habe mir versprochen, diesen Text bis 20:00 Uhr fertig zu haben, auch wenn ich sicher bin, vieles vergessen zu haben. Selten ist es mir so schwer gefallen, ein einziges Jahr in einem Text zusammenzufassen.

Guten Rutsch und bis nächstes Jahr!